Freitag, 03. Februar 2023

Großeinsatzlage in Dossenheim – Feuerwehren des Unterkreises Ladenburg ĂŒben gemeinsam


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Ansprache und Zuwendung sind wichtig im Notfall.

Dossenheim/Rhein-Neckar, 27. September 2011. (red) Am vergangenen Samstag heulten Einsatzsirenen in Dossenheim. Feuerwehren aus sechs Orten und zwei Werkfeuerwehren mussten BrĂ€nde löschen und Personen retten. Ein großes Spektakel fĂŒr die Bevölkerung, die die ÜbungseinsĂ€tze interessiert verfolgte, aber auch eine notwendige Übung, um die Zusammenarbeit der Wehren zu verbessern.

Von Hardy Prothmann

WĂ€hrend die Feuerwehren Dossenheim und Schriesheim gerade einen Brand im katholischen Kindergarten in der Wilhelmstraße bekĂ€mpfen, kommt die Meldung, dass ein Fahrzeug feststeckt. Geparkte Autos verhindern das Durchkommen. Eine Katastrophe im Ernstfall. Die wichtigsten AusrĂŒstungsgegenstĂ€nde schleppen die Feuerwehrleute zu Fuß zum Einsatzort. Kostbare Rettungszeit vergeht. Leider nehmen viele Autofahrer keine RĂŒcksicht auf ein gutes Durchkommen der RettungskrĂ€fte.

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Vorbereitung und Team-Work.

Im verrauchten Kindergarten werden zwei vermisste Personen gesucht – ein Erwachsener und ein Kind. Über das Fenster wird ein Kind gerettet, der Erwachsene wird versorgt und aus dem GebĂ€ude getragen.

Kurz drauf ruft der nĂ€chste Einsatz. Ein Blitzschlag ist auch hier der Auslöser. Brannte im Kindergarten der Stromverteilerkasten, ist es in der Schule ein Kabelbrand. Ein Lehrer steckt mit 25 Kindern im dritten Stock fest, sie flĂŒchten sich auf zwei Dachterrassen der Neuberg-Schule. Das Treppenhaus ist ohne Atemschutz nicht passierbar.

Die Drehleitern aus Schriesheim und Ilvesheim bringen sich in Position und holen die Personen in den Körben vom Dach. Eine Person ist so schwer verletzt, dass sie mit der Trage gerettet werden muss. Außerhalb des Gefahrenbereichs ĂŒbernehmen die Rettungsdienste die Verletzten. Löschfahrzeuge aus Altenbach, Ursenbach und Ilvesheim und der Firma Metzeler (Edingen-Neckarhausen) werden in Stellung gebracht und der Brand bekĂ€mpft, wĂ€hrend parallel die Rettung lĂ€uft.

Als wÀren die Wehren nicht schon genug gefordert, kommt der dritte Notruf. Im Neuberg-Schwimmbad hat es einen Chemikalienunfall gegeben. Es hat sich Chlorgas gebildet, ein Hausmeister muss gerettet werden. Mit einem ABC-Erkundungsfahrzeug wird die Lage gecheckt, aus Edingen, Neckarhausen und von den Chemischen Betrieben Ladenburg kommen Löschfahrzeuge zum Einsatzort. Die Dekontaminierungseinheit aus Neckarhausen ist vor Ort. Die Feuerwehr Ladenburg misst die Schadstoffbelastung. Unter Atemschutz wird der Verletzte gerettet.

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Chemieunfall - die Zeit lÀuft, jede Sekunde zÀhlt.

Der vierte Einsatz findet in der Schulstraße, Ecke Bachstraße statt. Ein Pkw ist wegen ĂŒberhöhter Geschwindigkeit in eine Mauer geknallt. Der Fahrer ist verletzt und eingeklemmt. Betriebsstoffe laufen aus. Die Heddesheimer Feuerwehr muss das Fahrzeug aufschneiden, bevor sie die Person retten kann. Mit hydraulischem Werkzeug spreizen und zerschneiden sie die Karosserie (des Schrottautos). Als das Dach weg ist, wird der Verletzte fĂŒr den Rettung aus dem Auto vorbereitet. Ein Rettungskorsett wird angelegt.

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Rettung - möglichst schonend.

