Montag, 16. September 2019

Will die Agentur Leistungen der Stadt ├╝ber einen Bericht in der RNZ erpressen?

Unverhohlene Drohung – die Demi und ihr Sturm

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Schlammschlacht: Im Sommer sah die Festwiese nach einem Konzert von Xavier Naidoo aus wie ein Acker – jetzt hetzt die RNZ ├╝ber beste Verbindungen zu Demi Promotion gegen Bensheim und setzt Ladenburg unter Druck. Zeit, dass sich der Gemeinderat der Sache annimmt. (Archivbild)

 

Ladenburg/Hirschberg, 27. November 2013. (red) Die Rhein-Neckar-Zeitung hat sich heute Sorgen um die Zukunft des Musiksommers in Ladenburg gemacht. Die Hirschberger Agentur Demi Promotion hat wohl Probleme mit der Finanzierung und sucht die Schuld bei anderen. Doch das ist nur der vordergr├╝ndige Teil der Geschichte. Interessanter sind die Hintergr├╝nde – vor allem die versuchte Erpressung im Mantel einer „Berichterstattung“. [Weiterlesen…]

Deutliche Kritik am Musikfestival

Scheingefecht um Schlachtfeld?

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Schlachtfeld oder hinnehmbarer Schaden aus Stadtmarketing-Gr├╝nden?

 

Ladenburg, 07. Juni 2013. (red/pro) Es h├Ątte eine kurze, wenig spannende Sitzung des Technischen Ausschusses am Mittwoch werden k├Ânnen – den drei Tagesordnungspunkten wurden z├╝gig abgestimmt. Dann kam der Punkt „Verschiedenes“ und f├╝r Ladenburger Verh├Ąltnisse ging es r├╝de zu. Der ramponierte Zustand der Festwiese nach den Konzerten mit Xavier Naidoo und Sean Paul sorgte f├╝r ├ärger. [Weiterlesen…]

Xavier Naidoo-Konzert besch├Ąftigt Polizei

„Verkehrliche Herausforderung“

Das Parkleitkonzept zum Xavier-Naidoo-Konzert. Quelle: Stadt Ladenburg

Das Parkleitkonzept zum Xavier-Naidoo-Konzert. Quelle: Stadt Ladenburg

Ladenburg/Rhein-Neckar, 30. Mai 2013. (red/pro) Das Polizeirevier Ladenburg ist auf den Besucherverkehr zum Open-Air-Konzert von Xavier Naidoo gut vorbereitet – trotzdem rechnet man mit Behinderungen, weil die Stadt „verkehrlich“ nicht auf einen solchen Andrang eingerichtet ist. Vor allem in der Zeit zwischen 16:00-19:00 Uhr und bei der Abreise zwischen 23:00 Uhr bis Mitternacht wird es am Freitag zu Behinderungen kommen. [Weiterlesen…]

„Verkehrliche Herausforderung“

Das Parkleitkonzept zum Xavier-Naidoo-Konzert. Quelle: Stadt Ladenburg

Das Parkleitkonzept zum Xavier-Naidoo-Konzert. Quelle: Stadt Ladenburg

Ladenburg/Rhein-Neckar, 30. Mai 2013. (red/pro) Das Polizeirevier Ladenburg ist auf den Besucherverkehr zum Open-Air-Konzert von Xavier Naidoo gut vorbereitet – trotzdem rechnet man mit Behinderungen, weil die Stadt „verkehrlich“ nicht auf einen solchen Andrang eingerichtet ist. Vor allem in der Zeit zwischen 16:00-19:00 Uhr und bei der Abreise zwischen 23:00 Uhr bis Mitternacht wird es am Freitag zu Behinderungen kommen. [Weiterlesen…]

Rino – schade, dass es so kommen muss

Rino Galiano: Ist er die "Voice of Germany" - und wenn ja - h├Ąlt er das aus?

