Sonntag, 16. Dezember 2018

Gegenseitiges Abschreiben und Agenturhörigkeit sind kein Journalismus

Wenn die Medien Amok laufen

amoklauf

Der Sender RNF war schnell mit „Amoklauf“ bei der Hand.

Dossenheim/Weinheim/Heidelberg/Rhein-Neckar, 21. August 2013. (red) Das Drama von Dossenheim ersch√ľttert die Menschen in der Region. Ein 71-j√§hriger Mann hatte zwei M√§nner erschossen, f√ľnf weitere Personen verletzt und sich dann selbst get√∂tet. Angeblich sollen die Feuerwehren von einem „Amoklauf“ sprechen. Doch das ist falsch. [Weiterlesen…]

Museumsfest im Automuseum Dr. Carl Benz

Das rostigste Hobby der Welt

Museumsfest

Viele Oldtimer-Liebhaber schätzen das Museumsfest des Automuseum Dr. Carl Benz sehr. Foto: Automuseum Dr. Carl Benz

 

Ladenburg, 01. Juli 2013. (red/pm) Am kommenden Sontag, 07. Juli, findet das traditionelle Museumsfest des Dr. Carl Benz Automuseums statt. [Weiterlesen…]

Das Medienblog pushthebutton.de rangiert unter den 50 Top-Blogs

Heddesheim, 18. September 2011. (red) Der Dienst Virato.de hat die Top-50-Blogs in Deutschland nach dem SMQ-Index veröffentlicht. SMQ- (Social-Media-Quotient) ist die durchschnittliche Social-Media-Verbreitung (Facebook, Twitter) pro Artikel/Blogbeitrag einer Quelle.

„Diese Top 50 zeigen somit deutsche Blogs (oder blog√§hnliche Websites) an, die sehr beliebt sind und deren Content sehr oft von Usern √ľber soziale Netzwerke geshared wird. Andere bekannte Blogs, die man evtl. auch unter diesen Top 50 erwarten k√∂nnte, haben wahrscheinlich einen niedrigeren SMQ, da sie auch Artikel publizieren, die nicht so oft geshared werden und somit den Durchschnitt f√ľr die jeweilige Quelle herunterziehen“, schreibt Virato.de.

Das Blog pushthebutton.de des Journalisten Hardy Prothmann liegt deutschlandweit auf Platz 32, eingebettet zwischen dem lawblog.de von Udo Vetter, der dieses Jahr den Grimmepreis gewonnen hat und Ulrike Langer mit medialdigital.de, einer der renommiertesten Medienjournalistinnen in Deutschland. Auf Platz eins liegt der-postillon.com, Platz zwei belegt der Blog von Extra3 (NDR) und Platz drei das Nachrichtenportal gulli.com.

Hardy Prothmann betreibt sein Medienblog seit 2010, fr√ľher bei posterous.com, seit Fr√ľhjahr 2011 als eigenst√§ndiges Blog. Die eingesetzte Software ist WordPress, das angepasste Theme „Magazine Premium“ des kanadischen Entwicklers C. Bavota.

Vor allem die medienkritischen Beitr√§ge in Bezug auf Zeitungen werden in der Branche intensiv diskutiert und sich mehrfach von bildblog.de empfohlen worden. Zuletzt sorgte ein Artikel √ľber Leichenbilder des Regionalsenders Rhein-Neckar-Fernsehen f√ľr gro√ües Aufsehen.

Hardy Prothmann betreibt in Nordbaden und S√ľdhessen insgesamt sechs Lokalblogs f√ľr St√§dte und Gemeinden sowie das Regionalblog rheinneckarblog.de. Bundesweit findet sein Projekt gro√üe Beachtung und ist schon dutzendfach nachgeahmt worden. Im Dezember 2009 wurde er von der gr√∂√üten unabh√§ngigen Fachzeitschrift f√ľr Journalisten unter die Top 100 auf Platz 3 in der Kategorie „Regionales“ gew√§hlt.

Zusammen mit dem Gmunder Kollegen Peter Posztos (tegernseerstimme.de) gr√ľndet er zur Zeit das Unternehmen istlokal.de, das Lokaljournalisten bei ihrer Arbeit unterst√ľtzen wird. Die Beratungsgebiete sind Journalismus, Vermarktung, Technik und Recht. Im Netzwerk von istlokal.de befinden sich zur Zeit rund 70 lokale und regionale Internetzeitungen und Blogs, darunter die prenzlauerberg-nachrichten.de, regensburg-digital.de, ruhrbarone.de und pottblog.de.

Auszug aus der Top-50-Liste des Social Media Quotient (SMQ) bei virato.de

 

Faktencheck: RNF zeigte nicht nur einmal Leichenbilder als „Rohmaterial“


Mannheim/Rhein-Neckar, 12. September 2011. (red) Am Freitag haben wir das Rhein-Neckar-Fernsehen kritisiert, weil der-¬†Regionalsender unbearbeitete Aufnahmen von einer Leichenbergung nach einem Unfall auf der A5 im Online-Portal rnf.de ver√∂ffentlicht hat. RNF-Projektleiter Ralph K√ľhnl hat sich umfassend durch Kommentare dazu ge√§u√üert und behauptet, es handle sich um einen Fehler. Unsere Recherche zeigt, dass es wohl kein Fehler war. Die Ver√∂ffentlichung wurde sogar angek√ľndigt. Und es ist kein Einzelfall.

