Montag, 25. September 2017

Entwicklungsminister Niebel

Sexismus gibt es auch gegen Männer – meint Niebel

Heidelberg/Rhein-Neckar, 04. Februar 2013. (red/cm) Im Zuge der aktuellen Sexismus-Debatte hat sich Dirk Niebel (FDP, Wahlkreis Heidelberg-Weinheim), Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, in einem Gespräch mit der „Welt“ geäußert. Hinsichtlich der aktuell laufenden Debatte betonte der Minister, dass es Sexismus auch gegen Männer geben würde. Im Gegensatz zu Sexismus gegen Frauen werde darüber aber kaum gesprochen.

Von Christian Mühlbauer

Dirk Niebel (FDP) meint, auch Männer seien von Sexismus betroffen und das werden nur „verschämt“ behandelt. Archivbild: hirschbergblog.de

Die aktuelle Sexismus-Debatte führt zu vielfältigen Meinungen, nicht nur unter dem Twitter-Hastag #aufschrei. Auch Dirk Niebel, Bundesminister und FDP-Abgeordneter des Wahlkreis Heidelberg-Weinheim, hat sich gegenüber der „Welt“ zur aktuellen Sexismus-Debatte geäußert. Gegenüber der Zeitung brachte er die Forderung zum Ausdruck, dass es auch eine Debatte über „Sexismus gegen Männer“ geben müsse.

Diese Art Sexismus existiere nämlich ebenfalls, gleichwohl werde darüber jedoch „kaum gesprochen“. Insgesamt werde dieser Themenkomplex „extrem verschämt behandelt“, so Niebel gegenüber der „Welt“. Er selbst habe bereits erste Maßnahmen nach den Sexismus-Vorwürfen gegen den Rainer Brüderle, Fraktionschef der FDP, getroffen.

Bei Interviews mit Journalistinnen sei nicht mehr nur sein Pressesprecher, sondern auch eine weibliche Mitarbeiterin anwesend. Wie Niebel gegenüber der „Welt“ betonte, wolle er an diesem Vorgehen vorerst auch nichts ändern. Ein Interview mit der Journalistin Laura Himmelreich, welche die Sexismus-Debatte durch Ihren Artikel über Rainer Brüderle angestoßen hatte, habe er aufgrund mangelnder Vertrauensbasis abgesagt.

Gegenüber der „Welt“ warnte der Bundesminister vor einer Situation, die vergleichbar zu den USA werde. Dort könne man als Mann einen Fahrstuhl nicht betreten, wenn eine Frau darin allein unterwegs ist. Eine ähnliche Entwicklung befürchtet Niebel offenbar in Deutschland. Man bekäme es mit „einer anderen Republik zu tun“, wenn man an einer Bar, abends nach einem Parteitag, aus einem freien Gespräch Konsequenzen fürchten müsse. Schließlich werde dort nicht alles „druckreif formuliert“ und das Gesagte könne „falsch verstanden werden“.

Hinweis: Lesen Sie auch unseren Gastbeitrag der Mainpost-Journalistin Gisela Rauch zum Thema.

Gabis Kolumne

Von Helden und Abenteurern

Ein bischen Schwund ist immer, das Auto fährt schließlich auch ohne Türgriff.

Rhein-Neckar, 05. November 2012. Gib Männern eine Aufgabe und je hoffnungsloser die ist, umso mehr werden sie sich anstrengen. Nimm ihnen aber nie die Hoffnung, sondern habe immer eine Erklärung parat, wenn die Aufgabe nicht zu lösen ist. Motto: Hauptsache Held, ob glorreich oder bescheiden. Was Tiefenpsychologie und Autoschlösser gemein haben, weiß Gabi.

Das Kind im Manne wird ja immer wieder gerne bemüht. Erwachsene Kerle spielen mit der Eisenbahn, sammeln Panini-Aufkleber oder stellen im Keller eine Carrera-Bahn auf. Alles oft gesehen und nicht wirklich verwunderlich.

Barbie-spielende Frauen gibt es dagegen eher selten.

Doch das Ganze kann auch noch getoppt werden. Wie ich schon berichtet habe, ist mein Sohn vor kurzem ausgezogen und der Umzugstag hielt so einige Überraschungen bereit.

Der Sprinter stand vollgepackt und zur Abfahrt bereit im Hof und mein Sohn brachte nur noch die wichtigen Dinge wie Computer, Anlage und die Tasche mit seinen Unterlagen in seinen neu gekauften alten Golf.

Fünf Minuten später kam er blass zurück und meinte, die Abfahrt würde sich jetzt vermutlich verschieben. Der Autoschlüssel – der einzige !! – lag im Kofferraum des zentralverriegelten Autos. Der Wagen war samt Inhalt hermetisch abgeschlossen und vier junge Kerle diskutierten wild, wie man nun dieses Auto knacken könnte.

Ein technisch versierter Freund meines Sohnes brachte die Tennisball-Methode ins Spiel. Laut Physik-Unterricht in der Schule könne man mit Hilfe eines mit einem Loch versehenen Tennisballs ein Schloss öffnen, erklärte er uns. Doch während ich mich im Haus noch auf Ballsuche machte, kam meine Tochter dazu und meinte, „das könnt‘ ihr vergessen, ich hab’s grad gegoogelt und das funktioniert überhaupt nicht“.

