Montag, 20. November 2017

Mit Festgottesdienst und Platzblasen

Posaunenchor feiert 60. JubilÀum

Ladenburg, 15. Oktober 2014. (red/pm) Am kommenden Sonntag, 19. Oktober, feiert der evangelische Posaunenchor sein 60-jĂ€hriges Bestehen. [Weiterlesen…]

Evangelische Kirchengemeinde und Johannes-Diakonie Mosbach planen gemeinsamen Neubau

Gemeindehaus soll auch WohnstÀtte werden

Ladenburg, 26. November 2013. (red/pm) Die Evangelische Kirchengemeinde und die Johannes-Diakonie Mosbach haben mit dem Planungsprozess fĂŒr den Neubau eines gemeinsam genutzten GebĂ€udes in der NĂ€he der Ladenburger Altstadt begonnen. In unmittelbarer Nachbarschaft zur evangelischen Kirche soll ein Gemeindehaus mit einer WohnstĂ€tte fĂŒr 24 Menschen mit Behinderungen entstehen. Auch RĂ€ume fĂŒr sogenannte tagesstrukturierende Maßnahmen sind angedacht. [Weiterlesen…]

Sechs NPD-Kundgebungen- vier Gegendemos - keine ZwischenfÀlle

Engagement gegen Nazis – aber auch Ignoranz und Lethargie

Laut und friedlich demonstrierten die Menschen heute auf der NPD-Wahlkampftour. In Weinheim mussten sie von ihrem angemeldeten Platz weichen.

Laut, aber friedlich demonstrierten die Menschen gegen die NPD auf Wahlkampftour – bis auf Angelbachtal und Rauenberg, wo die Rechtsextremen auf keinen Widerstand durch Gegendemonstranten gestoßen sind. In Weinheim hingegen sogar erreichten sie noch nicht mal den angemeldeten Platz bei der „Reiterin“.

 

Ladenburg/Weinheim/Hemsbach/Rhein-Neckar, 01. September 2013. (red/ld/zef/pro/local4u) Es herrscht Wahlkampf in Deutschland – auch fĂŒr die rechtsextreme NPD. In sechs Gemeinden des Rhein-Neckar-Kreises hielt die verfassungsfeindliche Partei am Samstag Kundgebungen ab: In Rauenberg, Angelbachtal, Schwetzingen, Ladenburg, Weinheim und Hemsbach. Zwischen 100 und 150 Menschen stellten sich jeweils in Schwetzingen, Ladenburg und Weinheim mit Demonstrationen gegen die rechtsextreme Partei. In Rauenberg, Angelbachtal und Hemsbach waren keine Gegendemonstrationen angemeldet. In Hemsbach kamen trotz „Lethargie“ wenigstens knapp 60 Anwohner und Passanten zu einer spontanen Gegenkundgebung zusammen. [Weiterlesen…]

NPD-Kundgebung in Ladenburg

140 Gegendemonstranten gegen 7 Nazis

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Ladenburg/Rhein-Neckar, 31. August 2013. (red/ld/zef) Aktualisiert. Rund 140 Gegendemonstranten haben sich aktuell in der NĂ€he des Wasserturms am Dr.-Carl-Benz-Platz versammelt. Die NPD ist kurz vor 15 Uhr mit sieben (!) Personen eingetroffen, um eine Kundgebung abzuhalten. Im LĂ€rm der Gegendemonstranten sind die Parolen kaum zu verstehen. [Weiterlesen…]

DGB kĂŒndigt Demo gegen NPD-Kundgebung an

Wehrhafte Demokratie vs. Ignoranz

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Ladenburg, 30. August 2013. (red/ld) Aktualisiert: Als „Unsolidarisch und problematisch“ bezeichnet Bernd Schuhmacher, Vorsitzender des Deutschen Gerwerkschaftsbund-Ortsverbands Ladenburg, die Entscheidung der Stadtverwaltung, eine Demonstration gegen die NPD-Kundgebung in Ladenburg morgen zu verzichten. Er hat eine Gegendemonstration für 14:00 Uhr angekündigt. Treffpunkt ist der Wasserturm in Ladenburg. [Weiterlesen…]

CBG-SchĂŒler stellen Gurs-Mahnmal auf

„Man hat die Leute einfach krepieren lassen!“

Aufstellung des Gurs-Mahnmals zur Erinnerung an die Deportation von Ladenburger BĂŒrgern jĂŒdischer Herkunft.

 

Ladenburg, 27. Januar 2012. (red) Eine klassenĂŒbergreifende Arbeitsgemeinschaft des Carl-Benz-Gymnasiums hat zur Erinnerung an die Deportation jĂŒdischer BĂŒrger Ladenburgs ein Mahnmal aufgestellt. Die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler hatten ĂŒber ein Jahr die Geschichte der Ladenburger Juden erforscht und den Gedenkstein selbst entworfen und gestaltet. Ein zweiter Gedenkstein der AG steht seit Oktober 2011 zusammen mit 99 anderen Steinen in Form eines Davidsterns in Neckarzimmern. [Weiterlesen…]

„Gegen das Vergessen“ heißt auch hinschauen


Guten Tag!

Ladenburg, 29. Januar 2011. Siebenundreißig Stolpersteine sind verlegt. Als Mahnung, als Erinnerung an die grausame, menschenverachtende Zeit des deutschen Nationalsozialismus, der Millionen Menschen den Tod und den Deutschen Schande gebracht hat. Die BroschĂŒre „Spuren jĂŒdischen Lebens in Ladenburg – Ein Rundgang“ ist ein zusĂ€tzliches Dokument, das die Erinnerung an diese fĂŒrchterliche Zeit wachhĂ€lt. Man will nicht vergessen. Das ist gut so. Man muss sich aber auch der RealitĂ€t stellen. Das ist besser.

