Dienstag, 21. August 2018

Sonderschulpflicht soll im nÀchsten Schuljahr fallen

Sckerl: „Noch weit von Inklusion entfernt“

Ladenburg/Rhein-Neckar, 03. Dezember 2014. (red/ld) Die Landesregierung strebt an, die Inklusion von Kindern mit Behinderungen an Schulen voranzutreiben. DafĂŒr ist fĂŒr das kommende Jahr eine Änderung des Schulgesetzes vorgesehen, die bereits im nĂ€chsten Schuljahr greifen soll. SonderschulpĂ€dagogen stehen diesen PlĂ€nen kritisch gegenĂŒber. Ebenso Eltern von Kindern mit Behinderung. Am Dienstag kamen diese mit dem Landtagsabgeordneten Hans-Ulrich Sckerl (GrĂŒne) zu einer Diskussionsrunde im Ladenburger Domhof zusammen. Dazu hatte der Ladenburger Ortsverband von BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen eingeladen. [Weiterlesen…]

Freiwilligentag am 20. September

Ladenburg „schafft was“

Ladenburg, 07. Juli 2014. (red/pm) Die Stadtverwaltung Ladenburg ruft am 20. September zum vierten Mal zur Beteiligung am Freiwilligentag der Metropolregion auf. [Weiterlesen…]

Bereits ĂŒber 30 FĂ€lle

Falscher Spendensammler weiter auf Diebestour

Mannheim/Weinheim/Edingen-Neckarhausen/Ketsch/Ludwigshafen/Rhein-Neckar, 01. Juli 2014. (red/pol) Nach wie vor in der Region aktiv ist ein illegaler Spendensammler, der vorgibt, im Auftrag einer Mannheimer Schule Spenden zu sammeln. [Weiterlesen…]

Geheime Noten fĂŒr die Schulen

Rhein-Neckar, 09. Mai 2014. (red/ld) Halten Schulen, was sie in ihren Leitbildern versprechen? Das untersuchen 90 Mitarbeiter des Landesinstituts fĂŒr Schulentwicklung in Baden-WĂŒrttemberg im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Fremdevaluation. Die Ergebnisse veröffentlicht das Kultusministerium aber nicht – um ein Schulranking zu vermeiden. [Weiterlesen…]

Schule erringt bei Fremdevaluation Spitzenergebnisse

Astrid-Lindgren-Schule landesweit unter den besten drei Prozent

Ladenburg, 06. Februar 2014. (red/jsc) Die Astrid-Lindgren-Schule hat bei einer „Fremdevaluation“ herausragende Bewertungen bekommen. Mit diesen rangiert die Ladenburger Schule im oberen Drittel aller Schulen in Baden-WĂŒrttemberg, sagt Schulleiterin Monika Maier. Sie forderte den Gemeinderat dennoch dazu auf, Gelder fĂŒr die Schulsozialarbeit bereitzustellen. [Weiterlesen…]

AsylcafĂ© bietet Gelegenheit fĂŒr Begegnung

ÜberwĂ€ltigende Hilfsbereitschaft

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Ladenburg, 26. September 2013. (red/ld) 180 Asylbewerber sind derzeit in der alten Martinsschule untergebracht. Die Zimmer sind voll belegt. Seit dieser Woche erhalten die Kinder ab sechs Jahren Sprachförderung in KindergĂ€rten, in der Dalbergschule und der Werkrealschule Unterer Neckar. Auch die Erwachsenen lernen Deutsch und erhalten viel UnterstĂŒtzung von der Ladenburger Bevölkerung. Um Begegnungen zwischen den Asylbewerbern und der ĂŒbrigen Bevölkerung zu erleichtern, findet morgen ab 15:00 Uhr ein AsylcafĂ© in der Martinsschule statt. [Weiterlesen…]

Unglaubliche Strapazen, gestorbene Kinder, Todesangst und Ablehnung - FlĂŒchtlinge berichten

„Wenn wir zurĂŒck mĂŒssen, sind wir verloren“

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Ladenburg/Rhein-Neckar, 19. August 2013. (red/ch/pro) Seit Anfang August sind in der Ladenburger alten Martinsschule 100 Asylbewerber untergebracht. Bis Ende August werden es 160 sein. Die Vertreter des Landratsamtes tun laut Landrat Stefan Dallinger „alles um dem Andrang der FlĂŒchtlinge Herr zu werden.“ Doch so wirklich interessiert ist man an dem Schicksal der Asylbewerber offenbar nicht. Wir haben dank der Hilfe zweier Übersetzer am vergangenen Freitag mit einigen von ihnen gesprochen. Eine MĂŒhe, die sich die Behörden bislang noch nicht gemacht haben. Auch in die Schule dĂŒrfen die Kinder nach heutigen Stand nicht – obwohl es auch fĂŒr die Kinder der FlĂŒchtlinge eigentlich eine Schulpflicht gibt. [Weiterlesen…]

Auch Quartiermanager Kurt W. Zepf und seine Helfer sind zufrieden.

„Super und voll toll“: Turnfest-GĂ€ste von Unterkunft begeistert!

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Carla, Caro und Melli aus Landshut finden die Unterkunft in Landeburg „super“! Daumen hoch!

 

Ladenburg, 23. Mai 2013. Halbzeit des Internationalen Deutschen Turnfest in der Metropolregion Rhein-Neckar. Zeit, neben den Highlights des Veranstaltungskalenders, auch mal den Hintergrund-Check zu machen. Das Turnfest zieht Besucher und Teilnehmer aus ganz Deutschland an. Die natĂŒrlich auch irgendwo untergebracht werden mĂŒssen. Bis zu 620 GĂ€ste beherbergt die Stadt derzeit in der Merian-Realschule und dem Carl-Benz-Gymnasium. Kein leichter Job fĂŒr Quartiermanager Kurt W. Zepf und seine 130 Helfer. Doch die MĂŒhe lohnt sich: Die Besucher sind Ă€ußerst zufrieden. [Weiterlesen…]

Girls' Day 2013

35 MĂ€dchen beim Technischen Hilfswerk

Ladenburg, 25. April 2013. (red/ld) Zum zweiten Mal war das THW Ladenburg beim Girls‘ Day dabei. An fĂŒnf Stationen konnten 35 MĂ€dchen aus Ladenburger Schulen ausprobieren, wie man mit einem Generator Strom erzeugt, eine Wasserpumpe bedient oder mit hydraulischem RettungsgerĂ€t umgeht. Seit 13 Jahren versucht der Girls‘ Day, MĂ€dchen fĂŒr klassische MĂ€nnerberufe zu begeistern. „Wir waren ĂŒberrascht und erfreut, wie groß die Resonanz war“, sagt Stefan Lubienetzki vom THW. [Weiterlesen…]

AuffĂŒhrung der Theater-AG des CBG

Das fliegende Klassenzimmer

Ladenburg, 24. April 2013. (red/pm) Die Theater-AG der 6. Jahrgangsstufe des Carl-Benz-Gymnasiums in Ladenburg fĂŒhrt nach harter Arbeit am 03. und am 04. Mai um 18.30 Uhr in der Aula das StĂŒck „Das fliegende Klassenzimmer“ auf. [Weiterlesen…]

Geprothmannt: Schulpolitik muss zukunftsorientiert debattiert werden

Die Ganztagesschule muss kommen – aber sie ist trotzdem ein Problem

Rhein-Neckar, 01. Oktober 2012. (red) Alles schön und gut. Die Forderung nach einer Ganztagesschule ist richtig, aber trotzdem problematisch. Aktuell wurde im Ladenburger Gemeinderat ĂŒber die EinfĂŒhrung der Ganztagesschule an der dortigen Werkrealschule diskutiert – aber die Debatte wird auch in anderen Gemeinden unseres Einzugsgebiet laufen. Und vermutlich StĂŒckwerk bleiben. Weil immer nur kurzfristig geplant wird und niemand den Mut aufbringt, mal zehn oder sogar 20 Jahre nach vorne zu schauen. Oder auch mal zurĂŒck.

Kommentar: Hardy Prothmann

Dieser Beitrag kommt ohne Zahlen aus, weil es nicht um Erbsen zÀhlen gehen soll, sondern um einen Aufruf zu einer weitsichtigen Debatte, die leider nicht stattfindet.

Baden-WĂŒrttemberg ist unbestritten ein guter Schulstandort. Aber die Zeiten Ă€ndern sich. Mit ihnen die Menschen und die Bedingungen, unter denen sie miteiander leben. Deswegen beginne ich auch mit einem Sprung zurĂŒck.

Ich bin 1966 geboren und bin nach der vierten Klasse in Frankenthal aufs Gymnasium gegangen. Mit ein paar Freunden. Andere Freunde wechselten auf die Reals- oder Hauptschule. FĂŒr die Freundschaften war das weitgehend unbedeutend. Um 13:00 Uhr lĂ€utete es, ich war um 14:00 Uhr mit Essen und meist auch mit Hausaufgaben fertig, spĂ€testens um drei ging es raus: Kicken, Rad fahren, Schwimmen gehen, Blödsinn machen, Vereinstraining. Mit meinen Freunden und anderen Kindern. Beim Abendessen war ich oft todmĂŒde, weil ausgepowert.

Gemeinsamkeit

Mit einigen meiner Freunde bin ich unabhĂ€ngig vom Schulabschluss und der spĂ€teren beruflichen „Laufbahn“ immer noch gut befreundet. Die einen arbeiten als Handwerker, andere in Heilberufen ohne Ärzte zu sein, es gibt HĂ€ndler und Dienstleister unter ihnen. Alles feine Leute, die teils mal richtig ordentlich mehr Geld verdienen als ich. Und die oft um einiges weniger arrogant sind als die, die sich fĂŒr die Elite halten.

Überhaupt diese ganze leidige Elitendiskussion: Wenn ich einem Kumpel einen französischen Text ĂŒbersetzt habe oder die Inschriften auf alten DenkmĂ€lern lesen und verstehen konnte, wusste ich, dass ich mehr weiß als mein Hauptschulfreund. Na und? DafĂŒr konnte der flitzeflink spĂ€ter Maße und Winkel berechnen, wusste immer, wo gerade die besten Preise fĂŒr was auch immer waren. Das ergĂ€nzt sich bis heute.

Zusammen, statt getrennt

Hardy Prothmann (45) fordert mehr Weitblick bei der Schulpolitik.

