Montag, 17. Dezember 2018

„Es sind die Augenblicke, die ich sammle“ – Vernissage im Alten Rathaus


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Heddesheim/Ladenburg, 10. Mai 2011 (red) Die Ausstellung, die zur Zeit im Alten Rathaus gezeigt wird, ist mit dem Titel „Sagenhafte GegensĂ€tze“ betitelt. Sagenhaft ist der Zyklus zu den Nibelungen, die die KĂŒnstlerin Renate Huthoff ausstellt. Im Gegensatz dazu stehen die Objekte und Skulpturen der KĂŒnstlerin Maria-Ilse Lörincz. Es ist ein „Mythos der Moderne“. Am Samstag wurde die Ausstellung mit einer Vernissage von der neuen Vorsitzenden des Heddesheimer Kunstvereins, der KĂŒnstlerin Veronika Drop, eröffnet.

Von Sabine Prothmann

Die musikalische Begleitung und die einfĂŒhrenden Worte kamen von dem Ladenburger Maler und Musiker Rudolf Klee, der damit der Vernissage einen weiteren kunstvollen Glanzpunkt verlieh.

Die „Edition Nibelungen“ zeigt auf neun Fotoradierungen die Geschichte der Nibelungen. Die geborene Mannheimerin, Renate Huthoff, lebt in Lampertheim und hat ihr Atelier in Worms, in der Stadt der Nibelungen. Die allgegenwĂ€rtige PrĂ€senz dieser Sage hat die KĂŒnstlerin zu diesen Bildern veranlasst. Ausgangspunkt ist immer ein Foto, das sich weiterentwickelt, wie in dem Bild „Wie er einen Lindwurm erschlagen mit seiner Hand“.

Die Fotografie der Siegfried-Skulptur scheint lebendig zu werden und mit dem Dolch in der Hand erschlĂ€gt er den schwarzen Drachen. In Rot leuchtet das Auge und die Zunge schießt aus dem Maul wĂ€hrend sich das Blut ĂŒber den Boden ergießt. Um dieses Ergebnis zu erreichen, bringt Huthoff drei Platten ĂŒbereinander und mit Hilfe eines chemischen Verfahrens entstehen die Mehrfarbradierungen. In Grautönen und tiefem Schwarz, akzentuiert durch intensives Rot. So trĂ€gt Kriemhild bei dem „Streit der Königinnen“ ein blutrotes Kleid.

„Es sind die Augenblicke, die ich sammle.“

„Es sind die Augenblicke, die ich sammle“, sagt die KĂŒnstlerin. So hĂ€lt jedes Bild einen wichtigen Augenblick der Sage fest, beginnt bei einem Foto und entwickelt eine Handlung. Dabei hat sie tief in den Archiven gegraben, sich mit den Nibelungen und der nordischen Edda beschĂ€ftigt.

Und so wurde ihre „Edition Nibelungen“ auch in das Heimatjahrbuch 2011 der Stadt Worms aufgenommen.

Huthoff hat auch zwei Rotuli mitgebracht, Papierrollen, die sich aufgerollt ĂŒber je 6,70 Meter erstrecken. Mit Papier, Kohle, Filzstift, Graphit, Tusche und WĂ€scheklammern bewaffnet setzte sich die KĂŒnstlerin unter alte OlivenbĂ€ume in Griechenland. Spontane Zeichnungen sind entstanden, „ich erfĂŒhle fĂŒr mich, das Leben im Baum“, erzĂ€hlt Renate Huthoff. Bizarre Formen, mal figurativ, mal abstrakt, scheinen lebendig zu werden, sich zu wandeln.

Es ist, als wenn man auf der Erde liegt und Wolkenformationen betrachtet, sagt Rudolf Klee in seiner EinfĂŒhrung.

Dazu im Gegensatz die Plastiken aus Bronze der KĂŒnstlerin Maria-Ilse Lörincz, die im Wachsausschmelzverfahren gegossen wurden. Maria-Ilse Lörincz kam 2007 ĂŒber den Steinguss-Bildhauerworkshop auf dem Dilsberg zu der Bronze.

