Sonntag, 07. August 2022

CBG-Sch├╝ler stellen Gurs-Mahnmal auf

„Man hat die Leute einfach krepieren lassen!“

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Aufstellung des Gurs-Mahnmals zur Erinnerung an die Deportation von Ladenburger B├╝rgern j├╝discher Herkunft.

 

Ladenburg, 27. Januar 2012. (red) Eine klassen├╝bergreifende Arbeitsgemeinschaft des Carl-Benz-Gymnasiums hat zur Erinnerung an die Deportation j├╝discher B├╝rger Ladenburgs ein Mahnmal aufgestellt. Die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler hatten ├╝ber ein Jahr die Geschichte der Ladenburger Juden erforscht und den Gedenkstein selbst entworfen und gestaltet. Ein zweiter Gedenkstein der AG steht seit Oktober 2011 zusammen mit 99 anderen Steinen in Form eines Davidsterns in Neckarzimmern.

Von J├Ârg Theobald

Ich habe noch 20 Minuten. Dann muss ich meinen Koffer gepackt haben und mich f├╝r immer von meinem Umfeld, meinen Freunden und allen anderen trennen.

Mit diesen Worten aus einem fiktiven Tagebucheintrag eines j├╝dischen M├Ądchens er├Âffneten die neun Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler des Carl-Benz-Gymnasium die Aufstellung des Gedenksteins.

Das Mahnmal soll an die 27 j├╝dischen B├╝rgerinnen und B├╝rger Ladenburgs erinnern, die am 22. Oktober 1940 zusammen mit rund 6.500 weiteren in Baden, Rheinland-Pfalz und dem Saarland lebenden Juden nach Gurs deportiert wurden.

Das Mahnmal in Ladenburg ist Teil eines gr├Â├čeren Mahnmalprojekts der Abteilung Jugendpastoral der Erzdi├Âzese Freiburg und dem Evangelischen Amt f├╝r Kinder- und Jugendarbeit der Landeskirche Baden.

Gedenken an die Opfer der nationalistischen M├Ârderbande.

 

Seit 2002 wurden rund 100 solcher Mahnmale in badischen Gemeinden errichtet. Gleichzeitig steht aus allen diesen Gemeinden jeweils ein zweiter Gedenkstein in Neckarzimmern. Dort bilden die Steine ein Gesamtmahnmal in Form eines Davidsterns.

Baracken aus Teerpapier und Holz

Die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler berichteten mit Hilfe von Berichten der Zeitzeugen Rahel Staniesky und Paul Niedermann ├╝ber die Hintergr├╝nde und die abscheulichen Geschehnisse der damaligen Zeit.

Rahel Staniesky (geborene Hirsch), eine in Ladenburg geborene J├╝din, wurde mit Berichten ├╝ber die katastrophalen Zust├Ąnde in Gurs zitiert.

Die Baracke bestand aus Teerpapier und Holz, sehr primitiv. […] Wegen des st├Ąndigen Regens zog es von allen Ecken, dabei litten wir wie die meisten Insassen an infekti├Âsen Durchf├Ąllen und anderen Krankheiten.

Vom Oktober bis zum Jahresende 1940 starben unter den dortigen Verh├Ąltnissen mehr als 1.000 Menschen an K├Ąlte, Hunger und Krankheiten. Von den 27 Ladenburgern ├╝berlebten gerade einmal 7, der Rest „krepierte“ entweder in Gurs oder wurde in anderen Konzentrationslagern ermordet.

Paul Niedermann beschreibt die Verh├Ąltnisse in Gurs sehr direkt.

Es gab ja nichts, um die Leute zu pflegen. Man musste sie nicht t├Âten, das waren ja keine Vernichtungslager. Aber man hat die Leute einfach krepieren lassen.

Gru├čworte mit Rosen

Erst im Herbst 2011 wurde ├╝berraschend bekannt, dass Ruth Steinfeld, eines der 27 Ladenburger Opfer der Deportation, noch am Leben ist. Die heute in Houston in Texas lebende Ladenburgerin ├╝bersandte postalisch ihre Gr├╝├če und ihre Wertsch├Ątzung f├╝r das Mahnmal.

Zum Abschluss legten die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler, ebenso die beteiligten Lehrerinnen und Lehrer unter dem Motto „Liebe deinen N├Ąchsten wie dich Selbst“ Rosen am Mahnmal nieder. Dieses Zitat aus dem 3. Buch Mose ziert auch die Thorarolle auf dem Gedenkstein.

 

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Anmerkung der Redaktion:

Am Projekt beteiligte Sch├╝lerInnen: Helen Anders, Lisa H├Ąnsel, Anna J├Ąger, Nina Kippenhahn, Ann-Kathrin K├╝bler, Viktoria Schwierz, Nadine Vollers, Max W├Ârrester.

Am Projekt beteiligte Lehrer: Petra Erl, Maren Knies, Martin Schaub, Markus Wittig.