Damit bin ich beim Kern der Debatte: Vor meiner Zeit wurden Jungs und MĂ€dchen getrennt. Auch zu meiner Zeit wurden wir Kinder getrennt. Gemeinsames Lernen gab es nicht. Aber wir hatten neben der Schule viel Zeit fĂŒr Gemeinschaft. Heute werden die Kinder auch getrennt, aber durch die Lebenssituation vieler Eltern brauchen sie eine lĂ€ngere Betreuung. Sicher sind auch die Anforderungen in der Schule gestiegen, also auch lĂ€nger Schule.

Ich habe zwei Kinder. Der Sohn hat gerade nach dem achtjĂ€hrigen Gymnasium Abitur gemacht, die Tochter besucht die 8. Klasse. Die kennen keine Haupt- und RealschĂŒler mehr. Nicht wegen Elitegedanken – ich achte drauf, dass sie bewusst bescheiden bleiben -, sondern weil sie keine Zeit haben. Morgens um sechs Uhr aufstehen, Schule bis um 16-17:00 Uhr. Dann noch Hausaufgaben machen, lernen, etwas Sport und etwas Musik. Damit ist der Tag rum. Ab und an treffen sich „beste Freundinnen“ und das ist natĂŒrlich jemand aus der Klasse. Andere Kinder bekommen sie ja nicht zu Gesicht.

Diese Trennung der Kinder fĂŒhrt auch irgendwann zu einer Trennung der Gesellschaft. Gymnasiasten wissen nicht wie RealschĂŒler ticken und die nicht, wie HauptschĂŒler so als Menschen sind. Falsche Elitendebatten fĂŒhren zu falschen Selbstbildern bei den „Besten“ wie bei denen, die es „halt nicht geschafft haben“. Und vor allem CDU, SPD und FDP heißen diese heillosen Debatten auch noch an. Christliche Verbundenheit, soziales Miteinander oder freies FĂŒreinander fĂ€llt diesen „politischen Eliten“ nicht mehr ein. Und umgekehrt kriegen die GrĂŒnen Pickel, wenn jemand Elite sagt, obwohl man die ganz sicher ebenso braucht wie den soliden Handwerker.

Der Schultyp der Zukunft, der auch den Gemeinsinn der Menschen stĂ€rkt und der gesellschaftlichen Situation Rechnung trĂ€gt ist die gemeinsame Ganztagsschule. Damit die nachwachsenden Generationen auch fĂ€hig sind, gemeinschaftlich zu denken. Und ĂŒbereinander Bescheid wissen. NatĂŒrlich gehört auch Inklusion dazu.

Und man muss die Sportvereine in die VerÀnderungen ebenso mit einbeziehen wie Musikschulen. Wenn die Ganztags-Werkrealschule kommt, werden die Vereine erneut Kinder und Jugendliche verlieren. Ganz einfach aus dem Grund, dass nicht alle auf ein Mal im Zeitfenster 17:00-19:00 Uhr auf demselben Platz kicken oder diesselbe Halle belegen können.

Alle mĂŒssen zusammenrĂŒcken

FrĂŒher ging man nach der Schule in den Sportverein. „Nach der Schule“ ist heute spĂ€ter Nachmittag oder frĂŒher Abend. Also mĂŒssen die Vereine in die Schulen, ebenso die Musikschulen.

Das wird ein gewaltiger Umbau – denn dafĂŒr muss vieles neu gedacht werden. Von GebĂ€uden, ĂŒber PlĂ€tze, ĂŒber Mittel bis hin zur Organisation. In vielen Gemeinden reichen die HallenkapazitĂ€ten nicht mehr aus. Nicht weil die von morgens bis abens belegt sind, sondern weil immer mehr Anspruch auf diesselben Zeitfenster erheben. Wo soll das hinfĂŒhren? Dass jeder 10.000-Einwohner Ort vier Hallen und zwei KunstrasenplĂ€tze hat?

Man muss nicht nur gesellschaftlich die Schulen neu denken, sondern auch wirtschaftlich. Denn bekanntlich fehlt es an Geld zur Unterhaltun und es wird weniger Kinder geben. Ob man sich diesen Luxus, drei Schulsysteme mit entsprechenden Verwaltungen noch wird leisten können, ist heute schon fraglich. Hinzu kommt der SchĂŒlerverkehr, denn die wenigstens laufen nach der Grundschule in eine weiterfĂŒhrende Schule.

Was die HauptschĂŒler schon mitmachen mussten, Zusammenlegungen, Werkrealschulreform, erneute Zusammenlegung, jetzt Ganztagsschule wird auch auf die anderen Schultypen zukommen. Gymnasien fĂŒhren teils wieder die 9-jĂ€hrigen ZĂŒge nach der G8-Reform ein oder bieten beide ZĂŒge an. Die Realschulen haben „Sorge“, dass ihre „HomogenitĂ€t“ durch HauptschĂŒler gestört wird, da der Wegfall der Schulempfehlung nun Kindern die Realschule erlaubt, die sonst auf der Hauptschule gelandet wĂ€ren. Und die Hauptschulen, neudeutsch Werkrealschulen, mĂŒssen bangen, ob sie ĂŒberleben können.

Man könnte das Durcheinander auch als „lebendig“ bezeichnen. TatsĂ€chlich weiß ich aus vielen GesprĂ€che mit Eltern und Kindern, dass es als chaotisch begriffen wird. Eine „neue Ordnung“ kann nicht mehr Schaden anrichten als das verkorkste Herumexperimentieren der vergangenen Jahre.

Stadt will handeln

Angriff auf die Sauf-Parties

Bier, Wein, Schnaps - es wurde ordentlich gekippt rund ums Drachenboot-Festival. Die Stadt will dagegen vorgehen. Wie, ist noch unklar.

 

Ladenburg, 20. Juli 2012. (red) Hinter den Kulissen gibt es Bewegung – eine „gezwungene“. Die haltlosen Sauf-Parties auf SchulgelĂ€nde, SpielplĂ€tzen oder anderen Orten im Umfeld des Drachenboot-Festivals sollen kĂŒnftig nicht mehr geduldet werden. Wie man die negative Entwicklung stoppen kann, ist unklar – dass die Entwicklung negativ ist, nicht.

Von Hardy Prothmann

Nach uns vorliegenden Informationen ist die Stadt, respektive BĂŒrgermeister Rainer Ziegler, entschlossen zu handeln. Die Vorkommnisse rund um das Drachenbootfestival hĂ€tten sich in den vergangenen Jahren zunehmend negativ entwickelt.

Strategien gegen das jugendliche Saufen

Die Stadt plant, das Netzwerk der in der Jugendarbeit Beteiligten „zusammenzurufen, um ĂŒber Strategien“ zu beraten. Stadt, SozialpĂ€dagogen, Jugendgemeinderat und Polizei sowie Schulen und Lehrer sollen hier gemeinsam „Lösungen entwickeln“.

Auf Anfrage Ă€ußert sich BĂŒrgermeister Rainer Ziegler, dass „man das Thema nicht dramatisieren muss“. „Alkoholkonsum von Jugendlichen“ sei „prĂ€sent“ – allerdings nicht in der „jetzt erlebten Dimension“.

Klar ist: Bei der Masse von Teilnehmern an den Sauf-Parties kamen viele von „außerhalb“. Uns liegen Informationen vor, nach denen auch viele Ladenburger Jugendliche, die teils engagierte Positionen innerhalb der Jugend einnehmen, ebenfalls beteiligt waren.

Klar ist auch, dass gerade diese „engagierten Personen“ ĂŒberhaupt kein Interesse haben, erkannt zu werden – wĂŒrde das doch ein „negatives Bild“ auf sie werfen.

Klar ist noch mehr, dass es eine Zeit der Besinnung im Schatten des besinnungslosen Besaufens geben muss.

Juristische Konsequenzen

Fest steht auch, dass wir im Zuge unserer Berichterstattung mit „juristischen Konsequenzen“ bedroht worden sind. Eltern (darunter ein vorgeblicher „Journalist“) und Sauf-Party-Teilnehmer haben uns zum Löschen von Fotos aufgefordert. Die BegrĂŒndung: Wir hĂ€tten „Persönlichkeitsrechte“ verletzt.

Wir sind dem nachgekommen – nicht in Anerkennung des Vorwurfs -, sondern zur Vermeidung von Rechtsstreitigkeiten und weil unser Anwalt gerade im Urlaub ist und wir nach dessen RĂŒckkehr die Fotos prĂŒfen lassen.

(Anm. d. Red.: Die Betroffenen werden von uns vor einer Veröffentlichung informiert und können also zeitnah eine Unterlassung fordern. Eine „vorbeugende“ Unterlassungsforderung ist nicht „notwendig“ und wird nicht akzeptiert.)

Null Einsicht bei den „Ehrenwerten“

Erstaunlich ist, dass die Abmahner sich mit keinem Wort von der unhaltbaren Tatsache distanziert haben, dass die Beteiligten auf dem GelĂ€nde einer Grundschule fĂŒr Dreck und Scherben gesorgt und ihre Sauf-Utensilien zurĂŒckgelassen haben. Dass es keine Entschuldigung oder irgendeine Äußerung von Bedauern gab, dass man der Stadt und dem Steuerzahler Kosten aufbĂŒrdet und riskiert, dass sich kleine Kinder verletzen oder vielleicht aus einer der „limo-mĂ€ĂŸig-aussehenden“ Alko-Pop-Flaschen ein SchlĂŒcklein wagen. Das interessiert die Abmahner nicht im geringsten. Ihr Eigeninteresse steht vor dem aller anderen. Sie sind Ego-Assis.

Um eins klar zu stellen: Wir reden nicht ĂŒber „sozial-schwache“ Menschen am „Rande der Gesellschaft“, sondern von angeblich „vorbildlichen“ Ladenburger SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern, deren Eltern sich ebenso „vorbildlich“ engagieren und die angeblich selbst „vorbildliche“ Positionen innehaben. Wir reden also von „ehrenwerten“ Teilen der Ladenburger Gesellschaft. Wir reden von Personen, die ein Bild „vorgeben“ und gegen Bilder, die „aufgenommen“ wurden und der „Eigendarstellung“ widersprechen, mit Klage drohen.

Recht brechen – Recht fordern

Also von Leuten, die selbstverstĂ€ndlich „Rechte einfordern“, nachdem sie oder deren Kinder Gesetze, Verordnungen oder einfach nur die „guten Sitten“ einfach missachtet und weggesoffen haben. Irgendeine Form von Schuldbewusstsein, Scham oder VerantwortungsgefĂŒhl gibt es in eigener Sache nicht. Wer das dokumentiert oder danach fragt, wird mit „juristischen Schritten“ bedroht. Die Logik: Auf öffentlichen PlĂ€tzen zu saufen und die Ordnung zu stören ist O.K. – das öffentlich zu dokumentieren ist eine „Persönlichkeitsrechtsverletzung“. Na, denn: Prost. Man „kennt“ also vermeintlich seine „Rechte“.