 

Ladenburg, 08. Dezember 2011. (red) In der auf Sat.1 und Prosieben gezeigten Show „Voice of Germany“ werden angebliche „Talente“ vorgestellt. Tats├Ąchlich muss man aber den Eindruck haben, dass „├ťberraschungen“ keine sind, sondern gezielt bekannte Musiker als „unbekannte S├Ąnger“ vorgestellt werden. Einer ist Rino Galiano aus Mannheim – ein ungew├Âhnlicher Mensch, der beim besten Willen keine „Voice of Germany“ ist, sondern ein sympathischer S├Ąnger. Die Zeitungen berichten unseri├Âs, spielen das Spiel mit. Es geht schlie├člich um Quote und Auflage. Das ist schade, denn es sollte eigentlich um (Musik)-Kultur gehen. Um den Menschen. Es geht aber ums Gesch├Ąft.

Von Hardy Prothmann

Ich kenne Rino Galiano nicht wirklich gut. Aber ich habe viele Eindr├╝cke von ihm, weil ich ihn viele Male im Ladenburger Fody’s gesehen und geh├Ârt habe. Und wir haben uns ab und an ein wenig unterhalten. Auf deutsch, auf „monnemerisch“ und auf italienisch. Rino beherrscht diese Sprachen perfekt. [Weiterlesen…]

Streikende MM-Zeitungsredakteure: Wer oder was nicht passt, wird gel├Âscht

Heddesheim/Mannheim/Stuttgart, 03. August 2011. ├ťberall im L├Ąndle streiken Zeitungsredakteure. Durchaus mit unterschiedlichem „Berufs“ethos. W├Ąhrend die einen unzutreffende Informationen korrigieren, l├Âschen die anderen zutreffende Informationen, die ihnen nicht passen. Was wiederum aber zum Image dieser speziellen „Redakteure“ passt. Wer sich Gedanken macht, ob er wirklich „Solidarit├Ąt“ mit den streikenden Redakteuren beim Mannheimer Morgen haben kann, sollte wissen, welche Haltung diese „Journalisten“ vertreten. Schade f├╝r die gutgl├Ąubigen K├╝nstler wie Xavier Naidoo, die auf die Verlogenheit hereinfallen.

Von Hardy Prothmann

Nochmal zur Erinnerung. Zeitungsredakteure sind im Ausstand, weil Berufseinsteiger nicht mehr mit rund 3.000 Euro Gehalt bei 14 Monatsgeh├Ąltern und einer 35-Stunden-Woche beginnen sollen, sondern mit bis zu 25 Prozent weniger. Und andere auf das Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten sollen, was rund f├╝nf Prozent weniger bedeutet.

Ich habe heute gegen 17:30 Uhr zwei Kommentare auf der Facebook-Seite der streikenden MM-Redakteure gepostet:

Auch die ARD hat im Morgenmagazin ├╝ber den Streik berichtet. http://www.tagesschau.de/multimedia/video/ondemand100_id-video953858.html

Und kurz darauf:

Weitere Hintergr├╝nde zu meiner Haltung hier. http://istlokal-medien.de/heddesheimblog/2011/08/02/in-eigener-sache-reaktionen-auf-den-beitrag-im-ard-morgenmagazin/

Die Kommentare waren nur f├╝r Stunden zu sehen, bis sie getilgt worden sind.

Gegen 19:30 Uhr waren nicht nur die beiden Kommentare verschwunden, sondern scheinbar die komplette Facebook-Seite. Zumindest f├╝r mich, denn ich wurde „geblockt“. Als geblockte Person ist die Seite nicht mehr aufrufbar. Das Zeichen war ein eindeutig. Kommentare von Hardy Prothmann sind auf der Seite der MM-Redakteure offensichtlich nicht erw├╝nscht.

Kommentare gel├Âscht - Nutzer blockiert. So sieht Meinungsvielfalt und Transparenz in den Augen der streikenden MM-Redakteure aus.