Die ausgestellten Plastiken entstanden in den folgenden Jahren bei der Brandenburger Bildhauer-Sommerakademie in Straußberg. Die KĂŒnstlerin lebt und arbeitet in Ladenburg.

Die Suche nach der Urform.

Es ist die Suche nach der Urform, die sich verÀndert, sich entwickelt.

Viele der Objekte haben ein Außen und ein Innen. Bögen scheinen in das Innere des Kunstwerks zu fĂŒhren und erinnern fasst an die das Gewölbe einer Kathedrale, wobei der Wechsel der Form, mal rund, mal eckig wieder zu einem Bruch dieser Assoziation fĂŒhrt.

Betrachtet man eine Kathedrale von Außen ist sie eine Skulptur, betritt man sie, erlebt man sie als Raum, erklĂ€rt Rudolf Klee.

Es ist der Dialog von FlĂ€che und Form und von Raum und Material, der die KĂŒnstlerin antreibt. „Ich mache Skizzen und daraus entsteht das Objekt“, erst dann gibt sie ihren Plastiken Namen.

So ist auch der „Krieger“ entstanden. Das Material wurde geformt und gebogen und eine Figur mit Speer in der Hand wurde „geboren“. Lörincz bezeichnet das Ergebnis als die Abbildung des Prozesses.

Die sieben Bronzeplastiken und die beiden Steinguss-Objekte laden den Betrachter ein, sich auf den Weg zu machen und den Schaffensprozess zu verfolgen und zu empfinden. Sie lassen Raum fĂŒr eigene Interpretationen.

„Kunst gibt nichts Sichtbares wieder, Kunst macht sichtbar.“

Beide KĂŒnstlerinnen „machen sichtbar“, sagt Rudolf Klee und zitiert seinen Namensvetter Paul Klee: „Kunst gibt nichts Sichtbares wieder, Kunst macht sichtbar“ und schlĂ€gt damit auch die BrĂŒcke zwischen den so scheinbar unterschiedlichen Kunstwerken.

WĂ€hrend Huthoff die bildnerischen Ereignisse sichtbar mache, die Botschaft aus dem Innersten ziehe, setze Lörincz den Innen- und Außenraum in Beziehung.

Beide KĂŒnstlerinnen schaffen Meisterwerke, sie beherrschen die Kunst und die Technik, so Klee. „Denn Kunst kommt von Können, kĂ€me sie von Wollen, hieße sie Wulst“.

Als bekennender Romantiker spielt Klee wunderbar romantische eigene StĂŒcke, aber auch Teile von Rodrigos Concierto de Aranjuez und von Rachmaninoffs 2. Klavierkonzert, dem „schönsten Klavierkonzert, was ich kenne“. Und nebenbei bekommen die Besucher der Vernissage einen kleinen Exkurs in die Musiklehre. Und das GefĂŒhl drei begeisternden KĂŒnstlern begegnet zu sein und einem „Gesamtkunstwerk“ beigewohnt zu haben.

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Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Weitere Infos: Die KĂŒnstlerin Veronika Drop löste als Vorsitzende des Kunstvereins Martine Herm ab, die aus gesundheitlichen GrĂŒnden ihr Amt abgeben musste. Drop ist gebĂŒrtige RheinlĂ€nderin und lebt seit 30 Jahren in Heddesheim. Sie ist seit der GrĂŒndung des Vereins, 2006, Mitglied.

Ausstellung: „Verletzte Seelen“, Small-Talk und Nachdenken ĂŒber Menschenrechte

Guten Tag!

Ladenburg, 08. November 2010. Im Ladenburger Domhof (Rathaus) wurde am Sonntag, den 07. November 2010, eine Ausstellung eröffnet, die den Krieg thematisiert. Und die Verletzung der MenschenwĂŒrde. Und die Verletzung der Seelen, jeder einzelnen.

