Samstag, 23. Juni 2018

Will die Agentur Leistungen der Stadt ├╝ber einen Bericht in der RNZ erpressen?

Unverhohlene Drohung – die Demi und ihr Sturm

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Schlammschlacht: Im Sommer sah die Festwiese nach einem Konzert von Xavier Naidoo aus wie ein Acker – jetzt hetzt die RNZ ├╝ber beste Verbindungen zu Demi Promotion gegen Bensheim und setzt Ladenburg unter Druck. Zeit, dass sich der Gemeinderat der Sache annimmt. (Archivbild)

 

Ladenburg/Hirschberg, 27. November 2013. (red) Die Rhein-Neckar-Zeitung hat sich heute Sorgen um die Zukunft des Musiksommers in Ladenburg gemacht. Die Hirschberger Agentur Demi Promotion hat wohl Probleme mit der Finanzierung und sucht die Schuld bei anderen. Doch das ist nur der vordergr├╝ndige Teil der Geschichte. Interessanter sind die Hintergr├╝nde – vor allem die versuchte Erpressung im Mantel einer „Berichterstattung“. [Weiterlesen…]

Geprothmannt

Eskalierende Berichterstattung

Ein Jugendlicher zerst├Ârt eine Scheibe und die RNZ suggeriert aufgrund einer „Zeugenaussage“, die Polizei sei schuld, weil zu „rabiat“. Gehts noch?

 

Rhein-Neckar/Schriesheim, 15. Oktober 2012. (red/pro) In Schriesheim gab es vor kurzem so etwas wie Chaostage. Rund 250 zum Teil heftig besoffene Jugendliche treffen sich einer „Abrissparty“. Rund 50 eilig herbeieilende Polizisten bekamen die Lage aber in den Griff. Die „Qualit├Ątspresse“ sieht das anders. Und pumpt einen 20-j├Ąhrigen Chaos-Beteiligten zum „Kronzeugen“ auf.

Von Hardy Prothmann

Nein, ich mache jetzt keine Namensanspielungen zum Beitrag von Carsten Blaue in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 09. Oktober 2012 mit der ├ťberschrift:

Sorgte die Polizei f├╝r eine Eskalation?

Aber ich frage mich sehr wohl, was den RNZ-Journalisten dazu treibt, eine solche ├ťberschrift zu formulieren und einen Beitrag zu verfassen, der jeden aufmerksamen Leser vollst├Ąndig ersch├╝ttert zur├╝ckl├Ąsst: Ist dieser Artikel ein Beispiel f├╝r den angeblichen Qualit├Ątsjournalismus der Tageszeitungen?

Abriss“birnen“

Zur Sachlage: Am Abend des 05. Oktobers 2012 finden sich in Summe rund 250 Jugendliche in Schriesheim zusammen, um an einer „Abrissparty“ teilzunehmen. Sie rotten sich in Gruppen zusammen, saufen mitgebrachte Alkoholika, werden auff├Ąllig und die Polizei reagiert. Insgesamt rund 50 Streifenbeamte der Polizeidirektion Heidelberg, unterst├╝tzt durch das Polizeipr├Ąsidium Mannheim treffen in Schriesheim ein, errichten Kontrollpunkte und versuchen die Lage zu kl├Ąren.

Die Mannheimer Beamten kennen sich vor Ort nicht aus – das geht auch vielen Heidelberger Polizisten so. F├╝r einen Einsatzplan bleibt keine Zeit. Der Einsatz kommt ├╝berraschend. Und man „jagt keine Verbrecher“, sondern betrunkene Jugendliche, die unter der Woche sicher Mamas und Papas Liebling sind. Brave Kinder im Alkoholausstand.

Chaos-Nacht in Schriesheim

Die Jugendlichen zerdeppern Flaschen auf der Stra├če (welche, spielt keine Rolle, es h├Ątte ├╝berall sein k├Ânnen), verm├╝llen den Platz vor einem fr├╝heren Handelsmarkt, demolieren zwei Autos, schlagen die T├╝rscheibe einer Bahn ein, gr├Âhlen, beleidigen und provozieren Beamte.

