Donnerstag, 26. April 2018

Peta zieht Abmahnung zurĂŒck


Guten Tag!

Ladenburg, 12. April 2011. (red) Die selbsternannte Tierrechtsorganisation Peta hat die von uns geforderte „strafbewehrte UnterlassungserklĂ€rung“ heute zurĂŒckgezogen.

Von Hardy Prothmann

Irgendjemand bei Peta hatte genug Verstand, um zu erkennen, dass die gegenĂŒber uns ausgesprochene Abmahnung und die Aufforderung, eine „strafbewehrte UnterlassungserklĂ€rung“ bei einem „Streitwert von 10.000 Euro“ zu unterzeichnen, sagen wir mal, „ein wenig ĂŒbertrieben war“.

Am Nachmittag haben wir ein Fax erhalten, dass uns mitteilt, die Abmahnung sei „als erledigt zu betrachten“, weil wir wie gefordert einen Link auf einen externen Artikel gelöscht haben.

Ob sich Peta mit der aggressiven Vorgehensweise einen Gefallen getan hat? Das werden unsere Leserinnen und Leser selbst entscheiden. Bei vielen, die uns angerufen und per email ihre SolidaritÀt versichert haben, ist ein negativer Eindruck entstanden.

Wir hatten im Zusammenhang mit einem toten Kaninchen und einer „Belohnung zur AufklĂ€rung eines Verbrechens“ ĂŒber Peta und die durchaus zweifelhaften Methoden berichtet. Darin hatten wir auf eine Themenseite der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung verlinkt, die in mehreren Artikeln sehr kritisch ĂŒber Peta berichtet hatte.

Offensichtlich gab es zu dieser Berichterstattung einen Gerichtsprozess und zwei SĂ€tze mit einer mutmaßlich nichtzutreffenden Tatsachenbehauptung mussten entfernt werden. Man kann also davon ausgehen, dass der Rest der Tatsachenbehauptungen deshalb zutreffend ist, sonst wĂ€re Peta auch dagegen vorgegangen.

Was die HAZ berichtet hatte, finden Sie hier:

Organisation Peta geht immer militanter gegen missliebige „Tiernutzer“ vor
Peta: Vorrang fĂŒr Hunde und Heuschrecken

Übrigens ist das die vierte Abmahnung seit Mai 2009 gewesen (Start heddesheimblog), die von uns gefordert wurde.

  • Die erste Abmahnung hat der Heddesheimer BĂŒrgermeister Michael Kessler durch Heidelberger AnwĂ€lte gegenĂŒber dem heddesheimblog ausgesprochen und zurĂŒckgezogen.
  • Die zweite Abmahnung kam von der MM-Redakteurin Anja Görlitz, ebenfalls gegen das heddesheimblog – hier mussten wir aus KostengrĂŒnden eine Einstweilige VerfĂŒgung akzeptieren.
  • Die dritte Abmahnung kam vom Heddesheimer CDU-Fraktionsvorsitzenden Dr. Joseph Doll, ebenfalls gegen das heddesheimblog – diese wurde nicht zurĂŒckgezogen, aber trotz „Terminsetzung“ nicht weiter verfolgt. Wir betrachten sie als erledigt.
  • Die vierte Abmahnung hĂ€tte eigentlich das ladenburgblog treffen mĂŒssen, denn dort „handelt schließlich die Geschichte“. Kurioserweise erging sie aber ebenfalls gegen das heddesheimblog, obwohl im Kontakt mit Peta kein einziges Mal das Wort heddesheimblog gefallen ist.

„Terror im Namen der Tiere“: Peta verlangt UnterlassungserklĂ€rung – Streitwert 10.000 Euro


Guten Tag!