Von Anna Ewald

„Die WĂŒrde des Menschen ist unantastbar. Eigentlich. In vielen Kriegen wurde aus einer unantastbaren WĂŒrde eine antastbare gemacht. Verletzte Seelen bleiben nach diesen Kriegen ĂŒbrig“, eröffnet Reinhard Christmann die Ausstellung „Verletzte Seelen“ des Heddesheimer KĂŒnstlers Bernd Gerstner. Die Sinnlosigkeit der Kriege solle erinnert und verdeutlicht werden.

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Der KĂŒnstler Bernd Gerstner.

Die amnesty international (ai) Gruppe Ladenburg/Schriesheim veranstaltet gemeinsam mit der Organisation „Wir gegen Rechts“ diese Ausstellung im Domhof in Ladenburg. Sie hat am 07. November 2010 begonnen und jeden Samstag und Sonntag von 11-17 Uhr oder nach Vereinbarung bis zum 05. Dezember 2010 geöffnet.

Rund 70 Besucher kommen zur Vernissage in den Domhof, um die 38 Kunstwerke zu betrachten, an denen Bernd Gerstner seit 2006 gearbeitet hat. Nicht nur Bilder, auch Skulpturen werden ausgestellt.

„Der grĂ¶ĂŸte Feind der Menschenrechtsverletzung ist die Öffentlichkeit.“

Überall im Raum stehen Menschen, die sich die Kunst anschauen. Viele sehen nachdenklich aus. Sie versuchen die Gewalt der Kriege zu begreifen. Andere halten „Small Talk“. Jugendliche und junge Erwachsene sind nicht anwesend.

Alle werden ruhig, als der Ladenburger KĂŒnstler Rudolf Klee beginnt, Keyboard zu spielen. Er spielt eine dĂŒstere und ergreifende Melodie. Passend zu den „Verletzten Seelen“.

Reinhard Christmann ist Gruppensprecher der ai Gruppe Ladenburg/Schriesheim. Er schildert die aktuelle Menschenrechtslage beispielsweise in Myanmar (Burma), in denen Menschenrechte nicht beachtet werden (Anm. d. Red.: In der „Rangliste“ 2010 von „Reporter ohne Grenzen“ zur Lage der Pressefreiheit liegt Myanmar auf Platz 174 von 175 (Vorjahr: 171).)

„Der grĂ¶ĂŸte Feind der Menschenrechtsverletzung ist die Öffentlichkeit“, betont er. Jeder solle helfen, indem er an die Öffentlichkeit geht. Er betont, dass nur so eine Verbesserung erreicht werden könne. Es liegen Listen aus, in die sich GĂ€ste eintragen können, fĂŒr mehr Menschenrechte und gegen deren Verletzung.

Krieg hinterlÀsst körperliche und seelische SchÀden.

Markus Wittig von „Wir gegen Rechts“ schließt sich den AusfĂŒhrungen Christmanns an. Auch Herr Wittig erinnert an Kriege. Zum Beispiel die „Schlacht an der Somme“ im Ersten Weltkrieg. Mit ĂŒber einer Millionen Toten gilt sie als „verlustreichste Schlacht dieses Krieges“. Verloren haben alle. Auch die Überlebenden. Die SchĂ€den sind grausam. Körperliche und seelische. Um eben diese bleibenden seelischen SchĂ€den geht es in dieser Ausstellung, die zum Nachdenken auffordert.

Der KĂŒnstler Bernd Gerstner möchte nicht einfach nur Bilder ausstellen. Die Betrachter sollen sich mit dem ernsten Thema selbst auseinandersetzen. Sie sollen sich mit der Frage beschĂ€ftigen, warum Menschen, trotz so vieler „verletzter Seelen“, Krieg immer noch als Lösung sehen, sagt Kunsthistorikerin Dr. Kurtzer in ihrer EinfĂŒhrung in die Bilder.

Jeder geht mit Krieg anders um.

Ihrer Meinung nach brauchen diese Bilder eine ErklÀrung, obwohl Bernd Gerstner es lieber gehabt hÀtte, weniger Worte zu verwenden, wie er mir spÀter sagt. Jeder geht mit Krieg anders um.

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Installation Todesengel.

