Samstag, 23. Juni 2018

Geprothmannt

Eskalierende Berichterstattung

Ein Jugendlicher zerst√∂rt eine Scheibe und die RNZ suggeriert aufgrund einer „Zeugenaussage“, die Polizei sei schuld, weil zu „rabiat“. Gehts noch?

 

Rhein-Neckar/Schriesheim, 15. Oktober 2012. (red/pro) In Schriesheim gab es vor kurzem so etwas wie Chaostage. Rund 250 zum Teil heftig besoffene Jugendliche treffen sich einer „Abrissparty“. Rund 50 eilig herbeieilende Polizisten bekamen die Lage aber in den Griff. Die „Qualit√§tspresse“ sieht das anders. Und pumpt einen 20-j√§hrigen Chaos-Beteiligten zum „Kronzeugen“ auf.

Von Hardy Prothmann

Nein, ich mache jetzt keine Namensanspielungen zum Beitrag von Carsten Blaue in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 09. Oktober 2012 mit der √úberschrift:

Sorgte die Polizei f√ľr eine Eskalation?

Aber ich frage mich sehr wohl, was den RNZ-Journalisten dazu treibt, eine solche √úberschrift zu formulieren und einen Beitrag zu verfassen, der jeden aufmerksamen Leser vollst√§ndig ersch√ľttert zur√ľckl√§sst: Ist dieser Artikel ein Beispiel f√ľr den angeblichen Qualit√§tsjournalismus der Tageszeitungen?

Abriss“birnen“

Zur Sachlage: Am Abend des 05. Oktobers 2012 finden sich in Summe rund 250 Jugendliche in Schriesheim zusammen, um an einer „Abrissparty“ teilzunehmen. Sie rotten sich in Gruppen zusammen, saufen mitgebrachte Alkoholika, werden auff√§llig und die Polizei reagiert. Insgesamt rund 50 Streifenbeamte der Polizeidirektion Heidelberg, unterst√ľtzt durch das Polizeipr√§sidium Mannheim treffen in Schriesheim ein, errichten Kontrollpunkte und versuchen die Lage zu kl√§ren.

Die Mannheimer Beamten kennen sich vor Ort nicht aus – das geht auch vielen Heidelberger Polizisten so. F√ľr einen Einsatzplan bleibt keine Zeit. Der Einsatz kommt √ľberraschend. Und man „jagt keine Verbrecher“, sondern betrunkene Jugendliche, die unter der Woche sicher Mamas und Papas Liebling sind. Brave Kinder im Alkoholausstand.

Chaos-Nacht in Schriesheim

Die Jugendlichen zerdeppern Flaschen auf der Stra√üe (welche, spielt keine Rolle, es h√§tte √ľberall sein k√∂nnen), verm√ľllen den Platz vor einem fr√ľheren Handelsmarkt, demolieren zwei Autos, schlagen die T√ľrscheibe einer Bahn ein, gr√∂hlen, beleidigen und provozieren Beamte.

Die Jugendlichen werden abgeschirmt, begleitet, in kleinen Gruppen in die Bahnen gesetzt. Nach vier bis f√ľnf Stunden ist der Spuk am Freitagabend kurz vor Mitternacht vorbei. Die Lage ist beruhigt.

In der Folge schreibt ein 20-jähriger eine email an die Rhein-Neckar-Zeitung. Die Zeitung nennt den Namen des email-Schreibers, sein Alter und seinen Wohnort. Dass sie dabei gegen jede Grundregel des Quellenschutzes verstößt, ist Redakteur Carsten Blaue scheinst, vollständig egal.

Quellenverbrennung

Guter Journalismus bewahrt „Quellen“ auch vor Selbstschaden. Den hat der junge Mann jetzt. Denn er wird f√ľr einen vermeintlichen „Scoop“ (journalistische Aufdeckung) klasklar missbraucht. Es gibt journalistisch √ľberhaupt keinen Grund, Namen, Alter und Wohnort und „Status“ des Informanten als „Beteiligten“ zu nennen – au√üer die Folgen f√ľr den Informanten sind einem RNZ-Journalisten einfach nur egal. Jeder „Informant“ sollte es sich genau √ľberlegen, ob man dieser Zeitung trauen kann.

Die Rhein-Neckar-Zeitung stellt tats√§chlich wegen der Behauptung eines einzelnen, jungen „Erwachsenen“ den Einsatz der Polizei in Frage. Fragen zu stellen, ist journalistisch absolut legitim. Geradezu notwendig. Aber welche Fragen wurden gestellt?

Jugendliche in Abrisslaune randalieren, die Polizei bekommt die Lage in den Griff und die Zeitungsberichterstattung „eskaliert“.

 

„Blaues Sicht“ – null Recherche

Der junge Mann behauptet, die Polizei sei „rabiat“ gewesen. Hier muss man nachhaken. Was meint das? Hat die Polizei etwa klare Ansagen gemacht? Oder auch ein bisschen „gedr√§ngelt“?

Der junge Mann behauptet laut der Zeitung aber auch, die Polizei sei „gewaltt√§tig“ gewesen. Und sp√§testens hier ist Schluss mit lustig. Gewalt hat Konsequenzen: H√§matome, blaue Augen, Platzwunden, Verletzungen eben.

