Donnerstag, 21. November 2019

Aktuelles zur Diskussion ├╝ber die Einf├╝hrung der Gemeinschaftsschule

Individualit├Ąt vs. Einheitsbrei

Informationen zur Gemeinschaftsschule in Baden-W├╝rttemberg auf den Seiten des Kultusministeriums: http://www.kultusportal-bw.de

Baden-W├╝rttemberg, 14. M├Ąrz 2012. (red/jh) Zum Schuljahr 2012/13 wird es in Baden-W├╝rttemberg landesweit die ersten Gemeinschaftsschulen geben – wenn der Landtag dem Gesetzentwurf der gr├╝n-roten Landesregierung im April zustimmt. Die nicht mehr durchgef├╝hrte fr├╝hzeitige Selektion durch l├Ąngeres gemeinsames Lernen soll sozial gerechter sein und f├╝r bessere Leistungen der Sch├╝ler sorgen, so die Landesregierung. Die Opposition sieht das anders und ist stolz auf das aktuelle Schulsystem im Land.

Von Julian Heck

Sp├Ątestens seitdem sich das Kabinett im Dezember letzten Jahres auf einen Gesetzentwurf zur Einf├╝hrung von Gemeinschaftsschulen in Baden-W├╝rttemberg geeinigt und dieses Papier der ├ľffentlichkeit vorgestellt hat, wird heftig dar├╝ber diskutiert. Die Landesregierung, die seit der letzten Wahl im M├Ąrz 2011 aus den Gr├╝nen und der SPD besteht, ist ├╝berzeugt von der Schulreform, wohingegen insbesondere die CDU dieser sehr kritisch gegen├╝ber steht.

Das neue Konzept und seine Vorteile

Mit der Einf├╝hrung von Gemeinschaftsschulen h├Ątte man in Baden-W├╝rttemberg ein Schulsystem, wie es gegens├Ątzlicher zum momentanen System nicht sein k├Ânnte. Das Konzept der Gemeinschaftsschule sieht vor, von Klasse 5 bis 10 und eventuell sogar schon ab der ersten Klasse gemeinsam unterrichtet zu werden. Eine Gliederung in Haupt-, Real- und Sonderschulen sowie in Gymnasien w├╝rde entfallen. Auch eine Unterteilung in einzelnen F├Ąchern in Kurse mit unterschiedlichem Niveau w├Ąre nicht der Fall.

Stattdessen soll es f├╝r die Sch├╝ler der Gemeinschaftsschule – auch solche mit Behinderung (Stichwort Inklusion) – individuelle F├Ârder- und Lernpl├Ąne geben. Lehrer sollen in Teams zusammenarbeiten und Eltern in regelm├Ą├čigem Kontakt mit diesen stehen. Auf den Gemeinschaftsschulen k├Ânnten alle bisherigen Bildungsabschl├╝sse erreicht werden. Zur Umsetzung w├╝rde das Land entsprechende finanzielle Mittel zur Verf├╝gung stellen, um vor allem die personellen Ressourcen f├╝r eine individuelle F├Ârderung gew├Ąhrleisten zu k├Ânnen.

Zu schnell und zu gr├╝n-rot

Die Opposition ist von der geplanten Schulreform nicht begeistert. Zu schnell seien Starterschulen bestimmt worden, noch bevor der Gesetzentwurf zum Gesetz wird. Ungekl├Ąrte Rahmenbedingungen wie notwendige R├Ąumlichkeiten und die Finanzierung komplettieren f├╝r die CDU das Bild des ├ťberhastens.

Gr├╝n-Rot zieht bildungsideologisches Lieblingskind im Schweinsgalopp durch.

Das war die ├ťberschrift der Pressemitteilung, die der CDU-Landesverband Baden-W├╝rttemberg noch am gleichen Tag ver├Âffentlichte, an dem die Landesregierung den Gesetzentwurf verabschiedet hat. Die Entscheidung sei ├╝berhastet, undurchdacht und nicht nachvollziehbar. Statt ein neues Schulsystem einzuf├╝hren, solle man nach Aussagen der CDU besser das jetzige „erfolgreiche differenzierte Bildungssystem gezielt weiterentwickeln“. Konkrte Vorschl├Ąge, was „gezielt“ bedeutet, macht die CDU allerdings nicht.