Ladenburg, 12. April 2011. (red) Geht es absurder? Die selbsternannte „Tierschutzorganisation“ verlangt von unserer Redaktion eine „strafbewehrte UnterlassungserklĂ€rung“ mit einem Streitwert von 10.000 Euro. Unser „Verbrechen“: Wir haben einen Link auf eine allgemein zugĂ€ngliche Seite im Internet gesetzt. Als Dokumentation der Berichterstattung einer großen norddeutschen Tageszeitung. Keine unserer eigenen Aussagen wurde angegriffen – nur der Hinweis auf „zwei“ von sehr vielen SĂ€tzen hinter dem Link auf die Berichte in einer Zeitung. Wer nun denkt, dass der „Terror im Namen der Tiere“ eine gute Überschrift war, bildet sich eine eigene Meinung.

Von Hardy Prothmann

Unser Artikel ĂŒber die selbsternannte Tierschutzorganisation „Peta“ hat möglicherweise juristische Folgen.

Der Streitwert wird von der Gegenseite auf 10.000 Euro festgelegt. Unterzeichnet von einem „Dr. Haferbeck“.

Wir haben in einem Artikel ĂŒber „Peta“ exakt diesen Satz geschrieben: „Die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) schrieb 2009 auf einer Themenseite ĂŒber „Terror im Namen der Tiere.“

Auf diese „Themenseite“ haben wir einen Link gesetzt (auf „Terror im Namen der Tiere“). Als „Beleg“ fĂŒr die Aussage, dass die HAZ diese Themenseite veröffentlicht hat. Diese Themenseite ist bei einem Internetdienst als Kopie gespeichert und fĂŒr jeden Internetnutzer auffindbar, der als Suchbegriff in Google: „Terror im Namen der Tiere“ eingibt ( wir haben keinen Einfluss darauf, auf welchen Treffer die Leserinnen und Leser klicken…).

Aggressive Reaktion.

Unser Artikel wurde am 08. April 2011, um 11:33 Uhr, veröffentlicht.

Am 08. April 2011, ging um 17:03 Uhr per Fax die dreiseitige Abmahnung bei uns ein, die ĂŒber das Wochenende bis Montag, den 11. April 2011, 12 Uhr die Abgabe einer „strafbewehrten UnterlassungsverpflichtungserklĂ€rung“ bei einem Streitwert von 10.000 einfordert, weil wir uns angeblich einen „Inhalt zu eigen“ gemacht haben sollen.

Klick öffnet die Abmahnung.

 

Wir stellen fest, dass wir uns weder einen Inhalt zu eigen gemacht haben noch eine Tatsachenbehauptung aufgestellt haben, bis auf die Aussage, dass die HAZ eine Themenseite veröffentlicht hat.

Und wir sind als Redaktion extrem irritiert darĂŒber, dass eine „Tierschutzorganisation“, die sich angeblich fĂŒr etwas gutes einsetzt, in dieser aggressiven Art und Weise reagiert.

Terror im Namen der Tiere.

Leider haben wir den Eindruck, dass der von der HAZ fĂŒr die Themenseite gewĂ€hlte Titel „Terror im Namen der Tiere“ nicht ohne Bedeutung ist.

Wir haben nach Kenntnisnahme der „Abmahnung“, die im ĂŒbrigen jeden, der einfach nur einen Link gesetzt hĂ€tte, nach dem Motto: „Guck mal, hier steht was“, den Link sofort entfernt. Nicht, weil wir ĂŒberzeugt sind, dass mir das mĂŒssen, sondern nur, weil wir keinen unnötigen juristischen Streit suchen.

Streit sucht offensichtlich Peta. Die Kampagnenmanagerin Nadja Kutscher hat sich Namen und Telefonnummer der Redaktion im TelefongesprĂ€ch notiert. Ein Anruf mit einem Hinweis auf den „problematischen“ Link und die rechtlichen HintergrĂŒnde hĂ€tte genĂŒgt, um den Link durch uns entfernen zu lassen.

Leider bleibt der Eindruck, dass eine solch „verbindliche Einigung“ nicht im Interesse von Peta ist. Leider verfestigt sich der Eindruck, dass es in der Sache um den „Terror im Namen der Tiere“ geht. Einem Terror, der eine saubere journalistische Arbeit und die Äußerungen von grundgesetzlich garantierter Meinungsfreiheit missachtet.

