Dienstag, 21. November 2017

Mediennutzung und Medienkompetenz bei Jugendlichen

Internet ist Leitmedium bei Jugendlichen

Stuttgart/Rhein-Neckar, 20. Juni 2014. (red/ld) Kommunikations- und Unterhaltungsmedium, Informationsquelle oder Statussymbol: Das Internet ist fĂŒr Jugendliche das Medium Nummer eins und liegt damit noch vor dem Fernsehen und dem Radio. Weniger nutzen dagegen Printmedien wie Zeitung oder BĂŒcher. Das ist das Ergebnis einer Studie des medienpĂ€dagogischen Forschungsverbunds SĂŒdwest. [Weiterlesen…]

Stoppt Nordrhein-Westfalen den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag?


Vorerst wird es keinen JMStV geben

Ladenburg, 15. Dezember 2010. (cm) Wie die GrĂŒnen sowie die SPD in Nordrhein-Westfalen heute erklĂ€rt haben, wird der Landtag am 16. Dezember geschlossen gegen den novellierten Jugendmedienschutz-Staatsvertrag stimmen. Der Staatsvertrag ist somit erst einmal vom Tisch.

Von Christian MĂŒhlbauer

Nach der heftigen Kritik am Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) in den vergangenen Wochen ist dieser nun vorerst gescheitert. Nachdem die CDU in Nordrhein-Westfalen erklĂ€rt hatte, gegen den JMStV zu stimmen, haben sich heute auch die SPD sowie die GrĂŒnen angeschlossen.

Am 01. Januar 2003 ist die erste Version des Staatsvertrags als Gesetz in Kraft getreten. Die nun gescheiterte Novelle sollte den JMStV eigentlich fit fĂŒr das Internetzeitalter machen.

Gelungen ist dies jedoch nicht. Stattdessen erntete das Gesetz scharfe Kritik. Mit Alterskennzeichnung oder Sendezeiten wollte man das Netz „jugendkonform“ gestalten. Dabei ging man davon aus, dass das Internet wie der normale Rundfunk funktioniert. Ein Trugschluss, der dadurch verschĂ€rft wurde, dass der Staatsvertrag selbst undurchsichtig formuliert war.

Einige Blogger hatten bereits angekĂŒndigt, ihre Blogs zum 01. Januar 2011 zu schließen. Zu unsicher sei die Rechtslage.

Ein Beitrag des Juristen Udo Vetter versuchte die Hysterie zu lindern. Zwar sei der JMStV problematisch, doch es werde wohl nicht so schlimm kommen, wie befĂŒrchtet.

Auch wir haben mit Rechtsanwalt Udo Vetter gesprochen und das Thema in einem Artikel behandelt.

Plötzlicher Sinneswandel

Bisher traf der JMStV bei den konservativen Parteien in allen BundeslĂ€ndern auf große Akzeptanz. Umso ĂŒberraschender ist nun der Wandel der CDU in Nordrhein-Westfalen. Diese stellten sich – gemeinsam mit der FDP – ĂŒberraschend gegen den JMStV. Nach kurzem Zögern schlossen sich auch die SPD sowie die GRÜNEN an.

Nach Angaben der Parteien hĂ€tten formale GrĂŒnde sowie eine mangelnde Mehrheit im Landtag zu diesem Entschluss gefĂŒhrt. Aber auch inhaltliche GrĂŒnde hĂ€tten ihren Beitrag dazu geleistet. Wie SPD und GRÜNE erklĂ€rten, sei man nicht bereit „die Kohlen aus dem Feuer zu holen“, indem man doch fĂŒr den JMStV stimme.

Alle Parteien des Landtags Nordrhein-Westfalen (Linke, FDP, GRÜNE, SPD, CDU) werden bei der Abstimmung am 16. Dezember gegen den JMStV stimmen.

Medienkompetenz statt Verbote

Auch wenn der JMStV in dieser novellierten Form gescheitert ist, bedeutet dies keineswegs das Ende. Die Parteien mĂŒssen jetzt vielmehr zurĂŒck ans „Zeichenbrett“ und die Punkte umsetzen, die von Medienexperten und Netzaktivisten bemĂ€ngelt wurden. Statt PrĂŒf- und Alterskennzeichnungspflichten oder dem Streben nach „Sendezeiten“ fĂŒr das Internet, muss man praktische Maßnahmen ergreifen.

