Montag, 24. Januar 2022

Lobdengau-Museum hat einen neuen Leiter

Dr. Hensen: „Ladenburg ist das FiletstĂŒck römischer ArchĂ€ologie in Europa.“

Ladenburg, 09. Februar 2012. (red/jt) Dr. Andreas Hensen tritt ab MĂ€rz seine Position als neuer Leiter des Lobdengau-Museums an. Der ArchĂ€ologe wurde aus ĂŒber 80 Bewerbern aus ganz Deutschland ausgewĂ€hlt. BĂŒrgermeister Rainer Ziegler und Dr. Meinhard Georg vom Heimatbund Ladenburg freuen sich sehr ĂŒber die damit gelegten „Grundlagen fĂŒr eine gute Zukunft“.

Das „museale Kleinod“ der Stadt Ladenburg, das Lobdengau-Museum, hat einen neuen Leiter.

Der Lehrbeauftragte am Seminar fĂŒr Alte Geschichte und Epigraphik an der Uni Heidelberg, Dr. Andreas Hensen (44), tritt die Halbtagsstelle ab MĂ€rz an.

Aus ĂŒber 80 Bewerbern aus ganz Deutschland hat die Stadtverwaltung Dr. Hensen als beste Option ausgewĂ€ht.

Breite Zustimmung fĂŒr die Entscheidung

Durch eine Vereinbarung zwischen der Stadt und dem Heimatbund, noch aus der Zeit von BĂŒrgermeister Reinhold Schulz, war vor der Stellenvergabe die Zustimmung des Heimatbundes notwendig. Dieses Einvernehmen erteilte der Heimatbund am Dienstagabend.

Eine eigens gegrĂŒndete „Personalfindungskommision“ der Ladenburg-Kommision begrĂŒĂŸt die Wahl von Dr. Hensen. Zu der „Personalfindungskommision“ gehören unter anderem der ehemalige PrĂ€sident des Landesamts fĂŒr Denkmalpflege (LAD) Dieter Planck, sowie der neue Leiter des LAD, Claus Wolf.

BĂŒrgermeister Ziegler, der in der Übergangsphase „Museumsleiter und BĂŒrgermeister in Personalunion“ war, sieht in dem Museum ein „Kleinod, dass es verdient, dass man es in eine gute Zukunft gefĂŒhrt wird.“

Das Lobdengau-Museum ist ein Kleinod, das wir schĂŒtzen mĂŒssen. Es ist zudem ein prachtvolles GebĂ€ude, ich bin sehr gerne in dem Haus.

Der neue Leiter folgt dem 2009 verstorbenen EhrenbĂŒrger Dr. Berndmark Heukemes nach, der auch der GrĂŒnder des Museums war. Es gĂ€be fĂŒr einen ArchĂ€ologen „nicht viele Chancen auf eine Anstellung mit archĂ€ologischem Schwerpunkt“, sagte Hensen. Er sei „von Anfang an“ in sĂ€mtlicher seiner Projekte auf die eine oder andere Art „mit Ladenburg verbunden“ gewesen:

Ich freue mich sehr. FĂŒr mich ist Ladenburg das FiletstĂŒck römischer ArchĂ€ologie. Nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa.

Schwerpunkt MuseumspÀdagogik

Hensen sagte, man befinde sich „in der Metropolregion in der glĂŒcklichen Lage, auf eine hohe Dichte an kulturellen Angeboten“ zurĂŒckgreifen zu können. Das bedeute zeitgleich einen starken Wettbewerb der Museen untereinander um in der Menge nicht unterzugehen.

Gerade die MuseumspĂ€dagogik sei ein gutes Alleinstellungsmerkmal, denn „ein Museum ist nicht nur ein Lernort fĂŒr Erwachsene“.

Durch kind- und jugendgerechte Abbildungen und Informationstexte werden Museen auch fĂŒr Kinder interessant. Vor allem „Erfahrungen mit allen Sinnen“ durch AusstellungsstĂŒcke zum Anfassen sorgen fĂŒr bleibende EindrĂŒcke.

Diesen Bereich möchte Hensen in Zukunft weiter stĂ€rken, auch ĂŒber die Zusammenarbeit mit KindergĂ€rten und Schulen in der Umgebung denkt er nach.

Ziel ist es, das „museale Kleinod“ noch attraktiver zu machen und mehr Menschen fĂŒr die Geschichte Ladenburgs zu interessieren.

 

Basilika und Forum bereits im ersten Drittel des zweiten Jahrhunderts fertiggestellt?

Lopodunum V – Die Basilika und das Forum des römischen Ladenburg

Der fĂŒnfte Band der Reihe "Forschungen und Berichte zur Vor- und FrĂŒhgeschichte in Baden-WĂŒrttemberg" wurde vorgestellt. Auf dem Bild: Dr. Meinhard Georg, Prof. Dr. Johannes Eingartner, Dr. Britta Rabold, Prof. Claus Wolf, BĂŒrgermeister Rainer Ziegler (v.l.n.r.)

