Dienstag, 27. Juli 2021

Die "unechte Einbahnstraße" bleibt

„Ein Schritt in die richtige Richtung“

Nach einem Jahr wurde Bilanz gezogen – jetzt wurde entschieden. Quelle: Stadt Ladenburg.

Ladenburg, 25. Oktober 2012. (red/sap) Bei sieben Gegenstimmen wurde in der gestrigen Gemeinderatssitzung beschlossen, dass die „unechte Einbahnstraßen“-Regelung in der Ladenburger Altstadt bestehen bleibt. Aber auch den Befürwortern war klar, dass man mit dieser Entscheidung nicht allen Ladenburger Einwohnerinnen und Einwohnern „gerecht“ werde.

Von Sabine Prothmann

Am 25. Mai 2011 hatte der Ladenburger Gemeinderat den Beschluss gefasst, für ein Jahr auf Probe in der Altstadt das System einer „unechten Einbahnstraße“ einzuführen.

Die „unechte Einbahnstraße“ regelt den Verkehr in der Hauptstraße und in der Kirchenstraße. Es gibt ein Einfahrtsverbot in alle Straßen der Altstadt von Samstag 14:00 Uhr bis Montag 7:00 Uhr sowie an Feiertagen, mit Ausnahme der Anlieger.

Zudem gibt es ein Einfahrtsverbot und ein „Anlieger frei“ von der Kirchenstraße in die Neugasse sowie am Wochenende ein Einfahrtshindernis in Form von Pollern am Neckartorplatz und am Schriesheimer Tor.

„Unecht“ ist die Einbahnstraße, da man an manchen Stellen auch in die Gegenrichtung fahren kann, denn anders ist es für viele Anwohner der Altstadt nicht möglich in ihre Einfahrten zu gelangen. An drei Stellen gibt es in der Altstadt Einfahrtsverbote und ansonsten „muss man nur den Verkehrsschildern folgen“.

Am 25. Juli 2012 hatte man in einer Informationsveranstaltung eine erste Bilanz gezogen und den Ladenburger Bürgerinnen und Bürgern, die Gelegenheit für einen Meinungsaustausch gegeben. Hier äußerten vor allem die Anwohner der Kirchenstraße und der Neugasse ihren Unmut.

Mehr positive als negative Effekte

Die Verkehrszählung im Mai 2012 hatte ergeben, dass an mehren Stellen der Altstadt, am Alten (-24 Prozent) und am Neuen Rathaus (-16 Prozent) und an der Tränke (-9 Prozent), der Verkehr deultich abgenommen habe, nur am Kirchenvorplatz habe der Verkehr wieder sehr deutlich, und zwar um 37 Prozent innerhalb eines Jahres, zugenommen. Es wurde festgestellt, dass viele Fahrzeuge aus der Altstadt raus über die Kirchenstraße und dann über die Heidelberger Straße in die Trajanstraße fahren.

Insgesamt bewertet der Bürgermeister die positiven Effekte höher als die negativen und „ich bin dafür die Reglung so bestehen zu lassen und sie nicht zurückzuführen“, erklärte er in der gestrigen Gemeinderatssitzung.

Rainer Ziegler kündigte an, dass in nächster Zeit Verkehrskontrollen durchgeführt würden, aber es verstehe sich von selbst, dass er keinen genauen Termin nennen könne.

„Die Schließung der Altstadt ist in keinster Weise gewünscht“, betonte Stadtrat Prof. Dr. Rainer Beedgen (CDU).

Will man eine Wohnstadt gibt es kein städtisches Leben. Will man städtisches Leben, muss man Verkehr in irgendeiner Weise ertragen.

Ziel müsse sein, den weiteren Rückzug des Warenangebots zu verhindern. Beedgen sah Gefahr, dass sich in der Ladenburger Altstadt eine Monokultur der Gastronomie ausbreite. „Ich bin kein Fan der „unechten Einbahnstraße“, dann lieber Chaos“, so Beedgen.

„Wir haben schon sehr viel gemacht, in kleinen behutsamen Schritten“, sagte Stadtrat Wolfgang Zahner (SPD) und erinnerte daran, dass früher der Nahverkehr durch die Altstadt fuhr und Marktplatz und Domhof große öffentliche Parkplätze waren. Heute habe man in der Altstadt eine Spielstraßenregelung.  Es sei schon beträchlich ruhiger geworden.

