Dienstag, 22. Oktober 2019

Plagiator-Formel: Dreist, dreister, Journalist – wie Tageszeitungen tagt√§glich „beschei√üen“


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 13. April 2011. (red) Wenn Tageszeitungen √ľber die Plagiatsaff√§ren „zu Guttenberg“ und aktuell Koch-Mehrin berichten, sollten sie allergr√∂√üte Zur√ľckhaltung √ľben. Denn gerade Zeitungsredaktionen plagieren t√§glich in gro√üem Umfang. Das Schm√ľcken mit „fremden Federn“ geh√∂rt zum Tagesgesch√§ft. Ein Unrechtsbewusstsein darf als „nicht-vorhanden“ bewertet werden.

Von Hardy Prothmann

Dem Betr√ľger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist zu recht die Doktorw√ľrde aberkannt worden. Er hat schamlos und vermutlich vors√§tzlich fremdes geistiges Eigentum anderer Autoren als sein eigenes ausgegeben.

Aktuell steht die FDP-Spitzenpolitikerin Silvana Koch-Mehrin in der Kritik. Auch sie soll sich bei anderen „bedient“ haben. Die Plattrom „Vroniblog Wiki“ hat schon auf 32 von 207 Seiten ihrer Doktorarbeit Plagiate entdeckt. Auch Veronica Sa√ü, Tochter von Edmund Stoiber, soll gnadenlos abgeschrieben haben. Und man kann davon ausgehen, dass weitere prominente Namen folgen werden.

Die größten und systematischen Plagiatoren sind die Tageszeitungen

Bei der Suche nach „skrupellosen Abkupferern“ wird √ľbersehen, dass t√§glich massenhaft Plagiate „unters Volk“ gebracht werden – durch Tageszeitungen. Denn die allermeisten Redakteure und freien Mitarbeiter haben √ľberhaupt keine Probleme damit, fremde Texte als ihre eigenen auszugeben.

Ein Beispiel gef√§llig? Heute haben die Weinheimer Nachrichten einen sehr umfangreichen Text auf Seite 11 ver√∂ffentlicht: „Wer versiegelt, der zahlt k√ľnftig mehr.“ Es handelt sich dabei zu fast 100 Prozent um eine Pressemitteilung der Stadt Weinheim, die kostenfrei zur Verf√ľgung gestellt worden ist. Zwar steht am Anfang des Artikels, dass die Verwaltung etwas „mitgeteilt“ hat und auch am Ende steht: „…hei√üt es abschlie√üend in der Pressemitteilung.“

Tagt√§gliches Plagiieren: Die Weinheimer Nachrichten √ľbernehmen mehr oder weniger 1:1 Pressemitteilungen, ohne diese korrekt als solche auszuzeichnen. Klicken Sie auf die Grafik, um den gesamten Text als PDF anzuzeigen.

Reichen diese „Hinweise“ aber aus, um klar zu erkennen, dass er komplette Text eine Pressemitteilung ist? Weder ein Durchschnittsleser noch ein Textprofi kann unmissverst√§ndlich erkennen, wer der wahre Urheber ist.

Kennzeichnungspflicht? Fehlanzeige!

Urheber ist in diesem Fall der Pressesprecher der Stadt Weinheim, Roland Kern – ein gelernter Journalist, der sehr flei√üig und kompetent √ľber die Aktivit√§ten der Stadtverwaltung und das Geschehen in der Stadt schreibt. Das ist sein Job und den macht er hervorragend.

Das kann man von der Redaktion der Weinheimer Nachrichten nicht behaupten. Nicht nur heute, sondern st√§ndig druckt das Blatt die Texte aus der Feder von Roland Kern oder anderen Urheber mehr oder weniger 1:1 ab. Das allein ist noch nicht „ehrenr√ľhrig“, wohl aber das Fehlen einer korrekten Quellenangabe.

Der Pressekodex des Deutschen Presserats verlangt unmissverständlich, Ziffer 1, Richtlinie 1.3:

Pressemitteilungen m√ľssen als solche gekennzeichnet werden, wenn sie ohne Bearbeitung durch die Redaktion ver√∂ffentlicht werden.

