Donnerstag, 21. November 2019

Keine dienstliche Verfehlung des CBG-Rektors G√ľnter Keller festgestellt

Dienstaufsichtbeschwerde als „unbegr√ľndet zur√ľckgewiesen“

cbg-5394

Der CBG-Rektor G√ľnter Keller hat sich kein dienstliches Vergehen zu Schulden kommen lassen, sagt das Regierungspr√§sidium.

 

Ladenburg/Karlsruhe, 04. Februar 2014. (red) Mannheimer Morgen, Rhein-Neckar-Zeitung und Ladenburger Zeitung wollten gerne einen Skandal herbeischreiben. Hat CBG-Rektor G√ľnter Keller seine Dienstpflichten verletzt? Dieser Auffassung ist Beate Stumpf, bis vor kurzem Vorsitzende des F√∂rdervereins der Schule¬†und reichte Dienstaufsichtsbeschwerde beim Regierungspr√§sidium ein. Doch die Rechtspr√ľfung des Regierungspr√§sidiums hat keine „dienstlichen Verfehlungen“ feststellen k√∂nnen und teilte das am Freitag den 31. Januar mit. Tats√§chlich legen die Eltern der Sch√ľlerin ein ausgepr√§gtes „Schutzverhalten“ an den Tag. [Weiterlesen…]

"Ent"täuschende "Berichterstattung"

Geprothmannt: Bagatell- vs. Kollateralschaden

Bleiben am Ende nur noch Tr√ľmmer? Journalismus war mal ein angesehener Beruf - heute ist das Image besch√§digt. Archivbild

 

Mannheim/Viernheim/Rhein-Neckar, 18. Juni 2012. (red) Es gibt einen Brand, die Feuerwehr l√∂scht diesen schnell. Der Schaden bleibt eigentlich √ľberschaubar und doch nicht. Das „Opfer“ ist das „Scheck In-Center“ in Viernheim. Aber es kommt noch ein weiteres hinzu, dass mit allem gar nichts zu tun hat: Die Bev√∂lkerung. Der Schadensverursacher: Journalisten. Der Schaden: Glaubw√ľrdigkeitsverlust in unbekanntem Ausma√ü.

Von Hardy Prothmann

Der Ruf von Journalisten ist nicht der beste. Vollkommen zurecht. Sie fragen sich jetzt, wieso ein Journalist dem eigenen Berufsstand ein schlechts Zeugnis ausstellt? Die Antwort ist ganz einfach: Nur wenn man sich nach vorne verteidigt, kann man hoffen, weitere Sch√§den zu verhindern. Das ist durchaus egoistisch gedacht. Denn ich und meine Mitarbeiter achten sehr auf bestm√∂gliche Qualit√§t unserer Informationen – egal, ob wir √ľber leichte Themen wie Feste und Aktivit√§ten berichten oder √ľber anspruchsvolle wie Kultur und Wirtschaft oder Politik und Sport.

Ganz klar machen auch seri√∂se Journalisten Fehler. Wenn diese passieren, sollten die Leserinnen und Leser aber dar√ľber informiert werden. Doch das tun die meisten Medien nicht. Auch klar: Wenn wir einen Rechtschreibfehler entdecken oder auf Fehler hingewiesen werden, verbessern wir den auch ohne eine Korrekturmeldung, wenn es sich um eine Bagatelle handelt. Berichte mit kapitalen Fehlern legen wir in der Kategorie „Korrektur“ ab, damit Leserinnen und Leser sofort und ohne lange Suche eine zun√§chst fehlerhafte Berichterstattung sowie die Korrektur finden k√∂nnen. Auf dem Heddesheimblog sind dort seit dem Start vor drei Jahren „nur“ acht von √ľber 2.500 Berichten als fehlerhaft gekennzeichnet. Wir √§rgern uns √ľber jeden Fehler und haben diese korrigiert.

Falscher Eindruck vermittelt

Der Mannheimer Morgen hat aktuell √ľber einen Brand im Viernheimer Scheck In-Center „berichtet“. Der „Bericht“ ist mit dem K√ľrzel „bhr“ gekennzeichnet. Der unbedarfte Leser denkt jetzt: „Ok, jemand, dessen Namen mit bhr abgek√ľrzt wird, war vor Ort oder nach sich zumindest telefonisch oder auf anderem Weg die Informationen besorgt, gepr√ľft und dann seinen Bericht verfasst.“ Doch dieser naheliegende Gedanke ist in diesem Fall und leider viel zu oft ein Fehler. Denn kein Journalist des MM war vor Ort und es wurde auch sonst nichts recherchiert.

Tats√§chlich wurde also keine „journalistische Leistung“ erbracht. Durch das geschickte Setzen von An- und Abf√ľhrungszeichen liest sich der Text, als habe „bhr“ mit dem Pressesprecher der Feuerwehr Viernheim gesprochen, denn er zitiert ihn ja „w√∂rtlich“. Tats√§chlich ist dieser Eindruck aber eine T√§uschung. Auf Nachfrage best√§tigte uns der Pressesprecher Andreas Schmidt, dass er mit niemandem vom MM in dieser Sache gesprochen hat:

Die haben automatisch eine email mit dem Pressetext bekommen, wie alle Redaktionen, die das wollen.

Ist die Nachricht aber falsch? Ja und nein. Sie erweckt den falschen Eindruck, als habe der Journalist mit dem Pressesprecher gesprochen. Und sie erweckt den Eindruck, der Journalist habe selbst√§ndig recherchiert und den Bericht selbst verfasst. Die Fakten sind aus Sicht der Feuerwehr sicher zutreffend. Die Mutma√üung √ľber die Schadensh√∂he ist es nicht.

Die Originalmeldung der Feuerwehr. Quelle: FFW Viernheim

 

Die geguttenbergte Version im Mannheimer Morgen. Quelle: SHM

Geguttenbergter Journalismus ist Betrug am Leser

Diese Form „journalistischer“ Arbeit ist g√§ngig in vielen Redaktionen: Bei Zeitungen, Magazinen, im Radio und Fernsehen und im Internet. Man nimmt frei zug√§ngliche Informationen, „etikettiert“ sie ein wenig um und schon hat man einen „eigenen“ redaktionellen Bericht. Das ist und bleibt Betrug am Leser.

Sie fragen sich, warum das passiert? Warum andere Redaktionen so verfahren? Warum es nicht alle ehrlich und transparent wie wir mit unseren Blogs berichten? Fragen Sie die Redaktion Ihres Vertrauens. Ich versichere Ihnen, man wird Sie nicht sonderlich ernst nehmen. Erst, wenn Sie das Abo k√ľndigen wollen.

Wir tun das, was eigentlich eigentlich selbstverst√§ndlich sein sollte. Wir benennen n√§mlich immer deutlich die Quelle, wie auch in diesem Fall ist der Text mit „Information der Feuerwehr Viernheim“ klar gekennzeichnet worden. Das hat mehrere Gr√ľnde. Der wichtigste: Wir respektieren die Arbeit von anderen. Wir schm√ľcken uns nicht mit „fremden Federn“. Der n√§chste Grund ist: Wo bei uns „Redaktion“ draufsteht, ist auch Redaktion drin. Daf√ľr sind wir verantwortlich. Und ein ebenfalls sehr wichtiger Grund ist: Wir k√∂nnen nur daf√ľr einstehen, was wir selbst recherchiert haben. Wir wollen uns weder fremde Inhalte aneignen, noch darin enthaltene Fehler.

Der Einsatzbericht der Feuerwehr beispielsweise ist √ľberwiegend korrekt – hat aber den Eindruck eines gro√üen Schadens hinterlassen. Viele Kunden blieben heute deswegen dem Markt fern. Wir haben die Meldung ebenso gebracht, waren aber bis 14:00 Uhr das einzige Medium, das einen Reporter vor Ort hatte, um sich ein Bild zu machen und haben danach umgehend berichtet, dass es f√ľr Kunden keine Einschr√§nkungen gibt und der Schaden eher √ľberschaubar ist.

Au√üerdem konnten wir recherchieren, dass in diesem Fall wohl eine „Klarstellung“ in der morgigen Ausgabe der Zeitung folgen soll – man darf gespannt sein. Denn die Scheck In-L√§den geh√∂ren zur Edeka-Gruppe. Und dort ist man „not amused“ √ľber den scheinbar redaktionellen Bericht im Mannheimer Morgen. Die Edeka selbst ist ein sehr gro√üer Kunde der Zeitung und d√ľrfte pro Jahr Anzeigen im Wert von einigen Millionen Euro bei der Zeitung schalten. Ich versichere Ihnen, dass man bei der Zeitung in diesem Fall den √Ąrger sehr ernst nimmt. Aber nicht, weil man „journalistisch“ besser oder wenigstens „korrekt“ arbeiten will, sondern um den Umsatz nicht zu gef√§hrden.

Bagatell- vs. Kollateralschaden

Nach dem Brand ist im Scheck In – anders als im Feuerwehrbericht gemutma√üt – nur ein „Bagatellschaden“ entstanden. Dieser Schaden wurde unn√∂tig durch Umsatzausf√§lle f√ľr das Unternehmen vergr√∂√üert. Der gro√üe Kollateralschaden entsteht aber durch den allt√§glichen Guttenberg-Journalismus, bei dem nach Lust und Laune geklaut und abgekupfert, umetikettiert und abgeschrieben wird. Sie halten diesen „Fall“ f√ľr eine Bagatelle? Ist er nicht, weil er nur ein Beispiel f√ľr eine systematische T√§uschung vieler Mediennutzer ist. (Haben Sie die „Jogi“-F√§lschung bei der EM mitbekommen? Das ZDF zeigte eine „Live-Berichterstattung“, in die Aufnahmen hineingeschnitten wurden, die vor dem Spiel, also nicht „live“ entstanden sind. Das hat zu heftiger Kritik gef√ľhrt. FAZ: „Die Regie spielt falsch„)

Einen Brandschaden kann man beseitigen – eine besch√§digte Glaubw√ľrdigkeit ist nur schwer wieder zu bereinigen.

Darunter leiden aber nicht nur die Schummler, sondern auch alle, die sich gr√∂√üte M√ľhe geben, einen herausragende oder zumindest ehrlichen Journalismus zu bieten. Leider tun das immer weniger und der f√ľr die Gesellschaft und Demokratie so wichtige Journalismus verliert weiter an Ansehen. Da k√∂nnen sich Politiker und Journalisten die Hand geben – aber es gibt auch in der Politik „anst√§ndige“ Leute.

Die Leserinnen und Leser können ebenso wie Unternehmen aber deutlich machen, ob sie Qualität wollen oder nicht.

Bei einer Wahl macht macht das mit einer Stimme. Im Markt hat man auch Macht: Minderwertige Produkte kann man abbestellen oder muss sie nicht kaufen. Und Werbung kann man im glaubw√ľrdigen Umfeld schalten, wo sie auch am besten wirkt.

Weitere Informationen:

Wie aus einer gemeindlichen Pressemitteilung ein Redakteursbericht wird, lesen Sie hier: „Ist der Mannheimer Morgen ein Sanierungsfall?

Wie die RNZ einen PR-Text eines Politikers zu einem Redakteursbericht macht, lesen Sie hier: „Nachgefragt: Wie wird aus einer politischen PR-Meldung ein redaktioneller Text in der RNZ?

In Sachen Guttenberg war die mediale Emp√∂rung gro√ü. Dabei sind viele Medien selbst sehr erfahren in Plagiaten. „Plagiator-Formel: Dreist, dreister, Journalist ‚Äď wie Tageszeitungen tagt√§glich ‚Äúbeschei√üen‚ÄĚ

Ein unabh√§ngiger Reporter berichtet √ľber eine SPD-Hauptversammlung. Weit gefehlt. Der Reporter ist selbst Mitglied im Ortsverein. „Was von der Berichterstattung der RNZ unter dem K√ľrzel ‚Äústu‚ÄĚ zu halten ist

Auch wir machen Fehler – und reagieren angemessen: „Urheberrecht vermutlich missachtet

 

Anm. d. Red.: Um Missverst√§ndnissen vorzubeugen: Die Freiwillige Feuerwehr wird ausdr√ľcklich nicht kritisiert. Die hat wie so oft ihren Job gemacht und einen gr√∂√üeren Schaden verhindert.

Zeitungsstreik: Journalismus heißt, Fragen zu stellen

Heddesheim/Mannheim/Stuttgart, 03. August 2011. Die streikenden Redakteure beim MM stehen unter Druck – einerseits durch die Forderungen der Verleger. Aber ganz immens auch, weil das Produkt Zeitung nicht mehr ankommt. 1.500 Abos hat der MM im zweiten Quartal verloren. Die Auflage ist im Sinkflug. Auch das Anzeigengesch√§ft leidet. Der Vertrauensverlust der Leserinnen und Leser ist enorm. Angeblich streiken die Redakteure f√ľr „Qualit√§t“ und fordern „Solidarit√§t“. Man muss fragen, was sie damit meinen.

Von Hardy Prothmann

Dass ich insbesondere den Mannheimer Morgen massiv kritisiere, ist bekannt. W√ľrde ich in Stuttgart, in Mosbach, in Heidelberg, in Karlsruhe, in Bruschal, in Ludwigshafen oder Neustadt an der Bergstra√üe leben, w√ľrde ich mir andere Zeitungen kritisch anschauen.

Vermutlich w√ľrde ich im Sinne der Leserinnen und Leser meiner Blogs auch an anderen Orten und damit Verbreitungsgebieten von Monopol-Zeitungen viel Kritik an der Berichterstattung √ľben k√∂nnen. Denn der Lokaljournalismus befindet sich in einer tiefen Krise.

Tats√§chlich kann ich aber am besten die Zeitungen beurteilen, deren Nachrichten ich durch eigene Recherchen √ľberpr√ľfen kann. Das sind der Mannheimer Morgen, die Weinheimer Nachrichten und die Rhein-Neckar-Zeitung. Und alle kommen oft nicht gut weg, wobei klar gesagt werden muss, dass der MM besonders problematisch ist.

Meine Kritik an der Zeitung ist massiv, aber sie ist auch begr√ľndet.

Aktuell haben streikende MM-Redakteure Kommentare gel√∂scht – denn Kritik oder andere als „gewogene“ Nachrichten sind nicht erw√ľnscht. So einfach kommen die streikenden Redakteure nicht davon. Sie k√∂nnen nicht so tun, als ob sie kritisch w√§ren und gleichzeitig Informationen l√∂schen oder ignorieren.

Sie fordern Solidarit√§t, schlie√üen aber nicht gew√ľnschte Meinungen aus. Das geht so nicht.

Wer f√ľr Meinungsfreiheit und Qualit√§t der Berichterstattung vorgeblich eintritt, muss selbst auch aushalten k√∂nnen, sich der Kritik stellen und transparent informieren.

√úber verschiedene Kontakte erhalte ich abenteuerlichste Informationen, was die MM-Redakteure von meiner inhaltlichen Kritik halten. Auf einen anonymen Kommentar habe ich dem Dumpfsinn entsprechend, aber trotzdem umfangreich geantwortet.

Die in dem anonymen Kommentar √§u√üerst dumm unterstellten „Motive“ sind haneb√ľchen.

Ich habe mich deshalb in einem Kommentar auf Facebook an einen Redakteur gewandt, von dem ich eine hohe Meinung habe und davon ausgehe, dass er sich Fragen und Kritik stellt.

Es ist der Versuch eines Dialogs. Sicher nicht ohne Provokation. Aber mit der Möglichkeit zu Antworten, die die Zeitung und alle MM-Redakteure den Leserinnen und Lesern lange und längst schuldig sind.

Der Redakteur wurde von mir ausgewählt, weil ich vor zwanzig Jahren gut mit ihm zusammen gearbeitet habe und ich seine damals kritische Haltung schätzte. Und er ist aktiv am Streik beteiligt. Man kann ihn auf Fotos sehen und er postet auf Facebook.

Seit siebzehn Jahren haben wir nichts mehr miteinander zu tun. Wie gesagt, es ist ein Experiment – ich wei√ü nicht, wie der Mann heute „tickt“, aber ich habe Hoffnung.

Denn eigentlich w√ľrde ich mir w√ľnschen, dass der MM eine st√§rkere Konkurrenz bietet, eine gr√∂√üere Herausforderung.

Der MM und meine Blogs haben eine Schnittmenge – also Menschen, die sowohl die Zeitung lesen, als auch die von mir verantworteten Blogs. Die Leserinnen und Leser, die nur meine Blogs lesen, wissen nicht, was in der Zeitung berichtet wird und umgekehrt.

Ich habe √ľberhaupt keine Probleme, auf gute Stories im MM zu verweisen – sie m√ľssen aber gut sein. Dann w√ľrde ich sogar empfehlen, die Zeitung zumindest tagesaktuell zu kaufen. Daf√ľr muss ich aber √ľberzeugt sein, dass sich das f√ľr meine Leserinnen und Leser lohnt.

Hier sind die Fragen. Der Name ist unkenntlich gemacht, weil er nicht viel zur Sache tut. Jeder mit Facebook-Zugang wird ihn schnell recherchieren können, was vollkommen O.K. ist, da er ja unter Klarnamen öffentlich sichtbar dort schreibt.

Vielleicht ist das ein Ansatz, um einen Austausch √ľber „qualitativen Journalismus“ in Gang zu bringen. Vielleicht auch nicht.

Viele Fragen - ob es Antworten geben wird?

Ergänzung

Heute hat Thorsten Hof reagiert. Er schreibt folgendes:

Facebook informiert per email √ľber einen Kommentar - weil die streikenden MM-Redakteure sich abschotten, ist eine direkte Antwort nicht m√∂glich.

Ich h√§tte ja gerne darauf reagiert. Da aber mittlerweile nicht nur f√ľr meinen Hardy Prothmann-Account der Zugang zur „Streikmorgen“-Seite gesperrt ist, sondern die Pinnwand f√ľr alle „Nicht-Freunde“ gesperrt wurde, kann ich leider nicht auf Facebook darauf reagieren.

Die „Vorgeschichte“, die Herr Hof anspricht, meint den Kommentar „Das Drama der journalistischen Prostitution“, den ich im Februar 2010 auf dem http://heddesheimblog.de ver√∂ffentlicht habe. Thema des Textes war die Kritik an einer dauerhaft unkritischen, gef√§lligen Berichterstattung durch die Redakteurin Anja G√∂rlitz.

Gegen diesen Text ist Frau G√∂rlitz juristisch vorgegangen. Insgesamt habe ich rund 5.000 Euro Anwalts- und Gerichtskosten bezahlen m√ľssen. Ein Versuch der „g√ľtlichen“ Regelung wurde nicht unternommen.

Der Anwalt von Frau G√∂rlitz wollte zudem ein Ordnungsgeld von 3.000 Euro gegen mich durchsetzen, das Gericht hat das zur√ľckgewiesen und ein Ordnungsgeld von 300 Euro verh√§ngt.

Der Hintergrund: Zun√§chst wurde ich √ľber meine Privatadresse abgemahnt. Die weitere Post ging aber an mein Mannheimer B√ľro, dass ich damals f√ľr mehrere Wochen nicht besucht hatte. Daher hatte ich s√§mtliche Einspruchfristen verpasst und mich entschieden, aus Kostengr√ľnden die mittlerweile erlassene Einstweilige Verf√ľgung zu akzeptieren. Der Anwalt von Frau G√∂rlitz hat das Maximum an Geb√ľhren angesetzt und der Versuch mit dem Ordnungsgeld zeigen eindeutig, dass es weniger um die „Ehre“ ging als darum, einen wirtschaftlichen Maximalschaden zu erzielen.

Interessant ist die Haltung von Herr Hof schon: Ein einziger Text vor eineinhalb Jahren ist ihm Grund genug, die Haltung der MM-Redakteure zu rechtfertigen. Das zeigt sehr sch√∂n den Korpsgeist dieser Bagage (danke f√ľr den Hinweis auf den Tippfehler, ist korrigiert).

Statt mit eigenen Leistungen zu gl√§nzen, sucht man Tippfehler, baggert den Graben aus und erh√∂ht den Schutzwall auf Facebook. Auch nicht schlecht. ūüėČ

 

Streikende MM-Zeitungsredakteure: Wer oder was nicht passt, wird gelöscht

Heddesheim/Mannheim/Stuttgart, 03. August 2011. √úberall im L√§ndle streiken Zeitungsredakteure. Durchaus mit unterschiedlichem „Berufs“ethos. W√§hrend die einen unzutreffende Informationen korrigieren, l√∂schen die anderen zutreffende Informationen, die ihnen nicht passen. Was wiederum aber zum Image dieser speziellen „Redakteure“ passt. Wer sich Gedanken macht, ob er wirklich „Solidarit√§t“ mit den streikenden Redakteuren beim Mannheimer Morgen haben kann, sollte wissen, welche Haltung diese „Journalisten“ vertreten. Schade f√ľr die gutgl√§ubigen K√ľnstler wie Xavier Naidoo, die auf die Verlogenheit hereinfallen.

Von Hardy Prothmann

Nochmal zur Erinnerung. Zeitungsredakteure sind im Ausstand, weil Berufseinsteiger nicht mehr mit rund 3.000 Euro Gehalt bei 14 Monatsgeh√§ltern und einer 35-Stunden-Woche beginnen sollen, sondern mit bis zu 25 Prozent weniger. Und andere auf das Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten sollen, was rund f√ľnf Prozent weniger bedeutet.

Ich habe heute gegen 17:30 Uhr zwei Kommentare auf der Facebook-Seite der streikenden MM-Redakteure gepostet:

Auch die ARD hat im Morgenmagazin √ľber den Streik berichtet. http://www.tagesschau.de/multimedia/video/ondemand100_id-video953858.html

Und kurz darauf:

Weitere Hintergr√ľnde zu meiner Haltung hier. http://istlokal-medien.de/heddesheimblog/2011/08/02/in-eigener-sache-reaktionen-auf-den-beitrag-im-ard-morgenmagazin/

Die Kommentare waren nur f√ľr Stunden zu sehen, bis sie getilgt worden sind.