Die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen, aber auch Eltern sowie erziehendem Personal mĂŒsse verstĂ€rkt werden. Wie der IT-Fachanwalt und Blogger Thomas Stadler bereits im Februar 2010 anmerkte, mĂŒsse der Jugendmedienschutz insgesamt auf einen PrĂŒfstand.

Dies wird in den kommenden Monaten das Ziel der Parteien sein. Der JMStV ist somit also keinesfalls vom Tisch. Die Novellierung ist lediglich aufgeschoben.

Wieso der JMStV wegen Nordrhein-Westfalen scheitert

Das Grundgesetz ermöglicht es den einzelnen BundeslĂ€ndern eigene Gesetze auf Landesebene zu erlassen. Dies ermöglicht ihnen außerdem eine Zusammenarbeit ĂŒber die jeweiligen LĂ€ndergrenzen hinweg. Diese Kooperationen werden hĂ€ufig in sogenannten StaatsvertrĂ€gen geregelt. Der Rundfunkstaatsvertrag ist ein Beispiel hierfĂŒr.

Sobald die Regierung einen solchen Staatsvertrag ausgehandelt hat, mĂŒssen die jeweiligen Landesparlamente zustimmen. Nur wenn alle beteiligten Landesparlamente zustimmen, kann ein Staatsvertrag in Kraft treten. Stimmt auch nur ein beteiligtes Parlament dagegen, scheitert der Vertrag.

Kinder in sozialen Netzwerken – 7 Tipps fĂŒr Eltern

Guten Tag!

Ladenburg, den 27. November 2010. Die „Hitlerbart“-Debatte vor einer Woche hat enormes Aufsehen erregt. Manche Eltern sind vielleicht sogar aus „allen Wolken gefallen“. Sie sollten jetzt jedoch nicht panisch handeln. Oftmals stehen Eltern vor dem Problem, dass sie das Medium „Internet“ zwar kennen und nutzen, aber manche Details unbekannt sind. Doch wie sollen Kinder einen verantwortungsbewussten Umgang mit Medien lernen, wenn nicht von ihren Eltern? Wir haben in diesem Beitrag 7 praktische Tipps gesammelt, was Eltern beachten sollten.

Screenshot der Gruppe "Ich mache mich jetzt schick und dann lass ich mich volllaufen"

Haben Sie sich schon mal gefragt, worin der Reiz eines Sozialen Netzwerks liegt? FĂŒr Jugendliche ist es das Normalste auf der Welt. Man kann dort Freunde „sammeln“, auf einer Art „Pinnwand“ Nachrichten und Bilder veröffentlichen und „Gruppen“ beitreten beziehungsweise selbst grĂŒnden. Man „netzwerkt“ eben, tauscht sich aus, stellt sich dar. Das ist ein großer Spaß, der aber immer auch Gefahren birgt, sofern man gewisse Regeln nicht beachtet.

So gibt es bei StudiVZ beispielsweise die Gruppe: „Ich mache mich jetzt schick und dann lass ich mich volllaufen“. Mehr als 7.000 Nutzer sind dieser Gruppe beigetreten.

Besonders pikant: Die VZ-Netzwerke (StudiVZ, SchuelerVZ und MeinVZ) verfĂŒgen nach eigenen Angaben ĂŒber 17 Millionen registrierte Nutzer (Stand: Juli 2010). Davon entfallen mindestens 6 Millionen auf StudiVZ (Stand: April 2010).

Alle StudiVZ-Mitglieder können sehen, wer dieser Gruppe beigetreten ist.

Da das StudiVZ auf Studenten ausgelegt ist, sind die Mitglieder meist volljĂ€hrig und fĂŒr sich selbst verantwortlich. Ob sich jemand „verantwortlich“ verhĂ€lt, wenn er sich einer solchen Gruppe „anschließt“… ist sicher zweifelhaft.