Warum steht nicht einfach am Anfang oder Ende des Textes: „Pressemitteilung der Stadt Weinheim“? Ganz einfach, weil die Redaktion so tut, als handle es sich um einen redaktionellen Text. Denn schlie√ülich zahlt der Abonnent nicht f√ľr abgedruckte Pressemitteilungen, sondern f√ľr eigene redaktionelle Inhalte. Die Art und Weise, wie die Weinheimer Nachrichten eine vermeintliche „Kennzeichnung“ vornehmen, darf eindeutig als unzureichend bezeichnet werden.

Blaue Markierungen sind Streichungen, gr√ľne Einf√ľgungen - mit minimalsten Bearbeitungen "eignen sich Redaktionen" Texte an und ver√∂ffentlichen sie als redaktionell-journalistische Leistung.

Korrekt kennzeichnen hei√üt glaubw√ľrdig sein

Auch wir veröffentlichen Pressemeldungen der Stadt Weinheim, die von Roland Kern geschrieben worden sind. Im Unterschied zu den Weinheimer Nachrichten kennzeichnen wir die Texte aber korrekt und unmissverständlich und täuschen den Lesern nicht eine redaktionell-journalistische Leistung vor.

Im Vorspann findet sich bei uns ein K√ľrzel „pm“ – das steht ausweislich unseres Impressums f√ľr „Pressemitteilung“. Weiter stellen wir √úbernahmen in voller L√§nge eine unmissverst√§ndliche Zusatzinformatoin voran: Entweder steht „Pressemitteilung von…“ oder „Information von…“ vor einem solchen Artikel.

Manchmal ver√∂ffentlichen wir auch Texte unter dem Namen des jeweiligen Autoren. „Von Roland Kern“, steht dann vor dem Text und am Ende des Artikels informieren wir die Leserinnen und Leser dar√ľber, wer der Autor ist. „Roland Kern ist Journalist und Pressesprecher der Stadt Weinheim“, steht dann da.

Warum wir das tun? Der erste Grund hei√üt Ehrlichkeit. Wir geben nicht etwas als unsere Leistung aus, was nicht unsere Leistung ist. Der zweite Grund: Durch die Nennung der Quelle wird deutlich, welche Interessen hier ver√∂ffentlicht werden. Der dritte Grund ist Anerkennung: Wir nennen selbstverst√§ndlich den geistigen Urheber. Der vierte Grund ist ein gesundes Misstrauen: Wir √ľbermitteln eine fremde Botschaft in Treu und Glauben – sollte ein Fehler oder gar eine T√§uschung vorliegen, ist der Urheber klar benannt.

So wie der MM-Redakteur Hans-J√ľrgen Emmerich „arbeiten“ viele: Eine Pressemitteilung wird ein wenig umgestellt und umformuliert und schwubsdiwups wird daraus ein „Redakteursbericht“. Quelle: MM

„zg“ ist ein Vielschreiber

Die Weinheimer Nachrichten stehen mit dieser Plagiatspraxis nicht alleine da. Besonders dreist sind auch Mitarbeiter des Mannheimer Morgens. Hier werden „umformulierte“ Pressemitteilungen gerne mal als „Redakteursbericht“ ver√∂ffentlicht (siehe dazu: „Ist der Mannheimer Morgen ein Sanierungsfall?„)

Einer der flei√üigsten „Mitarbeiter“ des Mannheimer Morgens ist ein Autor, der das K√ľrzel „zg“ benutzt. Das sieht auf den ersten Blick aus wie ein Autorenk√ľrzel, steht aber schlicht und ergreifend f√ľr „zugeschickt“. Das hei√üt, jeder dieser „zg“-Texte ist keine redaktionell-journalistische Leistung, sondern nur eine Text√ľbernahme. Nirgendwo weist die Zeitung darauf hin, welche Art von Urheber sich hinter „zg“ verbirgt. Andere Zeitungen verwenden andere K√ľrzel.

Patchwork-Journalismus РCopy&Paste ist Alltagsgeschäft

Gerne werden auch „Agenturberichte“ zusammengefasst. Das hei√üt, der Journalist bedient sich mehrerer „Quellen“ von Agenturtexten, kopiert die Inhalte irgendwie zu einem Patchwork-Artikel zusammen und schreibt seinen eigenen Namen √ľber den Text. Als „ehrlich“ kann schon gelten, wer wenigstens „Mit Material von…“ ans Ende des Artikels schreibt. Welche Teile der Texte aus welchem „Material“ stammen, ob es 10 oder 90 Prozent des Inhalts sind, ist f√ľr den Leser nicht erkennbar. H√§ufig wird die Nennung des „Materials“ auch gerne mal vergessen.

