Sonntag, 19. September 2021

Gemeinderat genehmigt die Sanierung der "Kiste"/Pflastermühle

Gute Jugend- und Kulturarbeit oder doch nur ein Luftschloss?

Die alte Pflastermühle – die Sanierungsarbeiten können jetzt beginnen. Foto: Ladenburgblog.

Ladenburg, 28. September 2012. (red/sap) Der Gemeinderat genehmigte die überplanmäßigen Ausgaben für die Sanierung von Jugendzentrum und Pflastermühle in Höhe von 150.000 Euro. Nicht alle Stadträte waren von der Investition überzeugt.

Schon im Juni diskutierte der Technische Ausschuss die Zukunft des Jugendzentrums/Pflastermühle. Jetzt legte Architekt Jürgen Borkowski konkretere Pläne und Zahlen dem Gemeinderat vor. Unterstützt wurde er von Johannes Weis vom „Kiste“-Trägerverein und von Bürgermeister Ziegler.

„Wir haben nur eine enge Zeitachse“, erklärte der Bürgermeister und verwies damit auf die möglichen Fördermittel.

Das Ensemble „Kiste“/Pflastermühle sei in einem schlechten, energetisch geradezu in einem miserablen Zustand, sagte Ziegeler. Nur wenige Räume könnten genutzt werden.

Die „Kiste“/Pflastermühle stünden zum einen für gute Jugend- und Kulturarbeit und symbolisiertem zudem ein industriegeschichtliches Erbe.

Die Gesamtkosten der Sanierung betitelte Borkowski auf 390.000 Euro, in diesem Jahr sollten noch 340.000 Euro investiert werden, um die Fördermittel von 170.000 Euro abgreifen zu können.

Für erste Sanierungsarbeiten wurden bereits 31.000 Euro ausgegeben, so Ziegler. Die restliche 50.000 Euro werden auf 2013 geschoben.

„Sie haben Angst, dass wir die Fördermittel nicht bekommen und Sie wollen ein durchdachtes Konzept“, wandte sich der Bürgermeister an den Gemeinderat. Hier soll, so Ziegler, nicht nur ein Jugendzentrum aufgewertet, sondern auch Räume für andere Gruppen und Kultur geschaffen werden. Und betonte:

Dies liegt mir am Herzen.

Man wolle ein soziokulturelles Zentrum ausbauen und das Konzept entwickle sich an den Rahmenbedingungen, erklärte Johannes Weis.

Das bauliche Konzept sieht flexible Räume, Ständerwände und offene Türen vor, so Architekt Borkowski. Hier solle kein edler Status geschaffen werden, sondern eine einfache Boden- und Wandstruktur, die Leitungen werden „auf Putz“ verlegt. 70 Prozent der Investition diene allein der statischen Grundsicherung.

Der historische Bachkanal  im Keller sei gesichert, das Mühlrad von 1870 ist ausgebaut. Dies werde man später wieder einsetzten und über Fenster und Löcher werden man später selbst von Außen den Bach sehen können, sagte Borkowski.

Ein Ladenburger habe ihm geschrieben, dass er täglich nur fünf bis sechs Jugendliche in der Kiste sehe, berichtete Stadtrat Uwe Wagenknecht. Das sei dann viel Geld für Wenige.

Dem widersprach Jugendsozialarbeiter Achim Kolb:

Es sind bis zu 70 Jugendliche, die unseren offenen Treff aufsuchen, wenn auch nicht täglich.

Die „Kiste“ und die Pflastermühle bezeichnete Sascha Barembruch als Heimstätte des Jugendgemeinderates und für die Jugendarbeit und als alternativen Veranstaltungsort für Theater- und Musikgruppen.

„Die Jugend bestmöglichst zu fördern, schreiben wir uns bei Wahlen auf die Fahnen“. Dennoch sah auch er die Investition kritisch:

Man bekommt den Eindruck, die Stadt investiert ins Blaue.

Die „Kiste“ und die Pflastermühle verglich er mit einem Mosaik in ihrer Vielfältigkeit. Kleine Steine werden gesetzt, um ein Kunstwerk enstehen zu lassen.

Auch die Freien Wähler sahen die Notwendigkeit, mehr Raum für die Jugend zu schaffen, erklärte Stadträtin Gudrun Ruster.

„Wir stehen zu unserem Jugendzentrum“, sagte Ingrid Dreier (GLL). Doch 390.000 Euro sind viel Geld. Deshalb wusste die GLL zunächst nicht, ob sie zustimme:

Wir mussten gute Gründe hören und die haben wir jetzt auch gehört.

Zudem unterstrich Stadträtin Dreier die Generationen übergreifenden Möglichkeiten.

„Wir haben Schmerzen mit dieser Vorlage“, sagte Wolfgang Luppe (FDP). Projekte sollten mit angespartem Geld und nicht mit Schulden realisiert werden. Wir fühlen uns gezwungen, die Fördermittel in Anspruch zu nehmen, dieser Automatismus störe seine Fraktion:

Wir vertrauen Ihnen diesmal.

„Wenn man Räumlichkeiten hat, hat man auch Ideen, denn neue Räume schaffen neue Möglichkeiten“, meinte Wolfgang Zahner (SPD).

Anders sah es seine Fraktionskollegin Ilse Schummer:

Für das Luftschloss der soziokulturellen Ideen kann ich mich nicht erwärmen.

