Freitag, 30. September 2022

Ernste Texte bekommen eine Stimme – Lesung von Texten “Verfolgter Schriftsteller-€

Guten Tag!

Ladenburg, 29. November 2010. Das dritte „Event“ der Veranstaltungsreihe „Kunst gegen Krieg“ fand am 26. November 2010 um 20:00 Uhr in der Ladenburger Stadtbibliothek statt. Organisiert wurde es von der amnesty international Gruppe Ladenburg-Schriesheim, wie auch die anderen Veranstaltungen dieser Reihe. „Verfolgte Schriftsteller“, unter diesem Namen stand die Lesung mit Gabriele Violet und Michael Timmermann, die mit Musik begleitet wurde.

Von Anna Ewald

"V.l.n.r. Uli Wagner, Michael Timmermann, Gabriele Violet und Jens Bunge. Foto: Anna Ewald"

In dem gemĂŒtlichen Dachgeschoss mit Holzbalken an der Decke in der Stadtbibliothek Ladenburg sitzen rund 30 GĂ€ste erwartungsvoll auf ihren PlĂ€tzen. SĂ€tze wie „mal schauen was das heute wird“, sind aus den Besucherreihen zu hören. Beim heutigen „Autorengedenken“ werden sie auf ihre Kosten kommen.

„Die Waffe der Schriftsteller ist das Wort.“

„Die Waffe der Schriftsteller ist das Wort und die beste Waffe gegen Menschenrechtsverletzungen die Öffentlichkeit“, so begrĂŒĂŸt Wolfgang Luppe die Zuhörer. Und diese Waffe, die Worte, sollen an diesem Abend gelesen und an ihre Autoren gedacht werden.

Die Texte verfolgter Schriftsteller wurden von Marie-Luise Pohrt und Ursel Siebert-Glatzer gemeinsam mit den „Stimmen“ Gabriele Violet und Michael Timmermann ausgesucht. Und sie haben eine tolle Wahl getroffen.

"Musikalische Umrahmung von Uli Wagner und Jens Bunge. Foto: Anna Ewald"

Mundharmonika und Gitarre sind zu mehr als nur fĂŒr Wanderlieder geeignet und das wird heute jedem bewiesen, denn die Lesung wird mit Musik bereichert.

Langeweile gibt es also nicht. Uli Wagner mit der Gitarre und Jens Bunge, der Mann mit der Mundharmonika, spielen ernste Lieder, passend zum Thema der Lesung und beweisen ihr Können.

Ernste Texte bekommen Stimmen

Abwechselnd lesen Michael Timmermann und Gabriele Violet die Gedichte und Geschichten, die frĂŒher oder auch heute noch dem Regime ein Dorn im Auge waren. EinfĂŒhlsam und mit charakterstarken Stimmen.

Michael Timmermann sagt selbst, dass diese Zeiten ihn geprĂ€gt haben. Diese Zeiten voll Krieg und Angst, die er als kleines Kind miterlebt hat. Und so ist es fĂŒr ihn bewegend fĂŒr die Organisation amnesty international, fĂŒr die er sich schon seit ungefĂ€hr 30 Jahren engagiert, solche Texte zu lesen.

"Michael Timmermann und Gabriele Violet lesen abwechselnd. Foto: Anna Ewald"

Angst, Trauer und trotzdem noch Hoffnung

Was hast du damals getan, was du nicht hÀttest tun sollen?
„Nichts“.
Was hast du nicht getan, was du hÀttest tun sollen?
„Das und das – dieses und jenes: einiges.“
Warum hast du es nicht getan?
„Weil ich Angst hatte.“
Warum hattest du Angst?
„Weil ich nicht sterben wollte.“
Sind andere gestorben, weil du nicht sterben wolltest?
„Ich glaube … ja.“
Hast du noch etwas zu sagen zu dem, was du nicht getan hast?
„Ja, dich zu fragen: Was hĂ€ttest du an meiner Stelle getan?“
Das weiß ich nicht und ich kann ĂŒber dich nicht richten. Nur eines weiß ich:
Morgen wird keiner von uns leben bleiben, wenn wir heute wieder nichts tun.

Erich Fried

So wie dieser Text zeigen auch die meisten der anderen, wie verĂ€ngstigt und bedrĂ€ngt ihre Autoren waren und trotzdem spĂŒrt man bei vielen einen Funken Hoffnung. Das ist beeindruckend. Auch die Zuhörer merkten diese Emotionen. Viele sitzen mit geschlossenen Augen da. Aufmerksam und gespannt. Schweigend.

Unter anderem wurde das „VersöhnungsplĂ€doyer“ des chinesischen Friedensnobelpreisgewinner Liu-Xiaobo gelesen. Auch er ist ĂŒberwacht und gefangen genommen worden, weil er seine Meinung sagt und fĂŒr Freiheit kĂ€mpft. „Schriftsteller können fĂŒr Machthaber unbequem sein“, sagt Herr Luppe schon zu Beginn der Lesung. Liu-Xiaobo ist wohl eines der besten Beispiele aus der heutigen Zeit.

An all diese Schriftsteller, die ihr Leben und ihre „Freiheit“ opfern, um die Wahrheit ans Licht zu bringen, soll an diesem Abend gedacht werden.

Hinweis:
Weitere Texte zur Ausstellungreiche „Verletzte Seelen„.

