Freitag, 30. September 2022

Ausstellung: „Verletzte Seelen“, Small-Talk und Nachdenken ĂĽber Menschenrechte

Guten Tag!

Ladenburg, 08. November 2010. Im Ladenburger Domhof (Rathaus) wurde am Sonntag, den 07. November 2010, eine Ausstellung eröffnet, die den Krieg thematisiert. Und die Verletzung der Menschenwürde. Und die Verletzung der Seelen, jeder einzelnen.

Von Anna Ewald

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Eigentlich. In vielen Kriegen wurde aus einer unantastbaren Würde eine antastbare gemacht. Verletzte Seelen bleiben nach diesen Kriegen übrig“, eröffnet Reinhard Christmann die Ausstellung „Verletzte Seelen“ des Heddesheimer Künstlers Bernd Gerstner. Die Sinnlosigkeit der Kriege solle erinnert und verdeutlicht werden.

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Der KĂĽnstler Bernd Gerstner.

Die amnesty international (ai) Gruppe Ladenburg/Schriesheim veranstaltet gemeinsam mit der Organisation „Wir gegen Rechts“ diese Ausstellung im Domhof in Ladenburg. Sie hat am 07. November 2010 begonnen und jeden Samstag und Sonntag von 11-17 Uhr oder nach Vereinbarung bis zum 05. Dezember 2010 geöffnet.

Rund 70 Besucher kommen zur Vernissage in den Domhof, um die 38 Kunstwerke zu betrachten, an denen Bernd Gerstner seit 2006 gearbeitet hat. Nicht nur Bilder, auch Skulpturen werden ausgestellt.

„Der größte Feind der Menschenrechtsverletzung ist die Öffentlichkeit.“

Überall im Raum stehen Menschen, die sich die Kunst anschauen. Viele sehen nachdenklich aus. Sie versuchen die Gewalt der Kriege zu begreifen. Andere halten „Small Talk“. Jugendliche und junge Erwachsene sind nicht anwesend.

Alle werden ruhig, als der Ladenburger Künstler Rudolf Klee beginnt, Keyboard zu spielen. Er spielt eine düstere und ergreifende Melodie. Passend zu den „Verletzten Seelen“.

Reinhard Christmann ist Gruppensprecher der ai Gruppe Ladenburg/Schriesheim. Er schildert die aktuelle Menschenrechtslage beispielsweise in Myanmar (Burma), in denen Menschenrechte nicht beachtet werden (Anm. d. Red.: In der „Rangliste“ 2010 von „Reporter ohne Grenzen“ zur Lage der Pressefreiheit liegt Myanmar auf Platz 174 von 175 (Vorjahr: 171).)

„Der größte Feind der Menschenrechtsverletzung ist die Öffentlichkeit“, betont er. Jeder solle helfen, indem er an die Öffentlichkeit geht. Er betont, dass nur so eine Verbesserung erreicht werden könne. Es liegen Listen aus, in die sich Gäste eintragen können, für mehr Menschenrechte und gegen deren Verletzung.

Krieg hinterlässt körperliche und seelische Schäden.

Markus Wittig von „Wir gegen Rechts“ schlieĂźt sich den AusfĂĽhrungen Christmanns an. Auch Herr Wittig erinnert an Kriege. Zum Beispiel die „Schlacht an der Somme“ im Ersten Weltkrieg. Mit ĂĽber einer Millionen Toten gilt sie als „verlustreichste Schlacht dieses Krieges“. Verloren haben alle. Auch die Ăśberlebenden. Die Schäden sind grausam. Körperliche und seelische. Um eben diese bleibenden seelischen Schäden geht es in dieser Ausstellung, die zum Nachdenken auffordert.

Der Künstler Bernd Gerstner möchte nicht einfach nur Bilder ausstellen. Die Betrachter sollen sich mit dem ernsten Thema selbst auseinandersetzen. Sie sollen sich mit der Frage beschäftigen, warum Menschen, trotz so vieler „verletzter Seelen“, Krieg immer noch als Lösung sehen, sagt Kunsthistorikerin Dr. Kurtzer in ihrer Einführung in die Bilder.

Jeder geht mit Krieg anders um.

Ihrer Meinung nach brauchen diese Bilder eine Erklärung, obwohl Bernd Gerstner es lieber gehabt hätte, weniger Worte zu verwenden, wie er mir später sagt. Jeder geht mit Krieg anders um.

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Installation Todesengel.

