Montag, 26. September 2022

Ballonfestival: Abfackeln statt glĂŒhen

Guten Tag!

Ladenburg, 14. August 2010. Das 6. Ballonfestival Ladenburg hatte keinen guten Start fĂŒr die Organisatoren LSV-Förderverein und den Ballonfahrten-Unternehmer Uwe Hilzendegen. Mit rund 4.000 Besuchern kamen auch deutlich weniger GĂ€ste als erwartet. Echte Stimmung kam nicht auf.

Von Hardy Prothmann

Das Wetter hat nicht mitgemacht – zuviel Wind hat den Start der Ballons beim 6. Ballonfestival verhindert. Und auch das BallonglĂŒhen war eher ein Gas-Abfackeln. Zwar gaben die Ballonpiloten „Gas“, aber ohne HĂŒllen ĂŒber den Körben – das war irgendwie skurril. Das machte hell und gab Licht, aber keine Stimmung.

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Abfackeln statt BallonglĂŒhen - das macht Licht, aber keine Stimmung. Bild: ladenburgblog

Hell, dunkel – und weiter?

Die Flammen schossen meterhoch in die Luft und erleuchteten die Festwiese, wenn alle neun (statt der angekĂŒndigten zwölf) Ballonfahrer gleichzeitig ihre Brenner betĂ€tigten. Es wurde hell, es wurde dunkel. Mehr war aber auch nicht.

Am besten gefielen da noch die Modellballone von Ballonmodellbauer Michael Kampmann. Die kleineren Heißluftballone schwebten wenigstens mal fĂŒr eine kurze Zeit drei, vier Meter ĂŒber dem Boden und „glĂŒhten“, wenn die Brenner per Fernbedienung betĂ€tigt wurden.

Das Festival fing sehr verhalten an, gut 1.000, höchstens 1.500 Besucher waren es am frĂŒhen Abend, als die Ballons starten sollten. Uwe Hilzendegen war sich mit den anderen Ballonpiloten einig, dass die Wetterlage eine sichere Fahrt nicht ermöglichte. Die Entscheidung, am Boden zu bleiben ist selbstverstĂ€ndlich und richtig, denn die Piloten sind fĂŒr die Sicherheit ihrer FahrtgĂ€ste verantwortlich.

Nur 4.000 Besucher sind zu wenig.

Am Boden gab es das Übliche: Bratwurst, Steak und Pommes. Und das Bon-System, dass der frĂŒhere Ballonfestival-Mitveranstalter Michael Bering so gescholten hat, funktionierte. Es waren ja auch zum Höhepunkt, dem „BallonglĂŒhen“ nur freundlich geschĂ€tzt 4.000 Besucher vor Ort.

Trotzdem muss man hier eine deutliche Kritik ĂŒben: Wenn ein Bon-VerkĂ€ufer GĂ€ste anmotzt, dass das hier so ĂŒberhaupt nicht gehe und gefĂ€lligst eine Reihe gebildet werden muss, dann ist das erstens unfreundlich und zweitens lĂ€cherlich, wenn vor dem Bon-Stand nur acht Leute stehen.

Es fehlte an einer Inszenierung.

Auch die Beschallung war nicht gut. Die Moderationen waren teils sehr schwer verstÀndlich. Und es fehlte komplett an einer Dramaturgie, einer Inszenierung, die dem Festival eine besondere Note gibt.

Die Eheleute Rittlinger und der Förderverein der Fußballabteilung der LSV haben zusammen mit den ehrenamtlichen Helfern sicherlich viel getan, um das Festival nach dem Absprung von Bering doch noch zu veranstalten.

Vielleicht wĂ€re es aber besser gewesen, es fĂŒr ein Jahr ausfallen zu lassen. Um sich zu sammeln, ein gutes Konzept zu erstellen, ein ordentliches Rahmenprogramm zu entwickeln und dann einen Neustart zu machen.

Erfolg orientiert sich nicht an Schuldfragen.

So ist das Wetter schuld, fĂŒr die „inneren Kreise“ der Konflikt zwischen Bering und Rittlinger und was sonst noch, beispielsweise eine unzureichende Bewerbung der Veranstaltung. Nur: Die Schuldfrage interessiert keinen Besucher, eine Suche nach der Schuld beantwortet nicht die Frage, wie man Erfolg hat.

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Modellbauer Michael Kampmann am Ballon. Bild: ladenburgblog

Dass nur rund 4.000 Besucher gekommen sind, ist ein Warnsignal. Wenn das nicht wahrgenommen wird, wird eine an sich imposante Veranstaltung zu Tode veranstaltet. Angeblich waren es ja mal ĂŒber 20.000 Besucher, woran man aber Zweifeln haben darf. Doch 6-10.000 Besucher sollte eine solche Veranstaltung schon erreichen können. Alles darunter muss die berechtigte Frage aufkommen lassen, ob Aufwand und Ergebnis noch zueinander passen.

Alle haben sich bemĂŒht: Die LSV, die Stadt und Herr Hilzendegen. Steht in einem Zeugnis aber: „Sie haben sich jederzeit bemĂŒht“, weiß man, wie man das zu verstehen hat.

Zukunft ungewiss.

Das hat auch das Publikum klar gemacht. Das „bemĂŒhte“ Klatschen nach 30 Minuten Gas abfackeln wirkte eher wie ein Trost fĂŒr die Zuschauer selbst – man will schließlich nicht vergebens gekommen sein.

LSV-Förderverein und Hilzendegen haben nun ein Jahr Zeit, ĂŒber all das und das nĂ€chste Ballonfestival nachzudenken. Einen Erfolg können sie fĂŒr dieses Jahr nicht vermelden, am Erfolg aber werden sie gemessen werden. Der muss im kommenden Jahr da sein, sonst wird das Ballonfestival in Ladenburg keine Zukunft haben.

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