Ähnliche Gruppen finden sich jedoch auch bei Facebook & Co. Manche Gruppenmitglieder sind weit entfernt von einer VolljĂ€hrigkeit. NatĂŒrliche kennt die Medaille auch eine andere, positive Seite. Zu dieser gehören Gruppen wie „Gib AIDS keine Chance“ oder „Demokratie fĂŒr China“. Und es gibt jede Menge Gruppen oder Seiten zu Schulen, Vereinen oder gemeinnĂŒtzigen Organisationen, zu Stars, Musik oder anderen Dingen, fĂŒr die sich Jugendliche ganz zu Recht interessieren.

Wichtige Fragen im Zusammenhang mit dem Internet sind: Droht meinem Kind in einem sozialen Netzwerk eine Gefahr und wie kann ich es schĂŒtzen? Was ist sinnvoll und nĂŒtzlich, was unsinnig und vielleicht sogar schĂ€dlich? Wie kann ich mein Kind dafĂŒr sensibilisieren?

Wie auch im realen Leben ist auch im „virtuellen Raum“ ein Schutz vor Gefahren nicht absolut möglich. Aber man kann mi einfachen Regeln Fehler vermeiden.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen traditionellen Medien und dem Internet besteht beispielsweise in der Art des Mediums. Bei Radio, Fernsehen und Print sind die meisten Menschen nur EmpfĂ€nger. Online sind Sie jedoch hĂ€ufig auch Sender. Sie können also auch selbst Informationen verbreiten an eine wie auch immer geartete Öffentlichkeit, die aus wenigen, aber auch Millionen Menschen bestehen kann.

Weihnachtsmarkt Ladenburg - Eine Facebook Gruppe

Bei allen Angeboten des Webs sind insbesondere Soziale Netzwerke darauf ausgelegt, dass ihre Nutzer Inhalte erstellen. Meist in Form von Kommentaren, Fotos oder Videoaufnahmen. Ganz ĂŒberwiegend sind dies aber „private Informationen“, ĂŒber deren „Veröffentlichung“ man erst nachdenken sollte.

Ein konkretes Beispiel: Sie waren auch mal jung und haben vielleicht bei einer Fete ĂŒber den Durst getrunken. Und dann ist Ihnen etwas peinliches passiert. Kein Problem. Wir alle begehen Fehler. GlĂŒcklicherweise hat sie niemand fotografiert oder gefilmt. Heute sind Kameras allgegenwĂ€rtig, klein und oft unerkannt im Gebrauch.

Und es macht vielen einen „Heidenspaß“, die „Peinlichkeiten“ von anderen aufzunehmen und flugs ins Internet zu stellen. Das zu kontrollieren, ist sehr schwer. Viele stellen aber auch ganz freiwillig Bilder von Saufgelagen oder Ă€hnlichem ins Internet, weil sie es „lustig“ finden. Dass man damit aber sich selbst und seinen Ruf beschĂ€digen kann – soweit denken viele nicht.

Das Internet ist ein „Massenmedium“ – wer hier Inhalte erzeugt, muss sich das immer wieder klar machen. Mit einer gewissen Skepsis auf vor dem eigenen Handeln, kommt man hier aber auch gut zurecht.

Nachfolgend finden Sie sieben praktische Tipps, die einen sichereren Umgang mit dem Internet möglich machen.

Tipp 1: Medienkompetenz heißt, klug mit Medien umzugehen

Der vielleicht wichtigste Tipp von allen: Sie mĂŒssen die technischen HintergrĂŒnde und Funktionsweisen Sozialer Netzwerke nicht bis ins letzte Detail verstehen, um ihrem Kind eine gewisse Kompetenz zu vermitteln.

Im Prinzip gibt es keinen großen Unterschied zwischen dem realen und dem virtuellen Leben – bis auf einen: Das Internet ist ein riesiges Protokollmedium, ein Archiv, das wenig vergisst und Computer sind eine Art Kopiermaschine.

Was einmal digitalisiert wurde, lĂ€sst sich unbegrenzt kopieren und speichen. Und: Wer eine Information ins Internet stellt, verliert unter UmstĂ€nden sehr schnell die Kontrolle darĂŒber, weil andere diese Information wie auch immer weiternutzen können.

Tipp 2: Vertrauen Sie ihrem Kind

Es ist die Norm, dass zwischen Eltern und Kind ein VertrauensverhÀltnis herrscht. Vermeiden Sie es nach Möglichkeit dieses VertrauensverhÀltnis zu stören. Jeder Mensch besitzt eine Privats- und IntimssphÀre. Auch die eigenen Kinder.