Die Kunstwerke sind aus natürlichen Materialien, Gerstner verwendet unter anderem Erdfarben und Sand. Fundstücke aus dem Ersten Weltkrieg wurden mit „eingebaut“.

Manche Kunstwerke finde ich eher ausdruckslos, wahrscheinlich, weil ich sie nicht richtig verstehe. Von anderen kann ich mich fast gar nicht mehr losreiĂźen.

Eines dieser Kunstwerke ist die Installation „Der Todesengel“. Es ist ein weißer Arztkittel, von dem Blut auf einen Spiegel tropft. Aus dem Blut auf dem Spiegel bildet sich ein Gesicht. Das des KZ-Arztes Dr. Josef Mengele.

Der „Todesengel“.

„Der Todesengel“ steht für alle KZ-Ärzte des Naziregimes, die grausame Menschenversuche durchgeführt haben“, sagt die Kunsthistorikerin Kurzer.

Von Konzentrationslagern (KZ) handelt die Bilderfolge „Auschwitz“. Das KZ Auschwitz (OÅ›wiÄ™cim) ist das Symbol, das „Musterbeispiel“ für alle Konzentrationslager, in denen Menschenverachtung an der Tagesordnung waren.

Vier dunkle Kästen hängen an der Wand. Alle mit unterschiedlichen Motiven. Eins zeigt Kinder, die ihre tätowierten Lagernummern zeigen. Ein anderes das „typische“ Bild von Auschwitz. Gleise, die in das Lager hinein führen. „Arbeit macht frei“ als Überschrift. Stacheldraht verdeutlicht, dass es aus diesem Schicksal kein Entrinnen gibt. Das letzte verdeutlicht die Not der internierten Menschen, vor allem das der Kinder.

Noch ein weiteres Kunstwerk berührt mich, denn es ist schlicht, aber ausdrucksstark. Ledersohlen auf dem Boden, mehrere, die sich immer weiter auflösen. Es sind Ledersohlen von Soldaten. Es symbolisiert, wie der Titel schon sagt, die „Letzten Schritte“ eines Soldaten. Wohin, erfährt man nicht. Woher sie kamen, auch nicht.

Manche halten Small-Talk, manche sind sehr nachdenklich.

Zum Abschluss spielt Rudolf Klee, dem laut Reinhard Christmann „die gesamte Ausstellung zu verdanken ist“, noch einmal Keyboard. Wieder eine schwere Melodie, „passend“ zum Krieg.

Dann steht er auf und trägt unerwartet zwei politikkritische Gedichte vor. Eins ist sehr zynisch dem ehemaligen US-Präsident George W. Bush gewidmet.

Manche Kunstwerke lassen sich nur schwer verstehen. So wie Kriege. Die Besucher gehen irgendwann nach Hause. Manche halten Small-Talk, manche sind sehr nachdenklich. Ăśber Krieg. Und verletzte Seelen.

Link:
Weitere Informationen zur Ausstellung und begleitenden Veranstaltungen.

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Anmerkung der Redaktion: Anna Ewald (16) ist Gymnasiastin in Schriesheim, interessiert sich sehr fĂĽr Politik und Medien und absolviert ein schulbegleitendes Praktikum bei uns. Dabei lernen junge Menschen bei uns, was Journalismus ist: Handwerk, Ă–ffentlichkeit und verantwortliche Meinung.
Wir legen dabei einen besonderen Wert auf den eigenen Blick dieser jungen Menschen. Sie berichten aus ihrer subjektiven Perspektive, was sie mit wem zu was wie erleben. Wir unterstĂĽtzen sie dabei journalistisch und redaktionell.
Hier finden Sie eine Ăśbersicht aller Texte von Anna Ewald auf dem ladenburgblog.
Wer Interesse an einem Praktikum hat, kann sich gerne formlos bewerben – allerdings sind erst ab April 2011 wieder Plätze frei.

Kinder besuchen Polizeirevier: „Wow! Das ist cool.“

Guten Tag!

Ladenburg, 07. November 2010. Am Donnerstag besuchten Kinder aus Neckarhausen das Polizeirevier in Ladenburg. FĂĽr alle ist das sehr spannend. Es gibt jede Menge Fragen, die Jugendsachbearbeiter Bernhard Schuhmacher problemlos „aufklären“ kann.

Von Anna Ewald

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Spannender und spaĂźiger Polizeieinsatz.