Die Jugendlichen werden abgeschirmt, begleitet, in kleinen Gruppen in die Bahnen gesetzt. Nach vier bis f├╝nf Stunden ist der Spuk am Freitagabend kurz vor Mitternacht vorbei. Die Lage ist beruhigt.

In der Folge schreibt ein 20-j├Ąhriger eine email an die Rhein-Neckar-Zeitung. Die Zeitung nennt den Namen des email-Schreibers, sein Alter und seinen Wohnort. Dass sie dabei gegen jede Grundregel des Quellenschutzes verst├Â├čt, ist Redakteur Carsten Blaue scheinst, vollst├Ąndig egal.

Quellenverbrennung

Guter Journalismus bewahrt „Quellen“ auch vor Selbstschaden. Den hat der junge Mann jetzt. Denn er wird f├╝r einen vermeintlichen „Scoop“ (journalistische Aufdeckung) klasklar missbraucht. Es gibt journalistisch ├╝berhaupt keinen Grund, Namen, Alter und Wohnort und „Status“ des Informanten als „Beteiligten“ zu nennen – au├čer die Folgen f├╝r den Informanten sind einem RNZ-Journalisten einfach nur egal. Jeder „Informant“ sollte es sich genau ├╝berlegen, ob man dieser Zeitung trauen kann.

Die Rhein-Neckar-Zeitung stellt tats├Ąchlich wegen der Behauptung eines einzelnen, jungen „Erwachsenen“ den Einsatz der Polizei in Frage. Fragen zu stellen, ist journalistisch absolut legitim. Geradezu notwendig. Aber welche Fragen wurden gestellt?

Jugendliche in Abrisslaune randalieren, die Polizei bekommt die Lage in den Griff und die Zeitungsberichterstattung „eskaliert“.

 

„Blaues Sicht“ – null Recherche

Der junge Mann behauptet, die Polizei sei „rabiat“ gewesen. Hier muss man nachhaken. Was meint das? Hat die Polizei etwa klare Ansagen gemacht? Oder auch ein bisschen „gedr├Ąngelt“?

Der junge Mann behauptet laut der Zeitung aber auch, die Polizei sei „gewaltt├Ątig“ gewesen. Und sp├Ątestens hier ist Schluss mit lustig. Gewalt hat Konsequenzen: H├Ąmatome, blaue Augen, Platzwunden, Verletzungen eben.

Sind Verletzungen dokumentiert? Nein. Wurde die Polizei befragt, ob es Festsetzungen gab, Schlagstock- oder Tr├Ąnengaseinsatze? Nein.

Denn das h├Ątte ja „den Aufreger“ zunichte gemacht.

Wurde im Ansatz von Herrn Blaue und der Redaktion ├╝ber die Lage vor Ort nachgedacht? ├ťber die Einsatzwirklichkeit der Polizei?

L├Ącherliche Polizei vs. bl├Âdsinnige Meinung

50 Beamte stehen 250 mehr oder weniger alkoholisierten Jugendlichen gegen├╝ber, die in „Abrissparty-Laune“ sind. Ohne jegliche Vorbereitung. Glaubt der Journalist tats├Ąchlich, dass die Polizei so dumm ist und durch falsches Verhalten diesen schon sichtbar aggressiven Mob noch mehr zu reizen?

Die Einsatzwirklichkeit von Polizeibeamten beschreibt der Pressesprecher Harald Kurzer so:

Wir sind teilweise das Gesp├Âtt der Stammtische. F├╝nf Beamte waren n├Âtig, um einen ausrastenden Betrunkenen unter Kontrolle zu bringen – ja, haben die gar nix drauf?