Haben GrundschĂŒler ein Recht auf einen sauberen Hof ohne Scherben und sonstigen Dreck? Hat die Öffentlichkeit ein Recht, sich nicht durch Horden besoffener Jugendlicher verunsichert zu fĂŒhlen?

Offensichtlich ist das gewissen „vorbildlichen“ Mitgliedern der Ladenburger Gesellschaft mehr als egal.

ZwickmĂŒhle oder klarer „Zug“?

Die Drachenbootabteilung des FV 03 muss sich diesem Problem abseits aller „vorbildlichen“ AbsurditĂ€ten stellen. Denn der Verein ist der Veranstalter des Events und in dessen Umfeld „passieren“ diese ĂŒberaus unerfreulichen und fĂŒr den Ruf Ladenburgs schĂ€dlichen „Ereignisse“.

Das hat sicher auch damit zu tun, dass das Drachenboot-Festival immer hĂ€rter auf den Event-Charakter als auf das sportliche Ereignis getrimmt worden ist. Ganz sicher ist der Verein gut beraten, hier „zurĂŒck zu paddeln“, um nicht in „unbefahrbares Wasser“ zu geraten.

Vorbild „Römerman“

Ein Beispiel könnte man sich am Römerman nehmen. Die nach Teilnehmern rund drei Mal grĂ¶ĂŸere Veranstaltung der LSV setzt auf das, was das Vereinsziel ist: Sport. Und zwar von der Jugend an ĂŒber Spitzensport bis hin zu Breitensport.

Dieses noch viel grĂ¶ĂŸere Mega-Event kommt seit Jahren ohne Skandale aus, rĂŒhmt den Ruf der Sportstadt Ladenburg und ist eine durchweg positive Veranstaltung.

Auch hier gibt es eine „Finisher“-Party. Die ist immer gesittet und vollstĂ€ndig unproblematisch. Es gibt keine „Begleit-Sauf-Parties“ und auch wenig Beschwerden ĂŒber „Verkehrs-Assis“.

Der Römerman ist allerdings auch durchweg als vereinsorganisiertes Sport-Event geplant. FĂŒr das Drachenboot-Festival muss man diesen Anspruch im Vergleich in Frage stellen.

Der Arbeitskreis in Sachen „Alkohol-Exzesse“ wird das mit berĂŒcksichtigen mĂŒssen und eins wird klar sein mĂŒssen: Eine Steigerung der aktuellen Entwicklung bedeutet das Aus fĂŒrs Drachenboot-Festival.

Das wÀre zum Kotzen. Aber unausweichlich, wenn zuviel gesoffen wird.

Persönliche Note

Persönlich ist fĂŒr mich klar: Wir sind alle keine Heiligen und sollten die Kirche im Dorf lassen. Jugendliche mĂŒssen sich ausprobieren und ihre Grenzen finden. Ein oder zwei „Bierchen“, mal mehr Wein als gut tut oder auch mal die Grenzen durch Schnapsgenuss kennenzulernen – wer von uns Erwachsenen hat da nicht aus „was zu erzĂ€hlen“?

Es geht aber um Respekt – vor sich selbst und vor anderen. Auf dem Schulhof einer Grundschule, auf SpielplĂ€tzen Scherben und Dreck zu hinterlassen, ist respektlos und unverantwortlich. Und ganz sicher nicht im Sinne von „Erfahrungen sammeln“ zu tolerieren.

Schon gar nicht, wenn 14- und 15-jĂ€hrige Kinder buchstĂ€blich auf der Strecke bleiben und besinnungslos besoffen „eingesammelt“ werden mĂŒssen.

Dann hört der „Spaß“ ganz einfach auf.

Die Vertreter der „ehrenwerten“ Gesellschaft haben wir diesmal nicht benannt – nach dem Motto: „Einen Fehlgriff hat jeder frei“.

FĂŒr die Zukunft ist klar, dass sich die Exzesse nicht mehr wiederholen dĂŒrfen, weil sonst viele Menschen aufgrund der Dummheit von wenigen – und seien sie noch so „ehrenwert“ –  Schaden nehmen.

 

 

 

 

 

Negative Bilanz ums Drachenbootrennen herum

Suff im Schatten des Drachens

Bier, Wein, Schnaps - es wird ordentlich gekippt. Und dass schon im Alter von 14 Jahren. Den Abfall lĂ€sst man zurĂŒck.

 

Ladenburg, 16. Juli 2012. (red) BĂŒrgermeister Rainer Ziegler und Revierleiter Frank Hartmannsgruber sahen sich fast genötigt, heute in einer Pressekonferenz die Öffentlichkeit ĂŒber „unschöne Begleiterscheinungen“ des Drachenbootrennens zu informieren. Jugendlicher Suff, VermĂŒllung und ein „katastrophales Parkverhalten“ haben Stadt und Polizei mehr als verĂ€rgert. Der veranstaltende Verein wurde ausdrĂŒcklich gelobt.

Von Hardy Prothmann

BĂŒrgermeister Rainer Ziegler und Revierleiter Frank Hartmannsgruber sind alles, nur „nicht amĂŒsiert“ ĂŒber die Nacht vom Samstag. Mehrere hundert Jugendliche haben sich zum Saufen rund um das Drachenbootfestival getroffen. Sie hinterließen Abfall und Scherben und insgesamt drei im Alter von 14 und 15 Jahre auch die Sinne: Die Kinder wurde bewußtlos auf der Straße gefunden und musste von der DLRG erstversorgt werden.

Das erfĂŒllt uns mit Sorge – nicht der sportliche Verlauf und das Event an sich. Wir sind alle miteinander erschrocken ĂŒber die Entwicklung, weil viele, viele Jugendliche volltrunken angetroffen worden sind. Das hat uns bedrĂŒckt. Die letzten zwei bis drei Jahre hat sich das ungut entwickelt, jetzt haben wir hier eine Eskalation.

ZugemĂŒllte Grundschule - saufen ohne Sinn und Verstand.

BĂŒrgermeister Rainer Ziegler ist bekannt fĂŒr seine sonst diplomatische Ausdrucksweise. Seine deutlichen Worte sparen nicht mit Kritik – auch an Eltern. Veranstalter, Stadt und Polizei können die Situation allein nicht bewĂ€ltigen. Der ĂŒberwiegende Teil der Jugendlichen kam von außerhalb.

Unschöne Bilanz

Frank Hartsmannsgruber gibt einen droben Überblick: 8 „provokante“ Urinierer wurden verwarnt, also solche, die gesehen werden wollten oder denen alles egal war. Mehrfach wurden Jugendlichen Zigaretten abgenommen und vor allem Alkohol. Zwei 15-JĂ€hrige, ein 16-JĂ€hriger und ein 17-JĂ€hriger waren „hochprozentig“ unterwegs. Irgendein Dummkopf entzĂŒndete Plastikgeschirr unter ein Bank. Auf der EisenbahnbrĂŒcke wurde einem Mann zwei Mal mit der Faust so heftig ins Gesicht geschlagen, dass ein Schneidezahn abgebrochen ist – der TĂ€ter ist bislang unbekannt. LĂ€rmend-randalierende Jugendliche mussten zur Ordnung gerufen werden. Rund 100 Jugendliche hat die Polizei direkt angesprochen – ermahnt und aufgeklĂ€rt. Manche auch direkt die Spuren der Saufexzesse wegrĂ€umen lassen. Frank Hartmannsgruber bilanziert:

In der Vergangenheit habe ich immer wieder den Jugendlichen ein gutes Verhalten attestiert. Hier trifft das Gegenteil zu.

Im Innenhof der Dalberg-Grundschule traf die Polizei auf eine Gruppe von rund 50 Jugendlichen, „die sich mit harten Sachen ordentlich vorgewĂ€rmt haben“. Als die Polizei ankam, rannten viele weg, erst auf „deutliche Anordnungen“ hin, kamen ein paar zurĂŒck und haben aufgerĂ€umt. Es gibt also wenigstens noch so viel Bewusstsein, dass das Verhalten nicht „normal“ ist und Ärger droht.

Dieses Gesamtbild können wir auf Dauer so nicht ertragen.

Als sehr positiv bewerten BĂŒrgmeister Ziegler und Revierleiter Hartmannsgruber den Verlauf der eigentlichen Veranstaltung. Aus Neckarhausen gab es keine einzige Beschwerde, die Beachparty lief sehr fröhlich aber durch Security ĂŒberwacht auch sehr geregelt ab. FrĂŒhzeitige GesprĂ€che mit Anwohner auf beiden Seiten des Neckars haben gewirkt. BĂŒrgermeister Ziegler sagt:

Wir wollen die Vielfalt haben und wollen die Stadt lebendig haben – das ist in unserem Sinne. Das ist ein gute Ausstrahlung nach außen. Aber wir mĂŒssen auf die GesamtvertrĂ€glichkeit achten. Ich bin dankbar, dass die Absprachen mit den 03-ern eingehalten wurden. Was abgestimmt worden ist, wurde so umgesetzt.

„BegleitumstĂ€nde bereiten Sorge“

Man mĂŒsse zwischen Veranstaltung an sich und dem GelĂ€nde außerhalb des eigentlichen Veranstaltungsorts trennen. Nicht der sportliche Verlauf und das Event an sich, sondern die „BegleitumstĂ€nde“ erfĂŒllten den BĂŒrgermeister mit „Sorge“.

Ebenfalls richtig „fuchsig“ zeigt er sich mit dem Parkverhalten der Eventbesucher.

Man stellt sich in die GrĂŒnflĂ€chen, in die Feuerwehrzufahrten. Das Parkverhalten ist eine Katastrophe. Nur wenige nutzen die gut ausgeschilderten Parkmöglichkeiten.

"Unfreiwillig" aufgerÀumte Reste des jugendlichen Saufens.

