Montag, 13. Juli 2020

Facebook-GerĂŒchtekĂŒche - keine Hilfe, sondern Spam

Der vermisste Ladenburger Robin C. ist tot

Ladenburg/Mannheim/Mainz/Rhein-Neckar, 28. Januar 2013. (red/pro) Aktualisiert. Die Polizei hat heute mitgeteilt, dass die IdentitÀt der bei Nackenheim gefundenen Wasserleiche feststeht. Es handelt sich um den seit dem 20. Dezember 2012 vermissten 24-jÀhrigen Ladenburger Robin C. Nach Abschluss der kriminalpolizeilichen Untersuchungen gibt es keine Hinweise auf Fremdverschulden.

UrsprĂŒnglicher Artikel:

Ladenburg/Mannheim/Mainz/Rhein-Neckar, 26. Januar 2013. (red/pro) Über email, Kommentare und Facebook wurde uns in der Nacht und am Mittag mitgeteilt, dass der vermisste 24-jĂ€hrige Ladenburger Robin C. tot in einem Wald in der NĂ€he von Mainz aufgefunden worden sei. Unsere Recherche ergibt, dass die GerĂŒchtekĂŒche auf Facebook und im Internet tobt. Wieder einmal zeigt sich, dass Menschen, die es vermeintlich „gut“ meinen, Schaden und Leid meistens nur noch verschlimmern. Die Polizei bestĂ€tigt auf unsere Nachfrage, dass es sich bei einer bei Oppenheim gefundene Wasserleiche vermutlich um den vermissten Robin C. handelt. Sicherheit wird allerdings erst ein DNA-Abgleich in der kommenden Woche bringen.

Von Hardy Prothmann

In Facebook gibt es eine Seite „VermisstRobinC“, die 318 „Fans“ hat, am 29. Dezember 2012 erstellt worden ist und auf der heute folgender Eintrag zu lesen ist:

„Leider erreichte uns heute eine schmerzliche Nachricht. Robin ist nicht mehr am Leben. Er wurde in der NĂ€he von Mainz gefunden.

Er hinterlĂ€sst eine LĂŒcke, die wir mit unseren Erinnerungen und Gedanken fĂŒllen, aber niemals schließen werden können.

ZurĂŒck bleiben Trauer, Verzweiflung, TrĂ€nen und die Fragen nach dem Warum.

In tiefer Trauer nehmen wir Abschied von Robin.

Wir danken euch allen herzlich fĂŒr eure Mitarbeit und UnterstĂŒtzung.“

Rund 40 Kommentatoren drĂŒcken bislang ihr Beileid aus.

Hinweise, falsche „Tatsachen“, GerĂŒchte

Uns wurde mitgeteilt, dass die Seite vom Vater des vermissten jungen Mannes erstellt worden sei. Wir können uns das nicht vorstellen – zu sachlich ist der Tonfall der Nachrichten auf dieser Seite. Die Information stellt sich als falsch heraus. TatsĂ€chlich erfahren wir aus einer zuverlĂ€ssigen Quelle, dass Bekannte von Robin die Seite eingerichtet haben, angeblich, um die Suche zu unterstĂŒtzen. TatsĂ€chlich lĂ€sst der anonyme Seitenbetreiber Kommentare zu wie „vermutlich Schwulenszene oder Organhandel“. Wieso solche EintrĂ€ge nicht sofort gelöscht werden kann man diese anonyme Person nicht fragen.

Über Facebook teilt uns ein angeblicher Freund der Familie mit, dass der Vater ihn ĂŒber den Tod des Vermissten informiert habe. Dieser habe ihm via Telefon und Facebook mitgeteilt, dass der vermisste Sohn tot „in einem WaldstĂŒck bei Mainz“ aufgefunden worden sei. Als wir nachfragen, sperrt uns dieser „Kontakt“. Ein anderer Kommentator will „indirekt“ ĂŒber die Familie beziehungsweise einen „Freund“ schon gestern Abend ĂŒber den Tod des Vermissten informiert worden sein.

Auch auf Google+ wurde ebenfalls am 29. Dezember eine Seite erstellt. Auch dort kommentiert ein „Marcus H.“, dass „uns eine traurige Nachricht“ erreicht hat. Der Seitenbetreiber kommentiert das mit „Ich weiß..“

Recherche und Tatsachen

NatĂŒrlich gehen wir Hinweisen nach. Noch in der Nacht teilt uns die Polizei in Mainz auf Nachfrage mit, dass es definitiv weder in der NĂ€he von Mainz noch in einem Wald einen Leichenfund gibt. TatsĂ€chlich wurde in Nackenheim eine Wasserleiche gefunden, deren IdentitĂ€t nach Auskunft der Polizeien in Mainz und Mannheim noch nicht feststeht, da die Obduktion noch erfolgen wird.

Aus einer anderen Quelle erhalten wir die Information, dass die Obduktion bereits gestern stattgefunden habe. Ein Kriminalbeamter habe die Mutter am Telefon darĂŒber informiert, dass es sich mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ um den vermissten Robin handelt. Es fehle nur noch der DNA-Abgleich.

Der Kriminaldauerdienst in Mannheim weiß nach Aktenlage noch nichts von einer Obduktion. Hier ist der Fall immer noch offen, der junge Mann weiter als „vermisst“ registriert. Hinweise, dass es sich bei der Wasserleiche um den gesuchten Mann handeln könnte, liegen nach Auskunft der Polizei nicht vor.