Gegen 19:30 Uhr waren nicht nur die beiden Kommentare verschwunden, sondern scheinbar die komplette Facebook-Seite. Zumindest f√ľr mich, denn ich wurde „geblockt“. Als geblockte Person ist die Seite nicht mehr aufrufbar. Das Zeichen war ein eindeutig. Kommentare von Hardy Prothmann sind auf der Seite der MM-Redakteure offensichtlich nicht erw√ľnscht.

Kommentare gelöscht - Nutzer blockiert. So sieht Meinungsvielfalt und Transparenz in den Augen der streikenden MM-Redakteure aus.

„Gef√§llt mir sehr, toll, unterst√ľtzenswert, super“ als Kommentar bleibt erlaubt.

Die Erkl√§rung ist vermutlich einfach: In den vergangenen zwei Jahren habe ich die Zeitung immer wieder mit Verfehlungen konfrontiert. Der MM an sich ist mir egal, aber ich kritisiere schlechte Recherche, unterschlagene Meldungen oder abgepinselte Pressemitteilungen. Oder thematisiere die st√§ndige Bratwurstberichterstattung, die nichts weiter tut, als mit verschwurbelten Texten √ľber Wetterg√∂tter zu fantasieren. Schlechte Zust√§nde zu kritisieren, sollte eine journalistische Grundtugend sein. Und es darf keine „Bei√ühemmung“ gegen√ľber √§u√üerst schlechtem „Journalismus“ geben.

Das passt nat√ľrlich √ľberhaupt nicht zum Selbstbild, denn immerhin streiken die MM-Redakteure ja f√ľr „Qualit√§tsjournalismus“ (zumindest, was sie darunter verstehen) und f√ľr eine entsprechende Bezahlung.

Die MM-Redakteure behaupten sogar, dass es um die „Zukunft des Qualit√§sjournalismus“ ginge:

Auf der Blogseite liest sich das etwas ehrlicher – da gehts √ľberwiegend ums Geld und ganz zum Schluss ein bisschen um „die Demokratie“. Und angeblich streiken sie auch f√ľr „unsere Leser“.

Um was geht es? Um Demokratie? Eher doch ums Geld.

Tats√§chlich halten die streikenden MM-Redakteure aber „unseren Lesern“ missliebige Informationen vor. Oder warum l√∂schen sie sonst Kommentare, die weder beleidigend noch anst√∂√üig sind? Sondern zus√§tzliche Informationen enthalten, mit den sich Leserinnen und Leser eine eigene Meinung bilden k√∂nnen? Mal abgesehen davon, dass es in beiden verlinkten Informationen gar nicht „direkt“ um die streikenden MM-Redakteure selbst ging und ich im ARD-Interview sogar die Verlegerseite ordentlich kritisiert habe?

Oder darf-¬† nicht Meinung sein, was nicht der Meinung der streikenden MM-Redakteure entspricht? Oder d√ľrfen die keine Stimme haben, die man nicht leiden kann? Ist es das, was diese Redakteure mit „wir streiken f√ľr unsere Leser“ meinen? Unter Transparenz, Meinungsvielfalt? Unter „Kritik“ und streitbarem Journalismus?

MM-Streiker vs. Tagblatt-Streiker

Ganz anders der Umgang bei den Streikenden vom „Schw√§bischen Tagblatt“. Die verlinken von sich aus auf den ARD-Beitrag, allerdings mit einer fehlerhaften Information und nennen mit einen „bloggenden Ex-Redakteur“. Ich korrigiere das h√∂flich und verlinke ebenfalls zwei Texte, die aus Sicht der Zeitungsredakteure sicher nicht „angenehm“ sind.

Die Reaktion ist anständig: Der Kommentar wird frei geschaltet, der Fehler korrigiert. Auch wenn ich nicht weiß, wie die Berichterstattungsqualität des Schwäbischen Tagblatts ist, habe ich zumindest durch diese Verhalten einen positiven Eindruck gewonnen. Das ist das einzig zu erwartende Verhalten.

Die Streikenden beim Schwäbischen Tagblatt haben Kritik zugelassen.

Immerhin: Man k√∂nnte auch annehmen, dass vielleicht nur die MM-Streikenden f√ľr die „L√∂sch-Aktion“ verantwortlich sind, die die Facebook-Seite betreuen. Aber das w√§re nur eine billige Ausrede f√ľr die Gesamt-Bagage.

Wer einen Funken Ehre im Leib hat, was ich bei vielen nicht vermute, m√ľsste sofort auf diese Aktion reagieren und sein Missfallen ausdr√ľcken. Das aber ist doch mehr als unwahrscheinlich. (Ich bin fast sicher, dass sich niemand f√ľr diese „L√∂sch“-Aktion entschuldigt oder sie kritisiert.)

Leider haben die MM-Redakteure im Ausstand noch nicht verstanden, dass sie l√§ngst nicht mehr alleine „Meinungen bilden“, also nicht mehr bestimmen k√∂nnen, √ľber wen und was sie wie informieren oder was sie lieber „unterdr√ľckt“ sehen wollen.

Das Internet macht die Welt transparenter. Und zeigt, wie dumm oder hilflos manche Journalisten, die eigentlich daran mitwirken sollten, reagieren.

Absurd wird es, wenn dieser Haufen das Wort „Qualit√§tsjournalismus“ f√ľhrt. Sie stehen weder f√ľr Qualit√§t noch Journalismus noch f√ľr die Kombination aus beidem.

Ich unterst√ľtze die Forderungen der Verleger kein bisschen – aber im Fall der MM-Streikenden w√§re ich sogar mit der ein oder anderen fristlosen K√ľndigung vollkommen einverstanden.

Es wäre sicher kein allzu großer Verlust.

Denn die MM-Redakteure fordern Solidarität, die sie selbst nicht bereit sind zu geben. Dieser Kommentar wartet immer noch auf Freischaltung.

Solidarität mit dem journalistischen Prekariat, den "Freien"? Nicht bei den streikenden MM-Redakteuren.

P.S.
Das Internet l√§sst sich nicht so einfach kontrollieren, „verehrte Kollegen“, wie ihr das denkt. Und das ist gut so. Schlecht ist: Das habt ihr leider noch nicht verstanden und vermutlich werdet ihr das auch nicht verstehen.

Zeitungsstreik: Solidarität? Wieso, weshalb, warum?

Heddesheim/Mannheim/Stuttgart, 03. August 2011. Die streikenden Zeitungsredakteure fordern Solidarit√§t ein. Denn ihnen drohen Lohnk√ľrzungen und schlechtere Arbeitsbedingungen. Doch ist deren „Emp√∂rung“ wirklich nachvollziehbar? Haben sie sich „Solidarit√§t“ verdient?

Von Hardy Prothmann

Es gibt sie noch, die sehr guten Redakteure. Vereinzelt. Aber deren Einfluss ist gering. Sie haben schon l√§ngst keine Lobby mehr und im Zweifel finden die, die kritisch berichten und die Folgen tragen m√ľssen, keine Solidarit√§t bei den „Kollegen“. Der Gesamtzustand der Branche ist desolat.

Ob der Kommentar jemals frei geschaltet wird? Knapp acht Stunden nach dem Erstellen auf der MM-Streikseite wartet er immer noch auf "Freischaltung".

Es gibt genau eine Perspektive, unter der man die Empörung der streikenden Zeitungsredakteure verstehen kann: Noch verdienen die meisten Verlage satte Renditen, häufig im zweistelligen Bereich. Wenn die Arbeitgeber vor diesem Hintergrund bis zu 25 Prozent unter dem bisherigen Tarif Berufsanfänger beschäftigen wollen, dann ist das skandalös und grob sittenwidrig. Damit endet die eine Perspektive.

Honorardumping ist der Normalzustand

Die anderen sehen so aus:

Skandal√∂se „Auftragsverh√§ltnisse“ sind der „Normalzustand“, mit dem man die Einkommensituation von vielen freien Journalisten oder „Mitarbeitern“ beschreiben kann.

Deswegen hat es sich auch schon mit meiner Solidarit√§t gegen√ľber den Zeitungsredakteuren. Ich werfe den meisten von ihnen Kumpanei, Mitt√§terschaft, Honorar-Dumping, Untertanentum, Eitelkeit, √úberheblichkeit, Weltentr√ľcktheit und Respektlosigkeit vor. Sie sind Teil eines mafiosen Systems und haben solange still gehalten, solange sie ihren Teil der Beute abbekommen haben. Jetzt sind sie im Streik, weil ihnen ihr „Anteil“ zu klein scheint.

Und ich wei√ü, wovon ich rede. Denn ich bin seit 20 Jahren freier Journalist und meine „Abnehmer“ waren √ľber 18 Jahre lang Redakteure. Mit vielen davon habe ich sehr gut zusammengearbeitet. Fr√ľher. Doch die Zeiten haben sich ge√§ndert. Die Zusammenarbeit wurde immer schwieriger – nicht unbedingt, aber auch inhaltlich. Vor allem aber wirtschaftlich.

HorrorHonorargeschichten

1994 bin ich nach drei Jahren mit meinem Universit√§tsabschluss vom lokalen in den √ľberregionalen Journalismus gewechselt. Denn nur dort waren einigerma√üen gute Honorare zu erwirtschaften.

Was ich niemals erlebt habe, war ein „Bonus“ f√ľr eine au√üergew√∂hnlich gute Arbeit, der mir einfach angeboten oder √ľberwiesen worden w√§re. Was ich ab und an erleben durfte, waren ein klein wenig h√∂here Honorare, wenn ich diese mit guten Argumenten nachgefordert hatte. Was ich meistens erlebt habe, waren „Honorare“ die ihrem Namen keine Ehre machten. Die Zeilen- oder Beitragshonorare waren niemals √ľppig, selten gut, oft „gingen sie grad so“, meist waren sie nicht akzeptabel. Jedenfalls, wenn man davon leben wollte.

Beim Mannheimer Morgen habe ich 55 Pfenning (27 Cent) die Zeile „verdient“. Brutto. Ein mittlerer zweispaltiger Bericht mit 80 Zeilen ergab demnach 44 Deutsche Mark. Rechnete man im Schnitt eine Stunde Wegstrecke, 1,5 Stunden Schreiben, 1,5 Stunden vor Ort, eine Stunden Vor- und Nachbereitung, kam man auf einen Stundenlohn von 8,80 Deutsche Mark.

In den drei Jahren beim MM habe ich rund 1.000 Artikel geschrieben. Ich war als „freier Mitarbeiter“ damit ganz gut „im Gesch√§ft“. Einwandfreie Qualit√§t wurde selbstredend immer erwartet. Alle Artikel wurden ver√∂ffentlicht. Manchmal waren 100 Zeilen bestellt, 70 wurden abgedruckt und nur 70 wurden zun√§chst bezahlt. Weil ich gut war und gebraucht wurde, hatte meine Intervention Erfolg – ich bekam die bestellten und abgelieferten Zeilen bezahlt, sollte dazu aber gegen√ľber anderen Mitarbeitern stillschweigen.

In diesen drei Jahren ist es mir in einem einzigen Monat gelungen, 1.700 Deutsche Mark zusammenzuschreiben. Der Grund: Viele Redakteure waren in Urlaub, also gab es mehr als sonst zu tun und es gab ein paar spannende Themen und viele Vereinsfeste. Damals war ich 25 Jahre alt. Im Schnitt habe ich rund 800 Mark mit meinem freien Journalismus verdient. Brutto.

„Das Thema kriegen wir nicht durch.“

Davon musste ich ein Auto unterhalten, ein B√ľro, Computer, Telefon. Irgendeine „Kostenpauschale“ stand nicht zur Disposition. Ein paar Redakteure bestellten ab und an zehn Zeilen mehr als sie f√ľr den Abdruck vorgesehen hatten. Die 5,5 Mark waren sowas wie ein „Anerkennung“, weil ich immer einsatzbereit war.

Termine kamen aus der Redaktion, die meisten Themenvorschl√§ge von mir. Meist wurden sie angenommen, aber immer wieder h√∂rte ich den Satz: „Das Thema kriegen wir nicht durch.“

Ab 1994 √§nderten sich meine Verh√§ltnisse mit einem Artikel f√ľr Die Zeit. Dort erhielt ich 2,8 Mark die Zeile und sogar ein Fotohonorar von 150 Euro. Zusammen waren das f√ľr einen „Job“ 430 Euro. Das war sensationell. Fortan konzentrierte ich mich auf gr√∂√üere Zeitungen, Wochenzeitungen, Magazine sowie √ľberwiegend den ARD-H√∂rfunk, der am l√§ngsten ganz gut bezahlte und auch heute noch akzeptable Honorare bietet.

Und ich habe oft „Angebote“ ausgeschlagen, die immer wieder angefragt wurden, weil ich den „Markt“ nicht kaputt machen wollte. Unter 350 Mark habe ich keine Magazinseite geschrieben. Niemals unter einer Mark eine Zeile (au√üer f√ľr die taz, die 70 Pfenning die Zeile zahlte).

Dazu habe ich an Zeitschriftenentwicklungen mitgewirkt, das brachte am meisten Geld, Redaktionsvertretungen gemacht, Vorträge und Seminare gehalten.

Um auf das Einstiegsgehalt eines Zeitungsredakteurs von damals rund 4.000 Mark Brutto zu kommen, musste ich rund 6.000 Mark verdienen und zus√§tzlich Geld f√ľr die „Infrastruktur“ wie Auto, Telekommunikation, Computer, Kamera. Manchmal hat das funktioniert, manchmal nicht.

Nochmal zur Verdeutlichung: Bei 55 Pfenning pro Zeile und 150 Zeilen täglich wäre ich bei einer 5-Tage-Woche auf 1.650 Mark gekommen. Rechnet man noch sechs Wochen Urlaub ein, wären rund 1.440 Mark brutto geblieben. Krank durfte man nicht werden, Nein sagen auch nicht. Und es gab damals Zeitungen, die nur 25 Pfenning pro Zeile zahlten.

Durch meinen Wechsel in die „h√∂here Honorarliga“ war ich in der gl√ľcklichen Lage, nicht jeden Mist machen zu m√ľssen, sondern mir Themen und Auftr√§ge aussuchen zu k√∂nnen.

Die meisten Kollegen versuchten, irgendwie eine Festanstellung zu bekommen. Nicht, um journalistisch interessanter arbeiten zu können, sondern um versorgt zu sein.

Doch die „T√∂pfe“ f√ľr „Honorare“ wurden zunehmend geringer. Viele Kollegen klagten nur noch, schlugen sich mehr schlecht als recht durch, auch ich hatte Einbu√üen, aber es ging noch ganz gut.

FAZ: 70 Cent pro Zeile sind „normal“

Als ich 2003 einen exklusiven Text mit einem enormen Rechercheaufwand geschrieben hatte, bekam ich 70 Euro √ľberwiesen. F√ľr einen 100-zeiligen Artikel. Also 70 Cent pro Zeile. Ich habe mich daraufhin beim Herausgeber Schirrmacher beschwert, der mir zur√ľckgeschrieben hat, dass dies einem „durchaus √ľblichen Honorar“ entspr√§che, ich aber eine Nachzahlung von 90 Euro erhielte. Eine weitere Zusammenarbeit war nicht mehr gew√ľnscht.

Als ich 2004 zuf√§llig zum Tsunami auf der thail√§ndischen Insel Phuket war, berichtete ich 18 Tage lang f√ľr mehrere deutsche Medien. Darunter Spiegel, Spiegel Online, Spiegel TV, Focus, Handelsblatt, Zeit, tagesspiegel, Berliner Morgenpost, Welt, SWR und noch ein paar andere. In knapp drei Wochen habe ich rund 15.000 Euro Umsatz gemacht.

Ich war 16-20 Stunden im Einsatz, habe am Tag nach der Katastrophe 600 Leichen gez√§hlt, um die Zahl der Opfer absch√§tzen zu k√∂nnen, habe unter anderem eine Reportage √ľber die Arbeit der DVI-Teams (Desaster Victims Identification) geschrieben, Tage im Krankenhaus verbracht und √ľber das Leid und die Hoffnung berichtet.

5.000 Euro die Woche? Kein schlechtes „Honorar“. Doch zu welchem Preis? F√ľr welchen Einsatz? H√§tte ich ein „psychologisches“ Problem bekommen, einen Unfall erlitten – wer h√§tte f√ľr mich gesorgt? Es gibt f√ľr freie Journalisten selten eine Kostenerstattung und so gut wie nie eine Absicherung durch die „Auftraggeber“. Aber es gibt noch Jobs f√ľr alle die, die „gut“ verdienen wollen – √ľberall da, wo es gef√§hrlich ist. Denn da gehen die Redakteure nicht hin.

Tagessätze von unter 250 Euro habe ich niemals akzeptiert. Mein Normalsatz waren 350 Euro. Heutzutage sind 75 Euro kein Ausnahmefall.

Lokalberichterstattung ist Ausbeutung auf höchstem Niveau

Im „Lokalen“ sieht es am bittersten aus. Da bleiben f√ľr Freie meist nur die „Krumen“. Feste und Vereine. Eben alles das, wof√ľr sich die Redakteure meist zu schade sind. Plus Abend- und Wochenendtermine, weil die meisten Redakteure dann frei haben. H√§ufig sind das Rentner, die nicht unbedingt dazu verdienen m√ľssen oder Hausfrauen. Oder ehemalige Praktikanten wie ich, die dann f√ľr Hungerl√∂hne Zeilen schinden und anfangen, irgendwas blumig zu erdichten.

Zeitungsredakteure geben das in Auftrag, nehmen es ab und ver√∂ffentlichen diesen Schund. Diese Bratwurstberichterstattung √ľber Wetterg√∂tter, allgemeine Zufriedenheit, k√ľhlen Gerstensaft und leckere Bratw√ľrste. Sie suchen die N√§he der „M√§chtigen“ und schreiben den meisten nach dem Maul – au√üer, der Herr Verleger oder der Chefredakteur haben jemand „auf dem Kieker“ – der wird dann „runtergeschrieben“. Ansonsten dient man sich an.

Redakteure bilden den unsolidarischst-vorstellbaren Haufen

Es gibt keinen unsolidarischeren Haufen als diese Zeitungsredakteure, die sich einen Dreck drum scheren, wie es „ihren“ freien Mitarbeitern geht. Meist erlebt man Arrogantlinge, die vor Selbst√ľberheblichkeit kaum noch laufen k√∂nnen und mit ihrer Schere im Kopf st√§ndig bem√ľht sind, keinen √Ąrger zu bekommen, statt „Anwalt des Lesers“ zu sein und „Missst√§nde aufzudecken“. Sie halten sich f√ľr „unabh√§ngig“ – wie wenig sie das sind, zeigt ihr Streik.

Redakteure, die es genie√üen, hoffiert zu werden, die selbstverst√§ndlich immer ihre „Extra-Wurst“ einfordern, sich auf Reisen einladen lassen, sich beschenken lassen und „Presserabatte“ einfordern. Und ihr Sal√§r gerne mal mit einer „Moderation“ aufarbeiten und gar nicht so selten in ihrer Freizeit „Berichte“ f√ľr Unternehmen oder Politiker schreiben, die sie als „Pressemitteilung“ dieser Unternehmen oder Politiker dann als „Grundlage“ f√ľr ihre „journalistischen Berichte“ verwenden.

Sie agieren dabei genauso, wie viele Chefredakteure und Redaktionsleiter, die in teure Hotels zu wichtigen Konferenzen eingeladen werden, wo Unternehmen, Politiker, Verb√§nde und Lobbyisten dann „Themenstrecken“ und Anzeigenbuchungen aushandeln. Und vor allem, √ľber was nicht berichtet wird.

Man kann vermuten, dass einige Redakteure bei Tageszeitungen journalistisch auch einfach zu inkompetent sind, um dieses Zusammenhänge verstehen zu wollen, geschweige denn zu sehen. Man liegt aber auch richtig, wenn man annimmt, dass viele dies schweigend zur Kenntnis nehmen und wissen, was sie und was sie nicht zu berichten haben.

Transparenz √ľber die Hintergr√ľnde ihrer Arbeit findet man von den Redakteuren in den Zeitungen so gut wie niemals.

Und diese Leute fordern nun Solidarität. Also einen Zusammenhalt, eine Haltung?

Arrogante Verlogenheit

Wer sich und andere √ľber Jahrzehnte selbst bel√ľgt, kann wahrscheinlich die eigene Verlogenheit irgendwann nicht mehr erkennen.

Mit dem Blick von au√üen sehe ich aber keinen Grund, mich mit diesen Leuten zu solidarisieren, von denen ich und die allermeisten freien Journalisten in Deutschland niemals „Solidarit√§t“ erfahren haben.

Und wenn Leserinnen und Leser w√ľssten, wie respektlos und despektierlich sich „Redakteure“ oft √ľber ihre Kunden auslassen – sie w√§ren entsetzt. „Die da drau√üen“ sind f√ľr viele Redakteure einfach nur dumme Leute. Solange es kaum eine M√∂glichkeit gab, die „Kontrolleure“ zu kontrollieren, mussten die Leute „glauben, was in der Zeitung steht“.

Das Internet hat das ver√§ndert – heute gibt es so viele Quellen und so viele M√∂glichkeiten sich per email, Facebook oder anderen Medien zu informieren und auszutauschen. Und es gibt viele Redakteure, die ihre Verachtungshorizont auf das Internet ausgeweitet haben, wo man angeblich „nur Dreck findet“. Und es gibt nicht wenige, die stolz darauf sind, dass sie das Internet nicht benutzen.

Darin unterscheiden sie sich nicht von denen, gegen die sie gerade streiken – die Verleger als Arbeitsgeber.

Nachtrag:
Alle Redakteure, mit denen ich gut zusammengearbeitet habe und dies weiterhin tue, schließe ich selbstverständlich aus und hoffe, dass sie ihren schweren Stand weiter halten können.

Zeitungsstreik: „Finger weg vom Mantel“


Wer ist wir und bittet "um Verst√§ndnis"? Das ist die einzige Information heute zum Streik der Angestellten beim MM. Gehts d√ľrftiger?