Es habe einige Abschleppmaßnahmen gegeben. „Wir machen das nicht gern als Gastgeber. Wir haben aber auch einen Anspruch, dass die GĂ€ste sich ordentlich verhalten. Mit diesem Verhalten ĂŒberfordert man uns und lĂ€uft Gefahr, diese Veranstaltungen kaputt zu machen.“

Im kommenden Jahr werde konsequent jeder aufgeschrieben, der falsch parkt. „Wir wollen kein Geld einnehmen – sondern wir mĂŒssen darauf achten, dass die Ordnung außerhalb der FestivitĂ€ten erhalten bleibt.“ Wie frech manche sind, schildert Frank Hartmannsgruber: „Wenn Sie mit einem diskutieren mĂŒssen, der sich vor die Polizeiausfahrt stellt, dann zeigt das ungefĂ€hr, wie verantwortungslos viele unterwegs sind.“

Das ResĂŒmee heißt also: Tolle Veranstaltung der Drachenbootsportler – aber leider viel Ärger außenrum. Auch der Verein wird sich bei Lösungswegen mit einbringen mĂŒssen. Nicht das Event ist der Auslöser fĂŒr diese ZustĂ€nde – aber anlĂ€ĂŸlich des Events finden diese ZustĂ€nde statt. Die schwierige Aufgabe wird sein, das in den Griff zu bekommen. Der sinnlose Suff wirft sonst einen dunklen Schatten auf das Drachenbootfestival.

 

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Edingen: Brand schnell unter Kontrolle

MĂŒlltonnen vor Schule angezĂŒndet

Edingen/Ladenburg, 05. Mai 2012. (red/pol) Die Freiwillige Feuerwehr Edingen und das Polizeirevier Ladenburg wurden am Montagabend in den späten Abendstunden zu einem Brand im Ortsteil Edingen gerufen.

Information der Polizei:

„Unbekannte hatten drei vor einem Schulgebäude stehende Mülltonnen angezündet. Zwar hatten die Floriansjünger das Feuer in kürzester Zeit gelöscht, an den Müllbehältern entstand jedoch Totalschaden.

Durch Verbrennungsrückstände und Ruß wurde auch die Fassade des Schulgebäudes in Mitleidenschaft gezogen.

Der Sachschaden beläuft sich nach derzeitigem Ermittlungsstand auf etwa 1.500 Euro.“

Aktuelles zur Diskussion ĂŒber die EinfĂŒhrung der Gemeinschaftsschule

IndividualitÀt vs. Einheitsbrei

Informationen zur Gemeinschaftsschule in Baden-WĂŒrttemberg auf den Seiten des Kultusministeriums: http://www.kultusportal-bw.de

Baden-WĂŒrttemberg, 14. MĂ€rz 2012. (red/jh) Zum Schuljahr 2012/13 wird es in Baden-WĂŒrttemberg landesweit die ersten Gemeinschaftsschulen geben – wenn der Landtag dem Gesetzentwurf der grĂŒn-roten Landesregierung im April zustimmt. Die nicht mehr durchgefĂŒhrte frĂŒhzeitige Selektion durch lĂ€ngeres gemeinsames Lernen soll sozial gerechter sein und fĂŒr bessere Leistungen der SchĂŒler sorgen, so die Landesregierung. Die Opposition sieht das anders und ist stolz auf das aktuelle Schulsystem im Land.

Von Julian Heck

SpĂ€testens seitdem sich das Kabinett im Dezember letzten Jahres auf einen Gesetzentwurf zur EinfĂŒhrung von Gemeinschaftsschulen in Baden-WĂŒrttemberg geeinigt und dieses Papier der Öffentlichkeit vorgestellt hat, wird heftig darĂŒber diskutiert. Die Landesregierung, die seit der letzten Wahl im MĂ€rz 2011 aus den GrĂŒnen und der SPD besteht, ist ĂŒberzeugt von der Schulreform, wohingegen insbesondere die CDU dieser sehr kritisch gegenĂŒber steht.

Das neue Konzept und seine Vorteile

Mit der EinfĂŒhrung von Gemeinschaftsschulen hĂ€tte man in Baden-WĂŒrttemberg ein Schulsystem, wie es gegensĂ€tzlicher zum momentanen System nicht sein könnte. Das Konzept der Gemeinschaftsschule sieht vor, von Klasse 5 bis 10 und eventuell sogar schon ab der ersten Klasse gemeinsam unterrichtet zu werden. Eine Gliederung in Haupt-, Real- und Sonderschulen sowie in Gymnasien wĂŒrde entfallen. Auch eine Unterteilung in einzelnen FĂ€chern in Kurse mit unterschiedlichem Niveau wĂ€re nicht der Fall.

Stattdessen soll es fĂŒr die SchĂŒler der Gemeinschaftsschule – auch solche mit Behinderung (Stichwort Inklusion) – individuelle Förder- und LernplĂ€ne geben. Lehrer sollen in Teams zusammenarbeiten und Eltern in regelmĂ€ĂŸigem Kontakt mit diesen stehen. Auf den Gemeinschaftsschulen könnten alle bisherigen BildungsabschlĂŒsse erreicht werden. Zur Umsetzung wĂŒrde das Land entsprechende finanzielle Mittel zur VerfĂŒgung stellen, um vor allem die personellen Ressourcen fĂŒr eine individuelle Förderung gewĂ€hrleisten zu können.

Zu schnell und zu grĂŒn-rot

Die Opposition ist von der geplanten Schulreform nicht begeistert. Zu schnell seien Starterschulen bestimmt worden, noch bevor der Gesetzentwurf zum Gesetz wird. UngeklĂ€rte Rahmenbedingungen wie notwendige RĂ€umlichkeiten und die Finanzierung komplettieren fĂŒr die CDU das Bild des Überhastens.

GrĂŒn-Rot zieht bildungsideologisches Lieblingskind im Schweinsgalopp durch.

Das war die Überschrift der Pressemitteilung, die der CDU-Landesverband Baden-WĂŒrttemberg noch am gleichen Tag veröffentlichte, an dem die Landesregierung den Gesetzentwurf verabschiedet hat. Die Entscheidung sei ĂŒberhastet, undurchdacht und nicht nachvollziehbar. Statt ein neues Schulsystem einzufĂŒhren, solle man nach Aussagen der CDU besser das jetzige „erfolgreiche differenzierte Bildungssystem gezielt weiterentwickeln“. Konkrte VorschlĂ€ge, was „gezielt“ bedeutet, macht die CDU allerdings nicht.

Zu exklusiv

Stark kritisiert wird von der CDU die Benachteiligung der anderen Schulformen gegenĂŒber der neuen Gemeinschaftsschule. So soll bei der letzteren die Höchstgrenze von SchĂŒlern pro Klasse – der sogenannte Klassenteiler – gesenkt werden. Dies sei nicht gerecht. Die anderen Schulformen dĂŒrften nicht hinten dran stehen. Außerdem ist fĂŒr die individuelle Förderung zusĂ€tzliches Personal notwendig, darunter Lehrpersonal und Schulsozialarbeiter. Damit habe die Gemeinschaftsschule eine ExklusivitĂ€t, womit etwa die Haupt- und Realschulen das Nachsehen hĂ€tten.

Zu belastend

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrĂŒĂŸte den Vorschlag der Landesregierung zur EinfĂŒhrung von Gemeinschaftsschulen:

Das ist ein historischer Moment fĂŒr Baden-WĂŒrttemberg.

Trotzdem zeigte sich die GEW enttĂ€uscht darĂŒber, welche Ressourcen die ersten Gemeinschaftsschulen bekommen und fordert höhere Investitionen. Lehrer seien mit ihrer Stundenzahl ĂŒberbelastet und die zusĂ€tzlichen zwei Stunden fĂŒr jede Gemeinschaftsschulklasse wĂŒrden nicht ausreichen. Insgesamt freut sich die GEW jedoch ĂŒber diese Entwicklung und wĂŒnscht sich eine schrittweise RĂŒckstufung des differenzierten Schulsystems und die Verbreitung der Gemeinschaftsschule im ganzen Land.

Beschlussfassung im April

Ob der Gesetzentwurf, wie er momentan vorliegt, vom Landtag verabschiedet wird, bleibt abzuwarten. Es ist zwar damit zu rechnen, dass die CDU dagegen stimmen wird. Aufgrund der Mehrheiten ist aber davon auszugehen, dass die ersten 34 „Starterschulen“ im nĂ€chsten Schuljahr an den Start gehen werden.

Information zum Übergang in das Gymnasium

Ladenburg, 24. Februar 2012. (red/pm) FĂŒr die Eltern der 4. Grundschulklassen findet am Dienstag, dem 06.MĂ€rz 2012 um 17:00 Uhr im Carl-Benz-Gymnasium, Realschulstr. 4, in Ladenburg ein Informationsabend statt.

Wochenend-Paten fĂŒr die „Mennekens“ gesucht


Die "Mennekens" suchen Wochenend-Paten. Bild: privat

Ladenburg, 15. September 2011. (red/pm) Der Arbeitskreis „Kinder“ der Zukunftswerkstadt Ladenburg stellt zum Einschulungstermin wieder die „Mennekens“ auf, die Autofahrer zur RĂŒcksichtnahme fĂŒr unsere jĂŒngsten Schulkinder auffordern möchten.

Die Ladenburger „Mennekens“ suchen ab dem 17.September 2011 fĂŒr die kommenden 6 Wochenenden Unterschlupf in einer Garage, Schuppen oder Kinderzimmer!

Leider wurden die letzen Jahre einige der 30 vorhandenen Figuren durch Vandalismus zerstört. Dies geschah hauptsĂ€chlich an den Wochenenden, so dass der AK Kinder nun fĂŒr die kommenden 6 Wochenenden Paten sucht, die Freitagsabends das Menneken vom StĂ€nder abmontieren um es MontagsfrĂŒh wieder aufzustellen.

Die schweren BarkenfĂŒĂŸe mit StĂ€nder bleiben an der Straße stehen.

Der Arbeitskreis Kinder und die Stadtverwaltung hoffen somit in diesem Jahr, mehr Mennekens vor SchĂ€den zu retten, als es ihnen in den letzen Jahren geglĂŒckt ist.

Die Mennekens werden wieder an den gleichen, bewÀhrten Standorten, wie in den letzten Jahren aufgestellt.
Ansprechperson fĂŒr eine Patenschaft und weitere Informationen ist

Frau Britta Kautz, Tel: 0170-9193339.

Klasse Vorstellung – Zirkus Meriano begeistert


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Akrobatik, Team-Leistung, Spaß und Spannung - Zirkus Meriano ist ein "klasse Projekt".

Ladenburg, 21. Mai 2011. (red) Eine Woche Training – eine Woche mal was anderes als Mathe, Englisch, Deutsch oder Erdkunde – und heraus kommt ein großer Spaß, eine beeindruckende Leistung. Die vier siebten Klassen der Merian-Realschule haben gestern in der Lobdengauhalle gezeigt, wie das ist, wenn sie „Zirkus machen“.