Sind Verletzungen dokumentiert? Nein. Wurde die Polizei befragt, ob es Festsetzungen gab, Schlagstock- oder Tränengaseinsatze? Nein.

Denn das h√§tte ja „den Aufreger“ zunichte gemacht.

Wurde im Ansatz von Herrn Blaue und der Redaktion √ľber die Lage vor Ort nachgedacht? √úber die Einsatzwirklichkeit der Polizei?

Lächerliche Polizei vs. blödsinnige Meinung

50 Beamte stehen 250 mehr oder weniger alkoholisierten Jugendlichen gegen√ľber, die in „Abrissparty-Laune“ sind. Ohne jegliche Vorbereitung. Glaubt der Journalist tats√§chlich, dass die Polizei so dumm ist und durch falsches Verhalten diesen schon sichtbar aggressiven Mob noch mehr zu reizen?

Die Einsatzwirklichkeit von Polizeibeamten beschreibt der Pressesprecher Harald Kurzer so:

Wir sind teilweise das Gesp√∂tt der Stammtische. F√ľnf Beamte waren n√∂tig, um einen ausrastenden Betrunkenen unter Kontrolle zu bringen – ja, haben die gar nix drauf?

Gute Frage, n√§chste Frage. Sollen die Beamten kn√ľppeln oder gar schie√üen? Um eine ausrastende Person zu „stabilisieren“, braucht es mindestens zwei, eher drei oder sogar f√ľnf Personen. Vor allem, um die Person vor Verletzungen zu bewahren, die sonst umung√§nglich w√§ren. Die Methode „Schlagstock √ľber den Sch√§del ziehen“ wird √ľberwiegend nur noch in Diktaturen angewandt, nur Herr Blaue hat das noch nicht mitbekommen.

Gehts noch?

Konkret vor Ort hie√üe das, die Polizei h√§tte nicht mit 50 Beamten, sondern mit 500 oder besser 750 Beamten vor Ort sein m√ľssen. Wegen einer bl√∂d-besoffenen Abrissparty-Laune, die √ľber Facebook „organisiert“ wurde? Gehts noch? Denkt ein Herr Blaue abgesehen von der Absurdit√§t der Vorstellung auch mal √ľber die Kosten f√ľr den Steuerzahler nach?

Geht Herr Blaue davon aus, dass am Wochenende hunderte von Polizisten in Einsatzbereitschaft sind, um dem feierw√ľtigen Nachwuchs klar zu machen, dass man sich mal eben nicht irgendwo trifft, um zu saufen und was kaputt zu machen? Und wenn dies so w√§re, berichtete die RNZ dann √ľber „Polizeistaatsverh√§ltnisse mitten in Deutschland“?

Bl√∂dsinniger kann man tats√§chlich nicht „berichten“, als die Rhein-Neckar-Zeitung das im Fall der „Schriesheim-Flashmobs“ getan hat. Ohne Recherche, ohne Sinn, ohne Verstand.

Falsches Ticket

Ich f√ľr meinen Teil hoffe, dass die Beamten vor Ort den besoffenen Jugendlichen so deutlich wie m√∂glich klar gemacht haben, dass es niemanden interessiert, ob man in die falsche Bahn gesetzt wird und einmal umsteigen muss, nachdem man sich verabredet hat, sich die Birne aufzuweichen und was kaputt zu machen.

Jeder, der an diesem Freitagabend mit dieser Stimmung nach Schriesheim gefahren ist, war „mit dem falschen Ticket“ unterwegs.

Und die Schriesheimer Bev√∂lkerung kann sehr dankbar sein, dass die Polizei daf√ľr gesorgt hat, dass die Situation vor Ort nicht eskaliert ist und niemand wirklich zu Schaden kam. Den T√ľreinschlager hat man festgestellt, er wird zur Verantwortung gezogen. Wer noch finanziell (Party-Veranstalter oder Facebook-Einlader) f√ľr den Einsatz aufkommen muss, wird noch gepr√ľft. Die Besitzer der demolierten Autos haben hoffentlich eine Vollkasko, sonst bleiben sie vermutlich auf dem Schaden sitzen. Alle anderen Autobesitzer sind der Polizei dankbar.

Die friedliche und k√ľnstlerische Idee des „Flashmobs“ wurde ebenfalls besch√§digt, die vielen tollen M√∂glichkeiten der sozialen Medien ebenso, denn f√ľr Zeitungen ist alles mit Internet sowieso „igitt“.

Eskalation vs. gute Polizeiarbeit

Die „Eskalation“ hat im Kopf eines Zeitungsschreibers stattgefunden, der journalistische Standards nicht beherrscht, sondern selbst auf Krawall aus ist. Flankiert von einer Zeitung, die an Standards offensichtlich nicht interessiert ist. Gew√ľrzt mit einer (zeitungsredakteursimmanenten) Panikstimmung gegen√ľber dem Internet. Und der verlorenen Hoffnung, vielleicht irgendeinen bl√∂d-besoffenen Jugendlichen, der eh keine Zeitung liest, f√ľr die Zeitung zu interessieren.

Es k√∂nnte sein, dass die Rhein-Neckar-Zeitung den ein oder anderen Polizisten als Abonnenten verloren hat, der sich solche Berichte „einfach nicht mehr geben muss“.