Mannheim/Rhein-Neckar, 28. Juni 2011. (red) √úberall in Baden-W√ľrttemberg streiken zur Zeit Redakteure, Drucker und Verlagsangestellte. Der Grund: Die schamlose Forderung der Verleger, Tarifvertr√§ge nicht nur nicht zu erh√∂hen, sondern im Gegenteil deutliche Einkommenseinbu√üen zu aktzeptieren. Die Zeitungsbranche-¬† ist einer massiven Krise. Den Streik werden die Verleger gewinnen – wenn nicht, werden die Redaktionen umgebaut und die Verlage w√§hlen die Tarifflucht.

Von Hardy Prothmann

Beim „Mannheimer Morgen“ ist es der Tag der Volont√§re, freien Mitarbeiter und Praktikanten: Sie d√ľrfen endlich einmal ihr K√∂nnen unter Beweis stellen, w√§hrend 65 der 80 gestandenen Redakteure im Streiklokal sitzen und das weitere Vorgehen beraten. Vier Druckseiten d√ľnner ist das Blatt am Freitag. Horst Roth, Chefredakteur und Mitglied der Gesch√§ftsleitung, √§rgert sich √ľber den Ausstand: „Bei jedem Streik stehen wir in der ersten Reihe.“

So beginnt ein Bericht auf Spiegel Online am 30. Januar 2004. √úber 2.000 der damals noch 14.000 Zeitungsredakteure waren damals im Ausstand. Die Forderungen der Gewerkschaften dju (Deutsche Journalisten-Union in ver.di) und DJV (Deutscher Journalistenverband) sind fast bescheiden zu nennen: Sie wollen, dass die Manteltarifvertr√§ge f√ľr Redakteure, Drucker und Verlagsangestellte nicht angetastet werden. Also so eine Art Nullrunde.

20-25 Prozent weniger fordern die Verleger

Ganz anders die Verleger: Sie wollen neue tarifliche Regelungen und 20-25 Prozent weniger zahlen. Ein Redakteur steigt heute mit rund 3.200 Euro Brutto ein, nach zehn Jahren verdient er etwa 4.500 Euro brutto. Ein Beruftseinsteiger hat heutzutage typischerweise ein Studium hinter sich und eine ein bis dreijährige Volontariatszeit, meist kommen ein bis zwei Jahre Praktika und freie Mitarbeit hinzu. Das bedeutet eine knapp zehnjährige Ausbildung mit einem aus Verlegersicht angemessen Einstiegsgehalt von dann 2.400 Euro brutto.

2004 zitiert Spiegel online einen Redakteur der S√ľddeutschen Zeitung:

Rainer Olbert, Nachrichtenredakteur der „S√ľddeutschen Zeitung“, der wie 180 seiner Kollegen im S√ľddeutschen Verlag die Arbeit niederlegte, l√§sst das Argument des FAZ-Betriebsrats nicht gelten: „Die Zeitungsverleger d√ľrfen die schwierige wirtschaftliche Lage nicht dazu nutzen, einen Horrorkatalog aufzustellen.“ Hinnehmbar sei eine Lohnerh√∂hung, die nur die Inflation ausgleiche, inakzeptabel sei aber, Leistungen zu k√ľrzen, sagt er.

Wie m√ľssen die Arbeitnehmer in Verlagen heute die Lage sehen, wenn die Forderungen 2004 schon der „Horror“ waren? Als Super-Horror? Als Lohn-Gau?

Gerhard Vohs, Mannheimer ver.di-Sektret√§r im Fachberich 8 (Medienbetrieben, Journalismus, Kulturellen Einrichtungen, Bildender und Darstellender Kunst, Literatur und Musik, Druckindustrie, Papier, Pappe und Kunststoffverarbeitenden Betrieben, Betrieben der industriellen Dienstleistung) bringt die Forderung auf den Punkt: „Finger weg vom Mantel“.

Hei√üt, keine K√ľrzungen bei Urlaubsgeld – momentan erhalten Redakteure 14 Monatsgeh√§lter bei einer 35-Stunden-Woche. „2007 und 2008 waren Spitzenjahre f√ľr die Verlage, 2009 bis heute konnten die Zeitungen wohl nicht in gleichem Ma√üe vom Aufschwung profitieren wie die erzeugende Industrie, aber immer noch wird gut verdient.“

Zweistellige Umsatzrenditen bei Verlagen

Wie gut, l√§sst sich nicht genau sagen, weil die Verlage sich nicht in die Karten schauen lassen. Mitte der Neunziger galten Umsatzrenditen von √ľber 20 Prozent noch fast als „normal“, mittlerweile m√ľssen sich viele Verlag mit „nur noch“ zehn bis f√ľnfzehn Prozent „zufrieden geben“.

Auch wenn das Produkt nicht vollwertig ist - der Abonnent zahlt trotzdem. Quelle: Impressum MM

Um die Gewinne hoch zu halten werden die Redaktionen immer mehr ausged√ľnnt – redaktionelle Inhalte werden mit Pressemitteilungen und Vereintexten gef√ľllt. Freie Mitarbeiter f√ľhlen die Zeilen f√ľr einen Hungerlohn. Am √ľbelsten wird den meist freien Fotografen mitgespielt, die technisch immer auf der H√∂he der Zeit sein m√ľssen und nur noch Minimalsthonorare erhalten, wenn nicht freie Mitarbeiter ohne Fotografiekenntnisse die Bilder vor Ort gleich mitmachen.

Der dumme ist der Kunde

Laut Gerhard Vohs sind rund 80 Prozent der 80 Redakteure beim Mannheimer Morgen gestern und heute im Ausstand. Bei der Rhein-Neckar-Zeitung haben sich die Kollegen nicht angeschlossen, dort sei man „verunsichert“. Vohs sagt: „Die Stimmung ist fast √ľberall in Baden-W√ľrttemberg so, dass wir vielleicht sogar eine ganze Woche in den Streik gehen k√∂nnten, das wird dann bitter, weil keine vorgefertigten Texte mehr da sind und nur noch echte Notausgaben erscheinen k√∂nnten.“

In den Zeitungen selbst wird kaum √ľber die Streik berichtet, die die eigene Branche betreffen.

Egal, wie die Verhandlungen ausgehen – die Abonnenten zahlen unabh√§ngig vom Produkt und den Inhalten den vollen Preis. Auch hier zeigen die Verleger sich knallhart. Wem das nicht gef√§llt, kann nat√ľrlich das Abo k√ľndigen. Bei den Tarifverhandlungen haben dju und DJV meist klein beigegeben – zu gro√ü ist der Druck im Arbeitsmarkt. Abo-K√ľndigungen aber f√ľrchten die Verleger, denn die Auflage diktiert immer noch die unversch√§mten Anzeigenpreise.

Ausgliedern als ultima ratio

Landauf- landab haben viele Verlage schon vorgemacht, wie sie damit umgehen, wenn die Gewerkschaften nicht spuren. Dann werden Redaktionen kurzerhand entlassen und neue GmbHs gegr√ľndet, bei denen die Redakteure sich dann mit teil 40-prozentiger Einkommenseinbu√üen wieder verdingen k√∂nnen.

Wer nicht spurt, fliegt raus und kann sicher sein, nirgendwo anders einen Job zu erhalten – es sei denn, zu noch schlechteren Bedingungen.

Das Drama der journalistischen Bedeutungslosigkeit – der Fall Kachelmann ist beispielhaft f√ľr den „Fall“ des Mannheimer Morgens


Journalistisch nur verloren und nichts gewonnen hat vor allem der MM. Quelle: MM

Mannheim/Rhein-Neckar/Deutschland, 31. Mai 2011 (red) √úberall in Deutschland wurde gestern schon √ľber den Freispruch von J√∂rg Kachelmann berichtet. Der Prozess um eine mutma√üliche Vergewaltigung hat seit gut einem Jahr deutschlandweit Schlagzeilen gemacht. Bunte, Focus, Bild und Spiegel haben die Berichterstattung „vorangetrieben“. Ein wenig auch die Agenturen. Mit Sicherheit auch „das Internet“. Keine Rolle hingegen spielte der Mannheimer Morgen.

Von Hardy Prothmann

Um eines klipp und klar festzustellen: Die meisten gro√üen Medien haben im „Fall Kachelmann“ nicht nur versagt, sondern deutlich gemacht, wie erb√§rmlich es um den „Journalismus“ in Deutschland bestellt ist. Allen voran Alice Schwarzer, die sich f√ľr sich f√ľr Bild ins Zeug gelegt hat und Gisela Friedrichsen f√ľr den Spiegel.

Schl√ľpfriger Journalismus

Scheckbuch-Journalismus √ɬ° la Bunte, 50.000 Euro f√ľr ein Interview mit einer Ex-Geliebten, die schl√ľpfrige Details erz√§hlt, die nichts, aber auch gar nichts mit dem Prozess an sich zu tun haben, ist nur Blick in den pornografischen Abgrund des „Unterhaltungsjournalismus“ gewesen.

Bis heute fehlt eine Distanzierung durch den „allseits geachteten“ Dr. Hubert Burda √ľber die Verfehlungen in und durch seine Medien in diesem „spektakul√§ren“ Prozess.

Verlierer-Journalismus

Der Mannheimer Morgen kommentiert heute: „Nur Verlierer.“ Und urteilt wahr und richtig. Der angebliche Vergewaltiger Kachelmann ist ein Verlierer. Das angebliche Vergewaltigungsopfer, eine Radiomoderatorin, ist eine Verliererin. Das Mannheimer Landgericht ist ein Verlierer. Die Staatsanwaltschaft ist eine Verliererin.

Und der Mannheimer Morgen hat auf ganzer Linie versagt und verloren. Der lokale Platzhirsch spielte journalistisch auch nicht den Hauch ein Rolle in diesem Drama. Kennen Sie eine exklusive Meldung der Zeitung in dem Fall? Eine Nachricht von Bedeutung? Die eine Rolle gespielt hätte? Die etwas oder jemanden bewegt hätte? Nein? Ich auch nicht.

Die Presseerkl√§rung des Landgerichts besch√§ftigt sich fast nur am Rande mit dem Prozess und dem Urteil. Zentraler Inhalt ist ein Frontalangriff auf „die Medien“.

Frontalangriff auf die Medien

Und dieser Angriff aus der Verteidigungsposition heraus ist sogar nachvollziehbar. Die Richter waren in ungekanntem Ausma√ü Teil der Berichterstattung. Vor allem negativer. Wie fatal unprofessionell die Richter sich verhalten haben, reflektieren sie dabei nicht. Sonst m√ľssten sie sich ja nicht in diesem unerwarteten Ma√ü beschweren und rechtfertigen.

Dieser Frontalangriff galt mit Sicherheit nicht dem Mannheimer Morgen. Der hat sich weder durch schl√ľprige Details noch durch andere Informationen hervorgetan, sondern alle anderen Medien in seinem Vorgarten spielen und eine riesige Verw√ľstung anrichten lassen.

Journalistischer Ehrgeiz? Kein Funke

Nicht einmal war der Funke eines journalistischen Ehrgeizes erkennbar. Der Wille, mit solider Recherche oder starker Meinung oder Lokalkompetenz so exklusiv und √ľberzeugend zu sein, dass andere „gen√∂tigt“ werden zu schreiben: „Wie der Mannheimer Morgen berichtet…“

(Falls es doch einmal in einem Jahr gelungen sein sollte, erkenne ich das nach in Kenntnissetzung an und bitte um Hinweis auf Korrektur bevor eine mit Kosten verbundene Abmahnung geschrieben werden sollte.)

Heute morgen werden die Menschen in den Spiegel schauen und sich vielleicht die ein oder andere Frage dabei stellen.

Der Strafverteidiger Johann Schwenn wird vermutlich denken: Guter Job!

Jörg Kachelmann wird denken: Nein, danke.

Alice Schwarzer wird denken: Doch!

Gisela Friedrichsen wird denken: Wie ungerecht!

Die Radiomoderatorin wird denken: (Nicht-öffentlich)

Stefan Eisner (unbekannter MM-Redakteur, der den Kommentar geschrieben hat.) denkt: Nur Verlierer.

Horst Roth, der MM-Chefredakteur wird denken…

Keine Ahnung, was Herr Roth denkt.

Vermutlich denkt er. Irgendwas. Dass er auch nur im Ansatz dar√ľber nachgedacht hat, wie man diesen Prozess journalistisch „top“ begleitet, darf man getrost in Frage stellen. Und wenn das so gewesen sein sollte, war er leider nicht erfolgreich.

Lordsiegelbewahrer der gepflegten Bratwurstberichterstattung

Herr Roth darf sich gerne aber als „Lordsiegelbewahrer“ f√ľhlen, denn er f√ľhrt eine lange Tradition fort. Ob „K√∂nigsmord der SPD„, Peter Graf-Prozess, Flowtex-Skandal, aktuell Bilfinger & Berger und die Nigeria-Connection – seit nunmehr fast 15 Jahren ist der Mannheimer Morgen kaum mehr in der Lage, eine „Nachrichtenquelle“ f√ľr andere Medien zu sein.

Terminberichterstattung, Fasnacht, Vereine, Bratwurstjournalismus und „desh√§mmerschunimmersogemacht“ bestimmen die journalistische Minderleistung dieser ehemals geachteten Zeitung.

Dabei ist Mannheim ein deutsche Metropole. Eine Top-Stadt, in der „was geht“ – immer wieder. Mit 300.000 Einwohnern ist die Stadt nicht sehr gro√ü, aber sie hat gro√ües Potenzial. Politisch, kulturell, wirtschaftlich und sportlich.

Der Mannheimer Morgen bildet das leider so gut wir gar nicht ab. Er bedient die lokalen Zirkel und vor allem seinen Terminkalender, schaut dabei hilflos der sinkenden Auflage zu und feiert sich selbst daf√ľr… Wof√ľr? Vermutlich, dass es ihn √ľberhaupt noch gibt.

Das Drama der journalistischen Bedeutungslosigkeit ist kaum an einer anderen Zeitung so „dokumentierbar“ wie am Mannheimer Morgen.

 

Vergurkte Berichterstattung – Panikmache made by „Qualit√§tsjournalismus“


Mannheim/Weinheim/Heidelberg/Rhein-Neckar, 28. Mai 2011. (red) Die Erregung √ľber Erreger hat zwei Ursachen – einerseits ein Qualit√§tsproblem bei der Erzeugung von Nahrungsmitteln. Andererseits ein Qualit√§tsproblem bei der Erzeugung von Nachrichten. Die Verbraucher sind verunsichert – als Konsumenten von Nahrungsmitteln. Dabei sollten sie als Konsumenten von Informationen viel vorsichtiger sein. W√§hrend man dem Darmkeim auf der Spur ist und erkrankte Patienten behandelt, zeigt sich, dass der Journalismus als Massenprodukt chronisch krank ist und vielleicht auch chronisch krank macht.

Von Hardy Prothmann

Bildblog.de listet die millionenfach gelesenen falschen Schlagzeilen auf. Quelle: bildblog.de

Viele Spiegel-Leser fangen hinten an: „Dem R√ľcken die Stirn bieten“ (√Ėffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach), „Ehrliche Personen gesucht, auch Akademiker“ (Kleinanzeige Rheinpfalz), „Senioren sind mit 35 noch sehr r√ľstig“ (Rhein-Zeitung) und andere Kuriosit√§ten gibt es im „Hohlspiegel“ zu lesen. Die Patzer, ob im Redaktionellen oder im Anzeigenteil sind teils wirklich am√ľsant bis saukomisch.

Gar nicht am√ľsiert sind die Verbraucher √ľber kontaminiertes Gem√ľse, das beim Verzehr zur Infektion mit dem EHEC-Keim f√ľhren kann, woraus sich ein lebensbedrohliches h√§molytisch-ur√§mischen Syndrom (HUS) ergeben kann.

Ebenfalls nicht am√ľsiert, sondern stinksauer sind Landwirte und Handel.

Kaninchen, Kommunalpolitik, Killerkeime

In den meisten Redaktionen arbeiten keine kenntnisreichen Mediziner, die alles √ľber EHEC und HUS wissen. Vor allem in Lokal- und Regionalmedien arbeiten √ľberwiegend Journalisten, die von der Kaninchenz√ľchterschau bis zur Kommunalpolitik √ľber alle m√∂glichen Themen berichten m√ľssen. Sie sind aber meist auch keine kenntnisreichen Kaninchenz√ľchter oder Kommunalpolitiker.

Das m√ľssen sie auch nicht sein. Die einfache L√∂sung, um die Welt zu verstehen, ist der gesunde Menschenverstand. Und den kann man durch Recherche erweitern, wenn es um Spezialwissen geht. Eine einfache Regel lautet: Informationen immer durch eine zweite Quelle √ľberpr√ľfen.

Die Weinheimer Nachrichten warnen vor Salat und Tomaten "aus" Norddeutschland - wer warnt die Leser vor falschen Informationen? Quelle: WNOZ

Es gibt aber noch eine andere L√∂sung und die f√ľhrt zum Dauerd√ľnnpfiff vieler Redaktionen: Man l√§sst das mit dem √ľberpr√ľfen weg und verl√§sst sich lieber auf andere. Im „gro√üen“ Teil der Zeitung, also Politik, Wirtschaft und Sport werden Informationen der Nachrichtenagenturen ungepr√ľft √ľbernommen. Der Glaube an die Korrektheit dieser Informationen ist immer noch sehr hoch. Dazu kommen Zeit- und Arbeitsdruck – eine √úberpr√ľfungsrecherche findet nicht mehr statt.

Krankheitsverlauf einer Meldung

Am Mittwochabend, den 25. Mai 2011, schickt die Deutsche Presseagentur eine Meldung zu EHEC an die Redaktionen. Diese Meldung wird am nächsten Tag landauf, landab in millionenfach verteilten Zeitungen stehen. Darin werden die Experten vom Robert-Koch-Institut (RPI) (angeblich) zitiert:

„Vorsorglich sollte man auf rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate aus Norddeutschland komplett verzichten.“

Tats√§chlich ist das Zitat falsch. Nicht vor dem Verzehr von Gem√ľse „aus Norddeutschland“, sondern vor dem Verzehr „in Norddeutschland“ wurde in der Pressemitteilung des RKI gewarnt:

(…) empfehlen RKI und BfR √ľber die √ľblichen Hygieneregeln im Umgang mit Obst und Gem√ľse hinaus, vorsorglich bis auf weiteres Tomaten, Salatgurken und Blattsalate insbesondere in Norddeutschland nicht roh zu verzehren.

Millionenfach verbreitete "D√ľnnpfiff"-Meldung - auch der MM warnt vor Gem√ľse "aus" Norddeutschland. Quelle: MM

Die Worte „in“ und „aus“ sind klein. Man k√∂nnte jetzt sagen: „Darum so ein Aufheben zu machen, ist doch dibbelschisserig.“ Tats√§chlich ist der vom Mediensystem erzeugte Schaden aber maximal. Verbraucher in ganz Deutschland sind verunsichert und die deutsche Landwirtschaft sowie der Handel haben einen massiven √∂konomischen Schaden, weil Tomaten, Salat und Gurken kaum noch gekauft werden. Diese Produkte sind frisch und verderblich – was nicht verkauft wurde, muss entsorgt werden.

Vergurkte Berichterstattung

Auch in der Metropolregion ver√∂ffentlichen Mannheimer Morgen, Weinheimer Nachrichten und Rhein-Neckar-Zeitung die verseuchte inhaltlich falsche dpa-Meldung ohne Qualit√§tskontrolle. Dabei w√§re die denkbar einfach: Ein Klick auf Robert-Koch-Institut f√ľhrt direkt zur Quelle.

Doch daf√ľr muss man wachsam sein und Informationen aufmerksam „verarbeiten“. Bei einem Redakteur muss die Alarmglocke anspringen, wenn er „rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate aus Norddeutschland“ liest. Kann das sein? Denn die Konsequenz ist weitreichend. Dieses Gem√ľse wird sich nicht mehr verkaufen lassen. Auch andernorts wird sich Gem√ľse nicht mehr verkaufen lassen, wenn nicht klipp und klar feststeht „woher“ dieses stammt.

Kaum Herkunftsnachweise – kaum Kennzeichnungen

Leider nutzen viele Menschen das „geistige Nahrungsmittel“ Zeitung nicht mit derselben Aufmerksamkeit. Sie w√ľrden dann n√§mlich viel h√§ufiger fragen, „woher“ die Informationen stammen, die ihnen da vorgesetzt werden.

Aufmerksame Leser wissen l√§ngst, dass gro√üe Teile im „gro√üen Teil“ der Zeitung nicht gegenrecherchierte Agentur- oder PR-Meldungen sind. Und selbst wenn es eigenst√§ndig verfasste Artikel sind, gibt es h√§ufig nur eine Quelle und die ist ebenfalls h√§ufig auch noch tendenzi√∂s.

Auch die Lokal- und Regionalteile der Zeitungen sind voll von Informationen unbekannter Herkunft. Oft werden sie gar nicht angegeben oder verschleiert. Das K√ľrzel „zg“ beispielsweise steht f√ľr „zugeschickt“.

Zeitungsartikel als „C“-Ware

Was die Zeitungen gerne als „1A-Ware“ verkaufen, ist in wirklich nur „B“- oder „C“-Ware, ein wenig umverpackt und aufgeh√ľbscht, aber im Kern einfach nur ein Massenprodukt nicht lokaler oder regionaler Herkunft. Die Zeitungen k√∂nnen diese Agenturmeldungen billiger einkaufen, als wenn sie selbst Redakteure recherchieren lie√üen oder sogar ganz umsonst, wenn sie Pressemitteilungen ver√∂ffentlichen. Oder sogar noch etwas verdienen, wenn sie als Artikel getarnte „PR-„Meldungen abdrucken.

Teuer bezahlen muss das der Kunde.

Die medienkritische und immer wieder lesenswerte Internetseite „Bildblog“ berichtete, dass die dpa und andere Agenturen klammheimlich in weiteren Meldungen das Wort „aus“ durch die korrekte Zitierung „in“ ersetzt haben. Ein deutlicher Hinweis an die Leserinnen und Leser fehlt im Mannheimer Morgen, in den Weinheimer Nachrichten und der Rhein-Neckar-Zeitung sowie vermutlich in allen deutschen Zeitungen.