Ein Link – mehr nicht.

Im vorliegenden Fall haben wir uns aus allgemein zugĂ€nglichen Quellen – so steht es im Grundgesetz – informiert. Und es war keinerlei inhaltliche Aussage mit der Verlinkung verbunden, sondern nur eine Dokumentation auf eine veröffentlichte Quelle.

FĂŒr den Autoren und fĂŒr die Redaktion war zu keiner Zeit ersichtlich, dass eine solche Verlinkung „strafbewehrt“ sein könnte.

Peta hat zu keinem Zeitpunkt eine „gĂŒtliche Einigung“ angestrebt, sondern sofort zum „rechtsstaatlich zulĂ€ssigen“, aber tatsĂ€chlich aus unserer Sicht eher „einschĂŒchternden Mittel“ der Prozessandrohung gegriffen.

Ob Peta nun den „Terror“ weitertreibt und klagt, weil wir die (absichtlich zu kurz gesetzte) Frist in der absurden Sache nicht einhalten konnten oder Ruhe gibt?

WofĂŒr steht Peta? Hauptsache radikal?

Wer weiß? Peta hat einen radikalen Ruf und fĂŒhlt sich vielleicht gezwungen, diesen zu „rechtfertigen“.

Wir stehen zu unserer eigenen Berichterstattung und werden diese verteidigen. Denn wir sind ĂŒberzeugt davon, dass diese „Abmahnung“ in keinster Weise irgendetwas mit „Tierschutz“ zu tun hat, sondern ausschließlich darauf ausgerichtet ist, die Meinungsfreiheit gezielt und gewollt zu beschĂ€digen.

Und solchen „terroristischen“ Zielen, egal wer sie vertritt, werden unsere Leserinnen und Leser entgegentreten.

Von Peta erwarten wir ein Schreiben, dass die Abmahnungsforderung nach der Löschung des Links offiziell zurĂŒckzieht und vielleicht auch eine Entschuldigung beinhaltet und die Einsicht, dass man gerne fĂŒr die „gute Sache“ kĂ€mpfen darf, aber dabei, bitte schön, „gut“ sein sollte.

Alles andere wÀre unertrÀglich.

Links:

Dokumentation der Abmahnung.
Organisation Peta geht immer militanter gegen missliebige „Tiernutzer“ vor
Peta: Vorrang fĂŒr Hunde und Heuschrecken

Tiere, Titten, Tote: Was von der Tierschutzorganisation „PETA“ zu halten ist


Ladenburg/Rhein-Neckar, 08. April 2011. (red) Die „Tierschutzorganisation PETA“ setzt sich gegen TierquĂ€lerei ein. Und wĂ€hlt dafĂŒr radikale Methoden und Medienkampagnen. Die Organisation ist mĂ€chtig, denn sie appelliert ans MitgefĂŒhl der Menschen. Aber sie ist auch stark in der Kritik. Denn im Gegensatz zu anderen Tierschutzorganisationen gibt es weder Pflege- noch Vermittlungseinrichtungen bei Peta. Im Gegenteil: In Amerika soll die Organisation rund 14.000 Hunde eingeschlĂ€fert haben – angeblich, um Kosten zu sparen.

Von Hardy Prothmann

Keine Frage: Jeder „normale“ Mensch ist gegen das QuĂ€len von Tieren. DafĂŒr setzt sich angeblich Peta ein, eine amerikanische Tierschutzorganisation. In Ladenburg hat die Organisation aktuell durch einen Bericht im Mannheimer Morgen auf sich aufmerksam gemacht: 500 Euro wurde als Belohnung „zur Ergreifung eines mutmaßlichen Kaninchenmörders“ ausgesetzt.