„Gef├Ąllt mir sehr, toll, unterst├╝tzenswert, super“ als Kommentar bleibt erlaubt.

Die Erkl├Ąrung ist vermutlich einfach: In den vergangenen zwei Jahren habe ich die Zeitung immer wieder mit Verfehlungen konfrontiert. Der MM an sich ist mir egal, aber ich kritisiere schlechte Recherche, unterschlagene Meldungen oder abgepinselte Pressemitteilungen. Oder thematisiere die st├Ąndige Bratwurstberichterstattung, die nichts weiter tut, als mit verschwurbelten Texten ├╝ber Wetterg├Âtter zu fantasieren. Schlechte Zust├Ąnde zu kritisieren, sollte eine journalistische Grundtugend sein. Und es darf keine „Bei├čhemmung“ gegen├╝ber ├Ąu├čerst schlechtem „Journalismus“ geben.

Das passt nat├╝rlich ├╝berhaupt nicht zum Selbstbild, denn immerhin streiken die MM-Redakteure ja f├╝r „Qualit├Ątsjournalismus“ (zumindest, was sie darunter verstehen) und f├╝r eine entsprechende Bezahlung.

Die MM-Redakteure behaupten sogar, dass es um die „Zukunft des Qualit├Ąsjournalismus“ ginge:

Auf der Blogseite liest sich das etwas ehrlicher – da gehts ├╝berwiegend ums Geld und ganz zum Schluss ein bisschen um „die Demokratie“. Und angeblich streiken sie auch f├╝r „unsere Leser“.

Um was geht es? Um Demokratie? Eher doch ums Geld.

Tats├Ąchlich halten die streikenden MM-Redakteure aber „unseren Lesern“ missliebige Informationen vor. Oder warum l├Âschen sie sonst Kommentare, die weder beleidigend noch anst├Â├čig sind? Sondern zus├Ątzliche Informationen enthalten, mit den sich Leserinnen und Leser eine eigene Meinung bilden k├Ânnen? Mal abgesehen davon, dass es in beiden verlinkten Informationen gar nicht „direkt“ um die streikenden MM-Redakteure selbst ging und ich im ARD-Interview sogar die Verlegerseite ordentlich kritisiert habe?

Oder darf-┬á nicht Meinung sein, was nicht der Meinung der streikenden MM-Redakteure entspricht? Oder d├╝rfen die keine Stimme haben, die man nicht leiden kann? Ist es das, was diese Redakteure mit „wir streiken f├╝r unsere Leser“ meinen? Unter Transparenz, Meinungsvielfalt? Unter „Kritik“ und streitbarem Journalismus?

MM-Streiker vs. Tagblatt-Streiker

Ganz anders der Umgang bei den Streikenden vom „Schw├Ąbischen Tagblatt“. Die verlinken von sich aus auf den ARD-Beitrag, allerdings mit einer fehlerhaften Information und nennen mit einen „bloggenden Ex-Redakteur“. Ich korrigiere das h├Âflich und verlinke ebenfalls zwei Texte, die aus Sicht der Zeitungsredakteure sicher nicht „angenehm“ sind.

Die Reaktion ist anst├Ąndig: Der Kommentar wird frei geschaltet, der Fehler korrigiert. Auch wenn ich nicht wei├č, wie die Berichterstattungsqualit├Ąt des Schw├Ąbischen Tagblatts ist, habe ich zumindest durch diese Verhalten einen positiven Eindruck gewonnen. Das ist das einzig zu erwartende Verhalten.

Die Streikenden beim Schw├Ąbischen Tagblatt haben Kritik zugelassen.

Immerhin: Man k├Ânnte auch annehmen, dass vielleicht nur die MM-Streikenden f├╝r die „L├Âsch-Aktion“ verantwortlich sind, die die Facebook-Seite betreuen. Aber das w├Ąre nur eine billige Ausrede f├╝r die Gesamt-Bagage.