Denn im „Fehler unterstellen“ sind deutsche Medien f√ľhrend – im Fehler eingestehen sind sie Schlusslicht. Qualit√§t geht anders. Doch vor einer Darmspiegelung hat das System Angst – man sp√ľrt die Geschw√ľre und will gar nicht genau wissen, wie schlimm es um den Patienten Zeitung schon steht.

Der Gurkenskandal wird vor√ľbergehen, der mediale D√ľnnpfiff wird bleiben. Die Ansteckungsgefahr innerhalb des Mediensystems ist enorm hoch.

Die RNZ berichtet am 26. Mai 2011 die falsche Information "aus Norddeutschland". Quelle: RNZ

Einen Tag später heißt es korrekt "in" - eine Klarstellung an die Leser fehlt. Quelle: RNZ

Atelier 47: Zu schade, wenn es zu „intim“ bleibt


Guten Tag!

Ladenburg, 26. Mai 2011. (red) Gestern hat der Mannheimer Morgen √ľber ein Konzert in Ladenburg berichtet: „Intime Atmosph√§re inspiriert„. Das machen Zeitungen und andere Medien so – sie berichten √ľber dies und das. Leider war uns ein Bericht zu „dies und das“ nicht m√∂glich, denn wir unterliegen einem Bann. Das Ladenburgblog hat „Hausverbot“ im Atelier 47. Wieso, weshalb, warum? Die Gr√ľnde sind nicht genau bekannt. Oder doch?

Von Hardy Prothmann

Am 06. Oktober 2010 haben wir zum ersten Mal √ľber das Atelier 47 berichtet (Berichte siehe am Schluss des Artikels unter „Diese Artikel k√∂nnten Sie auch interessieren“). Mit viel Wohlwollen. Ein K√ľnstleratelier am Marktplatz von Ladenburg. Siegmund Eibel – ein Maler, „Phil Leicht“ – ein Foto-Impressionist . Beide zusammen wollen „Zimmer-Konzerte“ veranstalten. Das kennt man sonst in Deutschland nur aus Hamburg oder Berlin.

Einmal im Monat soll es ein „gro√ües Konzert“ vor „kleinem Publikum“ geben. Keine Massenveranstaltung zu √ľberh√∂hten Preisen also. Sondern eine bewusst verknappte √Ėffentlichkeit, eine „intime“ Atmosph√§re. Besondere Veranstaltungen eben, wie man sie nicht immer erlebt. Auch Lesungen sollen geboten werden. Soweit uns bekannt, gab es bislang nur eine einzige, √ľber die wir nicht berichtet haben.

Warum? Weil eine Hamburger K√ľnstlerin zu viel kurpf√§lzische Sonne bei zuviel pf√§lzer Wein abbekommen hatte. Ein Bericht √ľber die misslungene Lesung h√§tte nur „negativ“ ausfallen k√∂nnen. Wir haben Milde walten lassen, weil wir die Idee nicht besch√§digen wollten (was wir nach wie vor nicht wollen).

Wir haben die ersten Konzerte mit viel Wohlwollen begleitet. Gut 30 Personen finden Platz bei diesen Konzerten – wenn man eng steht, k√∂nnten es auch 40 sein. Leider kamen fast nie mehr als ein Dutzend G√§ste und h√§ufig dieselben. Wieso es dem Veranstalter nicht gelingt, den Raum voll zu bekommen, ist ein R√§tsel. Die Atmosph√§re hat was, die K√ľnstler sind klasse.

Aktuell berichtet der MM von „20 G√§sten“ – bei Zahlenangaben dieser Zeitung sind wir immer sehr vorsichtig, denn meistens stimmen sie nicht. Sind mal hoch-, mal runtergerechnet. Die Rechnung kann so und so gehen: Nur G√§ste. Oder auch plus Veranstalter, plus Darsteller, plus Familienangeh√∂rige. Wir gehen von unserer Erfahrung aus und wir haben bei Zahlenangaben immer „freundlich“ gerechnet – aus der √úberzeugung heraus, dass man kleinen Projekten gerne Raum geben darf. Also anwesende Personen minus der Atelier-K√ľnstler und der auftretenden K√ľnstler.

Die G√§ste k√∂nnen eine exklusive Vorstellung von tollen K√ľnstlern genie√üen, f√ľr einen wahrhaft guten Preis von 14 Euro. Man sitzt zwar auf Biertischb√§nken, aber egal ob ganz vorne oder ganz „hinten“, man ist wirklich in der ersten Reihe.

Ganz besonders hat mich pers√∂nlich gefreut, die Veranstaltung mit dem Ditzner-L√∂msch-Duo zu besuchen. Erwin Ditzner hat schlie√ülich 2009 zusammen mit Laurent LeRoi und einem Bassisten mein Hochzeitsfest ganz hervorragend musikalisch begleitet – davon schw√§rmen noch heute alle Hochzeitsg√§ste. Abgesehen davon kenne ich den herausragenden Schlagzeuger schon seit gut 20 Jahren und seine immergl√ľhende Leidenschaft und sein Humor sind au√üergew√∂hnlich.

Anfang Januar haben wir den K√ľnstler Siegmund Eibel portr√§tiert – danach war es vorbei mit dem guten Verh√§ltnis zum „Atelier 47“. Nicht zu Siegmund Eibel – aber zu Herrn „Phil Leicht“ – der im echten Leben Schmitt hei√üt.

Vielleicht oder sogar sehr wahrscheinlich hat Herr Schmitt uns das „pers√∂nlich“ genommen, dass wir nicht „ihn“, sondern den eigentlichen Inhaber des Ateliers portr√§tiert haben. Vielleicht war das der Grund. Vielleicht war es ein anderer.

Ganz plötzlich war es vorbei mit dem guten Kontakt.

Ganz pl√∂tzlich hat sich auch der Mannheimer Morgen f√ľr diese kleine Konzertreihe interessiert und berichtet „au√üer Konkurrenz“ – denn wir haben „Hausverbot“.

Herr Schmitt zeigt sich sehr gl√ľcklich, in der Zeitung erw√§hnt zu sein – obwohl er eigentlich ein „K√ľnstler“ der Neuen Medien ist. Er experimentiert mit digitalen Fotos und verdient sein Geld in einem Steuerb√ľro.

Sein Konzept ist charmant – in k√ľnstlerischer Umgebung wird Musik geboten und nach den Konzerten soll es weiter mit „Impressionen“ gehen. Das Publikum ist danach zum Restaurantbesuch geladen. Seit Oktober allerdings schon in die dritte Lokalit√§t – vielleicht wird das als Flexibilit√§t angepriesen, tats√§chlich k√∂nnte es aber auch mit Kommunikationsproblemen zusammenh√§ngen.

Wie auch immer, was auch immer, warum auch immer. Die Konzertreihe im Atelier 47 ist eine klasse Idee.

Wir finden es sehr schade, per „Hausverbot“ ausgeladen zu sein und damit all unseren Leserinnen und Lesern keine unabh√§ngige Berichterstattung anbieten zu k√∂nnen.

Wir haben Herrn Schmitt darauf hingewiesen, dass sein selbstgew√§hlter Weg mindestens „steinig und hart“ sein kann. Selbstverst√§ndlich hat er als privater Veranstalter ein Hausrecht. Aber auch eine Pflicht gegen√ľber den engagierten K√ľnstlern, die sich sicher gerne einem Publikum pr√§sentieren. Und einem unabh√§ngigen Journalismus.

Die Entscheidung von Herrn Schmitt, √Ėffentlichkeit per Hausrecht, also „Hausverbot“, aus vermutlich „pers√∂nlichen Gr√ľnden“ zu bannen, ist nicht nachvollziehbar – vor allem, wenn die K√ľnstler mehr als eine „Kritik“ erhalten k√∂nnten. Und mehr als ein „abgesoffenes“ Bild ohne Aussage, einem dahingeschriebenen Text, an einem Tag, in einer Zeitungsausgabe.

Die Atmosph√§re ist klasse im Atelier 47 und sicher tritt hier kein K√ľnstler auf, um Geld zu verdienen. Hier kann in „intimer Atmosph√§re“ geprobt werden, ausprobiert werden, versucht werden, der Kontakt zum Publikum gesucht werden. Das ist das Honorar f√ľr die K√ľnstler – plus Fotos, plus eine verst√§ndige Berichterstattung, plus eine Verbreitung von Text und Bild √ľber das Internet und Social Media – also Aufmerksamkeit.

Einer unserer Fotografen, wollte sehr, sehr gerne Thomas Siffling, einen Ausnahme-Trompeter, fotografieren. Ohne Auftrag von uns – weil der Fotograf aber f√ľr uns t√§tig ist, unterliegt er der „Sippenhaft“, wie Herr Schmitt per email mitteilte. Auch er hat Hausverbot – seit er f√ľr das Ladenburgblog t√§tig ist.

Herr Schmitt hat nicht nur vielleicht, sondern ganz klar entschieden, dass die K√ľnstler, die im Atelier 47 auftreten, auf eine kritische Begleitung im Ladenburgblog verzichten m√ľssen. Zu schade.

„Kaninchenmord“ in Ladenburg – ermittelt jetzt eine „Soko Kaninchen“?


Ladenburg, 08. April 2011. (red) Der Mannheimer Morgen berichtet in der Ausgabe „Rhein-Neckar“ am 07. April 2011 √ľber einen „grausigen Fund“ – ein Kaninchen wurde tot in einer Plastikt√ľte gefunden. Steckt ein Kapitalverbrechen dahinter?

Von Hardy Prothmann

Es gibt Meldungen, die lassen einen auf den ersten Blick bass staunen: „Totes Kaninchen in der T√ľte: 500 Euro Belohnung ausgesetzt„, titelt der „MM“.

Es gehe um einen „grausigen Fund“, den eine Spazierg√§ngerin gemacht habe. Sie soll „am Bach zwischen Sch√ľtzenhaus und AWO-Kinderheim am Neuweg“ zwei tote Kaninchen in einer T√ľte gefunden haben.

MM-Redakteur Hans-J√ľrgen Emmerich benutzt wie √ľblich eine Pressemitteilung, in diesem Fall der „Tierschutzorganisation Peta“ und gibt sie als Eigenrecherche aus. Vollst√§ndig ungepr√ľft √ľbernimmt er Aussagen und die Darstellung, dass „der T√§ter die Kaninchen gewissenlos get√∂tet hat“.

Ein Bild der Deutschen Nachrichtenagentur (dpa) bekommt die Bildunterschrift: „Klein, s√ľ√ü und unschuldig: Ein Kaninchen wie dieses musste trotzdem sterben, Tiersch√ľtzter suchen jetzt nach dem T√§ter.“

Behauptungen statt Fakten

Die Behauptung von Peta, die Polizei habe sich nicht gek√ľmmert, l√§sst er weg, denn er erh√§lt die Auskunft, dass die Polizei sehr wohl die toten Tiere in Augenschein genommen und danach dem Bauhof zur Entsorgung √ľbergeben hat. „Spuren von Gewalteinwirkung“ wurden nicht entdeckt, schreibt Emmerich. Wir haben das √ľberpr√ľft und auch uns gegen√ľber best√§tigt das die Polizei.

Emmerich erf√§hrt auch, dass nur ein Kaninchen in der T√ľte gefunden wurde und ein zweites in der N√§he. Er dokumentiert das auch – freilich ohne sich selbst die Frage zu stellen, was die „Zeugenaussagen“ und die Behauptungen wert sind. Die Spazierg√§ngerin sagt: Zwei Kaninchen in der T√ľte. Peta behauptet das in der Pressemitteilung – die Polizei sagt, ein Kaninchen in der T√ľte, ein zweites Wildkaninchen mit „Wildfra√üspuren“ in der N√§he.

Keine „Soko Kaninchen“

Die Polizei hat auf eine „Autopsie“ verzichtet, denn sie konnte durch Augenschein keine Gewalteinwirkung feststellen. Sie spricht auch nicht vom „T√§ter“, sondern vom „Betroffenen“ – so hei√üt das im Falle einer m√∂glichen Ordnungswidrigkeit. Denn richtig ist, dass man Tiere nicht einfach in der Gemarkung entsorgen darf. Selbstverst√§ndlich ist der „Vorgang aktenkundig“ – auf die Einrichtung einer „Soko Kaninchen“ hat die Polizei aber verzichtet.

Tats√§chlich wurde also ein totes Kaninchen in einer T√ľte gefunden und zu einer Story aufgeblasen, deren Inhalt mehr als fragw√ľrdig ist. 500 Euro Belohnung? „Zur Ergreifung des gewissenlosen T√§ters?“ Ein Zeugenaufruf „zur Ergreifung des T√§ters“, der „jeden Respekt vor dem Leben verloren hat“, wie die „Kampagnenleiterin“ von Peta, Nadja Kutscher, zitiert wird?

Verbrechen?

Woher wei√ü die Frau, die in Stuttgart lebt und die Kaninchen nicht gesehen hat, ob hier „Gewalt im Spiel“ war? Wieso geht sie davon aus, dass „der T√§ter die Kaninchen get√∂tet hat“? Wie kann sie behaupten, dass jemand „die Kaninchen gewissenlos get√∂tet hat“? Wie kommt sie darauf, von einem „Verbrechen“ zu sprechen?

Nur soviel ist sicher: Das Ablegen von Tierkadavern im √∂ffentlichen Raum ist eine Ordnungswidrigkeit. Die hat wohl stattgefunden. Die Frage, warum, ist nicht gekl√§rt und wird es wohl auch nie werden. Vielleicht ist das Kaninchen einfach so gestorben. Und der „T√§ter“ hat keinen Garten, um es zu verbuddeln und kein Geld, um es einer „Entsorgung“ zuzuf√ľhren oder war schlicht und einfach √ľberfordert.

Wenn der „T√§ter“ clever ist, stellt er sich selbst der Polizei, kassiert die Belohnung, zahlt davon das Ordnungsgeld und beh√§lt bestimmt noch jede Menge Geld √ľbrig.

Der MM kann dann eine „Geschichte nachschieben“: „Eiskalt – wie der T√§ter seine gruselige Ordnungswidrigkeit auch noch zu Geld machte. Hat er √ľberhaupt kein Gewissen?“

Gastbeitrag: „Der Presse Freiheit kann auch schmerzhaft sein.“


Guten Tag!

Rhein-Neckar/W√ľrzburg, 29. M√§rz 2011. (Main-Post/red) Die W√ľrzburger Main-Post leistet sich einen „Leser-Anwalt“. Anton Sahlender, Mitglied der Chefredaktion, nimmt Leserfragen und -beschwerden entgegen, pr√ľft die Inhalte und ver√∂ffentlicht im Anschluss die Ergebnisse. Ein vorbildlicher Service, wie wir meinen.

Vorbemerkung: Aktuell geht es um einen B√ľrgermeister, der seiner gesetzlich festgelegten Auskunftspflicht nicht nachkommt. Die Main-Post hat deshalb sogar eine Klage angestrengt und gewonnen. Die Reaktionen sind „schmerzhaft“ f√ľr die Zeitung – es werden b√∂se Unterstellungen ge√§u√üert und Abos abbestellt. Nur, weil die Zeitung die Presse- und damit die Meinungsfreiheit verteidigt, gegen einen B√ľrgermeister, der sich nicht an die Gesetze h√§lt und den Artikel 5 Grundgesetz √ľber die Meinungsfreiheit und das Presserecht mit F√ľ√üen tritt.

"Leseranwalt" Anton Sahlender sorgt f√ľr Transparenz bei der W√ľrzburger Main-Post. Quelle: MP

Von Anton Sahlender, Leseranwalt der Main-Post

Der Leseranwalt: Der Presse Freiheit kann auch schmerzhaft sein – f√ľr Betroffene und f√ľr Redaktionen

Je nachhaltiger Journalisten ihre Freiheiten nutzen, desto mehr m√ľssen sie selbst ertragen k√∂nnen. Denn der Presse Freiheit ist auch schmerzhaft. Zuerst f√ľr Betroffene, dann aber oft auch f√ľr Redaktionen.

Hier aktuelle Kostproben: Der B√ľrgermeister einer Kleinstadt wird in der Zeitung h√§ufig f√ľr seine Amtsf√ľhrung kritisiert. √úber einen langen Zeitraum gibt er dazu immer wieder neu Anlass. Er pflegt eine wenig b√ľrgerfreundliche Geheimhaltung von Amtshandlungen und kommt seiner Auskunftspflicht gegen√ľber Medien nur unzureichend nach. Das sagt nicht nur die Redaktion, sondern auch das Verwaltungsgericht in einer Entscheidung.

Auskunftpflichten gegen√ľber Journalisten sind B√ľrgermeistern und Amtsleitern per Gesetz vorgeschrieben. Medien m√ľssen in einer Demokratie ungehindert √ľber politisches und amtliches Handeln informieren k√∂nnen. In der Kleinstadt ist die Folge der redaktionellen Nachhaltigkeit f√ľr B√ľrgers Information nicht nur Lob. Proteste und sogar Abbestellungen sind eingetroffen. Darunter Zuschriften, in denen der Redaktion Menschenjagd und allerlei weitere journalistische Tods√ľnden vorgeworfen werden. Au√üerdem schimpft man: Die Zeitung schade der ganzen Stadt.

Ein anderer B√ľrgermeister wollte letzte Woche verbieten, dass Informationen √ľber den Haushalt, die er an Journalisten verk√ľndete, ver√∂ffentlicht werden, bevor der Stadtrat sie beschlossen hat. Diese Zeitung mochte Lesern aber nicht nur vollendete Tatsachen bieten. Sie hat gleich berichtet. Des B√ľrgermeisters Androhung presserechtlicher Schritte blieb wirkungslos: Denn Redaktionen haben die (Presse-)Freiheit, selbst √ľber die Bedeutung einer Nachricht zu entscheiden und somit dar√ľber, wann sie erscheint.

Zu meiner Sammlung von Reaktionen auf die Freiheit, auch Meinungen vielf√§ltig zu vertreten, geh√∂rt neuerdings diese Klage: ‚ÄěLesen Sie die √§tzenden und abf√§lligen Kommentare eines Henry Stern gegen Franz Josef Strau√ü und alle Nachfolger. Gewollt h√§ssliche Bilder unserer Kanzlerin Merkel und b√∂sartige Karikaturen eines Dieter Hanitzsch schlagen in die gleiche Kerbe. √úberparteilichkeit stelle ich mir anders vor.‚Äú – Ich ahne das Wie dieser Vorstellung. √úberdies war Strau√ü schon nicht mehr unter uns, als Henry Stern M√ľnchner Korrespondent wurde.

Das waren Momentaufnahmen, keine Klagen. Journalisten muss man nicht m√∂gen. Verst√§ndnis f√ľr Pressefreiheit in einer Demokratie aber, die muss jeder ertragen k√∂nnen. Mit der Abbestellung einer Zeitung kann man sie jedenfalls nicht abschaffen.“

Anmerkung der Redaktion:
Wir stehen mit Anton Sahlender vor allem √ľber Facebook in regelm√§√üigem Kontakt und sind in journalistischen Fragen nicht immer einer Meinung ;-).

Aber wir unterst√ľtzen nat√ľrlich gerne als Berufskollegen aus Solidarit√§t die Haltung hinter dieser Ver√∂ffentlichung und haben darum gebeten, den Text √ľbernehmen zu d√ľrfen. Herr Sahlender hat dem umgehend zugestimmt.

Wir handeln aber auch nicht ganz uneigenn√ľtzig, sondern im Interesse unserer Leserinnen und Leser, da wir das Ph√§nomen von auskunftsunwilligen Beh√∂rden sehr gut kennen. Der Heddesheimer B√ľrgermeister Michael Kessler ist so ein „Spezialfall“, der seiner Auskunftspflicht erst nachgekommen ist, nachdem er einen durch uns veranlassten „freundlichen Hinweis“ erhalten hat. Bis heute versucht er weiterhin unsere Arbeit mit allen m√∂glichen Mitten zu behindern.

Unterst√ľtzt wird er dabei vom Mannheimer Morgen – einer Zeitung der Solidarit√§t unter Journalisten nichts gilt. Ganz im Gegenteil. Man hat den Eindruck, dass es der Zeitung sehr recht ist, wenn „die Konkurrenz“ Probleme hat und man sich dadurch einen Vorteil verspricht. Das ist bedauerlich, liegt aber allein im Ermessen der Zeitung und geh√∂rt anscheinend zur „Unternehmenskultur“.

Der Mannheimer Morgen ist dabei in guter Gesellschaft – viele deutsche Monopolzeitungen haben sich mit √∂rtlichen „Interessenvertretern“ aus Politik und Wirtschaft verbandelt. Dementsprechend manipuliert ist die Berichterstattung. Siehe Stuttgart21 beispielsweise. (stern √ľber den Filz von Politik, Geld und Medien)

Die Haltung der Main-Post ist aus unserer Sicht vorbildlich und entspricht dem, was man als Leserin oder Leser von Medien erwarten können muss: Eine unabhängige und kritische Berichterstattung.

Die parteiische Zeitung steuert die Wahrnehmung und manipuliert die freie Meinungsbildung


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 15. M√§rz 2011. (red) Unsere Analyse hat eine absolut CDU-dominierte Berichterstattung durch den Mannheimer Morgen ergeben. Was hei√üt das f√ľr die Landtagswahl?

Von Hardy Prothmann

Die kommende Landtagswahl wird spannend. Quelle: LpB.

Unsere Prognose ist klar: Der CDU-Kandidat Georg Wacker wird den Wahlkreis Weinheim gewinnen.

Einige der Gr√ľnde sind klar: Die regierenden Parteien sind immer im Vorteil gegen√ľber der Opposition.

Und je d√∂rflich-traditioneller es zugeht, um so sicherer gewinnt die CDU. Orte wie Hirschberg, Ladenburg und Heddesheim passen in das Schema. Sie liegen zwar im Speckg√ľrtel der Gro√üstadt, sind aber bislang h√§ufig noch d√∂rflich-traditionell bestimmt.

Georg Wacker f√ľhrt "bevorzugt". Bild: CDU

Trotzdem gibt es einen Umbruch Рnicht nur wegen Stuttgart21, sondern vor allem wegen der veränderten Arbeits- und Lebensbedingungen. Und vor allem wegen der veränderten Kommunikation Рerst durch die Telekommunikation, dann durch das Internet.