Wir bleiben dran, am frĂŒhen Abend informiert uns dann der Polizeisprecher Holger Ohm dann, dass es sich bei der Leiche „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ um den gesuchten Robin C. handelt. Eine Obduktion habe stattgefunden. Mit Sicherheit lasse sich dies aber erst nach einem DNA-Abgleich feststellen. Dieser werde Anfang der Woche vorgenommen. Die Polizei agiert in solchen FĂ€llen normalerweise mit großer ZurĂŒckhaltung und Sorgfalt gegenĂŒber den beteiligten Personen. Verwunderlich ist, dass die Kriminalpolizei nach unseren Informationen am Freitagnachmittag die Eltern „telefonisch“ ĂŒber den Ermittlungsstand informiert haben soll. Überbringt man eine solche Nachricht, zumal, wenn sie noch nicht sicher feststeht, nicht eher persönlich? Die Polizei wird unsere Hinweise auf den Vorgang prĂŒfen, wie uns mitgeteilt wird.

Was die Polizei nun, nachdem der Leichenfund öffentlich kommentiert wird, weiter mitteilt, ist, dass es keine Hinweis auf ein Fremdverschulden gibt.

Falsche „Freunde“, falsche „Hilfe“

Obwohl wir als Internetzeitung selbst sehr intensiv und selbstverstĂ€ndlich soziale Netzwerke nutzen, sehen wir solche Aktionen wie Facebook-Suchseiten, exzessives Teilen von Fotos und vermeintlichen „Informationen“ sehr kritisch. Was haben EintrĂ€ge wie „vermutlich Schwulenszene oder Organhandel“ auf solchen Seiten verloren? Denkt jemand ĂŒberhaupt nicht nach, ob das die Person beschĂ€digen kann? Oder ist gerade das gewollt? Ist es nur Dummheit oder nur Sensationsgeilheit, solche EintrĂ€ge vorzunehmen? Wieso sollten viele aus dem Internet zusammengeklaubte Fotos die Suche mehr unterstĂŒtzen als ein eindeutiges Profilbild, das von der Polizei zur Vermisstenmeldung herausgegeben worden ist? Was sollen Informationen bringen, wo sich Robin gerne aufgehalten hat, wo er studiert hat? WĂ€ren das wichtige Informationen, die die polizeiliche Suche unterstĂŒtzen könnten, wĂŒrde die Polizei so etwas mitteilen. Auf privaten Seiten ist das nichts anderes als Klatsch.

Umgekehrt könnte man fragen, wo denn der Unterschied zu unserer Berichterstattung ist? Ist das eine nicht wie das andere öffentlich? Beides ist öffentlich, das trifft zu. Der große Unterschied liegt in den Details. Wir prĂŒfen Informationen sorgfĂ€ltig und bereiten diese professionell auf. So ist die Aussage, dass der gesuchte Robin tot ist, solange nicht zutreffend, solange dies nicht sicher festgestellt ist. Die Aussage, man habe ihn in der NĂ€he von Mainz gefunden, ist nach unserer Recherche falsch. Ebenso der Hinweis auf einen Wald.

Öffentliches Interesse vs. privat

Privatpersonen anonymisieren wir im Anschluss, wenn diese tot oder lebendig gefunden worden sind. Aus Achtung vor den Persönlichkeitsrechten – die auch ein toter Mensch hat. Und aus RĂŒcksicht auf die Angehörigen, die insbesondere, wenn es sich um Privatleute handelt, selbst entscheiden sollen, ob und welche Öffentlichkeit sie herstellen möchten. Dabei wĂ€gen wir immer ab, welche Informationen einem „öffentlichen Interesse“ dienen und welche in der Öffentlichkeit nichts zu suchen haben. Dass die Suchseite auf Facebook immer noch die Bilder des vermissten Robin C. zeigt, hat nichts mehr mit „öffentlichem Interesse“ zu tun – hier wird nur noch Voyeurismus bedient. Die Angehörigen aber brauchen Ruhe und Kraft, um trauern zu können.

Verhindern können höchstens Angehörige selbst solche Seiten, indem sie nach Kenntnis juristisch dagegen vorgehen oder die Polizei, wenn StraftatbestĂ€nde vorliegen. Muss man jemandem zumuten, dass er sich auch noch wehren muss, wenn er schon so sehr verletzt worden ist? Das Argument, wann wolle doch helfen, setzt die Frage voraus, ob man das auch verantworten kann: Ob eine solche Hilfe gewĂŒnscht ist oder ob eine solche Hilfe sich nicht eher ins Gegenteil verkehrt? Über diese Verantwortung sollte man vorher nachdenken.

Wir raten in solchen FĂ€llen Betroffenen immer, auf keinen Fall Informationen oder Fotos an Dritte herauszugeben, deren Gebrauch sie nicht mehr kontrollieren können. Professionelle Redaktionen achten auf einen sorgsamen Umgang mit solchen Informationen im Gegensatz zu anderen, die die Tragweite nicht ĂŒberblicken oder unter UmstĂ€nden sogar „niedere Ziele“ verfolgen.

Und Internetnutzer sollten sich immer im klaren darĂŒber sein, ob sie eine vertrauenswĂŒrdige Quelle vor sich haben und was man wie teilt und kommentiert. Die einfache Frage: „Wie wĂ€re das fĂŒr mich, wenn ich betroffen wĂ€re“, kann immer helfen, nicht alles mitzumachen, nur weil man es „einfach“ machen kann.

 

 

A-soziale Netzwerke

Fody’s veröffentlicht problematische Fotos bei Facebook

Unter diesem Albumnamen finden sich rund 200 teils sehr unvorteilhafte Fotos sowie Bilder aus zwei Kirchen, die bestimmt nicht da rein sollten.

Ladenburg/Rhein-Neckar, 09. Juli 2012. (red) Soziale Netzwerke sind modern und natĂŒrlich wollen da viele mitmachen. Das aber will beherrscht sein – sonst passieren schnell Fehler, die das Gegenteil von einem guten Image erzeugen.