Wer einen Funken Ehre im Leib hat, was ich bei vielen nicht vermute, m├╝sste sofort auf diese Aktion reagieren und sein Missfallen ausdr├╝cken. Das aber ist doch mehr als unwahrscheinlich. (Ich bin fast sicher, dass sich niemand f├╝r diese „L├Âsch“-Aktion entschuldigt oder sie kritisiert.)

Leider haben die MM-Redakteure im Ausstand noch nicht verstanden, dass sie l├Ąngst nicht mehr alleine „Meinungen bilden“, also nicht mehr bestimmen k├Ânnen, ├╝ber wen und was sie wie informieren oder was sie lieber „unterdr├╝ckt“ sehen wollen.

Das Internet macht die Welt transparenter. Und zeigt, wie dumm oder hilflos manche Journalisten, die eigentlich daran mitwirken sollten, reagieren.

Absurd wird es, wenn dieser Haufen das Wort „Qualit├Ątsjournalismus“ f├╝hrt. Sie stehen weder f├╝r Qualit├Ąt noch Journalismus noch f├╝r die Kombination aus beidem.

Ich unterst├╝tze die Forderungen der Verleger kein bisschen – aber im Fall der MM-Streikenden w├Ąre ich sogar mit der ein oder anderen fristlosen K├╝ndigung vollkommen einverstanden.

Es w├Ąre sicher kein allzu gro├čer Verlust.

Denn die MM-Redakteure fordern Solidarit├Ąt, die sie selbst nicht bereit sind zu geben. Dieser Kommentar wartet immer noch auf Freischaltung.

Solidarit├Ąt mit dem journalistischen Prekariat, den "Freien"? Nicht bei den streikenden MM-Redakteuren.

P.S.
Das Internet l├Ąsst sich nicht so einfach kontrollieren, „verehrte Kollegen“, wie ihr das denkt. Und das ist gut so. Schlecht ist: Das habt ihr leider noch nicht verstanden und vermutlich werdet ihr das auch nicht verstehen.

Gebenzte Berichterstattung – wie der MM seine Leser t├Ąuscht


Guten Tag!

Mannheim, 31. Januar 2011. Die seit Tagen andauernde Berichterstattung des Mannheimer Morgens (MM) in Sachen „Benz“ hat gute Gr├╝nde. Erstens gibt es viel Werbung und zweitens versucht die Zeitung verzweifelt, sich als lokalpatriotische Stimme aufzuspielen. Ein ernstzunehmender Journalismus bleibt dabei auf der Strecke.

Von Hardy Prothmann

„Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer“, zitiert der MM-Redakteur Martin Tangl den S├Ąnger Xavier Naidoo. Das gilt auch f├╝r diesen Artikel, Martin Tangl, Xavier Naidoo und den SWR. Und auch f├╝r die Leserinnen und Leser und Zuschauer des SWR.

Bunte Geschichten

Ich kenne den MM-Redakteur Martin Tangl noch aus meiner Zeit als Student und Freier Mitarbeiter beim Mannheimer Morgen (1991-1994). Er hat sich gerne als erfahrener Journalist dargestellt, aber irgendwie hat er mich schon damals nicht besonders beeindruckt.

Das dauert bis heute an, denn Martin Tangl hat ein „buntes St├╝ck“ geschrieben, in dem es sehr „bunt“ zugeht. Vor allem mit den Fakten, dem K├Ânnen und der journalistischen Haltung.

Beispielsweise zur Person „Xavier Naidoo“. Der sei ein „leidenschaftlicher Autofahrer“, schreibt Tangl und dass „Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer“, auch den Autoerfinder Carl Benz meinen k├Ânnte.

Denn Herr Tangl berichtet ├╝ber einen Film im SWR-Fernsehen, der heute Abend um 18:15 Uhr in der „Landesschau unterwegs“ l├Ąuft: „Unser Benz! Der Autoerfinder bewegt die Kurpfalz.“ Autor: Eberhard Reu├č.