Tiere – Titten – Tote

Peta verfolgt eine Medienstrategie, die gut funktioniert und bei der Bild-Zeitung beispielsweise TTT heißt: Tiere, Titten, Tote. Themen mit einem „T“ „gehen immer“ und sorgen fĂŒr Aufmerksamkeit.

Peta steht fĂŒr „People for the Ethical Treatment of Animals“, also „Menschen fĂŒr das ethische Behandeln von Tieren“. Das hört sich zunĂ€chst gut an. Aber ist Peta deshalb eine Organisation, die man unterstĂŒtzen sollte?

Wer sich nĂ€her mit Peta beschĂ€ftigt, dem fĂ€llt die RadikalitĂ€t der Organisation auf. Wer zum Beispiel das Essen von Fleisch als vollkommen normal hĂ€lt, der wird mit Peta nicht glĂŒcklich werden, egal, ob er gegen TierquĂ€lerei ist oder nicht. Peta lehnt das ab und wirbt offen fĂŒr Vegetarismus oder ein „Veganer“-Leben (hier auf der englisch-sprachigen Seite „Jesusveg.com“). Auch jegliche Lederwaren sind tabu – denn sie stammen von Tieren.

Wer Wurst oder Fleisch isst, der ist nach Auffassung von Peta ein MittÀter und mitschuldig am "Massenmord". Quelle: Peta

Peta bezeichnet beispielsweise das Essen von Tieren und die dafĂŒr notwendige Massentierhaltung als „Mechanisierten Massenmord“. Peta geht noch weiter und vergleicht das Schlachten von Tieren mit dem Holocaust (taz: „Der Jude, das GrillhĂ€hnchen). Der Zentralrat der Juden in Deutschlang zeigte sich entsetzt und ging gerichtlich gegen die im Jahr 2004 gestartete Kampagne „Der Holocaust auf deinem Teller“ vor. Die Klage ging bis vor das Bundesverfassungsgericht, das Peta die Kampagne untersagte.

„Nackte Wahrheiten“

Und Peta setzt fĂŒr seine Kampagnen gerne „Prominente“ ein. Aktuell lĂ€uft in Deutschland eine Kampagne mit Daniela Katzenberger, die „sexy und leichtbekleidet“ angeblich sagt: „Manchmal kann zuviel Sex schlecht sein“. Peta organisiert NudistenlĂ€ufe oder zeigt leichtbegleidete Frauen als „Lettuce-Ladies„, als „Salat-Damen“.

Ob leichtbekleidete Damen noch „schocken“, darf bezweifelt werden. FĂŒr’s richtig schlechte Gewissen hat Peta andere Informationen und prangert – zu Recht – grausame Szenen an:

„In einer Undercover-Videoaufnahme, die PETA gemeinsam mit dem Journalisten Manfred Karremann in China machte, zeigt sich unermeßliches Grauen: Die Tiere fristen bei allen Witterungsextremen ihr Dasein in winzigen DrahtkĂ€figen. Bevor man sie hĂ€utet, schlagen Arbeiter mit Metallstangen auf sie ein und schmettern sie auf den Boden. Sie brechen ihnen so die Knochen, wobei sie hĂ€ufig nicht getötet werden. Viele Tiere sind noch am Leben und bei vollem Bewußtsein, wenn man ihnen das Fell abzieht.“

Solche „Geschichten“ gehen ans Herz und öffnen das Portemonnaie fĂŒr Spendenzahlungen. Und die laufen gut – die MedienprĂ€senz von Peta ist enorm. Ganz klar: „Sex sells“ und eine Daniela „Katzenberger“ als Imagefigur fĂŒr „Katzenkastration“ – das hat was. Oder? Peta „informiert“:

„Hintergrund dieses Motivs: So gut wie alle deutschen Tierheime sind ĂŒberfĂŒllt, viele verhĂ€ngen Aufnahmestopps, weil sie keine weiteren Tiere mehr aufnehmen können. Die Population verwilderter und heimatloser Katzen in und um die meisten deutschen StĂ€dte und Dörfer ist enorm und wird tĂ€glich grĂ¶ĂŸer. Die verwilderten Nachkommen stammen alle von Katzen ab, die ursprĂŒnglich mehr oder weniger behĂŒtet in Menschenfamilien lebten, jedoch nicht kastriert wurden. Heimatlos geworden, fĂŒhren sie ein Leben voller Leid und Entbehrungen, da sie nicht fĂŒr ein solches Leben gerĂŒstet sind: Hunger, Krankheit und ein frĂŒher Tod sind keine Seltenheit.“

Peta tötet selbst Tiere

WorĂŒber Peta an dieser Stelle nicht informiert: Peta selbst tut aktiv nichts fĂŒr Tiere. Peta unterhĂ€lt keine Tierheime. DafĂŒr tötet Peta Tiere und zwar umfangreich, wie bei Wikipedia nachzulesen ist:

„PETA unterstĂŒtzt aktive Sterbehilfe an Tieren, wenn keine Lebensbedingungen hergestellt werden können, die nach PETA-Richtlinien artgerecht sind. Die dabei geltenden Richtlinien vermenschlichen die Tiere und setzen voraus, dass es fĂŒr die Tiere besser sei, tot zu sein, statt unter schlechten Bedingungen zu leben. In der Öffentlichkeit wird diese Praxis als Doppelmoral der Organisation gegeißelt, da die Organisation definiert, wann es den Tieren schlecht geht. So konnten zum Beispiel in den USA viele durch Aktionen von PETA befreite Tiere nicht vermittelt oder versorgt werden, weshalb man beschloss, sie einzuschlĂ€fern. Als Anthropomorphisierung wird dabei der Analogieschluss von Tier und Mensch verstanden, der beide gleichsetzt und impliziert, dass Wahrnehmung und individuelle Lebenswelten von Tier und Mensch identisch wĂ€ren.

Im MĂ€rz 2010 wurde bekannt, dass PETA im Jahre 2009 97 % der Tiere in ihrem eigenen Tierheim in Virginia einschlĂ€fern ließ. Andere Tierheime im gleichen Bundesstaat schlĂ€ferten hingegen nur etwas mehr als die HĂ€lfte der Tiere ein.“

Peta hĂ€lt also fĂŒr sich die Deutungshoheit, was „artgerecht“ ist und was nicht. Was erlaubt ist und was nicht. Was „richtig“ ist und was nicht.

Tiere, Titten, Tote - Hauptsache Aufmerksamkeit. Quelle: Peta

Aktuell hat Peta eine Belohnung von 1.000 Euro fĂŒr „Schlangenmörder“ ausgesetzt und argumentiert „merkwĂŒrdig“. Einerseits kann man Wildtiere „niemals artgerecht“ halten, andererseits empfiehlt die Organisation den Gang zum Tierheim:

„Wildtiere können in Gefangenschaft niemals artgerecht gehalten werden. Wer sich wirklich gut auskennt und sich ĂŒber den enormen Zeit- und Geldaufwand der Haltung bewusst ist, sollte ein Tierheim besuchen. Hier warten immer mehr Exoten auf ein neues Zuhause.“

Obwohl sie dort „niemals artgerecht“ gehalten werden können?

Kampagnen wollen finanziert sein

Nach Aussage der hauptberuflichen Kampagnenleiterin Nadja Kutscher „bringt das Ausloben von Belohnungen viele Hinweise“: „Meist wollen die Hinweisgeber aber gar nicht das Geld.“

Peta bietet es trotzdem an – das sorgt fĂŒr Aufmerksamkeit. Und zeigt, dass Peta bereit ist, viel Geld zu bezahlen, um „den TĂ€tern auf die Spur zu kommen“ – dafĂŒr braucht Peta Geld – Spendengeld.

Ersatzreligion?

Kritiker beschreiben die von der Amerikanin Ingrid Newkirk 1980 gegrĂŒndete Organisation als „kultartig“ und kritisieren den autoritĂ€ren FĂŒhrungsstil und eine immer radikalere Ausrichtung der Organisation. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung schrieb 2009 auf einer Themenseite ĂŒber „Terror im Namen der Tiere“.