Inzwischen war auch ein Nachbar zur Hilfe geeilt, der mit leuchtenden Augen und guten Ideen vor dem verschlossenen Golf stand. „Mensch, Klaus“, meinte ich, „wenn du weißt wie man einen Golf knackt, dann hau rein, ich verrat’s auch keinem“.

Gefühlte Stunden später, standen inzwischen vier junge und ein älterer Kerl fachmännisch diskutierend um den Golf. Aber es tat sich nichts.

„Da hilft jetzt nur noch mein Mann Alberto“, sagte meine Freundin, die inzwischen herbei geeilt war, um mit mir Kaffee zu trinken und das Geschehen zu beobachten. „Wenn nicht ein Italiener ein Auto aufmachen kann, wer dann?“

Zehn Minuten später kam Alberto in seinem schwarzen Alfa Romeo vorgefahren und packte seinen Werkzeugkoffer aus dem Kofferraum. Eine Drahtschlinge hatte er vorsorglich vorbereitet und mit großer Grandezza machte er sich ans Werk.

Und siehe da, nach kürzester Zeit waren die Knöpfchen oben, aber der Golf blieb verriegelt. „Blockverriegelung“, diagnostizierte der Freund meines Sohnes, der mal Ingenieur werden möchte.

Frauen holen sich Hilfe, Männer suchen eine Lösung

Während Frauen sich in diesen Situationen Hilfe holen, zunächst bei Männern, dann bei Fachleuten, erwacht in solch‘ aussichtsloser Lage bei Männer willenloser Ehrgeiz, oder netter formuliert, der unaufhaltsame Wunsch, eine Lösung zu finden. Männer sind erfolgsorientiert, es muss ein Resultat her. Welches, ist egal. Hauptsache ein Ergebnis.

Nach einer weiteren halben Stunde qualifizierter Diskussion und handwerklichen Geschicks, hatten sie ein Resultat und den Türgriff der Beifahrertür in der Hand – und das Auto blieb geschlossen – das nagte an den stolzen Männern.

Das Ergebnis war die Erkenntnis des eigenen Scheiterns. Die Ausweglosigkeit der Lage souverän anerkennend, zeigte man(n) sich nun bereit, den ADAC zu rufen. Und keine 20 Minuten später war der Fachmann vor Ort.

„Das ist das erste Golf-Modell mit Blockverrieglung, da kann ich nichts machen. Da haben sich die Ingenieure was bei gedacht“, erfuhren wir von dem „Gelben Engel“. Welch‘ Wohltat für die verhinderten Autoknacker, es hatte also nicht an ihrem hervorragenden Können, sondern schlicht und einfach an der noch überragenderen Technik gelegen. „Sie müssen einen Schlüssel beim Werk nachbestellen und das kann dauern“, erklärte er uns.

„Das können sie den Jungs nicht antun. Die müssen in drei Tagen mit dem Studium beginnen und alles Wichtige dafür befindet sich in diesem Auto“, appellierte ich an seinen Helferinstinkt, denn schließlich ist auch der „Gelbe Engel“ ein Mann.

„Na ja, vielleicht könnte man die Batterie abklemmen, dann müsste sich die Verriegelung lösen, aber dazu muss man erst mal die Motorhaube öffnen und dafür brauche ich einen langen, starken Draht“, überlegte der Mann vom ADAC.

Klare Ansage, sofort stürmten alle Umstehenden los und schafften in kürzester Zeit eine Auswahl an Hilfsmitteln heran.

Jetzt ging alles ganz schnell, mit einem Keil wurde fachmännisch ein Spalt zwischen Autotür und Rahmen geschaffen und mit einer Tomatenkletterstange – man glaubt es kaum – wurde der Hebel für die Motorhaube im Fußraum betätigt. Die Batterie wurde abgeklemmt und Simsalabim öffneten sich die Autotüren.

Was noch zu berichten ist: Der Umzug selbst war ein Kinderspiel, denn das größte Abenteuer hatten die Helden schon hinter sich.

gabi

Thomas - die Männerkolumne

„Jetzt reicht’s“ – ein Mann kommt zu Wort

Das Zeichen für die Männlichkeit. Quelle: Wikipedia.

Rhein-Neckar, 30. Januar 2012. Seit Herbst 2009 veröffentlicht Gabi ihre Kolumne. Thomas ist ein Stammleser. Woche für Woche hat er Gabis Kolumne gelesen – dann hat es ihn gepackt. Endlich soll auch mal die männliche Seite auf den Tisch kommen. Thomas versucht sich an der Frage: Was denken zum Beispiel Männer über die Freundinnen ihrer Frau?

Seit gut zwei Jahren verfolge ich Gabis Kolumne. Das ist ganz nett, aber die weibliche Sichtweise geht mit der Zeit doch ganz schön auf die Nerven. Jetzt reicht’s!

Was musste ich alles lesen über Diäten und Männer und Kinder und Putzen und Bügeln und Freundinnen. Ganz vergessen wurde dabei doch, was uns Männer interessiert, was wir denken.