Pop-Berichterstattung

Wieso Herr Reu├č auf die Idee gekommen ist, einen notorischen Schnellfahrer, der ├╝ber lange Jahre den F├╝hrerschein wegen wiederholter Vergehen abgenommen bekommen hat und wegen Fahrens ohne F├╝hrerschein und Drogenbesitz vor dem Richter gestanden hat, ist klar.

Benz-Titelseite vom MM. Quelle: MM

Herr Reu├č wollte den Film „aufpeppen“ oder auch „aufpoppen“. Mit dem „zur Zeit wohl bekanntesten Sohn Mannheims“. Und der ist halt ein „leidenschaftlicher Autofahrer“. Diese Verbindung reicht heute im SWR-Fernsehen, um einen Zusammenhang herzustellen.

Herr Reu├č l├Ąsst Herrn Naidoo dann mehrmals „Mercedes Benz“ der Rock-Star-Legende Janis Joplin (1943-1970) singen, die auf der ├ťberholspur des Lebens mit 27 Jahren an einer ├ťberdosis Heroin gestorben ist. Drei Tage, bevor der Song „Mercedes Benz“ ver├Âffentlicht wurde: „Oh Lord, won-ÔéČÔäót you buy me a Mercedes Benz?“ – „Oh Gott, willst Du mir keinen Mercedes Benz kaufen?“ Die Zeile geht weiter: „My friends all drive Porsches, I must make amends“ – „Meine Freude fahren alle Porsche und ich muss aufholen.“

Der Joplin-Song ist eine massive Kulturkritik am Prestigedenken – dem Gegenteil also, was man mit einem „Mercedes Benz“ oder Porsche oder auch „Farbfernsehen“ verbindet, das damals noch ein Luxus war („So oh lord won’t you buy me a color TV“). F├╝r den SWR ist das nicht wichtig. Schlie├člich hat Joplin „Mercedes Benz“ gesungen und Herr Naidoo l├Ąsst sich dazu auch animieren. Und ist man nicht auch „color TV“? Also Luxus? Passt also.

„Eine wunderbare Erfindung von Benz, daf├╝r danke ich ihm“, sagt der Pop-Star nicht nur einmal im SWR-Film. Da Naidoo sonst gerne ├╝ber „Gott“ singt, und das sehr dankbar, gibt es da sicher aus Sicht von Herrn Reu├č wieder irgendeine Verbindung.

Propaganda-Rolle

Bei der Premiere des Films am 28. Januar 2011 im Ladenburger Carl-Benz-Museum war Herr Reu├č jedenfalls m├Ąchtig stolz. Das konnte man nicht ├╝bersehen.

Der Film funktioniert wie eine Propaganda-Rolle. Carl hei├čt nicht Karl Benz, ist der Erfinder des Autos und nicht „der Daimler“, die Kurpfalz ist den Schwaben voraus und ein „Youngtimer-Sammler“ hat viele Kinder und ein Hobby: Mercedes Benz. Der Clou – er arbeitet f├╝r Porsche. Dazu gibt es h├╝bsche Bilder und Werbespots von „Benz“ aus fr├╝heren Zeiten.

Verkauft wird das als „Dokumentation“.

Das muss sich einfach irgendwie alles zusammenf├╝gen und dann wird die Urenkelin von Benz noch mehrfach ins Bild gesetzt und das Carl-Benz-Museum in Ladenburg und dessen Kopf Winfried Seidel.

Der freut sich auch – dabei m├╝sste ihm die Freude angesichts des laschen Filmchens im Kontrast zu seiner harten Museumsarbeit vergehen. Seidel leistet herausragende Arbeit und ist ein akribischer Mensch. Aber nat├╝rlich freut er sich ├╝ber die Popularit├Ąt. Das ist auch sein gutes Recht.