Egal, was wir machen, es gibt immer Gegner und Befürworter. Wir können nichts schaffen, was für alle richtig ist.

Die „unechte Einbahnstraße“ sei ein Schritt in die richtige Richtung, erklärte Zahner.

„Wir brauchen das Auto in der Innenstadt. Mir ist es zu ruhig“, sagte Stadträtin Gudrun Ruster (FW) und deswegen wolle sie die alte Verkehrsführung zurück. Damit stehe sie allein innerhalb ihrer Fraktion.

„Wir sind für die Beibehaltung der „unechten Einbahnstraße“, erklärte Ingrid Dreier für die GLL. Klar ist:

Für die einen ist es zu viel, für die anderen zu wenig Beruhigung.

Doch insgesamt überwiegten die positiven Effekte in der gesamten Altstadt und jetzt wolle man Klarheit für die Zukunft, sagte die Stadträtin.

Das Warenangebot in der Altstadt nehme ab und damit gäbe es weniger Einkäufer oder es gibt weniger Einkäufer und deshalb weniger Angebot. „Wo ist hier die Ursache, wo ist hier die Wirkung?“, fragte Dreier.

„Die jetzige Regelung ist keine Lösung, die alle befriedigt“, sagte Wolfgang Luppe, deshalb stelle seine Fraktion den Antrag, eine echte Einbahnstraße einzuführen.

Es gäbe zwei Gründe, die gegen eine echte Einbahnstraßenregelung sprächen, erklärte Bürgermeister Rainer Ziegler. Da sind zum einen die Einfahrten, die nur von einer bestimmten Richtung zu erreichen seien, und zum anderen die riesige Zahl an Schildern, die das zur Folge hätte. Gut 40 Verkehrschilder müssten an den Straßeneinmündungen beidseitig aufgestellt werden.

Die Altstadt habe erheblich an Qualität gewonnen, sagte Dr. Peter Hilger (FW) und bezeichnete die geltende Regelung als „tragbarsten Kompromiss“.

„Wir können es nicht allen Recht machen und wir können vor allem den Anwohnern der Kirchenstraße nicht gerecht werden“, sagte abschließend Bürgermeister Ziegler.

Bei der Abstimmung stimmten nur die beiden FDP-Stadträte für Wolfgang Luppes Antrag, eine echte Einbahnstraße zu realisieren.

Der Antrag von Gudrun Ruster, die jetzige Verkehrslenkung wieder aufzugeben und den alten Zustand wieder einzuführen, wurde bei acht zu elf Stimmen abgelehnt.

Bei sieben Gegenstimmen wurde beschlossen, die jetzige Situation zu belassen.

 

 

Diskussion zur "unechten Einbahnstraße"

„Hier prallen Meinungen aufeinander“

Meinugsaustausch im Domhof zur "unechten Einbahnstraße". Foto: Ladenburgblog.

Ladenburg, 26. Juli 2012. (red/sap) Knapp 90 Bürgerinnen und Bürger hatten sich gestern im Domhof eingefunden, um mit der Ladenburger Stadtverwaltung über die „unechte Einbahnstraße“ zu diskutieren. Viele Argumente der Gegner und Fürsprecher waren verständlich, eine Lösung sollte und konnte nicht gefunden werden.

Von Sabine Prothmann

Die Verkehrssituation in der Ladenburger Altstadt ist ein hochbrisantes kommunalpolitisches Dauerthema, sagte gestern Bürgermeister Rainer Ziegler bei der Bürgeranhörung zu der „Unechten Einbahnstraße“.

Die Ladenburger Verwaltung habe die Gemeinderäte, die Mitglieder des BdS, des Tourismus- und Gastrovereins, die Anwohner der Altsstadt sowie interessierte Bürger eingeladen, um deren Meinungen kennen zu lernen:

Hier prallen Meinungen aufeinander.

Am 25. Mai 2011 hatte der Ladenburger Gememeinderat den Beschluss gefasst, für ein Jahr auf Probe in der Altstadt das Sytem einer „unechten Einbahnstraße“ einzuführen.

Das Jahr ist jetzt vorbei und nun sollen die Bürger über ihre Erfahrungen berichten. „Wir wollen offen sein“, sagte der Bürgermeister. Das „Für und Wider“ soll dargestellt und eine Bilanz soll jetzt gezogen werden, wobei, wie Ziegler einräumte:

Jeder zieht seine eigene, sujektive Bilanz, und das ist nicht wertend zu verstehen.