Als „stabiler“ Faktor der Kommunikation wird immer noch die Zeitung begriffen. Die ist im s√ľddeutschen Raum traditionell eher konservativ und „st√ľtzt“ dementsprechend auch die vermeintlichen W√ľnsche der Leser.

Uli Sckerl (Gr√ľne) wird am wenigsten berichtet. Foto: hirschbergblog.de



Unsere quantitative Analyse der Berichterstattung √ľber die Kandidaten im Mannheimer Morgen hat ein eklatantes Missverh√§ltnis von Bedeutung und Berichterstattung √ľber die Kandidaten ergeben.

Der Kandidat Georg Wacker (CDU) dominiert mit gro√üem Abstand die Berichte – rein quantitativ gesehen. Aber diese mediale Dominanz verschafft ihm nat√ľrlich enorme Vorteile bei der Wahl.

Interessant ist der Kandidat Gerhard Kleinböck (SPD). Er liegt in unserer Betrachtung zwar hinter Georg Wacker auf Platz zwei Рaber unsere Betrachtung ist keine diffizile wissenschaftliche Auswertung.

Bei genauer Betrachtung hat Herr Kleinb√∂ck im Rhein-Neckar-Teil des Mannheimer Morgens vor allem im Februar jede Menge „Punkte“ durch die Debatte um eine Fu√üg√§ngerzone in Ladenburg geholt.

Dadurch hat er sich von den anderen zwei Kandidaten abgesetzt – es w√§re allerdings ein Trugschluss zu glauben, dass er auch in der „Breite“ eine h√∂here Wahrnehmung erhalten h√§tte. Die Wahrnehmung ist auf die Fu√üg√§ngerzonen-Debatte begrenzt.

Ohne diese Aufmerksamkeit w√§re Herr Kleinb√∂ck wahrscheinlich mindestens um eine „halbe Note“ abgest√ľrzt – zumindest, was die Berichterstattung im Mannheimer Morgen angeht.

Gerhard Kleinböck - hat in Ladenburg aufgeholt. Bild: SPD

Viel muss nicht gleichzeitig „gut“ hei√üen – Herr Kleinb√∂ck hat sich durch einige seiner Auftritte und Forderungen keinen Gefallen getan, was ausgiebig im Mannheimer Morgen berichtet wurde. In der Rhein-Neckar-Zeitung kommt Herr Kleinb√∂ck meist sehr gut weg, schlie√ülich ist der „Ladenburger Korrespondent“ ein aktives SPD-Mitglied.

Umgekehrt hat der Kandidat Hans-Ulrich Sckerl (Gr√ľne) bundesweit f√ľr Schlagzeilen gesorgt, weil er Mitglied im Untersuchungsausschuss zur Aufkl√§rung des „brutalen“ Polizeieinsatzes Ende September 2010 war. Hunderte von Verletzten aus den Reihen der Stuttgart21-Gegner hatte es gegeben. Und Sckerl war auch bundesweit in der Presse zitiert in Sachen Verdeckter Ermittler in Heidelberg. Ein Polizist hatte Studenten ausgespitzelt.

Doch diese „landespolitischen Themen“ haben in einem Provinzblatt wie dem Mannheimer Morgen kein gro√ües Gewicht – schon gar nicht im Regionalteil.

Stattdessen schiebt sich hier eine im Vergleich vollkommen bedeutungslose Hinterb√§nklerin, wie man Frau Dr. Birgit Arnold (FDP) bewertet werden kann, noch vor den vielzitierten und beachteten Gr√ľnen-Politiker Sckerl.

Mit einer objektiven Berichterstattung, die sich an Inhalten und Relevanz der Themen orientiert, hat die Berichterstattung im Mannheimer Morgen meist wenig zu tun. Viel eher mit der der Best√§tigung der „redaktionellen Linie“, die es aber nicht gibt, weil die Redaktion keine Linie hat.

Beim MM wird von „oben“ durchgereicht, was und wer „ins Blatt“ kommt. Georg Wacker ist der Spitzenkandidat, der „bevorzugt“ berichtet wird.

Die anderen fallen demgegen√ľber klar ab, auch wenn Herr Kleinb√∂ck kurz eine „B√ľhne“ geboten wurde.

Das System der provinziellen Berichterstattung hat lange funktioniert – jedenfalls solange es kein Internet gegeben hat. Langsam aber sicher verschieben sich die Aufmerksamkeiten.

Mit ziemlicher Sicherheit darf man annehmen, dass die apokalyptischen Zust√§nde in Japan „vor Ort“ eine kleine Rolle spielen werden – vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass gerade die baden-w√ľrttembergische CDU die Atomenergie ohne Zweifel immer unterst√ľtzt hat.

Herr Wacker taugt als „Ausstiegskandidat“ ebensowenig wie Frau Dr. Arnold. Entweder hatten sie keine oder eine linientreue Haltung zur Atomenergie.

Im Mannheimer Morgen ist die Hinterbänklerin Arnold wichtiger als der Innenexperte Sckerl. Foto: hirschbergblog.de

Falls Sie sich √§u√üern und in der Zeitung mit Aussagen zu einem Ausstieg zitiert werden sollten, darf man das getrost als „dummes Geschw√§tz“ abtun, weil sie erstens keine Einflusstr√§ger in der Sache sind und zweitens wenig Ahnung haben.

Gerhard Kleinb√∂ck hingegen hat eine klare Linie bezogen – auch in unserer Umfrage unter Landtagskandidaten und seinem Beitrag „Was mir sonst wichtig ist…“. F√ľr ihn war vor Wochen schon der Atomausstieg eine klare Pr√§ferenz.

Uli Sckerl ist vollkommen unverd√§chtig in Sachen Atompolitik einen Schlingerkurs zu fahren. Er fordert den Ausstieg schon lange konsequent und vern√ľnftig.

Das Problem aus seiner Sicht muss dabei sein, dass er im Gegensatz zu Herrn Wacker nur zu einem Drittel in der Zeitung √ľberhaupt stattfindet.

Interessant ist, dass die Gr√ľnen teils konservativer als die „Konservativen“ sind, was die Medien angeht – deren Engagement in „alternativen“ Medien wie Internetauftritten, Foren und Blogs ist weitaus „√ľberzeugender“ als das der Gr√ľnen.

Noch bestimmen vielerorts die Zeitungen die „Wahrnehmung“ und manipulieren diese als Monopolisten.

Doch das wird sich ändern. Im Wettbewerb um Wahrnehmung beschreiten alle ein neues Feld mit dem neuen Medium Internet.

Und wer eine Google-Abfrage zu den Kandidaten macht, stellt fest, dass Georg Wacker auch hier mit √ľber 40.000 Treffern weit vorne liegt, vor Herrn Kleinb√∂ck mit 27.000 Treffern und vor Frau Dr. Arnold mit 24.000 Treffern. Uli Sckerl landet bei gut 7.000 Treffern.

Obwohl der MM hier nicht direkt manipulieren kann, trägt doch die Dominanz der Berichterstattung, die auch im Internet gezählt wird, dazu bei.

Die restliche fehlende Aufmerksamkeit ist selbstverschuldet.

Fu√üg√§ngerzone: Online-Abstimmung des „MM“ unseri√∂s und ohne Aussagekraft


Guten Tag!

Ladenburg, 02. M√§rz 2011. Der Mannheimer Morgen bietet auf seiner Internetseite eine „Online-Abstimmung“ zur Fu√üg√§ngerzone an. Die ist ohne jede Aussagekraft und jede Interpretation muss unseri√∂s bleiben.

Von Hardy Prothmann

Ich kann nicht wirklich behaupten, dass der Mannheimer Morgen in Sachen „Umfragen“ vollst√§ndig beratungsresistent ist.

Was ich wei√ü, ist, dass ich 1994 ein Interview mit einem Mannheimer Professer f√ľr empirische Sozialforschung gef√ľhrt habe. Der Grund: Damals f√ľhrte der „MM“ so genannte Telefonabstimmungen durch.

Da ich gerade mein Studium der Politischen Wissenschaften abgeschlossen hatte und fast drei Jahre am Zentrum f√ľr Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA) st√§ndig mit wissenschaftlichen Analysen zu tun gehabt hatte, war ich zun√§chst verwundert und dann neugierig, was die Wissenschaft zu solchen „Stimmungsbarometern“ zu sagen hat.

Das Ergebnis war niederschmetternd – f√ľr den MM. Im Interview erkl√§rte mir ein Professor der Universit√§t Mannheim, dass diese Art Umfragen vor allem eins sind: unseri√∂s.

Ohne Aussagekraft - die "Online-Abstimmung" des "MM". Quelle: morgenweb

Solcherart betriebene Umfragen taugen genau nichts. Da kann man auch Knochen werfen, den Vogelflug beobachten oder sonstige „Auff√§lligkeiten“ interpretieren. Solcherart „Voodoo“ w√§re wenigstens noch etwas „spannender“.

Die aktuelle „Online-Umfrage“ des MM taugt nichts, weil einfachste Standards nicht eingehalten werden. Es gibt keinerlei Daten zum Zeitraum der Erhebung, zur Erhebungsmethode, zur Erhebungsauswertung – das kann man als „Nachl√§ssigkeit“ gegen√ľber den „Nutzern“ interpretieren oder ganz derb als „Verarschung“. Der „Arsch“ ist dabei der, der versucht, sich in Treu und Glauben an den „Ergebnissen“ zu orientieren.

Interessanterweise oszilliert das „Ergebnis“ meist um eine angeblich h√§lftige Zustimmung und Ablehnung und passt so sehr genau zur Berichterstattung, die immer wieder ein „Daf√ľr“ und „Dagegen“ in lockerer Folge pr√§sentiert, um die „Stimmung“ hoch zu halten. Aber dass ist nur eine „Interpretation“ ohne jegliche Fakten – denn die fehlen vollst√§ndig.

Diese Berichterstattung nimmt es ebensowenig genau mit den „Fakten“ wie die „Umfrage“.

Ich w√ľrde dem Mannheimer Morgen dringend empfehlen, die Bedingungen der „Umfrage“ zu kommunizieren, ebenso wie die Tatsache, dass sie eigentlich nichts taugt.

Wenn die Zeitung dies kommunizieren w√ľrde, k√∂nnte ich der Meinung sein, dass sie nicht vollends beratungsresistent ist.

Meine Hoffnung geht in der Sache allerdings gegen Null.

Dokumentation Fußgängerzone: Wie der MM das Thema treibt


Guten Tag!

Ladenburg, 02. M√§rz 2011. Wir haben die Berichterstattung im Mannheimer Morgen aus dem Monat Februar 2011 zum Thema „Fu√üg√§ngerzone“ exemplarisch zusammengefasst – f√ľr alle, die schon l√§ngst keine Zeitung mehr lesen und alle, die sich einen √úberblick verschaffen wollen.

Vorbemerkung: Das Datum entspricht dem angegebenen Ver√∂ffentlichungsdatum der Zeitung. Alle √úberschriften sind im Original von der Website des „MM“ √ľbernommen und zusammen mit dem Datum fett markiert. Zitierte Textstellen stehen in Anf√ľhrungszeichen. Ohne Anf√ľhrungszeichen stehen Zusammenfassungen der Redaktion. Anmerkdungen stehen in Klammern.

28. Februar 2011
SPD uneins √ľber das Thema Fu√üg√§ngerzone / Vorsitzender Gerhard Kleinb√∂ck im Amt best√§tigt
„Gemeinsamer Weg ist Illusion“

„Wir wollen m√∂glichst viele Beteiligte ins Boot holen“, wird Altstadtrat Hermann G√§rtner zitiert. Zun√§chst will man „√úberzeugungsarbeit, Experten- und B√ľrgerdiskussionsrunden“ versuchen, „am Ende k√∂nnte eine B√ľrgerbefragung zum Thema Fu√üg√§ngerzone stehen“, so die SPD. „Ich gebe die Hoffnung auf einen Konsens nicht auf“, wird SPD-Chef Gerhard Kleinb√∂ck zitiert. „Der gemeinsame Weg ist eine Illusion. Der B√ľrger erwartet die Fu√üg√§ngerzone.“ Altstadtrat J√ľrgen M√ľller – als Kassenwart laut Pr√ľfbericht der Revisoren Manfred Ramm und Carsten Lutz tadellos – ist gegen einen „Wischiwaschi-Kurs“, schreibt der MM.

25. Februar 2011
B√ľrgerentscheid laut Kleinb√∂ck erst der letzte Schritt
SPD will Konsens bei Verkehrsberuhigung

Laut Bericht sei die Situation aus Sicht der SPD „unbefriedigend“, „viele B√ľrger“ s√§hen einen Handlungsbedarf.
„Die Entwicklung im Zentrum geht permanent bergab“, analysiert der Sozialdemokrat die Lage aus seiner Sicht und appelliert deshalb an die Gewerbetreibenden, „nicht immer nur dagegen“ zu sein.“
„Eine Fu√üg√§ngerzone ist f√ľr mich der Endausbau“, betont Kleinb√∂ck. M√∂glicherweise sei eine Einbahnstra√üe eine Alternative, deutet er einen Kompromiss an. Wenn es im Gemeinderat nicht zu einer L√∂sung kommt, dann er an seiner Forderung nach einem B√ľrgerentscheid fest: „Aber wir m√ľssen ja nicht mit Kanonen auf Spatzen schie√üen.“

21. Februar 2011
Fußgängerzone Thema bei den Christdemokraten
Die „Glaubensfrage“ spaltet auch die Union

Im angeblich voll besetzen W√ľrzburger Hof sei die Stimmung kontrovers, berichtet der MM. Die stellvertretende Vorsitzende des Bunds der Selbstst√§ndigen, Renate Henseler-Sohn, wird zitiert, dass sie f√ľr alle Mitglieder spricht: „Damit Fu√üg√§ngerzonen funktionierten, bed√ľrfe es einer Mindestverkaufsfl√§che, die man in Ladenburg nicht erreiche.“
Michael Salinger wird zitiert, dass er f√ľr eine „Teil-Fu√üg√§ngerzone“ pl√§diere, er sieht laut Bericht Parkpl√§tze durch Firmenmitarbeiter und Verwaltungsangestellte blockiert.
„Das Thema ist wahlkampfbelastet“, schickte Stadtrat Dr. Rainer Beedgen voraus. „Nicht grunds√§tzlich gegen eine Fu√üg√§ngerzone“, warnte er aber im Interesse der Gesch√§fte „vor zu viel Ruhe“. Als „Masche im Landtagswahlkampf“ des Ladenburger SPD-Stadtrats Gerhard Kleinb√∂ck sieht auch CDU-Altstadtrat Hans Sauer die Initiative an. „Wer in der Innenstadt sein Geld verdienen muss, ist dagegen“, meinte Sauer. „Denken sie an Behinderte und Kinderwagen. Ich stehe voll hinter Herrn Kleinb√∂ck. Die Gesch√§fte w√ľrden aufbl√ľhen“, argumentierte SU-Mitglied Irene Habel als Freie W√§hlerin.“

Themenseite "Fußgängerzone" im "MM. Quelle: Mannheimer Morgen

19. Februar 2011
Analyse: Checkliste aus Bayern auf Ladenburg √ľbertragen
Was daf√ľr und was dagegen spricht

„Anhand einer Studie des bayerischen Einzelhandelsverbands haben wir √ľberpr√ľft, welche Faktoren f√ľr (+) und welche gegen (-) eine Fu√üg√§ngerzone in Ladenburg sprechen sowie welche neutral sind (0)“, schreibt der MM.

Von 19 Faktoren sind laut „√úberpr√ľfung“ 11 postitiv, 6 neutral, 2 negativ.

(Anmerkung der Redaktion: Siehe hierzu unseren Text.)

19. Februar 2011
An der Frage der Verkehrsberuhigung scheiden sich in der Römerstadt am Neckar die Geister
Die Altstadt ganz ohne Auto ein Alptraum?

Laut MM fordert die SPD ein B√ľrgerbegehren und einen B√ľrgerentscheid, kann aber nicht genau trennen, was was ist. Thematisiert wird, dass die Ank√ľndigung eines Antrags auf „B√ľrgerentscheid“ durch die SPD an den „gesetzlichen Fristen“ scheitere.
„Ladenburg erf√ľllt heute eine ganze Reihe von Voraussetzungen daf√ľr, dass eine Fu√üg√§ngerzone erfolgreich eingerichtet werden k√∂nnte. Das attraktive Umfeld der historischen Altstadt, Brunnen auf dem Gockelsmarkt und auf dem Marktplatz, Kunst im √∂ffentlichen Raum, Gastronomie mit Au√üenbewirtschaftung, das alles sind Faktoren, die Erfolg versprechen, wenn Autos aus dem Kern der Altstadt verbannt werden.

Doch es sprechen auch jede Menge Aspekte dagegen. So gibt es beispielsweise trotz der gro√üen Zahl von Gesch√§ften keine durchgehende Schaufensterfront in der Stadt. Es fehlt ein Konzept zum Stadtmarketing und ein Citymanagement. Die Stadt Ladenburg hat keine Zentrenfunktion in der Region, und Parkpl√§tze sind – trotz anderslautender Statistiken – h√§ufig Mangelware. Vor allem aber fehlt es an einem Miteinander der Bef√ľrworter und der Gegner.“

19. Febraur 2011
Kritisches Beispiel: In Lampertheim ein Zankapfel
In der Kaiserstraße nimmt das Angebot ab

Der MM berichtet √ľber Lampertheim (22.000 Einwohner), dort sei die Fu√üg√§ngerzone seit 20 Jahren ein „Zankapfel“. Es wird der B√ľrgermeister zitiert:
„Tendenziell hat sich die Versorgung in den vergangenen zwei Jahrzehnten eher verschlechtert“, berichtet Maier, doch das liege nicht unbedingt an der Fu√üg√§ngerzone. Dass es immer weniger Gesch√§fte werden, f√ľhrt er unter anderem auf die hohen Mietpreise zur√ľck. Leerst√§nde sind ebenfalls ein Problem in der City.“

Die Erfahrungen seien aber nicht „√ľbertragbar“: „√úberlegt’s euch gut.“ Gegen die „geballte Macht des Einzelhandels“ jedenfalls, so l√§sst er durchblicken, sei die Entscheidung f√ľr eine Fu√üg√§ngerzone sehr problematisch.“

19. Februar 2011
Es geht nur mit dem Handel
Hans-J√ľrgen Emmerich warnt vor Schnellschuss bei Fu√üg√§ngerzone

„Auch die √úberpr√ľfung der Fakten l√§sst auf den ersten Blick vermuten, dass vieles daf√ľr spricht. Es gibt allerdings auch gravierende Gegenargumente.“

„Der √∂rtliche Einzelhandel lehnt sie nahezu einhellig ab, weil er um seine Existenz f√ľrchtet. Und ohne den Handel ist das Projekt zum Scheitern verurteilt.“

19. Februar 2011
Gelungenes Beispiel: Bummeln und Schlendern mit Blick auf die Alpen
F√ľr das St√§dtchen Murnau ein Segen

Der MM pr√§sentiert Murnau (12.200 Einwohner, laut MM: 12.400 Einwohner) als positives Beispiel f√ľr eine „Fu√üg√§ngerzone“:
„Rund 60 Gesch√§fte, sch√§tzt Rebhold, gibt es in der Marktstra√üe. Der M√ľnchner Architekt Emanuel Seidl, Planer des Tierparks Hellabrunn, hat sie 1906 neu gestaltet, unter anderem mit Fassadenmalereien. In der historischen Bausubstanz steht Haus an Haus, befindet sich Gesch√§ft an Gesch√§ft, wie Angelika Rebhold im Gespr√§ch mit dem „MM“ erl√§utert.

√úber eine L√§nge von rund 350 Meter erstreckt sich die Fu√üg√§ngerzone von Murnau. Der Bereich d√ľrfe nicht zu lange sein, mahnt die Vorsitzende des Vereins zur Wirtschaftsf√∂rderung. Vor allem m√ľssten ausreichend Parkpl√§tze in n√§chster N√§he vorhanden sein. „Es ist wichtig, dass Leben drin ist in einer solchen Zone“, schildert sie weiter ihre Erfahrung.“

„Anders als das Unterzentrum Ladenburg ist Murnau ein Mittelzentrum, das den umliegenden D√∂rfern und Gemeinden als Einkaufsziel dient. Die n√§chstgr√∂√üere Stadt im S√ľden ist das 25 Kilometer entfernte Garmisch-Partenkirchen, im Norden sind es knapp 20 Kilometer bis Weilheim.“

??. Februar 2011
Braucht Ladenburg eine Fußgängerzone in der Altstadt?

Der MM startet eine Online-Umfrage. Es fehlen alle Angaben zur Seriosit√§t dieser „Umfrage“ – es fehlt ein Startdatum, die Zahl der abgegebenen Stimmen, Hinweise zu Methode der Umfrage. Seltsamerweise halten sich F√ľr und Wider die Waage – obwohl es doch angeblich laut der Berichterstattung eine gro√üe Mehrheit daf√ľr geben soll, w√§hrend die Minderheit von der „Macht“ des Einzelhandels bestimmt wird.

(Siehe hierzu unseren Kommentar.)

17. Februar 2011
R√ľckschlag f√ľr Vorsto√ü von SPD-Chef Kleinb√∂ck / Landtagswahl als Termin zu fr√ľh
Vorerst kein B√ľrgerentscheid in Sachen Fu√üg√§ngerzone

Der MM berichtet √ľber gesetzliche Fristen, die f√ľr einen von der SPD geplaten B√ľrgerentscheid nicht eingehalten werden k√∂nnten.

„Abgesehen von der Frist, die nicht eingehalten werden kann, war es ohnehin fraglich, ob sich der SPD-Partei- und Fraktionschef Gerhard Kleinb√∂ck mit seinem Antrag h√§tte durchsetzen k√∂nnen. Denn im Gemeinderat ist eine Zweidrittelmehrheit f√ľr die Durchf√ľhrung eines B√ľrgerentscheids erforderlich, und eine solche ist nach √Ąu√üerungen aus den Reihen von CDU, Freien W√§hlern und FDP in der j√ľngsten Ratssitzung nicht unbedingt zu erwarten.