Von Hardy Prothmann

Am Donnerstag hat der Regionalsender Rhein-Neckar-Fernsehen „Rohmaterial“ von fast 12 Minuten L√§nge im Internet ver√∂ffentlicht. Also die Bilder, die ein Kameramann vor Ort nach einem Unfall auf der A5 aufgenommen hat.

In einer Szene, die fast zwei Minuten dauert, sieht man, wie die Bestatter die Leiche eines Unfallopfers in einen Sarg hieven. Der nachrichtliche Aussagegehalt ist gleich Null – kein seri√∂ser Sender w√ľrde eine solche Szene in dieser L√§nge ausstrahlen, wenn √ľberhaupt nur ein „Schnittbild“ von ein paar Sekunden L√§nge.

Wir haben daraufhin einen kritischen Kommentar geschrieben und diesen Vorgang als eine Art Trash-TV bezeichnet Рweil es gegen jeden journalistischen Standard verstößt, unbearbeitetes Material, egal, ob Ton, Text oder (Bewegt-)Bild zu veröffentlichen.

Erhebliche Zweifel an der Glaubw√ľrdigkeit der Darstellung

F√ľr den Sender hat Projektleiter Ralph K√ľhnl den Vorgang umfangreich kommentiert (siehe Kommentare hier am Ende des Artikels) und hat uns wiederum vorgeworfen, wir h√§tten unzureichend journalistisch gearbeitet – eine einfache R√ľckfrage h√§tte die Vermutung entkr√§ftet, dass das Rhein-Neckar-Fernsehen das „rohe“ Material absichtlich ins Netz gestellt h√§tte. Es liege ein Fehler vor. Ein nicht-redaktioneller Mitarbeiter habe eine „Nummer“ vertauscht, dadurch sei das Material ohne Absicht ver√∂ffentlicht worden und zudem nur f√ľr rund 2,5 Stunden sichtbar gewesen.

Wir haben erhebliche Zweifel an dieser Darstellung, denn die von uns recherchierten Fakten ergeben ein anderes Bild.

Rekonstruktion des Ablaufs:

Wir schildern den Ablauf, soweit wir diesen rekonstruieren können:

Am 08. September kommt es gegen 05:00 Uhr auf der A5 zu einem Unfall (siehe Bericht auf unserem Rheinneckarblog.de). Irgendwann sp√§ter treffen Reporter ein. Auch das RNF ist vor Ort und macht Aufnahmen. Der Kameramann kehrt in den Sender nach Mannheim zur√ľck und √ľberspielt die Aufnahmen von der Kamera ins Redaktionssystem.

Am 08. September 2011 „sendet“ RNF eine erste Meldung auf Facebook:

Erste Hinweis auf das "Rohmaterial" auf der Facebook-Seite vom RNF.

Ein knappe Stunde sp√§ter schreibt Ralph K√ľhnl selbst, erkennbar am K√ľrzel ^rk, einen Beitrag, mit dem Hinweis:

„Die Fakten vom Unfall-¬† auf der A5 haben wir bereits auf rnf.de gestellt.“

"Fakten zum Unfall"?

Die „Fakten“ zum Unfall also. Was meint er damit wohl? Hat er nichts von den „ersten Bildern bei rnf.de“ gewusst? Soll man ihm das glauben?

Hatte die Redaktion keine Kenntnis von dem Rohmaterial?

Um 12:46 Uhr schreibt Andreas Etzold, wie K√ľhnl „Projektleiter“ und zudem Jugendschutzbeauftragter (sic!) einen Hinweis auf den „Sendebeitrag“, der in der Abendsendung ausgestrahlt werden soll. Hat auch er √ľbersehen, dass das Rohmaterial online auch f√ľr Kinder und Jugendliche (es ist Ferienzeit) einsehbar ist?

Ralph K√ľhnel kommentiert sp√§ter unseren Bericht, am 10. September 2011 um 00:30 Uhr:

„Das Material, das im obigen Artikel beschrieben ist, stand am Donnerstag Morgen f√ľr ca. zweieinhalb Stunden auf der Startseite von rnf.de. Das h√§tte nicht passieren d√ľrfen.“

Diese Information konnten wir nicht √ľberpr√ľfen. Denn wir erfahren erst am Abend des 08. September 2011 durch einen Hinweis vom „Rohmaterial“, klicken auf den Link und sehen uns das Material an.

Die Bilder sprechen eine deutliche Sprache: Redaktionell unbearbeitetes Material wird uns gezeigt – wir sehen die Leichenszenen, pr√ľfen die Erreichbarkeit und gehen von der Homepage auf das Videoportal bei rnf.de und k√∂nnen den Beitrag dort aufrufen. Wir leeren den Cache unseres Computer und machen den Versuch an einem zweiten Computer – tats√§chlich l√§sst sich der Beitrag hier wie dort abrufen.

Stellt sich eine Recherchefrage wie Herr K√ľhnl das einfordert? Und ob wir gegen 21:00 Uhr abends noch jemandem im Sender erreicht h√§tten, wissen wir nicht. Wir meinen nicht, dass eine „Recherche“ notwendig ist – der Vorgang ist eindeutig, wir stellen diesen dar und ordnen ihn als das ein, was er ist, skandal√∂s. Am 9. September 2011, um 00:21 Uhr geht unser Text online.