Der Ladenburger Gastronomie-Betrieb Fody’s FĂ€hrhaus hat auf Facebook Fotos von der „Dieter Thomas Kuhn Fan After Show Party“ eingestellt. Ob die fotografierten Personen damit glĂŒcklich sind? Das darf man bezweifeln, weil viele Personen unvorteilhaft oder mit Unmengen leerer Bierflaschen abgebildet werden. Auch Chefs und Arbeitskollegen sind in Facebook unterwegs…

Außerdem hat die Fotos irgendjemand gemacht, der nicht mit einem Fotoapparat umgehen kann – schlechte Perspektiven, falsche Belichtung, unscharfe Bilder. Eine grottenschlechte Fotostrecke.

Und die Bildergalerie enthĂ€lt zum Ende Fotos, die nun gar nichts mit der „After Show Party“ zu tun haben. Man sieht dort den Leimener Pfarrer Steffen Groß – ebenfalls teils sehr unvorteilhaft abgebildet. Und Fotos vom 50-jĂ€hrigen OrgeljubilĂ€um eines Herrn in St. Ilgen. Mal abgesehen davon, ob sich die KirchgĂ€nger in der „DTK-Galerie“ wohl fĂŒhlen,  sind auch hier die Fotos teils so unvorteilhaft, dass die Personen – sofern sie von der Veröffentlichung wĂŒssten, bestimmt alles andere als „amused“ wĂ€ren.

Die Fotos sind hier (nicht mehr) zu finden.

Aktualisierung, 17:04 Uhr:

Fody’s hat reagiert und die Fotos der KirchgĂ€nger gelöscht. Dazu veröffentlichte der Seiten-Administrator einen Kommentar, aus dem man entnehmen kann, dass er nicht wirklich das Problem verstanden hat:

„Wer hier „merkwĂŒrdige“ Fotos entdeckt hatte …. SORRY …. die wurden versehentlich aus einem anderen Account hochgeladen. 😉 Hoffentlich haben sich die fröhlichen Betrachter wenigstens amĂŒsiert!“

168 Stunden online? – Jugendliche im Internet


Screenshot von YouTube

Screenshot von YouTube

Guten Tag!

Rhein-Neckar, 12. MĂ€rz 2011. Facebook, Skype, SchuelerVZ – Jugendliche bewĂ€ltigen einen Großteil ihrer „sozialen Kontakte“ ĂŒber diese Internet-Dienste. Aber wie sieht das typische Verhalten von Jugendlichen im Internet eigentlich genau aus? Unser Praktikant Paul Maaß hat das fĂŒr uns dokumentiert. Eine Woche lang – 168 Stunden. Insbesondere Eltern dĂŒrften sehr daran interessiert sein, was ihre „Kids“ im Netz so „anstellen“. [Weiterlesen…]

Dokumentation: Streit um Twitter & co – oder die Angst vor der Transparenz und Meinungsfreiheit

Guten Tag!

Heddesheim/Rhein-Neckar, 25. Februar 2011. Der Heddesheimer BĂŒrgermeister Michael Kessler, die CDU, die SPD und die FDP haben ein Problem mit dem „Verhalten“ des partei- und fraktionsfreien Gemeinderats Hardy Prothmann. Der Vorwurf: Durch „Twittern“ missachte GR Prothmann den Rat. Der Streit um Twitter & co ist nicht auf Heddesheim begrenzt.

In Heddesheim wurde der partei- und fraktionsfreie Gemeinderat Hardy Prothmann in der Gemeinderatssitzung vom 24. Februar 2011 per Mehrheitsbeschluss von BĂŒrgermeister Michael Kessler sowie den CDU-, SPD- und FDP-Fraktionen aus der Sitzung ausgeschlossen und vom BĂŒrgermeister des Saales verwiesen.

Der erste genannte Grund: Der Gemeinderat Prothmann habe getwittert und damit den Rat angeblich missachtet. Der zweite genannte Grund: Der Gemeinderat Prothmann habe angeblich den BĂŒrgermeister beleidigt.

Gemeinderat Prothmann verwahrte sich gegen beide Unterstellungen und hat noch am selben Abend Beschwerde beim Kommunalrechtsamt eingereicht. Die Beschwerde, weitere Dokumentationen und Berichte zum Thema lesen Sie auf dem heddesheimblog.de.

In Augsburg gab es Ende 2009 Zoff ums Twittern. Erst im Sommer 2010 wurde es wieder erlaubt. Quelle: Augsburger Allgemeine

Der „Streit“ um den „Anstand“ zwischen konservativen BĂŒrgermeistern, ihren jeweiligen „Rats-Mehrheiten“ und progressiven GemeinderĂ€ten wird landauf, landab gefĂŒhrt. Im Kern geht es um die Kontrolle der „Deutungshoheit“. Einzelne GemeinderĂ€te oder kleine Fraktionen sollen sich der „Mehrheit“ unterordnen. Meinungsfreiheit ist dabei eher ein gering geachtetes Gut.

Wutentbrannte Reaktion

Am 18. Dezember 2009 berichtet beispielsweise die Augsburger Allgemeine Zeitung unter der Überschrift: „Debatte um Kommunikationsdienst – Ärger um Twitter-Nachrichten aus dem Augsburger Stadtrat“ ĂŒber den damals 26-jĂ€hrigen Stadtrat Christian Moravcik (GrĂŒne). Moravcik hatte getwittert und andere StadtrĂ€te fĂŒhlten sich dadurch angeblich „gestört“.