Weit ĂŒber 100 KrĂ€fte sind im Einsatz – die Szenarien vielfĂ€ltig, aber „alltagstauglich“ – so könnte es auch in wirklich sein. Die Übung ermöglicht es, Schwachstellen zu finden und zu verbessern.

Eine offensichtliche war, dass bei keinem Einsatz alle oder die meisten Wehren des Unterkreises Ladenburg gleichzeitig beteiligt waren – doch nur dann muss man sich auch koordinieren. Sicherlich sind den Fachleuten von den Feuerwehren alle Dinge aufgefallen, die nur Fachleute erkennen können. Immerhin war der stellvertretende Kreisbrandmeister Axel Schuh vor Ort und beobachtete die EinsĂ€tze. Was ihm nicht auffallen konnte – die verletzte Person auf dem Dach der Schule blieb ĂŒber lange Minuten hinweg unversorgt und ohne Ansprache, obwohl bereits FeuerwehrkrĂ€fte auf dem Dach waren. Auch beim Einsatz am Pkw fiel auf, dass ein Feuerwehrmann minutenlang mit einem NothĂ€mmerchen die Frontscheibe bearbeitete, um ein Loch fĂŒr die SĂ€belsĂ€ge zu schaffen, was aber nicht gelang. Ein Schnitt mit der hydraulischen Schere in die A-SĂ€ule erzeugte dann ein Loch. Mit der SĂ€belsĂ€ge (einer Art StichsĂ€ge) wurde die verklebte Scheibe dann herausgetrennt.

 

Das sind Details, doch kommt es oft genau darauf an. Im Großen und Ganzen waren die Zuschauer sicherlich beeindruckt vom Einsatzwillen und wie innerhalb kĂŒrzester Zeit eine Rettung geplant, aufgebaut und durchgefĂŒhrt wird. Und man musste nicht zwei Mal hinschauen, um zu sehen, wie anstrengend das ist. Die verschwitzen Gesichter der Feuerwehrleute zeigten die Strapazen eindeutig.

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Rettung aus schwindeleregenden Höhen.

Unsere Bildergalerie zur Übung finden Sie auf dem Rheinneckarblog.de

Kreisbrandleitung sieht Waldbrandgefahr im Rhein-Neckar-Kreis entspannt


Guten Tag!

Rhein-Neckar-Kreis, 29. April 2011. (red) Die anhaltende Trockenheit im Rhein-Neckar-Kreis macht nicht nur den Landwirten zu schaffen. In einigen Gebieten steigt nach drei Wochen Trockenheit auch die Gefahr von BrĂ€nden und das nicht nur in Waldgebieten. In Belgien hat ein Großbrand aktuell rund 1.000 Hektar Naturschutzgebiet vernichtet. Im GesprĂ€ch mit dem stellvertretenden Kreisbrandmeister Axel Schuh wird klar, dass nicht nur das trockene Wetter die Gefahrenlage verschĂ€rft.

Von Christiane Eisele

Unser GesprĂ€ch mit Axel Schuh beginnt ĂŒberraschend. Auf unsere Bitte, mit uns ĂŒber die vermehrten GrasnarbenbrĂ€nde im Kreis und die vielerorts vermeldete erhöhte Brandgefahr zu sprechen, reagiert Herr Schuh in bezug auf Nordbaden nĂ€mlich eher entspannt: „Es gibt derzeit keine erhöhte Brandgefahr. Durch die Regenschauer der letzten beiden Tage hat sich Lage zudem deutlich entspannt“.

Im Internet könne man das leicht selbst recherchieren, erklĂ€rt er und verweist uns auf das Angebot des Deutschen Wetterdienstes (DWD), das er auch gleich selbst aufruft. Dort stellt der DWD wĂ€hrend der Waldbrandsaison (MĂ€rz — Oktober) tĂ€glich aktualisierte Waldbrandgefahrenprognosen fĂŒr Deutschland bereit. DafĂŒr muss man allerdings genau wissen, wo man suchen soll: DWD, Spezielle Nutzer, Landwirtschaft, Agrarwetter, Waldbrandgefahrenindex.

Regionale Parameter.