Unser Artikel zu den „Leichenbildern“ bei RNF findet immer mehr Interesse

Am folgenden Tag wird unser Beitrag von Bildblog.de verlinkt – die Zugriffe steigen rasant an. Bundesweit lesen medieninteressierte Menschen unseren Artikel. Am Vormittag ist das „Rohmaterial“ immer noch bei rnf.de zu finden, auch am Nachmittag. Wir wundern uns √ľber die Kaltbl√ľtigkeit des Senders. Sp√§ter best√§tigen uns Leserinnen und Leser, dass der Film auch noch am fr√ľhen Freitagabend an diesem 09. September zu sehen war, ein Leser sah ihn auf seinem Handy.

Am 10. September, um 12:02 Uhr kommentiert Herr K√ľhnl: „H√§tten wir, wie uns in dem Hauptartikel vorgeworfen wird, mit dem langen Video einen Effekt erzielen wollen, dann h√§tten wir es entsprechend promoted und es nicht im Video-Portal versteckt. Dann h√§tten wir vielleicht in Hauptsendung ‚ÄúRNF Life-‚ā¨¬Ě in der Moderation gesagt: ‚ÄúWenn Sie mehr spektakul√§re Bilder von dem Unfall bei Heppenheim sehen wollen, dann klicken Sie jetzt ins Video-Portal auf rnf.de. Dort haben wir den gesamten Rohschnitt f√ľr Sie hinterlegt.-‚ā¨¬Ě Das haben wir aber nicht.“

RNF weist Sensationslust zur√ľck

Anscheinend wei√ü Herr K√ľhnl nicht mehr, was er selbst noch vor Fertigstellung des „Sendebeitrags“ in Facebook gepostet hat: „Die Fakten zum Unfall haben wir bereits auf rnf.de gestellt. ^rk“

Herr K√ľhnl erkl√§rt weiter irgendwas von „im Cache-Speicher“ und anderes Zeugs. Tatsache ist, dass wir und alle unsere Kontakte den Film nicht bei youtube oder √ľber Google gesehen haben, sondern direkt √ľber die rnf.de-Seite.

Es entwickelt sich eine lange Debatte mit vielen Kommentaren zu unserem Artikel.

Behauptungen werden aufgestellt

Darin behauptet Ralph K√ľhnl erst einen technischen Fehler, dann soll ein „nicht-redaktioneller Mitarbeiter“ im √úbereifer das „Rohmaterial“ online gestellt haben. Sehr schnell versucht sich Herr K√ľhnl darin, unsere Arbeit zu kritisieren, um vom eigentlichen Thema, dem skandal√∂sen Zur-Schau-Stellung eines Unfalltoten abzulenken.

Auch auf direkten Weg nimmt er Kontakt zu uns auf und teilt uns mit, dass ein Mitarbeiter den Fehler gemacht hat. Die sehr lange email, in der es auch um andere Dinge geht, sollen wir aber „vertraulich“ behandeln.

Wir sichern keine Vertraulichkeit zu, beantworten die email und damit war der Fall f√ľr uns erledigt.

Am folgenden Tag, den 11. September 2011, erhebt Herr K√ľhnl wieder massive Vorw√ľrfe gegen unsere Arbeit. Wir antworten entsprechend.

Rohes Material: Beitr√§ge mit „(no comment)“ sind Originalaufnahmen

Dann surfen wir nochmals auf der Seite von rnf.de, um eine Information zu √ľberpr√ľfen.

Wir trauen unseren Augen nicht. Im Videoportal von rnf.de stehen zwei weitere Beitr√§ge direkt untereinander, wieder ist einer mit „(no comment)“ gekennzeichnet. Der erste Beitrag ist ein Sendebeitrag vom 07. September 2011, wenn auch durch Amateurvideoaufnahmen von schlechter Qualit√§t.

F√ľr jeden Geschmack etwas: Sendebeitrag und "Rohmaterial" stehen untereinander.

Der zweite Film zeigt wiederum in der L√§nge von 01:34 Minuten nichts anderes als Bestatter, die in ein Haus gehen, mit der Leiche wieder herauskommen, diese verfrachten und davonfahren. Man h√∂rt vermutlich den Kameramann, der vermutlich telefoniert, als die Leiche aus dem Haus getragen wird: „Moment, jetzt kommen sie gerade. Ich kann nicht.“

„Moment, jetzt kommen sie gerade. Ich kann nicht.“

Angeblich dient dieses „Rohmaterial“ als Angebot an andere Sender, die dem Rhein-Neckar-Fernsehen die Bilder abkaufen k√∂nnen. Tats√§chlich verwendet das RNF im Beitrag zu dem t√∂dlichen Schusswechsel im Mannheimer Stadtteil Neckarau selbst gerade mal zehn Sekunden. Und auch diese wohl entweder in Ermangelung anderen Bildmaterials oder eben in vollem Bewusstsein, so etwas der √Ėffentlichkeit zeigen zu wollen. Beides ist journalistisch eine Bankrotterkl√§rung.

(Siehe unseren Beitrag dazu hier.)

Klicken Sie auf das Bild, um den Film zu sehen.

