Montag, 25. Oktober 2021

ArchĂ€ologiepreis fĂŒr „ĂŒberdurchschnittliches Engagement“ fĂŒr Stadt und Heimatbund

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Ladenburg, 14. Oktober 2010. Die Stadt Ladenburg und der Heimatbund Ladenburg e.V. sind von Wirtschaftsminister Ernst Pfister mit dem ArchĂ€ologiepreis 2010 ausgezeichnet worden. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wurde am 12. Oktober 2010 in Stuttgart ĂŒberreicht.

Information des Wirtschaftsministeriums:

„FĂŒr ihr jahrzehntelanges ĂŒberdurchschnittliches Engagement bei der UnterstĂŒtzung archĂ€ologischer Forschungen und deren PrĂ€sentation in der Öffentlichkeit verlieh Wirtschaftsminister Ernst Pfister heute in Stuttgart der Stadt Ladenburg und dem Heimatbund Ladenburg e.V. den ArchĂ€ologiepreis Baden-WĂŒrttemberg 2010 in Höhe von 5.000 Euro.

Der Förderpreis in Höhe von 2.500 Euro ging an Gertrud Boley, Armin KrĂŒger, Friedrich O. MĂŒller und Herbert Paul – vier engagierte BĂŒrger der Stadt Asperg, die sich ehrenamtlich große Verdienste um die Vermittlung landesarchĂ€ologischer Ergebnisse an die breite Öffentlichkeit erworben haben. Der ArchĂ€ologiepreis Baden-WĂŒrttemberg wird alle zwei Jahre von der WĂŒstenrot Stiftung Ludwigsburg vergeben.

Die Veranstaltung wurde von Dr. Claus Wolf, Leiter des Landesamtes fĂŒr Denkmalpflege im RegierungsprĂ€sidium Stuttgart, und Professor Dr. Wulf D. von Lucius von der WĂŒstenrot Stiftung eröffnet.

ĂŒrgermeister Rainer Ziegler bei seiner Dankesansprache, Wirtschaftsminister Ernst Pfister, den Vorsitzenden des Heimatbundes Dr. Meinhard Georg sowie den Leiter des Landesamts fĂŒr Denkmalpflege und gleichzeitigen Vorsitzenden des Preisgerichts Dr. Claus Wolf. Foto: Karl Fisch, Landesamt fĂŒr Denkmalpflege im RegierungsprĂ€sidium Stuttgart

Der Minister betonte, dass die Stadt Ladenburg eine Vielzahl archĂ€ologischer Zeugnisse aufweise – unter anderem die Reste aus römischer Zeit und eine der grĂ¶ĂŸten stadtartigen Siedlungen rechts des Rheins. Wichtige Grundlagen legte Dr. Berndmark Heukemes, EhrenbĂŒrger der Stadt und spiritus rector der frĂŒhen archĂ€ologischen Forschungen. Sein Einsatz fĂŒhrte zur GrĂŒndung des Lobdengau-Museums.

Der seit 1926 bestehende und heute rund 560 Mitglieder zĂ€hlende Heimatbund Ladenburg unterstĂŒtzte die Ausgrabungen von Heukemes und dokumentierte selbststĂ€ndig archĂ€ologische AufschlĂŒsse. Der Heimatbund betreibt das Lobdengau-Museum, das nur durch erhebliche Finanzmittel der Stadt realisiert und erweitert werden konnte. Die Mitglieder des Heimatbundes fĂŒhren die Aufsicht, betreuen ein archĂ€ologisches Depot, geben Schriften heraus und bieten Museums- sowie StadtfĂŒhrungen an. Im Jahr 1979 wurde die Ladenburg-Kommission ins Leben gerufen.