Dieses Gequatsche, diese endlosen Telefonate…

Nehmen wir zum Beispiel Freundinnen. Mein Gott, was für ein Stress. Dieses Gequatsche, endlose Telefonate, das Wiederkauen von immer den gleichen Themen. „Hast du schon gehört, was meinst du, was soll ich tun, was denkst du darüber …“

Sind denn Frauen nicht in der Lage irgendetwas zu beschließen, ohne dies zuvor stundenlang mit ihren Freundinnen bequatscht zu haben?

Meine Frau ist hierfür ein Paradebeispiel. Es vergeht kaum ein Tag, an dem sie nicht ewig am Telefon hängt und die Wortfetzen, zeugen kaum von Entschlussfreude: „Nein wirklich, das gibt’s doch nicht, was hast du/er/sie dann gesagt/getan, meinst du, da ist ja furchtbar, das ist ja toll, das verstehe ich sehr gut …“ Eine endlose Litanei von kaum aussagekräftigen Sätzen wird um meine Ohren gespült und sie scheint sich dabei auch noch prächtig zu unterhalten.

Wie viel anders dagegen laufen die Gespräche mit meinen Freunden am Telefon ab: „20 Uhr? Geht klar!“

Intelligenz vs. Verstehen

Die Treffen – wenn ich sie mitbekomme, was ich versuche zu vermeiden – laufen nicht viel anders ab. Ein Geschnatter und Geschwätze, immer auf der gleichen Tonspur, nur unterbrochen von aufgeregten „O nein, das kann ja nicht wahr sein“. Und dazu immer wieder Prosecco.

Und was am Telefon schon stundenlang durchhechelt wurde, geht genauso weiter. Kinder, Männer, Klamotten, manchmal Job, aber dann eher unter dem Motto: „Stell dir vor, was mein Chef/Kollege gesagt hat“.

Eigentlich ist meine Frau intelligent. Aber wenn ich ihr versuche, zu erklären, wie viel Lebenszeit sie mit diesen sinnlosen Gesprächen verbringt, wird sie einfach nur stur. Da gibt es kein Einsehen.

Frauen wollen keine Lösungen, sie wollen verstanden werden

Die Mitteilungswut von Frauen macht kaum vor irgendwas Halt – ich hoffe zumindest vor unserem Schlafzimmer, aber auch da bin ich mir nicht ganz sicher – und die Themen werden dann kaugummiartig von allen Seiten betrachtet und diskutiert. Ziel ist dabei ja auch nicht, zu einem Ergebnis zu kommen, ganz im Gegenteil, spreche ich sie darauf an, was nun nach diesem stundenlangen Gespräch herausgekommen ist, antwortet sie meist mit einem tiefen Seufzer: „Du verstehst ja überhaupt nichts.“

Treffe ich mich mit Freunden, läuft das ganz anders ab. Weitaus effektiver. Hat einer ein Problem, und das sind dann wirkliche Probleme, bei der Arbeit, mit dem Auto, mit dem Computer, manchmal natürlich auch mit Frauen, aber da muss einer schon verlassen werden, dass er dies thematisiert, oder mit Kindern, wenn es um Entscheidungen wie Schulart, Ausbildung oder Studium geht. Er schildert dies in klaren und unmissverständlichen Worten und lösungsorientiert versuchen wir ihn dabei zu unterstützen.

So bewältigt man Konflikte. So wurde die Geschichte entschieden, so haben wir Männer den Fortschritt gemacht.

Frauen wollen keine Lösungen, Frauen wollen verstanden werden. Meine Frau wird richtig sauer, wenn ich ihr in klaren Worten, Lösungen und Strategien vorschlage. Sie fühlt sich dann missverstanden und wo rennt sie dann hin. Richtig, zu ihren Freundinnen und dann tun sie das, was sie am besten können, sinnlos quatschen.

Und wo sind in der Entwicklungsgeschichte die Frauen, welche großen Namen gibt es da? Vor lauter Verstehen, haben sie nichts auf die Beine gestellt.

Wo wäre die Menschheit heute? Richtig, wir säßen noch am Lagerfeuer, wenn sie das mal zustande gebracht hätten, und würden Beeren essen.

Das musste jetzt mal gesagt sein.

Anmerkung der Redaktion:

Thomas ist Ende Vierzig, lebt in der Rhein-Neckar-Region, ist verheiratet und hat drei Kinder.

Mariettas Kolumne: Vom “Isch mähn doch nur-€ und “So isser halt, de Dieter!-€


Guten Tag!

Ladenburg, 24. Januar 2011. Marietta ist noch jung und unerfahren, als sie mit ihrem zukünftigen Mann die erste Wohnung beziehen will. Dort wird sie mit Dieter konfrontiert, ihrem heutigen Schwiegervater, und es wird eine ganz besondere Begegnung. Lesen Sie selbst.

Von Marietta Herzberger

Kennen Sie Heinz Beckers „Ich saans jo nur-€¦“?
Die entnervten Antworten seines Sohnes Stefan: „Jooo, Vadder!“ und Hildes resigniertes „Ach, Heinz, des kansch doch so net-€¦“?

Ist Ihnen Knallinger-´s „Ja, guten Tach, ich häb do mol ä Froog-€¦.“, nicht ganz unbekannt?
Dann kennen Sie möglicherweise auch Dieter. Wenn nicht, dann stellen Sie sich eine ungewollt komische Mischung der beiden vor und Sie haben ihn vor Augen.