Angeblich kann man dieses „Rohmaterial“ nicht sehen – vermutlich, folgt man Herrn K√ľhnl, hat der „nicht-redaktionelle Mitarbeiter“ auch hier eine „Zahl verwechselt“. Eventuell hat sich auch dieser Beitrag in irgendeinem „Cache“ (Zwischenspeicher) verfangen und ist nun in den unendlichen Untiefen des Internet noch erreichbar. Ob Herrn K√ľhnl wohl noch eine andere Erkl√§rung einf√§llt?

F√ľr unseren Geschmack ist das ein wenig viel „angeblich, vermutlich, eventuell“.

„Das versendet sich.“ – Aber nicht mehr in Zeiten des Internet

Fr√ľher, also vor dem Internet, sagten TV- und Radio-Journalisten bei solchen „Fehlern“: „Das versendet sich.“ Man rechnete damit, dass nur wenige Menschen einen Beitrag speichern konnten, am n√§chsten Tag neue Themen das Interesse bestimmten und man somit fein raus war, weil die fehlerbehaftete Arbeit vergessen wurde.

Das Internet bietet aber gute Kontrollm√∂glichkeiten. Und die werden Herrn K√ľhnl und seinen Aussagen nun zum Verh√§ngnis – denn durch unsere Recherche gibt es begr√ľndete Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Behauptungen.

Mal untertellt, dass der Sender diese Beitr√§ge nicht absichtlich ver√∂ffentlicht, dann ist es ein Schlamperladen, dem zu viele Fehler passieren. Tats√§chlich muss man davon ausgehen, dass es absichtlich „passiert“ – wieso sonst w√ľrden die Redakteure „Bilder und Fakten“ anpreisen, bevor der Sendebeitrag fertig ist?

Wir werden den Sender wiederum nicht dazu befragen – wir sparen uns die M√ľhe, denn wir gehen davon aus, dass wir keine vertrauensw√ľrdigen Antworten erhalten.

Die Verwendung der Leichenbilder im Beitrag √ľber die Schie√üerei in Neckarau zeigt, dass der Sender selbst keine Skrupel hat, solches „Material“ zu verwenden und auch im Fernsehen in ungeb√ľhrlicher L√§nge √ľber die absolut notwendige „Dokumentation“ hinaus zu zeigen. Einen Nachrichtenwert haben solche Bilder nicht. In der l√§nge auch keinen dokumentarischen. Sie dienen einzig und allein dazu, die Sensationsgier zu stillen.

Bedauerlich ist, dass das Rhein-Neckar-Fernsehen vermutlich davon ausgeht, dass dessen Zuschauerinnen und Zuschauer solche Bilder sehen wollen.

Was das Rhein-Neckar-Fernsehen vom eigenen Publikum denkt – dar√ľber kann sich jeder selbst seine Meinung bilden.

 

Das Rhein-Neckar-Fernsehen zeigt ungeschnittene Opferbilder und diskreditiert sich damit zum Trash-TV


Fast zwei Minuten lang zeigt das Rhein-Neckar-Fernsehen, wie Bestatter einen Sarg bereitstellen, die Leiche des Opfers hineinwuchten, den Sarg schließen und Rausstehendes reinstopfen. Muss das sein? Quelle: RNF

Mannheim/Heppenheim/Rhein-Neckar, 09. September 2011. (red) Ein schwerer Unfall auf der A5 bei Heppenheim fordert ein Todesopfer. Medien berichten. Die √Ėffentlichkeit will wissen, was passiert. Das Rhein-Neckar-Fernsehen (RNF) zeigt fast zw√∂lf Minuten lang ungeschnittenes Videomaterial – darunter fast zwei Minuten die Leiche, die von Bestattern in einen Sarg gewuchtet wird. Ist das noch „Journalismus“ oder nur noch voyeuristischer Trash? Die Frage muss man nicht stellen – wer so verantwortungslos handelt, hat mit verantwortlichem Journalismus l√§ngst nichts mehr zu tun. Noch nicht einmal der Anschein wird noch gewahrt. Man h√§lt ohne Sinn und Verstand drauf und hofft auf „Quote“.

Ergänzung:

Der RNF-Mitarbeiter Ralph K√ľhnl hat gegen√ľber unserer Redaktion den Vorgang folgenderma√üen erkl√§rt: „Mit dem Einstellen des Rohschnitts ins Netz ist einem nicht-redaktionellen Mitarbeiter der Gaul durchgegangen. Dar√ľber gab es hier im Sender bereits gestern Diskussionen, die sicherlich dazu f√ľhren, dass ein solcher Fall nicht mehr eintritt.“ Weiter hat Herr K√ľhnl erkl√§rt, man habe nach Kenntnis des Fehlers das „Rohmaterial“ um einen ausf√ľhrlichen Text erg√§nzt und damit best√§tigt, dass die Redaktion auch nach Kenntnis der Ver√∂ffentlichung das Rohmaterial nicht sofort gel√∂scht hat. Es bleibt jedem selbst √ľberlassen, welche Meinung man sich aus diesen Informationen bilden mag.
Der Sender hat mittlerweile (wie von uns vorgeschlagen, siehe Kommentar 10. September 2011 um 16:56 Uhr) eine Entschuldigung unter dem Sendebeitrag veröffentlicht.
In den Kommentaren finden Sie weitere Informationen.