Objektiv wurden Verkehrszählungen und -erhebungen durchgeführt.

Ein Jahr auf Probe: Die „unechte Einbahnstraße“

Die permanente „unechte Einbahnstraße“ – ein Unwort, wie der Bürgermeister betonte – regelt den Verkehr in der Hauptstraße und in der Kirchenstraße.

Es gibt ein Einfahrtsverbot in alle Straßen der Altstadt von Samstag 14:00 Uhr bis Montag 7:00 Uhr sowie an Feiertagen, mit Ausnahme der Anlieger.

Zudem gibt es ein Einfahrtsverbot und ein „Anlieger frei“ von der Kirchenstraße in die Neugasse sowie ein Einfahrtshindernis in Form von Pollern am Neckartorplatz und am Schrießheimer Tor.

„Unecht“ sei die Einbahnstraße, da man an manchen Stellen auch in die Gegenrichtung fahren kann, denn anders sei es für viele Anwohner der Altstadt nicht möglich in ihre Einfahrten zu kommen, erklärte Ziegler. An drei Stellen gibt es in der Altstadt Einfahrtsverbote und ansonsten „muss man nur den Verkehrsschildern folgen“.

Eine Verkehrszählung im Mai diesen Jahres hat ergeben, dass an mehren Stellen der Altstadt, am Alten (1995: 1900 KFZ / 2012: 780) und am Neuen Rathaus (1995: 2600 KFZ / 2012: 1467) und an der Tränke, der Verkehr deultich abgenommen habe, nur am Kirchenvorplatz (1995: 800 / 2011: 396 / 2012: 552) habe der Verkehr wieder sehr deutlich, und zwar um 37 Prozent innerhalb eines Jahres, zugenommen.

Falschfahrer gab es am Tag der Verkehrserhebung 2012 in der Altstadt 6 bis 8 und in die Neugasse seien 148 KFZ eingefahren, wobei nicht erhoben wurde, ob es sich dabei um Anlieger oder Fahrer, die eine Abkürzung genommen haben, handelte.

Es wurde festgestellt, dass viele Fahrzeuge aus der Altstadt raus über die Kirchstraße und dann über die Heidelberger Straße in die Trajanstraße fahren.

Insgesamt, so Ziegler, sind es alles keine dramatischen Zahlen und das Konfliktpotential sei geringer geworden.

„Unser Ziel“, sagte der Bürgermeister, “ ist eine lebendige Altstadt, eine floriende Geschäftswelt und weniger Verkehrsbelastung.“ Und eröffnete damit die Diskussion.

„Bei mir ging’s leicht zurück vom Umsatz“, sagte ein Geschäftsmann aus der Altstadt. Ob das an der „unechten Einbahnstraße“ liege, sei nicht klar.

Es gibt Regeln, aber keine Strafen?

„Die Verbote müssen kontrolliert werden“, sagte ein Einwohner und bemängelte die fehlende Kontrolle der Verkehrsteilnehmer in der Altstadt durch die Polizei.

„Das muss bestraft werden“, forderte ein Ladenburger.

„Die Regeln sind da, man muss sie nur erwischen“, sagte Ziegler. „Die Ahndung ist ein Problem, aber wir müssen reagieren auf das Fehlverhalten der Menschen“, bestätigte der Bürgermeister.

Ein Radargerät in der Altstadt auf zu stellen, sei fast unmöglich, dafür benötige man eine gerade Strecke von rund 100 Metern, damit bleibe nur die Laserpistole und die sei wiederum personalintensiv.

Es sind eher Anlüger als Anlieger in der Neugasse,

beschwerte sich eine Ladenburgerin.Verkehr und Geschwindigkeit in der Kirchenstraße hätten eindeutig zugenommen,  kritisierte ein Altstadtbewohner. Der innere Ring solle komplett für den Verkehr gesperrt werden, schlug er vor und erntete dafür Applaus. Viele kürzten über die Altstadt ab, fuhren in die Kirchenstraße rein und über die Heidelberger Straße wieder raus.

Ein weiterer Anwohner der Kirchenstraße gab ihm da Recht: „Die „Unechte Einbahnstraße“ „hat uns nur zusätzliche Belastungen gebracht, das ist kein Zustand, den man lassen kann“. Er hoffe, dass diese Regelung wieder zurückgenommen werde.