Dokumentation: Die Berichte in der Rhein-Neckar-Zeitung können Sie hier nachlesen (sofern sie nicht gesperrt werden)

Sorgte die Polizei f√ľr eine Eskalation?

Mit jeder Bahn kamen mehr Jugendliche?

Wie die Rhein-Neckar-Zeitung „politisch berichtet, k√∂nnen Sie hier nachlesen:

Politische „Berichterstattung“ bei der RNZ

 

 

 

 

Zeitungsstreik: „Finger weg vom Mantel“


Wer ist wir und bittet "um Verst√§ndnis"? Das ist die einzige Information heute zum Streik der Angestellten beim MM. Gehts d√ľrftiger?

Mannheim/Rhein-Neckar, 28. Juni 2011. (red) √úberall in Baden-W√ľrttemberg streiken zur Zeit Redakteure, Drucker und Verlagsangestellte. Der Grund: Die schamlose Forderung der Verleger, Tarifvertr√§ge nicht nur nicht zu erh√∂hen, sondern im Gegenteil deutliche Einkommenseinbu√üen zu aktzeptieren. Die Zeitungsbranche-¬† ist einer massiven Krise. Den Streik werden die Verleger gewinnen – wenn nicht, werden die Redaktionen umgebaut und die Verlage w√§hlen die Tarifflucht.

Von Hardy Prothmann

Beim „Mannheimer Morgen“ ist es der Tag der Volont√§re, freien Mitarbeiter und Praktikanten: Sie d√ľrfen endlich einmal ihr K√∂nnen unter Beweis stellen, w√§hrend 65 der 80 gestandenen Redakteure im Streiklokal sitzen und das weitere Vorgehen beraten. Vier Druckseiten d√ľnner ist das Blatt am Freitag. Horst Roth, Chefredakteur und Mitglied der Gesch√§ftsleitung, √§rgert sich √ľber den Ausstand: „Bei jedem Streik stehen wir in der ersten Reihe.“

So beginnt ein Bericht auf Spiegel Online am 30. Januar 2004. √úber 2.000 der damals noch 14.000 Zeitungsredakteure waren damals im Ausstand. Die Forderungen der Gewerkschaften dju (Deutsche Journalisten-Union in ver.di) und DJV (Deutscher Journalistenverband) sind fast bescheiden zu nennen: Sie wollen, dass die Manteltarifvertr√§ge f√ľr Redakteure, Drucker und Verlagsangestellte nicht angetastet werden. Also so eine Art Nullrunde.

20-25 Prozent weniger fordern die Verleger

Ganz anders die Verleger: Sie wollen neue tarifliche Regelungen und 20-25 Prozent weniger zahlen. Ein Redakteur steigt heute mit rund 3.200 Euro Brutto ein, nach zehn Jahren verdient er etwa 4.500 Euro brutto. Ein Beruftseinsteiger hat heutzutage typischerweise ein Studium hinter sich und eine ein bis dreijährige Volontariatszeit, meist kommen ein bis zwei Jahre Praktika und freie Mitarbeit hinzu. Das bedeutet eine knapp zehnjährige Ausbildung mit einem aus Verlegersicht angemessen Einstiegsgehalt von dann 2.400 Euro brutto.

2004 zitiert Spiegel online einen Redakteur der S√ľddeutschen Zeitung:

Rainer Olbert, Nachrichtenredakteur der „S√ľddeutschen Zeitung“, der wie 180 seiner Kollegen im S√ľddeutschen Verlag die Arbeit niederlegte, l√§sst das Argument des FAZ-Betriebsrats nicht gelten: „Die Zeitungsverleger d√ľrfen die schwierige wirtschaftliche Lage nicht dazu nutzen, einen Horrorkatalog aufzustellen.“ Hinnehmbar sei eine Lohnerh√∂hung, die nur die Inflation ausgleiche, inakzeptabel sei aber, Leistungen zu k√ľrzen, sagt er.

Wie m√ľssen die Arbeitnehmer in Verlagen heute die Lage sehen, wenn die Forderungen 2004 schon der „Horror“ waren? Als Super-Horror? Als Lohn-Gau?

Gerhard Vohs, Mannheimer ver.di-Sektret√§r im Fachberich 8 (Medienbetrieben, Journalismus, Kulturellen Einrichtungen, Bildender und Darstellender Kunst, Literatur und Musik, Druckindustrie, Papier, Pappe und Kunststoffverarbeitenden Betrieben, Betrieben der industriellen Dienstleistung) bringt die Forderung auf den Punkt: „Finger weg vom Mantel“.

Hei√üt, keine K√ľrzungen bei Urlaubsgeld – momentan erhalten Redakteure 14 Monatsgeh√§lter bei einer 35-Stunden-Woche. „2007 und 2008 waren Spitzenjahre f√ľr die Verlage, 2009 bis heute konnten die Zeitungen wohl nicht in gleichem Ma√üe vom Aufschwung profitieren wie die erzeugende Industrie, aber immer noch wird gut verdient.“

Zweistellige Umsatzrenditen bei Verlagen

Wie gut, l√§sst sich nicht genau sagen, weil die Verlage sich nicht in die Karten schauen lassen. Mitte der Neunziger galten Umsatzrenditen von √ľber 20 Prozent noch fast als „normal“, mittlerweile m√ľssen sich viele Verlag mit „nur noch“ zehn bis f√ľnfzehn Prozent „zufrieden geben“.