Von Hardy Prothmann

Nach rund eineinhalb Stunden hielt es die GĂ€ste nicht auf den Sitzen: Sie klatschen begeistert und brachten sich in Position fĂŒr Erinnerungsfotos zum Finale, als alle Artisten sich nochmals gemeinsam prĂ€sentierten.

Elf Zirkus-Nummern hatten die 120 SchĂŒlerinnen und SchĂŒler unter Leitung des ZirkuspĂ€dagogen Marcus Kohne in der Zirkus-Woche einstudiert. Durch das Programm fĂŒhrten Kristina Beyer und Lisa Bischoff. Zuvor war durch einen Sponsorenlauf Geld gesammelt worden, um das Projekt zu finanzieren.

Vor allem die „Rauptier-Nummer“ brachte gute Laune – die „aufgeblasene Clown-Party“ startete ein wenig langsam, aber zum Schluss sehr witzig. Eine Reihe von lustigen Gestalten blies gemeinsam das Hirn durch und einen Ballon auf.

Sehr geschickt und mutig zeigten sich viele MĂ€dchen, ob beim Tellerdrehen, Einrad-Fahren, Hochrad-Fahren oder beim „runden Tanz der Farben“, bei dem sie auf großen BĂ€llen balancierten.

Ganz wenige „Nummern“ klappten nicht. Das ist Zirkus. Aber die Fairness, die Anerkennung klappte immer. Es machte viel Spaß zu sehen, wie die 120 SchĂŒlerinnen und SchĂŒler jeder fĂŒr sich „volle Leistung“ brachten und gemeinsam im Team wirkten.

Das ist auch der tiefere Sinn des Zirkusprojekts – sich und mal was anderes auszuprobieren. Wieviel Spaß und Begeisterung das allen brachte, war förmlich zu spĂŒren. Voll konzentriert meisterten die SiebtklĂ€ssler die beeindruckenden AuffĂŒhrungen und das geneigte Publikum – stolze Eltern und Verwandte, aber auch einige, die sich die „Sensation“ anschauen wollten. Schade, dass nur wenige StadtrĂ€te anwesend waren.

Viel Freude mit unseren Fotos:

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„Gegen das Vergessen“ heißt auch hinschauen


Guten Tag!

Ladenburg, 29. Januar 2011. Siebenundreißig Stolpersteine sind verlegt. Als Mahnung, als Erinnerung an die grausame, menschenverachtende Zeit des deutschen Nationalsozialismus, der Millionen Menschen den Tod und den Deutschen Schande gebracht hat. Die BroschĂŒre „Spuren jĂŒdischen Lebens in Ladenburg – Ein Rundgang“ ist ein zusĂ€tzliches Dokument, das die Erinnerung an diese fĂŒrchterliche Zeit wachhĂ€lt. Man will nicht vergessen. Das ist gut so. Man muss sich aber auch der RealitĂ€t stellen. Das ist besser.

Von Hardy Prothmann

Am 16. November 2010 ist hier auf dem ladenburgblog der Text „Hitlerbart und Nazi-Symbole – wie sich ein Teil der CBG-Jugend im Internet auslebt“ erschienen. Dieser Text hat enorme Aufmerksamkeit gefunden und viel Kritik ausgelöst – gegen den Text und gegen mich als Verfasser.

Ich habe allerdings auch sehr viel Zuspruch erfahren. Wie auch immer – bis heute gibt es keine Reaktion von „offizieller Seite“ und das ist mehr als bedauerlich.

Vor allem vor dem Hintergrund des 66. Jahrestags zur Befreiung von Auschwitz und einem offiziellen Festakt, an dem auch das BĂŒndnis „Wir gegen Rechts„, der BĂŒrgermeister und andere Honoratioren sowie rund 80 BĂŒrgerinnen und BĂŒrger der Stadt teilgenommen haben.

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Der 37. Stolperstein fĂŒr Lilli Frankenthal - 1942 in Auschwitz ermordet.

Deswegen nehme ich aus „aktuellem Anlass“ das Thema nochmals auf – wer sich mit Ladenburg, Geschichte, Journalismus, lokalen Medien, meiner Person und dem Thema auseinandersetzen möchte, wird sicherlich an den folgenden Informationen interessiert sein.

„Meine“ Geschichte mit der deutschen Geschichte

Ich bin 1966, also 21 Jahre nach dem Ende des „Dritten Reichs“ geboren.

Im Alter von vierzehn Jahren, also 1980, habe ich das erste Mal vom wirklichen Ausmaß der nationalsozialistischen Diktatur im Sozialkundeunterricht erfahren. In den folgenden Jahren lernte ich alles, was wir darĂŒber lernen mussten.

Aber irgendwann kamen mir Hitler und das Dritte Reich zu den Ohren raus. Nicht nur einmal habe ich gedacht: „Nicht schon wieder.“ Aber der Lehrplan war gnadenlos.

Vor allem die Schuldfrage quÀlte mich. Was hatte ich damit zu tun? Ich war und bin nicht schuld an dem, was passiert ist. Zu keiner Zeit meines Lebens. Auch meine Eltern, 1944 und 1947 geboren, sind frei von jeglicher persönlicher Schuld.

Ich finde alles, was damals passiert ist, grausam, verachtenswert, erschĂŒtternd.

„Witzfigur“ Hitler?

Und es fĂ€llt mir persönlich bis heute schwer zu glauben, dass Adolf Hitler, diese „Witzfigur“, dieser kleine, hĂ€ssliche Mann mit seinem blöden Bart und seiner Ă€tzenden Stimme solch ein Ver“fĂŒhrer“ gewesen sein soll. Irgendetwas „Komisches“ kann ich an diesem Verbrecher bis heute nicht erkennen.

Und ich wusste, Hitler alleine kann nicht fĂŒr alles verantwortlich sein. Auch nicht ein paar mehr oder viele mehr. Es waren sehr, sehr viele Deutsche an den Verbrechen beteiligt.

Adolf Hitler, 1933. Quelle: Bundesarchiv, Bild 146-1990-048-29A / CC-BY-SA

Nach der Schule habe ich Germanistik, Politische Wissenschaften und Philosophie in Mannheim studiert. Und nach und nach verstanden, warum wir SchĂŒler mit dem Thema so „verfolgt“ worden sind. Denn der Geist des Nationalsozialismus, des Antisemitismus, der Fremdenfeindlichkeit war und ist unter uns.

Auch in anderen LÀndern dieser Welt. Das schmÀlert aber in keiner Weise die historische Schuld, die die Bundesrepublik Deutschland zu tragen hat. Das Dritte Reich ist ein Erbe, das man nicht verweigern kann.

Schuldfrage

Wer wie ich als junger Mann denkt: „Was hab ich damit zu tun?“, dem muss man ehrlich antworten: „Ersteinmal nichts.“

Und dann muss man aufklĂ€ren, warum man doch „auch schuldlos“ eine historische Verantwortung trĂ€gt, sich zu dieser bekennen sollte und fĂŒr sich und die Zukunft dafĂŒr sorgt, dass dieser Geist, der damals herrschte, keinen Platz mehr in Deutschland haben sollte.

Sicher: Vergessen und vergeben ist gut, kann aber genauso schĂ€dlich sein. Vor allem dann, wenn man wegschaut. Und vor allem dann, wenn man wegschaut und untĂ€tig bleibt, obwohl man es besser wissen könnte oder andere es besser wissen könnten und einen nicht darĂŒber informieren, was passiert. Angeblich wussten ja auch angeblich viele Deutsche damals nicht, was vor sich ging.

Damals ist damals gewesen, kann man argumentieren. Doch damals reicht bis in die Gegenwart.

Schattige Vorbilder der Vergangenheit

Der 1913 in Mannheim geborene und 2007 verstorbene und bis heute von vielen geachtete frĂŒhere baden-wĂŒrttembergische MinisterprĂ€sident Hans Filbinger (CDU) war ein NSDAP-Mitglied und hat mit der Haltung: „Was damals rechtens war, kann heute nicht Unrecht sein“, von ihm als Nazi-Richter erlassene Todesurteile verteidigt und sich durch eine sture und intolerante Haltung bis zu seinem Lebensende „ausgezeichnet“.

Und er hat lange in der Politik gewirkt, Posten besetzt, Politik und Menschen geprÀgt.

Auch den ehemaligen MinisterprĂ€sidenten GĂŒnther Oettinger (CDU), der die Rolle Filbingers in einer Trauerrede anlĂ€sslich dessen Todes verklĂ€rte. Die „Oettinger-AffĂ€re“ hĂ€tte fast zum RĂŒcktritt Oettingers gefĂŒhrt. Oettinger nahm seine Äußerung zurĂŒck, woraufhin der Zentralrat der Juden in Deutschland die RĂŒcktrittsforderung nicht weiter betrieben hat. Oettinger blieb aber Mitglied des „rechtsnationalen“ Studienzentrums Weikersheim, das Filbinger gegrĂŒndet hat.

12. April 1945: Foto vom KZ-Außenlager_Boelcke-Kaserne in Nordhausen, in dem ĂŒber 20 000 Menschen ihr Leben ließen. Foto: T4c. James E Myers

Verschiendene KĂŒnstler bilden bis heute ganz selbstverstĂ€ndlich unsere kulturelle Basis. Beispielsweise August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der den Text des „Lieds der Deutschen“ geschrieben hat, dessen dritte Strophe seit 1952 die deutsche Nationalhymne ist. Von Fallersleben hat auch jede Menge Kinderlieder geschrieben, ob „Alle Vöglein sind schon da“ oder „Ein MĂ€nnlein steht im Walde“.

Und er war politisch, richtete sich gegen Pressezensur, staatliche WillkĂŒr und Kleinstaaterei. Eigentlich sind das gute Eigenschaften.

Ist er deshalb ein Vorbild? Nein. Seine Kinderlieder sind harmlos und nett und dĂŒrfen sicherlich gesungen werden. Das macht Fallersleben aber nicht zum Vorbild.

Denn von Fallersleben war bekennender Antisemit und Franzosenhasser. Seine Kinderlieder sind das eine. Seine berechtigter Protest das andere.

Seine Gesinnung muss man ablehnen.

Mein Opa war dabei

Als ich Mitte zwanzig war, klĂ€rte mich mein Großvater auf, dass er als 16-JĂ€hriger in russischer Kriegsgefangenschaft war, weil er als „GebirgsjĂ€ger“ 14-JĂ€hrige zu Soldaten schulen sollte. Und er war ehrlich: „Ich habe an Hitler geglaubt“, sagte er mir und das fiel ihm nicht leicht: „Erst spĂ€ter habe ich verstanden, wie dumm ich war.“

Meine Großmutter kam aus Böhmen, war drei Jahre als junge Frau interniert, weil ihr Vater in der NSDAP war und als sie in Bruchsal ankam, wurde sie von den Leuten dort bespukt. Nicht etwa, weil das keine Nazis gewesen waren, sondern weil man die FlĂŒchtlinge nicht haben wollte. Das Brot und die Chancen waren knapp.