Anmerkung der Redaktion: Anna Ewald (16) ist Gymnasiastin in Schriesheim, interessiert sich sehr fĂŒr Politik und Medien und absolviert ein schulbegleitendes Praktikum bei uns. Dabei lernen junge Menschen bei uns, was Journalismus ist: Handwerk, Öffentlichkeit und verantwortliche Meinung.
Wir legen dabei einen besonderen Wert auf den eigenen Blick dieser jungen Menschen. Sie berichten aus ihrer subjektiven Perspektive, was sie mit wem zu was wie erleben. Wir unterstĂŒtzen sie dabei journalistisch und redaktionell.
Hier finden Sie eine Übersicht aller Texte von Anna Ewald auf dem ladenburgblog.
Wer Interesse an einem Praktikum hat, kann sich gerne formlos bewerben – allerdings sind erst ab April 2011 wieder PlĂ€tze frei.

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Kunst gegen den Krieg – Veranstaltungsreihe von Amnesty International

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Guten Tag!

Ladenburg, 25. Oktober 2010 (pm). Eine Veranstaltungsreihe von Amnesty International an der Bergstraße.

Pressemitteilung von Amnesty International, Gruppe Ladenburg/Schriesheim:

„Amnesty International, Gruppe Ladenburg/Schriesheim und das BĂŒndnis „Wir-gegen-Rechts Ladenburg“ zeigen vom 7. November bis zum 5. Dezember im Domhof in Ladenburg, Hauptstraße, die Ausstellung „Verletzte Seelen“ mit Werken des Heddesheimer KĂŒnstlers Bernd Gerstner.

„Verletzte Seelen“ des Heddesheimer KĂŒnstlers Bernd Gerstner

Die Vernissage ist am Sonntag, den 7. November um 11.00 Uhr, musikalische Begleitung Rudolf Klee.

amnesty

Ausstellung im Domhof: Verletzte Seelen.

In seinen Bildern, Collagen, Plastiken thematisiert Gerstner die Kriege des letzten Jahrhunderts. Er zeigt die Menschenverachtung und die Sinnlosigkeit kriegerischer Gewalt und stellt die Frage, warum die Menschen daraus nichts lernen, sondern immer wieder Krieg als eine Möglichkeit ansehen, Probleme und Konflikte zu lösen. Selbst wenn der Soldat körperlich intakt aus dem Krieg zurĂŒckkehrt, seine Seele bleibt verletzt.

Der Termin der Ausstellung ist nicht zufĂ€llig gewĂ€hlt: Im November 1918 endete der erste „industrialisierte Krieg“, im November 1938 setzten die Nazis mit der sogenannten Reichskristallpunkt einen Höhepunkt ihrer vernichtenden Menschenhetze, die im 2. Weltkrieg mĂŒndete und Millionen Menschen EntwĂŒrdigung und Tod brachte.
SonderfĂŒhrungen fĂŒr Schulklassen können vereinbart werden: 06203-13717

„Sturm“ im Olympiakino Leutershausen

Im Begleitprogramm zu der Ausstellung in Ladenburg zeigt das Olympia-Kino in Leutershausen vom 12.-17. November den Film „Sturm“ von Hans-Christian Schmid. Der mit zahlreichen Filmpreisen ausgezeichnete Film zeigt die AnklĂ€gerin Hannah Maynard im Kriegsverbrechertribunal in Den Haag im Spannungsfeld zwischen Wahrheitssuche, den Drohungen bosnisch-serbischer Nationalisten und den Interessen der internationalen Politik.

Am Freitag, den 12. November, können die Zuschauer im Anschluss an die VorfĂŒhrung, die um 20 Uhr beginnt, mit Urs Fiechtner, Autor und Menschenrechtler, ĂŒber den Film diskutieren.

Urs Fiechtner ist MitbegrĂŒnder des Ulmer Behandlungszentrums fĂŒr Folteropfer. In seinen zahlreichen Lyrik-und ProsabĂ€nden setzt er sich gegen Folter und Menschenrechtsverletzungen ein. Seine BĂŒcher und Texte haben vielerorts auch Eingang in den Schulunterricht gefunden.

FĂŒr Schulklassen bietet das Olympia-Kino Sondervorstellungen am 15. und 16. November jeweils um 11.00 Uhr an. Der Film wird fĂŒr Jugendliche ab 16 Jahren empfohlen. Anmeldung: 06202-53600 oder foerderkreis@olympia-leutershausen.de

Lesung aus den Werken verfolgter Schriftsteller

Aus den Werken verfolgter Schriftsteller lesen am Freitag, den 26. November um 20.00 Uhr Michael Timmermann und Gabriel Violet in der Stadtbibliothek in Ladenburg, Hauptstraße 8. Michael Timmermann war mehr als drei Jahrzehnte einer der profiliertesten Schauspieler im Ensemble des Nationaltheaters Mannheim. Seit seiner Pensionierung arbeitet er als Rezitator und freier Regisseur.

Gabriele Violet hatte viele Jahre ein festes Engagement in Heidelberg am Kinder- und Jugendtheater. Heute ist sie Sprecherin und Moderatorin beim SWR. Beide engagieren sich fĂŒr Amnesty International und haben schon mehrmals mit der Gruppe Ladenburg-Schriesheim Lesungen veranstaltet.“

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