Von Hardy Prothmann

Am 16. November 2010 ist hier auf dem ladenburgblog der Text „Hitlerbart und Nazi-Symbole – wie sich ein Teil der CBG-Jugend im Internet auslebt“ erschienen. Dieser Text hat enorme Aufmerksamkeit gefunden und viel Kritik ausgelöst – gegen den Text und gegen mich als Verfasser.

Ich habe allerdings auch sehr viel Zuspruch erfahren. Wie auch immer – bis heute gibt es keine Reaktion von „offizieller Seite“ und das ist mehr als bedauerlich.

Vor allem vor dem Hintergrund des 66. Jahrestags zur Befreiung von Auschwitz und einem offiziellen Festakt, an dem auch das BĂŒndnis „Wir gegen Rechts„, der BĂŒrgermeister und andere Honoratioren sowie rund 80 BĂŒrgerinnen und BĂŒrger der Stadt teilgenommen haben.

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Der 37. Stolperstein fĂŒr Lilli Frankenthal - 1942 in Auschwitz ermordet.

Deswegen nehme ich aus „aktuellem Anlass“ das Thema nochmals auf – wer sich mit Ladenburg, Geschichte, Journalismus, lokalen Medien, meiner Person und dem Thema auseinandersetzen möchte, wird sicherlich an den folgenden Informationen interessiert sein.

„Meine“ Geschichte mit der deutschen Geschichte

Ich bin 1966, also 21 Jahre nach dem Ende des „Dritten Reichs“ geboren.

Im Alter von vierzehn Jahren, also 1980, habe ich das erste Mal vom wirklichen Ausmaß der nationalsozialistischen Diktatur im Sozialkundeunterricht erfahren. In den folgenden Jahren lernte ich alles, was wir darĂŒber lernen mussten.

Aber irgendwann kamen mir Hitler und das Dritte Reich zu den Ohren raus. Nicht nur einmal habe ich gedacht: „Nicht schon wieder.“ Aber der Lehrplan war gnadenlos.

Vor allem die Schuldfrage quÀlte mich. Was hatte ich damit zu tun? Ich war und bin nicht schuld an dem, was passiert ist. Zu keiner Zeit meines Lebens. Auch meine Eltern, 1944 und 1947 geboren, sind frei von jeglicher persönlicher Schuld.

Ich finde alles, was damals passiert ist, grausam, verachtenswert, erschĂŒtternd.

„Witzfigur“ Hitler?

Und es fĂ€llt mir persönlich bis heute schwer zu glauben, dass Adolf Hitler, diese „Witzfigur“, dieser kleine, hĂ€ssliche Mann mit seinem blöden Bart und seiner Ă€tzenden Stimme solch ein Ver“fĂŒhrer“ gewesen sein soll. Irgendetwas „Komisches“ kann ich an diesem Verbrecher bis heute nicht erkennen.

Und ich wusste, Hitler alleine kann nicht fĂŒr alles verantwortlich sein. Auch nicht ein paar mehr oder viele mehr. Es waren sehr, sehr viele Deutsche an den Verbrechen beteiligt.

Adolf Hitler, 1933. Quelle: Bundesarchiv, Bild 146-1990-048-29A / CC-BY-SA

Nach der Schule habe ich Germanistik, Politische Wissenschaften und Philosophie in Mannheim studiert. Und nach und nach verstanden, warum wir SchĂŒler mit dem Thema so „verfolgt“ worden sind. Denn der Geist des Nationalsozialismus, des Antisemitismus, der Fremdenfeindlichkeit war und ist unter uns.

Auch in anderen LÀndern dieser Welt. Das schmÀlert aber in keiner Weise die historische Schuld, die die Bundesrepublik Deutschland zu tragen hat. Das Dritte Reich ist ein Erbe, das man nicht verweigern kann.

Schuldfrage

Wer wie ich als junger Mann denkt: „Was hab ich damit zu tun?“, dem muss man ehrlich antworten: „Ersteinmal nichts.“

Und dann muss man aufklĂ€ren, warum man doch „auch schuldlos“ eine historische Verantwortung trĂ€gt, sich zu dieser bekennen sollte und fĂŒr sich und die Zukunft dafĂŒr sorgt, dass dieser Geist, der damals herrschte, keinen Platz mehr in Deutschland haben sollte.

Sicher: Vergessen und vergeben ist gut, kann aber genauso schĂ€dlich sein. Vor allem dann, wenn man wegschaut. Und vor allem dann, wenn man wegschaut und untĂ€tig bleibt, obwohl man es besser wissen könnte oder andere es besser wissen könnten und einen nicht darĂŒber informieren, was passiert. Angeblich wussten ja auch angeblich viele Deutsche damals nicht, was vor sich ging.

Damals ist damals gewesen, kann man argumentieren. Doch damals reicht bis in die Gegenwart.

Schattige Vorbilder der Vergangenheit

Der 1913 in Mannheim geborene und 2007 verstorbene und bis heute von vielen geachtete frĂŒhere baden-wĂŒrttembergische MinisterprĂ€sident Hans Filbinger (CDU) war ein NSDAP-Mitglied und hat mit der Haltung: „Was damals rechtens war, kann heute nicht Unrecht sein“, von ihm als Nazi-Richter erlassene Todesurteile verteidigt und sich durch eine sture und intolerante Haltung bis zu seinem Lebensende „ausgezeichnet“.

Und er hat lange in der Politik gewirkt, Posten besetzt, Politik und Menschen geprÀgt.

Auch den ehemaligen MinisterprĂ€sidenten GĂŒnther Oettinger (CDU), der die Rolle Filbingers in einer Trauerrede anlĂ€sslich dessen Todes verklĂ€rte. Die „Oettinger-AffĂ€re“ hĂ€tte fast zum RĂŒcktritt Oettingers gefĂŒhrt. Oettinger nahm seine Äußerung zurĂŒck, woraufhin der Zentralrat der Juden in Deutschland die RĂŒcktrittsforderung nicht weiter betrieben hat. Oettinger blieb aber Mitglied des „rechtsnationalen“ Studienzentrums Weikersheim, das Filbinger gegrĂŒndet hat.