Zu exklusiv

Stark kritisiert wird von der CDU die Benachteiligung der anderen Schulformen gegen├╝ber der neuen Gemeinschaftsschule. So soll bei der letzteren die H├Âchstgrenze von Sch├╝lern pro Klasse – der sogenannte Klassenteiler – gesenkt werden. Dies sei nicht gerecht. Die anderen Schulformen d├╝rften nicht hinten dran stehen. Au├čerdem ist f├╝r die individuelle F├Ârderung zus├Ątzliches Personal notwendig, darunter Lehrpersonal und Schulsozialarbeiter. Damit habe die Gemeinschaftsschule eine Exklusivit├Ąt, womit etwa die Haupt- und Realschulen das Nachsehen h├Ątten.

Zu belastend

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begr├╝├čte den Vorschlag der Landesregierung zur Einf├╝hrung von Gemeinschaftsschulen:

Das ist ein historischer Moment f├╝r Baden-W├╝rttemberg.

Trotzdem zeigte sich die GEW entt├Ąuscht dar├╝ber, welche Ressourcen die ersten Gemeinschaftsschulen bekommen und fordert h├Âhere Investitionen. Lehrer seien mit ihrer Stundenzahl ├╝berbelastet und die zus├Ątzlichen zwei Stunden f├╝r jede Gemeinschaftsschulklasse w├╝rden nicht ausreichen. Insgesamt freut sich die GEW jedoch ├╝ber diese Entwicklung und w├╝nscht sich eine schrittweise R├╝ckstufung des differenzierten Schulsystems und die Verbreitung der Gemeinschaftsschule im ganzen Land.

Beschlussfassung im April

Ob der Gesetzentwurf, wie er momentan vorliegt, vom Landtag verabschiedet wird, bleibt abzuwarten. Es ist zwar damit zu rechnen, dass die CDU dagegen stimmen wird. Aufgrund der Mehrheiten ist aber davon auszugehen, dass die ersten 34 „Starterschulen“ im n├Ąchsten Schuljahr an den Start gehen werden.

Landtagswahl 2011: Wen w├Ąhlen?


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 17. Januar 2011. Am 27. M├Ąrz 2011 sind Landtagswahlen in Baden-W├╝rttemberg. Der Wahlkampf ist noch nicht richtig und doch schon seit Wochen schon im Gange – die Aktivit├Ąten der Kandidaten nehmen zu. F├╝r unsere redaktionellen Angebote ist es der erste Landtagswahlkampf, den wir ab heute „er├Âffnen“.

Von Hardy Prothmann

Unser Fokus wird auf dem Wahlkreis 39 Weinheim liegen, da wir hier vier lokale Angebote unterhalten: heddesheimblog, hirschbergblog, ladenburgblog und weinheimblog.

Sofern m├Âglich, werden wir auch benachbarte Wahlkreise beobachten – Sie, liebe Leserinnen und Leser sehen es uns aber nach, dass man aus dem Stand heraus nicht alles leisten kann.

Die Kandidaten.

Was wir leisten wollen, ist eine umfassende Berichterstattung zu den Kandidaten Georg Wacker (CDU), Gerhard Kleinb├Âck (SPD), Hans-Ulrich Sckerl (B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen), Dr. Birgit Arnold (FDP) und Matthias H├Ârdt (Die Linke). Diese Kandidaten vertreten die Parteien, die voraussichtlich im Landtag vertreten sein werden – sicher sind CDU, B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen. FDP und Die Linke m├╝ssen k├Ąmpfen.

Insgesamt haben 15 Parteien Wahlvorschl├Ąge unterbreitet. Diese konnten ab dem 10. Februar 2010 und k├Ânnen bis zum kommenden 27. Januar 2011 beim zust├Ąndigen Kreiswahlleiter eingereicht werden. Der Kreiswahlausschuss entscheidet am 01. Februar 2011 ├╝ber die Zulassung der Kandidaten und Ersatzkandidaten.

Podiumsdiskussion in Hirschberg an der Bergstra├če.

Unsere Empfehlung f├╝r politisch interessierte Menschen ist die Podiumsdiskussion auf Einladung der freien W├Ąhler Hirschberg im Feuerwehrhaus Hirschberg-Gro├čsachsen am heutigen 17. Januar 2011 (siehe Termine).

