Montag, 24. Januar 2022

Jung, besoffenen und gewalttĂ€tig – dagegen hilft nur Zivilcourage

Guten Tag!

Ladenburg, 11. Juni 2010. GlĂŒckwunsch an die Polizei – die Vandalierer, die Ende April das Rundklo an der Festwiese „zerlegt“ hatten, konnten ermittelt werden und sehen nun ihrer Verurteilung entgegen. Der Fahnungserfolg ist positiv – die negative Entwicklung der zunehmenden Gewaltbereitschaft unter Alkoholeinfluss bleibt.

Von Hardy Prothmann

Laut Kriminalstatistik stellt der Alkohol ein zunehmendes Problem dar. Der Alkohol? Nein, der nicht – vorwiegend aber MĂ€nner und hier leider immer mehr junge MĂ€nner, die Alkohol nicht genießen, sondern sich damit besaufen.

2009 hatte jeder dritte JugendstraftĂ€ter zur Tatzeit getrunken. Innenminister Heribert Rech will darauf mit Alkoholverboten auf öffentlichen PlĂ€tzen reagieren, um „jugendliche Eskalationen“ einzudĂ€mmen. Ein Verbot gibt es schon: Seit MĂ€rz 2010 darf ab 22:00 Uhr kein Straßenverkauf von Alkohol mehr stattfinden. Herr Rech sieht „das Land auf einem guten Weg, jungendlichen Trinkorgien damit Herr zu werden“.

Diese Analyse darf getrost angezweifelt werden. Verbote helfen nur selten – AufklĂ€rung ist der schwierigere, aber bessere Weg. Beispielsweise die „Aktion-tu was„, mit der das Innenministerium an die BĂŒrger appelliert, mehr Zivilcourage zu ĂŒben.

Zivilcourage war auch die Grundlage, die vier jugendlichen Randalierer zu ermitteln. Der Ermittlungserfolg der Polizei basiert nicht auf kriminaltechnischen Gen-Analysen oder Ă€hnlichem, sondern auf Zeugenaussagen. Das heißt, die Zeugen haben nicht weg-, sondern hingesehen und die Polizei bei ihren Ermittlungen unterstĂŒtzt.

Zivilcourage ist ein heikles Thema. Vor kurzem bin ich vom Bodensee mit der Bahn nach Mannheim gefahren – in Ulm stieg eine Gruppe junger MĂ€nner, um die 15-16 Jahre alt, in den Zug.

Sie waren laut, sie waren lÀstig, sie wollten auffallen und provozieren. Irgendwann spielte einer mit einem Feuerzeug an den Sitzen herum.

Meine „Ansage“ kam fĂŒr die Jugendlichen ĂŒberraschend und unmissverstĂ€ndlich. Am nĂ€chsten Bahnhof verließen die sechs den Zug – anscheinend war ich ihnen zu unangenehm geworden. Weitere BahngĂ€ste in meinem Blickfeld nickten mir anschließend bestĂ€tigend und dankend zu.

Selbst haben sie allerdings kein Wort gesagt – sicherlich aus Sorge vor Übergriffen. Jeder hat die schrecklichen Bilder und Nachrichten aus MĂŒnchen im Kopf, wo ein Mann von Jugendlichen totgeschlagen wurde, weil er anderen Jugendlichen helfen wollte.

So auch ich. Ich habe trotzdem eingegriffen, weil ich mir das zutraue und einen Angriff einkalkuliert hatte. Damit bin ich kein Held, sondern ich habe nur meine Mittel benutzt.

Und jeder Mensch hat seine Mittel: Man kann beobachten, sich Personen und Handlungen einprĂ€gen, den Schaffner informieren oder ĂŒber 110 die Polizei rufen. SpĂ€ter muss man seine Aussagen zu Protokoll geben, vielleicht vor Gericht aussagen. Das ist lĂ€stig, aber es ist wichtig, vor allem dann, wenn es SchĂ€den oder sogar Opfer gegeben hat, damit diesen geholfen werden kann.

Es geht dabei um SolidaritĂ€t mit anderen. Der andere kann man im Zweifel auch immer selbst sein und dann ist man froh um jede UnterstĂŒtzung.

Frank Hartmannsgruber, Leiter des Polizeireviers Ladenburg, betont auf Nachfrage, dass das Alkohol-Gewalt-Problem in Ladenburg noch nicht „auffĂ€llig“ sei – trotz des Vandalismus der nunmehr ĂŒberfĂŒhrten jungen GewalttĂ€ter.

Herr Hartmannsgruber weiß, dass das Wetter hilfreich war – bislang eher nicht einladend, lange Partyabende im Freien zu verbringen.

Herr Hartmansgruber hat aber noch eine andere ErklĂ€rung: „Unsere Beamte sind mehr vor Ort prĂ€sent und zwar auch zu Fuß.“ Damit will die Polizei „aus der AnonymitĂ€t herauskommen“, PrĂ€senz und Gesicht zeigen.