Heiner Knalliger war gestern. Ebenso Gerd Dudenhöfer alias Heinz Becker. Denn es gibt Dieter. Aber das wissen nur wenige Auserwählte. Beispielsweise ich, mein Mann, dessen Familie, sowie wenige eingeweihte Freunde, denen ich gelegentlich mein Leid klage.

Jetzt kommt Dieter – mein Schwiegervater!

Jetzt kommt Dieter: Der Vater meines Mannes, Großvater unserer Tochter. Mein Schwiegervater!

Dieter ist der verbal zerstörende Faktor jeder Familienzusammenkunft und der Alptraum eines jeden Telefongespräches. Dieter ist nicht nur Brillen-, sondern auch Bedenkenträger und sieht überall die Saat des Bösen. Dieter ist der evolutionstechnisch gescheiterte Versuch, aus Knallinger und Dudenhöfer einen Mordsbrüller entstehen zu lassen.

Da bleibt nur noch Sabbatical oder Valium!

Meine Geschichte mit Dieter beginnt vor ungefähr fünfzehn Jahren. Mein Freund – heutiger Ehemann – und ich bezogen stolz unsere erste, total verfallene Wohnung. Seine Eltern erklärten sich bereit, uns bei den umfangreichen Renovierungsarbeiten zu helfen.

Damals freute ich mich noch – über die segensreiche Hilfe. Mit dem heutigen Wissen allerdings würde ich mir ein dreimonatiges Sabbatical nehmen, um die Bude auf Vordermann zu bringen; Alternativ zwei: Valium einwerfen.

Ach, was waren wir stolz auf unser erstes Domizil. Klein, ein wenig Schimmel hier und da. Mit zugigen Holzfenstern und modrigem Keller, aber unser. Wie schön!

Der Profi bei der Arbeit: Der guude Tipp.

Dieter schlich bei der Erstbesichtigung mit Mundschutz und Werkzeugkoffer im Anschlag durch jedes Zimmer, klopfte die Wände ab, rubbelte an den Aufputz-Rohren, wischte, trat, saugte und blies. Sein Weib Traudl folgte ihm wortlos mit bedeutungsschwerer Miene.

Weise und erfahren grummelte er wiederholt unter dem Rand seiner schwarzgeränderten Brille „Hm, Hm, oh je, ach Gott nää…“, wobei er seine Augenbrauen abwechselnd hoch- und zusammenzog.

Ich warf einen irritierten Blick zu meinem Mann „Was soll das?“ Er antwortete mit mürbem Gesichtsausdruck: „Das macht er immer so.“

Dann kam der Moment, in dem ich zum ersten Mal die Worte vernahm, die mir den Rest meines Schwiegertochterlebens in regelmäßigen Abständen begegnen sollten:
„Horsche mol zu-€¦.!“ Dann folgt eine bedeutungsschwangere Pause: „Wenn ich eisch mol-´n guuude Tipp gewwe derf-€¦“

Dieter stand vor uns, ich hing ahnungslos und wissbegierig an seinen Lippen, während er mahnend seinen Zeigefinger vor unsere Nasen hob: „Isch hädd des net gemacht, mit dere Wohnung do. Also, des iss jo-´n hauffe Ärwed. Ihr wissd gar net, wasser eisch domit aduht!“

Kopfschüttelnd wandte er sich ab, zog seinen Mundschutz herunter und murmelte scheinbar fassungslos so etwas wie „Was des koscht! Nää, nää.“

Restlos verschuldet bis ans Lebensende?

Unverzüglich wollte ich ein Stockwerk tiefer zum Vermieter stürzen, um den Mietvertrag rückgängig zu machen. Wie konnten wir nur so blind sein. Hätten wir doch vorher-€¦ Wenn wir eher den Dieter gefragt hätten. Wenn, wenn, wenn-€¦

Was sollten wir jetzt tun? Verschulden würden wir uns! Restlos! Bis an unser Lebensende würde die poröse Badewanne des Nachts unsere Träume heimsuchen und vorwurfsvoll die Ein-Hebel-Mischgarnitur schwenken. Täglich würden wir uns bei kargem Frühstück, Wasser und Brot, gegenseitig anklagen: „Ach, hätten wir doch Dieter gefragt!“

Blödsinn. Ich war nicht bereit, mir „unser“ kaputter machen zu lassen, als es war. Gerade wollte ich zum Sprung ansetzen, da riss mich die beschwichtigende, jedoch leicht genervte Stimme meines Mannes jäh zurück: „Mensch, Vadder!“

„So schlimm isses doch net.“

Dann vernahm ich die eher zurückhaltende Wortmeldung meiner zukünftigen Schwiegermutter: „Ach Dieter, komm. So schlimm isses doch net.“

Wie? So schlimm ist es gar nicht? Mein gequälter Blick prallte an der männlichen Präsenz meines Schwiegervaters ab, der unerwartet ausdruckslos den Mundschutz wieder hochzog, den Werkzeugkoffer absetzte, ihn öffnete und dabei nuschelte: “Isch mähn jo nur-€¦“

Gehetzt sah ich zu meinem Mann hinüber, der erst die Augen verdrehte und mir dann zuzwinkerte. „Alles halb so schlimm, lass dich nicht verunsichern“, sagte mir seine Geste. „Okay-€¦ Verstanden“, sagte ich.