Auch wenn das Produkt nicht vollwertig ist - der Abonnent zahlt trotzdem. Quelle: Impressum MM

Um die Gewinne hoch zu halten werden die Redaktionen immer mehr ausged√ľnnt – redaktionelle Inhalte werden mit Pressemitteilungen und Vereintexten gef√ľllt. Freie Mitarbeiter f√ľhlen die Zeilen f√ľr einen Hungerlohn. Am √ľbelsten wird den meist freien Fotografen mitgespielt, die technisch immer auf der H√∂he der Zeit sein m√ľssen und nur noch Minimalsthonorare erhalten, wenn nicht freie Mitarbeiter ohne Fotografiekenntnisse die Bilder vor Ort gleich mitmachen.

Der dumme ist der Kunde

Laut Gerhard Vohs sind rund 80 Prozent der 80 Redakteure beim Mannheimer Morgen gestern und heute im Ausstand. Bei der Rhein-Neckar-Zeitung haben sich die Kollegen nicht angeschlossen, dort sei man „verunsichert“. Vohs sagt: „Die Stimmung ist fast √ľberall in Baden-W√ľrttemberg so, dass wir vielleicht sogar eine ganze Woche in den Streik gehen k√∂nnten, das wird dann bitter, weil keine vorgefertigten Texte mehr da sind und nur noch echte Notausgaben erscheinen k√∂nnten.“

In den Zeitungen selbst wird kaum √ľber die Streik berichtet, die die eigene Branche betreffen.

Egal, wie die Verhandlungen ausgehen – die Abonnenten zahlen unabh√§ngig vom Produkt und den Inhalten den vollen Preis. Auch hier zeigen die Verleger sich knallhart. Wem das nicht gef√§llt, kann nat√ľrlich das Abo k√ľndigen. Bei den Tarifverhandlungen haben dju und DJV meist klein beigegeben – zu gro√ü ist der Druck im Arbeitsmarkt. Abo-K√ľndigungen aber f√ľrchten die Verleger, denn die Auflage diktiert immer noch die unversch√§mten Anzeigenpreise.

Ausgliedern als ultima ratio

Landauf- landab haben viele Verlage schon vorgemacht, wie sie damit umgehen, wenn die Gewerkschaften nicht spuren. Dann werden Redaktionen kurzerhand entlassen und neue GmbHs gegr√ľndet, bei denen die Redakteure sich dann mit teil 40-prozentiger Einkommenseinbu√üen wieder verdingen k√∂nnen.

Wer nicht spurt, fliegt raus und kann sicher sein, nirgendwo anders einen Job zu erhalten – es sei denn, zu noch schlechteren Bedingungen.

Vergurkte Berichterstattung – Panikmache made by „Qualit√§tsjournalismus“


Mannheim/Weinheim/Heidelberg/Rhein-Neckar, 28. Mai 2011. (red) Die Erregung √ľber Erreger hat zwei Ursachen – einerseits ein Qualit√§tsproblem bei der Erzeugung von Nahrungsmitteln. Andererseits ein Qualit√§tsproblem bei der Erzeugung von Nachrichten. Die Verbraucher sind verunsichert – als Konsumenten von Nahrungsmitteln. Dabei sollten sie als Konsumenten von Informationen viel vorsichtiger sein. W√§hrend man dem Darmkeim auf der Spur ist und erkrankte Patienten behandelt, zeigt sich, dass der Journalismus als Massenprodukt chronisch krank ist und vielleicht auch chronisch krank macht.

Von Hardy Prothmann

Bildblog.de listet die millionenfach gelesenen falschen Schlagzeilen auf. Quelle: bildblog.de

Viele Spiegel-Leser fangen hinten an: „Dem R√ľcken die Stirn bieten“ (√Ėffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach), „Ehrliche Personen gesucht, auch Akademiker“ (Kleinanzeige Rheinpfalz), „Senioren sind mit 35 noch sehr r√ľstig“ (Rhein-Zeitung) und andere Kuriosit√§ten gibt es im „Hohlspiegel“ zu lesen. Die Patzer, ob im Redaktionellen oder im Anzeigenteil sind teils wirklich am√ľsant bis saukomisch.

Gar nicht am√ľsiert sind die Verbraucher √ľber kontaminiertes Gem√ľse, das beim Verzehr zur Infektion mit dem EHEC-Keim f√ľhren kann, woraus sich ein lebensbedrohliches h√§molytisch-ur√§mischen Syndrom (HUS) ergeben kann.

Ebenfalls nicht am√ľsiert, sondern stinksauer sind Landwirte und Handel.

Kaninchen, Kommunalpolitik, Killerkeime

In den meisten Redaktionen arbeiten keine kenntnisreichen Mediziner, die alles √ľber EHEC und HUS wissen. Vor allem in Lokal- und Regionalmedien arbeiten √ľberwiegend Journalisten, die von der Kaninchenz√ľchterschau bis zur Kommunalpolitik √ľber alle m√∂glichen Themen berichten m√ľssen. Sie sind aber meist auch keine kenntnisreichen Kaninchenz√ľchter oder Kommunalpolitiker.