Der hochrangig besetzten Kommission gehören Vertreter der Stadt, der ArchĂ€ologischen Denkmalpflege und der universitĂ€ren Forschung an. „Die Kommission ist ein Musterbeispiel fĂŒr die Zusammenarbeit zwischen einer Stadt und institutionalisierter Denkmalpflege“, so Ernst Pfister. „Die Stadt Ladenburg und der Heimatbund Ladenburg e.V. haben ein jahrzehntelanges ĂŒberdurchschnittliches Engagement bei der UnterstĂŒtzung archĂ€ologischer Forschungen und deren PrĂ€sentation in der Öffentlichkeit geleistet – eine beispielhafte Zusammenarbeit zwischen Ehrenamt, kommunalen und anderen staatlichen Stellen.“

Im Mittelpunkt der Arbeit der vier BĂŒrgerinnen und BĂŒrger der Stadt Asperg stand die Vorbereitung der sehr erfolgreichen Ausstellung „Die Kelten kommen zurĂŒck“, die 2008 in Asperg stattfand. Dabei prĂ€sentierten die PreistrĂ€ger ganz bedeutende Funde und Befunde der frĂŒhkeltischen Zeit in Asperg und stellten diese archĂ€ologische Thematik professionell und didaktisch vorbildlich dar. In diesem Jahr veröffentlichten die vier Autoren das Buch „Kelten am Hohenasperg“. „Sowohl die Ausstellung als auch das daraus entstandene Buch stellen ein exzellentes Beispiel fĂŒr engagierte und kompetente heimatgeschichtliche Arbeit engagierter BĂŒrger dar“, erklĂ€rte der Minister.

Er wies daraufhin, dass das Wirtschaftsministerium als Oberste Denkmalschutzbehörde seit Jahren rund 4,5 Millionen Euro fĂŒr Projekte der ArchĂ€ologie bereitstellt.

Ernst Pfister betonte, Baden-WĂŒrttemberg habe in den vergangenen Jahren bemerkenswerte ArchĂ€ologie-Ereignisse vorzuweisen. Er nannte hier unter anderem das Ă€lteste gefundene Musikinstrument der Welt – eine Flöte aus dem FlĂŒgelknochen eines GĂ€nsegeiers und die „Venus vom Hohlen Fels“ bei Schelklingen – eine mindestens 35.000 Jahre alte Frauengestalt.

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Eiszeitliche TierfigĂŒrchen aus den Höhlen des Lone-, Blau- und Achtals gehören zu den Ă€ltesten Kunstwerken der Menschheit. „Deshalb wollen wir die Aufnahme der eiszeitlichen Siedlungslandschaft mit den Höhlen am SĂŒdrand der SchwĂ€bischen Alb in die Liste der WelterbestĂ€tten der UNESCO vorbereiten“, so der Minister. Derzeit sei Baden-WĂŒrttemberg auch maßgeblich am multinationalen UNESCO-Antrag zur Aufnahme der jungsteinzeitlichen und bronzezeitlichen Pfahlbausiedlungen um die Alpen beteiligt. Mit der Entscheidung sei im Sommer 2011 zu rechnen.

Aktuelle Arbeitsthemen der LandesarchĂ€ologie sind derzeit beispielsweise die Schwerpunktgrabungen, die groß angelegte Bauprojekte aus denkmalpflegerischern Sicht begleiten, damit der Verlust oder die Zerstörung von archĂ€ologischen Denkmalen bei linearen Großprojekten in Grenzen gehalten wird. Derzeit finden etwa auf den Trassen der neuen ICE-Strecke Stuttgart-Ulm und der Ethylen Pipeline SĂŒd entsprechende Grabungen statt.

Anerkennung erhĂ€lt die archĂ€ologische Forschung in Baden-WĂŒrttemberg durch eine vielfĂ€ltige und beachtliche Drittmittelförderung zahlreicher landesarchĂ€ologischer Projekte etwa durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft. In diesen Projekten werden neueste Methoden angewendet wie beispielsweise eine 3D-Computertomographie beim Projekt zur Aufarbeitung der frĂŒhmittelalterlichen Grabfunde von Lauchheim. „Die 3D-Aufnahmen erlauben ganz neue Einsichten in die materielle Welt der Alamannen und Franken, da nun auch Textilien und kleinste Details der Grabbeigaben erkannt und zerstörungsfrei untersucht werden können“, so Ernst Pfister. Die technische AusrĂŒstung wurde aus Innovationsfördermitteln und aus Denkmalfördermitteln vom Wirtschaftsministerium finanziert.“

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