Sonntag, 24. September 2017

Am 16. Juli im Landratsamt

Einführungsveranstaltung für Tagesmütter und Tagesväter

Heidelberg/Rhein-Neckar, 09. Juli 2014. (red/pm) Das Jugendamt des Rhein-Neckar-Kreises bietet am 16. Juli von 09:30 Uhr bis 11:00 Uhr im Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis, GroĂźer Sitzungssaal (5. OG), KurfĂĽrsten-Anlage 38 – 40 in Heidelberg wieder eine Informationsveranstaltung zur Kindertagespflege an. [Weiterlesen…]

Kommunale Kinderbetreuung im Vergleich

Enorme Unterschiede bei Kosten und Angeboten zur Kinderbetreuung

Rhein-Neckar/Ladenburg, 04. April 2014. (red/ae/ms) Seit dem 01. August 2013 haben Kinder ab Vollendung des ersten bis zum Ende des dritten Lebensjahres einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Tageseinrichtung oder einer Kindertagespflege. Reichen die Plätze in den Gemeinden des Landtagswahlkreis Weinheim? Wie viele Kindergärten und Kindertagesstätten gibt es in den Gemeinden? Was kostet welches Angebot? Wir haben fĂĽr Sie recherchiert und liefern den Ăśberblick zu den Angeboten. [Weiterlesen…]

HeiĂźe Debatte um Kinderbetreuung


Guten Tag!

Ladenburg, 04. April 2011. Wer am vergangenen Mittwoch die Ladenburger Gemeinderatssitzung besucht hat, dem musste gleich auffallen, dass etwas anders war. Überdurchschnittlich viele junge Frauen und vier Kinder waren im Zuschauerraum. Neben der Beratung der Haushaltspläne 2011 stand die Entwicklung der Hort- und Kernzeitbetreuung auf der Tagesordnung.

Von Sabine Prothmann

Obwohl sie ihre Kinder schon frĂĽhzeitig im Hort angemeldet habe, habe man ihr jetzt mitgeteilt, dass ihre Kinder jetzt vermutlich keinen Platz bekommen könnten. Nun wisse sie nicht, wie sie ihrer Arbeit nachgehen könnte, beschwerte sich die Ladenburgerin Birgit Dömkes. Und Anke Christian erklärte dem Gemeinderat: „Ich wĂĽrde meinen Job verlieren.“

Weitere Frauen taten ihren Unmut kund.

Bürgermeister Rainer Ziegler erklärte die Ausgangssituation. Bereits im Schuljahr 2009/2010 habe man eine weitere Hortgruppe eingerichtet. Sieben Kinder werden nun im Sommer den Hort verlassen, 20 stehen auf der Warteliste, das heißt, es fehlen mindestens 13 Plätze

„Das tut mit weh, wenn ich Frauen mit Tränen in den Augen im Rathaus begrüßen muss. Wir nehmen die Situation sehr ernst“, versicherte der Bürgermeister. Auch die Kernzeitgruppen seien zurzeit mit vier bis sechs Kindern überbelegt.

Im Haus des Kindes hätte man Raum für eine weitere Hortgruppe frei, denn die ausgelagerten Schüler der Merian-Realschule könnten im Sommer in den Neubau umziehen.

Doch die erforderlichen einmaligen Ausgaben für Möbel, Küchenzeile, Geschirr und Wasseranschluss belaufen sich auf rund 58.000 Euro. Die laufenden Ausgaben für pädagogisches Personal, Küchenpersonal und Reinigungskräfte bezifferte Ziegler mit 73.000 Euro pro Jahr. Bei den jährlichen Einnahmen komme man auf rund 42.000 Euro durch den Landeszuschuss und die Elternbeiträge.

Eine weitere Kernzeitgruppe als Alternative?

Anstelle einer weiteren Hortgruppe könne man eine weitere Kernzeitgruppe einrichten. Die Betreuung ende hier um 14 Uhr und die Kinder bekommen auch kein Mittagessen. Dadurch beliefen sich die einmaligen Ausgaben auf rund 6000 Euro. Für Personal müsse man für die Monate September bis Dezember etwa 13.000 Euro investieren, da bleibt abzüglich der Beiträge und Zuschüsse noch eine Differenz von 5000 Euro.

Ihm sei bewusst, dass eine weitere Kernzeitgruppe keine echte Alternative sei und nicht ausreichend. Denn einige könnten auf die Hortbetreuung nicht verzichten, so Ziegler.
Es sei oft schwierige, eine soziale Abwägung zu treffen. Die Eltern sagen, wir brauchen eine neue Hortgruppe, „wenn wir das nicht machen, müssen wir mit verärgerten Eltern rechnen“.