12. April 1945: Foto vom KZ-Außenlager_Boelcke-Kaserne in Nordhausen, in dem ĂŒber 20 000 Menschen ihr Leben ließen. Foto: T4c. James E Myers

Verschiendene KĂŒnstler bilden bis heute ganz selbstverstĂ€ndlich unsere kulturelle Basis. Beispielsweise August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der den Text des „Lieds der Deutschen“ geschrieben hat, dessen dritte Strophe seit 1952 die deutsche Nationalhymne ist. Von Fallersleben hat auch jede Menge Kinderlieder geschrieben, ob „Alle Vöglein sind schon da“ oder „Ein MĂ€nnlein steht im Walde“.

Und er war politisch, richtete sich gegen Pressezensur, staatliche WillkĂŒr und Kleinstaaterei. Eigentlich sind das gute Eigenschaften.

Ist er deshalb ein Vorbild? Nein. Seine Kinderlieder sind harmlos und nett und dĂŒrfen sicherlich gesungen werden. Das macht Fallersleben aber nicht zum Vorbild.

Denn von Fallersleben war bekennender Antisemit und Franzosenhasser. Seine Kinderlieder sind das eine. Seine berechtigter Protest das andere.

Seine Gesinnung muss man ablehnen.

Mein Opa war dabei

Als ich Mitte zwanzig war, klĂ€rte mich mein Großvater auf, dass er als 16-JĂ€hriger in russischer Kriegsgefangenschaft war, weil er als „GebirgsjĂ€ger“ 14-JĂ€hrige zu Soldaten schulen sollte. Und er war ehrlich: „Ich habe an Hitler geglaubt“, sagte er mir und das fiel ihm nicht leicht: „Erst spĂ€ter habe ich verstanden, wie dumm ich war.“

Meine Großmutter kam aus Böhmen, war drei Jahre als junge Frau interniert, weil ihr Vater in der NSDAP war und als sie in Bruchsal ankam, wurde sie von den Leuten dort bespukt. Nicht etwa, weil das keine Nazis gewesen waren, sondern weil man die FlĂŒchtlinge nicht haben wollte. Das Brot und die Chancen waren knapp.

Ich habe lange Jahre spĂ€ter ein Jahr bei meinen Großeltern gelebt, ihnen ging es gut, Brot und leckeres Essen gab es reichlich und sonntags war der „Internationale FrĂŒhschoppen“ mit Werner Höfer „Pflicht“. 1987 musste der sehr „renommierte Journalist“ Werner Höfer die Sendung aufgeben, weil ihm nachgeweisen werden konnte, dass er aktiv fĂŒr die NS-Propaganda tĂ€tig war, was er immer bestritten hatte.

Das hat meinen Großvater sehr beschĂ€ftigt: „Ich glaube trotzdem, dass es gut war, Dich ĂŒber diese Sendung an die Politik heranzufĂŒhren“, sagte mein Opa. Und er war sehr enttĂ€uscht. Nicht zum ersten Mal in seinem Leben. Ich habe viel von ihm gelernt.

Bagatellisierung von Rechtsextremismus

Anfang der neunziger Jahre habe ich dann nach dem Grundstudium zwei Semester bei Professor Eckhard Jesse studiert, der damals als Privatdozent in Mannheim gastierte. Ein absoluter Extremismus-Experte. Sehr kenntnisreich, argumentativ gewandt. Und ich habe viel gelernt und verstanden. Auch, dass mir Jesse nicht geheuer war. Der hĂ€tte gerne gehabt, dass ich „meinen Doktor“ bei ihm mache. Ich wollte nicht.

Mich störte ein gewisser Revisionismus des Nationalsozialismus und die Gleichsetzung von Rechts- und Linksextremismus. Meiner Auffassung nach ist das nicht zulĂ€ssig. Nur weil beide Strömungen extremistisch sind, sind sie noch lange nicht dasselbe. Ich fĂŒhlte mich an den Historikerstreit erinnert, der damals noch ganz „frisch“ war.

Anfang 2001 tauchte Jesse in meiner Aufmerksamkeit wieder auf: Er sollte Gutachter im NPD-Verbotsverfahren werden. Nicht nur der von mir sehr geschĂ€tzte Kollege Heribert Prantl (SĂŒddeutsche Zeitung) kritisierte Jesse wegen „Bagatellisierung von Rechtsextremismus„.

Jesse ist zweifellos ein Extremismus-Experte, aber eventuell auch ein „gefĂ€hrlicher Kopf“, dessen Arbeit nicht nur aus der Forschungssicht gesehen werden darf, sondern gerade auch auf gefĂ€hrliche Signale geprĂŒft werden muss.

Entschuldungsargumentation

Rechtsradikale und fremdenfeindliche Botschaften verlaufen nicht erst heutzutage unterschwellig. Sie sind hĂ€ufig nicht sofort als solche erkennbar und werden auch von Personen weitergetragen, die sich vielleicht gar nicht bewusst sind, dass sie mit Rechtsextremismus „Bekanntschaft“ gemacht haben oder gerade machen.

"Lustiger" dummer-Jungen-Streich? SchĂŒler stellt sich mit Hitlerbart bei Facebook dar.

Hat Hitler nicht die Autobahnen gebaut, den Menschen Arbeit und Hoffnung gegeben, die Jugend gefördert? Wer so argumentiert, bereitet einer „Entschuldung“ des Terrors des Dritten Reichs TĂŒr und Tor.