Lange Zeit allerdings nicht – es war laut Bericht „seit Monaten bekannt“, dass der junge Mann den Internet-Dienst nutzt. Doch bei einer Sitzung verfolgte eine CSU-StadtrĂ€tin am Notebook, was der „Kollege“ denn da so an Nachrichten verbreitet.

Eine Bemerkung ĂŒber den CSU-Fraktionschef fĂŒhrte zum Eklat. Die Augsburger Allgemeine, ebenfalls eher eine konservative Zeitung, berichtete: „KrĂ€nzle reagierte wutentbrannt.“

Es folgten monatelange Diskussionen um ein Verbot und schließlich eine „Selbstverpflichtung“, wie Twitter zu benutzen sei. Die Augsburger Allgemeine berichtet am 24. August 2010: „Augsburger Stadtrat: Twittern wieder erlaubt.

Die ThĂŒringische „Goethe- und UniversitĂ€tsstadt“ Ilemnau (rund 26.000 Einwohner) ist da weiter. Sie achtet die Meinungfreiheit.

Hier ist Twittern sogar ins Ortsrecht aufgenommen worden.

In Ilmenau ist Twittern per Ortsrecht erlaubt

In der „GeschĂ€ftsordnung fĂŒr den Stadtrat und die AusschĂŒsse sowie die OrtsteilrĂ€te der Stadt Ilmenau vom 5. November 2009“ heißt es unter Paragraf 3 „Öffentlichkeit der Sitzungen“:

„(5) Tonbandaufzeichnungen sowie Filmaufnahmen durch Dritte sind nur mit einstimmiger
Zustimmung des Stadtrates zulĂ€ssig. Die Zustimmung gilt als erteilt fĂŒr Fotoaufnahmen,
wenn sie durch Journalisten vom Presseplatz aus erfolgen.
(6) Elektronische Informationen aus der öffentlichen Sitzung (z. B. Twittern) heraus sind
erlaubt. Dies gilt nicht fĂŒr die nichtöffentliche Sitzung. Nur derjenige, der die elektronische
Information in das Internet eingibt, ist fĂŒr die Rechtsfolgen der Verbreitung der
elektronischen Kurzinformation verantwortlich.“

Dort darf also die Presse sogar vom Platz aus fotografieren und bei Zustimmung des Stadtrates sogar filmen oder Tonbandaufnahmen machen.

In Weinheim ist die CDU Vorreiter

Im Weinheimer Gemeinderat gibt es ebenfalls StadtrÀte, die sich sozialer Netzwerke bedienen, darunter mindestens ein Stadtrat der CDU.

Die StĂ€dte Ladenburg und Weinheim sowie die Gemeinde Hirschberg, ĂŒber die unsere Redaktion auch berichtet, sind darĂŒber informiert, dass wir vom Pressetisch aus wĂ€hrend der Sitzung twittern, EintrĂ€ge bei Facebook vornehmen und sogar aus der Sitzung heraus nach Beschlussfassung Artikel sofort veröffentlichen.

Die GemeinderĂ€te und BĂŒrgermeister dieser Kommunen haben nichts dagegen einzuwenden und verhalten sich in dieser Hinsicht vorbildlich in bezug auf Meinungsfreiheit und Transparenz.

Verboten sind dort wie in vielen GemeinderĂ€te Ton-, Film- und Fotoaufnahmen, außer, sie werden ausdrĂŒcklich gebilligt.

In Heddesheim lĂ€sst der BĂŒrgermeister „observieren“

In Heddesheim hingegen rĂŒgte der BĂŒrgermeister Michael Kessler den partei- und fraktionsfreien Gemeinderat Hardy Prothmann zum wiederholten Male, „Twittern“ sei eine Missachtung des Gemeinderats.

Hier hat Hardy Prothmann einen von "kooptech" Tweet "retweetet", was man am vorgestellten RT erkennt. "kooptech" ist die renommierte IT-Journalistin Christiane Schulzi-Haddouti. Quelle: twitter.com

Der BĂŒrgermeister Kessler lĂ€sst dazu die Twitter-AktivitĂ€t des Gemeindrats Prothmann wĂ€hrend der Sitzung durch Gemeindebeamte beobachten. Die Arbeitsanweisung scheint klar zu sein. Sobald eine Nachricht auftaucht, in die man aus Sicht der Verwaltung eine „Missachtung“ hineininterpretieren kann, unterbricht der BĂŒrgermeister die Sitzung, um eine „Stellungnahme“ vorzunehmen.

Die Frage, inwieweit es sich um eine Missachtung des Gemeinderats durch die Verwaltungsmitarbeiter und den BĂŒrgermeisters handelt, wenn diese wĂ€hrend der Sitzung im Internet Twittermeldungen lesen, ist in der Sitzung vom 24. Febraur 2011 nicht geklĂ€rt worden.

Angst vor „Kontrollverlust“

Der Hintergrund fĂŒr Auseinandersetzungen in Augsburg, Heddesheim oder anderswo ist sicherlich mit der Angst vor „Kontrollverlust“ zu begrĂŒnden.

Obwohl es sich um öffentliche Gemeinderatssitzungen handelt, war man es lange gewohnt, dass sich die Fraktionen und Verwaltungen im Vorfeld der Sitzungen absprechen. Man kann das auch „Hinterzimmerdemokratie“ nennen oder „Gemauschel“ oder wie auch immer.

Die wenigen BĂŒrger, die bei solchen Sitzungen anwesend sind, erhalten keine Hintergrundinformationen, erleben keine tatsĂ€chliche Debatte. Die „Öffentlichkeit“ wird im Nachgang hĂ€ufig ĂŒber Monopolzeitungen informiert. Politikverdrossenheit ist da vorprogrammiert.