Stadtrat Dr. Meinhard Georg (CDU) machte den Vorschlag, dass Eltern die Betreuungstage tauschen könnten. „Ein verbindliches Sharing könnte ich mir vorstellen“, meinte auch Bürgermeister Ziegler.

„Die 50 Kinder, die wir haben, brauchen die Ganztagesbetreuung“, argumentierte dagegen die Leiterin der Einrichtung Haus des Kindes.Bettina Sattel.

Die GLL möchte die Hortplätze, aber es sei ihnen bewusst, dass eine neue Hortgruppe enorme Investitionen für die Stadt bedeuten, deshalb solle man andere Dinge verschieben, sagte die Stadträtin Ingrid Dreier.

Man solle überlegen, welche weiteren Betreuungsmöglichkeiten es anderswo gäbe. Er könne sich auch das Modell Tagesmutter vorstellen bei Doppelverdienern, warf Stadtrat Wolfgang Luppe (FDP) ein.

„Wir brauchen als verlässliche Betreuung eine Kindertagesstätte, sonst nehmen wir den Stau auf Dauer mit“, entgegnete Ziegler.

„FĂĽr was macht es mehr Sinn, Schulden aufzunehmen als fĂĽr die Existenz unserer jungen Familien?“

„Für was macht es mehr Sinn, Schulden aufzunehmen als für die Existenz unserer jungen Familien in Ladenburg?“, fragte SPD-Stadtrat Sascha Barembruch.

„Es ist wichtig, dass wir den Eltern unsere Hilfe anbieten“, betonte auch Stadträtin Gudrun Ruster (FDP). In immer mehr Familien gehen beide arbeiten, auf diese Situation müsse man sich einstellen. „Auch die Omas fallen weg“, da sie oft selbst noch arbeiten gingen.

„Wir müssen uns damit abfinden, dass wir eine weitere Gruppe einrichten müssen, aber Verschuldung ist keine Lösung“, erklärte Stadtrat und CDU-Fraktionschef Dr. Rainer Beedgen. Diese Schulden müsse dann die nächste Generation bezahlen. „Wir werden die Hortgruppe brauchen, die Frage ist wann, denn die Chefarztgattin gibt-€™s nicht mehr.“

„Wir brauchen eine Erweiterung in der Betreuung und zwar schon in diesem Jahr“, erklärte der Bürgermeister mit Nachdruck.

Stadtrat Karl Meng (CDU) verwies auch auf das Neubaugebiet, „spätestens dann bräuchten wir die Plätze eh-€™“.

Man sollte die Erweiterung der Kinderbetreuung realisieren ohne die Verschuldung zu erhöhen, „wir müssen aus dem Haushalt was anderes raus schneiden“, erklärte Stadtrat Wolfgang Luppe (FDP).

Nicht die einmaligen Investitionskosten seien das Problem, sondern die laufenden Kosten, betonte Stadtrat Wolfgang Zahner (SPD).
Man beschloss die Entscheidung mit in die Haushaltsberatung zu nehmen.

Förderung der Kindertagespflege beschlossen

Als nächster Punkt stand die Förderung der Kindertagespflege auf der Tagesordnung.
Die Tagespflege ist nach dem Sozialgesetzbuch eine Form der Betreuung, die als gleichrangig neben der Förderung in Tageseinrichtungen anzusehen ist und dem Wunsch- und Wahlrecht von Eltern entspricht.

In dem Beschlussvorschlag der Verwaltung heißt es, der Gemeinderat begrüßt die Bestrebungen, die Kinderbetreuung in der örtlichen Tagespflege zu fördern, weiter auszubauen und finanziell zu unterstützen. Der Gemeinderat beschließt einen freiwilligen Zuschuss von 1,50 Euro pro Betreuungsstunde. Der Zuschuss ist von den Eltern bei der Stadt zu beantragen. Im Haushaltsplan 2011 werden für die freiwillige Förderung der Kindertagespflege 50.000 Euro eingestellt.

Die Kinderbetreuung in Ladenburg beruhe auf drei Säulen, zum einen die Krippen und die altergemischten Gruppen der Kindergärten, die zu 68 Prozent durch Zuschüsse finanziert werden, und die Tagespflege. Die Tagespflege erfahre bisher keine Förderung durch die Kommunen, erklärte Ziegler.