Vier Kandidaten treten an, Matthias H├Ârdt fehlt. Wurde er nicht eingeladen? Wenn nicht, warum nicht? Immerhin liegen die FDP und Die Linke mit vier Prozent in einer aktuellen Emnidumfrage gleich gut (oder schlecht) im Rennen.

Die Wahlumfragen zur Landtagswahl. Quelle: Landeszentrale f├╝r politische Bildung.

Bei der Diskussion wird es schwerpunktm├Ą├čig um Stuttgart21 und Bildung gehen. Die Top-Themen im Wahlkampf.

Wir werden die Kandidaten vorstellen, ├╝ber Termine berichten, Hintergr├╝nde darstellen und viele ├╝berraschende Berichte bringen, die Sie garantiert so nicht in der Zeitung finden.

Machen Sie mit!

Und wir freuen uns darauf, wenn Sie mitmachen. Sie k├Ânnen unsere Artikel kommentieren und Leserbriefe schreiben. Sie k├Ânnen uns Hinweise darauf geben, was Sie gerne noch wissen m├Âchten oder was Sie wissen und uns zukommen lassen m├Âchten.

Wir berichten garantiert unabh├Ąngig und ├╝berparteilich – auch das anders als viele Zeitungen, Privatsender und das leider durch Parteiengeschacher im Hintergrund nicht immer glaubw├╝rdige ├Âffentlich-rechtliche Rundfunksystem.

Wie interessant solche Berichte sein k├Ânnen, hat das hirschbergblog am 25. Oktober 2010 gezeigt. Unser Bericht ├╝ber Peter Hauk, Fraktionsvorsitzender der CDU im Stuttgarter Landtag, ist der ungeschlagene Spitzenreiter, was die Zugriffe angeht. Innerhalb von drei Tagen interessierten sich ├╝ber 26.000 Menschen daf├╝r – mit Kommentaren aus Moskau, London und der T├╝rkei. Das ist eben das Internet ­čÖé

CDU-Spitzenpolitiker Peter Hauk: ÔÇťOb das 10 oder 15 Milliarden kostet, kann Baden-W├╝rttemberg wurscht sein.-ÔéČ┬Ł

Und dieser Wahlkampf und letztlich die Landtagswahl 2011 versprechen spannend wie nie zu werden. In Umfragen war die CDU ├╝ber zehn Prozent auf nur noch 34 Prozent im Herbst 2010 abgest├╝rzt. Nach der Schlichtung hat sie sich angeblich wieder auf ├╝ber 40 Prozent „erholt“ und w├╝rde nur drei Prozentpunkte verlieren.

Spannende Wahl.

Umgekehrt haben die Gr├╝nen mit 32 Prozent eine noch nie dagewesene Prognose erhalten und sollen nun bei 29 Prozent stehen, was immer noch ein sensationeller Erfolg von plus siebzehn Prozentpunkten w├Ąre.

Spannend wird sein, ob die Gr├╝nen die SPD als zweitst├Ąrkste Kraft abl├Âsen. Bis zu sechs Prozentpunkte und nur noch 19 Prozent ist die Partei teils in den Umfragen abgefallen.

Und auch spannend wird sein, ob die FDP und Die Linke es ins Parlament schaffen. Die FDP kam zuletzt auf vier Prozent – die aktuellen Debatten um Herrn Westerwelle und den Zustand der Partei d├╝rften nicht st├Ąrkend gewirkt haben. Auch Die Linke hat aktuell ein Problem mit der Debatte um „Kommunismus“. Beide Parteien m├╝ssen die „f├╝nf-Prozent-H├╝rde“ rei├čen, sonst sind sie nicht im Landtag vertreten.

Die restlichen elf Parteien schaffen bislang zusammen nur drei Prozent – zu wenig, um auch nur den Hauch einer Chance zu haben. Au├čer vielleicht irgendwo einem Direktmandat.

Allerdings ist die letzte emnid-Umfrage vom 19. Dezember 2010 und alle Umfragen werden sich am 27. M├Ąrz 2011 der Wahrheit stellen m├╝ssen, denn dann wird ausgez├Ąhlt und sp├Ątestens ein, zwei Tage sp├Ąter d├╝rfte das amtlich-festgestellt Endergebnis vorliegen.

Es wird also spannend werden und wir werden Sie exklusiv, hintergr├╝ndig und meinungsfreudig informieren.