Samstag, 02. Juli 2022

Journalisten aus Afrika und Asien beim ladenburgblog

Guten Tag!

Ladenburg, 12. Juli 2010. Am heutigen Vormittag waren fünfzehn JournalistInnen aus Asien und Afrika zu Gast beim ladenburgblog. Die Kollegen sind für neun Wochen in Deutschland.

Von Hardy Prothmann

Zweieinhalb Stunden können ganz schnell vorbei sein, wenn fünfzehn junge KollegInnen aus Afrika und Asien viele Fragen haben. Die Journalisten bilden sich weiter zu journalistischem Handwerk, Redaktionsmanagement und – organisation und Technik während ihres Aufenthalts beim International Institute for Journalism der inWENT gGmbH in Berlin. Außerdem besuchen die jungen Leute verschiedene Organisationen und Redaktionen.

von links: Jan Persiel (Germany) - AMRI, Rahmon (Indonesien) - MUZOFA, Ngonidzashe Donald (Zimbabwe) - OLARTE, Avigail (Philippines) - ADEOYE, Segun Ponmile Adefolu (Nigeria) - PHAM, Viet Cuong (Vietnam) - NGUYEN, Thi Diep Chi (Vietnam) - CHERUIYOT, David Kimutai (Kenya) - MUSHTAQ, Abbas (Pakistan) - AJALA, Oluwafunmilayo Abosede (Nigeria) - MAUNGANIDZE, Golden (Zimbabwe) - SILABAN, Martha Warta (Indonesia) - DATTA, Polash (Bangladesh) - KABERIA, Judith Makena (Kenya) - WASEEM, Daniyal (Pakistan) - KISAKYE, Frank (Uganda) - Hardy Prothmann (Germany) im "Redaktionsgarten". Bild: ladenburgblog

Gefördert wird das Programm zur Förderung eines unabhängigen Journalismus vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Heute vormittag waren Journalisten aus Kenia, Simbabwe, Nigeria, Uganda, Pakistan, Indonesien, Bangladesh, Philippinen und Vietnam zu Gast beim heddesheimblog. Und sie hatten jede Menge Fragen:

  • Wie unterscheidet sich der Journalismus im Internet von „traditionellen Medien“?
  • Was kann das Internet besser als diese Medien?
  • Wie arbeitet man effektiv mit dem Medium Internet?
  • Welche Rolle spielt „social media“ wie Facebook und Twitter?
  • Braucht man eine andere Sprache für Artikel im Internet?
  • Welche Rolle spielen multimediale Inhalte?
  • Gibt es Repressionen?
  • Wie finanziert man die Arbeit?
  • Wie sieht die Zukunft der Medien aus?
  • Welche Rolle wird die Tageszeitung in einigen Jahren spielen?
  • …und noch viele Fragen mehr.

Die jungen Leute selbst stellen sich genau diesen Fragen – in vielen Ländern ist eine unabhängige Berichterstattung nicht möglich. Repressionen durch Behörden, Polizei und Militär bedrohen eine unabhängige, journalistische Arbeit. Auch ökonomische Zwänge.

Und in vielen Ländern gibt es Monopolmedien, gegen deren Berichterstattung versuchen die jungen Leute eine Alternative zu setzen und interessierten sich brennend für das Spannungsverhältnis unserer Redaktion zum Mannheimer Morgen und anderen „etablierten“ Medien.

Eines haben alle Länder gemein: Das Internet ist für sie das neue Medium um die Meinungsvielfalt zu erhöhen, um unabhängiger als jemals berichten zu können.

Häufig werden dafür Blogs verwendet – doch es gibt ein Stadt-Land-Gefälle. Während in den Städten die notwendige Infrastruktur vorhanden ist, wird die Landbevölkerung davon nicht erreicht. Hier ist immer noch das Radio ein sehr wichtiges, häufig aber staatlich kontrolliertes Medium.

Gefreut habe ich mich über eine Kollegin aus Indonesien, die für Tempo arbeitet. Im Jahr 2000 habe ich selbst mit sieben deutschen Kollegen eine 14-tägige Reise (gefördert durch die Friedrich-Ebert-Stiftung) durch Indonesien unternommen und unter anderem den Tempo-Chefredakteur Bambang Harymurti in Jakarta kennengelernt – ein sehr fähiger Journalist, dessen Magazin in der Suharto-Ära verboten war und wegen des kritischen Ansatzes immer wieder große Probleme hatte und auch heute noch hat.

Im Anschluss an den Termin bei uns sind die KollegInnen weiter nach Darmstadt gefahren, zur WAN-IFRA, dem weltgrößten Zeitungsverband. Bei der Abreise wünschte ich den KollegInnen viel Spaß beim „Besuch im Museum“ und auf jeden Fall eine gute Zukunft.

So offen und neugierig, wie sich die KollegInnen präsentierten, bin ich sicher, dass auch in den Ländern Afrikas und Asiens eine neue Generation heranwächst, die kritisch das gesellschaftliche Leben begleitet und dank Internet, immer unabhängiger darüber berichten kann.