Traudl begann, Fenster zu putzen. Es kam mir zu dem Zeitpunkt nicht in den Sinn, sie zu fragen, warum sie das tat, wenn doch erst die Tapeten herunter mussten. Ich war jung und unwissend. Wahrscheinlich müssen Mütter das tun, sagte ich mir. Erst einmal Fenster putzen. Dann sieht man „weiter“. Irgendwie.

Dieter war unterdessen dabei, irgendwo ein Loch hineinzubohren. Wahrscheinlich wollte er testen, ob das Fundament das aushalten oder gleich alles einstürzen würde. Mein Mann pulte Tapeten ab. Ich beschloss, die Situation nun auch für mich zu entschärfen und tat es ihm gleich.

„Sind wir hier in den 50er Jahren?!“

Dann kam Dieter auf mich zu, drückte mir Schippe und Besen in die Hände und fuchtelte wild mit dem Zeigefinger in Richtung frisch gebohrtes Loch: „Do, mache mol Fraueärwed. Mach des mol weg do.“

Und schon bohrte er an anderer Stelle männlich qualifiziert weiter.

Da stand ich nun mit Schippe und Besen – ich Frau – und fing an zu hyperventilieren. Mein Mann ließ alle Tapetenreste aus seinen Händen fallen und hechtete auf mich zu. Er kannte mich schon verdammt gut. Traudl erstarrte mitten in ihrer schwungvollen Fensterpolieraktion und schaute blutleer zu mir herüber.

Doch es war zu spät. Der Schaum stand mir bereits in den Mundwinkeln, meine Hände zuckten unkontrolliert und die Schippe hielt sich verzweifelt an meinem Finger fest.
„Sind wir hier in den 50er Jahren?!“, bläffte ich barsch: „Mach doch deinen Dreck selber weg!“

„So isser halt, de Dieter!“

„Ganz ruhig…,“ tröstend und gleichzeitig nervös nahm mein Mann mich in den Arm, während er mir vorsichtig den Besen aus den verkrampften Fingern löste.

Traudl stellte sich schützend vor ihren Ernährer, Vater ihres einzigen Sohnes, und versuchte, die Situation zu retten. Verlegenen Blickes und sichtlich peinlich berührt sagte sie diesen Satz, den ich in Zukunft noch öfter hören durfte: „Ach, der Dieter meint das doch nicht so.“

Der bohrt weiter Löcher in die Wand und murmelt: “Isch mähn doch nur-€¦.“

Entschuldigendes Schulterzucken in unsere Richtung von Traudl: „So isser halt, de Dieter!“

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen über den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos überzogen. Es sind keine „journalistischen“ Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: „Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen“ – Konrad Adenauer. Und: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren“ – Bertolt Brecht. Wir begrüßen sie herzlich und freuen uns auf die Zusammenarbeit. Wir wünschen unseren Lesern viel Lesespaß mit ihren Texten!

Gabis Kolumne

Frauen lieben Fußball

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Guten Tag!

Ladenburg, 05. Juli 2010. Frauen lieben Fußball. Wussten Sie das schon? Zumindest, wenn es um die WM geht. Und dann werden sogar Frauen zu Fußball-Kennerinnen. Gabi meint: Die WM wird für die Frauen gemacht. Die Bundesliga für die Männer.

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Fußball macht auch Frauen gute Laune.

Meine eine Freundin hasst es, wenn ihr Mann samstags die Sportschau guckt, aber während der WM-Zeit ist sie der größte Fan unserer Nationalmannschaft.

Während meiner Studienzeit fand die WM in Italien statt und meine Freundinnen und ich waren komplett begeistert von der italienischen Mannschaft – dabei interessierten uns nicht die Spielzüge, sondern die Spieler und die italienischen waren eindeutig die hübschesten. Zudem schwärmten wir für Kamerun, den Außenseiter, der sich mit Spielfreude und Einsatz ins Viertelfinale spielte.

Spätestens die WM vor vier Jahren in Deutschland wurde zum nationalen Event. Public Viewings, Corsos – das ganze Land war in Feierlaune. Erstmals war wieder an allen Ecken die Nationalflagge zu sehen. Partystimmung auf jedem Balkon, in jedem Garten, auf öffentlichen Plätzen, in Kneipen – ein Sommermärchen.

Das konnte kaum vier Jahre später noch einmal wiederholt werden. Schon im Vorfeld der WM war klar, unsere Mannschaft ist jung und unerfahren, große Chancen rechneten wir uns nicht aus.

Nichts desto trotz Häuser und Autos wurden wieder mit schwarz-rot-gold geschmückt und Lokale und Zelte wurden mit Großbildleinwänden ausgestattet.

Das erste Spiel Deutschland gegen Australien sahen wir mit Freunden bei einem Public Viewing in einem großen Festzelt. Ich begegnete einer Bekannten im perfekten WM-Outfit: Nationalmannschaftstrikot, Samthut in schwarz-rot-gold, eine Sonnenbrille mit TOOR, eine Aloha-Kette und Pulswärmer in den deutschen Farben. Und die Deutschlandflagge auf die Wangen gemalt. Ich war schwer beeindruckt.

„Mensch“, sagte ich, „ich wusste gar nicht, dass du auf Fußball stehst“. „Tu ich auch gar nicht, aber die Stimmung ist super und ich feier-€™ gern“, entgegnete sie mir.