Eigene Meinungen und Sichtweisen und eine zeitnahe Verbreitung (ver-)stören da viele „Traditionalisten“, die sich weder einer kritischen Öffentlichkeit und schon gar nicht kritischen Gemeinderatsmitgliedern, die alle demokratisch gewĂ€hlt wurden, stellen wollen.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Anmerkung der Reaktion:
Hardy Prothmann ist verantwortlich fĂŒr das heddesheimblog und ehrenamtlicher, partei- und fraktionsfreier Gemeinderat in Heddesheim.

Kinder in sozialen Netzwerken – 7 Tipps fĂŒr Eltern

Guten Tag!

Ladenburg, den 27. November 2010. Die „Hitlerbart“-Debatte vor einer Woche hat enormes Aufsehen erregt. Manche Eltern sind vielleicht sogar aus „allen Wolken gefallen“. Sie sollten jetzt jedoch nicht panisch handeln. Oftmals stehen Eltern vor dem Problem, dass sie das Medium „Internet“ zwar kennen und nutzen, aber manche Details unbekannt sind. Doch wie sollen Kinder einen verantwortungsbewussten Umgang mit Medien lernen, wenn nicht von ihren Eltern? Wir haben in diesem Beitrag 7 praktische Tipps gesammelt, was Eltern beachten sollten.

Screenshot der Gruppe "Ich mache mich jetzt schick und dann lass ich mich volllaufen"

Haben Sie sich schon mal gefragt, worin der Reiz eines Sozialen Netzwerks liegt? FĂŒr Jugendliche ist es das Normalste auf der Welt. Man kann dort Freunde „sammeln“, auf einer Art „Pinnwand“ Nachrichten und Bilder veröffentlichen und „Gruppen“ beitreten beziehungsweise selbst grĂŒnden. Man „netzwerkt“ eben, tauscht sich aus, stellt sich dar. Das ist ein großer Spaß, der aber immer auch Gefahren birgt, sofern man gewisse Regeln nicht beachtet.

So gibt es bei StudiVZ beispielsweise die Gruppe: „Ich mache mich jetzt schick und dann lass ich mich volllaufen“. Mehr als 7.000 Nutzer sind dieser Gruppe beigetreten.

Besonders pikant: Die VZ-Netzwerke (StudiVZ, SchuelerVZ und MeinVZ) verfĂŒgen nach eigenen Angaben ĂŒber 17 Millionen registrierte Nutzer (Stand: Juli 2010). Davon entfallen mindestens 6 Millionen auf StudiVZ (Stand: April 2010).

Alle StudiVZ-Mitglieder können sehen, wer dieser Gruppe beigetreten ist.

Da das StudiVZ auf Studenten ausgelegt ist, sind die Mitglieder meist volljĂ€hrig und fĂŒr sich selbst verantwortlich. Ob sich jemand „verantwortlich“ verhĂ€lt, wenn er sich einer solchen Gruppe „anschließt“… ist sicher zweifelhaft.

Ähnliche Gruppen finden sich jedoch auch bei Facebook & Co. Manche Gruppenmitglieder sind weit entfernt von einer VolljĂ€hrigkeit. NatĂŒrliche kennt die Medaille auch eine andere, positive Seite. Zu dieser gehören Gruppen wie „Gib AIDS keine Chance“ oder „Demokratie fĂŒr China“. Und es gibt jede Menge Gruppen oder Seiten zu Schulen, Vereinen oder gemeinnĂŒtzigen Organisationen, zu Stars, Musik oder anderen Dingen, fĂŒr die sich Jugendliche ganz zu Recht interessieren.

Wichtige Fragen im Zusammenhang mit dem Internet sind: Droht meinem Kind in einem sozialen Netzwerk eine Gefahr und wie kann ich es schĂŒtzen? Was ist sinnvoll und nĂŒtzlich, was unsinnig und vielleicht sogar schĂ€dlich? Wie kann ich mein Kind dafĂŒr sensibilisieren?

Wie auch im realen Leben ist auch im „virtuellen Raum“ ein Schutz vor Gefahren nicht absolut möglich. Aber man kann mi einfachen Regeln Fehler vermeiden.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen traditionellen Medien und dem Internet besteht beispielsweise in der Art des Mediums. Bei Radio, Fernsehen und Print sind die meisten Menschen nur EmpfĂ€nger. Online sind Sie jedoch hĂ€ufig auch Sender. Sie können also auch selbst Informationen verbreiten an eine wie auch immer geartete Öffentlichkeit, die aus wenigen, aber auch Millionen Menschen bestehen kann.

Weihnachtsmarkt Ladenburg - Eine Facebook Gruppe

Bei allen Angeboten des Webs sind insbesondere Soziale Netzwerke darauf ausgelegt, dass ihre Nutzer Inhalte erstellen. Meist in Form von Kommentaren, Fotos oder Videoaufnahmen. Ganz ĂŒberwiegend sind dies aber „private Informationen“, ĂŒber deren „Veröffentlichung“ man erst nachdenken sollte.

Ein konkretes Beispiel: Sie waren auch mal jung und haben vielleicht bei einer Fete ĂŒber den Durst getrunken. Und dann ist Ihnen etwas peinliches passiert. Kein Problem. Wir alle begehen Fehler. GlĂŒcklicherweise hat sie niemand fotografiert oder gefilmt. Heute sind Kameras allgegenwĂ€rtig, klein und oft unerkannt im Gebrauch.

Und es macht vielen einen „Heidenspaß“, die „Peinlichkeiten“ von anderen aufzunehmen und flugs ins Internet zu stellen. Das zu kontrollieren, ist sehr schwer. Viele stellen aber auch ganz freiwillig Bilder von Saufgelagen oder Ă€hnlichem ins Internet, weil sie es „lustig“ finden. Dass man damit aber sich selbst und seinen Ruf beschĂ€digen kann – soweit denken viele nicht.