Und es sind alle Ressorts betroffen: Politik, Wirtschaft, Sport, Lokales, Kultur. Nicht nur Profis können Plagiate relativ leicht erkennen, wenn man auf folgendes achtet: Je weniger Quellen explizit genannt sind, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Text in Teilen oder komplett plagiiert wurde. So einfach ist das. Denn seriöse Journalisten achten sehr sorgfältig darauf, die Quellen zu benennen.

„Beispiele f√ľr Plagiate in Wissenschaft und Medien gibt es viele“, schreiben die Soziologen der Uni Bielefeld, Sebastian Sattler und Floris van Veen, in ihrem Text „Ver√∂ffentliche oder stirb“ f√ľr die Medienfachzeitschrift „Message“:

„Auffallend rar hingegen ist die Forschung zum Textklau im Journalismus. Das verwundert, f√ľhrt man sich den Schaden vor Augen: Leser werden nicht authentisch und transparent informiert, aber trotzdem zur Kasse gebeten.“

Textklau ist kaum erforscht – kein Wunder

Die Forscher wundern sich, dass es kaum Forschung zu dem Thema „Textklau im Journalismus“ gibt. Das aber ist nicht verwunderlich, wenn man wei√ü, dass viele Medien-Professuren eng mit Medien-Verb√§nden und -Verlagen verbunden sind. Wer also sollte an einem solchen Forschungsvorhaben interessiert sein? Oder anders gefragt: Wer w√ľrde ein niederschmetterndes Ergebnis ver√∂ffentlichen? Die, die es selbst betrifft? Wohl kaum.

Die Forscher folgern, dass dies der Glaubw√ľrdigkeit von Journalismus schadet. Umgekehrt gilt: Der Ehrliche ist der dumme. Wer dreist kopiert und abschreibt ist vermeintlich erfolgreicher, als derjenige, der sich nicht mit fremden Federn schm√ľckt. Und da eine Kr√§he der anderen kein Auge aushakt, wird diese Praxis des institutionalisierten Textklaus schaarenweise und vollst√§ndig unversch√§mt betrieben.

Plagiat = Raub der Seele

So werden tagt√§glich in Deutschland Zeitungen und andere Medien von „Journalisten“ gef√ľllt und von Redakteuren verantwortet, die entweder nie einen Funken Berufsehre in sich hatten oder diese im Lauf der Zeit „verloren“ haben. Ganz im Gegenteil handelt es sich um Banditen, um R√§uber, wie sich anhand der Definition von „Plagiat“ bei Wikipedia nachlesen l√§sst:

Ein Plagiat (von lat. plagium, ‚ÄěMenschenraub“, ‚ÄěRaub der Seele‚Äú[1]) ist die Vorlage fremden geistigen Eigentums bzw. eines fremden Werkes als eigenes Werk oder als Teil eines eigenen Werkes. Dies kann sich auf eine wortw√∂rtliche √úbernahme, eine Bearbeitung, oder auch die Darstellung von Ideen oder Argumenten beziehen.

Anmerkung:
Zur√ľck zur „Wissenschaft“: Die Arbeit an diesem Text wurde kurz von 15:00 Uhr begonnen. Zu diesem Zeitpunkt waren 32 m√∂gliche Plagiatsstellen in der Arbeit von Frau Koch-Mehrin martkiert worden. Um 17:30 Uhr fanden sich bereits 37 Stellen. Und es gibt eine Meldung, dass nun auch die Staatsanwaltschaft Heidelberg in der Sache ermittelt.ūüėČ

Berichterstattung: „Schaut einfach mal genau hin.“

Guten Tag!

Ladenburg, 24. Juli 2010. Unsere Berichte und die Fotostrecken zum „Drachenbootrennen in Ladenburg 2010“ wurden insgesamt √ľber 80.000 Mal aufgerufen – von rund 12.000 Besuchern in etwas mehr als zwei Tagen. Ecki Mayer, Pressesprecher der „03-er“ wurde oft auf die Berichterstattung angesprochen, vor allem auf den Bericht: „Die Drachen. Die Boote. Die Rennen. Eine R√ľckschau.“ Und die Gr√ľnde sind bemerkenswert: LeserInnen glauben nicht mehr, was sie lesen, sondern, was sie meinen zu lesen. Das wiederum wirft die Frage auf, warum das so ist? Die Antwort ist: Viele Medien sind unglaubw√ľrdig – dann glaubt man halt, was man will. Muss das so sein?