„Wow! Das ist ja cool!“ war am 4. November in der Ladenburger Polizeistation von vielen Kindern zu hören. Die 14 Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren kommen von der Kernzeit und Ferienbetreuung der Grundschule in Neckarhausen. Heute machen sie mit Jugendsachbearbeiter Bernhard Schuhmacher eine knapp zweistündige Tour durch das Ladenburger Polizeirevier und staunen nicht schlecht.

Die Tour beginnt im „Lehrraum“ der Polizei. Bernhard Schuhmacher erklärt die Arbeit der Polizei sehr geduldig und vor allem kindgerecht – es geht darum, „BerĂĽhrungsängste“ zu nehmen. Von: „Was ist eigentlich ein Straftäter?“ bis „WofĂĽr gibt es unterschiedliche MĂĽtzenfarben?“, klärte er jede Frage.

„Warum gibt es Uniformen?“ und andere Fragen.

„Stellt euch vor, der kleine Bernhard geht mit seinen Eltern auf den Weihnachtsmarkt und geht verloren! Was macht er dann um seine Mama wieder zu finden?“, so fängt der Jugendsachbearbeiter seine Geschichte zur Frage: „Warum gibt es Uniformen?“ an. „Er geht zur Polizei!“ ruft eines der Kinder begeistert.

Auf diese Weise wird jedes Thema den kleinen Mädchen und Jungs durch eine Geschichte nähergebracht, so wird auch mal von einem erfundenen Schokoladendieb im Neckarhausener Aldi erzählt.

Die Kinder hören aufmerksam zu, was durch eine kindgerechten Vortragsweise einfach ist und erzählen von sich und ihren Familien, denn Bernhard Schuhmacher geht auf jede einzelne Meldung der Kinder ein und hilft wo es noch Unklarheiten gibt.

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Spurensicherung: Bernhard Schuhmacher zeigt, wie man FingerabdrĂĽcke sichtbar macht.

Knifflige Fälle werden gelöst.

Den Kindern gefällt das sichtbar und beim Interesse kann man keinen Unterschied zwischen Jungs uns Mädchen erkennen. Sie machen alle begeistert mit und bereichern das „Lehrgespräch“ mit ihren eigenen Ideen, wie man manche kniffligen Fälle lösen kann.

Ein paar der Kinder waren schon einmal in der Polizei Ladenburg, denn die Kernzeitbetreuung organisiert häufig Exkursionen, auch mal bei der Feuerwehr, im Rathaus oder auf dem Hundeplatz. Trotzdem sind sie nicht gelangweilt, sondern lachen und melden sich fröhlich weiter.

Spurensicherung.

„Alle, die schon mal da waren, verraten den anderen jetzt nichts!“, flüstert der geduldige Jugendsachbearbeiter den unternehmungsfreudigen Kindern zu, als er anfängt aus seinem „Geheimkästchen“ unbekannte Dinge zu holen. Spannung macht sich breit, aber bald schon versteht jeder was vor sich geht. Fingerabdrücke werden sicher gestellt.

Das macht sichtlich SpaĂź – die Kinder dĂĽrfen ihre „sichergestellten“ FingerabdrĂĽcke mit nach Hause nehmen. Aber nicht nur das. Auch Handschellen werden mit einem freundlichen „Uffpasse!“ (Aufpassen!) einmal durch gereicht und auch eine Kugelschutzweste und die passende MĂĽtze darf von jedem, der will, anprobiert werden. „Ganz schön schwer“ bemerkte ein Junge. Aber es gibt auch das ein oder andere neue Topmodel, das mit Weste und MĂĽtze posiert wie ein richtiger Polizist.

Auf Streife.

Nicht nur „Theorie“ wird besprochen, denn jetzt geht es raus auf den Hof, wo die Kinder einen echten „Streifenwagen“ vorfinden. Alle drängeln sich darum, bis Bernhard Schuhmacher die Autotüren öffnet und jeder mal Probe sitzen darf. Und so steht auf dem Hof der Polizeiwache ein Polizeiauto mit rund fünf Kindern „beladen“. Das Staunen ist nicht zu übersehen, als die Blaulichter angehen und sich jeder wie ein echter Polizist fühlen kann.

Weiter geht-€™s in das „Gefängnis“. Ein paar der Kinder schauen skeptisch und nicht alle wollen mit rein. Bei anderen löst das Wort allerdings Neugierde aus. Die Gruppe, allen voran der Jugendsachbearbeiter, übrigens in echter, grüner Uniform, marschiert los in Richtung Arrestzellen.