Das m√ľssen sie auch nicht sein. Die einfache L√∂sung, um die Welt zu verstehen, ist der gesunde Menschenverstand. Und den kann man durch Recherche erweitern, wenn es um Spezialwissen geht. Eine einfache Regel lautet: Informationen immer durch eine zweite Quelle √ľberpr√ľfen.

Die Weinheimer Nachrichten warnen vor Salat und Tomaten "aus" Norddeutschland - wer warnt die Leser vor falschen Informationen? Quelle: WNOZ

Es gibt aber noch eine andere L√∂sung und die f√ľhrt zum Dauerd√ľnnpfiff vieler Redaktionen: Man l√§sst das mit dem √ľberpr√ľfen weg und verl√§sst sich lieber auf andere. Im „gro√üen“ Teil der Zeitung, also Politik, Wirtschaft und Sport werden Informationen der Nachrichtenagenturen ungepr√ľft √ľbernommen. Der Glaube an die Korrektheit dieser Informationen ist immer noch sehr hoch. Dazu kommen Zeit- und Arbeitsdruck – eine √úberpr√ľfungsrecherche findet nicht mehr statt.

Krankheitsverlauf einer Meldung

Am Mittwochabend, den 25. Mai 2011, schickt die Deutsche Presseagentur eine Meldung zu EHEC an die Redaktionen. Diese Meldung wird am nächsten Tag landauf, landab in millionenfach verteilten Zeitungen stehen. Darin werden die Experten vom Robert-Koch-Institut (RPI) (angeblich) zitiert:

„Vorsorglich sollte man auf rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate aus Norddeutschland komplett verzichten.“

Tats√§chlich ist das Zitat falsch. Nicht vor dem Verzehr von Gem√ľse „aus Norddeutschland“, sondern vor dem Verzehr „in Norddeutschland“ wurde in der Pressemitteilung des RKI gewarnt:

(…) empfehlen RKI und BfR √ľber die √ľblichen Hygieneregeln im Umgang mit Obst und Gem√ľse hinaus, vorsorglich bis auf weiteres Tomaten, Salatgurken und Blattsalate insbesondere in Norddeutschland nicht roh zu verzehren.

Millionenfach verbreitete "D√ľnnpfiff"-Meldung - auch der MM warnt vor Gem√ľse "aus" Norddeutschland. Quelle: MM

Die Worte „in“ und „aus“ sind klein. Man k√∂nnte jetzt sagen: „Darum so ein Aufheben zu machen, ist doch dibbelschisserig.“ Tats√§chlich ist der vom Mediensystem erzeugte Schaden aber maximal. Verbraucher in ganz Deutschland sind verunsichert und die deutsche Landwirtschaft sowie der Handel haben einen massiven √∂konomischen Schaden, weil Tomaten, Salat und Gurken kaum noch gekauft werden. Diese Produkte sind frisch und verderblich – was nicht verkauft wurde, muss entsorgt werden.

Vergurkte Berichterstattung

Auch in der Metropolregion ver√∂ffentlichen Mannheimer Morgen, Weinheimer Nachrichten und Rhein-Neckar-Zeitung die verseuchte inhaltlich falsche dpa-Meldung ohne Qualit√§tskontrolle. Dabei w√§re die denkbar einfach: Ein Klick auf Robert-Koch-Institut f√ľhrt direkt zur Quelle.

Doch daf√ľr muss man wachsam sein und Informationen aufmerksam „verarbeiten“. Bei einem Redakteur muss die Alarmglocke anspringen, wenn er „rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate aus Norddeutschland“ liest. Kann das sein? Denn die Konsequenz ist weitreichend. Dieses Gem√ľse wird sich nicht mehr verkaufen lassen. Auch andernorts wird sich Gem√ľse nicht mehr verkaufen lassen, wenn nicht klipp und klar feststeht „woher“ dieses stammt.

Kaum Herkunftsnachweise – kaum Kennzeichnungen

Leider nutzen viele Menschen das „geistige Nahrungsmittel“ Zeitung nicht mit derselben Aufmerksamkeit. Sie w√ľrden dann n√§mlich viel h√§ufiger fragen, „woher“ die Informationen stammen, die ihnen da vorgesetzt werden.

Aufmerksame Leser wissen l√§ngst, dass gro√üe Teile im „gro√üen Teil“ der Zeitung nicht gegenrecherchierte Agentur- oder PR-Meldungen sind. Und selbst wenn es eigenst√§ndig verfasste Artikel sind, gibt es h√§ufig nur eine Quelle und die ist ebenfalls h√§ufig auch noch tendenzi√∂s.

Auch die Lokal- und Regionalteile der Zeitungen sind voll von Informationen unbekannter Herkunft. Oft werden sie gar nicht angegeben oder verschleiert. Das K√ľrzel „zg“ beispielsweise steht f√ľr „zugeschickt“.

Zeitungsartikel als „C“-Ware

Was die Zeitungen gerne als „1A-Ware“ verkaufen, ist in wirklich nur „B“- oder „C“-Ware, ein wenig umverpackt und aufgeh√ľbscht, aber im Kern einfach nur ein Massenprodukt nicht lokaler oder regionaler Herkunft. Die Zeitungen k√∂nnen diese Agenturmeldungen billiger einkaufen, als wenn sie selbst Redakteure recherchieren lie√üen oder sogar ganz umsonst, wenn sie Pressemitteilungen ver√∂ffentlichen. Oder sogar noch etwas verdienen, wenn sie als Artikel getarnte „PR-„Meldungen abdrucken.