Gute Frage, n├Ąchste Frage. Sollen die Beamten kn├╝ppeln oder gar schie├čen? Um eine ausrastende Person zu „stabilisieren“, braucht es mindestens zwei, eher drei oder sogar f├╝nf Personen. Vor allem, um die Person vor Verletzungen zu bewahren, die sonst umung├Ąnglich w├Ąren. Die Methode „Schlagstock ├╝ber den Sch├Ądel ziehen“ wird ├╝berwiegend nur noch in Diktaturen angewandt, nur Herr Blaue hat das noch nicht mitbekommen.

Gehts noch?

Konkret vor Ort hie├če das, die Polizei h├Ątte nicht mit 50 Beamten, sondern mit 500 oder besser 750 Beamten vor Ort sein m├╝ssen. Wegen einer bl├Âd-besoffenen Abrissparty-Laune, die ├╝ber Facebook „organisiert“ wurde? Gehts noch? Denkt ein Herr Blaue abgesehen von der Absurdit├Ąt der Vorstellung auch mal ├╝ber die Kosten f├╝r den Steuerzahler nach?

Geht Herr Blaue davon aus, dass am Wochenende hunderte von Polizisten in Einsatzbereitschaft sind, um dem feierw├╝tigen Nachwuchs klar zu machen, dass man sich mal eben nicht irgendwo trifft, um zu saufen und was kaputt zu machen? Und wenn dies so w├Ąre, berichtete die RNZ dann ├╝ber „Polizeistaatsverh├Ąltnisse mitten in Deutschland“?

Bl├Âdsinniger kann man tats├Ąchlich nicht „berichten“, als die Rhein-Neckar-Zeitung das im Fall der „Schriesheim-Flashmobs“ getan hat. Ohne Recherche, ohne Sinn, ohne Verstand.

Falsches Ticket

Ich f├╝r meinen Teil hoffe, dass die Beamten vor Ort den besoffenen Jugendlichen so deutlich wie m├Âglich klar gemacht haben, dass es niemanden interessiert, ob man in die falsche Bahn gesetzt wird und einmal umsteigen muss, nachdem man sich verabredet hat, sich die Birne aufzuweichen und was kaputt zu machen.

Jeder, der an diesem Freitagabend mit dieser Stimmung nach Schriesheim gefahren ist, war „mit dem falschen Ticket“ unterwegs.

Und die Schriesheimer Bev├Âlkerung kann sehr dankbar sein, dass die Polizei daf├╝r gesorgt hat, dass die Situation vor Ort nicht eskaliert ist und niemand wirklich zu Schaden kam. Den T├╝reinschlager hat man festgestellt, er wird zur Verantwortung gezogen. Wer noch finanziell (Party-Veranstalter oder Facebook-Einlader) f├╝r den Einsatz aufkommen muss, wird noch gepr├╝ft. Die Besitzer der demolierten Autos haben hoffentlich eine Vollkasko, sonst bleiben sie vermutlich auf dem Schaden sitzen. Alle anderen Autobesitzer sind der Polizei dankbar.

Die friedliche und k├╝nstlerische Idee des „Flashmobs“ wurde ebenfalls besch├Ądigt, die vielen tollen M├Âglichkeiten der sozialen Medien ebenso, denn f├╝r Zeitungen ist alles mit Internet sowieso „igitt“.

Eskalation vs. gute Polizeiarbeit

Die „Eskalation“ hat im Kopf eines Zeitungsschreibers stattgefunden, der journalistische Standards nicht beherrscht, sondern selbst auf Krawall aus ist. Flankiert von einer Zeitung, die an Standards offensichtlich nicht interessiert ist. Gew├╝rzt mit einer (zeitungsredakteursimmanenten) Panikstimmung gegen├╝ber dem Internet. Und der verlorenen Hoffnung, vielleicht irgendeinen bl├Âd-besoffenen Jugendlichen, der eh keine Zeitung liest, f├╝r die Zeitung zu interessieren.