AusnĂĽchterungszelle.

„Hier stinkts!“, ist die erste Bemerkung von einem der Jungs. Das ist auch kein Wunder, denn die Arrestzellen werden meistens als Ausnüchterungszellen gebraucht.

Als die Kinder die Zellen sehen, die nur mit einer Holzpritsche ausgestattet sind, wird ihnen ein wenig mulmig. Doch der verständnisvolle Jugendsachbearbeiter nimmt ihnen schnell die Angst: „ Kinder werden hier niemals eingesperrt!“

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Staunen in der Einsatzzentrale: So viele Telefone und Bildschirme.

Ein Mädchen aus der Gruppe, Paulina, antwortete auf die Frage, was ihr am besten gefallen hat: „Da wo er alles über das Gefängnis erzählt hat.“ Das hat also Eindruck hinterlassen.

Dann folgte noch eine kurze FĂĽhrung durch die restliche Wache, unter anderem die Zentrale, mit vielen Telefonen und Monitoren, die den lebhaften Kleinen imponieren.

Ihnen wird erklärt, für was jeder einzelne Hörer oder Bildschirm da ist, bis sie dann ihre wichtigsten Fragen, wie: „Wie viele Waffen gibt-€™s hier denn?“, stellen dürfen. Die kleine Talessa findet die Führung „ richtig lustig und spannend“ und besonders die Zentrale beeindruckt sie, wie sie mir ganz aufgeregt erzählt.

Am Ende verlassen alle bestens informiert die Wache. Und wer weiĂź, vielleicht wird ja der ein oder andere später auch ein Polizist – immerhin kennen sie sich jetzt schon richtig gut aus.

Zur Person:
Bernhard Schuhmacher ist Jugendsachbearbeiter bei der Polizei Ladenburg und das schon seit 1996. Vorher war er im gleichen Berufsfeld, für das ein besonderer Lehrgang vorausgesetzt wird, in Mannheim-Sandhofen von 1992 an tätig, bis er nach Ladenburg wechselte.

In seinen Aufgabenaufgabenbereich fallen hauptsächlich Jugendstraftaten, aber auch die Präventionsarbeit, zum Beispiel an Schulen, ist dem 53-Jährigen wichtig. Schuhmacher ist zudem immer „drauĂźen“ im Einsatz, wenn die Arbeit mit Jugendlichen gefragt ist, beispielsweise an „Halloween“.

FĂĽhrungen fĂĽr Kinder macht er natĂĽrlich auch, wie man sich am Donnerstag ĂĽberzeugen konnte. Hier zeigt er Kindern spielerisch und informativ, dass sie vor der Polizei „keine Angst“ haben mĂĽssen.

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Mo’Roots: Tolle Live-Party mit Rolf Stahlhofen

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Guten Tag!

Ladenburg, 04. November 2010. Rolf Stahlhofen ist nicht einfach nur ein „Special Guest“ – er ist ein Soulman, der neue Gäste zu „Mo’Roots“ ins Ladenburger Fody’s zieht.

Kein Wunder. Der Mann ist auf der BĂĽhne ein Magnet, der Emotionen verteilt und einfängt. Stahlhofen hat Christoph Melzer mitgebracht, einen groĂźen Gitarristen. Das Schlagzeug bediente Patrick Metzger. Zusammen mit Ray Mahumane an der Gitarre und dem genialen Keyborder Jason Wright hatte Mo’Roots-Chefin Susan Horn einen groĂźartigen Live-Act – auch, wenn manchmal die Technik nicht mitspielte.

Von Anna Ewald

Den 2. November 2010 werde ich nicht so schnell vergessen. Ich bin in Fody’s Fährhaus in Ladenburg. 20:30 Uhr. Der „Laden“ fĂĽllt sich zusehends mit Gästen.

Wie jeden ersten Dienstag im Monat: Die Live-Music-Session „Mo’Roots“ ist gleich am Start.

„Special-Guest-Party“. Heute: Rolf Stahlhofen.

„Mo’Roots“-Gastgeberin Susan Horn lädt fĂĽr jedes Event einen anderen Gast ein.

Rolf Stahlhofen singt bei Mo’Roots.

Der Star des Abends ist Rolf Stahlhofen, ein ehemaliger „Sohn Mannheims“, der auch mit der SWR-BigBand schon ein Album aufgenommen hat und mit dem Eurovision-Song-Contest Teilnehmer Max Mutzke eine Band hat und viel rumkommt.