Es gibt Dinge, die ein Kind fĂŒr sich behalten will. Die GrĂŒnde hierfĂŒr können vielfĂ€ltig und aus Sicht eines Erwachsenen manchmal nahezu bedeutungslos sein. Nehmen Sie nach Möglichkeit trotzdem darauf RĂŒcksicht.

Tipp 3: Hören Sie ihrem Kind zu

Wenn ein Kind von der Schule nach Hause kommt, hören wir ihm normalerweise zu. Weil wir selber mal zur Schule gegangen sind. Weil wir aufmerksam sind.

Hören Sie auch zu, wenn ihr Kind am PC war und Ihnen etwas ĂŒber Facebook, SchuelerVZ & Co. erzĂ€hlt?

Kennen Sie keines dieser Netzwerke, wird es natĂŒrlich schwierig dort genutzte Begriffe wie „Pinnwand“, „Gruscheln“ oder „Poke“ in einen Kontext zu setzen. Hören Sie dennoch aktiv zu, fragen Sie nach und lassen Sie sich unbekannte Begriffe erklĂ€ren oder das jeweilige Netzwerk erklĂ€ren. Sie werden schnell merken, ob ihr Kind „verantwortlich“ damit umgeht oder hier ein wenig „Nachhilfe“ braucht.

Tipp 4: Lassen Sie sich auf das Medium ein

Das Internet und soziale Netzwerke sind nicht schlecht oder böse oder gut und hilfreich. Es kommt immer darauf an, was man damit macht und wie man es nutzt.

Klar gilt es, die tatsĂ€chlichen Gefahren im Blick zu haben und Kinder vor radikaler Propaganda, Gewaltdarstellungen und Pornographie zu schĂŒtzen. Es gilt aber genauso, die positiven Seiten zu fördern, beispielsweise beim Übergang von der Schule zur Berufsausbildung.

Viele grĂ¶ĂŸere Unternehmen googeln inzwischen die Namen ihrer Bewerber, um sich ein „Bild“ der Kandidaten zu machen -auch in Sozialen Netzwerken wird dabei nachgeschaut. Hier kommt es meist zu einem „ersten Eindruck“ – der kann positiv, aber auch negativ sein. DafĂŒr ist man selbst verantwortlich.

Tipp 5: Verdeutlichen Sie ihrem Kind die „Nicht-AnonymitĂ€t“

Im Netz ist niemand anonym. Zwar kann man falsche Profile anlegen und „Wegwerf“-Mailadressen benutzen. Doch insbesondere in sozialen Netzwerken macht dies keinen Sinn.

Hier ist ein Großteil unter dem echten Namen vertreten.

Machen Sie ihrem Kind klar, dass jede Handlung im Netz auch eine öffentliche Handlung sein kann. Insbesondere bei schwachen Datenschutzeinstellungen. Die Hemmschwelle im Netz etwas zu veröffentlichen ist hĂ€ufig geringer, als im „echten“ Leben.

Tipp 6: Vertrauen ist wichtig, Kontrolle aber auch

Sie wollen wissen was „in diesem Netzwerk da“ los ist.

Äußern Sie diesen Informationswunsch und deuten Sie konkret an, dass sie irgendwann nach „bedenklichen Sachen“ Ausschau halten wollen, aber auch vertrauen, dass ihr Kind „nichts schlimmes“ dort „gemacht“ hat.

Im gĂŒnstigsten Fall wird ihr Kind nun selbstverantwortlich mit einer Bereinigung „bedenklicher Inhalte“ beginnen. Diese Form der Selbstkontrolle und die Aussicht auf externe Kontrolle lassen Kinder verantwortlicher mit dem Internet umgehen.

Tipp 7: Netzwerken Sie selbst

Sie mĂŒssen dafĂŒr nicht unbedingt bei Facebook und Co. ein Profil haben. Tauschen Sie mit anderen Eltern ihre Erfahrungen aus – die positiven wie die negativen.

Anmerkung der Redaktion:

Christian MĂŒhlbauer absolviert ein redaktionelles Praktikum bei uns in der Zeit vom 22. November – 10. Dezember 2010. Herr MĂŒhlbauer studiert an der Fachhochschule Ansbach “Ressortjournalismus.-€