Es k├Ânnte sein, dass die Rhein-Neckar-Zeitung den ein oder anderen Polizisten als Abonnenten verloren hat, der sich solche Berichte „einfach nicht mehr geben muss“.

Dokumentation: Die Berichte in der Rhein-Neckar-Zeitung k├Ânnen Sie hier nachlesen (sofern sie nicht gesperrt werden)

Sorgte die Polizei f├╝r eine Eskalation?

Mit jeder Bahn kamen mehr Jugendliche?

Wie die Rhein-Neckar-Zeitung „politisch berichtet, k├Ânnen Sie hier nachlesen:

Politische „Berichterstattung“ bei der RNZ

 

 

 

 

Politische PR-Berichterstattung – RNZ schweigt

"Mens agitat molem" hat die RNZ als Leitspruch - "der Geist bewegt die Materie". Fragt sich nur, welche Art von Geist gemeinst ist.

Rhein-Neckar, 22. November 2011. (red) Am 17. November 2011 hat die Redaktion auf dem Rheinneckarblog.de aufgedeckt, dass die Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) politische PR-Propaganda f├╝r die CDU und Stuttgart 21 macht. Ein Text des CDU-Landtagsabgeordneten Georg Wacker war als redaktioneller Text getarnt in weiten Teilen inhaltlich und sogar wortgleich ├╝bernommen worden. Wir haben die Chefredaktion damit konfrontiert und um Auskunft gebeten, ob sich die RNZ noch als unabh├Ąngige Zeitung oder als Propaganda-Organ sieht. Die Frage scheint beantwortet.

Von Hardy Prothmann

Angeblich hatte den Text der Redakteur Stefan Hagen geschrieben – schlie├člich war der Artikel mit seinem Namen gekennzeichnet. Auf R├╝ckfrage bei Herrn Hagen hat dieser den Text als seinen eigenen ausgegeben. Zu dumm nur, dass am Tag vor Erscheinen der Ausgabe der mehr oder weniger gleiche Text schon beim CDU-Politiker und fr├╝heren Staatssekret├Ąr Georg Wacker auf dessen Homepage erschienen war.

Wir haben die Chefredaktion der RNZ um Antwort gebeten, wie es dazu kommen konnte. Seit dem 17. November hatte die RNZ Zeit, zu der brisanten Frage Stellung zu beziehen, ob sich die Zeitung als unabh├Ąngig oder als parteipolitisches Propaganda-Blatt begreift. Oder, ob Herr Hagen gar als „Ghostwriter“ f├╝r Herrn Wacker arbeitet und damit tats├Ąchlich „seine eigenen“ Texte in der Zeitung nochmals ver├Âffentlicht? Immerhin beharrte er darauf, dass der abgedruckte „sein Text“ sei.

Eine Antwort fehlt bis heute und wird vermutlich auch nicht mehr kommen. Doch auch eine Nicht-Antwort ist eine Antwort. Jede anst├Ąndige Redaktion, die sich einem unabh├Ąngigen Journalismus verpflichtet f├╝hlt, h├Ątte geantwortet und diese vermeintlich unhaltbaren Vorw├╝rfe zur├╝ckgewiesen oder im Falle eines Fehlers diesen eingestanden, korrigiert und die n├Âtigen Konsequenzen gezogen.

Nicht so die RNZ-Chefredaktion. Die beiden Chefredakteure schweigen. Kein Dementi, kein Eingest├Ąndnis eines Fehlers, keine Erkl├Ąrung. Nur ein schwaches Wegducken.

Tats├Ąchlich ist es unerheblich, ob die Zeitung Parteipropaganda f├╝r die CDU oder eine andere Partei macht. Propaganda bleibt Propaganda und hat mit seri├Âsem Journalismus nichts zu tun. Da kann die Zeitung noch so stolz sein, als erste Zeitung 1945 in W├╝rttemberg-Baden gegr├╝ndet worden zu sein – mit solchen miesen Methoden rangiert man sich aufs journalistische Abstellgleis ohne Chance auf Anschluss.