Ich bin nicht nur hier, um einfach gute Live-Musik zu erleben. Ich bin hier, um darĂĽber zu schreiben. Meinen ersten Artikel als Praktikantin beim ladenburgblog.

Erst Bauausschuss, dann Party.

Um 17:00 Uhr hatte ich meinen ersten Termin auf einer Bauausschussitzung in Heddesheim für das heddesheimblog und ehrlich gesagt, war das einerseits besonders, weil neu, aber tatsächlich sehr, sehr langweilig, aber das kann ich mir wohl nicht aussuchen. Da verspricht der Abend spannender zu werden.

Mo’Roots und Rolf Stahlhofen also. Ăśber beide habe ich im Internet recherchiert und Rolf Stahlhofen gleich bei Youtube eingegeben, um einen Vorgeschmack zu bekommen. Das hat mich ernĂĽchtert. Ich bin skeptisch, da das, was ich an Musikvideos gefunden habe, nicht wirklich „mein Fall“ ist.

Live-BĂĽhne im Fody’s. Rolf Stahlhofen, Susan Horn, Rino Galiano.

Soviel vorab: Meine Erwartungen wurden während des Konzerts bei weitem übertroffen. Denn ich hatte viel Spaß und einen echt schönen Abend mit Musik vom Feinsten.

In der Pause suche ich das Gespräch mit Rolf Stahlhofen. Ein massiger Typ mit rasierter Glatze. Dunkle Klammotten, schwerer Mantel, Mütze.

Mein „Chef“, Hardy Prothmann, hat mich aufgefordert, Rolf Stahlhofen ein paar Fragen zu stellen, die wir vorher „ungefähr“ besprochen haben: „Fragen stellen ist erlaubt, obs Anworten gibt, findest du nur heraus, wenn du dir vorher Fragen stellst, die im Gespräch auch andere sein können.“ Also gut. Ran an den Mann.

„Stell Fragen, die interessant sind“, ist der Auftrag.

Christoph Melzer: MitreiĂźender Gitarrist.

Und es funktioniert. Rolf Stahlhofen ist auĂźerordentlich freundlich und gesprächsbereit. Ich will unbedingt wissen, warum er nicht mehr bei den „Söhnen Mannheims“ ist: „Frag ihn einfach“, ist der Auftrag.

Ich frage und bekomme als Antwort: „Ich wollte was Neues ausprobieren“, sagt Rolf Stahlhofen. Ich gucke und dann sagt er betont: „Ich werde mich trotzdem nie von ihnen lösen können, denn ich liebe die Jungs.“

Woah. Das klingt ehrlich und direkt.

Und ein wenig später gibt er noch eine „Liebeserklärung“ ab, die ich so gar nicht erwartet hätte: „Der Jason ist ein ganz groĂźer Musiker und toller Mensch. Der hat mich ans Mikro gebracht, wie viele andere auch. DafĂĽr bin ich ihm ewig dankbar.“

Jason Wright, der Keyborder von Mo’Roots. Engländer, genialer Musiker, Bandleader und hier vor Ort „einfach nur“ ein Mitglied der Band, der einen sensationellen „Bass“ spielt. Mit „links“, also der linken Hand.

„Pick up the pieces“ – Soulnummer mit philosophischem Charakter.

Soviel Offenheit gefällt mir und dem Publikum. Rolf Stahlhofen ist ein Mensch. Ein spezieller. So wie jeder. Du und ich.

Die „Söhne“ sind eine Station gewesen. Seitdem ist Rolf Stahlhofen mit seiner Solokarriere erfolgreich. Was gleich geblieben ist: Er ist ein BĂĽhnenmann, wie die Gäste es bei Fody’s erleben können.

Die Gitarristen Ray Mahumane und Christoph Melzer und der Schlagzeuger Patrick Metzger stimmen die rund 200 Gäste mit der legendären Nummer der Average White BandPick up the pieces“ ein und machen damit das FaĂź auf, das den Abend dominieren wird: Soul. GefĂĽhl. Rhythmus.

Das sorgt sofort für eine gute Stimmung im Publikum. Die gut gelaunte Gastgeberin Susan Horn begrüßt die Stammgäste, die „Regulars“, und heißt neue Fans der Live-Musik willkommen (davon gab es einige, wie ich auf Nachfrage erfahre).