Das Internet ist ein „Massenmedium“ – wer hier Inhalte erzeugt, muss sich das immer wieder klar machen. Mit einer gewissen Skepsis auf vor dem eigenen Handeln, kommt man hier aber auch gut zurecht.

Nachfolgend finden Sie sieben praktische Tipps, die einen sichereren Umgang mit dem Internet möglich machen.

Tipp 1: Medienkompetenz heißt, klug mit Medien umzugehen

Der vielleicht wichtigste Tipp von allen: Sie mĂŒssen die technischen HintergrĂŒnde und Funktionsweisen Sozialer Netzwerke nicht bis ins letzte Detail verstehen, um ihrem Kind eine gewisse Kompetenz zu vermitteln.

Im Prinzip gibt es keinen großen Unterschied zwischen dem realen und dem virtuellen Leben – bis auf einen: Das Internet ist ein riesiges Protokollmedium, ein Archiv, das wenig vergisst und Computer sind eine Art Kopiermaschine.

Was einmal digitalisiert wurde, lĂ€sst sich unbegrenzt kopieren und speichen. Und: Wer eine Information ins Internet stellt, verliert unter UmstĂ€nden sehr schnell die Kontrolle darĂŒber, weil andere diese Information wie auch immer weiternutzen können.

Tipp 2: Vertrauen Sie ihrem Kind

Es ist die Norm, dass zwischen Eltern und Kind ein VertrauensverhÀltnis herrscht. Vermeiden Sie es nach Möglichkeit dieses VertrauensverhÀltnis zu stören. Jeder Mensch besitzt eine Privats- und IntimssphÀre. Auch die eigenen Kinder.

Es gibt Dinge, die ein Kind fĂŒr sich behalten will. Die GrĂŒnde hierfĂŒr können vielfĂ€ltig und aus Sicht eines Erwachsenen manchmal nahezu bedeutungslos sein. Nehmen Sie nach Möglichkeit trotzdem darauf RĂŒcksicht.

Tipp 3: Hören Sie ihrem Kind zu

Wenn ein Kind von der Schule nach Hause kommt, hören wir ihm normalerweise zu. Weil wir selber mal zur Schule gegangen sind. Weil wir aufmerksam sind.

Hören Sie auch zu, wenn ihr Kind am PC war und Ihnen etwas ĂŒber Facebook, SchuelerVZ & Co. erzĂ€hlt?

Kennen Sie keines dieser Netzwerke, wird es natĂŒrlich schwierig dort genutzte Begriffe wie „Pinnwand“, „Gruscheln“ oder „Poke“ in einen Kontext zu setzen. Hören Sie dennoch aktiv zu, fragen Sie nach und lassen Sie sich unbekannte Begriffe erklĂ€ren oder das jeweilige Netzwerk erklĂ€ren. Sie werden schnell merken, ob ihr Kind „verantwortlich“ damit umgeht oder hier ein wenig „Nachhilfe“ braucht.

Tipp 4: Lassen Sie sich auf das Medium ein

Das Internet und soziale Netzwerke sind nicht schlecht oder böse oder gut und hilfreich. Es kommt immer darauf an, was man damit macht und wie man es nutzt.

Klar gilt es, die tatsĂ€chlichen Gefahren im Blick zu haben und Kinder vor radikaler Propaganda, Gewaltdarstellungen und Pornographie zu schĂŒtzen. Es gilt aber genauso, die positiven Seiten zu fördern, beispielsweise beim Übergang von der Schule zur Berufsausbildung.

Viele grĂ¶ĂŸere Unternehmen googeln inzwischen die Namen ihrer Bewerber, um sich ein „Bild“ der Kandidaten zu machen -auch in Sozialen Netzwerken wird dabei nachgeschaut. Hier kommt es meist zu einem „ersten Eindruck“ – der kann positiv, aber auch negativ sein. DafĂŒr ist man selbst verantwortlich.

Tipp 5: Verdeutlichen Sie ihrem Kind die „Nicht-AnonymitĂ€t“

Im Netz ist niemand anonym. Zwar kann man falsche Profile anlegen und „Wegwerf“-Mailadressen benutzen. Doch insbesondere in sozialen Netzwerken macht dies keinen Sinn.

Hier ist ein Großteil unter dem echten Namen vertreten.

Machen Sie ihrem Kind klar, dass jede Handlung im Netz auch eine öffentliche Handlung sein kann. Insbesondere bei schwachen Datenschutzeinstellungen. Die Hemmschwelle im Netz etwas zu veröffentlichen ist hĂ€ufig geringer, als im „echten“ Leben.

Tipp 6: Vertrauen ist wichtig, Kontrolle aber auch

Sie wollen wissen was „in diesem Netzwerk da“ los ist.

Äußern Sie diesen Informationswunsch und deuten Sie konkret an, dass sie irgendwann nach „bedenklichen Sachen“ Ausschau halten wollen, aber auch vertrauen, dass ihr Kind „nichts schlimmes“ dort „gemacht“ hat.

Im gĂŒnstigsten Fall wird ihr Kind nun selbstverantwortlich mit einer Bereinigung „bedenklicher Inhalte“ beginnen. Diese Form der Selbstkontrolle und die Aussicht auf externe Kontrolle lassen Kinder verantwortlicher mit dem Internet umgehen.

Tipp 7: Netzwerken Sie selbst

Sie mĂŒssen dafĂŒr nicht unbedingt bei Facebook und Co. ein Profil haben. Tauschen Sie mit anderen Eltern ihre Erfahrungen aus – die positiven wie die negativen.