Anderer Ort, anderes Spiel: Deutschland gegen Ghana. Würden wir ins Achtelfinale einziehen? Perfektes Styling im ganzen Partyzelt. Aloha-Ketten und Vuvuzelas wurden verkauft, WM-Songs ertönten bei jedem Tor, junge Frauen tanzten auf den Tischen.

Das Spiel Deutschland gegen England haben wir in großer Runde bei Freunden geschaut. Das Deutschlandtrikot als Dresscode war anscheinend ungeschriebenes Gesetz. Ich habe mich in meinem Sommerkleid nicht wirklich wohl gefühlt. „Ich hoffe nur, dass Klose wieder gut in Form ist“, sagte eine Bekannte. „Also Thomas Müller ist für mich der beste Spieler, hast du gesehen, wie er die Tore geschossen hat“, sagte eine andere. Fußball-Kennerinnen unter sich.

„Hast du Maradonnas Gesicht beim Viertelfinale beobachtet?“, fragte mich eine Freundin nach der Niederlage Argentiniens 0:4 gegen Deutschland. „Das war das reine Drama, ich glaube, er musste sogar weinen.“

Da wurde mir schlagartig klar, die WM wird für die Frauen gemacht. Die Bundesliga für die Männer.

Während es bei der WM um Emotionen geht, geht es bei der Bundesliga um die Fachsimpelei und die Tabellenplätze. Die WM ist großes Kino und das mögen wir Frauen halt – Close Ups auf die Gesichter der Freude und der Tränen.

Wir haben uns über die Franzosen geärgert und ihnen gegönnt, dass sie schon in der Vorrunde heim fliegen mussten und zu gerne hätten wir die quirligen Spieler aus Ghana im Halbfinale gesehen.

Fußballweltmeisterschaften, das sind große Emotionen, das ist Party, das ist Styling – das sind Events die Spaß machen, den Männern und den Frauen. Schön, wenn die Deutschen so hervorragend spielen wie in diesem Jahr, noch schöner, wenn sie Weltmeister werden.

Auf alle Fälle hat die WM 2010 wieder das Zeug zu einem Sommermärchen.

Gabis Kolumne

Uns Frauen fehlt die Gelassenheit – na und?

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Guten Tag!

Ladenburg, 28. Juni 2010. Harmonische Beziehungen? Die gibt es, vielleicht, meint Gabi. Doch dazu gehören immer zwei.

Vielleicht gehören Sie ja zu den Menschen, die immer eine harmonische Beziehung führen, „Ja, Schatz, aber gern, Schatz, schon erledigt, Schatz“, ist bei Ihnen an der Tagesordnung. Bei Ihnen werden keine Türen geknallt und Sie sind noch nie völlig zerstritten zu einer Einladung von Bekannten gefahren. Beneidenswert. Sie verstehen sich blind.

Diese Art von Harmonie ist mir nicht vergönnt und wenn ich ehrlich bin, kenne ich auch kaum eine Beziehung an der ich dies beobachten konnte. Und wenn doch, denke ich mir meist: „Gut gespielt.“

Es ist ja nicht so, dass ich mir nicht täglich vornehme, verständnisvoll und tolerant zu sein und das geht auch oft einige Tage, manchmal sogar Wochen (eher selten) ganz gut und dann passiert es. Meist ist es nur ein Satz, ein Wort im falschen Moment und schon ist der Streit da.

Es ist ja auch nicht so, dass es nicht vorhersehbar wäre, denn gebrodelt hat es schon eine ganze Weile und Mann/Frau weiß ganz genau: „Wenn ich jetzt ausspreche, was ich denke…“ und dann bricht der Vulkan aus. Die Sätze beginnen meist mit „Könntest du nicht einmal -€¦, du hättest doch-€¦, warum sagst du nie -€¦, immer musst du, ich habe doch schon so oft-€¦“

Männer nennen das zänkisch sein oder auch schlicht die weibliche Vorwurfskultur.

Gegenstände des Streits sind meist ganz alltägliche Dinge: der nicht raus gebrachte Müll, der Besuch der Schwiegermutter, ungebügelte Hemden, der vergessene Hochzeitstag. Die Liste ist beliebig verlängerbar. „Beliebte“ Streitthemen sind natürlich auch die Kindererziehung und die ewigen Überstunden in der Firma.

„Kaum habe ich den Satz „du hättest doch einmal-€¦“ ausgesprochen, möchte ich ihn am liebsten zurücknehmen“, sagte mir kürzlich eine Freundin: „Denn dann geht der Streit los und ich weiß, dass wir die nächsten Tage kein Wort miteinander reden werden.“

Ja, das kenne ich nur zu gut, die neuralgischen Sätze, die es wahrscheinlich in den meisten Beziehungen gibt und die fast immer in einer Auseinandersetzung enden.

