Dienstag, 21. August 2018

Saufgelage in Heidelberg – maue Party in Ladenburg


Merian-Realschul-AbgÀnger feiern auf der Festwiese. Bild: ladenburgblog.de

Ladenburg/Heidelberg/Rhein-Neckar, 11. Mai 2011 (red/pol) Die Realschulabschlussfeier artete in Heidelberg zu einem Saufgelage aus. 25 Anzeigen, auffallend viele sehr betrunkene SchĂŒlerinnen und SchĂŒler beschĂ€ftigten Polizei und Rettungsdienste. In Ladenburg kamen rund 80 SchĂŒlerinnen und SchĂŒler in der „Hochphase“ am Nachmittag auf die Festwiese – ohne ZwischenfĂ€lle.

Von Hardy Prothmann

Abends um 20:00 Uhr ging es eher ruhig zu auf der Festwiese. Etwas ĂŒber 30 SchĂŒlerinnen und SchĂŒler feierten hier noch ihren Realschulabschluss. Die meisten gehen/gingen zur Merian-Realschule, ein Gruppe von Seckenheimer RealschĂŒlern war auch vor Ort.

Und die Polizei schaute regelmĂ€ĂŸig vorbei: „Nervt ein bisschen“, meint ein MĂ€dchen, sagt aber auch: „Die sind aber schon nett gewesen.“ Ein SchĂŒler aus Heddesheim bestĂ€tigt: „Keine Probleme, die gucken halt, das man nichts „Hartes“ dabei hat. Ist ja auch ok so.“

Viele sind ein wenig enttĂ€uscht und hatten sich eine grĂ¶ĂŸere Party erhofft: „Wir haben das extra beim BĂŒrgermeister angemeldet und durften dann ja auch, aber vielleicht haben sich einige nicht getraut oder keinen Bock auf Stress gehabt.“

Vergangenes Jahr wurde am spĂ€ten Nachmittag das Rundklo demoliert – mehrere tausend Euro Sachschaden waren das Ergebnis einer alkoholisierten Zerstörungswut von zwei SchĂŒlern. Damit war „Schluss mit lustig“ – seitdem wird stĂ€rker kontrolliert.

Auch Seckenheimer SchĂŒler feierten auf der Festwiese: "War etwas mau."

Das Konzept des Revierleiters Frank Hartmannsgruber geht auf: regelmĂ€ĂŸige PrĂ€senz und aktive Ansprache der Jugendlichen hat fĂŒr Ruhe in Ladenburg gesorgt: Hexennacht, Altstadtfest und gestern die Realschulfeier kamen ohne Exzesse und Zerstörungen, Gewalt und KrankenhausfĂ€llen aus: „Die sollen feiern, ich wĂŒrde das auch wollen“, sagt der Revierleiter: „Aber es muss im Rahmen bleiben.“

Heißt ĂŒbersetzt: Party ja – Rambazamba nein. Eigentlich schade, dass viele SchĂŒlerinnen und SchĂŒler die Party deshalb „etwas mau“ fanden. Hey – freut Euch. Schule geschafft ist doch toll. Und man kann sich auch ohne Alk freuen. Man kann aber auch ein Bierchen trinken und sich entspannen, Spaß miteinander haben. Stockbesoffen in der Gegend rumzufallen ist alles andere als cool.

Wie es in Heidelberg zugegangen sein muss, beschreibt dieser Polizeibericht:

„FrĂŒher da – schneller betrunken – frĂŒh wieder weg, so verlief in KĂŒrze der „Besuch“ vieler RealschĂŒler aus Heidelberg und dem gesamten Rhein-Neckar-Kreis nach den schriftlichen PrĂŒfungen am Dienstag ab der Mittagszeit. Und manch einer muss mit einem „Nachspiel“ rechnen.

25 Anzeigen, davon 14 wegen des Genusses von „harten“ Spirituosen (ĂŒberwiegend Wodka!) und elf wegen Rauchens, sowie in einem Fall der Besitz von Marihuana, diese Bilanz zog die Polizei alleine auf dem Bismarckplatz am Dienstagmittag.

Das Ziel der 15 – 17-JĂ€hrigen war wie alle Jahre das Neckarvorland. Und mancher schaffte es gerade mal bis zum Hauptbahnhof. In einem WartehĂ€uschen schlief ein 17-JĂ€hriger aus Sandhausen seinen Rausch aus. Er wurde, wie noch viele Andere, von den verstĂ€ndigten Eltern abgeholt.

Schon um 14 Uhr wurde ein 16-jĂ€hriger SchĂŒler mit ĂŒber 1,2 Promille auf die Wache gebracht, es sollte nicht der letzte sein. Einem 17-JĂ€hrigen aus Wiesloch wurde um 13.40 Uhr die Wodkaflasche weggenommen, der informierte Vater „verlangte“, dass die Flasche ausgeschĂŒttet wird. Im Endeffekt ohne Erfolg, um 17.00 Uhr fiel der Jugendliche mit ĂŒber 1,1 Promille wieder auf dem Bismarckplatz auf.

Gegen 15 Uhr erreichte die Party auf dem Neckarvorland mit etwa 600 SchĂŒlern den Höhepunkt. Durch zu starken Alkoholkonsum kam es bei vielen Jugendlichen zu „TotalausfĂ€llen“. Drei Jugendliche mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Ein MĂ€dchen musste notĂ€rztlich versorgt werden, um die anderen SchĂŒler kĂŒmmerten sich die SanitĂ€ter. Insgesamt hatte das DRK – zwei NotĂ€rzte und ĂŒber 20 SanitĂ€ter – bis zum Abend 21 EinsĂ€tze zu leisten, ab 17 Uhr musste das DRK ein Einsatzzelt auf dem Neckarvorland aufbauen.

Etwa ab 15.30 Uhr setzte die Abwanderungswelle ein, kurz nach 19 Uhr waren noch etwa 100 Feiernde auf der Neckarwiese.

ZurĂŒck blieb eine „MĂŒllhalde“, zahlreiche Bewohner beschwerten sich ĂŒber erbrechende und pinkelnde SchĂŒler in ihren VorgĂ€rten. Die Toilettenanlage unterhalb der Theodor-Heuss-BrĂŒcke musste mehrfach kurzfristig geschlossen werden und konnte erst nach erfolgter Reinigung wieder geöffnet werden.

Auch die Feuerwehr war im Einsatz, direkt am Neckarufer musste ein brennender Abfalleimer gelöscht werden.
Die Polizei hatte in den Spitzenzeiten etwa 40 Beamte im Einsatz.“

Fazit eines solchen Einsatzes: Jede Menge Kosten fĂŒr den Staat. Geld, dass man besser in Schulbildung einsetzen kann. Jede Menge Anzeigen. Jede Menge Ärger. Und ganz sicher ein Grund, ĂŒber ein Verbot solcher „Parties“ nachzudenken.

Das Nachsehen haben die, die in den nĂ€chsten Jahren feiern wollen. Die dĂŒrfen nicht oder nur unter Auflagen. Die diesjĂ€hrigen AbgĂ€nger haben das „leidvoll“ erfahren. Die Party war in ihren Augen leider „mau“ – Schuld daran, dass weniger los war, waren vor allem zwei Randalierer, die allen anderen den Spaß verderben.

Den Jugendlichen kann man nur wĂŒnschen: Feiert Eure Parties – aber nicht bis zum Anschlag. Denn irgendwann ist leider Schluss mit lustig. Und das ist schade. FĂŒr alle.