(Anmerkung der Redaktion: Uns wurde unter Androhung von rechtlichen Mitteln und einem Streitwert von 10.000 Euro die Verwendung des ursprĂŒnglich gesetzten Links auf „Terror im Namen der Tiere“ untersagt. Wir sollen dazu eine UnterlassungserklĂ€rung unterzeichnen, was wir nicht tun, da wir nur einen Link auf eine allgemein im Internet zugĂ€ngliche Seite gesetzt haben und keine Kenntnis hatten, dass hier ein gerichtliches Verfahren anhĂ€ngig war oder ist. Wir haben den Link nach Kenntnis der Aufforderung entfernt, da wir uns den Inhalt nicht zu eigen machen, sondern journalistisch korrekt auf eine allgemein zugĂ€ngliche Quelle verwiesen haben.)

Echte Mörder werden mit TierquĂ€lerei in Verbindung gebracht. Der „logische“ Schluss: Wer Tiere „Schaden“ zufĂŒgt, wird zum Mörder.

Sicher ist es grundsĂ€tzlich richtig, ĂŒber nicht-artgerechte Haltung von Tieren oder sogar brutale Methoden wie in China zu berichten und solche ZustĂ€nde anzuprangern.

Im Zusammenhang mit „religiösen Anspielungen“, einem radikalen Wertekanon und „Idealbildern“ von Menschen ergibt sich aber ein krude Mischung, die schnell zu einer Art „Ersatzreligion“ wird. Die GefĂŒhle „Barmherzigkeit und Mitleid“ werden mit Systemkritik verbunden und ein GemeinschaftsgefĂŒhl angeboten.

Mit radikalen Mitteln. Psychologisch clever inszeniert, bedient Peta auf Ă€hnliche Art und Weise das, was Boulevard-Medien wie die Bild bestens in bare MĂŒnze umwandeln. Die Aufmerksamkeit fĂŒr Tiere, Titten, Tote. Denn die „T“-Themen „gehen immer“. Deswegen findet Peta bei vielen Journalisten Gehör – wie aktuell beim Mannheimer Morgen.

Kritiklos werden die Botschaften transportiert – die Zeitung hat eine „Story“ und Peta Aufmerksamkeit, die sich vermutlich in Spendengeld „auszahlt“.

„Kaninchenmord“ in Ladenburg – ermittelt jetzt eine „Soko Kaninchen“?


Ladenburg, 08. April 2011. (red) Der Mannheimer Morgen berichtet in der Ausgabe „Rhein-Neckar“ am 07. April 2011 ĂŒber einen „grausigen Fund“ – ein Kaninchen wurde tot in einer PlastiktĂŒte gefunden. Steckt ein Kapitalverbrechen dahinter?

Von Hardy Prothmann

Es gibt Meldungen, die lassen einen auf den ersten Blick bass staunen: „Totes Kaninchen in der TĂŒte: 500 Euro Belohnung ausgesetzt„, titelt der „MM“.

Es gehe um einen „grausigen Fund“, den eine SpaziergĂ€ngerin gemacht habe. Sie soll „am Bach zwischen SchĂŒtzenhaus und AWO-Kinderheim am Neuweg“ zwei tote Kaninchen in einer TĂŒte gefunden haben.

MM-Redakteur Hans-JĂŒrgen Emmerich benutzt wie ĂŒblich eine Pressemitteilung, in diesem Fall der „Tierschutzorganisation Peta“ und gibt sie als Eigenrecherche aus. VollstĂ€ndig ungeprĂŒft ĂŒbernimmt er Aussagen und die Darstellung, dass „der TĂ€ter die Kaninchen gewissenlos getötet hat“.