Kommentar: Hardy Prothmann

Das Drachenbootrennen in Ladenburg 2010 war ein Ph√§nomen. Also ein besonderes Ereignis. Wir haben dar√ľber umfangreicher als jedes andere Medium in der Region berichtet. Beides, das Event und unsere Berichterstattung, werten wir als Erfolg.

Trotzdem gibt es offene Fragen. Das ist… normal. Auch dar√ľber haben wir berichtet. In einem Artikel und im direkten Austausch mit dem Pressesprecher des „FV 03 Ladenburg“, Ecki Mayer und mit dem Abteilungsleiter Markus Walz.

Erstaunlich ist, welche „Verwicklungen“ diese Berichterstattung am Rande ausl√∂ste. So wurde Ecki Mayer gefragt, wie er dazu komme, so und so √ľber das Drachenbootrennen zu berichten.

Ecki Mayer hat nicht berichtet, er hat auf Fragen des ladenburgblogs Antworten gegeben. Also das gemacht, wof√ľr Pressesprecher da sind. Fragen der Medien zu beantworten.

Eine nicht geringe Zahl Menschen hat angenommen, der Artikel „Die Drachen. Die Boote. Die Rennen. Eine R√ľckschau.“ sei von Ecki Mayer geschrieben worden.

Auch das ist ein echtes Phänomen, das unsere Redaktion ehrlich erstaunt hat. Über dem Artikel steht der Name des Autors: Hardy Prothmann. Der Artikel erscheint nicht auf der Homepage des FV 03, sondern auf dem unabhängigen ladenburgblog. Ecki Mayer wird darin zitiert Рabsolut korrekt, wie er in seinem Kommentar bestätigt. Auch andere Menschen werden zitiert.

Wie kann es also sein, dass offensichtlich viele LeserInnen annehmen, nicht der Autor, sondern Ecki Mayer sei der Verfasser des Textes?

Die Antwort ist einfach und zugleich ersch√ľtternd.

Die Vereinsberichterstattung in den Tageszeitungen ist √ľberwiegend heruntergekommen. Und das seit Jahren.

Sie halten das f√ľr eine „unglaubliche“ Behauptung? Eigentlich haben Sie Recht. Es ist unglaublich, aber leider wahr.

Die g√§ngige Praxis vieler Tageszeitungen ist es, sich nach Belieben in Pressetexten und anderen Informationen zu „bedienen“ und so zu tun, als w√§ren die daraus entstandenen Texte eigenst√§ndige redaktionelle Leistungen.

Doch dem ist nicht so. Viele Medienkonsumenten sehen in Texten selbstverständlich nur die Stimmen und Stellungnahmen der Vereinsvertreter, Lokalpolitiker, Interessenvertreter und so weiter, weil niemand mehr daran glaubt, dass sich vielleicht der verantwortliche Journalist selbst auf Grund seiner eigenständigen Leistung äußert.

Das ist, ganz ehrlich, eine Katastrophe. F√ľr die LeserInnen und f√ľr die Journalisten, die eigenst√§ndig, unabh√§ngig und kritisch arbeiten. Leider gibt es zu viele „Pseudo“-Journalisten, die nur noch so tun, also ob und damit allen ernsthaften Journalisten schwer zu schaffen machen.

Durch die undifferenzierte, geschönte, verbratwurstete und unkritische Haltung der Haus- und Hofschreiberlinge glauben viele Menschen nicht mehr das, was sie lesen, sondern das, was sie vermuten zu lesen.

Journalismus darf vermuten, √ľberwiegend sollte er aber faktisch berichten und kritisch einordnen. Diese Haltung haben aber viele der „etablierten“ Medien schon seit vielen Jahren aufgegeben. Und damit haben sie ihre Glaubw√ľrdigkeit ohne Not geopfert.

Die „Ladenburger Zeitung“ ist ein Paradebeispiel daf√ľr. Die Meinungen √ľber dieses Bl√§ttchen sind sehr eindeutig. Auch der Mannheimer Morgen wird nur noch bedingt ernst genommen.

Daran sind diese Medien selbst Schuld. Die Situation ist einfach: Gefällt wem auch immer eine Berichterstattung, ist die gut. Gefällt sie nicht, ist sie schlecht.