Aber auch die Befürworter der „Unechten Einbahnstraße“ kamen zu Wort. Eine Ladenburgerin, die zwar nicht in der Altstadt wohnt, hier aber fast täglich zu Fuß unterwegs ist, sprach davon, dass sich der Verkehr vor allem am Marktplatz deutlich entkrampft habe und durch den Wegfall des Gegenverkehrs „kann ich jetzt wenigstens in die Lücken springen, wenn ein Auto kommt“.

Eine Bewohnerin der Neugasse stellte fest, dass sowohl der Rückstau als auch die Kreuzungsprobleme durch die Einbahnstraßenregelung behoben seien, insgesamt sei der Verkehr flüssiger geworden.

Dies bestätigte auch ein anderer Altstadtbewohner, der Verkehr sei entkrampft und nicht so abgebremst: „Ich bin ein Verfechter der Fußgängerzone, der Verkehr sollte raus“. Aber immerhin sei die Situation schon besser geworden und jeder Verkehr, der wegfalle, sei auch schon was.

„Dann haben wir eine ganz ruhige Stadt“

„Ich habe auch gerne Ruhe, aber unsere Existenz steht auf dem Spiel“, sagte ein Ladenbesitzer:

Ein Laden nach dem anderen macht zu, dann haben wir eine ganz ruhige Stadt.

Die Leute wollten gerne eine Fußgängerzone, aber sie kommen dann nicht in die Stadt zum Einkaufen.

„Ich möchte eine lebendige Altstadt, einen blühenden Einzelhandel und eine verträgliche Verkehrssituation – wo ist die genau richtige Lösung?“, fragte Bürgermeister Ziegler.

Gutachten hätten festgestellt, dass Fußgängerzone bei einer Größe wie Ladenburg nicht funktionieren, erklärte Ziegler:

Ich habe Angst, diesen radikalen Schritt zu gehen – und dann haben wir keinen Einzelhandel mehr.

Kritisiert wurde auch die Parksituation in der Altstadt, die Parkplätze mit Kurzparkzone seien Maßnahmen für die Geschäftsleute gewesen. Für die Anwohner fehle es vor allem abends und an Wochenenden an Parkplätzen.

Ziegler appellierte an die Altstadtbewohner, ihre Garagen und den Parkraum auf ihren Grundstücken zu nutzen.

Aus der Bürgerschaft kam der Wunsch nach einem autofreien Samstag und auch der Vorschlag, die Einfahrt am Wochenende nicht für Anlieger, sondern nur für Anwohner zu erlauben.

Bei seiner nächsten Sitzung im September wird sich der Ladenburger Gemeinderat sicher nicht leicht tun, für alle Ladenburger Bürger eine gute Lösung zu finden. Wenn es die überhaupt gibt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bilanz der Erfahrungen

Ein Jahr „unechte Einbahnstraße“

Nach einem Jahr wird Bilanz gezogen – im Herbst wird entschieden. Quelle: Stadt Ladenburg

Ladenburg, 19. Juli 2012. (red/pm) Nach einem Jahr „unechter Einbahnstraße“ in der Ladenburger Altstadt wird Bilanz gezogen. Vor einer Entscheidung, ob die Maßnahme fortgeführt wird, will der Gemeinderat aber Bürgerinnen und Bürger sowie Geschäftsleute anhören.

Information der Stadt Ladenburg:

„Die im Gemeinderat vereinbarte einjährige Probezeit der „Unechten Einbahnstraße“ in der Haupt- und Kirchenstraße ist abgelaufen. In der ersten Sitzung nach den Sommerferien wird der Gemeinderat darüber entscheiden, ob die „Unechte Einbahnstraße“ aufrecht erhalten bleibt oder ob eine Änderung der aktuellen Situation herbeigeführt wird. Diese Entscheidung will der Gemeinderat jedoch nicht treffen, ohne vorher nochmals die Meinung der Bevölkerung und der unterschiedlichen Interessensgruppen zu hören. Hierzu findet am