Ein Bild der Deutschen Nachrichtenagentur (dpa) bekommt die Bildunterschrift: „Klein, sĂŒĂŸ und unschuldig: Ein Kaninchen wie dieses musste trotzdem sterben, TierschĂŒtzter suchen jetzt nach dem TĂ€ter.“

Behauptungen statt Fakten

Die Behauptung von Peta, die Polizei habe sich nicht gekĂŒmmert, lĂ€sst er weg, denn er erhĂ€lt die Auskunft, dass die Polizei sehr wohl die toten Tiere in Augenschein genommen und danach dem Bauhof zur Entsorgung ĂŒbergeben hat. „Spuren von Gewalteinwirkung“ wurden nicht entdeckt, schreibt Emmerich. Wir haben das ĂŒberprĂŒft und auch uns gegenĂŒber bestĂ€tigt das die Polizei.

Emmerich erfĂ€hrt auch, dass nur ein Kaninchen in der TĂŒte gefunden wurde und ein zweites in der NĂ€he. Er dokumentiert das auch – freilich ohne sich selbst die Frage zu stellen, was die „Zeugenaussagen“ und die Behauptungen wert sind. Die SpaziergĂ€ngerin sagt: Zwei Kaninchen in der TĂŒte. Peta behauptet das in der Pressemitteilung – die Polizei sagt, ein Kaninchen in der TĂŒte, ein zweites Wildkaninchen mit „Wildfraßspuren“ in der NĂ€he.

Keine „Soko Kaninchen“

Die Polizei hat auf eine „Autopsie“ verzichtet, denn sie konnte durch Augenschein keine Gewalteinwirkung feststellen. Sie spricht auch nicht vom „TĂ€ter“, sondern vom „Betroffenen“ – so heißt das im Falle einer möglichen Ordnungswidrigkeit. Denn richtig ist, dass man Tiere nicht einfach in der Gemarkung entsorgen darf. SelbstverstĂ€ndlich ist der „Vorgang aktenkundig“ – auf die Einrichtung einer „Soko Kaninchen“ hat die Polizei aber verzichtet.

TatsĂ€chlich wurde also ein totes Kaninchen in einer TĂŒte gefunden und zu einer Story aufgeblasen, deren Inhalt mehr als fragwĂŒrdig ist. 500 Euro Belohnung? „Zur Ergreifung des gewissenlosen TĂ€ters?“ Ein Zeugenaufruf „zur Ergreifung des TĂ€ters“, der „jeden Respekt vor dem Leben verloren hat“, wie die „Kampagnenleiterin“ von Peta, Nadja Kutscher, zitiert wird?

Verbrechen?

Woher weiß die Frau, die in Stuttgart lebt und die Kaninchen nicht gesehen hat, ob hier „Gewalt im Spiel“ war? Wieso geht sie davon aus, dass „der TĂ€ter die Kaninchen getötet hat“? Wie kann sie behaupten, dass jemand „die Kaninchen gewissenlos getötet hat“? Wie kommt sie darauf, von einem „Verbrechen“ zu sprechen?

Nur soviel ist sicher: Das Ablegen von Tierkadavern im öffentlichen Raum ist eine Ordnungswidrigkeit. Die hat wohl stattgefunden. Die Frage, warum, ist nicht geklĂ€rt und wird es wohl auch nie werden. Vielleicht ist das Kaninchen einfach so gestorben. Und der „TĂ€ter“ hat keinen Garten, um es zu verbuddeln und kein Geld, um es einer „Entsorgung“ zuzufĂŒhren oder war schlicht und einfach ĂŒberfordert.

Wenn der „TĂ€ter“ clever ist, stellt er sich selbst der Polizei, kassiert die Belohnung, zahlt davon das Ordnungsgeld und behĂ€lt bestimmt noch jede Menge Geld ĂŒbrig.

Der MM kann dann eine „Geschichte nachschieben“: „Eiskalt – wie der TĂ€ter seine gruselige Ordnungswidrigkeit auch noch zu Geld machte. Hat er ĂŒberhaupt kein Gewissen?“