Die Kunstwerke sind aus natĂŒrlichen Materialien, Gerstner verwendet unter anderem Erdfarben und Sand. FundstĂŒcke aus dem Ersten Weltkrieg wurden mit „eingebaut“.

Manche Kunstwerke finde ich eher ausdruckslos, wahrscheinlich, weil ich sie nicht richtig verstehe. Von anderen kann ich mich fast gar nicht mehr losreißen.

Eines dieser Kunstwerke ist die Installation „Der Todesengel“. Es ist ein weißer Arztkittel, von dem Blut auf einen Spiegel tropft. Aus dem Blut auf dem Spiegel bildet sich ein Gesicht. Das des KZ-Arztes Dr. Josef Mengele.

Der „Todesengel“.

„Der Todesengel“ steht fĂŒr alle KZ-Ärzte des Naziregimes, die grausame Menschenversuche durchgefĂŒhrt haben“, sagt die Kunsthistorikerin Kurzer.

Von Konzentrationslagern (KZ) handelt die Bilderfolge „Auschwitz“. Das KZ Auschwitz (OÅâ€șwiÄℱcim) ist das Symbol, das „Musterbeispiel“ fĂŒr alle Konzentrationslager, in denen Menschenverachtung an der Tagesordnung waren.

Vier dunkle KĂ€sten hĂ€ngen an der Wand. Alle mit unterschiedlichen Motiven. Eins zeigt Kinder, die ihre tĂ€towierten Lagernummern zeigen. Ein anderes das „typische“ Bild von Auschwitz. Gleise, die in das Lager hinein fĂŒhren. „Arbeit macht frei“ als Überschrift. Stacheldraht verdeutlicht, dass es aus diesem Schicksal kein Entrinnen gibt. Das letzte verdeutlicht die Not der internierten Menschen, vor allem das der Kinder.

Noch ein weiteres Kunstwerk berĂŒhrt mich, denn es ist schlicht, aber ausdrucksstark. Ledersohlen auf dem Boden, mehrere, die sich immer weiter auflösen. Es sind Ledersohlen von Soldaten. Es symbolisiert, wie der Titel schon sagt, die „Letzten Schritte“ eines Soldaten. Wohin, erfĂ€hrt man nicht. Woher sie kamen, auch nicht.

Manche halten Small-Talk, manche sind sehr nachdenklich.

Zum Abschluss spielt Rudolf Klee, dem laut Reinhard Christmann „die gesamte Ausstellung zu verdanken ist“, noch einmal Keyboard. Wieder eine schwere Melodie, „passend“ zum Krieg.

Dann steht er auf und trÀgt unerwartet zwei politikkritische Gedichte vor. Eins ist sehr zynisch dem ehemaligen US-PrÀsident George W. Bush gewidmet.

Manche Kunstwerke lassen sich nur schwer verstehen. So wie Kriege. Die Besucher gehen irgendwann nach Hause. Manche halten Small-Talk, manche sind sehr nachdenklich. Über Krieg. Und verletzte Seelen.

Link:
Weitere Informationen zur Ausstellung und begleitenden Veranstaltungen.

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Anmerkung der Redaktion: Anna Ewald (16) ist Gymnasiastin in Schriesheim, interessiert sich sehr fĂŒr Politik und Medien und absolviert ein schulbegleitendes Praktikum bei uns. Dabei lernen junge Menschen bei uns, was Journalismus ist: Handwerk, Öffentlichkeit und verantwortliche Meinung.
Wir legen dabei einen besonderen Wert auf den eigenen Blick dieser jungen Menschen. Sie berichten aus ihrer subjektiven Perspektive, was sie mit wem zu was wie erleben. Wir unterstĂŒtzen sie dabei journalistisch und redaktionell.
Hier finden Sie eine Übersicht aller Texte von Anna Ewald auf dem ladenburgblog.
Wer Interesse an einem Praktikum hat, kann sich gerne formlos bewerben – allerdings sind erst ab April 2011 wieder PlĂ€tze frei.

Der Augenblicker: Rudolf Klee stellt im Alten Rathaus aus

Guten Tag!