Extremes Gedankengut wird niemals aus der Welt sein. Und es wird nicht harmloser, indem man „Witze“ darĂŒber reißt oder SĂ€tze wie „Nach Frankreich nur auf Ketten“ schreibt.

Damit komme ich auf die „Hitlerbart“-Geschichte zurĂŒck.

Wer argumentiert, mit „Witzen“ und „Parodien“ werde der „Umgang“ einfacher, oder: „Das machen doch auch andere, die haben sogar Preise dafĂŒr gewonnen“, hat wenig bis nichts verstanden.

Dumme Jungs?

Die „Spielchen“ von SchĂŒlern kann man als „dumme Jungs-Streiche“ verharmlosen. Kein Problem. Dumme Jungs haben schon immer dumme Streiche gemacht. Dummheit gehört zur Jugend.

Was die zehn durch die Recherche der Redaktion bekannt gewordenen CBG-SchĂŒler im Internet bei Facebook „getrieben“ haben, hĂ€tte auch an jeder anderen Schule in Deutschland passieren können.

Also, was soll’s?

Es ist aber in Ladenburg passiert und das ladenburgblog hat darĂŒber berichtet.

Nicht ohne „Folgen“. In den Tagen nach dem Bericht haben rund 120 SchĂŒlerinnen und SchĂŒler, die vorher mit dem Account der Redaktion auf Facebook „befreundet“ waren, diese „Freundschaften“ gekĂŒndigt.

Aus „SolidaritĂ€t“ zu denen, die „betroffen“ waren und die sich sehr aktiv darum bemĂŒht haben, den „Spieß umzudrehen“.

Der Hauptvorwurf: Wir hĂ€tten die „harmlose Sache“ hochstilisiert, um mehr Aufmerksamkeit, also mehr Klicks zu erreichen und damit mehr zu „verdienen“. „Auf Kosten“ der SchĂŒler, die gar nichts Böses wollten. Unser Bericht sei geeignet, deren „Existenz“ zu zerstören.

Wie man die Rhetorik, „die wollen sich auf Kosten anderer bereichern“ einschĂ€tzen will, bleibt jedem selbst ĂŒberlassen.

Ebenso Gedanken zur „Existenzfrage“ und der Überlegung, was wohl ein Personalchef ĂŒber jemanden denkt, von dem er ein entsprechendes Bild sieht.

Nach unserem Bericht wurde nach unseren Kenntnissen teils enormer Druck auf SchĂŒler ausgeĂŒbt, uns die „Freundschaft“ zu kĂŒndigen, denn wer weiter mit „uns befreundet“ sei, sei gegen die betroffenen Personen.

Wer will das schon aushalten mĂŒssen, wenn man sich tĂ€glich auf dem Schulhof begegnet und zwischen 14 und 18 Jahre alt ist?

Auch diesen „extremen“ Druck kann man beurteilen wie man möchte.

Theorien und Tatsachen

Tatsache ist, dass „Klicks“ ĂŒberhaupt kein Geld bringen, sondern höchstens Aufmerksamkeit.

In diesem Fall eine, fĂŒr die die Reaktion einsteht. In vollem Bewusstsein, dass das eher keine gute Argumentation gegenĂŒber Werbekunden ist, weil die Aufmerksamkeit in diesem Fall keine war, die „Spaß macht“, ĂŒber die „sich alle freuen“ und „alle zufrieden“ sind.

Diese Aufmerksamkeit hat fĂŒr Unruhe und Stress gesorgt. Ganz erheblich. Diese Aufmerksamkeit war eher schlecht fĂŒr ein GeschĂ€ft.

Die Entscheidung dazu ist bewusst getroffen worden, weil unser redaktioneller Anspruch ist, hinzusehen, aufzuschreiben, was ist und nicht, was man gerne sehen wĂŒrde und worĂŒber man doch bitte nichts berichten soll.

Wir machen gerne „GeschĂ€ft“ – aber wir entscheiden, mit wem und zu welchen Konditionen. Und schon gar nicht zu jedem Preis.

Wer ist „Wir gegen Rechts“?

In diesem Sinne bringen wir auch die EnttĂ€uschung ĂŒber das Verhalten des BĂŒndnis „Wir gegen Rechts“ zum Ausdruck.

"Wir gegen Rechts" - Seite im Internet. Das Angebot ist nicht aktuell und insgesamt inhaltsleer. Ein Engagement ist nicht zu erkennen. Quelle: BĂŒndnis "Wir gegen Rechts"

Wir haben uns redaktionell im Anschluss an unsere Berichterstattung an diese Organisation gewandt, die aktuell auch zum Gedenktag an die Befreiung von Auschwitz aufgetreten ist.
Wir haben das BĂŒndnis „Wir gegen Rechts“ in einem langen Schreiben, als auch in einem umfangreichen Telefonat um Austausch zum Vorfall gebeten.

Eine Reaktion ist ausgeblieben. Es gab auch keine Antwort, die unserer BemĂŒhung angemessen gewesen wĂ€re.

Wenn man sich die „Arbeit“ von „Wir gegen Rechts“ anschaut, bleibt auch nicht viel außer EnttĂ€uschung.

Das „BĂŒndnis“ ist ein „zahnloser Tiger“ – die Internetseite wenig aktuell, wie auch vermutlich die „Aktionen“. Man tritt hier und da auf, bestĂ€tigt sich und andere und tut so als ob und doch eher nichts.

Reaktionen

Wir haben auch BĂŒrgermeister Rainer Ziegler angesprochen, der den Vorfall als Vertreter des „SchultrĂ€gers“ uns gegenĂŒber als „Angelegenheit der Schule“ erklĂ€rt hat. Das ist korrekt, aber insofern „ungewöhnlich“, als wir Herrn Ziegler in anderen ZusammenhĂ€ngen als sehr engagiert kennen und achten.

Wir haben auch versucht, mit dem Elternbeirat in Kontakt zu treten, der sich nicht zustĂ€ndig fĂŒhlte.