M├Âglicherweise versteht man aber unsere Anfrage auch nicht, weil diese Art „zu arbeiten“ mittlerweile der „publizistische Standard“ bei der RNZ ist.

Immerhin: CDU-Mann Georg Wacker „steht zu seiner Interpretation“ und hat auf einen weiteren Bericht von uns reagiert, in dem wir der CDU Weinheim unredliche Stimmungsmache vorwerfen.

Lesen Sie zum Thema:

Nachgefragt: Wie wird aus einer politischen PR-Meldung ein redaktioneller Text in der RNZ?

Wacker steht zu Interpretation der Herrmann-Antwort

Offener Brief an die CDU Weinheim: Unredlich ist, wer falsch Zeugnis ablegt

Was von der Berichterstattung der RNZ unter dem K├╝rzel „stu“ zu halten ist


Guten Tag!

Ladenburg, 02. M├Ąrz 2011. F├╝r die Rhein-Neckar-Zeitung berichtet aus Ladenburg Axel Sturm („stu“). Sein Bericht „SPD will den Verkehr und die Gem├╝ter beruhigen“ ist mindestens problematisch.

Von Hardy Prothmann

„Objektive Berichterstattung“ muss man von der „Presse“ erwarten k├Ânnen – geht es nach der „alten Schule“.

Der Terminus „objektive Berichterstattung“ ist l├Ąnst problematisch geworden – seri├Âse Beobachter der Medien sprechen l├Ąngst von „subjektiver Berichterstattung“ und konzentrieren sich auf Faktentreue und Transparenz.

Wie objektiv schreibt das SPD-Mitglied Axel Sturm wohl ├╝ber eine SPD-Hauptversammlung? Quelle: RNZ

Denn die „Presse“ ist l├Ąngst nichts mehr das, was man vor langer Zeit vermutet hat und was eine „Erwartungshaltung“ definiert hat.

„Die Presse“ ist seit vielen Jahren eine breit gef├Ącherte Medienlandschaft aus Zeitungen, Funk und Fernsehen. Seit gut 15 Jahren geh├Ârt das Internet dazu, seit einigen Jahren ist das Internet der treibende Motor f├╝r „Pressever├Âffentlichungen“ – das musste nicht nur Herr zu Guttenberg gerade schmerzlich feststellen.

Es mag viele Menschen geben, die das Internet immer noch ablehnen und nicht verstanden haben oder verstehen wollen. Seien es Spie├čer in Deutschland oder Diktatoren in der arabischen Welt – beide Gruppen haben deutliche Probleme, die Dynamik des Internets zu realisieren.

Aber auch die gedruckte Presse, also Zeitungen, haben ein enormes Problem damit, die „Umw├Ąlzungsprozesse“ zu analysieren und umzusetzen.

Nicht nur „virtuell“, sondern auch ganz real – denn immer mehr Informationen sind ├╝ber das Internet zu erfahren.

Beispielsweise auch, dass die Rhein-Neckar-Zeitung ihren „Ladenburg-Korrespondenten“ Axel Sturm ├╝ber eine Hauptversammlung des SPD-Ortsvereins Ladenburg schreiben l├Ąsst, obwohl der Mitglied der SPD ist und an der Abstimmung teil nimmt.

Was hat das mit objektiver Berichterstattung zu tun? Gar nichts?

Tats├Ąchlich sind in dem Bericht von Axel Sturm „Die SPD will Verkehr und die Gem├╝ter beruhigen“ einige Fakten zutreffend und andere gesch├Ânt und andere weggelassen. Es handelt sich also um eine subjektive, semiprofessionelle Berichterstattung.

Das allein ist noch nicht bemerkenswert – es gibt in deutschen Regionalzeitungen noch viel „bratwurstigere“ Berichte als selbst ein „Bratwurst-Journalist“ wie Sturm sie anfertigt.