Ich habe lange Jahre spĂ€ter ein Jahr bei meinen Großeltern gelebt, ihnen ging es gut, Brot und leckeres Essen gab es reichlich und sonntags war der „Internationale FrĂŒhschoppen“ mit Werner Höfer „Pflicht“. 1987 musste der sehr „renommierte Journalist“ Werner Höfer die Sendung aufgeben, weil ihm nachgeweisen werden konnte, dass er aktiv fĂŒr die NS-Propaganda tĂ€tig war, was er immer bestritten hatte.

Das hat meinen Großvater sehr beschĂ€ftigt: „Ich glaube trotzdem, dass es gut war, Dich ĂŒber diese Sendung an die Politik heranzufĂŒhren“, sagte mein Opa. Und er war sehr enttĂ€uscht. Nicht zum ersten Mal in seinem Leben. Ich habe viel von ihm gelernt.

Bagatellisierung von Rechtsextremismus

Anfang der neunziger Jahre habe ich dann nach dem Grundstudium zwei Semester bei Professor Eckhard Jesse studiert, der damals als Privatdozent in Mannheim gastierte. Ein absoluter Extremismus-Experte. Sehr kenntnisreich, argumentativ gewandt. Und ich habe viel gelernt und verstanden. Auch, dass mir Jesse nicht geheuer war. Der hĂ€tte gerne gehabt, dass ich „meinen Doktor“ bei ihm mache. Ich wollte nicht.

Mich störte ein gewisser Revisionismus des Nationalsozialismus und die Gleichsetzung von Rechts- und Linksextremismus. Meiner Auffassung nach ist das nicht zulĂ€ssig. Nur weil beide Strömungen extremistisch sind, sind sie noch lange nicht dasselbe. Ich fĂŒhlte mich an den Historikerstreit erinnert, der damals noch ganz „frisch“ war.

Anfang 2001 tauchte Jesse in meiner Aufmerksamkeit wieder auf: Er sollte Gutachter im NPD-Verbotsverfahren werden. Nicht nur der von mir sehr geschĂ€tzte Kollege Heribert Prantl (SĂŒddeutsche Zeitung) kritisierte Jesse wegen „Bagatellisierung von Rechtsextremismus„.

Jesse ist zweifellos ein Extremismus-Experte, aber eventuell auch ein „gefĂ€hrlicher Kopf“, dessen Arbeit nicht nur aus der Forschungssicht gesehen werden darf, sondern gerade auch auf gefĂ€hrliche Signale geprĂŒft werden muss.

Entschuldungsargumentation

Rechtsradikale und fremdenfeindliche Botschaften verlaufen nicht erst heutzutage unterschwellig. Sie sind hĂ€ufig nicht sofort als solche erkennbar und werden auch von Personen weitergetragen, die sich vielleicht gar nicht bewusst sind, dass sie mit Rechtsextremismus „Bekanntschaft“ gemacht haben oder gerade machen.

"Lustiger" dummer-Jungen-Streich? SchĂŒler stellt sich mit Hitlerbart bei Facebook dar.

Hat Hitler nicht die Autobahnen gebaut, den Menschen Arbeit und Hoffnung gegeben, die Jugend gefördert? Wer so argumentiert, bereitet einer „Entschuldung“ des Terrors des Dritten Reichs TĂŒr und Tor.

Extremes Gedankengut wird niemals aus der Welt sein. Und es wird nicht harmloser, indem man „Witze“ darĂŒber reißt oder SĂ€tze wie „Nach Frankreich nur auf Ketten“ schreibt.

Damit komme ich auf die „Hitlerbart“-Geschichte zurĂŒck.

Wer argumentiert, mit „Witzen“ und „Parodien“ werde der „Umgang“ einfacher, oder: „Das machen doch auch andere, die haben sogar Preise dafĂŒr gewonnen“, hat wenig bis nichts verstanden.

Dumme Jungs?

Die „Spielchen“ von SchĂŒlern kann man als „dumme Jungs-Streiche“ verharmlosen. Kein Problem. Dumme Jungs haben schon immer dumme Streiche gemacht. Dummheit gehört zur Jugend.

Was die zehn durch die Recherche der Redaktion bekannt gewordenen CBG-SchĂŒler im Internet bei Facebook „getrieben“ haben, hĂ€tte auch an jeder anderen Schule in Deutschland passieren können.

Also, was soll’s?

Es ist aber in Ladenburg passiert und das ladenburgblog hat darĂŒber berichtet.

Nicht ohne „Folgen“. In den Tagen nach dem Bericht haben rund 120 SchĂŒlerinnen und SchĂŒler, die vorher mit dem Account der Redaktion auf Facebook „befreundet“ waren, diese „Freundschaften“ gekĂŒndigt.

Aus „SolidaritĂ€t“ zu denen, die „betroffen“ waren und die sich sehr aktiv darum bemĂŒht haben, den „Spieß umzudrehen“.

Der Hauptvorwurf: Wir hĂ€tten die „harmlose Sache“ hochstilisiert, um mehr Aufmerksamkeit, also mehr Klicks zu erreichen und damit mehr zu „verdienen“. „Auf Kosten“ der SchĂŒler, die gar nichts Böses wollten. Unser Bericht sei geeignet, deren „Existenz“ zu zerstören.

Wie man die Rhetorik, „die wollen sich auf Kosten anderer bereichern“ einschĂ€tzen will, bleibt jedem selbst ĂŒberlassen.

Ebenso Gedanken zur „Existenzfrage“ und der Überlegung, was wohl ein Personalchef ĂŒber jemanden denkt, von dem er ein entsprechendes Bild sieht.

Nach unserem Bericht wurde nach unseren Kenntnissen teils enormer Druck auf SchĂŒler ausgeĂŒbt, uns die „Freundschaft“ zu kĂŒndigen, denn wer weiter mit „uns befreundet“ sei, sei gegen die betroffenen Personen.

Wer will das schon aushalten mĂŒssen, wenn man sich tĂ€glich auf dem Schulhof begegnet und zwischen 14 und 18 Jahre alt ist?

Auch diesen „extremen“ Druck kann man beurteilen wie man möchte.

Theorien und Tatsachen

Tatsache ist, dass „Klicks“ ĂŒberhaupt kein Geld bringen, sondern höchstens Aufmerksamkeit.

In diesem Fall eine, fĂŒr die die Reaktion einsteht. In vollem Bewusstsein, dass das eher keine gute Argumentation gegenĂŒber Werbekunden ist, weil die Aufmerksamkeit in diesem Fall keine war, die „Spaß macht“, ĂŒber die „sich alle freuen“ und „alle zufrieden“ sind.

Diese Aufmerksamkeit hat fĂŒr Unruhe und Stress gesorgt. Ganz erheblich. Diese Aufmerksamkeit war eher schlecht fĂŒr ein GeschĂ€ft.

Die Entscheidung dazu ist bewusst getroffen worden, weil unser redaktioneller Anspruch ist, hinzusehen, aufzuschreiben, was ist und nicht, was man gerne sehen wĂŒrde und worĂŒber man doch bitte nichts berichten soll.

Wir machen gerne „GeschĂ€ft“ – aber wir entscheiden, mit wem und zu welchen Konditionen. Und schon gar nicht zu jedem Preis.

Wer ist „Wir gegen Rechts“?

In diesem Sinne bringen wir auch die EnttĂ€uschung ĂŒber das Verhalten des BĂŒndnis „Wir gegen Rechts“ zum Ausdruck.

"Wir gegen Rechts" - Seite im Internet. Das Angebot ist nicht aktuell und insgesamt inhaltsleer. Ein Engagement ist nicht zu erkennen. Quelle: BĂŒndnis "Wir gegen Rechts"

Wir haben uns redaktionell im Anschluss an unsere Berichterstattung an diese Organisation gewandt, die aktuell auch zum Gedenktag an die Befreiung von Auschwitz aufgetreten ist.
Wir haben das BĂŒndnis „Wir gegen Rechts“ in einem langen Schreiben, als auch in einem umfangreichen Telefonat um Austausch zum Vorfall gebeten.

Eine Reaktion ist ausgeblieben. Es gab auch keine Antwort, die unserer BemĂŒhung angemessen gewesen wĂ€re.

Wenn man sich die „Arbeit“ von „Wir gegen Rechts“ anschaut, bleibt auch nicht viel außer EnttĂ€uschung.

Das „BĂŒndnis“ ist ein „zahnloser Tiger“ – die Internetseite wenig aktuell, wie auch vermutlich die „Aktionen“. Man tritt hier und da auf, bestĂ€tigt sich und andere und tut so als ob und doch eher nichts.

Reaktionen

Wir haben auch BĂŒrgermeister Rainer Ziegler angesprochen, der den Vorfall als Vertreter des „SchultrĂ€gers“ uns gegenĂŒber als „Angelegenheit der Schule“ erklĂ€rt hat. Das ist korrekt, aber insofern „ungewöhnlich“, als wir Herrn Ziegler in anderen ZusammenhĂ€ngen als sehr engagiert kennen und achten.

Wir haben auch versucht, mit dem Elternbeirat in Kontakt zu treten, der sich nicht zustĂ€ndig fĂŒhlte.

Das Fazit ist: Man will lieber nichts damit zu tun haben. Das ist ein „zu heißes Eisen“.

Tatsache ist: Der Vorfall hat stattgefunden. Tatsache ist auch, dass es nach unserer Kenntnis keinerlei inhaltliche Auseinandersetzung gegeben hat, um nicht „etwas zu sehen“, was man nicht sehen will. „Wenn man es gut genug ignoriert, geht es bestimmt vorĂŒber“, mag der ein oder andere denken, „weil nicht sein kann, was nicht sein darf.“

Schön fĂŒr alle, wenn es nur ein „Spuk“ war und die Welt danach wieder „in Ordnung“ ist.

Wir haben hingeschaut und vielleicht hat unsere Berichterstattung dazu gefĂŒhrt, dass eine ungute Entwicklung gestoppt wurde. Schön, wenn dem so wĂ€re.

Aufgaben

Wir schauen auch weiter hin. Denn das ist unsere journalistisch-gesellschaftliche Aufgabe. Die nehmen wir ernst. Gegen jede Form von Extremismus.