Das Fazit ist: Man will lieber nichts damit zu tun haben. Das ist ein „zu heißes Eisen“.

Tatsache ist: Der Vorfall hat stattgefunden. Tatsache ist auch, dass es nach unserer Kenntnis keinerlei inhaltliche Auseinandersetzung gegeben hat, um nicht „etwas zu sehen“, was man nicht sehen will. „Wenn man es gut genug ignoriert, geht es bestimmt vorĂŒber“, mag der ein oder andere denken, „weil nicht sein kann, was nicht sein darf.“

Schön fĂŒr alle, wenn es nur ein „Spuk“ war und die Welt danach wieder „in Ordnung“ ist.

Wir haben hingeschaut und vielleicht hat unsere Berichterstattung dazu gefĂŒhrt, dass eine ungute Entwicklung gestoppt wurde. Schön, wenn dem so wĂ€re.

Aufgaben

Wir schauen auch weiter hin. Denn das ist unsere journalistisch-gesellschaftliche Aufgabe. Die nehmen wir ernst. Gegen jede Form von Extremismus.

Und ganz besonders freuen wir uns ĂŒber die rund 60 Leserinnen und Leser, die danach „Freunde“ unseres Facebook-Accounts geworden sind und noch mehr ĂŒber die, die erst die „Freundschaft“ quittiert und danach wieder aufgenommen haben. 🙂

Denn wir wissen genau, dass man damit einer Haltung Ausdruck gibt. Und dass das nicht immer einfach ist. Nicht in der Schule. Nicht privat. Nicht im GeschÀftsleben.

Sich aus möglichst vielen öffentlich zugĂ€nglichen Quellen unterrichten zu können, um sich eine Meinung zu bilden und diese zu Ă€ußern, ist das nach Artikel 5 GG grundgesetzlich garantierte Recht aller BĂŒrgerinnen und BĂŒrger.

Artikel 5 unserer Verfassung schreibt nicht vor, dass man das tun muss. Aber es gut, richtig und wichtig, wenn man sich das Recht nimmt!

In diesem Sinne

Ihr

P.S.
Im Artikel sind mehrere Links auf wikipedia dokumentiert. FĂŒr die Inhalte ist ladenburgblog nicht verantwortlich. Diese Hinweise dienen einem ersten Überblick ĂŒber hĂ€ufig im allgemeinen unstrittige Tatsachen. Im Detail kann das aber durchaus „hinterfragenswert“ sein. Wir bitten deshalb darum, solche Verlinkungen als Quelle zu betrachten, die einen Einstieg zur jeweiligen Thematik ermöglicht.

„Wir können aus der Erde keinen Himmel machen, aber jeder von uns kann etwas tun, dass sie nicht zur Hölle wird.“


Guten Tag!

Ladenburg, 29. Januar 2011. Am Donnerstag wurde in Ladenburg der 37. Stolperstein verlegt. Und ebenfalls am Donnerstag wurde die neue BroschĂŒre der Stadt Ladenburg „Spuren jĂŒdischen Lebens in Ladenburg – Ein Rundgang“ der Bevölkerung vorgestellt. Denn der vergangene Donnerstag war ein besonderer Tag, es war der 27. Januar und die Befreiung von Auschwitz hat sich zum 66. Mal gejĂ€hrt.

Von Sabine Prothmann

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2007 - KĂŒnstler Gunter Demnig verlegt in Ladenburg den ersten Stolperstein.

Mit den Stolpersteinen erinnert der Kölner KĂŒnstler Gunter Demnig an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewĂ€hlten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlĂ€sst. Auf seiner Homepage kann man lesen: „Inzwischen liegen Stolpersteine in ĂŒber 500 Orten Deutschlands und in mehreren LĂ€ndern Europas. Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagt Gunter Demnig. „Mit den Steinen vor den HĂ€usern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Auf den Steinen steht geschrieben: Hier wohnte… Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch.“

1997 verlegte Demnig die ersten Steine in Berlin: „1997 Erste Verlegung in Berlin-Kreuzberg (nicht genehmigt; spĂ€ter legalisiert)“, heißt es auf seiner Internetseite.

Die ersten 36 Steine wurden in Ladenburg von Mai 2007 bis MĂ€rz 2009 auf Initiative von Ingrid Wagner und mittels Spenden der Bevölkerung und der UnterstĂŒtzung der Stadtverwaltung Ladenburg verlegt.

Auf den Spuren jĂŒdischen Lebens in Ladenburg

Die BroschĂŒre „Spuren jĂŒdischen Lebens in Ladenburg – Ein Rundgang“ nimmt den Wunsch der Bevölkerung und von Besuchern auf, den Spuren jĂŒdischen Lebens in Ladenburg eigenstĂ€ndig zu folgen.

Sie wurde von dem Historiker Dr. JĂŒrgen Zieher verfasst und zusammengestellt.

Gut 80 Personen waren in den Domhof gekommen, um bei der PrĂ€sentation der BroschĂŒre dabei zu sein.

„Wir können aus der Erde keinen Himmel machen, aber jeder von uns kann etwas tun, dass sie nicht zur Hölle wird“, zitierte BĂŒrgermeister Rainer Ziegler eingangs in seiner Ansprache den hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer, Initiator der Frankfurter Auschwitz-Prozesse.

Mit der BroschĂŒre „Spuren jĂŒdischen Lebens in Ladenburg – Ein Rundgang“ sei eine wichtige neue Schrift erschienen, betonte Ziegler.

Wenn Ladenburger SchĂŒler sich um die Stolpersteine kĂŒmmern und fĂŒr deren SĂ€uberung zustĂ€ndig sind, dann beschĂ€ftigen sich die jungen Leute auch mit diesem Teil der Geschichte.