Von Hardy Prothmann

Als ich die Bilder vom Unfall auf der A5 vom Donnerstag auf dem Internet-Portal von RNF sehe, bin ich fassungslos. Nicht dar√ľber, dass ich eine Leiche sehe. Mein Beruf bringt es mit sich, dass ich viel Leid sehe, Zerst√∂rung und auch den Tod sehen muss. Hinschauen muss. Auch Polizisten, √Ąrzte, Sanit√§ter, Feuerwehrleute, Gutachter sind damit leider immer wieder konfrontiert.

Aber wir arbeiten professionell, jeder tut, was er tun muss. Und als Journalist berichtet man f√ľr die √Ėffentlichkeit dar√ľber, was passiert ist. Aber als verantwortlicher Journalist achtet man darauf, zwischen dem √∂ffentlichen und dem privaten Interesse zu unterscheiden.

Es ist absolut zul√§ssig, in Bild, Ton oder Schrift √ľber Opfer zu berichten. Es ist aber geboten, dies im Zweifel mit dem geb√ľhrenden Abstand zu tun. Auch wir haben √ľber den Unfall auf der A5 berichtet, bei dem ein Mann ums Leben gekommen ist. Auch auf unseren Bildern sieht man, dass eine Leiche am Boden liegt und von einem Tuch abgedeckt wird. Unser Bilder sind aus der Distanz aufgenommen und dokumentieren den tragischen Unfall, das „Ereignis“.

Die Bewegtbilder, die beim RNF zu sehen sind, zeigen, wie Bestatter einen Sarg herbeitragen und das Opfer versuchen, ihn dahin zu hieven. Das klappt nicht beim ersten Mal. Der Leichnam stößt an den Sarg, die Anstrengung der Bestatter ist deutlich zu sehen. Als es endlich gelingt, die Leiche in den Sarg zu hieven, lässt sich der Deckel nicht schließen. Der Leichensack wird reingestopft. Die Männer transportieren Sarg und Leiche ab.

Man k√∂nnte nun aus Sicht des RNF argumentieren: „Wir zeigen, wie es ist.“ Aber ist das ein Argument? Was ist mit der W√ľrde des Toten? Was mit den Gef√ľhlen der Familie?

„Vollkommen egal“, k√∂nnte man als Hardcore-Dokumentarfilmer sagen: „Wir zeigen, wie es ist.“

Zeigen, was man vor die Linse bekommt. Was sagt dieses Bild aus? Quelle: RNF

Aber auch die h√§rtesten Hardcore-Dokumentarfilmer stellen sich immer die Frage, ob das, was sie zeigen, gezeigt werden „muss“. Was ist der Erkenntnisgewinn? Was tragen die Bilder zur Aufkl√§rung der √Ėffentlichkeit bei? Warum sind sie wichtig? Tragen sie zur F√∂rderung der Meinungsfreiheit bei?

Die Bilder des RNF sind ersch√ľtternd. Sie zeigen, dass der Sender √ľberhaupt keinen Wert auf journalistische Selbstkontrolle legt. Hier wird nur Voyeurismus bedient, irgendwelche redaktionell-journalistische Gedanken oder auch nur ein Rest von Anstand sind auch im Ansatz nicht zu erkennen.

Das ist Trash-TV in Reinkultur Рmit der Kamera auf alles draufhalten, was die Häarchen auf den Armen aufstellen lässt. Klar РRNF ist ein dröger Provinzsender, der eher nicht durch guten, kritischen Journalismus auffällt. Aber mit diesem Film zeigt der Sender eine Verantwortungslosigkeit, die die zuständige Lizenzbehörde auf den Plan rufen muss.

Selbst die Spritze muss groß im Bild erscheinen - warum? Quelle: RNF

Auch Privatsender haben Standards der Berichterstattung zu erf√ľllen und m√ľssen die Lizenz verlieren, wenn sie diese nicht einhalten. Ein Privatsender, der ungeschnittenes Videomaterial √ľber eine menschliche Trag√∂die √ľber zw√∂lf Minuten L√§nge einfach so ins Internet stellt, ist daf√ľr ein Kandidat.

Ob Herr Bert Siegelmann die Gr√∂√üe hat, sich im regul√§ren Programm f√ľr diese Verfehlung zu entschuldigen und daf√ľr zu sorgen, dass der Sender journalistische Standards einzuhalten, darf getrost bezweifelt werden.

Muss man die Arbeit der Bestatter in voller Länge zeigen? Quelle: RNF

Einen sp√§ter zusammen geschnittenen „Beitrag“ spricht der lispelnde Senderchef selbst ein – wieder sind Bilder zu sehen, die man nicht zeigen muss, au√üer, wenn man es „n√∂tig“ hat.

Was das RNF hier zeigt, macht mich fassungslos. Als Mensch. Als Journalist macht es mich w√ľtend, weil diese miese Form von „Journalismus (No comment)“ auch mich und andere Kollegen besch√§digt, die ihren Beruf mit der gebotenen Verantwortung aus√ľben.

Mir geht es wie jedem anst√§ndigen Menschen. F√ľr eine solche „Arbeit“ empfinde ich nur Verachtung – die einzig richtige Reaktion, weil man keine Spur von Achtung bei diesem „Bericht“ des RNF feststellen kann.

Es ist besch√§mend, wie das RNF im Wunsch nach Aufmerksamkeit jegliche Selbstkontrolle verliert. Tats√§chlich habe ich kein Mitleid mit diesen „Kollegen“ – die m√ľssen selbst in den Spiegel schauen und man darf nur hoffen, dass sie bei dem, was sie sehen, eventuell noch eine Spur von Scham empfinden.