Aktuell bleibt das Thema trotzdem.“

Weiter berichtet der MM: „Im nieders√§chsischen Hameln scheiterte im April 2009 ein B√ľrgerbegehren gegen den vier Millionen Euro teuren Umbau der bestehenden Fu√üg√§ngerzone knapp. Obwohl √ľber 80 Prozent der W√§hler f√ľr den Erhalt der Fu√üg√§ngerzone stimmten, wurde das notwendige Quorum um 412 Stimmen verpasst.“

(Anmerkung der Redaktion: Gescheitert ist der „B√ľrgerentscheid“ am Quorum, nicht das B√ľrgerbegehren. Das war erfolgreich und Voraussetzung f√ľr den B√ľrgerentscheid.“ Siehe hierzu „Mehr Demokratie e.V.„)

11. Februar 2011
Nach SPD-Vorsto√ü zu B√ľrgerentscheid l√§uft der Einzelhandel Sturm
Am Thema Fußgängerzone scheiden sich weiter die Geister

„Nach dem Willen der SPD-Fraktion im Ladenburger Gemeinderat sollen die B√ľrger entscheiden, ob in Teilen der Altstadt eine Fu√üg√§ngerzone eingerichtet wird oder nicht. Was der Fraktionschef Gerhard Kleinb√∂ck in der j√ľngsten Sitzung des Gemeinderates angek√ľndigt hatte, wird wohl in der n√§chsten Sitzung am 2. M√§rz als Antrag auf der Tagesordnung stehen“, schreibt der MM.

Der BdS mit rund „50 Gesch√§ften“ f√ľrchte um die Existenz der Gewerbetreibenden, so die Zeitung.

„Der Vorschlag, in Ladenburg eine Fu√üg√§ngerzone einzurichten, ist nicht neu. Ein unter B√ľrgermeister Rolf Reble im Auftrag der Stadt erstelltes Verkehrsgutachten schlug zur Verkehrsberuhigung in der Altstadt eine Einbahnregelung vor, die in vier Stufen h√§tte realisiert werden k√∂nnen. Die vierte und letzte Stufe w√§re dabei eine Fu√üg√§ngerzone im inneren Ring aus Hauptstra√üe, Kirchenstra√üe und Neugasse gewesen.“

10. Februar 2011
Walter Roznawski schlie√üt Gesch√§ft zum 31. M√§rz / Neuanfang mit „Musik-Box“ in Wald-Michelbach
Musik-Boutique klappt L√§den f√ľr immer zu

Der MM berichtet √ľber einen Lade auf der Hauptstra√üe 30, der nach 31 Jahren schlie√üt:

„Viele Kunden sind traurig“, wei√ü Roznawski, „aber die letzten vier Jahre ging es rapide bergab.“ Die M√∂glichkeiten, die das Internet jungen Musikh√∂rern bietet, machten Roznawski zu schaffen. „Das Musikh√∂ren, wie wir es in den 70er und 80er Jahren getan haben, ist verloren gegangen“, bedauert Roznawski. Dazu kommt: „Viele Stammkunden sind verstorben oder weggezogen. Ich hatte zuletzt fast mehr Kunden von au√üerhalb als aus Ladenburg.“

Aber auch das Einkaufszentrum an der Wallstadter Stra√üe sieht Roznawski als mit urs√§chlich f√ľr den Niedergang an: „Die Innenstadt wird deshalb aussterben“, glaubt der Musikboutique-Mann. Die derzeit wieder intensiv diskutierte Fu√üg√§ngerzone w√ľrde nach Roznawskis Ansicht den Prozess sogar beschleunigen: „Dann wird es doch noch ruhiger in den Stra√üen der Innenstadt, als es jetzt schon die meiste Zeit √ľber ist.“ Ob jemand sein gemietetes L√§dchen im Erdgeschoss √ľbernimmt oder was mit dem √ľber 500 Jahre alten Altstadt-Geb√§ude geschieht, wei√ü Roznawski nicht.

4. Februar 2011
Verkehr in der Altstadt bleibt ein heißes Eisen / Stadt legt Ergebnisse von Messungen vor
SPD will Fu√üg√§ngerzone mit B√ľrgervotum durchsetzen

„Die SPD Ladenburg will ihre Forderung nach einer Fu√üg√§ngerzone in der Altstadt notfalls mit einem B√ľrgerbegehren durchsetzen. Das hat der Fraktionsvorsitzende Gerhard Kleinb√∂ck am Mittwoch Abend im Gemeinderat angek√ľndigt. Zuvor hatte die Stadtverwaltung eine Auswertung von Geschwindigkeitsmessungen vorgelegt. Danach ist das gefahrene Tempo im vergangenen Jahr insgesamt merklich zur√ľckgegangen, es sind aber immer noch viele Autos deutlich zu schnell unterwegs. In der Altstadt ist nur Schrittgeschwindigkeit erlaubt.

Am Thema Verkehrsberuhigung in der Altstadt scheiden sich seit Jahren die Geister. Ein Kompromiss war nach einer Klausur des Gemeinderates die Einf√ľhrung einer unechten Einbahnstra√üe. Dies w√ľrde bedeuten, dass im inneren Ring der Altstadt der Verkehr nur in eine Richtung flie√üen darf. Vom Rat beschlossen wurde der Kompromiss jedoch nicht. In letzter Minute kippte die vermeintliche Mehrheit. Auf Druck des √∂rtlichen BdS wurde stattdessen entschieden, auf die Vernunft der Verkehrsteilnehmer und auf verst√§rkte Aufkl√§rung zu setzen. Nach einem Jahr legten B√ľrgermeister Rainer Ziegler und Herbert Felbek vom Stadtbauamt jetzt eine vorl√§ufige Bilanz vor.“

„F√ľr die SPD erkl√§rte deren Sprecher Kleinb√∂ck: „Wir sind wild entschlossen, eine Entscheidung herbeizuf√ľhren.“ Wenn die von ihr geforderte Fu√üg√§ngerzone nicht im Gemeinderat beschlossen werde, sollten die B√ľrger das Wort bekommen. Ein B√ľrgerentscheid sei bereits mit der Landtagswahl am 27. M√§rz m√∂glich, wenn sich die n√∂tige Zweidrittelmehrheit im Rat daf√ľr finde. Wenn nicht, dann werde die SPD den schwierigeren Weg des B√ľrgerbegehrens gehen. Die B√ľrger zu befragen oder sie in einer Versammlung zu h√∂ren, forderte auch Ingrid Dreier von der Gr√ľnen Liste.“

04. Februar 2011
Endlich die B√ľrger h√∂ren
Hans-J√ľrgen Emmerich zur Verkehrspolitik in der Altstadt

„Die Verkehrsberuhigung in Ladenburg bleibt ein hei√ües Pflaster. W√§hrend Einzelhandel und Gastronomie eine Fu√üg√§ngerzone kategorisch ablehnen, w√ľnschen sich viele B√ľrger und Besucher von au√üerhalb genau das. Ein Dilemma, das man im Gemeinderat mit einem zweifelhaften Kompromiss zu l√∂sen versucht hat, der in letzter Sekunde im Rat scheiterte, nicht zuletzt am Widerstand des BdS. Die j√ľngste Diskussion im Gemeinderat macht deutlich, dass die Mehrheit des Gremiums nach wie vor keine sch√§rfere Reglementierung des Verkehrs will.

Durch die von der Verwaltung vorgelegten Zahlen f√ľhlen sich beide Seiten in ihrer Haltung best√§tigt.“

Der MM thematisiert weiter, dass sich die Menschen in der Altstadt unsicher f√ľhlten und es an B√ľrgern√§he fehle.

04. Februar 2011
Renate Henseler-Sohn (BdS) verlangt Aufkl√§rung vor B√ľrgerentscheid
„Ohne Gesch√§fte ist eine Stadt keine Stadt“

Der BdS wolle erst einmal die vorgelegten „Zahlen“ zur Verkehrsberuhigung „studieren“, schreibt der MM.

„Dass eine Mehrheit der B√ľrger f√ľr die Schaffung einer Fu√üg√§ngerzone ist, glaubt auch Henseler-Sohn. Allerdings seien sich viele nicht √ľber die Konsequenzen im Klaren. Nirgendwo in Deutschland gebe es eine solche Zone mit weniger als 10 000 Quadratmetern Verkaufsfl√§che, in Ladenburg seien dagegen nur rund 1000 vorhanden. Eine Fu√üg√§ngerzone zwischen Altem Rathaus (VHS) und Domhof w√ľrde die Gesch√§fte ruinieren: „Und ohne Gesch√§fte ist eine Stadt keine Stadt.

02. Februar 2011
Heute steht im Gemeinderat eine „Lex Altwasser“ auf der Tagesordnung / Bahnhof und Verkehrsberuhigung in der Altstadt sind weitere Themen
Stadt will Nutznießer zur Kasse bitten

„Die Einf√ľhrung einer unechten Einbahnstra√üe in der Altstadt, auf die sich die Fraktionen in einer Klausurtagung bereits geeinigt hatten, war vor allem auf Druck des BdS aufgegeben worden, der auch die von vielen B√ľrgern geforderte Fu√üg√§ngerzone ablehnt.“

Gebenzte Berichterstattung Рwie der MM seine Leser täuscht


Guten Tag!

Mannheim, 31. Januar 2011. Die seit Tagen andauernde Berichterstattung des Mannheimer Morgens (MM) in Sachen „Benz“ hat gute Gr√ľnde. Erstens gibt es viel Werbung und zweitens versucht die Zeitung verzweifelt, sich als lokalpatriotische Stimme aufzuspielen. Ein ernstzunehmender Journalismus bleibt dabei auf der Strecke.

Von Hardy Prothmann

„Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer“, zitiert der MM-Redakteur Martin Tangl den S√§nger Xavier Naidoo. Das gilt auch f√ľr diesen Artikel, Martin Tangl, Xavier Naidoo und den SWR. Und auch f√ľr die Leserinnen und Leser und Zuschauer des SWR.

Bunte Geschichten

Ich kenne den MM-Redakteur Martin Tangl noch aus meiner Zeit als Student und Freier Mitarbeiter beim Mannheimer Morgen (1991-1994). Er hat sich gerne als erfahrener Journalist dargestellt, aber irgendwie hat er mich schon damals nicht besonders beeindruckt.

Das dauert bis heute an, denn Martin Tangl hat ein „buntes St√ľck“ geschrieben, in dem es sehr „bunt“ zugeht. Vor allem mit den Fakten, dem K√∂nnen und der journalistischen Haltung.

Beispielsweise zur Person „Xavier Naidoo“. Der sei ein „leidenschaftlicher Autofahrer“, schreibt Tangl und dass „Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer“, auch den Autoerfinder Carl Benz meinen k√∂nnte.

Denn Herr Tangl berichtet √ľber einen Film im SWR-Fernsehen, der heute Abend um 18:15 Uhr in der „Landesschau unterwegs“ l√§uft: „Unser Benz! Der Autoerfinder bewegt die Kurpfalz.“ Autor: Eberhard Reu√ü.

Pop-Berichterstattung

Wieso Herr Reu√ü auf die Idee gekommen ist, einen notorischen Schnellfahrer, der √ľber lange Jahre den F√ľhrerschein wegen wiederholter Vergehen abgenommen bekommen hat und wegen Fahrens ohne F√ľhrerschein und Drogenbesitz vor dem Richter gestanden hat, ist klar.

Benz-Titelseite vom MM. Quelle: MM

Herr Reu√ü wollte den Film „aufpeppen“ oder auch „aufpoppen“. Mit dem „zur Zeit wohl bekanntesten Sohn Mannheims“. Und der ist halt ein „leidenschaftlicher Autofahrer“. Diese Verbindung reicht heute im SWR-Fernsehen, um einen Zusammenhang herzustellen.

Herr Reu√ü l√§sst Herrn Naidoo dann mehrmals „Mercedes Benz“ der Rock-Star-Legende Janis Joplin (1943-1970) singen, die auf der √úberholspur des Lebens mit 27 Jahren an einer √úberdosis Heroin gestorben ist. Drei Tage, bevor der Song „Mercedes Benz“ ver√∂ffentlicht wurde: „Oh Lord, won-‚ā¨‚ĄĘt you buy me a Mercedes Benz?“ – „Oh Gott, willst Du mir keinen Mercedes Benz kaufen?“ Die Zeile geht weiter: „My friends all drive Porsches, I must make amends“ – „Meine Freude fahren alle Porsche und ich muss aufholen.“

Der Joplin-Song ist eine massive Kulturkritik am Prestigedenken – dem Gegenteil also, was man mit einem „Mercedes Benz“ oder Porsche oder auch „Farbfernsehen“ verbindet, das damals noch ein Luxus war („So oh lord won’t you buy me a color TV“). F√ľr den SWR ist das nicht wichtig. Schlie√ülich hat Joplin „Mercedes Benz“ gesungen und Herr Naidoo l√§sst sich dazu auch animieren. Und ist man nicht auch „color TV“? Also Luxus? Passt also.

„Eine wunderbare Erfindung von Benz, daf√ľr danke ich ihm“, sagt der Pop-Star nicht nur einmal im SWR-Film. Da Naidoo sonst gerne √ľber „Gott“ singt, und das sehr dankbar, gibt es da sicher aus Sicht von Herrn Reu√ü wieder irgendeine Verbindung.

Propaganda-Rolle

Bei der Premiere des Films am 28. Januar 2011 im Ladenburger Carl-Benz-Museum war Herr Reu√ü jedenfalls m√§chtig stolz. Das konnte man nicht √ľbersehen.

Der Film funktioniert wie eine Propaganda-Rolle. Carl hei√üt nicht Karl Benz, ist der Erfinder des Autos und nicht „der Daimler“, die Kurpfalz ist den Schwaben voraus und ein „Youngtimer-Sammler“ hat viele Kinder und ein Hobby: Mercedes Benz. Der Clou – er arbeitet f√ľr Porsche. Dazu gibt es h√ľbsche Bilder und Werbespots von „Benz“ aus fr√ľheren Zeiten.

Verkauft wird das als „Dokumentation“.

Das muss sich einfach irgendwie alles zusammenf√ľgen und dann wird die Urenkelin von Benz noch mehrfach ins Bild gesetzt und das Carl-Benz-Museum in Ladenburg und dessen Kopf Winfried Seidel.

Der freut sich auch – dabei m√ľsste ihm die Freude angesichts des laschen Filmchens im Kontrast zu seiner harten Museumsarbeit vergehen. Seidel leistet herausragende Arbeit und ist ein akribischer Mensch. Aber nat√ľrlich freut er sich √ľber die Popularit√§t. Das ist auch sein gutes Recht.

Zur√ľck zu Martin Tangl. Den freut nicht die Popularit√§t, sondern der muss eine bunte, sch√∂ne Geschichte schreiben und kommt zum Ende:

„Dass in Mannheim Omnibusse und Lkw-Motoren produziert werden, h√§tte Carl Benz gefallen, wie Jutta Benz erz√§hlt: „Er hat sein Augenmerk aufs Transportwesen gerichtet, Carl Benz wollte Lieferwagen bauen.“ Und bei der Geschwindigkeit seien dem Ur-Gro√üvater 50 km/h genug gewesen. Ob das allerdings Xavier Naidoo gefallen h√§tte? Berichtet er doch, dass ihm einmal wegen zu schnellen Fahrens der F√ľhrerschein abgenommen wurde.“

Die L√ľge

Diese unkritische √úbernahme der Filmbotschaft wird als L√ľge in der Zeitung fortgesetzt: „Berichtet er doch, dass ihm einmal wegen zu schnellen Fahrens der F√ľhrerschein abgenommen wurde.“

Naidoo - Leidenschaft Auto - Hauptsache, alles bunt. Quelle: MM

Herr Tangl stellte sich vor 20 Jahren schon gerne als „erfahrener Journalist“ dar und sollte die Zeit genutzt haben, um „Erfahrungen“ zu sammeln. Eine ist: „Schau ins Archiv, um mindestens zu wissen, was schon berichtet worden ist.“

Am 16. Mai 2009 berichtet der Mannheimer Morgen:

„Naidoo √ľbersteht einen jahrelangen Rechtsstreit mit Pelham, einen dramatischen Drogenprozess und jede Menge F√ľhrerschein-Schlagzeilen. Erst der absolute H√∂hepunkt seiner Popularit√§t, als „Dieser Weg“ zur Hymne des Fu√üball-Sommerm√§rchens 2006 wird, bringt die Schattenseiten des Ruhms ans Licht: Genervt zieht sich der gl√ľhende Lokalpatriot aus der √Ėffentlichkeit und teilweise auch aus Mannheim zur√ľck.“

Am 02. Juni 2007 berichtet der Mannheimer Morgen:

„Die Amtsanwaltschaft Frankfurt best√§tigte gestern, dass gegen den S√§nger ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden ist. Ihm wird vorgeworfen, einen angemieteten Porsche Cayenne an einen Freund weitergegeben zu haben, der selbst keinen F√ľhrerschein besa√ü. Der Mann war im M√§rz 2006 in M√ľnchen von der Polizei erwischt worden. Naidoo h√§tte sich als Halter des Wagens vom Vorhandensein einer Fahrerlaubnis √ľberzeugen m√ľssen, so der Vorwurf. Nun drohe ihm eine Geldstrafe oder bis zu ein Jahr Haft.“

Am 15. August 2006 titelt der Mannheimer Morgen:

„Xavier Naidoos F√ľhrerschein liegt bei den Akten
Zwei Monate Fahrverbot wegen Geschwindigkeits√ľberschreitung / Gibt es eine „Lex Popstar“?“

Am 27. Juli 2006 schreibt der Mannheimer Morgen:

„Popstar Xavier Naidoo (34) soll beim Dr√§ngeln auf der Autobahn in eine Radarfalle gerast sein. Nun k√∂nnte ihm ein erneuter F√ľhrerscheinentzug drohen. Der Mannheimer sei mit seinem Porsche auf der A 5 in Richtung Karlsruhe zu dicht aufgefahren, best√§tigte die Mannheimer Anwaltskanzlei Naidoos gestern entsprechende Medienberichte.“

Bis zum Jahr 2000 lassen sich ausweichlich des Archivs keine Berichte finden, aber im November 2000 schreibt der MM:

„Dass er im Dezember 1999 mit einem Porsche 944 der Mannheimer Polizei ins Netz gegangen war, hatte dem Autonarren schon eine Vorstrafe eingetragen: f√ľnf Monate auf Bew√§hrung. Seinen F√ľhrerschein hat Naidoo seit einer Alkoholfahrt im Jahr 1993 nicht mehr – obwohl er zwischenzeitlich eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung bestanden hat. „Warum haben Sie nicht einfach den F√ľhrerschein wieder gemacht?“, wunderte sich Offermann. „Keine Zeit“, lie√ü ihn der Angeklagte wissen.“ Angeblich sollte Naidoo bis zu 21 Monate Haft drohen, hei√üt es in dem Artikel.

Abhängige Berichterstattung

„Berichtet er doch, dass ihm einmal wegen zu schnellen Fahrens der F√ľhrerschein abgenommen wurde“, √ľbernimmt Martin Tangl die Informationen aus dem SWR-Film. Ohne kritische Pr√ľfung, ohne Recherche, ohne journalistische Verantwortung.

Das ist auch wenig erstaunlich. Die „Benz“-Feier beim Mannheimer Morgen ist durch viel Werbung begleitet. Da wei√ü die Redaktion, wo das Geld herkommt und was sie zu tun hat.

Gemeinhin nennt man das „Hofberichterstattung“. „Man bei√üt die Hand nicht, die eine f√ľttert“, sagen andere.

Herr Martin Tangl muss sich als verantwortlicher Redakteur des Mannheimer Morgens fragen lassen, ob er und seine „unabh√§ngige Zeitung“ mittlerweile auf das Niveau von miserablen Anzeigenbl√§ttern abgestiegen sind.

Dabei geht es nicht um eine „Archiv-Schau“ oder darum, Herrn Naidoo seine Verfehlungen ewig nachzutragen. Der Pop-Star hat einen „harten Weg hinter sich“, seit ein paar Jahren scheint er „sauber“ zu sein und auch ein K√ľnstler hat ein Recht auf Privatleben. Dann l√§sst man das aber auch privat.

Wenn Herr Naidoo aber die √Ėffentlichkeit sucht und das in einem „Umfeld“, mit dem er √ľber lange Jahre „gro√üe Schwierigkeiten“ hatte, muss die √Ėffentlichkeit auch im Kern √ľber „wesentliche Informationen“ informiert werden.

Das unterl√§sst Herr Tangl. Garantiert gegen besseres Wissen. Und wenn ers nicht besser w√ľsste, sollte er den Job sofort aufgeben.

Der SWR-Film bedient das Publikum, das auch zur Premiere erschienen ist. √úberwiegend etwas gesetzter. Man findet den Film „sch√§√§“, trinkt einen Prosecco, „der ist umsonst“ und knabbbert Brezeln, die als „B“ f√ľr „Benz“ gebacken sind. Nachdenken muss man beim „Benz-Film“ nicht.

Sondern bei der „Premiere“ dabei sein, so, als sei das ein wirklich wichtiges Ereignis.

So ist das Fernsehen leider oft.

Nachdenklich muss man allerdings werden, wenn der „Lokalpatriot“, als der sich der Mannheimer Morgen darstellen will, frei von Recherche und Fakten eine Geschichte wider besseren Wissens „nacherz√§hlt“ und dabei journalistisch versagt.

Denn wenn man nachdenkt, wird man wissen, dass sowohl der Film als auch viele der Berichte dazu, nicht wirklich informieren, sondern nur gefallen und verklären wollen.

Werbung will gefallen. Das ist ihr Recht und nicht zu beanstanden.

Journalismus hat eine andere Aufgabe. Und das Versagen von Herrn Reuß und Herrn Tangl ist sehr wohl zu beanstanden.

Denn sie werden dem, was sie vorgeben, in keinster Weise gerecht: Unabhängig, faktentreu und zutreffend zu berichten.