Teuer bezahlen muss das der Kunde.

Die medienkritische und immer wieder lesenswerte Internetseite „Bildblog“ berichtete, dass die dpa und andere Agenturen klammheimlich in weiteren Meldungen das Wort „aus“ durch die korrekte Zitierung „in“ ersetzt haben. Ein deutlicher Hinweis an die Leserinnen und Leser fehlt im Mannheimer Morgen, in den Weinheimer Nachrichten und der Rhein-Neckar-Zeitung sowie vermutlich in allen deutschen Zeitungen.

Denn im „Fehler unterstellen“ sind deutsche Medien f√ľhrend – im Fehler eingestehen sind sie Schlusslicht. Qualit√§t geht anders. Doch vor einer Darmspiegelung hat das System Angst – man sp√ľrt die Geschw√ľre und will gar nicht genau wissen, wie schlimm es um den Patienten Zeitung schon steht.

Der Gurkenskandal wird vor√ľbergehen, der mediale D√ľnnpfiff wird bleiben. Die Ansteckungsgefahr innerhalb des Mediensystems ist enorm hoch.

Die RNZ berichtet am 26. Mai 2011 die falsche Information "aus Norddeutschland". Quelle: RNZ

Einen Tag später heißt es korrekt "in" - eine Klarstellung an die Leser fehlt. Quelle: RNZ

Was von der Berichterstattung der RNZ unter dem K√ľrzel „stu“ zu halten ist


Guten Tag!

Ladenburg, 02. M√§rz 2011. F√ľr die Rhein-Neckar-Zeitung berichtet aus Ladenburg Axel Sturm („stu“). Sein Bericht „SPD will den Verkehr und die Gem√ľter beruhigen“ ist mindestens problematisch.

Von Hardy Prothmann

„Objektive Berichterstattung“ muss man von der „Presse“ erwarten k√∂nnen – geht es nach der „alten Schule“.

Der Terminus „objektive Berichterstattung“ ist l√§nst problematisch geworden – seri√∂se Beobachter der Medien sprechen l√§ngst von „subjektiver Berichterstattung“ und konzentrieren sich auf Faktentreue und Transparenz.

Wie objektiv schreibt das SPD-Mitglied Axel Sturm wohl √ľber eine SPD-Hauptversammlung? Quelle: RNZ

Denn die „Presse“ ist l√§ngst nichts mehr das, was man vor langer Zeit vermutet hat und was eine „Erwartungshaltung“ definiert hat.

„Die Presse“ ist seit vielen Jahren eine breit gef√§cherte Medienlandschaft aus Zeitungen, Funk und Fernsehen. Seit gut 15 Jahren geh√∂rt das Internet dazu, seit einigen Jahren ist das Internet der treibende Motor f√ľr „Pressever√∂ffentlichungen“ – das musste nicht nur Herr zu Guttenberg gerade schmerzlich feststellen.

Es mag viele Menschen geben, die das Internet immer noch ablehnen und nicht verstanden haben oder verstehen wollen. Seien es Spießer in Deutschland oder Diktatoren in der arabischen Welt Рbeide Gruppen haben deutliche Probleme, die Dynamik des Internets zu realisieren.

Aber auch die gedruckte Presse, also Zeitungen, haben ein enormes Problem damit, die „Umw√§lzungsprozesse“ zu analysieren und umzusetzen.

Nicht nur „virtuell“, sondern auch ganz real – denn immer mehr Informationen sind √ľber das Internet zu erfahren.

Beispielsweise auch, dass die Rhein-Neckar-Zeitung ihren „Ladenburg-Korrespondenten“ Axel Sturm √ľber eine Hauptversammlung des SPD-Ortsvereins Ladenburg schreiben l√§sst, obwohl der Mitglied der SPD ist und an der Abstimmung teil nimmt.

Was hat das mit objektiver Berichterstattung zu tun? Gar nichts?

Tats√§chlich sind in dem Bericht von Axel Sturm „Die SPD will Verkehr und die Gem√ľter beruhigen“ einige Fakten zutreffend und andere gesch√∂nt und andere weggelassen. Es handelt sich also um eine subjektive, semiprofessionelle Berichterstattung.

Das allein ist noch nicht bemerkenswert – es gibt in deutschen Regionalzeitungen noch viel „bratwurstigere“ Berichte als selbst ein „Bratwurst-Journalist“ wie Sturm sie anfertigt.

Bemerkenswert ist, dass eine Zeitung wie die Rhein-Neckar-Zeitung einen freien Mitarbeiter, der Mitglied der Partei ist, √ľber die er schreibt, dieses tun l√§sst. Und zwar ohne einen Hinweis, dass es eine gewisse Befangenheit geben k√∂nnte.

Das ist, mit Verlaub, Betrug am Leser und ein Skandal und wenn es das gäbe, eine schon vorsätzliche Straftat in bezug auf eine objektive Berichterstattung.

Die Rhein-Neckar-Zeitung w√§re gut beraten, diese „Berichterstattungspraxis“ sofort einzustellen. Alternativ k√∂nnte sie zu jedem Bericht von Axel Sturm dazu schreiben, dass dieser aktives SPD-Mitglied und somit bei allen Berichten zur SPD vermutlich befangen ist.

