Samstag, 02. Juli 2022

FußgĂ€ngerzone: Online-Abstimmung des „MM“ unseriös und ohne Aussagekraft


Guten Tag!

Ladenburg, 02. MĂ€rz 2011. Der Mannheimer Morgen bietet auf seiner Internetseite eine „Online-Abstimmung“ zur FußgĂ€ngerzone an. Die ist ohne jede Aussagekraft und jede Interpretation muss unseriös bleiben.

Von Hardy Prothmann

Ich kann nicht wirklich behaupten, dass der Mannheimer Morgen in Sachen „Umfragen“ vollstĂ€ndig beratungsresistent ist.

Was ich weiß, ist, dass ich 1994 ein Interview mit einem Mannheimer Professer fĂŒr empirische Sozialforschung gefĂŒhrt habe. Der Grund: Damals fĂŒhrte der „MM“ so genannte Telefonabstimmungen durch.

Da ich gerade mein Studium der Politischen Wissenschaften abgeschlossen hatte und fast drei Jahre am Zentrum fĂŒr Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA) stĂ€ndig mit wissenschaftlichen Analysen zu tun gehabt hatte, war ich zunĂ€chst verwundert und dann neugierig, was die Wissenschaft zu solchen „Stimmungsbarometern“ zu sagen hat.

Das Ergebnis war niederschmetternd – fĂŒr den MM. Im Interview erklĂ€rte mir ein Professor der UniversitĂ€t Mannheim, dass diese Art Umfragen vor allem eins sind: unseriös.

Ohne Aussagekraft - die "Online-Abstimmung" des "MM". Quelle: morgenweb

Solcherart betriebene Umfragen taugen genau nichts. Da kann man auch Knochen werfen, den Vogelflug beobachten oder sonstige „AuffĂ€lligkeiten“ interpretieren. Solcherart „Voodoo“ wĂ€re wenigstens noch etwas „spannender“.

Die aktuelle „Online-Umfrage“ des MM taugt nichts, weil einfachste Standards nicht eingehalten werden. Es gibt keinerlei Daten zum Zeitraum der Erhebung, zur Erhebungsmethode, zur Erhebungsauswertung – das kann man als „NachlĂ€ssigkeit“ gegenĂŒber den „Nutzern“ interpretieren oder ganz derb als „Verarschung“. Der „Arsch“ ist dabei der, der versucht, sich in Treu und Glauben an den „Ergebnissen“ zu orientieren.

Interessanterweise oszilliert das „Ergebnis“ meist um eine angeblich hĂ€lftige Zustimmung und Ablehnung und passt so sehr genau zur Berichterstattung, die immer wieder ein „DafĂŒr“ und „Dagegen“ in lockerer Folge prĂ€sentiert, um die „Stimmung“ hoch zu halten. Aber dass ist nur eine „Interpretation“ ohne jegliche Fakten – denn die fehlen vollstĂ€ndig.

Diese Berichterstattung nimmt es ebensowenig genau mit den „Fakten“ wie die „Umfrage“.

Ich wĂŒrde dem Mannheimer Morgen dringend empfehlen, die Bedingungen der „Umfrage“ zu kommunizieren, ebenso wie die Tatsache, dass sie eigentlich nichts taugt.

Wenn die Zeitung dies kommunizieren wĂŒrde, könnte ich der Meinung sein, dass sie nicht vollends beratungsresistent ist.

Meine Hoffnung geht in der Sache allerdings gegen Null.