Anmerkung der Redaktion:

Christian MĂŒhlbauer absolviert ein redaktionelles Praktikum bei uns in der Zeit vom 22. November – 10. Dezember 2010. Herr MĂŒhlbauer studiert an der Fachhochschule Ansbach “Ressortjournalismus.-€

Gabis Kolumne

Die NormalitÀt von sozialen Netzwerken

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Guten Tag!

Ladenburg, 22. November 2010. Soziale Netzwerke sind voll im Trend. So gut wie alle Kinder und Jugendlichen haben damit zu tun. Fragt sich nur, was man selbst damit zu tun hat, ob man alles versteht und wie man den Kindern den Umgang damit beibringt, meint Gabi.

Vor ein paar Wochen habe ich geschrieben, dass ich mich den Sozialen Netzwerken annĂ€here. Vorsichtig habe ich mich herangetastet. Ich muss gestehen, dass ich mich der Fazination kaum erwehren konnte. Ich habe gechattet, sogar mal was gepostet, wie es so schön heißt. Mein Freundeskreis ist stetig gewachsen. Das zu mir.

Facebook. Aus einem Studentenjahrbuch-Verzeichnis wurde die grĂ¶ĂŸte Online-Community der Welt.

Auch meine Kinder sind in sozialen Netzwerken unterwegs: SchĂŒlerVZ und Facebook und wer-kennt-wen. NatĂŒrlich haben wir es zu Hause thematisiert, auf die Gefahren hingewiesen und davor gewarnt, Bilder zu veröffentlichen.

Die Gefahren im Netz sind subtiler.

Auch weiß ich von Freunden und Bekannten, dass deren Kinder hier „unterwegs“ sind. Letztendlich sehen wir es aber recht locker, was kann hier schon passieren? Ist es nicht rein virtuell und nichts gegen die Gefahren, denen unsere Kinder im tatsĂ€chlichen Leben ausgesetzt sind?

Doch die Gefahren, die hier lauern, sind viel subtiler. Wie erkennt man, was wer ernst meint? Wo hört der Spaß auf? Ist ein Freund wirklich ein Freund?

Jugendliche berichten ĂŒber Saufgelage, stellen davon Bilder ins Netz, nehmen politische Haltungen ein, provozieren. Um cool zu sein, aufzufallen, sich abzugrenzen. Dass sie sich damit auch inszenieren und von außen nicht immer erkennbar ist, wo der Spaß aufhört und der Ernst anfĂ€ngt – ist ihnen das klar? Wirklich bewusst?

sntwitter

Twitter – ein Kurznachrichtendienst im Internet.

Was man im Internet veröffentlicht, dafĂŒr ist man letztendlich verantwortlich. Und man stellt eine Öffentlichkeit her. Denn, wer teilweise einige hundert Freunde und mehr sein eigen nennt, wird kaum noch ein Überblick darĂŒber haben und kann nicht davon ausgehen, dass alles nur im „stillen KĂ€mmerlein“ passiert.

„Ich habs nicht so gemeint“, gilt nicht.

Lockere, coole SprĂŒche sind an der Tagesordnung. Was passiert, wenn cool nicht mehr cool ist, sondern rassistisch? „Ich hab-€ℱs nicht so gemeint“, ist schnell gesagt. Aber letztendlich kann man ja nur an den eigenen Worten gemessen werden. Vor allem dann, wenn man es öffentlich macht.

Soll ich meinen Kindern die Netzwerke jetzt verbieten? Gilt es nicht eher mit ihnen darĂŒber zu reden und sie aufzuklĂ€ren?

Wir wissen heute alle, dass sich Personalchefs gerne im Facebook oder Studi-VZ tummeln. Welches Bild möchte man dann hier nach Außen abgeben?

Wer rechts- oder auch linksextreme Aussagen tĂ€tig, muss damit rechnen, dass man ihn oder sie fĂŒr Ernst nimmt. Und wollen das Jugendliche nicht eigentlich?

Andererseits gehört zum jung sein, auch ĂŒber das Ziel hinaus zu schießen. Das habe ich getan, das machen immer wieder meine Kinder. Wichtig ist dabei immer wieder Grenzen zu erkennen. Sich betrinken tut sich fast jeder mal in seiner Jugend (oder auch spĂ€ter), lĂ€sst man sich aber volllaufen und beschĂ€digt sich, andere oder Dinge, hat das eine ganz andere Brisanz.

snfbgroß

Die Frage ist meist nicht, ob man oder ob man nicht, sondern wie man mit Facebook umgeht.

Wie können wir unseren Kinder, in einer Welt, die so zwischen VirtualitÀt und RealitÀt hin- und herspringt, begreiflich machen, wo hier die Gefahren liegen, wo wir doch selbst in dieser Welt meist Fremde sind?

Quatsch ist erlaubt – aber auch ein sauberes Image.

Ich kann meinen Kindern nur den Rat geben, dass sie nur das veröffentlichen, zu dem sie wirklich stehen können. Und wenn es Quatsch ist, muss es auch als Quatsch erkennbar bleiben.

Klar ist, dass soziale Netzwerke fĂŒr unsere Kinder normal sind. Klar ist aber auch, dass es darin normal zugehen sollte.

FĂŒr mich sind soziale Netzwerke noch neu und ich nĂ€here mich an. Vorsichtig. Das versuche ich auch meinen Kindern beizubringen.

Und klar – die sozialen Netzwerke bieten auch jede Menge Vorteile. Einer ist gerade der, der auch problematisch sein kann: Der öffentliche Austausch mit anderen.

Und eine FĂŒlle von Informationen, die man fĂŒr das echte Leben nutzen kann, warten im Internet neben all dem Schrott, den es dort auch gibt. Damit unterscheidet sich das Internet nicht wirklich vom realen Leben.