Die RNZ kann darauf aber verzichten – ebenso wie auf ein transparente Berichterstattung. Ob der Zeitung solche „Methoden“ gut tun, darf bezweifelt werden.

RNZ berichtet √ľber Feuerwehr – oder tut sie nur so, als ob?


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 19. Januar 2011. Die Zeitungen galten lange als Gralsh√ľter der Information mit hoher Verantwortung und „Glaubw√ľrdigkeit“: Aber auch als „Gatekeeper“, quasi T√ľrsteher, die mit geschultem Blick angeblich garantierten, wichtige Informationen von unwichtigen zu trennen. Dieser Mythos war schwer zu √ľberpr√ľfen, weil es kaum „Kontrollm√∂glichkeiten“ gab. In Zeiten des Internet gibt es f√ľr alle B√ľrger die M√∂glichkeit, die Redlichkeit der Berichterstattung zu kontrollieren und das ist gut so.

Von Hardy Prothmann

Die Rhein-Neckar-Zeitung ist eine Flächenzeitung mit einem großen Einzugsgebiet und hat eine tägliche Verbreitung von angeblich rund 91.000 Exemplaren. Die Auflage sinkt kontinuierlich. Im ersten Quartal 2009 waren es noch rund 98.000 Exemplare (laut IVW).

Das hat Gr√ľnde: Die Qualit√§t des Produkts stimmt (schon lange) nicht mehr.

Aufmerksame Leserinnen und Leser m√ľssen sich belogen und betrogen vorkommen, wenn sie Informationen in der Zeitung mit Informationen au√üerhalb der Zeitung vergleichen.

Journalistische Leistung?

Ein aktuelles Beispiel ist ein Bericht vom 18. Januar 2011: „Ist bei der Feuerwehr Feuer unterm Dach?“, titelt die Zeitung und „berichtet“ √ľber die Feuerwehr Sulzbach.

"Feuer unterm Dach"? Umgeschriebene Pressemitteilung wird als "Autoren"-Bericht verkauft. Quelle: RNZ

Die Zeitung t√§uscht vor, dass der Artikel von Lutz Engert stammt. Auch der Autor Lutz Engert t√§uscht vor, dass es sich um eine tats√§chliche eigene journalistische Leistung handelt, immerhin steht er mit seinem Namen daf√ľr ein. Tats√§chlich besteht der Artikel zum √ľberwiegenden Teil aus Informationen von Ralf Mittelbach, Pressewart der Feuerwehr Weinheim.

Wer vermutet, dass Lutz Engert vor Ort war und kenntnisreich √ľber die „Zust√§nde“ bei der Feuerwehr Sulzbach schreibt, der irrt. Lutz Engert, der seinen Namen √ľber den Artikel gesetzt hat, hat lediglich die Pressemitteilung von Ralf Mittelbach mit einem Vorspann versehen, dessen Informationen Umformulierungen der Pressemitteilung an sich sind. Vor Ort war Lutz Engert nicht.

Nun könnte man meinen, Lutz Engert habe wenigstens mit dem eigentlichen Verfasser telefoniert. Doch das trifft nicht zu.

Absurderweise umschreibt Engert die Informationen der Pressemitteilung, die (aus Journalistensicht) dankenswerterweise keine Schönwetter-Meldung ist, sondern durchaus kritisch Probleme bei der Sulzbacher Feuerwehr aufzeigt.

Arrogante „Berichterstattung“.

Was Lutz Engert nicht daran hindert, die vermutlich einzig benutzte Quelle als „kryptisch“ zu diffamieren, um dann selbst mehr als kryptisch ohne ein wesentliches Mehr an Information vom Leder zu ziehen. Der Rest des Artikels besteht aus Fragmenten von zwei „zusammengeschriebenen“ Pressemitteilungen von – Ralf Mittelbach.

Es ist √ľberhaupt nicht verwerflich, Pressemitteilungen √ľber ein Medium zu verbreiten. Der Anstand gebietet aber, die Quellen transparent und nachvollziehbar zu nennen.

Zum Vergleich: Einen Tag vorher haben wir die Pressemitteilungen von Ralf Mittelbach ebenfalls verbreitet: „Feuerwehr Sulzbach ist Nachwuchslieferant – Spannungen bei der F√ľhrung„, hei√üt unsere √úberschrift auf dem weinheimblog zum Thema. Es gibt einen auf der Basis der Pressemitteilung selbst verfassten Vorspann und dann die korrekte Angabe: „Information der Feuerwehr“.

Auch wir haben die Spannungen erkannt, die in der Pressemitteilung aufgezeigt wurden und aufgenommen. Was wir nicht getan haben, ist, uns anzumaßen, diese Informationen als einen selbstrecherchierten Autoren-Text auszugeben.

Normaler Wahnsinn.

Lutz Engert, der uns pers√∂nlich nicht bekannt ist, und die Rhein-Neckar-Zeitung besch√§digen mit einem solchen Artikel, der kein Einzelfall ist, sondern den „normalen Wahnsinn“ des t√§glichen „so-tun-als-ob“ darstellt, den Berufsstand des Journalismus erheblich, weil die Leserinnen und Leser nicht mehr wissen k√∂nnen, was ein echter eigener Artikel ist und was eine „zusammengekloppte“ Pressemitteilung.