Medien brauchen Informanten – manche aber nur f√ľr die Sensation

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Guten Tag!

Ladenburg/Rhein-Neckar, 06. Juli 2010. Kreisbrandmeister Peter Michels ist sauer Рzu Recht. Entweder haben Angehörige der Feuerwehr widerrechtlich Informationen an Medien weitergegeben und/oder die Feuerwehr wurde abgehört Рbeides ist nicht in Ordnung. Die Antwort auf die Frage, warum das passiert, ist einfach: Es geht um die Sensationsgier bei manchen Medien.

Kommentar: Hardy Prothmann

Man darf gespannt sein, ob die Zuschauer des Rhein-Neckar-Fernsehens (RNF) dar√ľber informiert werden, dass der Provinzsender entweder „Informanten“ bei der Feuerwehr hat oder die Feuerwehr selbst abh√∂rt.

Man darf vermuten, dass dies eher nicht passiert, denn entweder hätte der Sender durch das Abhören eine strafbare Handlung begangen oder sich systematisch informieren lassen, was eine Anleitung zu einer Straftat sein könnte.

Die Integrierte Leitstelle der Feuerwehren in Ladenburg jedenfalls hat sich gewundert, wie schnell gewisse Medien, das Rhein-Neckar-Fernsehen und große Tageszeitungen der Region, bei Einsätzen vor Ort waren.

Deshalb setzte die Integrierte Leitstelle in Ladenburg einen fingierten, also falschen Einsatzbefehl, ab und wenige Minuten später meldete sich das RNF telefonisch und wollte weitere Informationen haben, kurz darauf meldete sich eine Zeitung.

Damit war klar: Entweder waren die betreffenden Medien aus den Reihen der Feuerwehr informiert worden oder hören ab.

Medien und Journalisten sind oft auf „Hinweise“ von Informanten angewiesen. Durch das Zeugnisverweigerungsrecht haben sie die M√∂glichkeit, diese „Informationsquellen“ zu sch√ľtzen.

Das macht dann Sinn, wenn solche „Hinweise“ Recherchen ausl√∂sen, durch die Hintergr√ľnde ans Licht der √Ėffentlichkeit kommen, die sonst niemals bekannt geworden w√§ren. Jeder Journalist, der seinen Beruf ernst nimmt, baut sich solche Netzwerke auf, die ihn mit Informationen versorgen.

Auch in unserem Fall sind wir durch einen Informanten auf das Thema aufmerksam geworden. Uns wurde der interne Brief des Kreisbrandmeisters an die Feuerwehren zugespielt.

Die Motivation, Informationen weiterzugeben, kann vielfältig sein. Manchmal sind die Motive Rache, Eifersucht, Missgunst. In den meisten Fällen, in denen mir Informationen zugespielt wurden, ist die Motivation der Informanten aber eine ehrenhafte gewesen: Sie wollten Missstände öffentlich machen Рaus Sorge um die Firma, die Behörde, das Allgemeinwohl.

In der Branche nennt man Informanten „Whistleblower“. Leider werden Informanten immer noch als „Petzen“ oder als „Verr√§ter“ verunglimpft. Je brisanter die Information, je gr√∂√üer die Folgen f√ľr „bestimmte“ Personen, umso gr√∂√üer ist der Hass und die Wut auf die vermeintlichen „Verr√§ter“. Selbst dann, wenn der „Verrat“ dazu dient, Systeme der Korruption, Mobbing, Geldw√§sche oder andere schlimme Sachen aufzudecken, bleibt in den Augen vieler Menschen eine Schuld beim „Verr√§ter“ haften. Deswegen ist es gut und richtig, dass Journalisten ihre Informanten sch√ľtzen k√∂nnen, damit diese keine Nachteile erfahren.

Im vorliegenden Fall geht es aber nicht um Fragen des Allgemeinwohls oder der Integrität einer Firma oder einer Behörde.

Im vorliegenden Fall geht es schlicht und einfach um Sensationsgier.

Es geht darum, die besten Bilder von lodernden Flammen zu machen. Oder Opferbilder, Blut, Chaos, Zerstörung exklusiv zu haben, um damit Auflage zu machen.

Das Kalk√ľl ist einfach: Je sensationeller die Bilder, umso gr√∂√üer wird das Interesse sein.

Wenn Medien sich nur noch um die Sensation bem√ľhen und nicht mehr um die Information, muss sich kein Journalist und keine Redaktion wundern, wenn es viele Menschen gibt, die das anekelt. Die das nicht mehr wollen. Auch wenn es genug Menschen gibt, die gerade diese Sensation interessiert.

Journalisten und Redaktionen entscheiden selbst √ľber ihre Haltung, ihren Umgang mit den Themen. Und √ľber ihre Methoden.

Der Kreisbrandmeister Peter Michels ist an einem offenen Umgang mit den Medien interessiert – auch im vorliegenden Fall war er noch nach Dienstschluss f√ľr uns erreichbar. Aber er ist zu recht sauer.

Weil er sich hintergangen f√ľhlt – vielleicht denkt er gerade dar√ľber nach, was es bedeutet, dass er an einem guten Verh√§ltnis zu den Medien interessiert ist, manche Medien aber das gute Verh√§ltnis zu ihm egal ist.