Schon der erste Song, „New York State Of Mind“ (Billy Joel) beweist die Stimmgewalt von Susan Horn und bringt das Publikum zum aufmerksamen Zuhören und Lächeln.

Herzliche Musik.

Dann folgen weitere Songs zusammen mit Rino Galiano bis zur herzlichen BegrĂĽĂźung von Rolf Stahlhofen auf der BĂĽhne, der mit Susan Horn anscheinend seit langem vertraut ist.

Unter anderem singt Rolf Stahlhofen seinen Hit „Große Mädchen weinen nicht“, der 2003 in die Single-Charts aufstieg. Er bringt ihn sehr emotianal rüber, das Publikum geht und zu singt mit, was kein Wunder ist, denn während der gesamten Show merkt man: Rolf Stahlhofen ist ein guter Entertainer, der sein Publikum begeistern kann.

Gut 200 Gäste feiern Stahlhofen und Mo’Roots im Fody’s.

Er ist ein Mann, der rumkommt. So hat er zum Beispiel sein Studio in Schweden und ist UN-Botschafter. Somit ist auch die englische Sprache kein Problem fĂĽr ihn und er macht keinen Unterschied zwischen den Sprachen – ich dachte, er singt nur deutsch. Seine eigenen Songs singt er allerdings lieber auf Deutsch, da er die Sprache allmählich beherrsche, wie er mir sagt… 🙂

Besonders der Song „Hallelujah“ gefällt mir sehr (ursprünglich von Leonhard Cohen, bekannt geworden durch John Cale), da Rolf Stahlhofen seine gesamten Emotionen hineinsteckt. Das berührt mich. Auch das Publikum geht mit und Kuschelstimmung macht sich breit. Diese schlägt allerdings sofort wieder in Tanzstimmung um, als die nächsten Songs gespielt werden.

Leidenschaft.

Die Musiker spielen mit Leidenschaft und sind spontan. Als es bei dem bekannten Hit „The Lions Sleeps Tonight“, technische Irritationen gibt, „regeln“ sie das mit Humor. Christoph Melzer (36) spielt und singt „So Lonely“ von Police und irgendwie merkt man, dass er mit dieser Musik „aufgewachsen“ ist.

Was mir gefällt, ist die Kommunikation zwischen den Künstlern und dem Publikum, das fleißig mitsingt und Spaß hat.

Die Show ist abwechslungsreich und macht den Gästen sichtlich gute Laune. Und da macht auch die Publikumsgröße keinen Unterschied, wie auch Rolf Stahlhofen im Interview sagte: „Man kann mit einem kleinen Publikum genauso kommunizieren wie mit einem groĂźen.“

Party mit Anteilnahme.

Das merkt man an diesem schönen Abend. Am Ende der Show sitzt fast keiner mehr still und es ist eine tolle Live-Party.

Mit einem gemeinnützigen Hintergrund, denn die Eintrittserlöse, drei Euro pro Person, gehen an das Kinderhospiz Sterntaler e.V. in Mannheim.

Anna Ewald.

Anmerkung der Redaktion:
Wir begrĂĽĂźen Anna Ewald als neue Praktikantin in der Redaktion. Anna (16) ist Gymnasiastin in Schriesheim und interessiert sich sehr fĂĽr Politik und Medien und absolviert ein schulbegleitendes Praktikum bei uns. Unsere PraktikantInnen lernen „on the job“. Wir bieten eine theoretische EinfĂĽhrung und eine intensive, praktische Betreuung, um den Beruf „Journalismus“ kennenzulernen. Herzlichen GlĂĽckwunsch an Anna: Tolle Leistung 🙂
Als Praktikantin ist Anna ins „Tagesgeschäft“ eingebunden. Nach einer Bauausschusssitzung folgte ein Konzertabend. Am heutigen Donnerstag ist die nächste Station das Polizeirevier Ladenburg, am Samstag folgt eine „Demonstration gegen Pfenning“ in Heddesheim. Am Sonntag schreibt Anna ĂĽber eine Kunstausstellung in Ladenburg. Weitere Termine folgen – im Praktikum lernen junge Menschen bei uns, was Journalismus ist: Handwerk, Ă–ffentlichkeit und verantwortliche Meinung.
Wer Interesse an einem Praktikum hat, kann sich gerne formlos bewerben – allerdings erst ab März 2011 wieder. Vorher sind die Plätze schon ausgebucht.

Viel Freude mit den Fotos:

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