Bemerkenswert ist, dass eine Zeitung wie die Rhein-Neckar-Zeitung einen freien Mitarbeiter, der Mitglied der Partei ist, ├╝ber die er schreibt, dieses tun l├Ąsst. Und zwar ohne einen Hinweis, dass es eine gewisse Befangenheit geben k├Ânnte.

Das ist, mit Verlaub, Betrug am Leser und ein Skandal und wenn es das g├Ąbe, eine schon vors├Ątzliche Straftat in bezug auf eine objektive Berichterstattung.

Die Rhein-Neckar-Zeitung w├Ąre gut beraten, diese „Berichterstattungspraxis“ sofort einzustellen. Alternativ k├Ânnte sie zu jedem Bericht von Axel Sturm dazu schreiben, dass dieser aktives SPD-Mitglied und somit bei allen Berichten zur SPD vermutlich befangen ist.

Die RNZ kann darauf aber verzichten – ebenso wie auf ein transparente Berichterstattung. Ob der Zeitung solche „Methoden“ gut tun, darf bezweifelt werden.

RNZ berichtet ├╝ber Feuerwehr – oder tut sie nur so, als ob?


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 19. Januar 2011. Die Zeitungen galten lange als Gralsh├╝ter der Information mit hoher Verantwortung und „Glaubw├╝rdigkeit“: Aber auch als „Gatekeeper“, quasi T├╝rsteher, die mit geschultem Blick angeblich garantierten, wichtige Informationen von unwichtigen zu trennen. Dieser Mythos war schwer zu ├╝berpr├╝fen, weil es kaum „Kontrollm├Âglichkeiten“ gab. In Zeiten des Internet gibt es f├╝r alle B├╝rger die M├Âglichkeit, die Redlichkeit der Berichterstattung zu kontrollieren und das ist gut so.

Von Hardy Prothmann

Die Rhein-Neckar-Zeitung ist eine Fl├Ąchenzeitung mit einem gro├čen Einzugsgebiet und hat eine t├Ągliche Verbreitung von angeblich rund 91.000 Exemplaren. Die Auflage sinkt kontinuierlich. Im ersten Quartal 2009 waren es noch rund 98.000 Exemplare (laut IVW).

Das hat Gr├╝nde: Die Qualit├Ąt des Produkts stimmt (schon lange) nicht mehr.

Aufmerksame Leserinnen und Leser m├╝ssen sich belogen und betrogen vorkommen, wenn sie Informationen in der Zeitung mit Informationen au├čerhalb der Zeitung vergleichen.

Journalistische Leistung?

Ein aktuelles Beispiel ist ein Bericht vom 18. Januar 2011: „Ist bei der Feuerwehr Feuer unterm Dach?“, titelt die Zeitung und „berichtet“ ├╝ber die Feuerwehr Sulzbach.

"Feuer unterm Dach"? Umgeschriebene Pressemitteilung wird als "Autoren"-Bericht verkauft. Quelle: RNZ

Die Zeitung t├Ąuscht vor, dass der Artikel von Lutz Engert stammt. Auch der Autor Lutz Engert t├Ąuscht vor, dass es sich um eine tats├Ąchliche eigene journalistische Leistung handelt, immerhin steht er mit seinem Namen daf├╝r ein. Tats├Ąchlich besteht der Artikel zum ├╝berwiegenden Teil aus Informationen von Ralf Mittelbach, Pressewart der Feuerwehr Weinheim.

Wer vermutet, dass Lutz Engert vor Ort war und kenntnisreich ├╝ber die „Zust├Ąnde“ bei der Feuerwehr Sulzbach schreibt, der irrt. Lutz Engert, der seinen Namen ├╝ber den Artikel gesetzt hat, hat lediglich die Pressemitteilung von Ralf Mittelbach mit einem Vorspann versehen, dessen Informationen Umformulierungen der Pressemitteilung an sich sind. Vor Ort war Lutz Engert nicht.