Wir thematisieren die g√§ngige Praxis des „Leser-Betrugs“ immer wieder, weil solche Artikel nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind.

Klar ist, dass Zeitungsredakteure unter einem enormen Druck stehen. Sie m√ľssen viel Arbeit bew√§ltigen – f√ľr Recherche bleibt vielen keine Zeit mehr.

Und wir behaupten nicht, dass alle von uns ver√∂ffentlichten Informationen „gegenrecherchiert“ sind – wir sind ein kleines Team und bauen mit gro√üer Anstrengung und viel Idealismus bei kleinem Verdienst unser Angebot auf.

Im Gegensatz zur Zeitung k√∂nnen sich unsere Leserinnen und Leser auf unser Redlichkeit verlassen. Autoren-Artikel sind selbst recherchierte und verfasste Geschichten. Wir benennen unsere Quellen und die damit auch die Verantwortung f√ľr die Inhalte.

Das sind wir aus √úberzeugung unseren Leserinnen und Lesern schuldig – im vollen Bewusstsein, dass wir nicht nur manchmal, sondern sogar oft eine gew√ľnschte Gegenrecherche schuldig bleiben.

Indem wir die Quelle nennen und damit die Verantwortlichkeit f√ľr die Information, gen√ľgen wir aber unserem Anspruch von Transparenz und Glaubw√ľrdigkeit. Und wir geben uns jede M√ľhe, m√∂glichst viele selbst-recherchierte Artikel zu bringen. Das bedeutet viel Arbeit, aber auch ein gutes und vielleicht sogar sehr gutes Ergebnis dieser Anstrengung.

Mangelnde Transparenz Рtendenziöse Berichte.

Die Zeitungen in unserem Raum, ob Mannheimer Morgen, Weinheimer Nachrichten oder die Rhein-Neckar-Zeitung stellen sich √ľberhaupt keiner Transparenz. Sie lassen ihre Leserinnen und Leser im unklaren. Viele Artikel sind tendenzi√∂s, voll von nicht √ľberpr√ľften Informationen und werden trotzdem als „objektiver Journalismus“ tagt√§glich verkauft oder per bezahltem Abo zugestellt.

W√§re die Tageszeitung ein dioxinverseuchtes Ei, wollte es niemand mehr kaufen. Das Problem ist, dass immer noch viele Menschen der Zeitung als „glaubw√ľrdigem Medium“ ihr Vertrauen schenken. Es gibt aber keine Labors oder sonstige √úberwachungsstellen, die pr√ľfen, ob das, was auf der Verpackung steht, auch tats√§chlich ausgeliefert wird.

Und ganz sicher berichtet keine Zeitung √ľber den Skandal, dass ein Produkt: „Die Zeitung geh√∂rt f√ľr mich zum Leben“, immer h√§ufiger ein faules Ei ist. So eine Art verdorbenes Gammelfleisch, ein Etikettenschwindel, ein aufgeh√ľbschtes Ramschprodukt. Umverpackt, neu sortiert, aber tats√§chlich minderwertig.

Faule Eier.

Wer den Mut hat, diese untragbaren Zustände offen anzuklagen, muss Рgenau mit einer Klage rechnen. Vor allem, wenn er Dinge beim Namen nennt, die den faulen-Eier-Produzenten nicht gefallen.

Der Artikel √ľber die Sulzbacher Feuerwehr „Von Lutz Engert“ ist ein faules Ei.

Wir rechnen nicht mit einer Klage, sondern hoffen darauf, dass sich die Redaktion der Rhein-Neckar-Zeitung darauf besinnt, was Leserinnen und Leser zu Recht f√ľr viel Abo-Geld erwarten d√ľrfen: eine einwandfreie Berichterstattung.

Journalistischer Vergleich oder journalistische Unterlassung?

Sollten Herr Engert oder die Rhein-Neckar-Zeitung nicht mit unserem Bericht einverstanden sein, haben sie selbstverst√§ndlich die M√∂glichkeit, eine Gegendarstellung zu verlangen. Sie k√∂nnen auch einen verbindlichen Wunsch √§u√üern, einen Kompromiss zu finden, falls eine unserer Formulierungen m√∂glicherweise „strittig“ sein sollte.

Es besteht aber auch die M√∂glichkeit, sofort mit einem absurd hohen Streitwert eine Unterlassung zu verlangen. Doch dann m√ľssen sich die Zeitung und Herr Engert auch der gerichtlichen Kl√§rung stellen, dass wir behaupten, dass die Zeitung einen „Haufen fauler Eier“ im Korb hat, die sie jeden Tag „an den Mann bringt“. Das k√∂nnte interessant werden.

Lieber wäre uns ein journalistisches Kräftemessen und auch bei der Rhein-Neckar-Zeitung die erkennbare Anstrengung, ordentlichen Journalismus statt fauler Eier zu produzieren.

Denn den Zeitungen muss klar sein, dass ihre „Informationen“ nicht mehr „solit√§r“ alleine in der Welt sind und sofort und unmittelbar √ľber viele andere Informationen √ľberpr√ľft werden k√∂nnen – wer sich die M√ľhe macht, erlebt, dass es oft zum Himmel stinkt.