Zur├╝ck zu Martin Tangl. Den freut nicht die Popularit├Ąt, sondern der muss eine bunte, sch├Âne Geschichte schreiben und kommt zum Ende:

„Dass in Mannheim Omnibusse und Lkw-Motoren produziert werden, h├Ątte Carl Benz gefallen, wie Jutta Benz erz├Ąhlt: „Er hat sein Augenmerk aufs Transportwesen gerichtet, Carl Benz wollte Lieferwagen bauen.“ Und bei der Geschwindigkeit seien dem Ur-Gro├čvater 50 km/h genug gewesen. Ob das allerdings Xavier Naidoo gefallen h├Ątte? Berichtet er doch, dass ihm einmal wegen zu schnellen Fahrens der F├╝hrerschein abgenommen wurde.“

Die L├╝ge

Diese unkritische ├ťbernahme der Filmbotschaft wird als L├╝ge in der Zeitung fortgesetzt: „Berichtet er doch, dass ihm einmal wegen zu schnellen Fahrens der F├╝hrerschein abgenommen wurde.“

Naidoo - Leidenschaft Auto - Hauptsache, alles bunt. Quelle: MM

Herr Tangl stellte sich vor 20 Jahren schon gerne als „erfahrener Journalist“ dar und sollte die Zeit genutzt haben, um „Erfahrungen“ zu sammeln. Eine ist: „Schau ins Archiv, um mindestens zu wissen, was schon berichtet worden ist.“

Am 16. Mai 2009 berichtet der Mannheimer Morgen:

„Naidoo ├╝bersteht einen jahrelangen Rechtsstreit mit Pelham, einen dramatischen Drogenprozess und jede Menge F├╝hrerschein-Schlagzeilen. Erst der absolute H├Âhepunkt seiner Popularit├Ąt, als „Dieser Weg“ zur Hymne des Fu├čball-Sommerm├Ąrchens 2006 wird, bringt die Schattenseiten des Ruhms ans Licht: Genervt zieht sich der gl├╝hende Lokalpatriot aus der ├ľffentlichkeit und teilweise auch aus Mannheim zur├╝ck.“

Am 02. Juni 2007 berichtet der Mannheimer Morgen:

„Die Amtsanwaltschaft Frankfurt best├Ątigte gestern, dass gegen den S├Ąnger ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden ist. Ihm wird vorgeworfen, einen angemieteten Porsche Cayenne an einen Freund weitergegeben zu haben, der selbst keinen F├╝hrerschein besa├č. Der Mann war im M├Ąrz 2006 in M├╝nchen von der Polizei erwischt worden. Naidoo h├Ątte sich als Halter des Wagens vom Vorhandensein einer Fahrerlaubnis ├╝berzeugen m├╝ssen, so der Vorwurf. Nun drohe ihm eine Geldstrafe oder bis zu ein Jahr Haft.“

Am 15. August 2006 titelt der Mannheimer Morgen:

„Xavier Naidoos F├╝hrerschein liegt bei den Akten
Zwei Monate Fahrverbot wegen Geschwindigkeits├╝berschreitung / Gibt es eine „Lex Popstar“?“

Am 27. Juli 2006 schreibt der Mannheimer Morgen:

„Popstar Xavier Naidoo (34) soll beim Dr├Ąngeln auf der Autobahn in eine Radarfalle gerast sein. Nun k├Ânnte ihm ein erneuter F├╝hrerscheinentzug drohen. Der Mannheimer sei mit seinem Porsche auf der A 5 in Richtung Karlsruhe zu dicht aufgefahren, best├Ątigte die Mannheimer Anwaltskanzlei Naidoos gestern entsprechende Medienberichte.“

Bis zum Jahr 2000 lassen sich ausweichlich des Archivs keine Berichte finden, aber im November 2000 schreibt der MM:

„Dass er im Dezember 1999 mit einem Porsche 944 der Mannheimer Polizei ins Netz gegangen war, hatte dem Autonarren schon eine Vorstrafe eingetragen: f├╝nf Monate auf Bew├Ąhrung. Seinen F├╝hrerschein hat Naidoo seit einer Alkoholfahrt im Jahr 1993 nicht mehr – obwohl er zwischenzeitlich eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung bestanden hat. „Warum haben Sie nicht einfach den F├╝hrerschein wieder gemacht?“, wunderte sich Offermann. „Keine Zeit“, lie├č ihn der Angeklagte wissen.“ Angeblich sollte Naidoo bis zu 21 Monate Haft drohen, hei├čt es in dem Artikel.

Abh├Ąngige Berichterstattung

„Berichtet er doch, dass ihm einmal wegen zu schnellen Fahrens der F├╝hrerschein abgenommen wurde“, ├╝bernimmt Martin Tangl die Informationen aus dem SWR-Film. Ohne kritische Pr├╝fung, ohne Recherche, ohne journalistische Verantwortung.

Das ist auch wenig erstaunlich. Die „Benz“-Feier beim Mannheimer Morgen ist durch viel Werbung begleitet. Da wei├č die Redaktion, wo das Geld herkommt und was sie zu tun hat.

Gemeinhin nennt man das „Hofberichterstattung“. „Man bei├čt die Hand nicht, die eine f├╝ttert“, sagen andere.

Herr Martin Tangl muss sich als verantwortlicher Redakteur des Mannheimer Morgens fragen lassen, ob er und seine „unabh├Ąngige Zeitung“ mittlerweile auf das Niveau von miserablen Anzeigenbl├Ąttern abgestiegen sind.

Dabei geht es nicht um eine „Archiv-Schau“ oder darum, Herrn Naidoo seine Verfehlungen ewig nachzutragen. Der Pop-Star hat einen „harten Weg hinter sich“, seit ein paar Jahren scheint er „sauber“ zu sein und auch ein K├╝nstler hat ein Recht auf Privatleben. Dann l├Ąsst man das aber auch privat.

Wenn Herr Naidoo aber die ├ľffentlichkeit sucht und das in einem „Umfeld“, mit dem er ├╝ber lange Jahre „gro├če Schwierigkeiten“ hatte, muss die ├ľffentlichkeit auch im Kern ├╝ber „wesentliche Informationen“ informiert werden.

Das unterl├Ąsst Herr Tangl. Garantiert gegen besseres Wissen. Und wenn ers nicht besser w├╝sste, sollte er den Job sofort aufgeben.

Der SWR-Film bedient das Publikum, das auch zur Premiere erschienen ist. ├ťberwiegend etwas gesetzter. Man findet den Film „sch├Ą├Ą“, trinkt einen Prosecco, „der ist umsonst“ und knabbbert Brezeln, die als „B“ f├╝r „Benz“ gebacken sind. Nachdenken muss man beim „Benz-Film“ nicht.

Sondern bei der „Premiere“ dabei sein, so, als sei das ein wirklich wichtiges Ereignis.

So ist das Fernsehen leider oft.

Nachdenklich muss man allerdings werden, wenn der „Lokalpatriot“, als der sich der Mannheimer Morgen darstellen will, frei von Recherche und Fakten eine Geschichte wider besseren Wissens „nacherz├Ąhlt“ und dabei journalistisch versagt.

Denn wenn man nachdenkt, wird man wissen, dass sowohl der Film als auch viele der Berichte dazu, nicht wirklich informieren, sondern nur gefallen und verkl├Ąren wollen.

Werbung will gefallen. Das ist ihr Recht und nicht zu beanstanden.

Journalismus hat eine andere Aufgabe. Und das Versagen von Herrn Reu├č und Herrn Tangl ist sehr wohl zu beanstanden.

Denn sie werden dem, was sie vorgeben, in keinster Weise gerecht: Unabh├Ąngig, faktentreu und zutreffend zu berichten.