Heddesheim/Ladenburg, 20. Juni 2010. Rudolf Klee ist ein beeindruckender KĂŒnstler und so ist auch seine Kunst. Im Alten Rathaus ist eine eindrucksvolle Ausstellung des Ladenburgers ĂŒber 40 Jahre kĂŒnstlerisches Schaffen zu sehen. Unser Tipp.

Von Sabine Prothmann

Rudolf Klee: ausdrucksstark. Bild: ladenburgblog

„Kunst kommt von Können“, sagte der Ladenburger VollblutkĂŒnstler Rudolf Klee. „KĂ€me es von Wollen, mĂŒsste es ja schließlich Wulst heißen“.

Und sein Können konnten die gut 40 Besucher bei der Eröffnung seiner Ausstellung am gestrigen Sonntag im Alten Rathaus in Heddesheim bewundern.

Und sein Können erstreckt sich nicht nur in seinen 38 Zeichnungen, Radierungen, Malereien, Lithografien und seinen fĂŒnf Plastiken, die der KĂŒnstler in der Ausstellung des Heddesheimer Kunstvereins unter dem Titel „Vier Jahrzehnte – Malerei und Graphik“ zeigte, sondern auch in seinen Gedichten und Improvisationen am Klavier.

„Es geschieht, nichts ist geplant, ich möchte die Dinge in ihrem Ursprung begreifen“, erklĂ€rte Rudolf Klee.

Was der Ausstellungsbesucher sofort begreift, ist die Ausstrahlung, die AuthentizitĂ€t dieses KĂŒnstlers.

Die breit gefĂ€cherte Vielseitigkeit von Rudolf Klee, die KreativitĂ€t, die außer der bildenden, auch die literarische und musikalische Kunst mit einschließt, betonte Martine Herm, 1. Vorsitzende des Kunstvereins, in ihrer BegrĂŒĂŸung. Was treibt ihn an? „Wir wollen eintauchen in die Welt des Rudolf Klee.“

Die EinfĂŒhrung in sein Werk wollte der KĂŒnstler selbst geben.

Und er nahm seine Besucher mit auf eine Reise durch seine Kunst, sein Empfinden, sein Erleben.

Aus drei Tönen ließ er am Klavier eine Improvisation entstehen. „Drei Töne nehme ich heraus und spiele mit ihnen.“ Drei Töne, drei Striche, drei Worte – das kann der Anfang sein, fĂŒr eine wunderbare Melodie, ein Bild oder ein Gedicht. „Ich mach-€ℱ halt Dinge, die mich berĂŒhren.“

Der 1936 in Bingen geborene Klee ist in Viernheim aufgewachsen. In seiner Jugend verbrachte er viel Zeit als Organist und Messdiener in der Kirche. Er beobachtete die Schatten, die entstanden durch das Licht, das durch die Kirchenfenster fiel. „Ich trĂ€umte von Glas und Edelsteinen.“ Dann habe er ein Bild des Kubisten Lionel Feininger gesehen und er wusste: „Kubismus törnt mich an.“

Beim Ausstreichen der Farbrollen, die er fĂŒr Lithographien verwendete, entstanden Farbbahnen und kubistische Elemente. In die er wiederum zeichnete, wie in dem Bild „Gesetzestafel“.

Der Besuch von Kursen zu Radierungen ließ fĂŒnf kleine Kunstwerke entstehen. Technisch perfekt, außergewöhnlich durch ihre Titel, durch ihren Wortwitz, direkt durch ihre gesellschaftliche Kritik.

Wenn ein Keim aus einer Nuss treibt wird das bei Klee zum „Kernreaktor“. Wenn die Richter anstelle von Köpfen Pilze tragen, ist der Namen Pilzgericht nicht weit und der Galgen wird zur Richtschnur.

Die Freiheit ist fĂŒr ihn ein hohes Gut, „sie wird uns geschenkt“, und er möchte sich nicht zu sehr einengen lassen.

In der Zeichnung „TraumbĂŒhnenlandschaft“, befindet sich ein Fenster – das dem Beschauer in seinen Bildern immer wieder begegnet – als Symbol fĂŒr unsere Gedanken, die entfliehen, die raus gehen.