„Mein Mann hilft mir nie, wenn wir Besuch bekommen“, beschwerte sich eine Freundin bei mir über ihren Herzallerliebsten. „Ich schleppe die Getränkekisten herbei, putze das Haus und stehe tagelang in der Küche. Er spielt dann den perfekten Gastgeber, wenn die Gäste ankommen, während ich vollkommen abgekämpft mir ein Lächeln abringe. Wenn er dann abends noch sagt, was für ein schönes Fest es war und wie schade es sei, dass ich so schlecht drauf war, explodiere ich.“

Das wirkliche Problem, und da geben Sie mir sicher Recht, sind die eingefahren Rollen und Positionen. Würde meine Freundin weder Getränke besorgen, noch putzen und Essen vorbereiten, müsste es ihr Mann übernehmen oder er könnte am Abend nicht stolz von dem schönen Fest schwärmen. Vielleicht würde er aber auch nur Bier und Chips von der Tankstelle besorgen und es wäre dennoch eine tolle Party.

Das größte Problem ist hierbei die Gelassenheit, die den meisten Frauen, und ich gebe es zu, auch mir, vollkommen fehlt. Ich bin gestresst, wenn wir in Urlaub fahren, Gäste bekommen, die Kinder viele Arbeiten schreiben und, und, und -€¦ Und je angestrengter ich werde, um so mehr lässt mein Mann den Stress an sich abperlen, was natürlich meinen im Gegenzug erhört, das wiederum dazu führt, dass er mir meine schlechte Laune und meine Gereiztheit vorwirft.

Dilemmata werden erzeugt. Wie denkt Frau? Richtig, warum kann er nicht einmal-€¦Wie denkt Mann? Tja, wie denkt Mann? Ich vermute, er denkt: „Warum kann sie nicht einmal entspannter daran gehen?“

Wo habe ich angefangen. Ja, richtig, bei harmonischen Beziehungen.

Wenn Harmonie nur zu erreichen ist, wenn ich stets meinen Mund halte, dann kann mir Harmonie gestohlen bleiben.

Was ich dagegen erstrebenswert finde, ist die eingefahrenen Rollen zu verlassen, aber dazu gehören ja schließlich zwei.

Gabis Kolumne

Die Schönheit des männlichen Geschlechts

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Guten Tag!

Ladenburg, 10. Mai 2010. Schönheit und Männer? Geht das zusammen? Aber ja, meint Gabi und fordert weniger den bewegten, dafür aber gepflegten Mann.

Dass wir Frauen mit diversen Cremes, Diäten und Haarfarbe versuchen, gegen die äußeren Anzeichen des Älterwerdens anzukämpfen, habe ich hier schon häufiger thematisiert. Doch wie sieht es bei dem männlichen Geschlecht aus?

Wir alle wissen aus den bunten Blättchen, dass David Beckham seine Fingernägel manikürt und lackiert, dass er sich zumindest die Achselhaare rasiert und Anti-Falten-Creme benutzt. Kann er auch, immerhin hat er ja auch den Begriff des metrosexuellen Mannes mit geprägt.

Michael Douglas besucht, zumindest laut der Yellow Press, des Öfteren seinen Schönheitschirurgen und alle vermuten, dass Altbundeskanzler Gerhard Schröder sein Haupthaar färbt, auch wenn er das laut richterlicher Verfügung untersagt haben will.

Joschka Fischer hat sich in seiner Glanzzeit per Marathon fit und schlank gemacht und der schöne George Clooney hilft angeblich seinen schön gesträhnten grauen Schläfen per Coloration nach.

So weit so gut – das ist die Welt der Reichen, Berühmten, Schönen und Mächtigen. Doch wie schaut-€™s mit dem Otto Normalverbraucher aus? Reicht heute noch Old Spice, täglich ein frisches Hemd und die Nivea Creme, dass Mann attraktiv bleibt?

Während wir Frauen unablässlich über unsere Pfunde zuviel auf der Hüfte jammern, hat es der männliche Teil der Bevölkerung über Jahrzehnte hervorragend verstanden, den Bauch als männliches Statussymbol zu etablieren. Die Glatze als ein Zuviel an Testosteron und den Dreitagesbart als besonders männlich zu deklarieren.

Doch Vorsicht, diese Zeiten sind vorbei! Längst hat zumindest die Werbung erkannt, dass hier ein großes Potential an Neukunden verborgen liegt. Der Markt für Schönheitsproduktserien für den Mann boomt. Wellness-Hotels werben mit Behandlungen, die gezielt auf den Mann von heute abgestimmt sind.

Eitelkeit bei Männern wurde in den letzten Jahrzehnten oft der Lächerlichkeit preis gegeben, gar als unmännlich angesehen. Dabei war das nicht immer so. Schaut man weit zurück in die Vergangenheit, finden wir Männerbilder, die sehr wohl der Eitelkeit frönten. Zum Beispiel im Rokoko trugen die Herren Lackschuhe mit Schnallen, Rüschenhemden, opulente Ringe, Samt und Seide, Lockenperücken und schminkten sich. Dies alles war ein Zeichen von Macht und Reichtum. Damit hoben sich die Adligen ab von dem gemeinen Volk, den Bauern.

Daraus kann man folgern, nur wer reich war, hatte Zeit und Geld um sich zu schmücken.

Diese Zeiten sind Gott sei dank vorbei. Auf sein Äußeres zu achten, ist nicht mehr eine Frage des Standes. Und auch nicht mehr eine Frage der Unmännlichkeit.

Frau liebt den gepflegten Mann. Aber das heißt noch lange nicht, dass wir künftig mit unserem Herzallerliebsten über die neueste Brigitte-Diät oder die beste Anti-Falten-Creme sprechen wollen, das machen wir doch lieber mit unserer Freundin.