Nun k├Ânnte man meinen, Lutz Engert habe wenigstens mit dem eigentlichen Verfasser telefoniert. Doch das trifft nicht zu.

Absurderweise umschreibt Engert die Informationen der Pressemitteilung, die (aus Journalistensicht) dankenswerterweise keine Sch├Ânwetter-Meldung ist, sondern durchaus kritisch Probleme bei der Sulzbacher Feuerwehr aufzeigt.

Arrogante „Berichterstattung“.

Was Lutz Engert nicht daran hindert, die vermutlich einzig benutzte Quelle als „kryptisch“ zu diffamieren, um dann selbst mehr als kryptisch ohne ein wesentliches Mehr an Information vom Leder zu ziehen. Der Rest des Artikels besteht aus Fragmenten von zwei „zusammengeschriebenen“ Pressemitteilungen von – Ralf Mittelbach.

Es ist ├╝berhaupt nicht verwerflich, Pressemitteilungen ├╝ber ein Medium zu verbreiten. Der Anstand gebietet aber, die Quellen transparent und nachvollziehbar zu nennen.

Zum Vergleich: Einen Tag vorher haben wir die Pressemitteilungen von Ralf Mittelbach ebenfalls verbreitet: „Feuerwehr Sulzbach ist Nachwuchslieferant – Spannungen bei der F├╝hrung„, hei├čt unsere ├ťberschrift auf dem weinheimblog zum Thema. Es gibt einen auf der Basis der Pressemitteilung selbst verfassten Vorspann und dann die korrekte Angabe: „Information der Feuerwehr“.

Auch wir haben die Spannungen erkannt, die in der Pressemitteilung aufgezeigt wurden und aufgenommen. Was wir nicht getan haben, ist, uns anzuma├čen, diese Informationen als einen selbstrecherchierten Autoren-Text auszugeben.

Normaler Wahnsinn.

Lutz Engert, der uns pers├Ânlich nicht bekannt ist, und die Rhein-Neckar-Zeitung besch├Ądigen mit einem solchen Artikel, der kein Einzelfall ist, sondern den „normalen Wahnsinn“ des t├Ąglichen „so-tun-als-ob“ darstellt, den Berufsstand des Journalismus erheblich, weil die Leserinnen und Leser nicht mehr wissen k├Ânnen, was ein echter eigener Artikel ist und was eine „zusammengekloppte“ Pressemitteilung.

Wir thematisieren die g├Ąngige Praxis des „Leser-Betrugs“ immer wieder, weil solche Artikel nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind.

Klar ist, dass Zeitungsredakteure unter einem enormen Druck stehen. Sie m├╝ssen viel Arbeit bew├Ąltigen – f├╝r Recherche bleibt vielen keine Zeit mehr.

Und wir behaupten nicht, dass alle von uns ver├Âffentlichten Informationen „gegenrecherchiert“ sind – wir sind ein kleines Team und bauen mit gro├čer Anstrengung und viel Idealismus bei kleinem Verdienst unser Angebot auf.

Im Gegensatz zur Zeitung k├Ânnen sich unsere Leserinnen und Leser auf unser Redlichkeit verlassen. Autoren-Artikel sind selbst recherchierte und verfasste Geschichten. Wir benennen unsere Quellen und die damit auch die Verantwortung f├╝r die Inhalte.

Das sind wir aus ├ťberzeugung unseren Leserinnen und Lesern schuldig – im vollen Bewusstsein, dass wir nicht nur manchmal, sondern sogar oft eine gew├╝nschte Gegenrecherche schuldig bleiben.

Indem wir die Quelle nennen und damit die Verantwortlichkeit f├╝r die Information, gen├╝gen wir aber unserem Anspruch von Transparenz und Glaubw├╝rdigkeit. Und wir geben uns jede M├╝he, m├Âglichst viele selbst-recherchierte Artikel zu bringen. Das bedeutet viel Arbeit, aber auch ein gutes und vielleicht sogar sehr gutes Ergebnis dieser Anstrengung.