Der entscheidende Unterschied ist der der Dokumentation – was im Internet gepostet wird, kann man zwar wieder löschen. Ob es damit aus der Welt ist? HĂ€ufig nicht. Denn Informationen werden kopiert, an anderer Stelle wieder eingefĂŒgt.

Auch ich muss lernen, Herrin ĂŒber die Informationen zu bleiben, die ich pflege und die andere ĂŒber mich haben. Das ist eine ganz schön verantwortliche Aufgabe, die ich wie meine Kinder erst gerade lerne.

gabi

Gabis Kolumne

Ich bin in Facebook und es ist spannend

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Guten Tag!

Ladenburg, 11. Oktober 2010. Social Media – soziale Medien. Irgendwie ist das dauernd ein Thema – die Kinder machens schon und seit neuestem auch Gabi – die war erst skeptisch und findet es nun richtig spannend.

Eine gute Bekannte ist fĂŒr ein Jahr nach Amerika gezogen. Bisher haben wir es weder geschafft miteinander zu telefonieren noch zu mailen. Dennoch weiß ich alles ĂŒber sie. Ich weiß, was sie am letzten Wochenende gemacht hat und dass sie endlich den Mann ihrer TrĂ€ume gefunden hat.

Sie fragen sich jetzt sicher woher? Aus dem sozialen Netzwerk Facebook. Das ist das erfolgreichtste Social Media-Angebot der Welt und bald vielleicht wichtiger als Google.

Bislang hatte ich das GefĂŒhl, relativ mĂŒhelos dem Zeitgeist folgen zu können. Ich bin frĂŒh auf die digitale Kamera umgestiegen, benutze seit 1993 email im Beruf und im privaten Bereich gehören die auch schon lange zu meinem Alltag, auch wenn ich das Briefeschreiben lange vermisst habe. SMSen finde ich eine absolut praktische Sache und das Navigationssystem im Auto ist wirklich ne tolle Sache.

Auch das ladenburgblog ist bei Facebook: Die erfolgreichste Social-Media-Plattform der Welt. Zur Zeit kommt gerade der Film "The Social Network" in die Kinos.

So weit, so gut, aber womit ich wirklich Probleme hatte, war das Social Networking im Web.

Wer-kennt-wen, Facbook, Twitter, SchĂŒlerVZ…

Vor zwei Jahren hörte ich im Freundeskreis zum ersten Mal von WKW („Wer kennt wen“). Eine Bekannte war vollends begeistert: „Ich habe jetzt wieder Kontakt zu Freunden aus meiner Schulzeit und habe insgesamt schon ĂŒber 300 Kontakte.“

Und mir wurde schnell klar, viele Kontakte haben ist gut, wer viele Kontakte hat, genießt in diesen Netzwerken ein hohes Ansehen. Auch, wenn ich mich innerlich dagegen wehrte, ein wenig neugierig war ich schon.

Zumal meine Kinder selbstverstĂ€ndlich das SchĂŒlerVZ nutzen und mein Mann von WKW ĂŒber Xing bis zu Facebook in allen Netzwerken vertreten ist und auch fröhlich twittert.

Also meldete ich mich bei WKW an und tatsÀchlich, nach kurzer Zeit tauchten alte Bekannte auf, aber auch welche, die ich nicht kennen oder nicht mehr kennen wollte.

Kaum hatte ich mich ein wenig mit WKW auseinandergesetzt, redeten alle im Bekanntenkreis, und da vor allem die JĂŒngeren von Facebook. Also habe ich mir auch da einen Account angelegt.

Dieser Tage habe ich nun das erste Mal gechattet. Mein Mann war auf GeschÀftsreise und wir hatten ein Chat-Date (kann man das so sagen?)

Aufregender Anfang.

Ich war höllisch aufgeregt, ich saß vorm Computer starrte auf meine Facebook-Seite und wartete darauf, dass ein grĂŒner Punkt mit seinem Namen erschien.

Es erfolgte ein „Pling“ und es erschien „Hallo Schatz -€©.“

Schon nach kurzer Zeit war mir klar, die Antworten und Fragen mĂŒssen kurz und schnell ausfallen, damit eine vernĂŒnftige(?) Kommunikation stattfinden kann. Bastelt man zu lange an dem Response ist das Thema beim Chat-Partner vielleicht schon wieder durch.

Mit dieser neuen Erfahrung nahm ich auch mutig das Chat-Angebot eines Bekannten an, der sich plötzlich mit dem „Pling“ und einem „Hi-€©“ meldete. Diesmal ging es schon leichter.

Verstehen? Einfach drauf los und siehe da, es klappt.

Der nĂ€chste Schritt war das Kommentieren von EintrĂ€gen und Bildern. Eindeutig Neuland fĂŒr mich.

Ich versuchte System und Form zu verstehen. Hoffnungslos! Also einfach drauf los. Und siehe da, es klappte und machte Spaß. Und wie von allein wird das Netz immer engmaschiger, das heißt es kommen neue Freundschaftsanfragen hinzu. Man wird schnell aufgenommen in der Community der Kommentierenden. Man ist „on“.

Werden wir uns zukĂŒnftig also immer mehr in den Sozialen Netzwerken bewegen, hier unsere Freunde besuchen, an ihrem Leben teilnehmen. Durch Anklicken unseren Freundeskreis erweitern und beim Chatten unsere Probleme besprechen.

Ich muss zugeben, meine Meinung schwankt: Hatte ich vor kurzem diese virtuelle Welt noch verdammt, verstehe ich langsam auch als Bereicherung. Aber nicht als Ersatz fĂŒr echte soziale Netzwerke.

Anmerkung der Redaktion: Sie finden uns bei Facebook unter Redaktion ladenburgblog.