Ein großes Vorbild fĂŒr Rudolf Klee ist der KĂŒnstler Horst Jansen, „fĂŒr mich ist er der grĂ¶ĂŸte Zeichner des vorangegangenen Jahrhunderts. Er konnte alles.“

Somit begann in den 70er Jahren seine „Jansenphase“. Jansen zeichnete das Selbstportrait von Casper David Friedrich und Klee kopierte, fĂŒgte hinzu, verĂ€nderte, sein „Friedrich nach Jansen“ entstand. Seine Bilder in dieser Schaffensperiode bezeichnet Klee als phantastischen Realismus. Schuhe werden zu „Der Redner und seine Meute“. Das Gesicht von Strauß verwandelt sich in „Metamorphose“ zu dem Gesicht von DĂŒrers Mutter. In einem Landschaftsbild finden wir ein Selbstportrait von Rembrandt, in einer Traumlandschaft das Gesicht eines alten Mannes von Leonardo Da Vinci und doch bleibt es immer ein Klee.

„Jede Landschaft hat ein Gesicht“ – und so entstehen immer wieder Landschaftsbilder mit eindringlichen Portraits verwoben, so wird das melancholische Gesicht mit der Herbstlandschaft zu einer Einheit.

Exponat. Bild: heddesheimblog

„Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar“, zitiert Rudolf Klee seinen berĂŒhmten Namensvetter Paul.

Die nĂ€chsten Bilder, die er dem Betrachter erschließt, sind betitelt mit „Morgen im Feld“, „Abend am Feldrand“ und „Nocturne“. Zarte Violetttöne, leuchtendes Rot,nĂ€chtliches Blau – „Ich bin ein romantischer Mensch“. Und:„Auch Kitsch ist erlaubt“. Aber: „Kunst ist alles, was ehrlich ist, was vom Herzen kommt“ und grenzt sich dabei ab von Kitsch, bei dem Form und Inhalt nicht ĂŒbereinstimmen.

Hat er zunĂ€chst seinen Landschaftsbildern noch Gesichter zugesellt, geht er in seiner nĂ€chsten Phase ein Schritt weiter. „Jedes Portrait beginnt mit dem Auge“ und so reduziert er die Gesichter auf den „Augenblick“ und zitiert Goethe „alle Macht geht vom Auge aus“ und noch weiter „verweile doch du Augenblick, du bist so schön“ als drohenden Niedergang.

Der Augenblick als Zeiteinheit, als Moment, der Augenblick als Wesen. Die Bilder sind betitelt mit „Vor dem Augenblick“, „Dem Augenblick begegnen“ oder auch „Im Tanz mit dem Augenblick“.

In Ölbilder zeichnet und schreibt er Schriften, denn „ich schreibe alles mit der Hand, ich bin ein Fossil, ich habe kein Computer, kein Handy“.

Rudolf Klee möchte die Dinge im Ursprung begreifen, durch die VirtualitĂ€t des Computers gehe fĂŒr ihn das Begreifbare verloren.

Die Ausstellungseröffnung beschließt er mit seiner Poesie mit seiner Musik. Wenn er an George W. Bush das Gedicht „Vom Wert der Ehre“ schreibt und diesem Liszts Prélude zur Seite stellt, wenn er in „EntrĂŒstung“ von „entrĂŒstet euch“ spricht und in „Ein Gebet“ dazu auffordert „lass uns frei sein wie ein Kind“, passiert es, dass der Betrachter und Zuhörer GĂ€nsehaut bekommt. Denn das, was Rudolf Klee mit seiner Kunst, seinen Zeichnungen und GemĂ€lden, seinen Gedichten und seiner Musik zeigt, ist glaubhaft, kommt von Innen und lĂ€sst den Besucher „froh nach Hause gehen“.

Die Ausstellung „Vier Jahrzehnte – Malerei und Graphik“ mit Arbeiten von Rudolf Klee ist noch bis 18. Juli 2010 Im Alten Rathaus, sonntags von 14:00 bis 17:00 Uhr, zu sehen.

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