Dienstag, 22. Oktober 2019

Altstadt und Verkehr: Die falsche Debatte

„Der letzte wirft den SchlĂŒssel in den Neckar“

Ladenburg, 26. Juni 2012. (red/pro) Rund 90 interessierte BĂŒrgerinnen und BĂŒrger fanden gestern den Weg in den Domhof, um mit BĂŒrgermeister Rainer Ziegler und Interessenvertretern ĂŒber ein Jahr „unechte Einbahnstraße“ zu diskutieren. Das ist die falsche Debatte – denn sie fĂŒhrt zu nichts.

Kommentar: Hardy Prothmann

Es geht nicht um die Frage, ob man eine FußgĂ€ngerzone will, alles wie es vorher war oder die jetzige Lösung der „unechten Einbahnstraße“ fortfĂŒhrt. Es kann nur um die Frage gehen – was aus Ladenburg und seiner historischen Innenstadt werden soll.

Außergewöhnliches Flair

Hardy Prothmann ist Chefredakteur von Ladenburgblog.de und blickt mit Sorge auf die Entwicklungen.

Ladenburg ist eine bislang sehr lebendige Stadt mit einem außergewöhnlichen Flair – dieses besteht aus der Mischung vieler Angebote: Der historischen Altstadt als Attraktion fĂŒr Touristen und AusflĂŒgler, Gastronomie, Einzelhandel, Gewerbe, Dienstleister, aktive Vereine und Festen. Die Menschen kommen gerne nach Ladenburg, bringen Geld in die Stadt, beleben sie und sie nutzen dazu ĂŒberwiegend das Auto.

Eine FußgĂ€ngerzone wĂŒrde der Gastronomie, dem Handel und den Dienstleistern ĂŒberwiegend innerhalb von wenigen Jahren den Garaus machen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Das nĂ€chste Opfer wĂ€re der Tourismus – kein Platz zum Innehalten und sich zu verpflegen, keine Einkaufsmöglichkeiten, keine Souvenirs, heißt keine Touristen und AusflĂŒgler. Gastronomie kaputt, Handel kaputt, heißt Dienstleister kaputt.

Tote Konsequenzen

Gastronomie, Handel, Dienstleister, Touristen weg, heißt in der Konsequenz, dass die Innenstadt tot wĂ€re. Kein Verkehr, kein GeschĂ€ftsbetrieb, keine AuswĂ€rtigen. Ladenburg wĂ€re ein Museum ohne Besucher.

Und ohne jede Verkehrsmaßnahme ist Ladenburg jetzt schon auf diesem Weg – das zeigen die Schließungen der LĂ€den und die abnehmenden Verkehrszahlen – auch ohne jede „unechte Einbahnstraße“.

Und mit jedem Laden, der schließt, wĂ€chst die Gefahr fĂŒr andere, dass es ihnen bald ebenso geht. Denn je geringer das Angebot, desto geringer wird die Nachfrage.

Widerstand ist gefragt

Die Stadt Ladenburg wĂ€re sehr gut beraten, wenn sie sich nicht von sogenannten „Pressure-Groups“ unter Druck setzen lassen wĂŒrde, sondern selbst handelt. Mit einem aktiven und kreativen Stadtmarketing.

Das wĂŒrde Leute wie den Landtagsabgeordneten Gerhard Kleinböck ausschalten, dem ich unterstelle, nur aus wahltaktischen GrĂŒnden immer wieder die Verkehrsdebatte zu fĂŒhren. (Wo war der eigentlich?)

Das wĂŒrde einzelne Mitglieder des Bunds der SelbstĂ€ndingen ausschalten, die vorgeben, die HĂ€ndler zu vertreten und doch nur ihr eigenes SĂŒppchen kochen.

Das wĂŒrde die ausschalten, die eigentlich nur grundsĂ€tzlich nörgeln wollen und vor allem gegen den BĂŒrgermeister.

Alle genannten sind zwar laut und werden gerne von den lokalen Zeitungen fĂŒr Pseudo-Aufreger instrumentalisiert – aber sie sind nur kleine Gruppen, die nicht die Meinung und die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung wiedergeben. Und die alten lokalen Medien sind mit ihrer „Schönschreiberei“ sehr wesentlich fĂŒr viele Probleme verantwortlich.

Lösungswege gegen Ausweglosigkeit

Ein aktives Stadtmarketing wĂŒrde auch diese „Groups“ hören, sich aber nicht unter „Pressure“ bringen lassen. Sondern Konzepte und Lösungen entwickeln, die der Stadt ingesamt dienen. Ein erster Ansatz wĂ€re eine „gescheites Parkleitsystem“. Wer von außen kommt, findet die oft versteckten Parkmöglichkeiten nicht und fĂ€hrt eben in die Innenstadt.

Klagen gegen Feste wie die von Anwohnern des Marktplatzes sind in unserem Rechtsstaat grundsĂ€tzlich möglich. Aber sind sie richtig? Muss man so kompromisslos das Einzelwohl ĂŒber das Gemeinwohl stellen? HĂ€tte hier ein Marketing mit flexiblen Möglichkeiten nicht die Katastrophe (und das ist es) verhindern können? Und ist nicht auch die Verkehrsdebatte eine, die von wenigen ĂŒber viele gefĂŒhrt wird?

Kann man das GefĂŒhl von wenigen, die „ihre absolute Ruhe haben wollen“ nicht in ein GefĂŒhl von „wir schĂ€tzen es, dass hier was los ist“ wandeln?

„Ladenburg tafelt“ könnte zu einer herausragenden Veranstaltung werden – aber nur, wenn man das endlich professionell statt klĂ€glich organisiert und den Egoisten klar macht, dass sie alleine nichts reißen.

Das Drama des dieses Jahr aus „OrganisationsgrĂŒnden“ ausgefallenen Ballon-Festivals hĂ€tte es nicht gegeben. Das ein solches Ballon-Festival erfolgreich ist, seit die Historie in Ladenburg und die WeiterfĂŒhrung im Mannheimer Luisenpark. In Ladenburg zeigt der Ausfall nur, dass hier dringend Handlungsbedarf besteht.

Ein aktives Marketing könnte vermutlich verhindern, dass Sauf-Parties von Jugendlichen den Ruf der Stadt schĂ€digen. Und im Gegenteil dafĂŒr sorgen, die VorzĂŒge deutlich herauszustellen.

Tot oder lebendig – das ist die Frage

Ein nĂ€chster Ansatz wĂ€re, den GeschĂ€ftsleuten klar zu machen, dass es 5 vor 12 Uhr ist. Wer nur an sich denkt und nicht in einer Gemeinschaft der „gemeinsamen Innenwirtschaft“ wird einer nach dem anderen das Licht ausmachen können mĂŒssen. Der letzte schließt dann die zweitĂ€lteste Stadt Deutschland als totes Museums ab und wirft den SchlĂŒssel in den Neckar.

Dann herrscht Ruhe. Friedhofsruhe.