Und ganz besonders freuen wir uns ĂŒber die rund 60 Leserinnen und Leser, die danach „Freunde“ unseres Facebook-Accounts geworden sind und noch mehr ĂŒber die, die erst die „Freundschaft“ quittiert und danach wieder aufgenommen haben. 🙂

Denn wir wissen genau, dass man damit einer Haltung Ausdruck gibt. Und dass das nicht immer einfach ist. Nicht in der Schule. Nicht privat. Nicht im GeschÀftsleben.

Sich aus möglichst vielen öffentlich zugĂ€nglichen Quellen unterrichten zu können, um sich eine Meinung zu bilden und diese zu Ă€ußern, ist das nach Artikel 5 GG grundgesetzlich garantierte Recht aller BĂŒrgerinnen und BĂŒrger.

Artikel 5 unserer Verfassung schreibt nicht vor, dass man das tun muss. Aber es gut, richtig und wichtig, wenn man sich das Recht nimmt!

In diesem Sinne

Ihr

P.S.
Im Artikel sind mehrere Links auf wikipedia dokumentiert. FĂŒr die Inhalte ist ladenburgblog nicht verantwortlich. Diese Hinweise dienen einem ersten Überblick ĂŒber hĂ€ufig im allgemeinen unstrittige Tatsachen. Im Detail kann das aber durchaus „hinterfragenswert“ sein. Wir bitten deshalb darum, solche Verlinkungen als Quelle zu betrachten, die einen Einstieg zur jeweiligen Thematik ermöglicht.

Landtagswahl: Sckerl beherrscht die Debatte


Guten Tag!

Hirschberg, 19. Januar 2011. Am Montagabend diskutierten die vier Landtagskandidaten von CDU, BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen, SPD und FDP ihre Positionen auf Einladung der Freien WĂ€hler.

Ein spannender Termin. Ein anstrengender Termin ĂŒber fast drei Stunden. Anstrengend fĂŒr das Podium und fĂŒr die rund 70 GĂ€ste.

Mit Fakten, Zahlen, Behauptungen, ZurĂŒckweisungen, Anklagen, Polemiken und Versprechen. Es ist Wahlkampf. Die Top-Themen waren nur vordergrĂŒndig Stuttgart21 und die Schulpolitik.

Das echte Top-Thema, das zur Zeit das Land bewegt, ist die innere Verfassung der Politik(er) und der BĂŒrger und wer ĂŒber was bestimmt.

Von Hardy Prothmann

Von links nach rechts sitzen am Podium die aktuellen Abgeordneten und Kandidaten Dr. Birgit Arnold (FDP), Gerhard Kleinböck (SPD), Hans-Ulrich Sckerl (BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen) und Georg Wacker (CDU). In der Mitte sitzt Volker Barzyk, stellvertretender Vorsitzender der Freien WĂ€hler und Moderator der Runde.

Bilder fĂŒr die Presse.

Die Spannung ist zum Greifen.

Vor dem Podium sitzen rund 70 BĂŒrger. Man merkt wĂ€hrend der WortbeitrĂ€ge am Verlauf des Beifalls und der Kommentare, wer fĂŒr wen ist. Es sind viele „GrĂŒne“ da. NatĂŒrlich viele Freie WĂ€hler. Einige CDU oder SPD-AnhĂ€nger und ein paar fĂŒr die FDP.

Auch im Publikum ist die Spannung zum Greifen.

Der Ortstermin hat Charme. Denn die Freien WĂ€hler – die stĂ€rkste „kommunalpolitische Kraft“ im Land – dĂŒrfen als „objektiv“ gelten, weil sie (noch) nicht mit eigenen Kandidaten am Landtagswahlkampf teilnehmen. Aber sie sind so abhĂ€ngig wie alle anderen von den Entscheidungen in Stuttgart – das relativiert die „ObjektivitĂ€t“.

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Volker Barzyk, Moderator

Die vordergrĂŒndige NeutralitĂ€t ist torzdem eine gute Voraussetzung fĂŒr eine interessante Debatte im Feuerwehrhaus Großsachsen.

Selbst wenn man weiß, dass die Freien WĂ€hler noch als „eher dem bĂŒrgerlichen Lager zugeneigt“ gelten dĂŒrften. UnabhĂ€ngig von einer Parteifarbe gilt die RealitĂ€t der Entscheidungen in Stuttgart genauso unmittelbar fĂŒr sie wie fĂŒr die Parteifraktionen vor Ort. Und die Freien WĂ€hler wissen auch in der wohlhabenden Gemeinde Hirschberg, dass die Landespolitik zu oft zu sehr zu Lasten der Kommunen geht.

KrÀftemessen.

Moderator Barzyk beginnt unter Missachtung der „Farbenlehre“ von ihm aus rechts gesehen, vom Publikum aus links, aber korrekt nach dem Alphabet und erteilt Frau Arnold das Wort.

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Dr. Birgit Arnold, FDP

„Ich sehe eine sehr positive Entwicklung. Vor der Schlichtung waren 54 Prozent der BĂŒrger gegen Stuttgart21, danach waren 54 Prozent dafĂŒr. Das hat sich umgedreht.“ Sie ist „enttĂ€uscht ĂŒber den Umgang der GrĂŒnen mit dem Schlichterspruch“: „Das ist politisch unterm Strich unglaubwĂŒrdig“, sagt sie. Sie sagt natĂŒrlich noch viel mehr, aber das ist die Kernbotschaft: „Stuttgart21 wird gebaut. Auch, wenn den Leuten vorgegaukelt wird, dass sich was Ă€ndern wĂŒrde.“

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Gerhard Kleinböck, SPD

Herr Kleinböck sagt: „Die SPD hat in der Debatte um Stuttgart21 nur wenig stattgefunden.“ Er informiert, dass die Mehrheit der SPD fĂŒr Stuttgart21 sei, er selbst aber dagegen und sagt: „Ich empfehle dringend, den Protest der BĂŒrger wahrzunehmen. Viele Abgeordnete haben mit Beginn der Baumaßnahmen gehofft, dass der Protest abnimmt.“ Und er behauptet: „Wir haben die Möglichkeit fĂŒr einen Volksentscheid eröffnet.“

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Uli Sckerl, BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen

Hans-Ulrich Sckerl sagt: „Die Schlichtung war gut und richtig. Es kann aber nicht sein, dass ein Mann einen Spruch verkĂŒndet und alle haben sich zu fĂŒgen. Nur ein Volksentscheid bringt eine Befriedung. Dem wĂŒrden wir uns unterwerfen. So gute Demokraten sind wir allemal.“ Und: „Frau Arnold, ich halte nichts davon, dass Sie unseren Rechtsexperten diffamieren und ihren ĂŒber den Klee loben. Wenn man es politisch will, findet man eine Lösung.“

„Stuttgart21 ist ein Projekt, dass fĂŒr alle Menschen von Vorteil sein wird,“, sagt Georg Wacker als letzter in der ersten Runde: „Sonst wird Baden-WĂŒrttemberg umfahren.“ Und: „Drei unabhĂ€ngige Gutachter haben festgestellt, dass die Kosten von 4,5 Milliarden im Grunde realistisch sind. Das muss man dann auch akzeptieren, auch wenn ich Herrn Kleinböck und Herrn Sckerl recht gebe, dass es keine 100-prozentige Planung geben kann. Doch nach fĂŒnfzehn Jahren politischen Entscheidungsprozessen ist das demokratisch legitimiert. Es gibt eine Verpflichtung der EntscheidungstrĂ€ger, zu den Entscheidungen zu stehen.“

Die Details sind nicht wichtig – die gingen eh an den BĂŒrgern vorbei.

Gut eine dreiviertel Stunde ist vorbei. Keine Chance, auch nur annĂ€hernd den 15-jĂ€hrigen Entscheidungsprozess wiederzugeben. Alle Kandidaten haben viel mehr gesagt, als sie hier zitiert werden. Sonst mĂŒsste man noch mehrere Seiten Protokoll anfĂŒgen.

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Georg Wacker, CDU

Es geht auch nicht ums Detail. FĂŒr Details standen 15 Jahre zur VerfĂŒgung. „Demokratisch legitimierte Entscheidungsprozesse“. Keiner bestreitet das. Doch alle wissen: Das ging an den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern voll vorbei. Es wird ĂŒber Prozesse diskutiert, die offenbar zu unverstĂ€ndlich oder zu komplex sind. Oder nicht oder falsch oder zu intransparent vermittelt wurden.

Auch Moderator Volker Barzyk ist ĂŒberfordert. Er tut so, als könne er einfach weiterfragen. Ohne dass er das möchte, spiegelt er die große Debatte im „kleinen“ Rahmen.

Bereits an dieser Stelle spannen sich die RĂŒcken der GĂ€ste. Schon jetzt drĂ€ngen Fragen. Aber es geht weiter.

Der Volksentscheid – die Antwort auf alle Fragen?

„Wie steht die FDP zu einem BĂŒrgerentscheid?“, fragt Herr Barzyk.

„Ein Volksentscheid ist gegen die Verfassung“, antwortet Frau Arnold und rechnet vor, dass eine „RĂŒckabwicklung“ bis zu drei Milliarden Euro kosten wĂŒrde.

Herr Kleinböck sagt: „Diese Illussion hatte ich nie, dass ein CDU-Mitglied Heiner Geissler fĂŒr einen Volksentscheid ist. Dabei ist das die einzige Lösung, aus dem Dilemma herauszufinden.“

„Ich höre stĂ€ndig neue Zahlen, die immer grĂ¶ĂŸer werden, was ein Ausstieg kosten soll“, sagt Sckerl. „Wir mĂŒssen den Menschen exakt sagen, was ein Ausstieg kostet und darĂŒber informieren, dass sie die Kosten zu tragen haben, wenn sie sich mit Ja oder Nein entscheiden. Wovor haben Sie Angst, Frau Arnold?“

Herr Wacker sagt: „Wir haben die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit im Land, ja in ganz Europa. Die Frage ist, ob wir als moderner Unternehmensstandort erhalten bleiben oder nicht?“ Er nennt viele Zahlen dazu und sagt: „Man muss sich ĂŒber die Tragweite Gedanken machen, was passiert, wenn Stuttgart21 nicht kommt.“

Top-Thema: BĂŒrgerinnen und BĂŒrger.

Politik besteht nicht nur aus Zahlen und Fakten. Politik ist das, was die Menschen angeht, woran sie teilhaben. Politik ist das, was die Menschen bewegt. Zur Zeit sind die Menschen sehr bewegt.