Und sorry, die Vorstellung, dass mein Mann vorm Fernsehen seine Gurkenmaske auflegt, fände ich dann doch eher unmännlich.

Gabi: „Warum ich mittelbraun genommen habe.“

Guten Tag!

Ladenburg, 26. April 2010. Haare sind nicht erst seit „Hair“ ein Thema. Haare sind wichtiger als manches andere, meint Gabi. Zumindest, wenn man bedenkt, wie oft Frauen über Haare reden.

Erinnern Sie sich noch daran, wie es war als Sie Ihr erstes graues Haar entdeckt haben? Ich weiß es noch genau, ich war fassungslos. Das ist jetzt schon ein paar Jahre her und lange passierte gar nichts. Hier und da ein graues Haar, das ich mit der Pinzette herauszog, während viele Freundinnen schon tönten oder färbten.

Doch irgendwann hatte ich das Gefühl, wenn ich so weiter mache, sieht man zwar kein graues Haar, aber dafür werde ich kahl. Meine Friseurin meinte, das kriegen wir mit Strähnchen hin, denn dann fallen die ersten grauen Haare nicht mehr auf.

Die erste Tönung.

Vor ein paar Wochen war es nun so weit, ich entschloss mich zur ersten Tönung. Doch im Vorfeld wollte ich mich bei meinen Freundinnen erkundigen.

„Also, mit einer Tönung krieg-€™ ich das schon lange nicht mehr hin, ich muss colorieren“, sagte meine Freundin. „Das Wichtigste ist, dass du den richtigen Farbton erwischst“, sagte sie fachkundig. Ich merke, die Grundfrage heißt: „Tönst du noch oder färbst du schon?“

Eine Bekannte riet mir zu dreifarbigen Strähnen, „da fällt garantiert kein graues Haar mehr auf“, sagte sie verschwörerisch. Aber irgendwie fand ich, war sie ziemlich bunt auf ihrem Kopf.

„Sieht aber gut aus.“

Eine andere Freundin war plötzlich dunkelbraun. „Eigentlich wollte ich hellbraun, aber ich hab-€™ wohl den falschen Farbton genommen“, meinte sie. „Sieht aber gut aus“, beruhigte ich sie.

Und wie ist das beim männlichen Geschlecht?, fragte ich mich. Mutieren alle Männer mit grauen Schläfen zu George Clooney, denn der ist fraglos sexy und zwar noch mehr seit sich graue Strähnen durch sein Haupthaar ziehen.

Ein Bekannter schwört auf Re-Colour. Das soll angeblich den Haaren wieder den natürlichen Farbton zurückgeben. Aber ehrlich, an den Schläfen ist er jetzt rötlich, am Haaransatz hellbraun und am Nacken fast schwarz. Sexy geht eindeutig anders.

Colorierte Schnurrbärte.

„Ich stehe zu meinen grauen Haaren“, sagte ein guter Freund. Das mag schon sein, dachte ich, aber was ich überhaupt nicht verstehe, warum er auf dem Kopf fast völlig grau ist, während man in seinem Schnurrbart nur dunkelbraune Haare findet.

Eindeutig gefärbt, davon bin ich überzeugt. Aber, und das ist typisch für das männliche Geschlecht, man gibt nicht so gerne zu, wenn man der Natur etwas nachhilft.

Eine Verwandte von mir hat bzw. hatte nahezu schwarze Haare. Schon seit Jahren hat sie graue Haare und muss färben. Dummerweise ist der Ansatz am Scheitel dunkellila. Auch nicht wirklich gelungen.

Meine eine Großmutter kannte ich nur mit weißen Haaren. Sie war früh grau, weiß meine Mutter zu berichten. Die andere Großmutter hat immer nur blondiert und darauf bestanden, dass sie nur aufhellt und keinesfalls färbt. Auch eine Variante.

Mit „mittelbraun“ konnte ich nichts falsch machen.

Nach vielen Gesprächen und dem Abwägen des Für und Wider habe ich mir im Drogeriemarkt meine erste Tönung ausgesucht. Mittelbraun, damit konnte ich nichts falsch machen. Jetzt wollen Sie das Resultat wissen.

Die Farbe war schön, weder zu dunkel noch zu hell, aber leider waren auch die grauen Haare noch da. „Das hätte ich dir gleich sagen können“, sagte meine fachkundige Freundin. „Da musst du schon eine Intensivtönung nehmen für die perfekte Grauabdeckung“, sagte sie.

Also stand ich schon bald darauf wieder vorm Regal des Drogeriemarktes und suchte im Bereich Intensivtönung nach meiner Farbe. Wieder Mittelbraun.

Und diesmal war ich zufrieden, denn siehe da, die grauen Haare waren verschwunden, zumindest für 24 Haarwäschen, denn solange sollte laut Packungsbeilage die Tönung halten.

Ich war glücklich, immerhin hatte ich einen Kampf gegen das Alter, zumindest äußerlich, gewonnen.

„Mama, darf ich mir nicht ein paar blonde Strähnen machen lassen, das machen auch viele Freundinnen?“, fragte mich dieser Tage meine pubertierende Tochter. „Aber Kind, dafür hast du doch noch Zeit“, antwortete ich.

Aber ich glaube sie hat mich nicht wirklich verstanden.