Zeitungskrise: Mehr, mehr, mehr… was eigentlich?

Guten Tag!

Ladenburg, 28. Oktober 2010. Die Tageszeitungen stecken seit gut zehn Jahren in der Krise – j√§hrlich verlieren sie an Auflage, Abonnenten und am schmerzhaftesten, an Werbung. „Treue Leser“ sterben weg, die Jugend darf getrost als „verloren f√ľr die Zeitung“ gelten. Und immer mehr Werbekunden fragen sich, warum sie teure Werbung in einer Zeitung schalten sollen? Die regionale Monopolzeitung Mannheimer Morgen startet jetzt eine Kampagne „Erkennen und gewinnen“. Wer mitmacht, kann „eine Digitalkamera und vier digitale Bilderrahmen“ gewinnen. Die √§rmlichen Preise beschreiben die armselige Position einer ehemals geachteten Zeitung.

Von Hardy Prothmann

Der Mannheimer Morgen versucht ab der kommenden Woche so etwas wie eine „Innovation„. Tats√§chlich handelt es sich um eine Bankrott-Erkl√§rung, die viel mit dem zu tun hat, was ich tue.

Wer √ľber die aktuelle Berichterstattung unserer Blogs hinausblickt, wei√ü, dass ich sehr aktiv die Entwicklung der Medien in Deutschland begleite. Das ist nicht weiter verwunderlich: Von 1994-2006 habe ich als freier Journalist sehr intensiv √ľber Medien berichtet.

Als Redakteur der Fachzeitschrift CUT (1997-2004), einem Blatt f√ľr Radio- und Fernsehmacher und von 1994-2006 f√ľr die gr√∂√üte unabh√§ngige Medienfachzeitschrift in Deutschland, das MediumMagazin. Dar√ľber hinaus habe ich f√ľr verschiedene Medienressorts geschrieben, darunter „BR-Medienmagazin“, „Die Zeit“, „taz“, „Tagesspiegel“, „epd medien“, „Rheinischer Merkur“ und andere.

Medienkompetenz.

Ich habe „unz√§hlige“ Portr√§ts √ľber Chefredakteure, Programmmacher, Intendanten, herausragende Journalisten geschrieben und √ľber den Wandel des Berufs im Zuge der Digitalisierung. √úber L√ľgen und Wahrheit, √ľber Produktionsbedingungen, wirtschaftliche Zw√§nge, Einfl√ľsse der Politik, √ľber Pressefreiheit und vieles mehr.

Mit einem Wort: Ich kenne mich mit Medien einigermaßen aus. Mit Zeitungen, mit Magazinen, mit Fachzeitschriften, mit Radio, Fernsehen und dem Internet.

In den 90-er Jahren galten die Medien als attraktives Berufsfeld – gro√ü waren die Karrierechancen, die Ums√§tze, die Hoffnungen. Mit dem Platzen der B√∂rsenblase um die Jahrtausendwende und vor allem mit dem Internet und einer hoffnungslosen Arroganz der „etablierten“ Medien gegen√ľber dieser neuen Technik hat es zun√§chst einen bedeutenden Aufschwung gegeben und dann einen rabiaten Abschwung.

Seit 2001 verlieren vor allem die Tageszeitungen im Trend j√§hrlich gut zwei bis drei Prozent an Lesern und rund vier Prozent an Umsatz – es gibt auch viele Beispiele, wo die Verluste noch dramatischer sind. Die Jugend darf insgesamt f√ľr die Zeitungen als vollst√§ndig verloren gelten.

F√ľr mich als freier Journalist, der gut 70 Prozent seines Umsatzes mit Zeitungen machte, war und ist dies eine bedrohliche Situation. Auch wenn ich mich in der Nische „investigative Recherche“, „Portr√§t“ und „Reportage“ ganz gut behaupten konnte.

Seit Mai 2009 mache ich fast √ľberwiegend nur noch Journalismus f√ľr das Internet – angefangen mit dem heddesheimblog, dann dem hirschbergblog (das gerade bundesweit beachtet wurde) und dem ladenburgblog. Im November kommt das weinheimblog als viertes Angebot eines so genannten „hyperlokalen“ Journalismus hinzu.

Das Konzept, das ich verfolge, ist einfach und kein Geheimnis: Die lokale Nachricht ist die weltweit vor Ort „exklusivste“ Information, die es gibt. Und darauf setze ich.

Lokaler Journalismus hei√üt, nah an den LeserInnen, an den Menschen dran zu sein. Den Menschen von Angesicht zu Angesicht zu begegnen, die man aktuell f√ľr was auch immer kritisiert oder gelobt hat. Und sich nicht von den positiven oder negativen oder keinen Reaktionen beeinflussen zu lassen, sondern ganz klar zu wissen, dass man das Zeitgeschehen verfolgt, recherchiert, einordnet und kommentiert.

Herausforderung.

Journalismus ist f√ľr mich nach wie vor der absolute Traumberuf – es gibt keinen anderen „Job“, der so vielf√§ltig und so herausfordernd ist. Wenn man ihn denn ernst nimmt und sich der Vielfalt und den Herausforderungen stellt.

Leider sinken auch mit den Verlusten der Branche die Anspr√ľche. Die lokaljournalistische Realit√§t ist vielerorten dramatisch. Belanglose, schlecht recherchierte, liebedienerische und im besten Fall belanglose Artikel sind das Ergebnis.

Ich habe daf√ľr den mittlerweile branchenintern bekannten Begriff „Bratwurstjournalismus“ gepr√§gt: „Der Wettergott war den G√§sten gn√§dig, die Luft vom Duft leckerer Bratw√ľrste erf√ľllt, der k√ľhle Gerstensaft floss in Str√∂men“ – diese und andere bl√∂de Formulierungen f√ľllen jeden Tag die Lokalseiten. Sehr beliebt sind auch Floskeln wie „dankbar, lobte, stellte heraus, hob hervor“. Tipp: √úberfliegen Sie ausnahmsweise nicht Ihre Tageszeitung, sondern lesen Sie genau – das Grausen wird Sie packen.

Kampagne.

Aktuell startet der Mannheimer Morgen eine Kampagne und verspricht „Mehr Seiten, mehr Bilder, mehr Lokales“.

Dar√ľber freue ich mich – weil ich das als Anerkennung meiner Arbeit verstehe, der ich gegen viele politische, wirtschaftliche und auch gesellschaftliche Widerst√§nde nachgehe.

Bei dieser Arbeit werde ich von einer (noch) √ľberschaubaren Zahl von freien Mitarbeitern unterst√ľtzt, die mit viel Energie und Herzblut und √úberzeugung an der Idee eines unabh√§ngingen Journalismus mitwirken, wof√ľr ich jedem danke (die Mitarbeiter wissen, wer gemeint ist).

Dazu kommen wirklich sehr viele B√ľrgerInnen, die mit „ihrer“ Zeitung nicht mehr zufrieden sind und die die Arbeit unserer Redaktion ganz enorm unterst√ľtzen. Sie wollen keine gesch√∂nten, einseitigen Berichte mehr, sondern eine unabh√§ngige, engagierte Berichterstattung, wie wir sie liefern.

Als gro√üer Verlag f√ľhrt der MM sein Selbstbewu√ütsein ins Feld: „Mehr“. Die Zeitung k√ľndigt „mehr“ an und wir sind gespannt, was das sein soll. Noch mehr Bratwurstjournalismus? Noch mehr nichtssagende, langweilige, inhaltsleere Artikel?

Was ist mehr?

Dem sehen wir getrost entgegen – gleichzeitig erkennen wir an, dass die „gro√üe Tageszeitung“ offensichtlich nerv√∂s reagiert und versucht, ihre schwindende Bedeutung mit dem Lockangebot „einer digitalen Kamera und vier digitalen Bilderrahmen“ zu bewerben.

Da gab es schon bessere Angebote – und wenn das nur ein analoger Toaster oder eine analoge Kaffeemaschine war. Der MM ist derart bl√∂d, dass er gar nicht merkt, wie absurd es ist, mit digitalen Gewinnen f√ľr die analoge Zeitung zu werben.

Ich finde das sehr bedauerlich, weil ich meine erste Zeit als junger Journalist von 1991-1994 genau bei dieser Zeitung verbracht habe. Ich hatte damals das Gef√ľhl, dass Journalismus noch etwas wert war f√ľr diese Zeitung.

Miserable Zustände.

Bis heute sch√§tze ich gewisse Kollegen und halte die Zeitung nicht insgesamt f√ľr schlecht. Eine √ľberwiegend miserable journalistische Arbeit wird aber vor allem in den „Au√üenbezirken“ geleistet, da, wo ich aktiv bin. In Heddesheim, Hirschberg und Ladenburg.

Als redaktionell getarnte umgeschriebene Pressemitteilungen oder vollst√§ndig unkritische Berichte sind hier an der Tagesordnung. LeserInnen, die auf die Integrit√§t „Ihrer“ Tageszeitung bauen, werden vors√§tzlich get√§uscht und betrogen.

Sie halten das f√ľr „harte Vorw√ľrfe“? Das ist die allt√§gliche Realit√§t.

Seit Mai 2009 prangere ich immer wieder diese miserable Qualit√§t an – bislang musste ich nur ein Mal eine „einstweilige Verf√ľgung“ aktzeptieren, durch die mir verboten wurde, Details √ľber das „Drama der journalistischen Prostitution“ zu wiederholen (leider aufgrund von eingenen Vers√§umnissen – nobody is perfect…).

Immer wieder wurde ger√§tselt, warum der MM so gar nicht auf meine journalistische Arbeit reagieren wolle. Er hat reagiert, von Anfang an. Erst in der Schockstarre, dann mit anderen Reaktionen, die sehr, sehr unfein waren und nun mit einer Aktion „Mehr“.

Ich freue mich darauf und bin gespannt, wie die Zeitung „Mehr“ realisieren will. Die freien Mitarbeiter werden miserabel bezahlt, die Fotografen k√§mpfen um ihre Existenz, die Redakteure schreiben Pressemitteilungen als eigene redaktionelle Berichte um und viele „hei√üe“ Nachrichten werden erst gar nicht berichtet.

Ob es von all dem nun „Mehr“ gibt? Noch mehr Bratwurst? Noch mehr Belanglosigkeit? Noch mehr Liebedienerei und Hofberichterstattung? Noch mehr schlechte Bilder in schlechtem Druck?

Ab kommendem Dienstag, den 02. November 2010, soll es soweit sein.

Meine kleine Redaktion und ich lassen uns √ľberraschen und sagen: „Konkurrenz belebt das Gesch√§ft.“ ūüôā

Unabh√§ngig davon machen wir das weiter, was in der Branche als „Zukunft des Lokaljournalismus“ gilt.

Arbeiten Sie mit am „Journalismus der Zukunft“

Guten Tag!

Ladenburg, 09. September 2010. Glauben Sie alles, was in der Zeitung steht? Dann brauchen Sie nicht weiterlesen. Falls nicht, sind Sie bei uns richtig. Denn das ladenburgblog hat keinen geringeren Anspruch, als an der Zukunft des Journalismus mitzuwirken.

Von Hardy Prothmann

Unsere Redaktion betreut zur Zeit drei Angebote: http://ladenburgblog.de, http://heddesheimblog.de und http://hirschbergblog.de.

Auf dem heddesheimblog ist heute eine Kritik zum Mannheimer Morgen erschienen, dem wir nicht zum ersten Mal eine mangelhafte journalistische Leistung vorwerfen.

„Journalistische“ Mogelpackungen.

Der Bericht, „Die Sanierung geht weiter“, √ľber einen Ammoniak-Unfall an der Eisbahn Heddesheim tut so, als w√§re er vom MM-Redakteur Hans-J√ľrgen Emmerich recherchiert und geschrieben worden. Tats√§chlich hat Herr Emmerich einfach die Pressemitteilung der Gemeinde Heddesheim etwas um- und seinen Namen dr√ľbergeschrieben. Schwubdiwups entsteht aus einem Fremdbeitrag eine scheinbar eigenst√§ndige journalistische Arbeit.

Das ist eine Mogelpackung, die sich häufig (nicht nur) in Lokalmedien findet. In unseren Augen ist das schlechter Journalismus, weil die Aufrichtigkeit auf der Strecke bleibt. Auch wir veröffentlichen ab und zu Pressemitteilungen Рdokumentieren dies aber ungeschönt und mit Nennung der Quelle. Erstens, weil wir uns kein fremdes geistiges Eigentum aneignen wollen und zweitens, weil wir damit die journalistisch notwendige Distanz wahren.

Kaum hatten wir den Text ver√∂ffentlicht und auch √ľber „social media“ wie Twitter und Facebook bekannt gemacht, erhielten wir per Twitter den Hinweis der Medien-Journalistin Ulrike Langer zu einer Umfrage der Akademie f√ľr Publizistik in Hamburg: Journalisten erf√ľllen Erwartungen nicht.

Guter Journalismus.

Darin hei√üt es: ‚ÄěDie Umfrage zeigt: Das Image der Journalisten ist nicht so gut, wie es sein m√ľsste und nicht so schlecht, wie es sein k√∂nnte‚Äú, sagt Heribert Prantl, Leiter des Ressorts Innenpolitik der S√ľddeutschen Zeitung, Dozent und Mitglied des Ethikrates an der Akademie f√ľr Publizistik. ‚ÄěDer Journalismus braucht keine Imagekampagne. Er braucht gute Journalisten. Ein Journalismus, dem die Leute trauen und vertrauen, ist wichtiger denn je.‚Äú

Ein Journalismus, dem die Leute trauen und vertrauen also. Da hat der geschätzte und äußerst renommierte Kollege Prantl absolut recht und kann das auch so sagen, weil er einer ist, dem man trauen und vertrauen kann.

Journalismus soll zuallererst informieren, er darf auch unterhalten und er muss, dass ist unser Anspruch, durch seine privilegierten Recherchem√∂glichkeiten auf Kontrolle aus√ľben. Journalisten sind keine Ermittler, keine Vollzugsbeh√∂rde und kein Gericht. Aber sie k√∂nnen recherchieren, k√∂nnen Dinge nachvollziehbar machen und √ľber die Meinungsfreiheit an der Meinungs- und Urteilsbildung mitwirken.

Journalismus f√ľr alle.

Hardy Prothmann ist der verantwortliche Journalist f√ľr das ladenburgblog.de

Ein b√ľrgernaher Journalismus, wie wir ihn betreiben, ist dabei offen f√ľr alle. Vereine, Parteien, Privatpersonen, Unternehmen und andere k√∂nnen sich auf unserer Plattform beteiligen, indem Informationen an die √Ėffentlichkeit gegeben werden oder indem die Redaktion √ľber Hintergr√ľnde und Zusammenh√§nge informiert wird.

Unsere journalistische Haltung ist zuallererst eine interessierte. „Was passiert wie wo und mit wem und ist das ausreichend interessant?“, fragen wir uns jeden Tag. Und immer mehr LadenburgerInnen unterst√ľtzen uns dabei, was uns sehr freut.

Zwei Beispiele: Das Drachenbootrennen und das Ballon-Festival.

Die Berichterstattung zum Drachenbootrennen hat mit √ľber 12.000 BesucherInnen an einem Tag das bislang gr√∂√üte Interesse f√ľr ein Einzelthema gefunden. Warum? Weil wir mit fast eintausend Bildern eine noch nie dagewesene Dokumentation dieses Ereignisses ver√∂ffentlicht haben. Rund die H√§lfte der Abrufe war √ľberregional – womit unsere Berichterstattung zum guten Ruf und zur Bekanntheit Ladenburgs und der Drachenbootabteilung des FV03 √ľber die Region hinaus beigetragen hat. Denn unsere Informationen sind lokal, regional, √ľberregional oder weltweit frei zug√§nglich abrufbar.

Die Hintergrundberichte zum Ballonfestival haben auch den Konflikt thematisiert, der zwischen LSV, Stadt und dem Ballonfahrten-Betreiber Michael Bering entstanden war. Nicht jede Information hat jedem gefallen – es ist aber auch nicht unsere Aufgabe, immer nur gefallen zu wollen. Hinweise zu Hintergr√ľnden kamen dabei aus der Bev√∂lkerung und anderen Quellen, was unsere Arbeit deutlich unterst√ľtzt hat und uns beispielsweise auch die Exklusivmeldung brachte, dass der Veranstalter Bering ein Ballonfestival im Luisenpark veranstaltet.

Oder unser Bericht aus der vergangenen Woche zum Raub√ľberfall auf einen Ladenburger Gastronomen: Ohne die Unterst√ľtzung von „Informanten“ h√§tten wir diesen nicht in dieser exklusiven Form verfassen k√∂nnen.

Umfassende Informationen.

Diese gemeinsame Leistung lohnt sich vielfach: Sie, liebe Leserinnen und Leser, k√∂nnen sich gut und umfassend informiert f√ľhlen. Sicher – wir decken vielleicht noch nicht so viele Themenbereiche ab wie der Mannheimer Morgen, aber wir decken mehr auf, schreiben nicht immer dieselben Jubelartikel, blicken kritisch auf die Themen und setzen immer wieder das Tagesthema. Und das, obwohl wir erst seit Februar 2010 berichten, den MM gibt es seit 1949.

Was uns sehr freut: Wir erreichen √ľber Facebook und Twitter auch viele junge Menschen, eine Gruppe, die die Zeitungen l√§ngst verloren hat.

Anfeindungen und souverände Haltungen.

Die Anfeindungen, die wir wegen unserer Berichte manchmal erleben m√ľssen, sind teils massiv. Es wird „dummes Zeug“ erz√§hlt, beispielsweise ging in Heddesheim das Ger√ľcht um, wir w√ľrden einen Anzeigenkunden mit kompromittierenden Fotos erpressen, damit dieser bei uns wirbt. Die Wahrheit ist eine andere. Uns sind F√§lle bekannt, bei den Werbekunden unter Druck gesetzt wurden, nicht mehr bei uns zu werden. Uns wird unterstellt, wir w√ľrden Informationen manipulieren oder falsch berichten – Geschw√§tz, dass von „interessierten Kreisen“ verbreitet wird, die wir durch unsere Arbeit st√∂ren.

Der Heddesheimer B√ľrgermeister Michael Kessler ist dar√ľber so verst√∂rt, dass er uns keinerlei Interview gew√§hrt und seinen Mitarbeitern einen Maulkorb verpasst hat. Wenn wir bei der Gemeinde recherchieren wollen, haben wir genau einen Ansprechpartner, die email-Adresse gemeinde@heddesheim.de.

Das ist nat√ľrlich vollst√§ndig absurd. Der Ladenburger B√ľrgermeister Rainer Ziegler und sein Hirschberger Kollege Manuel Just zeigen sich dagegen sehr souver√§n, halten Kritik aus und unterst√ľtzen unsere Arbeit, wie man das erwarten darf. Kontakte zu Gemeindemitarbeitern sind jederzeit m√∂glich und werden von uns auch genutzt.

Werbepartner.

Die finanzielle Grundlage f√ľr unsere Arbeit ist zum Teil die Werbung. Auch hier m√ľssen wir noch √úberzeugungsarbeit leisten, weil viele lokale und regionale Unternehmen bislang bei Werbetr√§gern ausschlie√ülich an Printwerbung denken. Die vielf√§ltigeren M√∂glichkeiten einer Werbung, die auch die begehrten Zielgruppen im Internet erreicht, sind noch nicht bislang h√∂chstens ausreichend verstanden worden.

Wir sind aber sicher, dass der Umdenkungsprozess schnell vorangeht, den die Werbung folgt der Aufmerksamkeit. Zudem bieten wir viel g√ľnstigere Konditionen und bessere Bedingungen im Vergleich zu den saftigen Preisen einer Tageszeitung.

A propos lokale Wirtschaft: Auch diese begleiten wir wohlwollend kritisch, werden dabei aber unter Umst√§nden falsch verstanden, weil man mit Kritik nicht umgehen kann. Als der Bund der Selbstst√§ndigen bekannt machte, dass die Mehrheit der beteiligten Unternehmen an einem verkaufsoffenen Sonntag sehr zufrieden war, hat der MM das auch so aufgeschrieben. Wir haben bei allen √ľber 20 beteiligten Firmen nachgefragt und herausgefunden, dass die „Zufriedenheit“ nach Schulnoten bei 2,3 lag. Das ist nicht „sehr gut“, sondern eine 2-.

Warum machen wir das? Um jemanden zu √§rgern? Wohl kaum. Wir √ľberpr√ľfen einfach Aussagen. W√§re eine 1+ rausgekommen, h√§tten wir auch das ver√∂ffentlicht. So ist unsere Recherche nicht kritisch im Sinne von „b√∂se, b√∂se“, sondern transparent und kann einen guten Hinweis geben, dass es eben doch keine so gro√üe Zufriedenheit gibt. Und bevor sich das in eine gro√üe Unzufriedenheit verwandelt, hat man die M√∂glichkeit, an den Konzepten zu feilen, um sie zu verbessern. So verstanden, hilft Kritik in fast allen Lebenslagen. Man muss nur bereit daf√ľr sein.

Je mehr Kritik Рumso bessere Lösungen.

Auch wir sind bereit f√ľr Kritik – von Ihnen. Schreiben Sie uns an redaktion(at)ladenburgblog.de zu welchen Themen Sie mehr Berichte von uns erwarten, schreiben Sie uns Ideen, wie Sie sich einbringen k√∂nnen, schreiben Sie uns, was Ihnen nicht gef√§llt. Wir versuchen unser Angebot fortlaufend zu verbessern, um das beste an Journalismus zu bieten, was m√∂glich ist.

Der Journalismus wird sich √§ndern m√ľssen. Er ist nur noch ein Teil, wenn auch ein wichtiger, der √∂ffentlichen Kommunikation. Unsere Redaktion ist darauf eingestellt. Wir gehen vor Ort zu den Menschen, aber sind auch da, wo die Menschen im Internet sind.

Als professionelle „Informationsarbeiter“ bieten wir verl√§ssliche Informationen an und filtern aus allen zug√§nglichen Quellen relevante oder auch unterhaltende Informationen. Und so, wie sich beispielsweise KommentatorInnen bei uns einbringen, kommentieren unsere Mitarbeiter auf anderen Seiten Ereignisse und Berichte als „BesucherInnen“.