Es w√§re bedauerlich, wenn sich bei Herrn Michels das Gef√ľhl einschleicht, dass er Medien nicht mehr vertrauen kann. Denn das Ergebnis w√§re eine „verbrannte Erde“, ein gest√∂rtes Verh√§ltnis. Weil einzelne sich schlecht verhalten, m√ľssen oft alle darunter leiden. Den gr√∂√üten Schaden nimmt dabei die √Ėffentlichkeit, die nicht mehr offen informiert w√ľrde. Vor allem Boulevardmedien sind bekannt daf√ľr, „verbrannte Erde“ zu hinterlassen.

Winnenden und Erfurt sind daf√ľr leider „eindr√ľckliche“ Beispiele.

Der Kritik, dass die Feuerwehren Daten unverschl√ľsselt √ľbertr√§gt, wird sich der Kreisbrandmeister stellen. Zur Ehrenrettung der Feuerwehren muss man feststellen, dass der „Datenschutz“ bei der Einf√ľhrung der Systeme noch keine wahrgenommene Bedeutung hatte.

Heute ist das anders. Der Datenschutz ist ein zu recht wichtiges Thema. Von den Feuerwehren kann und muss man erwarten, dass sie das Manko der unverschl√ľsselten √úbertragung schnell beheben.

Und von manchen Medien sollte man erwarten k√∂nnen, dass sie innehalten und √ľberlegen, ob das, was sie tun, tats√§chlich „in Ordnung“ ist.

Leider kann man davon ausgehen, dass sich die „√ľblichen Verd√§chtigen“ dar√ľber keine Gedanken machen werden. Ihr Gesch√§ft ist die Sensation. Was anderes kennen sie nicht und wollen es auch nicht kennen.

Das beste Korrektiv daf√ľr sind die Menschen selbst. Sie sind mit daf√ľr verantwortlich, welche Medien sie nutzen. Fehlt die Akzeptanz f√ľr die Sensationsgier, dann werden die Medien sich neu orientieren oder wegen Misserfolgs eingestellt.

Ungesch√ľtzter Datenverkehr: Datenschutzskandal bei Feuerwehr und Rettungsdiensten

Guten Tag!

Ladenburg/Rhein-Neckar, 06. Juli 2010. In einem „Brandbrief“ weist der Kreisbrandmeister Peter Michels die Feuerwehren darauf hin, dass „Informationen zu den Rettungseins√§tzen abgefangen werden und per SMS an Personen au√üerhalb der Feuerwehr“ weitergeben werden. Auf eine fingierte Meldung hin meldete sich als erstes das Rhein-Neckar-Fernsehen.

Von Hardy Prothmann

Der interne Brief hat es in sich: Die Feuerwehr vermutet „Lecks“ in den eigenen Reihen. Sprich: Mitglieder der Feuerwehr informieren „Dritte“, also Medien, aktuell und exklusiv √ľber Eins√§tze. Vielleicht sogar gegen Geld oder andere Gef√§lligkeiten.

Kreisbrandmeister Michels ist stinksauer. Entweder gibt es Informanten innerhalb der Feuerwehren oder der Datenfunk wird abgehört. Bild: Feuerwehr

Kreisbrandmeister Michels schreibt: „Dieser Tage haben wir die Information erhalten, dass Alarmierungen f√ľr die Kreisf√ľhrung abgefangen werden und per SMS letztlich auch an Personen au√üerhalb der Feuerwehr weitergeben werden. Dies war der Anlass, dass wir √ľber die Leitstelle einen fingierten Alarm haben aussenden lassen. Bereits innerhalb der ersten f√ľnf Minuten, gab es eine erste R√ľckmeldung in der Integrierten Leitstelle. Ca. weitere f√ľnf Minuten sp√§ter meldete sich eine weitere Person aus dem Bereich der Presse.“

Ein Skandal erster G√ľte, denn es wird gleich gegen mehrere Gesetzte versto√üen und Schutzpflichten werden verletzt, wie der Kreisbrandmeister auflistet: ¬ß 201 StGB (Verletzlichkeit der Vertraulichkeit des Wortes), ¬ß 203 StGB (Verletzung von Privatgeheimnissen), ¬ß 331 StGB (Vorteilsnahme), ¬ß 332 StGB (Bestechlichkeit), ¬ß 353 b StGB (Verletzung des Dienstgeheimnisses und einer besonderen Geheimhaltungspflicht), ¬ß 358 StGB Nebenfolgen.

Kreisbrandmeister Peter Michels best√§tigt uns das Problem auf Nachfrage und sagt: „Wir haben mit unserem Schreiben die Feuerwehren auf die gesetzlichen Bestimmungen aufmerksam gemacht. Bei weiteren Verst√∂√üen solcher Art m√ľssen die Betroffenen mit einer Strafanzeige rechnen.“

Pikant: Als erstes meldete sich das Rhein-Neckar-Fernsehen bei der Einsatzstelle und wollte weitere Informationen √ľber den Einsatz haben: „Das kann ja wohl gar nicht sein“, emp√∂rt sich Michels: „Ich habe √ľberhaupt nichts gegen die Arbeit der Medien, aber ich habe sehr wohl etwas dagegen, dass Informationen, die an die Feuerwehr gerichtet sind, an Dritte weitergegeben werden.“

Ob das „Leck“ in den eigenen Reihen zu finden ist oder der Funkverkehr durch das Rhein-Neckar-Fernsehen abgeh√∂rt wurde, konnte die Integrierte Leitstelle bislang nicht herausfinden. Nach Informationen der Redaktion hat sich auch eine gro√üe Zeitung aus dem Raum diese Informationen beschafft.