Es sei aber im Interesse der Stadt, diese 3. Säule stark zu machen. Die Stadt Ladenburg stelle 103 Plätze für unter Dreijährige und eine Versorgungsquote von 34 Prozent zur Verfügung. Zehn Prozent sind Tagespflegeplätze. Spätestens mit dem neuen Kindergartenjahr, das am 1. September startet, sollte man mit der Unterstützung beginnen und damit ein Signal setzen, so Ziegler.

Stadtrat Dr. Rainer Beedgen lobte die große Flexibilität der Tagespflege, erinnerte aber an die laufende Verpflichtung, das müsse man wieder irgendwo einsparen.

„Immer wieder kommt ein neuer Schuh hinzu“, betonte auch Stadträtin Ilse Schummer (SPD). Aber man sehe auch die Notwendigkeit und wisse, „was uns die Tagesmütter sparen“.

„Ich möchte keine weitere Krippe finanzieren“, erklärte der Bürgermeister. Er schätze den künftigen Bedarf auf 40 bis 45 Prozent.

Stadträtin Gudrun Ruster (FW) machte den Vorschlag, sich zunächst auf 1 Euro als freiwillige Leistung zu einigen.

Letztlich einigte sich der Gemeinderat mit 15 zu 7 Stimmen auf die Förderung mit 1,50 Euro pro Betreuungsstunde ab dem 1. September und im Haushaltsplan 2011 damit 18.000 Euro einzustellen.

Vorschläge für Einsparungen

Während der Haushaltsberatung machte Stadtrat Luppe (FDP) immer wieder Vorschläge, wo man Geld für die Kinderbetreuung einsparen könnte.

Im Haushalt 2011 sind als Zuschuss für die Musikschule rund 215.000 Euro eingeplant, Luppe stellten den Antrag diese Summe auf 200.000 zu reduzieren. Acht der Stadträte konnten sich für diesen Vorschlag erwärmen, neun stimmten dagegen, drei enthielten sich.

Als weitere Einsparmöglichkeit schlug Luppe vor, den Zuschuss für das Altstadtfest von 36.000 Euro auf 26.000 Euro zu reduzieren. Auch hierfür gab es keine Mehrheit, nur sechs Ratsmitglieder stimmten dafür.

Eine Kostenreduzierung von 260.000 Euro auf 245.000 Euro im Bereich des Grünschnitts der Parkanlagen und öffentlichen Grünflächen wurde auch von der Verwaltung als möglich erklärt.

Eine weitere Reduzierung zeichnet sich ab bei der städtischen Beleuchtung. Stadtrat Dr. Rainer Beedgen regte an, die Straßenlaternen nachts zwischen zwei und vier Uhr oder zwischen drei und fünf Uhr auszuschalten.

Ziegler versprach, dass für die nächste Gemeinderatssitzung am 20. April eine dementsprechende Gemeinderatsvorlage vorbereitet würde. Mit dieser Zeitbeschränkung könne man bis zu 14.000 Euro einsparen.

Stadträtin Dreier befürchtete die Stolperfallen in der Altstadt bei ausgeschalteten Laternen und plädierte für ein intelligentes Beleuchtungssystem.

„Der Ansatz ist gut, aber es ist leider zu teuer“, entgegnete Bürgermeister Ziegler.

Eine weitere Einsparmöglichkeit sah Stadtrat Luppe in der Erhöhung der Badegebühr im Freibad, aber auch dieser Vorschlag wurde abgelehnt.

Eine weitere Kernzeitgruppe als erste Stufe

Schließlich stellte die Stadträtin Dreier (GLL) den Antrag, eine neue Hortgruppe einzurichten. Bei der Abstimmung stimmten acht Mitglieder dafür und 14 dagegen, einschließlich Bürgermeister Ziegler. Sein Alternativvorschlag zumindest eine weitere Kernzeitgruppe einzurichten, wurde bei fünf Enthaltungen einstimmig angenommen.

Bürgermeister Rainer Ziegler bezeichnete die Lösung als erste Stufe. Wenn der Bedarf sich fortsetzt und verstärkt, müsse man weitere Lösungen suchen. „Wir werden im nächsten Frühjahr die Bedarfssituation bei der Haushaltsberatung bilanzieren.“

Jetzt liegt der „Schwarze Peter“ zunächst bei der Verwaltung, denn sie muss die Entscheidung treffen, bei wem der Bedarf für einen Hortplatz am dringlichsten ist.