Undifferenzierter geht es kaum. Es wird gelesen, was man lesen will, nicht, was schwarz auf weiß da steht. Es wird beliebig. Es wird austauschbar. Es wird egal.

Egal heißt gleich. Wenn aber jede Berichterstattung gleich ist, dann wird irgendwann Soße draus. Einheitsbrei. Irgendwas. Uneindeutig. Austauschbar. Beliebig. Unwichtig.

Die Aufgabe von Medien war schon immer, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen. Medien konnten noch nie und werden nie die ganze Komplexität der Welt abbilden können. Das ist unmöglich.

Medienberichterstattung ist immer eine Dienstleistung. Der Dienst ist die Information der MediennutzerInnen. Die Leistung ist die bestmöglichste Information.

Unsere Gesellschaft ist hochgradig arbeitsteilig organisiert. Jeder macht etwas anderes, was im Idealfall sich gegenseitig ergänzt.

So richtet ein Verein ein Sport-Event aus, andere nehmen daran teil, andere sind Zuschauer, wieder andere sind wie auch immer daran beteiligt und Medien berichten dar√ľber.

Die Aufgabe von Medien ist es, einen √úberblick zu liefern. Eine Detailbetrachtung zu bieten. Eine Orientierung zu geben.

Der Journalismus begr√ľndet sich in Deutschland auf Artikel 5 Grundgesetz √ľber die Meinungsfreiheit. Jeder darf sich ungehindert und ohne staatliche Zensur unter Zuhilfenahme freier Quellen seine eigene Meinung bilden und diese verbreiten.

Das ist ganz besonderes, demokratisches Privileg. Aber es ist nicht beliebig, sondern es fordert auch einen aufmerksamen Umgang mit diesem Grundrecht.

Wenn sich ein Pressesprecher beschweren muss, dass ein in einem unabhängigen Medium veröffentlichter Artikel tatsächlich von einem Journalisten verfasst wurde, dann muss einen das nachdenklich stimmen.

Dann muss die Frage gestellt werden, warum LeserInnen nicht ganz selbstverständlich davon ausgehen können, dass eine Redaktion eine eigenständige Leistung erbracht hat?

Diese Frage ist bedeutend. Sie muss jeden Tag bei der Lekt√ľre egal welchen Mediums gestellt werden. Ist das, was mich informiert, wirklich das, was es vorgibt zu sein? Werbung muss als Werbung erkannt werden k√∂nnen. Journalismus als Journalismus.

Wenn die Grenzen flie√üend werden, entsteht ein Brei, eine einzige So√üe, bei der niemand mehr die Zutaten erkennen kann. Der Brei schmeckt immer gleich und verliert jeden „Geschmack“.

Das scheint heute leider die Wahrnehmung vieler in Bezug auf die Medienberichterstattung zu sein.

Das ladenburgblog kämpft dagegen an. Sie können sich bei uns darauf verlassen, dass, wo ladenburgblog draufsteht, auch ladenburgblog drin ist.

Alle unsere Artikel sind unabh√§ngig, √ľberparteilich und kritisch selbst erarbeitet. Wir benennen unsere Quellen und markieren „Zitate“. Wenn wir einen Text unbearbeitet √ľbernehmen, informieren wir √ľber den Verfasser.

Das hei√üt, wir leisten einen korrekten Dienst f√ľr unsere LeserInnen. Transparent und nachvollziehbar.

Unser Text √ľber das Drachenbootrennen erf√ľllt genau diesen Anspruch. √úberall, wo Ecki Mayer zitiert wurde, machen wir das durch „Anf√ľhrungszeichen“ kenntlich. Alles andere sind unsere Aussagen oder eben die von anderen Quellen in „Anf√ľhrungszeichen“.

Seit Jahren gibt es in engagierten Journalistenkreisen immer wieder die Forderung, den Brei aus Pressemitteilungen und unkritischer √úbernahme wieder ordentlich zu trennen.

Wenn sogar ein Pressesprecher fordert: „Schaut einfach mal genau hin“, dann stehen alle Zeichen auf Alarm.

Nat√ľrlich ist ein Pressesprecher daran interessiert, das, wof√ľr er spricht, m√∂glichst gut in die „Presse“ zu bringen. Wenn ein Pressesprecher sich aber m√ľhen muss, die √Ėffentlichkeit aufzurufen, „genau hinzuschauen“, dann l√§uft irgendetwas schon lange schief.