Das ist das Top-Thema des Wahlkampfs in Baden-WĂŒrttemberg – Stuttgart21 oder die Schulpolitik sind nur Synonyme dafĂŒr.

Das Top-Thema heißt: BĂŒrgerinnen und BĂŒrger. Und ob sie der Politik noch folgen können oder nicht.

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GĂ€ste.

Hans-Ulrich Skerl ist an diesem Abend der Applaus-Sieger. Und nicht nur das: Ich sitze zwischen Freien WĂ€hlern und höre viele positive Kommentare. Und Murren. Vor allem ĂŒber Frau Arnold und auch ĂŒber Herrn Wacker: „Die verarschen uns“, sagt einer.

Uli Sckerl ist definitiv kĂŒrzer als die anderen drei, sagt klare SĂ€tze: „Die BĂŒrger gehen auf die Barrikaden, keine Chaoten, sondern ganz normale BĂŒrger wie die hier in Hirschberg.“

Ein Gast ruft: „Die habt ihr in Bussen hingekarrt.“ Uli Sckerl wiegelt ab: „Die Regierung hat ĂŒberzogen, ohne Not, als sie einfach weitergemacht hat und den Protest nicht ernst genommen hat. Wenn das so weitergeht, wird es keinen Frieden geben.“

Unruhe vs. Aufmerksamkeit.

Als wenn manche im Publikum ihn bestĂ€tigen wollten, wird laut dazwischengerufen, gemurmelt, es herrscht Unruhe – wenn Sckerl redet.

Dabei redet er ruhig, verstĂ€ndlich und ĂŒber die Rechte von BĂŒrgern. Die „Sckerl-Gegner“ in den Reihen der GĂ€ste machen keine gute Figur an diesem Abend. Wahrscheinlich halten sie sich fĂŒr „gute BĂŒrger“ und benehmen sich dabei einfach schlecht.

Wenn Frau Arnold oder Herr Wacker reden, verhalten sich die „grĂŒnen“ GĂ€ste ruhig und aufmerksam. Es wirkt wie ein Spiegelbild der Stimmung im Land. Friedliche Proteste, die zu „Gewaltdemos“ stilisiert und niedergeknĂŒppelt werden, stehen krakelenden „rechtschaffenden BĂŒrgern“ entgegen.

Zahlen und VerdÀchtigungen.

Herr Wacker redet was von „Initiatoren des Protests“.

Uli Sckerl verweist auf die Zahlen: „WĂ€hrend seit Monaten jedes Wochenende und an den Montagen bis zu 100.000 BĂŒrger aus der Mitte der Gesellschaft auf die Straße gehen, haben die BefĂŒrworter gerade mal 7.500 Menschen versammeln können. Das sind die Zahlen und die muss man ernst nehmen.“ Auch jetzt wird gestört, aber nicht mehr so sehr.

Es geht weiter mit der Schulpolitik – wieder gibt es zu lange Statements der Kandidaten. Das ist mehr als anstrengend fĂŒr die meisten GĂ€ste. Man merkt die Anspanung.

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Arnold und Kleinböck.

Moderator Barzyk ist dem RedebedĂŒrfnis der Kandidaten kaum gewachsen und setzt zu selten einen Punkt. Zum Thema Bildung verirrt sich der Kandidat Kleinböck in langen GedankengĂ€ngen. Es fĂ€llt ihm sichtlich schwer, sich zu konzentrieren, obwohl er als Lehrer und Schulleiter eigentlich „der“ Fachmann am Tisch ist.

Frau Arnold wirft Zahlen ĂŒber Zahlen in den Raum und redet nur davon, wie positiv alles sei: „Wir haben die Werkrealschule auf den Weg gebracht.“

Bilderung ja – aber welche und wie?

Georg Wacker, StaatssekretĂ€r fĂŒr Bildung bekennt sich wenig ĂŒberraschend zum bestehenden Schulsystem und sagt: „Wir mĂŒssen die Realschule stĂ€rken. Sie ist die Schulart des sozialen Aufstiegs.“

Uli Sckerl sagt: „Wir wollen keine Schulform, die von oben verordnet wird. Wenn die Schulreformen so „rosig“ sind, wieso gibt es dann so viel Aufruhr? Wieso ist der Landeselternbeirat dagegen? Warum gibt es so viele Hauptschulrektoren, die sagen, dass diese Schule keine Zukunft hat?“

Herr Wacker und Frau Arnold finden, dass das achtjĂ€hrige Gymnasium „internationaler Standard ist. Da gibt es keinen Weg zurĂŒck.“ Herr Kleinböck sieht das anders und will den Schulen freistellen, ob sie einen „G8“ und einen „G9“-Zug anbieten. Und Uli Sckerl kann sich vorstellen, dass die SchĂŒler bis Klasse 10 gemeinsam mit unterschiedlicher Förderung „in der Kommune“ unterrichtet werden: „Es gibt Alternativen zum dreigliedrigen Schulsystem.“

Herr Wacker sagt: „Wer die Hauptschule zur Unterschule abstempelt, stempelt die SchĂŒler ab.“ Es wird geraunt. „Das ist doch die RealitĂ€t“, sagt jemand.

Immerhin, man ist sich einig, dass die „individuelle Förderung“ zunehmen muss.

Die GĂ€ste dĂŒrfen Fragen stellen. Viele ergehen sich in ErklĂ€rungen. Der frĂŒhere Freie WĂ€hler-Vorsitzende Manfred Kopp sagt: „Nach 57 Jahren Regierung gibt es Verschleißerscheinungen. Demokratie lebt vom Wandel. Erleben wir ein „grĂŒnes Wunder“ oder ein Come-Back der regierenden Parteien?“

Um 22:17 Uhr ist die „Diskussion“ beendet, die pĂŒnktlich um 19:30 Uhr begonnen hat.

Die GĂ€ste und auch die Kandidaten sind sichtlich geschafft von der Anstrengung.

EindrĂŒcke.

Als Beobachter gebe ich meinen persönlichen Eindruck wieder – der sicher vom Eindruck anderer abweichen kann.

Ich unterstelle allen Kandidaten, dass sie das beste wollen – keiner ist in einer wirklich entscheidenden „Machtposition“, wie es beispielsweise ein Minister ist.

Aber es gibt deutliche Unterschiede. Der StaatssekretĂ€r Wacker „reprĂ€sentiert“ immerhin die Macht als CDU-Mitglied. Er betont immer, wie seriös die Entscheidungen seien. Was mir missfĂ€llt ist seine „Angst-Rhetorik“ – wenn Stuttgart21 nicht kommt, geht Baden-WĂŒrttemberg den Bach runter. Wenn man etwas am Schulsystem Ă€ndert, riskiert man ein „erfolgreiches“ Modell. Mit gefĂ€llt, dass er einlenkt und sagt, dass die regierende Politik an den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern vorbei entschieden hat und dies ein Fehler ist.

Die „Koalitionspartnerin“ Frau Dr. Arnold kann ĂŒberhaupt nicht ĂŒberzeugen. Sie wirft mit Zahlen um sich, die „kĂŒnstlich“ wirken und kann keine echte Überzeugung darstellen. Als sie Herrn Wacker fragt, ob sie sich Ă€ußern dĂŒrfe, mag das höflich gemeint sein, wirkt aber nur unterwĂŒrfig.

Herrn Kleinböck ist die Koalitionsbereitschaft mit den „GrĂŒnen“ mehr als deutlich anzumerken. Zu oft redet er statt zu den GĂ€sten in Richtung Herrn Sckerl. Er scheint sich damit abgefunden zu haben, dass diese Wahl zwischen den GrĂŒnen und der CDU entschieden wird und die SPD keine große Rolle spielt.

Der „Innenpolitische Sprecher“ Hans-Ulrich Sckerl dominierte die Diskussion – nicht durch provokante Äußerungen, sondern durch Einsicht, dass die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger bis ins bĂŒrgerliche Lager hinein mit der Regierungsarbeit nicht einverstanden sind. Überzeugend wirkt er durch seine Forderung, diese entscheiden zu lassen und sich einem Votum zu beugen.

Wacker vs. Sckerl. Sckerl vs. Wacker.

Damit ist Herr Sckerl der ernstzunehmende Gegenspieler von Herrn Wacker, der bekennt, dass die CDU-Politik an den BĂŒrgern vorbeigegangen ist und dadurch sicherlich auch „Punkte“ macht.

landtagswahlkampf-kandidaten-1

Die Kontrahenten: Sckerl und Wacker.

Der Wahlkampf wird ganz sicher an dieser Linie entschieden und der Frage, wem der BĂŒrger mehr glaubt: Einer „gelĂ€uterten“ CDU oder dem „EinlĂ€uten“ einer neuen Ära durch die GrĂŒnen.

Die SPD spielt zwischen diesen Lagern keine große Rolle. Die FDP schon gar nicht.

Aller Voraussicht nach wird aber entscheidend sein, ob die FDP den Wiedereinzug ins Parlament schafft – und Die Linke nicht.

Der Weinheimer Kandidat von Die Linke, Matthias Hördt, war an diesem Abend nicht dabei. Angeblich, weil das den „Rahmen“ sprengen wĂŒrde, wie die Weinheimer Nachrichten den Freien WĂ€hler-Sprecher Peter Johe zitierten.

TatsĂ€chlich wohl eher, weil Die Linke noch nicht ins „politische Bild“ der Freien WĂ€hler passt. Auch das könnte sich Ă€ndern, ob das den Freien WĂ€hlern passt oder nicht.

Sollte Die Linke erfolgreich sein, wird deren Erfolg durch die verfehlte Politik der CDU befördert – unterstĂŒtzt durch eine auch an diesem Abend deutlich gewordene fehlende Positionierung der SPD.

GrĂŒnes Wunder oder bĂŒrgerliches Come-Back?

Die GrĂŒnen haben noch lĂ€ngst nicht gewonnen – Uli Sckerl machte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass er sich mit seiner Partei bereits an der Macht sieht. Trotzdem war er der souverĂ€nste an diesem Abend. Denn die GrĂŒnen werden mit großer Wahrscheinlichkeit die absoluten Wahlsieger werden.

Ob es reichen wird, die Macht im Land zu ĂŒbernehmen, wird erst am 27. MĂ€rz 2011 entschieden.

Das wĂ€re ein „grĂŒnes Wunder“.

Wenn das nicht eintritt, bleibt es trotzdem spannend, ob es zu einem „Come-Back“ der bĂŒrgerlichen Parteien kommt oder es beim Dienst nach Vorschrift bleibt.