Sie misstraue dem soziokulturellen Bereich, man schaffe Bedarf, der gar nicht da sei, sagte die Stadträtin.

Bei vier Enthaltungen (Ilse Schummer, Bernd Garbaczok , Karl Meng und Günter Bläß) stimmte der Gemeinderat schließlich den überplanmäßige Ausgaben in Höhe von 150.000 Euro für die Umbau- und Sicherungsmaßnahmen zu.

Technischer Ausschuss diskutierte Bau- und Sanierungsmaßnahmen der Pflastermühle

Für die einen ein Traum, für die anderen ein Kostenfaktor

Die Pflastermühle an der Wallstadter Straße. Foto: Ladenburgblog.


Ladenburg, 16. Juni 2012. (red/sap) Die Schreinerei ist aus dem Ostteil der Pflastermühle gezogen. Nun soll die komplette Pflastermühle in der Wallstadter Straße zukünftig als Jugend-, Kultur- und Kleinkunstbühne genutzt werden. Während für die Stadträtin Ingrid Dreier mit dem Um- und Ausbau der Pflastermühle ein Traum in Erfüllung geht, wollten die anderen Mitglieder des Technischen Ausschusses erst mal wissen, was das alles kostet.

Von Sabine Prothmann

Der Ladenburger Architekt Jürgen Borkowski stellte dem TA die geplanten Bau- und Sanierungsmaßnahmen vor.

Es sollen durch leichte Trennwände im Erd- und Obergeschoss jeweils drei Räume abgetrennt werden. Dies ermögliche eine flexible Raumgestaltung ohne weitere Investitionen. Der Haupteingang soll verlegt werden und im Obergeschoss soll ein breites Gaubenband zur verbesserten Belichtung von drei Räumen eingebaut werden. Desweiteren soll die Fassade konstruktiv gesichert und renoviert werden.

Hier ist schon lange das Jugendzentrum "Die Kiste" untergebracht. Foto: Ladenburgblog.

Im Zuge der Freilegung wurde im Kellergeschoss das alte Bachbett einschließlich des ehemaligen Mühlrads wiederentdeckt. Nach erfolgter Instandsetzung sollen Bürger und Besucher die Anlage besichtigen können.

Dies sei ein „echter Hingucker“,  meinte auch Bürgermeister Ziegler.

Der Gebäudekomplex stehe zwar nicht unter Denkmalschutz, aber habe dennoch einen hohen Wert im Hinblick auf die Wirtschaftsgeschichte Ladenburgs.

Bie der Pflastermühle handelt es sich um 14.000 Kubikmeter umbauten Raum, so der Architekt. Das Gebäude sei statisch okay und die Sanierung könne und müsse in Stufen erfolgen. Zudem sei der Standard eines Jugendzentrums ein anderer als der eines Wohnhauses.

Nur das Dachgeschoss werde man dämmen und eine Beheizung ist nur tages- und stundenmäßig vorgesehen. Die Sanierung werde im Leichtbau erfolgen und die Elekrik könne „auf Putz“ verlegt werden.

Es sollen Gruppen- und Projekträume enstehen für die dynamische Jugendarbeit. Auch der Jugendgemeinderat soll hier seinen eigenen Raum bekommen.

Ein Traum aus meiner Jugend wird Wirklichkeit,

schwärmte Ingrid Dreier (GLL). Und der Jugendgemeinderat werde hier eine Heimat finden.

Petra Erl (SPD) wollte wissen, ob das als Jugend-, Kultur- und Kleinkunstbühne nur der Jugend vorbehalten sei oder auch für breite Nutzung gedacht sei. Bürgermeister Rainer Ziegler sagte:

Die Pflastermühle soll ein kulturelles Zentrum werden – generationsübergreifend.

„Was ist die Endsumme?“

„Was kostet das?“, wollte Steffen Salinger (SPD) konkret wissen. „Was ist die Endsumme?“, fragte auch Gerhard Seidel (CDU).

Es seien 192.000 Euro Fördermittel vorhanden, 60 Prozent werden dabei vom Land finanziert, informierte der Architekt. Zusätzlich könnte noch einmal knapp die gleiche Summe durch Haushaltsreste und -posten bereitgestellt werden. Das heißt rund 400.000 Euro seien vorhanden.

Die Eigenarbeit von Jugendprojektgruppen, wenige Trennwände, Nasszellen und Dämmung würden die Kosten für die Baumaßnahmen geringer halten. Außerdem machte der Bürgermeister darauf aufmerksam, dass der Umbau schrittweise erfolgen könne.

Rund eine halbe Million Kosten

Salinger beharrte auf die Nennung einer konkreten Summe und bekam schließlich rund 500.000 Euro genannt. Ein Projekt dieser Größenordnung von rund einer halben Million wollte der SPD-Stadtrat nicht ohne den Gemeinderat beschließen.

Schließlich einigte man sich einstimmig darauf, den Bauantrag zu genehmigen – um durch eine Zeitverzögerung die Fördermittel nicht zu verlieren -, und auch gleichzeitig der Verwaltung den Auftrag zu erteilen, vor der ersten Auschreibung eines Gewerkes dem Gemeinderat einen konkreten Zeiten- und Kostenplan vorzulegen und dies dort zu beraten.