„Genau hinzuschauen“ sollte eigentlich die selbstverst√§ndliche Dienstleistung von Medien sein. Und selbstverst√§ndlich sollten sich die Medienkonsumenten darauf verlassen k√∂nnen, dass Journalismus ein einwandfreies Produkt liefert.

Bei uns k√∂nnen Sie sich darauf verlassen. Wenn Sie Zweifel daran haben oder Kritik √ľben wollen, stellen wir uns dieser: Nobody is perfect und sicher machen auch wir ab und an einen Fehler. Transparenz, Kontrolle und Dialog sind f√ľr uns selbstverst√§ndlich.

Kleine Fehler korrigieren wir „en passant“, echte Fehler dokumentieren wir in einer eigenen Kategorie „Korrektur“. Bislang haben wir diese nicht gebraucht. (Auf dem heddesheimblog war das schon der Fall, Dokumentation hier.)

Alle Medien, die dies ablehnen, sollten Sie sehr, sehr kritisch be√§ugen. Sie k√∂nnen davon ausgehen, dass hier „Fehler“ systematisch gewollt begangen, √ľbergangen oder auch vertuscht werden.

Medien, die ihre Quellen verschleiern und mit „zg“ benennen, sind unehrlich. „Zg“ hei√üt zugeschickt. Ist das eine Information? Nein. Das tut nur so. Weil man nicht erf√§hrt, wer der Absender ist, was sein Ziel ist.

Medien, die weite Teile von Pressemitteilungen √ľbernehmen und solche „gepatchtworkte“ Texte als eigenst√§ndige redaktionelle Leistung verkaufen, begehen einen Betrug am Leser.

„Schaut einfach mal genau hin“, sagt Ecki Mayer und damit hat er absolut Recht.

Schauen Sie hin, vergleichen Sie mehrere Medien und deren Berichte miteinander.

Informieren Sie sich unabh√§ngig aus allgemein verf√ľgbaren Quellen. Das ist ihr grundgesetzlich garantiertes Recht. Und dann bilden Sie sich eine unabh√§ngige Meinung.

Das Dilemma des Journalismus sind die so genannten Journalisten und vor allem „zg“

Guten Tag!

Ladenburg, 09. Juni 2010. Wir haben vor gut einem Monat schon einmal √ľber eine Unsitte des Mannheimer Morgen berichtet und heute m√ľssen wir das wiederholen. Denn die Zeitung tut oft nur so, als w√ľrde sie journalistisch informieren.

Von Hardy Prothmann

Journalist kann in Deutschland jeder B√ľrger und jede B√ľrgerin sein. Journalist ist n√§mlich keine gesch√ľtzte Berufsbezeichnung. Wenn Sie so wollen, k√∂nnte man (Bild)titeln: „Wir sind Journalist“. Wir alle. Jeder einzelne.

Das garantiert Artikel 5 Grundgesetz √ľber die Meinungsfreiheit. Danach k√∂nnen alle B√ľrgerInnen √ľber alle vorhandenen „Kan√§le“ ihre Meinung √§u√üern – eine staatliche Zensur findet nicht statt. Und das ist gut so.

Sicher haben Sie auch schon von „B√ľrgerjournalisten“ geh√∂rt. Vorreiterin und Erfinderin dieser neuen journalistischen Spielart ist die Bildzeitung. Der geht es nicht um B√ľrger und schon gar nicht um Journalismus, sondern vor allem um „exklusive“ Dinge – vornehmlich Fotos, die die Zeitung gerne mit gutem Geld bezahlt, vor allem dann, wenn es um „Exklusives“ geht – B√ľrger und Journalismus sind der erfolgreichsten Zeitung Europas dabei egal. Es geht um Auflage, Werbeeinnahmen, ums Gesch√§ft.

Bild-Insider wissen, was sich gut verkauft: TTT- Tiere, Titten, Tote.

Ob man dieses „Gesch√§ftsmodell“ nun gut findet oder nicht – Journalismus ist ein „Business“, ein Gesch√§ft. Typischerweise finanziert √ľber Werbung – wobei die Trennung zwischen Anzeigen und Redaktion als Status quo gilt, was aber fl√§chendeckend nur ein Mythos ist.

Wer guten Journalismus machen will, muss personalintensiv arbeiten. Von √ľberall her gibt es Informationen. Professioneller Journalismus pr√ľft diese, ordnet sie ein, gibt ihnen ein Gewicht.