Die Prognose erfolgt mittels des sogenannten M-68-Modells, das international gĂŒltig ist und die WaldbrandgefĂ€hrdung in Stufen von 1 (sehr geringe Gefahr) bis 5 (sehr hohe Gefahr) darstellt. FĂŒr die Prognose nach dem M-68-Modell spielt außer meteorologischen Parametern auch der Vegetationsstand eine wesentliche Rolle.

Visualisierte GefÀhrdung. Quelle: DWD

Dass der aktuelle Gefahrenstand beim DWD im Rhein-Neckar-Raum mit 3-4 (mittlere bis hohe Gefahr) angeben wird, beunruhigt Herrn Schuh nicht ĂŒber GebĂŒhr: „Es gibt dabei regionale Unterschiede, die man berĂŒcksichtigen muss. Im Westen des Rhein-Neckar-Raumes ist die Brandgefahr etwas höher, durch die leichten Sandböden trocknen die Pflanzen schneller aus und sind dadurch leichter entflammbar.“

Auch sei es von Bedeutung ob es „einen grĂ¶ĂŸeren Nadelwaldbestand gibt, der naturgemĂ€ĂŸ am Boden einen höheren Anteil organisches Material hat, das sich leichter entzĂŒnden kann.“

Im Rhein-Neckar-Raum gibt es auch einige kleinere AnbauflĂ€chen Miscanthus (Schilfgras) das „da es in pelletierter Form zu Heizmaterial verarbeitet und in Biogasanlagen verwendet wird, leichter austrocknet und dann auch potentiell leichter entzĂŒndlich ist, bei der Beurteilung der Brandgefahr eine Rolle spielt“.

5-10 GrasnarbenbrÀnde pro Woche.

Axel Schuh ist stellvertretender Kreisbrandmeister im Rhein-Neckar-Kreis. Bild: Feuerwehr

Herr Schuh betont aber, dass seitens der Feuerwehr keine erhöhte Alarmbereitschaft besteht, „es bewegt sich alles noch in einem fĂŒr dieses Jahreszeit normalem Rahmen“

Dass es bei der derzeitigen Trockenheit zu deutlich mehr GrasnarbenbrĂ€nden kommt, ist fĂŒr Herrn Schulz aus Sicht der Feuerwehren auch nicht besorgniserregend. „Wir haben hier derzeit etwa 5-10 GrasnarbenbrĂ€nde pro Woche. Normal sind im Zeitraum April-Mai etwa 1-2 BrĂ€nde. Aber diese vermehrten BrĂ€nde verteilen sich auf 106 Abteilungen und sind deshalb fĂŒr uns kein Problem“.

Verursacher werden meist nicht identifiziert.

Die Ursachen der BrĂ€nde, die auf den GrĂŒnstreifen und Feldern neben Landstraßen und Autobahnen aufflammen, sind bekannt: „Meistens sind das achtlos aus den Autofenster geworfene Zigarettenkippen. Oder Weißglasflaschen, deren Scherben wie BrennglĂ€ser gerade gemĂ€hte FlĂ€chen mit trockenem Pflanzenmaterial entzĂŒnden.“-  Die Verursacher solch fahrlĂ€ssig verursachter BrĂ€nde werden aber so gut wie nie identifiziert.

Einige BrĂ€nde entstehen auch als Unfallfolgen, “ wenn kleine Scherben aus geborstenen Scheiben im Feld neben den Autostraßen zurĂŒckbleiben.“ Nicht immer entstehen solche BrĂ€nde also aus Unachtsamkeit, „auch SelbstentzĂŒndung kommt hin und wieder vor“.

Die Gefahr von WaldbrĂ€nden in der Waldbrandsaison (MĂ€rz bis Oktober) steigt ebenfalls mit der Dauer der Trockenheit. Um prĂ€ventiv gegenzusteuern gibt es die Landeswaldgesetze der einzelnen BundeslĂ€nder. „Dort ist geregelt, dass offenes Feuer nur im Abstand von mehr als 100 Metern zur Waldgrenze entzĂŒndet werden darf und rauchen im Wald nicht gestattet ist.“

Appell an die Vernunft.