Ingrid Wagner – „Antriebsfeder der Erinnerung“

Das BĂŒndnis „Wir gegen Rechts“ in Ladenburg „hilft uns radikale Tendenzen möglichst im Keim zu ersticken“, so Ziegler. Dabei sei auch die PrĂ€senz der Polizei sehr wichtig. Ingrid Wagner, die Vorsitzende des Arbeitskreises „JĂŒdische Geschichte Ladenburg“, bezeichnete er als Antriebsfeder der Erinnerung.

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Der 37. Stolperstein fĂŒr Lilli Frankenthal - 1942 in Auschwitz ermordet.

Ziegler erinnert: Als vor 66 Jahren Auschwitz befreit wurde, trafen die Russen auf Überlebende, die nur noch Haut und Knochen waren. Über eine Million Menschen arbeiteten hier bis zu ihrem Tod, starben an Experimenten oder wurden vergast. Auschwitz stehe deshalb als Synonym des Holocaust und deshalb wurde die Befreiung am 27. Januar 1945 zum Holocaust-Gedenktag erklĂ€rt. Holocaust, erinnert Ziegler, kommt aus dem Griechischen und heißt „völlig verbrannt“.

Die Bilder und Erinnerungen fĂŒhren „uns an die Grenzen dessen heran, was man verstehen und ertragen kann“.

Doch erst wenn man sich den Einzelschicksalen nĂ€here, „können wir begreifen“. Und die Gedenksteine und -tafeln, die Abteilung „JĂŒdisches Leben in Ladenburg“ im Lobdengau-Museum und die 37 Stolpersteine in der Stadt, verlegt vor HĂ€usern, in denen Juden in Ladenburg lebten, machen dieses Begreifen deutlich.

Geschenke fĂŒr die JĂŒdische Abteilung des Lobdengau-Museums

Der Ladenburger Arzt und Gemeinderat Dr. Peter Hilger erzĂ€hlt von einer Begegnung vor 20 Jahren mit dem ehemaligen jĂŒdischen MitbĂŒrger Alfred Driels, der nach Australien ausgewandert war. In den folgenden Jahren hatte ihm Driels immer wieder einen Besuch in seiner Praxis abgestattet. Bei seinem letzten Besuch ĂŒberreichte er ihm einen Becher und den Siegel des Ladenburger Synagogenrats und gab ihm den Auftrag, diese Gaben erst dann an das Museum zu geben, wenn das damalige Geschehen nicht mehr vertuscht wĂŒrde. Hilger meinte, jetzt sei der richtige Zeitpunkt und ĂŒberreichte somit am Donnerstag symbolisch der Stadt die beiden Geschenke.

Seit Ende der 80er Jahre fĂŒhren Ingrid Wagner und Dr. JĂŒrgen Zieher durch Orte ehemaligen jĂŒdischen Lebens in Ladenburg. Mit der BroschĂŒre können sich jetzt Ladenburger und Besucher selbstĂ€ndig auf den Weg machen.

Ziegler dankte dem Autor JĂŒrgen Zieher sowie der Sparkasse Rhein-Neckar-Nord, der Volksbank H & G Bank, der VR Bank Rhein-Neckar und der Ladenburger Familie Manfred Sohn fĂŒr die finanzielle UnterstĂŒtzung, durch die es möglich wurde dieses Projekt zu verwirklichen.

Der Historiker und Autor der BroschĂŒre, Dr. JĂŒrgen Zieher, hat mit einer Arbeit ĂŒber das jĂŒdische Leben in Deutschland nach 1945 promoviert. Seit Jahren fĂŒhrt er auf jĂŒdischen Spuren durch Ladenburg. Das 1992 erschienene Buch „Die jĂŒdischen Ladenburger“ war eine Grundlage fĂŒr seine Recherchen zu der neuen Schrift.

Das Grußwort zu der BroschĂŒre schrieb David Seldner, Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden, das Vorwort kommt von BĂŒrgermeister Rainer Ziegler.

Stolpersteine – ein Mahnen gegen das Vergessen

Die Stolpersteine sollen erinnern und das Vergessen verhindern. „Sie sind ein Element eines dauerhaften Mahnens“, sagt der Autor. Dazu gehören auch die Gedenktafel an der ehemaligen Synagoge und der Gedenkstein auf dem jĂŒdischen Friedhof, wie auch die Abteilung „JĂŒdisches Leben in Ladenburg“ im Museum.

Der Rundgang der BroschĂŒre ist in 16 Stationen aufgeteilt, beginnend auf dem Marktplatz als Ort der Deportation. Er fĂŒhrt ĂŒber die ehemalige Synagoge zu den WohnhĂ€usern, in denen 1940 jĂŒdische Ladenburger BĂŒrger gelebt haben, zum Museum und endet schließlich auf dem JĂŒdischen Friedhof.

Alle 37 Stolpersteine sind aufgefĂŒhrt. 37 Steine mit Namen und Daten von Menschen. 27 jĂŒdische Einwohner Ladenburg wurden am 22. Oktober 1940 aus Ladenburg deportiert und in das sĂŒdfranzösische Internierungslager Gurs gebracht. Manche konnten fliehen, manche starben dort, andere wurden nach Auschwitz gebracht, von manchen verlieren sich die Spuren. Der Rundgang ist auch eine Spurensuche.

Der letzte Stolperstein wurde am Donnerstag in der Bahnhofstraße, vor dem heutigen Polizeirevier, dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Hirsch, gesetzt.

„Die Stolpersteine wollen einen Namen aus der AnonymitĂ€t zurĂŒckholen“, sagt Zieher, und sie machen deutlich, neben dem Massenmord in den Vernichtungslagern in Osteuropa begannen die „GrĂ€ueltaten unter uns, auch hier in Ladenburg“.