Informationen sind sehr vielfältig und das macht auch den Reiz des Journalismus aus. Was steht fest? Was muss man anzweifeln? Was tiefer recherchieren? Was wie darstellen?

Fragen zu stellen und Antworten zu finden – das ist Journalismus. Ein Job, den jeder B√ľrger erledigen kann – wenn er bereit ist, sich viel Arbeit zu machen.

Aber es geht auch einfacher. Vor allem f√ľr so genannte Journalisten – die lassen n√§mlich die Arbeit machen.

Zum Beispiel bei Vereinen. Dort gibt es „Pressewarte“ – die schreiben auf, was im Verein passiert oder was der Verein vorhat. Das ist absolut richtig und legitim. Man informiert die √Ėffentlichkeit und das nat√ľrlich „positiv“.

Das machen Gemeinden, Regierungen und Firmen nicht anders. Alle machen das.

Auch wir √ľbernehmen redaktionell immer wieder ungepr√ľft „Informationen“ – wenn diese eindeutig sind.

Es gibt allerdings einen eklatanten Unterschied zwischen unserer redaktionellen Arbeit und der der Tageszeitungen, speziell der des Mannheimer Morgens.

Wir tun nicht so, als ob. Wir k√∂nnen nicht √ľberall an jedem Ort zu jedem Thema pr√§sent sein. Trotzdem k√∂nnen wir zu jedem Thema an jedem Ort berichten – indem wir recherchieren.

Ungepr√ľfte Informationen werden von uns niemals als redaktionelle, also gepr√ľfte, Informationen dargestellt. Der MM bedient sich hier eines „Tricks“. Texte von Vereinen, Institutionen, Beh√∂rden oder Firmen werden mit „zg“ gekennzeichnet.

Der unbedarfte Leser denkt vielleicht, dass das K√ľrzel f√ľr einen Journalisten steht – dem ist aber nicht so. „zg“ hei√üt „zugeschickt“.

Jeder Artikel – und davon hat es heute viele – im MM, der das K√ľrzel „zg“ tr√§gt, ist eine mehr oder weniger 1:1-√úbernahme eines nicht journalistisch √ľberpr√ľften Textes, der so tut, als sei er ein redaktioneller Text, denn immerhin steht ein „K√ľrzel“ darunter.

Ganz konkret und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, werden damit die LeserInnen „verarscht“.

Sie glauben das nicht? Dann machen Sie sich einen Spaß draus.

Fragen Sie Ihre Kinder, Nachbarn, Kollegen, wen auch immer, was „zg“ hei√üt.

Wir verfahren anders. „zg“ ist f√ľr uns ein „No-Go“.

Auch wir ver√∂ffentlichen ab und an „zugesandte Mitteilungen“ – von der Gemeinde, von Vereinen oder von anderen.

Wir nennen die Quelle und wenn es notwendig ist, recherchieren wir nach und veröffentlichen zusätzliche Informationen.

Der Mannheimer Morgen tut so, als w√ľrde er seine LeserInnen aus eigener redaktioneller Kompetenz informieren – heute √ľberwiegend mit „zg“.

Ich pers√∂nlich finde es schade und bedenklich, dass eine Zeitung, die journalistisch ernst genommen werden will, nicht in der Lage ist, seine offensichtlichen Quellen zu nennen, sondern sich hinter einem „Pseudo“-K√ľrzel wie „zg“ versteckt.

Das ist armselig, schwach und feige.

Leider gilt diese Einsch√§tzung f√ľr viele der Journalisten in unserem Berichtsgebiet, f√ľr deren Redaktionsleitungen und f√ľr deren Produkte.

Ein aufrechter Journalismus benennt seine Quellen – au√üer, wenn er diese sch√ľtzen muss, weil die „Quelle“ Nachteile bef√ľrchten muss.

Journalismus ist das Gesch√§ft mit Informationen. Glaubw√ľrdiger Journalismus lebt von Transparenz.

Es gibt f√ľr kein Medium dieser Welt einen Grund, unproblematische Quellen zu verschweigen.

Au√üer f√ľr Tageszeitungen, die schon seit vielen Jahren ihre Inhalte nicht journalistisch, sondern „zugeschickt“ best√ľcken und so tun als ob es „journalistisch-erarbeitete“ Informationen seien.

Dazu geh√∂rt der Mannheimer Morgen, der einen sehr „flei√üigen Mitarbeiter“ hat, dessen „K√ľrzel“ „zg“ ist.