Axel Schuh rĂ€t, Raucher und ZĂŒndler, die sich im Wald nicht an diese Bestimmungen halten, anzusprechen und an Ihre Vernunft zu appellieren. „Sollten die sich trotzdem nicht an die Vorschriften halten, sollte man das Forstamt informieren. Oft ist es allerdings schwierig da jemanden zu erreichen, dann bleibt nur ein Anruf bei der Polizei.“ Die Feuerwehr ist in solchen FĂ€llen nicht zustĂ€ndig: „Wir sind erst zustĂ€ndig, wenn es brennt.“

Wer sind denn diese Leute, die so unvernĂŒnftig mit offenem Feuer im oder in der NĂ€he des Waldes hantieren? „Das sind zum Großteil normalerweise pflichtbewusste BĂŒrger, denen gar nicht bewusst ist, welche Gefahren ihr Handeln mit sich bringt. In einigen wenigen FĂ€llen spielt auch Alkohol eine Rolle, wenn so sorglos unachtsam gezĂŒndelt wird.“

Kein Problem sieht Axel Schuh an Orten, an den zum Beispiel das Grillen mit offenem Feuer erlaubt ist. „Besondere Vorkehrungen mĂŒssen an diesen Orten nicht getroffen werden. Gartenfeuer, zum Beispiel das Verbrennen von Schnittgut, mĂŒssen angemeldet werden.“ Grillfreunde sind also an öffentlichen GrillplĂ€tzen auf der sicheren Seite.

Trotz der anhaltenden Trockenheit ist im Rhein-Neckar Raum also nicht von einer besorgniserregenden Gefahrenlage auszugehen. Und wenn sich jeder an die Vorschriften hĂ€lt, seine Zigarettenkippen und Flaschen nicht in Feld Wald und Flur entsorgt und sich zum Grillen an die dafĂŒr vorgesehen PlĂ€tze begibt, dann muss auch die Feuerwehr selbst bei dieser Trockenheit nur selten ausrĂŒcken.

Fotostrecke: Feuerwehrball 2011


Guten Tag!

Ladenburg, 17. Januar 2011. Mit rund 700 GĂ€sten war der diesjĂ€hrige Feuerwehrball in der Lobdengauhalle fast bis auf den letzten Platz gut besucht. Vor einem vergnĂŒnglichen Abend standen RĂŒckblicke und Ehrungen und ein Abschied: Der stellvertretende Kommandant Josef Karlberger wird bei der anstehenden Wahl aus persönlichen GrĂŒnen nicht mehr zur VerfĂŒgung stehen.

Feuerwehrball, Ladenburg

Von links: Tobias Rell (Kreisfeuerwehrverband), Vize-Kreisbrandmeister Axel Schuh, Fritz Simons, Peter Ullrich, Willi Wolf, Bernd Schmitt, Herbert Hofherr, Vizekommandant Josef Karlberger, Werner Wagener, Kommandant Harald Lange sowie BĂŒrgermeister Rainer Ziegler.

Bevor zur Musik von „The Holidays“ getanzt werden durfte, gab es einen RĂŒckblick auf das Jahr 2010 und die EinsĂ€tze der Freiwilligen Feuerwehr. NatĂŒrlich fehlen die Ehrungen zu einem solchen Festakt nicht.

Raphael Greipel wurde fĂŒr zwölf Jahre aktiven Dienst geehrt, Bernd Schmitt, und Peter Ullrich mit dem Feuerwehrabzeichen des Landes in Silber fĂŒr 25 Jahre Mitgliedschaft, Willi Wolf und Fritz Simons fĂŒr 40 Jahre Mitgliedschaft mit dem Feuerwehrabzeichen in Gold. FĂŒr 40-jĂ€hrige Mitgliedschaft wurden die mittlerweile „inaktiven“ Mitglieder Werner Wagener sowie Herbert Hofherr und Lothar Vögele fĂŒr 50 Jahre „Mitgliedschaft“ geehrt.

Als Programmpunkte standen die Ilvesheimer Karnevalsprinzessin Jasmin I. von Lopodunum (Insulana Ilvesheim) und die ASV-Tanzgruppe „L.A. Surprise“ unter der Leitung von Henny Hoffmann auf dem Programm. Und natĂŒrlich gab auch der Feuerwehrchor, in dem BĂŒrgermeister Ziegler als einfaches Mitglied mitsingt, mehrere StĂ€ndchen unter der Leitung von Dietrich Edinger.