Der zuk√ľnftige Journalismus ist Teil eines gro√üen Netzwerkes und das ist gut so. Machen Sie mit. Es lohnt sich. ūüôā

Berichterstattung: „Schaut einfach mal genau hin.“

Guten Tag!

Ladenburg, 24. Juli 2010. Unsere Berichte und die Fotostrecken zum „Drachenbootrennen in Ladenburg 2010“ wurden insgesamt √ľber 80.000 Mal aufgerufen – von rund 12.000 Besuchern in etwas mehr als zwei Tagen. Ecki Mayer, Pressesprecher der „03-er“ wurde oft auf die Berichterstattung angesprochen, vor allem auf den Bericht: „Die Drachen. Die Boote. Die Rennen. Eine R√ľckschau.“ Und die Gr√ľnde sind bemerkenswert: LeserInnen glauben nicht mehr, was sie lesen, sondern, was sie meinen zu lesen. Das wiederum wirft die Frage auf, warum das so ist? Die Antwort ist: Viele Medien sind unglaubw√ľrdig – dann glaubt man halt, was man will. Muss das so sein?

Kommentar: Hardy Prothmann

Das Drachenbootrennen in Ladenburg 2010 war ein Ph√§nomen. Also ein besonderes Ereignis. Wir haben dar√ľber umfangreicher als jedes andere Medium in der Region berichtet. Beides, das Event und unsere Berichterstattung, werten wir als Erfolg.

Trotzdem gibt es offene Fragen. Das ist… normal. Auch dar√ľber haben wir berichtet. In einem Artikel und im direkten Austausch mit dem Pressesprecher des „FV 03 Ladenburg“, Ecki Mayer und mit dem Abteilungsleiter Markus Walz.

Erstaunlich ist, welche „Verwicklungen“ diese Berichterstattung am Rande ausl√∂ste. So wurde Ecki Mayer gefragt, wie er dazu komme, so und so √ľber das Drachenbootrennen zu berichten.

Ecki Mayer hat nicht berichtet, er hat auf Fragen des ladenburgblogs Antworten gegeben. Also das gemacht, wof√ľr Pressesprecher da sind. Fragen der Medien zu beantworten.

Eine nicht geringe Zahl Menschen hat angenommen, der Artikel „Die Drachen. Die Boote. Die Rennen. Eine R√ľckschau.“ sei von Ecki Mayer geschrieben worden.

Auch das ist ein echtes Phänomen, das unsere Redaktion ehrlich erstaunt hat. Über dem Artikel steht der Name des Autors: Hardy Prothmann. Der Artikel erscheint nicht auf der Homepage des FV 03, sondern auf dem unabhängigen ladenburgblog. Ecki Mayer wird darin zitiert Рabsolut korrekt, wie er in seinem Kommentar bestätigt. Auch andere Menschen werden zitiert.

Wie kann es also sein, dass offensichtlich viele LeserInnen annehmen, nicht der Autor, sondern Ecki Mayer sei der Verfasser des Textes?

Die Antwort ist einfach und zugleich ersch√ľtternd.

Die Vereinsberichterstattung in den Tageszeitungen ist √ľberwiegend heruntergekommen. Und das seit Jahren.

Sie halten das f√ľr eine „unglaubliche“ Behauptung? Eigentlich haben Sie Recht. Es ist unglaublich, aber leider wahr.

Die g√§ngige Praxis vieler Tageszeitungen ist es, sich nach Belieben in Pressetexten und anderen Informationen zu „bedienen“ und so zu tun, als w√§ren die daraus entstandenen Texte eigenst√§ndige redaktionelle Leistungen.

Doch dem ist nicht so. Viele Medienkonsumenten sehen in Texten selbstverständlich nur die Stimmen und Stellungnahmen der Vereinsvertreter, Lokalpolitiker, Interessenvertreter und so weiter, weil niemand mehr daran glaubt, dass sich vielleicht der verantwortliche Journalist selbst auf Grund seiner eigenständigen Leistung äußert.

Das ist, ganz ehrlich, eine Katastrophe. F√ľr die LeserInnen und f√ľr die Journalisten, die eigenst√§ndig, unabh√§ngig und kritisch arbeiten. Leider gibt es zu viele „Pseudo“-Journalisten, die nur noch so tun, also ob und damit allen ernsthaften Journalisten schwer zu schaffen machen.

Durch die undifferenzierte, geschönte, verbratwurstete und unkritische Haltung der Haus- und Hofschreiberlinge glauben viele Menschen nicht mehr das, was sie lesen, sondern das, was sie vermuten zu lesen.

Journalismus darf vermuten, √ľberwiegend sollte er aber faktisch berichten und kritisch einordnen. Diese Haltung haben aber viele der „etablierten“ Medien schon seit vielen Jahren aufgegeben. Und damit haben sie ihre Glaubw√ľrdigkeit ohne Not geopfert.

Die „Ladenburger Zeitung“ ist ein Paradebeispiel daf√ľr. Die Meinungen √ľber dieses Bl√§ttchen sind sehr eindeutig. Auch der Mannheimer Morgen wird nur noch bedingt ernst genommen.

Daran sind diese Medien selbst Schuld. Die Situation ist einfach: Gefällt wem auch immer eine Berichterstattung, ist die gut. Gefällt sie nicht, ist sie schlecht.

Undifferenzierter geht es kaum. Es wird gelesen, was man lesen will, nicht, was schwarz auf weiß da steht. Es wird beliebig. Es wird austauschbar. Es wird egal.

Egal heißt gleich. Wenn aber jede Berichterstattung gleich ist, dann wird irgendwann Soße draus. Einheitsbrei. Irgendwas. Uneindeutig. Austauschbar. Beliebig. Unwichtig.

Die Aufgabe von Medien war schon immer, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen. Medien konnten noch nie und werden nie die ganze Komplexität der Welt abbilden können. Das ist unmöglich.

Medienberichterstattung ist immer eine Dienstleistung. Der Dienst ist die Information der MediennutzerInnen. Die Leistung ist die bestmöglichste Information.

Unsere Gesellschaft ist hochgradig arbeitsteilig organisiert. Jeder macht etwas anderes, was im Idealfall sich gegenseitig ergänzt.

So richtet ein Verein ein Sport-Event aus, andere nehmen daran teil, andere sind Zuschauer, wieder andere sind wie auch immer daran beteiligt und Medien berichten dar√ľber.

Die Aufgabe von Medien ist es, einen √úberblick zu liefern. Eine Detailbetrachtung zu bieten. Eine Orientierung zu geben.

Der Journalismus begr√ľndet sich in Deutschland auf Artikel 5 Grundgesetz √ľber die Meinungsfreiheit. Jeder darf sich ungehindert und ohne staatliche Zensur unter Zuhilfenahme freier Quellen seine eigene Meinung bilden und diese verbreiten.

Das ist ganz besonderes, demokratisches Privileg. Aber es ist nicht beliebig, sondern es fordert auch einen aufmerksamen Umgang mit diesem Grundrecht.

Wenn sich ein Pressesprecher beschweren muss, dass ein in einem unabhängigen Medium veröffentlichter Artikel tatsächlich von einem Journalisten verfasst wurde, dann muss einen das nachdenklich stimmen.

Dann muss die Frage gestellt werden, warum LeserInnen nicht ganz selbstverständlich davon ausgehen können, dass eine Redaktion eine eigenständige Leistung erbracht hat?

Diese Frage ist bedeutend. Sie muss jeden Tag bei der Lekt√ľre egal welchen Mediums gestellt werden. Ist das, was mich informiert, wirklich das, was es vorgibt zu sein? Werbung muss als Werbung erkannt werden k√∂nnen. Journalismus als Journalismus.

Wenn die Grenzen flie√üend werden, entsteht ein Brei, eine einzige So√üe, bei der niemand mehr die Zutaten erkennen kann. Der Brei schmeckt immer gleich und verliert jeden „Geschmack“.

Das scheint heute leider die Wahrnehmung vieler in Bezug auf die Medienberichterstattung zu sein.

Das ladenburgblog kämpft dagegen an. Sie können sich bei uns darauf verlassen, dass, wo ladenburgblog draufsteht, auch ladenburgblog drin ist.

Alle unsere Artikel sind unabh√§ngig, √ľberparteilich und kritisch selbst erarbeitet. Wir benennen unsere Quellen und markieren „Zitate“. Wenn wir einen Text unbearbeitet √ľbernehmen, informieren wir √ľber den Verfasser.

Das hei√üt, wir leisten einen korrekten Dienst f√ľr unsere LeserInnen. Transparent und nachvollziehbar.

Unser Text √ľber das Drachenbootrennen erf√ľllt genau diesen Anspruch. √úberall, wo Ecki Mayer zitiert wurde, machen wir das durch „Anf√ľhrungszeichen“ kenntlich. Alles andere sind unsere Aussagen oder eben die von anderen Quellen in „Anf√ľhrungszeichen“.

Seit Jahren gibt es in engagierten Journalistenkreisen immer wieder die Forderung, den Brei aus Pressemitteilungen und unkritischer √úbernahme wieder ordentlich zu trennen.

Wenn sogar ein Pressesprecher fordert: „Schaut einfach mal genau hin“, dann stehen alle Zeichen auf Alarm.

Nat√ľrlich ist ein Pressesprecher daran interessiert, das, wof√ľr er spricht, m√∂glichst gut in die „Presse“ zu bringen. Wenn ein Pressesprecher sich aber m√ľhen muss, die √Ėffentlichkeit aufzurufen, „genau hinzuschauen“, dann l√§uft irgendetwas schon lange schief.

„Genau hinzuschauen“ sollte eigentlich die selbstverst√§ndliche Dienstleistung von Medien sein. Und selbstverst√§ndlich sollten sich die Medienkonsumenten darauf verlassen k√∂nnen, dass Journalismus ein einwandfreies Produkt liefert.

Bei uns k√∂nnen Sie sich darauf verlassen. Wenn Sie Zweifel daran haben oder Kritik √ľben wollen, stellen wir uns dieser: Nobody is perfect und sicher machen auch wir ab und an einen Fehler. Transparenz, Kontrolle und Dialog sind f√ľr uns selbstverst√§ndlich.

Kleine Fehler korrigieren wir „en passant“, echte Fehler dokumentieren wir in einer eigenen Kategorie „Korrektur“. Bislang haben wir diese nicht gebraucht. (Auf dem heddesheimblog war das schon der Fall, Dokumentation hier.)

Alle Medien, die dies ablehnen, sollten Sie sehr, sehr kritisch be√§ugen. Sie k√∂nnen davon ausgehen, dass hier „Fehler“ systematisch gewollt begangen, √ľbergangen oder auch vertuscht werden.

Medien, die ihre Quellen verschleiern und mit „zg“ benennen, sind unehrlich. „Zg“ hei√üt zugeschickt. Ist das eine Information? Nein. Das tut nur so. Weil man nicht erf√§hrt, wer der Absender ist, was sein Ziel ist.

Medien, die weite Teile von Pressemitteilungen √ľbernehmen und solche „gepatchtworkte“ Texte als eigenst√§ndige redaktionelle Leistung verkaufen, begehen einen Betrug am Leser.

„Schaut einfach mal genau hin“, sagt Ecki Mayer und damit hat er absolut Recht.

Schauen Sie hin, vergleichen Sie mehrere Medien und deren Berichte miteinander.

Informieren Sie sich unabh√§ngig aus allgemein verf√ľgbaren Quellen. Das ist ihr grundgesetzlich garantiertes Recht. Und dann bilden Sie sich eine unabh√§ngige Meinung.

Das Dilemma des Journalismus sind die so genannten Journalisten und vor allem „zg“

Guten Tag!

Ladenburg, 09. Juni 2010. Wir haben vor gut einem Monat schon einmal √ľber eine Unsitte des Mannheimer Morgen berichtet und heute m√ľssen wir das wiederholen. Denn die Zeitung tut oft nur so, als w√ľrde sie journalistisch informieren.

Von Hardy Prothmann

Journalist kann in Deutschland jeder B√ľrger und jede B√ľrgerin sein. Journalist ist n√§mlich keine gesch√ľtzte Berufsbezeichnung. Wenn Sie so wollen, k√∂nnte man (Bild)titeln: „Wir sind Journalist“. Wir alle. Jeder einzelne.

Das garantiert Artikel 5 Grundgesetz √ľber die Meinungsfreiheit. Danach k√∂nnen alle B√ľrgerInnen √ľber alle vorhandenen „Kan√§le“ ihre Meinung √§u√üern – eine staatliche Zensur findet nicht statt. Und das ist gut so.

Sicher haben Sie auch schon von „B√ľrgerjournalisten“ geh√∂rt. Vorreiterin und Erfinderin dieser neuen journalistischen Spielart ist die Bildzeitung. Der geht es nicht um B√ľrger und schon gar nicht um Journalismus, sondern vor allem um „exklusive“ Dinge – vornehmlich Fotos, die die Zeitung gerne mit gutem Geld bezahlt, vor allem dann, wenn es um „Exklusives“ geht – B√ľrger und Journalismus sind der erfolgreichsten Zeitung Europas dabei egal. Es geht um Auflage, Werbeeinnahmen, ums Gesch√§ft.

Bild-Insider wissen, was sich gut verkauft: TTT- Tiere, Titten, Tote.

Ob man dieses „Gesch√§ftsmodell“ nun gut findet oder nicht – Journalismus ist ein „Business“, ein Gesch√§ft. Typischerweise finanziert √ľber Werbung – wobei die Trennung zwischen Anzeigen und Redaktion als Status quo gilt, was aber fl√§chendeckend nur ein Mythos ist.

Wer guten Journalismus machen will, muss personalintensiv arbeiten. Von √ľberall her gibt es Informationen. Professioneller Journalismus pr√ľft diese, ordnet sie ein, gibt ihnen ein Gewicht.

Informationen sind sehr vielfältig und das macht auch den Reiz des Journalismus aus. Was steht fest? Was muss man anzweifeln? Was tiefer recherchieren? Was wie darstellen?

Fragen zu stellen und Antworten zu finden – das ist Journalismus. Ein Job, den jeder B√ľrger erledigen kann – wenn er bereit ist, sich viel Arbeit zu machen.

Aber es geht auch einfacher. Vor allem f√ľr so genannte Journalisten – die lassen n√§mlich die Arbeit machen.

Zum Beispiel bei Vereinen. Dort gibt es „Pressewarte“ – die schreiben auf, was im Verein passiert oder was der Verein vorhat. Das ist absolut richtig und legitim. Man informiert die √Ėffentlichkeit und das nat√ľrlich „positiv“.

Das machen Gemeinden, Regierungen und Firmen nicht anders. Alle machen das.

Auch wir √ľbernehmen redaktionell immer wieder ungepr√ľft „Informationen“ – wenn diese eindeutig sind.

Es gibt allerdings einen eklatanten Unterschied zwischen unserer redaktionellen Arbeit und der der Tageszeitungen, speziell der des Mannheimer Morgens.

Wir tun nicht so, als ob. Wir k√∂nnen nicht √ľberall an jedem Ort zu jedem Thema pr√§sent sein. Trotzdem k√∂nnen wir zu jedem Thema an jedem Ort berichten – indem wir recherchieren.

Ungepr√ľfte Informationen werden von uns niemals als redaktionelle, also gepr√ľfte, Informationen dargestellt. Der MM bedient sich hier eines „Tricks“. Texte von Vereinen, Institutionen, Beh√∂rden oder Firmen werden mit „zg“ gekennzeichnet.

Der unbedarfte Leser denkt vielleicht, dass das K√ľrzel f√ľr einen Journalisten steht – dem ist aber nicht so. „zg“ hei√üt „zugeschickt“.

Jeder Artikel – und davon hat es heute viele – im MM, der das K√ľrzel „zg“ tr√§gt, ist eine mehr oder weniger 1:1-√úbernahme eines nicht journalistisch √ľberpr√ľften Textes, der so tut, als sei er ein redaktioneller Text, denn immerhin steht ein „K√ľrzel“ darunter.

Ganz konkret und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, werden damit die LeserInnen „verarscht“.

Sie glauben das nicht? Dann machen Sie sich einen Spaß draus.

Fragen Sie Ihre Kinder, Nachbarn, Kollegen, wen auch immer, was „zg“ hei√üt.

Wir verfahren anders. „zg“ ist f√ľr uns ein „No-Go“.

Auch wir ver√∂ffentlichen ab und an „zugesandte Mitteilungen“ – von der Gemeinde, von Vereinen oder von anderen.

Wir nennen die Quelle und wenn es notwendig ist, recherchieren wir nach und veröffentlichen zusätzliche Informationen.

Der Mannheimer Morgen tut so, als w√ľrde er seine LeserInnen aus eigener redaktioneller Kompetenz informieren – heute √ľberwiegend mit „zg“.

Ich pers√∂nlich finde es schade und bedenklich, dass eine Zeitung, die journalistisch ernst genommen werden will, nicht in der Lage ist, seine offensichtlichen Quellen zu nennen, sondern sich hinter einem „Pseudo“-K√ľrzel wie „zg“ versteckt.

Das ist armselig, schwach und feige.

Leider gilt diese Einsch√§tzung f√ľr viele der Journalisten in unserem Berichtsgebiet, f√ľr deren Redaktionsleitungen und f√ľr deren Produkte.

Ein aufrechter Journalismus benennt seine Quellen – au√üer, wenn er diese sch√ľtzen muss, weil die „Quelle“ Nachteile bef√ľrchten muss.

Journalismus ist das Gesch√§ft mit Informationen. Glaubw√ľrdiger Journalismus lebt von Transparenz.

Es gibt f√ľr kein Medium dieser Welt einen Grund, unproblematische Quellen zu verschweigen.

Au√üer f√ľr Tageszeitungen, die schon seit vielen Jahren ihre Inhalte nicht journalistisch, sondern „zugeschickt“ best√ľcken und so tun als ob es „journalistisch-erarbeitete“ Informationen seien.

Dazu geh√∂rt der Mannheimer Morgen, der einen sehr „flei√üigen Mitarbeiter“ hat, dessen „K√ľrzel“ „zg“ ist.

√úber die Toten nichts als Gutes – oder wie der MM den Tod eines Menschen zum Thema macht

Guten Tag!

Ladenburg, 16. Mai 2010. Ein B√ľrger der Stadt Ladenburg ist gestorben. Der Mannheimer Morgen (MM) berichtet dar√ľber. Dieser Bericht ist inakzeptabel.

Kommentar: Hardy Prothmann

De mortibus nihil sine bene – √ľber die Toten nichts als Gutes, ist kein Gesetz, aber eine Frage des Respekts und der eigenen Haltung.

Der Mannheimer Morgen schreibt am 15. Mai 2010: „Dieter Elbe-Benz, ein Urenkel von Autopionier Carl Benz, ist tot. Er starb gestern im Alter von 74 Jahren.“

Das ist eine korrekte Information, die zul√§ssig ist, weil der „Benze Dieter“ in der Stadt aktiv war und zum √∂ffentlichen Leben geh√∂rte.

Danach folgen Angaben √ľber pers√∂nliche Stationen, Verletzungen, gesch√§ftliche Informationen, aber auch sehr private.

Der Bericht im MM endet mit der Insolvenz des „Traditionsunternehmens Benz S√∂hne“.

Der Mannheimer Morgen ist wie jedes Medium der eigenen Ethik verpflichtet, was berichtet wird.

M√§zen – kinderlos – insolvent, habe ich aus dieser Berichterstattung √ľber einen mir unbekannten Menschen mitgenommen.

Hat mich dieser Bericht informiert oder soll ich irgendetwas herauslesen, frage ich mich als Leser?

Vor allem, wenn Herr Elbe, der eigentlich zu „Benz“ geh√∂rt, „kinderlos“ geblieben ist und „vor allem stets die Firma war“?

Die Vorstellungen aus dieser Schilderung mag ich gar nicht ziehen.

Die Vorstellung, dass eines Tages in der Zeitung oder online oder anderswo so despektierlich √ľber meinen Abschied vom Leben berichtet w√ľrde, w√ľrde mir nicht gefallen, obwohl es mir egal sein k√∂nnte.

Ich w√ľrde aber Hinterbliebene hinterlassen, Menschen, die das Leben noch vor sich haben. Andere Menschen, die meine Menschen mit „kinderlos“ und „Insolvenz“ in Verbindung bringen k√∂nnten.

Ich erwarte keine halbgaren Andeutungen, sondern klare Aussagen.

Entweder ist hier ein anständiger Mensch gestorben und hat das Recht, anständig behandelt zu werden.

Oder es handelt sich um einen Versager, der es weder schaffte, Kinder zu zeugen, noch einen Betrieb erfolgreich zu f√ľhren – das muss ich zumindest vermuten, wenn ich den MM lese.

Und wenn das so w√§re – w√§re da noch die entscheidende Frage, was das die √Ėffentlichkeit angeht.

Wenn die Journalisten Hans-J√ľrgen Emmerich und Peter Jaschke meinen, dass diese Art von Information die √Ėffentlichkeit angehen, dann sollten sie wenigstens irgendein Argument bringen, warum das so sein soll und nicht nur bl√∂de andeuten.

Und wenn es keinen nachvollziehbaren Grund gibt, hätten sie besser nichts geschrieben.

Ich kann eventuelle Hintergr√ľnde nicht beurteilen, weil ich Herrn Dieter Elbe-Benz nicht kannte und dazu nicht recherchiert habe.

Ich weiß nur eins: Angesichts des Todes eines Menschen gilt zuerst Betroffenheit und Anteilnahme.

Es k√∂nnte auch ein zul√§ssiges Recht der √Ėffentlichkeit bestehen, mehr Hintergr√ľnde zu erfahren. Doch daf√ľr braucht es Gr√ľnde.

Die konnte ich in der despektierlichen Meldung des MM nicht erkennen.

Der Familie von Dieter Elbe-Benz m√∂chte ich meinen Respekt vor dem Menschen und seinem Leben ausdr√ľcken.

Ich w√ľnsche der Familie Kraft und Glauben, um diese schwere Zeit des Verlustes zu √ľberwinden.