Mittwoch, den 25. Juli 2012, um 19.00 Uhr, im Domhof in Ladenburg

eine öffentliche Informationsveranstaltung statt, bei der die Argumente ausgetauscht werden sollen. Die Bevölkerung und die von der Verkehrslenkung in der Altstadt betroffenen Interessensgruppen sind herzlich zu diesem Austausch der Argumente eingeladen. Der Gemeinderat bittet um eine rege Teilnahme, denn nur wenn er sowohl die befürwortenden, als auch die gegen die aktuelle Verkehrslenkung stehenden Meinungen kennenlernt, kann er eine ausgewogene Entscheidung für die Zukunft treffen.“

Einladung zur öffentlichen Informationsveranstaltung

Probezeit „Unechte Einbahnstraße“ beendet

Ladenburg, 12. Juli 2012. (red/pm) Ladenburger Bürgerinnen und Bürger, insbesondere alle an der genannten Verkehrslenkung betroffenen Interessensgruppen sind dazu eingeladen, sich mit ihrer Meinung zu einer Weiterführung der „Unechten Einbahnstraße“ an der kommenden Diskussions- und Informationsveranstaltung  des Gemeinderats zu beteiligen.

Information der Stadtverwaltung Ladenburg:

„Die im Gemeinderat vereinbarte einjährige Probezeit der „Unechten Einbahnstraße“ in der Haupt- und Kirchenstraße ist abgelaufen.

In der ersten Sitzung nach den Sommerferien wird der Gemeinderat darüber entscheiden, ob die „Unechte Einbahnstraße“ aufrecht erhalten bleibt oder ob eine Änderung der aktuellen Situation herbeigeführt wird. Diese Entscheidung will der Gemeinderat jedoch nicht treffen, ohne vorher nochmals die Meinung der Bevölkerung und der unterschiedlichen Interessensgruppen zu hören. Hierzu findet am

Mittwoch, 25. Juli 2012 , 19.00 Uhr im Domhof

eine öffentliche Informationsveranstaltung statt, bei der die Argumente ausgetauscht werden sollen.

Die Bevölkerung und die von der Verkehrslenkung in der Altstadt betroffenen Interessensgruppen sind herzlich zu diesem Austausch der Argumente eingeladen. Der Gemeinderat bittet um eine rege Teilnahme, denn nur wenn er sowohl die befürwortenden, als auch die gegen die aktuelle Verkehrslenkung stehenden Meinungen kennenlernt, kann er eine ausgewogene Entscheidung für die Zukunft treffen.“

Auch Anlieger dürfen weiterhin am Wochenende in die Altstadt fahren


Guten Tag!

Ladenburg, 26. Mai 2011. (red) Gestern wurden im Ladenburger Gemeinderat endlich Entscheidungen getroffen, um die Verkehrsberuhigung in der Ladenburger Altstadt voran zu bringen. Vorangegangen waren ein Gemeinderatsbeschluss vom 2. März 2011 und eine weitere Sitzung mit öffentlicher Diskussion am 16. Mai 2011 (wir berichteten), auf der verschiedene Modelle zur Verkehrsberuhigung vorgestellt wurden.

Von Sabine Prothmann

Die Zustimmung des Ladenburger Gemeinderats zur „Unechten Einbahnstraße“ und zur Absperrung der Altstadt für den Durchgangsverkehr – Anlieger frei – von Samstag 14 Uhr bis Montag 7 Uhr war der kleinste gemeinsame Nenner. Aber ein erster Schritt, wie Bürgermeister und einige Stadträte betonten.

Rainer Ziegler bedankte sich bei den Ratsmitgliedern für die „zielführende Diskussion“ und war sichtlich erleichtert, dass man bei diesem „Dauerkonflikt“ eine erste Lösung gefunden hatte.

„Eine gefummelte Lösung“?

In der Diskussion erklärte Professor Dr. Rainer Beedgen (CDU), ein Konzept für den ruhenden Verkehr sei für ihn das „A und O“: „Wir können den Verkehr nicht wegbeamen, wo wollen wir konzeptionell hin?“, sei die Frage, alles andere bleibe für ihn „eine gefummelte Lösung“.

Die Parkplatzsituation bezeichnete Bürgermeister Rainer Ziegler als wichtiges begleitendes Thema, was aber erst in einer zweiten Stufe aufgearbeitet werden müsse.

„Im Kernbereich haben wir 745 gezählte Parkplätze“, das sei im Vergleich zu anderen ähnlichen Städten sehr gut, so Ziegler.

„Wir wollen die Stadt nicht tot machen“, erklärte Dr. Peter Hilger (FW) im Hinblick auf das in den Anträgen von der FDP und SPD geforderte Einfahrverbot in die Altstadt am Wochenende.