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Feuerwehr: JahreshauptĂŒbung am „schwierigen Objekt“

Guten Tag!

Ladenburg, 24. Juli 2010. Die JahreshauptĂŒbung der Freiwilligen Feuerwehr galt einem der schwierigsten Objekte in der Stadt: Der neuen Martinsschule. Nicht die BrandbekĂ€mpfung ist hier die grĂ¶ĂŸte Herausforderung – es sind die vielen jungen Menschen, oft mehrfachbehindert, die meisten Rollstuhlfahrer, die im Ernstfall gerettet werden mĂŒssen.

Von Hardy Prothmann

Einsatzleiter Ralf Tiemann rĂŒckte mit einer Mannschaft aus 35 Feuerwehrfrauen und -mĂ€nnern an. Brandalarm. Schwelbrand in der Holzwerkstatt der Martinsschule.

Vor Ort verschafft er sich einen Überblick – Hausmeister Friedrich Dell begleitet ihn und gibt ihm alle relevanten Informationen. Informationen sind ĂŒberlebensnotwendig. Wo ist wer und was? Es gibt 32 Klassenzimmer und 16 AufenthaltsrĂ€ume – es ist ein großes, weitlĂ€ufiges GebĂ€ude.

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Voller Einsatz: Immobile Person wird gerettet. Bild: ladenburgblog.de/Robin Birr

Zwei Löschgruppenfahrzeuge und ein Tanklöschfahrzeug mit 2.500 Litern Wasser rĂŒcken an. WĂ€hrend die SchlĂ€uche ausgerollt und verbunden werden rĂŒcken AtemschutzgerĂ€tetrĂ€ger vor. Bereits im Gang bewegen sie sich am Boden – stehend könnten sie im Qualm nichts sehen und wĂ€ren orientierungslos.

„Unsere primĂ€re Aufgabe ist die Menschenrettung.“ Josef Karlberger

In der Holzwerkstatt treffen sie auf mehrere SchĂŒlerInnen – gespielt von Mitgliedern der Jugendfeuerwehr. Alle sind hilflos – können sich nicht alleine bewegen und in Sicherheit bringen. Die Feuerwehrleute stĂŒlpen den in Not Geratenen „Fluchthauben“ ĂŒber – eine lebenssichernde Maßnahme. Von der anderen Seite arbeiten sich die Löschtrupps vor. Ein kraftvoller Ventilator kommt zum Einsatz, um den Qualm zu vertreiben.

Zu viert schaffen die Feuerwehrleute Mensch fĂŒr Mensch aus dem Raum, manche im Rollstuhl, anderen mĂŒssen sie schleppen. Die Arbeit geht an die Belastungsgrenze – auf dem Boden robben die Feuerwehrfrauen und -mĂ€nner und ziehen die SchĂŒlerInnen aus der Gefahrenzone. Draußen warten die Johanniter, um die Menschen sofort notĂ€rztlich zu versorgen.

190 behinderte Kinder befinden sich unter der Woche in der Martinsschule. Dazu 170 Bedienstete. 120 Kinder sind mehrfachbehindert, 150 sitzen im Rollstuhl.

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NotÀrztliche Versorgung. Bild: ladenburgblog.de

„Unsere primĂ€re Aufgabe ist hier die Menschenrettung“, erlĂ€utert Josef Karlberger, der stellvertretende Kommandant, den Einsatz: „Die Martinsschule ist durch die besondere Situation der Menschen fĂŒr uns tatsĂ€chlich keine einfache Aufgabe, sondern ein schwieriger Einsatz.“

FĂŒr 35 der insgesamt 87 Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr Ladenburg ist dieser Einsatz die diesjĂ€hrige JahreshauptĂŒbung. Erfahrene Feuerwehrkollegen arbeiten mit noch nicht so erfahrenen zusammen – im Ernstfall mĂŒssen alle funktionieren. Dann gibt es keine Diskussionen oder den ein oder anderen Hinweis, dann gibt es Kommandos, dann mĂŒssen die Handgriffe sitzen, dann gilt es, volle Leistung zu bringen und Leben zu retten.

Enorme Belastung.