 

Ladenburg, 26. Januar 2012. (red/jt) Bei der 86. Jahreshauptversammlung des Ladenburger Heimatbundes stellte Professor Johannes Eingartner den fĂŒnften Band der Buchreihe „Lopodunum“ vor. Entgegen bisheriger Forschungsergebnisse sind Forum und Basilika womöglich bereits im zweiten Jahrhundert entstanden.

Unter dem dem Titel „Lopodunum V – Die Basilika und das Forum des römischen Ladenburg“ erschien der 124. Band der Reihe „Forschungen und Berichte zur Vor- und FrĂŒhgeschichte in Baden-WĂŒrttemberg“. Professor Johannes Eingartner von der UniversitĂ€t Augsburg stellte den rund 170 Besuchern das Buch sowie die neusten Forschungsergebnisse ĂŒber die Geschichte Ladenburgs vor.

Auf einer FlĂ€che von 130 m x 85 m erstreckten sich Basilika und Forum von Ladenburg zwischen St. Gallus-Kirche und Neugasse. Das einst ĂŒber 10.000 Quadratmeter große Bauensemble ist im gesamten sĂŒddeutschen Raum einmalig.

Bereits 1911 entdeckte Hermann Gropengießer Teile der Basilika. Unter der Leitung von Dr. Sebastian Sommer kam es von 1984 bis 1997 zu weiteren Grabungen. Damals legte man das der Basilika angeschlossene Forum frei und erlangte so neue Erkenntnisse ĂŒber das gesamte Bauwerk.

Eine der vielen Darstellungen im Buch - Rekonstruierte Ansicht der Basilika

Zum damaligen Stand der Forschung datierte man das Bauwerk auf den Beginn des dritten Jahrhunderts. Auch ging man auf Grund der damaligen AllemanenraubzĂŒge davon aus, dass die 19 Meter hohe Basilika niemals fertiggestellt wurde. Das will Eingartner mit den vorliegenden Forschungsarbeiten widerlegt haben.

FĂŒr die Fertigstellung spricht neben Kleinfunden aus dem zweiten Jahrhundert auch die Bauweise der Basilika. Eingartner stellte fest, dass das Bauwerk kein Pfahlbau sei, wie bisher vermutet.

Wir wissen nun, dass die Basilika tatsÀchlich vollendet wurde. Es handelt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine SÀulenarchitektur.

Bis zum Auftreten der Konstantinsbasilika am Ende des dritten Jahrhunderts sei das die vorherrschende Bauweise gewesen. Anhand von Bildern verglich Eingartner die Ladenburger Basilika auch mit Bauten aus Lybien und Funden in RumÀnien.

Wichtige Arbeit zum HerzstĂŒck der Stadt

Die Fachbereichsleiterin fĂŒr ArchĂ€ologie beim RegierungsprĂ€sidium Karlsruhe, Dr. Britta Rabold, sagte zu der Veröffentlichung:

Es ist mehr als wichtig, diese Arbeit zum HerzstĂŒck der antiken Stadt zu veröffentlichen. Auch wenn ich zu den Leuten gehöre, die nicht glauben, dass die Basilika fertig gestellt worden ist. Ich werde das Buch sicher aufmerksam lesen.

Professor Claus Wolf, Leiter des Landesamts fĂŒr Denkmalpflege hofft, das möglichst viele weitere Leser sich fĂŒr das Buch und die Geschichte der zur Römerzeit weit und breit wichtigsten Stadt interessieren.

Sein VorgĂ€nger Professor Dieter Planck war vor 30 Jahren MitgrĂŒnder der Ladenburg-Kommission und hatte im Jahr 2005 Professor Eingartner mit der Auswertung bislang unbearbeiteter Funddokumentationen beauftragt.

Im Domhofsaal ĂŒbergab Professor Wolf die Arbeit ĂŒber die Geschichte Ladenburgs an BĂŒrgermeister Rainer Ziegler und den Chef des örtlichen Heimatbundes, Dr. Meinhard Georg. Auch dankte Wolf Professor Eingartner „fĂŒr ein neues Bild von Forum und Basilika“ sowie Heimatbund-Chef Georg, seinem VorgĂ€nger Egon Lackner und Dr. Sebastian Sommer fĂŒr ihr Wirken.

Das Buch:

Eingartner, Johannes

„Lopodunum V – Die Basilika und das Forum des römischen Ladenburg“

244 Seiten mit 29 Abbildungen, 70 Tafeln und 1 Beilage.

Herausgegeben vom RegierungsprĂ€sidium Stuttgart – Landesamt fĂŒr Denkmalpflege

ISBN 978-3-8062-2647-8 – 1. Auflage 2012 – EURO 54,00