Von den damaligen KĂ€ufern der jĂŒdischen WohnhĂ€user lebe heute keiner mehr. Die Schuld von damals könne nicht auf heute ĂŒbertragen werden. Das Prinzip der Sippenhaft dĂŒrfe nicht bestehen, so Zieher.

Die Stolpersteine seien auch eine Geste gegenĂŒber den Ermordeten und den Lebenden, diese Menschen nicht zu vergessen.

Jeder habe die Verantwortung, dass sich Grausamkeiten nicht wiederholen. Denn „ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Namen vergessen ist“, wie der KĂŒnstler Gunter Demnig gesagt habe.

Der Leser erfĂ€hrt in der BroschĂŒre von der Geschichte der Menschen, die hier lebten, von ihren Familien, von dem jĂŒdischen Leben in Ladenburg.

Ein Gedicht, das unter die Haut geht

Der Pfarrer Markus Wittig ist Sprecher des BĂŒndnisses „Wir gegen Rechts“, er liest an diesem Abend das „Liebeslied“, ein Gedicht von der jungen jĂŒdischen Autorin Selma Meerbaum-Eisinger vor. Sie starb mit 18 Jahren in dem Arbeitslager Michailowka in der Ukraine.

Das Gedicht gehe unter die Haut, es erzĂ€hlt von ZĂ€rtlichkeit, Jugend und NĂ€he, aber auch von VergĂ€nglichkeit und Todesahnung. Sie habe 57 Gedichte geschrieben, bittersĂŒĂŸ und kraftvoll, voller Hoffnung und voller Verzweiflung.

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Rund 80 Besucher kamen zur Vorstellung der BroschĂŒre: "Spuren jĂŒdischen Lebens in Ladenburg - ein Rundgang".

Es ist ein einzelnes Schicksal. Und dies, so Wittig, ist auch die StÀrke der Stolpersteine, da sie auf den einzelnen, auf den individuellen Menschen verweisen.

„Lasst uns das Gedenken bewahren, auch an die einzelnen Menschen, an die individuellen Schicksale und aufpassen, dass diese Menschenverachtung nicht mehr passiert“, mahnt Wittig.

Die Veranstaltung von SchĂŒlern der Ladenburger Musikschule musikalisch begleitet: Mit einem StĂŒck von Telemann (Imke Ramminger und Manuel MĂŒller an der Geige, Anna-Katharina Berger am Cello), dem Klezmer-Dance (Imke Ramminger und Manuel MĂŒller Geige und Simon Guckau am FlĂŒgel) und dem „Kindertodeslied“ „Veiled Autumn“ des amerikanischen Komponisten Joseph Schwantner, das eindrucksvoll von Manuel MĂŒller am FlĂŒgel intoniert wurde.

Info: Die BroschĂŒre ist in zwei Versionen erschien, einmal weniger aufwĂ€ndig und eher als Heftchen wird sie an Schulen verteilt und ist kostenlos erhĂ€ltlich. Die buchartige Auflage kann man gegen eine SchutzgebĂŒhr in Höhe von fĂŒnf Euro in der Stadtinformation und im Buchhandel erwerben. Auch in der stĂ€dtischen Bibliothek liegt der „Rundgang“ aus.

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Ausstellung: „Verletzte Seelen“, Small-Talk und Nachdenken ĂŒber Menschenrechte

Guten Tag!

Ladenburg, 08. November 2010. Im Ladenburger Domhof (Rathaus) wurde am Sonntag, den 07. November 2010, eine Ausstellung eröffnet, die den Krieg thematisiert. Und die Verletzung der MenschenwĂŒrde. Und die Verletzung der Seelen, jeder einzelnen.

Von Anna Ewald

„Die WĂŒrde des Menschen ist unantastbar. Eigentlich. In vielen Kriegen wurde aus einer unantastbaren WĂŒrde eine antastbare gemacht. Verletzte Seelen bleiben nach diesen Kriegen ĂŒbrig“, eröffnet Reinhard Christmann die Ausstellung „Verletzte Seelen“ des Heddesheimer KĂŒnstlers Bernd Gerstner. Die Sinnlosigkeit der Kriege solle erinnert und verdeutlicht werden.

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Der KĂŒnstler Bernd Gerstner.

Die amnesty international (ai) Gruppe Ladenburg/Schriesheim veranstaltet gemeinsam mit der Organisation „Wir gegen Rechts“ diese Ausstellung im Domhof in Ladenburg. Sie hat am 07. November 2010 begonnen und jeden Samstag und Sonntag von 11-17 Uhr oder nach Vereinbarung bis zum 05. Dezember 2010 geöffnet.

Rund 70 Besucher kommen zur Vernissage in den Domhof, um die 38 Kunstwerke zu betrachten, an denen Bernd Gerstner seit 2006 gearbeitet hat. Nicht nur Bilder, auch Skulpturen werden ausgestellt.

„Der grĂ¶ĂŸte Feind der Menschenrechtsverletzung ist die Öffentlichkeit.“

Überall im Raum stehen Menschen, die sich die Kunst anschauen. Viele sehen nachdenklich aus. Sie versuchen die Gewalt der Kriege zu begreifen. Andere halten „Small Talk“. Jugendliche und junge Erwachsene sind nicht anwesend.

Alle werden ruhig, als der Ladenburger KĂŒnstler Rudolf Klee beginnt, Keyboard zu spielen. Er spielt eine dĂŒstere und ergreifende Melodie. Passend zu den „Verletzten Seelen“.

Reinhard Christmann ist Gruppensprecher der ai Gruppe Ladenburg/Schriesheim. Er schildert die aktuelle Menschenrechtslage beispielsweise in Myanmar (Burma), in denen Menschenrechte nicht beachtet werden (Anm. d. Red.: In der „Rangliste“ 2010 von „Reporter ohne Grenzen“ zur Lage der Pressefreiheit liegt Myanmar auf Platz 174 von 175 (Vorjahr: 171).)