Das Problem: Die sensiblen Daten k√∂nnten verschl√ľsselt √ľbertragen werden, wenn alle Beteiligten √ľber dieselben Ger√§te verf√ľgen w√ľrden. Tun sie aber nicht – damit man sich „versteht“, muss unverschl√ľsselt √ľbertragen werden.

Deswegen ist es auch ein Datenschutzskandal der Rettungsdienste und Feuerwehren. Denn die Funkdaten werden √ľberwiegend unverschl√ľsselt √ľbertragen und k√∂nnen mit geringem Aufwand von jedem „mitgeh√∂rt“ werden – das verst√∂√üt zwar gegen das Gesetz, aber diesen Versto√ü erm√∂glichen die Rettungsdienste selbst durch die ungesch√ľtzte √úbertragung der Daten. Eine koordinierte Anschaffung der Ger√§te h√§tte dies verhindert.

Was das in der Konsequenz bedeutet, zeigt ein Beispiel aus √Ėsterreich. Auf der Internetseite heise.de wird die Problematik der ungesch√ľtzten Daten√ľbertragung eindr√ľcklich geschildert:

„Ein √Ėsterreicher hatte in der Gegend von Tirol einen handels√ľblichen Funkscanner mit der Soundkarte seines Rechners gekoppelt und mit frei im Internet erh√§ltlicher Software das v√∂llig unverschl√ľsselte POCSAG-Signal der Pager in einer Datenbank mitprotokolliert. Bei rund 400.000 Eins√§tzen pro Jahr im Bundesland Tirol kamen innerhalb weniger Tage unz√§hlige Datens√§tze mit zum Teil sehr sensiblen Informationen zusammen.

Ein Alarmierungsdatensatz der Tiroler Leitstelle umfasst nicht nur den Namen der jeweiligen Einheit und ein Einsatzstichwort, wie es im analogen BOS-Funknetz √ľblich war, sondern die Leitstelle √ľbertr√§gt bei Rettungseins√§tzen auch den vollst√§ndigen Namen des Patienten, den genauen Einsatzort, das etwaige Transportziel sowie einen Code f√ľr eine detaillierte Erstdiagnose, der sich anhand einer von der Leitstelle ver√∂ffentlichten Liste, problemlos entschl√ľsseln l√§sst. So steht etwa Code 26A22 f√ľr ein Penisproblem, 25A2 f√ľr eine Selbstmordgef√§hrdung, 23C5 f√ľr eine Kokainvergiftung, 4B2S f√ľr eine starke Blutung nach Sexualdelikt, 12C1E f√ľr eine schwangere Epileptikerin mit Krampfanfall und so weiter. Die Feuerwehr verwendet √§hnlich detaillierte Codes.“

Auch im Rhein-Neckar-Kreis werden Adresse, Name sowie Einsatzstichworte √ľbermittelt: Dabei erf√§hrt man, ob es sich beispielsweise um ein internistisches, gyn√§kologisches Problem handelt, erf√§hrt Informationen zur Dringlichkeit. BET hei√üt beispielsweise Behandlung (BE) und „T“ steht f√ľr „terminiert“. Oft werden hier auch weitere Informationen √ľbertragen.

Ob die verungl√ľckte Person damit einverstanden ist, dass medizinische Details und andere Informationen an die √Ėffentlichkeit gelangen, interessiert dabei nicht. Es geht darum, als erster vor Ort zu sein und „exklusive Bilder“ machen zu k√∂nnen, es geht um Sensationsjournalismus.

Auch bei den Feuerwehren werden diese Informationen im Klartext √ľbermittelt. Noch – zur Zeit laufen vorbereitende Arbeiten zur Digitalisierung des Funks, der dann k√ľnftig verschl√ľsselt √ľbertragen werden soll. Auf dem K√∂nigsstuhl wird eine Station auf dem ehemaligen AFN-Mast errichtet, weitere Basisstationen werden im Gebiet Rhein-Neckar-Kreis, Heidelberg und Mannheim im Laufe des n√§chsten Jahres errichtet.

Bis das neue System läuft, ist es offen Рdass heißt, jeder, der technisch ein wenig versiert ist, kann mit einer Investition unter 100 Euro in entsprechende Geräte mithören.

Absurd: Zwar wird k√ľnftig irgendwann, voraussichtlich in eineinhalb bis zwei Jahren, die Kommunikation der BOS, also der Beh√∂rden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, verschl√ľsselt √ľbertragen. Aber im Gegensatz zu Hessen, wo eine Alarmierung √ľbers digitale Funknetz angestrebt wird, bleibt Baden-W√ľrttemberg beim POCSAG – das kann theoretisch auch verschl√ľsselt werden, aber nur, wenn alle Empf√§nger darauf abgestimmt w√§ren. Das ist nur bedingt m√∂glich, deshalb m√ľssten neue Ger√§te angeschafft werden, das kostet Geld – ob es zur Verf√ľgung gestellt wird, bleibt abzuwarten.