Man sei sich in ihrer Fraktion nicht einig, meinte Ingrid Dreier (GLL). „Egal welche Entscheidung wir treffen“, dem einen seien die Einschränkungen zu weit, dem anderen nicht weit genug.

Seine Fraktion habe eine einheitliche Meinung, erklärte Wolfgang Luppe (FDP), die Einfahrt in die Altstadt solle mit Ausnahme der Anwohner am Wochenende gesperrt werden und verwies auf den von der FDP eingebrachten Antrag.

„Unechte Einbahnstraße“ – ein erster Schritt

Gerhard Kleinböck (SPD) machte den Vorschlag die „Unechte“ Einbahnstraßenregelung als ersten Schritt zu betrachten, weitergehende Maßnahmen müssten aber folgen.

Die Anträge sollten differenziert abgestimmt werden, beginnend mit dem kleinsten Schritt, schlug deshalb auch der Bürgermeister vor.

Während der Antrag der FDP den sogenannten „Karolingischen Ring“ (Kirchenstraße und Hauptstraße von der VHS bis zum Gasthaus „Krone“) als echte Einbahnstraße vorsah, plädierte der Antrag der SPD für eine „unechte Einbahnstraßenregelung“ in der Kirchenstraße.

Die Vorteile der „unechten Einbahnstraße“ überwiegen, betonte Bürgermeister Ziegler und verwies darauf, dass man in einige Garagen in der Altstadt nur aus einer Richtung einfahren könne.

„Wir entscheiden auf dem Rücken derer, die in der Altstadt ihr Geld verdienen“, gab Stadtrat Karl Meng (CDU) zu bedenken.

Nach einer fünfminütigen Sitzungsunterbrechung, in der sich der Bürgermeister mit den Fraktionsvorsitzenden besprochen hatte wurde die „unechte Einbahnstraße“ für den „Karolingischen Ring“ bei fünf Gegenstimmen beschlossen.

Der Antrag der FDP sah vor, dass das Parken im gesamten Altstadtbereich mit Ausnahme der Anwohner verboten sei. Hotelgäste könnten demnach zwar zum Gepäck aus- und beladen in die Altstadt einfahren, danach sollten die Autos aber außerhalb geparkt werden. Zudem sollte das Parken an Wochenenden auf dem Marktplatz verboten werden, erklärte Luppe.

„Wie bring‘ ich meine Oma in die Kirch‘?“

Da stelle sich ihm die Frage, „wie bring ich meine Oma in die Kirch-€™“, so Dr. Hilger. „Wir wollen am Wochenende keine Durchfahrer, aber Leute, die in friedlicher Absicht kommen.“

Auch Stadtrat Steffen Salinger (SPD) betonte, ein Einfahrtverbot, sei ein Eingriff für die Selbstständigen, beispielsweise Hoteliers. „Die Auswirkungen können wir nicht abschätzen.“

„Anlieger frei, tut nicht weh“, erklärte auch Bürgermeister Ziegler. Und klärte darüber auf, dass Anlieger ungleich Anwohner seien, dies bedeute, möchte man in der Altstadt die Kirche oder ein Restaurant aufsuchen, habe man ein Anliegen und könne in die Altstadt einfahren. Dr. Beedgen bezeichnete „Anlieger frei“ als wenig effizient.

Bei vier Gegenstimmen wurde die „Hilgersche Lösung“ – Einfahrtsverbot für alle Straßen der Altstadt – Anlieger frei – am Wochenende in der Zeit von Samstag, 14:00 Uhr, bis Montag, 07.00 Uhr sowie an Feiertagen – angenommen.

Als nächste Stufe wurde der vom Bürgermeister bevorzugte Antrag, Einfahrt nur für Anwohner und sonstige Berechtigte, zur Abstimmung gebracht, und wurde mit 14 Stimmen dagegen, 7 Stimmen dafür und einer Enthaltung abgelehnt.

Auftrag an die Verwaltung: Parkkonzept

Auf Anregung von Dr. Beedgen mit Unterstützung von Gerhard Kleinböck (SPD) wurde der Arbeitsauftrag an die Verwaltung gegeben, ein Parkkonzept zu entwerfen.

Einig waren sich die Ratsmitglieder, dass die Verkehrssituation in einem Jahr evaluiert werden sollte.