Mangelnde Transparenz – tendenzi├Âse Berichte.

Die Zeitungen in unserem Raum, ob Mannheimer Morgen, Weinheimer Nachrichten oder die Rhein-Neckar-Zeitung stellen sich ├╝berhaupt keiner Transparenz. Sie lassen ihre Leserinnen und Leser im unklaren. Viele Artikel sind tendenzi├Âs, voll von nicht ├╝berpr├╝ften Informationen und werden trotzdem als „objektiver Journalismus“ tagt├Ąglich verkauft oder per bezahltem Abo zugestellt.

W├Ąre die Tageszeitung ein dioxinverseuchtes Ei, wollte es niemand mehr kaufen. Das Problem ist, dass immer noch viele Menschen der Zeitung als „glaubw├╝rdigem Medium“ ihr Vertrauen schenken. Es gibt aber keine Labors oder sonstige ├ťberwachungsstellen, die pr├╝fen, ob das, was auf der Verpackung steht, auch tats├Ąchlich ausgeliefert wird.

Und ganz sicher berichtet keine Zeitung ├╝ber den Skandal, dass ein Produkt: „Die Zeitung geh├Ârt f├╝r mich zum Leben“, immer h├Ąufiger ein faules Ei ist. So eine Art verdorbenes Gammelfleisch, ein Etikettenschwindel, ein aufgeh├╝bschtes Ramschprodukt. Umverpackt, neu sortiert, aber tats├Ąchlich minderwertig.

Faule Eier.

Wer den Mut hat, diese untragbaren Zust├Ąnde offen anzuklagen, muss – genau mit einer Klage rechnen. Vor allem, wenn er Dinge beim Namen nennt, die den faulen-Eier-Produzenten nicht gefallen.

Der Artikel ├╝ber die Sulzbacher Feuerwehr „Von Lutz Engert“ ist ein faules Ei.

Wir rechnen nicht mit einer Klage, sondern hoffen darauf, dass sich die Redaktion der Rhein-Neckar-Zeitung darauf besinnt, was Leserinnen und Leser zu Recht f├╝r viel Abo-Geld erwarten d├╝rfen: eine einwandfreie Berichterstattung.

Journalistischer Vergleich oder journalistische Unterlassung?

Sollten Herr Engert oder die Rhein-Neckar-Zeitung nicht mit unserem Bericht einverstanden sein, haben sie selbstverst├Ąndlich die M├Âglichkeit, eine Gegendarstellung zu verlangen. Sie k├Ânnen auch einen verbindlichen Wunsch ├Ąu├čern, einen Kompromiss zu finden, falls eine unserer Formulierungen m├Âglicherweise „strittig“ sein sollte.

Es besteht aber auch die M├Âglichkeit, sofort mit einem absurd hohen Streitwert eine Unterlassung zu verlangen. Doch dann m├╝ssen sich die Zeitung und Herr Engert auch der gerichtlichen Kl├Ąrung stellen, dass wir behaupten, dass die Zeitung einen „Haufen fauler Eier“ im Korb hat, die sie jeden Tag „an den Mann bringt“. Das k├Ânnte interessant werden.

Lieber w├Ąre uns ein journalistisches Kr├Ąftemessen und auch bei der Rhein-Neckar-Zeitung die erkennbare Anstrengung, ordentlichen Journalismus statt fauler Eier zu produzieren.

Denn den Zeitungen muss klar sein, dass ihre „Informationen“ nicht mehr „solit├Ąr“ alleine in der Welt sind und sofort und unmittelbar ├╝ber viele andere Informationen ├╝berpr├╝ft werden k├Ânnen – wer sich die M├╝he macht, erlebt, dass es oft zum Himmel stinkt.