„Der grĂ¶ĂŸte Feind der Menschenrechtsverletzung ist die Öffentlichkeit“, betont er. Jeder solle helfen, indem er an die Öffentlichkeit geht. Er betont, dass nur so eine Verbesserung erreicht werden könne. Es liegen Listen aus, in die sich GĂ€ste eintragen können, fĂŒr mehr Menschenrechte und gegen deren Verletzung.

Krieg hinterlÀsst körperliche und seelische SchÀden.

Markus Wittig von „Wir gegen Rechts“ schließt sich den AusfĂŒhrungen Christmanns an. Auch Herr Wittig erinnert an Kriege. Zum Beispiel die „Schlacht an der Somme“ im Ersten Weltkrieg. Mit ĂŒber einer Millionen Toten gilt sie als „verlustreichste Schlacht dieses Krieges“. Verloren haben alle. Auch die Überlebenden. Die SchĂ€den sind grausam. Körperliche und seelische. Um eben diese bleibenden seelischen SchĂ€den geht es in dieser Ausstellung, die zum Nachdenken auffordert.

Der KĂŒnstler Bernd Gerstner möchte nicht einfach nur Bilder ausstellen. Die Betrachter sollen sich mit dem ernsten Thema selbst auseinandersetzen. Sie sollen sich mit der Frage beschĂ€ftigen, warum Menschen, trotz so vieler „verletzter Seelen“, Krieg immer noch als Lösung sehen, sagt Kunsthistorikerin Dr. Kurtzer in ihrer EinfĂŒhrung in die Bilder.

Jeder geht mit Krieg anders um.

Ihrer Meinung nach brauchen diese Bilder eine ErklÀrung, obwohl Bernd Gerstner es lieber gehabt hÀtte, weniger Worte zu verwenden, wie er mir spÀter sagt. Jeder geht mit Krieg anders um.

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Installation Todesengel.

Die Kunstwerke sind aus natĂŒrlichen Materialien, Gerstner verwendet unter anderem Erdfarben und Sand. FundstĂŒcke aus dem Ersten Weltkrieg wurden mit „eingebaut“.

Manche Kunstwerke finde ich eher ausdruckslos, wahrscheinlich, weil ich sie nicht richtig verstehe. Von anderen kann ich mich fast gar nicht mehr losreißen.

Eines dieser Kunstwerke ist die Installation „Der Todesengel“. Es ist ein weißer Arztkittel, von dem Blut auf einen Spiegel tropft. Aus dem Blut auf dem Spiegel bildet sich ein Gesicht. Das des KZ-Arztes Dr. Josef Mengele.

Der „Todesengel“.

„Der Todesengel“ steht fĂŒr alle KZ-Ärzte des Naziregimes, die grausame Menschenversuche durchgefĂŒhrt haben“, sagt die Kunsthistorikerin Kurzer.

Von Konzentrationslagern (KZ) handelt die Bilderfolge „Auschwitz“. Das KZ Auschwitz (OÅâ€șwiÄℱcim) ist das Symbol, das „Musterbeispiel“ fĂŒr alle Konzentrationslager, in denen Menschenverachtung an der Tagesordnung waren.

Vier dunkle KĂ€sten hĂ€ngen an der Wand. Alle mit unterschiedlichen Motiven. Eins zeigt Kinder, die ihre tĂ€towierten Lagernummern zeigen. Ein anderes das „typische“ Bild von Auschwitz. Gleise, die in das Lager hinein fĂŒhren. „Arbeit macht frei“ als Überschrift. Stacheldraht verdeutlicht, dass es aus diesem Schicksal kein Entrinnen gibt. Das letzte verdeutlicht die Not der internierten Menschen, vor allem das der Kinder.

Noch ein weiteres Kunstwerk berĂŒhrt mich, denn es ist schlicht, aber ausdrucksstark. Ledersohlen auf dem Boden, mehrere, die sich immer weiter auflösen. Es sind Ledersohlen von Soldaten. Es symbolisiert, wie der Titel schon sagt, die „Letzten Schritte“ eines Soldaten. Wohin, erfĂ€hrt man nicht. Woher sie kamen, auch nicht.

Manche halten Small-Talk, manche sind sehr nachdenklich.

Zum Abschluss spielt Rudolf Klee, dem laut Reinhard Christmann „die gesamte Ausstellung zu verdanken ist“, noch einmal Keyboard. Wieder eine schwere Melodie, „passend“ zum Krieg.

Dann steht er auf und trÀgt unerwartet zwei politikkritische Gedichte vor. Eins ist sehr zynisch dem ehemaligen US-PrÀsident George W. Bush gewidmet.

Manche Kunstwerke lassen sich nur schwer verstehen. So wie Kriege. Die Besucher gehen irgendwann nach Hause. Manche halten Small-Talk, manche sind sehr nachdenklich. Über Krieg. Und verletzte Seelen.

Link:
Weitere Informationen zur Ausstellung und begleitenden Veranstaltungen.

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Anmerkung der Redaktion: Anna Ewald (16) ist Gymnasiastin in Schriesheim, interessiert sich sehr fĂŒr Politik und Medien und absolviert ein schulbegleitendes Praktikum bei uns. Dabei lernen junge Menschen bei uns, was Journalismus ist: Handwerk, Öffentlichkeit und verantwortliche Meinung.
Wir legen dabei einen besonderen Wert auf den eigenen Blick dieser jungen Menschen. Sie berichten aus ihrer subjektiven Perspektive, was sie mit wem zu was wie erleben. Wir unterstĂŒtzen sie dabei journalistisch und redaktionell.
Hier finden Sie eine Übersicht aller Texte von Anna Ewald auf dem ladenburgblog.
Wer Interesse an einem Praktikum hat, kann sich gerne formlos bewerben – allerdings sind erst ab April 2011 wieder PlĂ€tze frei.