Im Zweifel wird die Polizei auch Platzverbote aussprechen, wenn das Verhalten alkoholisierter Personen es nötig macht.

Ich finde die PrĂ€senz gut und wichtig – sie schreckt sicherlich die einen ab, die Blödsinn im bedröhnten Kopf haben und gibt anderen ein sicheres GefĂŒhl.

Das allein reicht allerdings noch nicht aus. Schön wĂ€re es, wenn der Suff und damit verbundene Aggressionen bei den Jugendlichen als No-go gelten wĂŒrden. Ein Bewusstsein zum Ausdruck gebracht wird, dass aggressiv und besoffen einfach asozial ist. Asozial im Sinne von „gegen die Gemeinschaft“ derer, die feiern möchten und Spaß haben wollen und keinen Stress.

Hier sind die Jugendlichen selbst gefragt, aber auch deren Eltern. Wer dem anderen zeigt, dass man sein Verhalten nicht akzeptiert, wird in den meisten FÀllen Erfolg haben und erreichen können, dass sich das missliebige Verhalten Àndert.

Dabei kann oder muss man sogar ganz egoistisch denken: ein Alkoholverbot auf öffentlichen PlĂ€tzen will die friedliche, feierlustige Mehrheit nicht. Die will auch keine KameraĂŒberwachung und noch mehr Verbote. Die Mehrheit will einfach nur eine gute Zeit haben.

Diesen legitimen Wunsch muss man unter UmstĂ€nden mit Zivilcourage verteidigen. Jeder mit seinen Mitteln. 110 zu wĂ€hlen, ist immer fĂŒr jeden eine gute Wahl.

MdL Uli Sckerl: „Es gibt zu viele Waffen in Privatbesitz.“

Guten Tag!

Region Rhein-Neckar/Ladenburg, 15. Februar 2010. Der Landtagsabgeordnete der GrĂŒnen, Uli Sckerl, fordert eine zweite „Waffenamnestie-Runde“. Nach Auffassung der GrĂŒnen gibt es immer noch zu viele Waffen in Privatbesitz – viele davon illegal. Gerade im Rhein-Neckar-Kreis, Mannheim und Heidelberg sei die Aktion, legale und illegale Waffen abzugeben, nicht erfolgreich gewesen.

Interview: Hardy Prothmann

Sckerl: "Waffenamnestie wiederholen." Bild: GAL

Herr Sckerl: Sie fordern eine zweite Waffenamnestie-Runde. Warum?
MdL Uli Sckerl: „Weil sie ein Erfolg war – nur nicht im Rhein-Neckar-Kreis und den Stadtkreisen Heidelberg und Mannheim. Im Rhein-Neckar-Kreis wurden gerade mal 792 Waffen abgegeben. Hier wurde zu wenig dafĂŒr geworben, vorhandene Waffen abzugeben. Das Landratsamt hat viel zu wenig unternommen, um die BĂŒrger dazu zu bewegen, sich von ihren Schießeisen zu trennen. Wir GrĂŒne wollen aber den privaten Waffenbesitz reduzieren.“

Warum sollen Privatleute, beispielsweise SchĂŒtzen, keine Waffen besitzen dĂŒrfen?
Sckerl: „Ich glaube nicht, dass wir im Rhein-Neckar-Kreis 40.000 SportschĂŒtzen haben – so viele Waffen sind hier aber legal registriert. Hinzu kommt die zwei- bis dreifache Menge an illegalen Waffen, schĂ€tzen Polizeiexperten. Illegal ist dieser Waffenbesitz deshalb, weil deren „Besitzer“ keinen Waffenschein dafĂŒr haben.“

„Nach Winnenden musste man ein bisschen was fĂŒr die Öffentlichkeit machen.“ Uli Sckerl

Wurden die alle illegal beschafft?
Sckerl: „Es können aber auch ErbstĂŒcke sein. Aber zum großen Teil sind es sicher illegal erworbene Waffen.“

Innenminister Heribert Rech hat Ihre Forderung abgelehnt. Was vermuten Sie als Grund?
Sckerl: „Mit der FDP sitzt die Waffenlobby am Tisch der Landesregierung. Klar, nach dem Amoklauf von Winnenden musste man fĂŒr die Öffentlichkeit ein bisschen was machen, aber tatsĂ€chlich interessiert das Thema die schwarz-gelbe Regierung nicht. Es ist kein echter politischer Wille zu erkennen, den privaten Waffenbesitz einzudĂ€mmen.“

Dokumentation:
Pressemitteilung der GrĂŒnen zur Waffenamnestie
Übersicht der abgegebenen Waffen
Stellungnahme des Innenministeriums

Einen schönen Tag wĂŒnscht
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