Die AtemschutzgerĂ€te zischen, der Inhalt der Flaschen wird kontrolliert – je nach Belastung geben diese fĂŒr 20 bis 30 Minuten Sauerstoff. Die „volle Montur“ der feuersicheren Kleidung, Helm, AtemschutzgerĂ€t, sonstige AusrĂŒstung – selbst eine Übung ist schon eine immense körperliche Belastung. Im Ernstfall muss nicht nur der Körper mitmachen, sondern auch die Nerven.

Jede Übung macht AblĂ€ufe „selbstverstĂ€ndlicher“ – Routine braucht keiner. Routine ist eher gefĂ€hrlich. Denn Routine gibt es nicht. Jeder Einsatz ist anders – die Feuerwehrleute mĂŒssen verstehen, was sie wann wie tun.

Rund eine halbe Stunde dauert die JahreshauptĂŒbungin der Martinsschule. Feuerwehr-Chef BĂŒrgermeister Rainer Ziegler beobachtet den Einsatz, rund 30 BĂŒrgerInnen, Bedienstete der Schule, StadtrĂ€te und natĂŒrlich Mitglieder der Unterkreiswehren aus benachbarten Orten. Auch sie lernen von ihren KameradInnen – zwar gibt es Standards bei EinsĂ€tzen, aber wie gesagt, jeder Einsatz ist anders und die praktische Erfahrung unersetzlich.

Alle Erfahrung, alle AusrĂŒstung ist nichts gegen die Kameradschaft – im Ernstfall mĂŒssen sich die Feuerwehrleute auf „Leben und Tod“ aufeinander verlassen können, auch ihr eigenes Leben dem Können der anderen anvertrauen. Nur im Team ist eine Feuerwehr wirklich „einsatzbereit“.

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Diese Gemeinschaft wird traditionell nach der JahreshauptĂŒbung in einer gemeinsamen Runde gefeiert. Kommandant Harald Lange begrĂŒĂŸt die GĂ€ste und anderen Wehren wie auch BĂŒrgermeister Rainer Ziegler, der den Anwesenden, auch Polizei und Johannitern dankt und den Einsatz lobt: „Im Ernstfall wird hier Menschen geholfen, die durch ihre besondere Lage am meisten auf unsere Hilfe angewiesen sind.“ Und er erinnert an seinen VorgĂ€nger, Rolf Reble, der Ziegler ins Stammbuch zur alten Martinsschule geschrieben habe, „dass die baulichen Gegebenheiten zu gefĂ€hrlich fĂŒr alle sind, die sich dort aufhalten.“

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Kameradschaft - Wehren, Polizei, Johanniter, nur gemeinsam ist Rettung möglich. Bild: ladenburgblog.de

Das ist Geschichte, der Neubau ist natĂŒrlich auch nach neuesten brandschutztechnischen Kriterien entwickelt worden, doch es gibt immer etwas zu verbessern: „Heute wurde klar, dass noch ein Orientierungssystem fehlt, das muss nachgebessert werden.“

„Unser Dank gilt ihrem besonderen Einsatz.“ Kurt Gredel

Axel Schuh, stellvertretender Kreisbrandmeister lobt den „sehr hohen Ausbildungsstand und den gelungenen Ablauf“ und informiert den BĂŒrgermeister, dass es vor einigen Tagen eine Begehung im Vorfeld der Übung gegeben habe, bei der dieser Mangel schon entdeckt worden sei und dessen Abhilfe bereits in Arbeit sei.

Der Rektor Kurt Gredel sagt in seiner ihm eigenen herzlichen Art: „Ich möchte den Dank aller Kinder, der Eltern und der gesamten Schulgemeinschaft fĂŒr diesen „Einsatz“ aussprechen. Wir haben besondere Kinder und Sie setzen sich dafĂŒr besonders ein. DafĂŒr sind wir sehr dankbar.“

Im Herbst wird es wieder eine Übung geben – wĂ€hrend des Schulbetriebs. Das wird eine große Herausforderung werden – fĂŒr die SchĂŒlerinnen, das Personal und die Feuerwehr. Aber auch eine sehr sinnvolle.

Viel Freude mit unseren Fotos.
Alle Fotos: ladenburgblog.de/Robin Birr

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