Sonntag, 18. August 2019

Kampagne: Die Vielfalt der Zeitung

Rhein-Neckar/Koblenz/Bundesgebiet, 13. September 2011. Die Kampagne „Die Vielfalt der Zeitung“ geht auch 2011 weiter – solange, bis ein Verlag sie ab- oder einkauft. Das Netz ist aufgerufen, die Zeitung zu retten. Absurd? Keineswegs. Die Zeitung ist eine WundertĂŒte. Denn auch in TĂŒten können Wunder schlummern…

Aktualisiert: Dieser Artikel wurde seit Erscheinen am 03. MĂ€rz 2011 fortlaufend aktualisiert und wird heute mit aktuellem Datum neu veröffentlicht. Schließlich geht es um Zeitungen! In den vergangenen Monaten streikten Redakteure ĂŒberall im Land und erzĂ€hlten was von QualitĂ€tsjournalismus. Doch darum geht es gar nicht. Es geht um Service. Um Nutzwert. Mittlerweile hat unsere Kampagne 47. Argumente fĂŒr die Zeitung. Allen, die mitmachen, wird eine Erfolgsbeteiligung garantiert, falls ein Zeitungsverlag die Kampagne endlich kauft. Denn es geht um die Zukunft der Zeitung – nein, sogar mehr. Es geht um die Zukunft der Zivilisation, oder so Ă€hnlich!

Von Hardy Prothmann

"Ein bisschen Spaß muss sein...", Christian Lindner, Chefredakteur der Rhein-Zeitung ist eigentlich ein ganz seriöser Journalist - hat aber auch ab und an den Schalk im Nacken. Hier prĂ€sentiert er in bunten Hosen die Bastelanleitung fĂŒr eine Narrenkappe. Quelle: Mit freundlicher Genehmigung der Rhein-Zeitung.

Die Zeitungen habens arg schwer – die Abos und Leserzahlen gehen zurĂŒck und noch viel schlimmer: Die WerbeumsĂ€tze. Laut Experte Marian Semm verlieren Zeitungen pro 100.000 Auflage seit 2001 rund vier Prozent Umsatzerlöse, was rund einer Million Euro entspricht.

Der MM beispielsweise hat im zweiten Quartal 2010 gut 1.500 Abos verloren und eine Besserung ist nicht in Sicht.

Da ich mit der Zeitung aufgewachsen bin, bestĂŒrzt mich diese Situation zutiefst. Ähnlich wie bei den Robben-Babys, dem Deutschen Wald und ganz allgemein der Umwelt und unserer Zukunft, muss eine Kampagne her, die dieses langsame Dahinsiechen aufhĂ€lt und die Zukunft der Zeitung sichert.

Vergessen Sie das Leistungsschutzrecht, verehrte Verlage. Selbst die Wirtschaft hĂ€lt das fĂŒr eine Art von Raubrittertum. Überzeugen Sie mit Leistung, dass ist der beste Schutz und das beste Recht.

Ich habe deshalb im Oktober 2010 eine Kampagne gestartet, mit der die bedrohten Zeitungsverlage die Vielfalt der Zeitung darstellen und bewerben können.

Im vergangenen Jahr kamen sage und schreibe 36 VorschlĂ€ge zusammen. Nummer 37 und der erste fĂŒr dieses Jahr kommt von der Rhein-Zeitung (Koblenz) – die schlĂ€gt vor, dass man Narrenkappen aus der Zeitung basteln kann. Sehr kreativ, wie ich finde.

Machen Sie auch mit: Reichen Sie VorschlĂ€ge ein. Save the wundertĂŒte!

Denn die Zeitung ist eine wahre WundertĂŒte – es steckt viel mehr in ihr, als man zunĂ€chst vermutet.

Das lĂ€sst sich in Wort, Bild, Ton und Video in eine wunderbare Imagekampagne umsetzen. Darum dĂŒrfen die Verlag ab sofort gerne pitchen – natĂŒrlich könnten die auch Ideen klauen (was man durchaus gewohnt ist), aber ich setze hoffnungsvoll auf einen Rest von Ehrlichkeit.

Ein Zeitungskollege schreibt als Vorschlag: „Man kann daraus Papierkugeln basteln und Prothmann damit bewerfen. Besser jedenfalls als mit WattebĂ€uschchen“. Diesen Vorschlag lasse ich nicht unerwĂ€hnt, fĂŒge ihn aber nicht als ernst gemeint ein.

Ihre Zeitung – Ihre Vielfalt:

  1. Man kann einen Fisch drin einwickeln (jahrhundertealte Tradition).
  2. Man kann MĂŒcken damit totschlagen (sowie die Zeit).
  3. Man kann sich draufsetzen (gerade bei vollgekoteten ParkbÀnken sinnvoll).
  4. Man kann Geschirr darin einschlagen (wer schon mal umgezogen ist, weiß das).
  5. Man kann damit Fenster putzen (auch wenn manche auf HaRa schwören).
  6. Man kann damit MeerschweinchenstĂ€lle auslegen (auch fĂŒr Kaninchen und Goldhamster geeignet).
  7. Man kann damit RĂ€ume zum Renovieren auslegen (das weiß doch jeder).
  8. Man kann daraus „MalerhĂŒte“ bauen (ist echt einfach).
  9. Man kann darin Blumen einwickeln, vorzugsweise auf dem Wochenmarkt (auf dem Markt Ihrer Wahl).
  10. Man kann damit basteln (Kindergarten und Schule und privat).
  11. Man kann damit Kunst machen (siehe Beuys).
  12. Man kann damit eine Unterlage fĂŒr Gipsarme machen (einfach mal ausprobieren).
  13. Man kann sie gegen Fettablagerung auf KĂŒchenschrĂ€nke legen (das weiß jede gute Hausfrau).
  14. Man kann daraus Möbel basteln (Kreativkurs).
  15. Man kann daraus zusammengerollt eine Selbstverteidigungswaffe machen (siehe Jackie Chan).
  16. Man kann investigativ durch die Zeitungslochtechnik recherchieren (James Bond).
  17. Man kann andere im Zug davon abhalten, ein GesprÀch anzufangen (in allen Bahnen dieser Welt).
  18. Man kann damit wichtig aussehen, vor allem, wen man möglichst viele Bordexemplare auf einmal in allen Sprachen mit zum Platz nimmt.
  19. Man kann damit nasse Schuhe trocknen (Wanderer-Trick 1).
  20. Man kann damit auch im Wald – Sie wissen schon (Wanderer-Trick 2).
  21. Man kann damit den Kamin anzĂŒnden. (read it – then burn it- Prinzip)
  22. Man kann sich damit daten (die und die Zeitung unterm Arm).
  23. Man kann sie sammeln.
  24. Man kann Artikel aus ihr Ausschneiden (sehr beliebt bei BĂŒrgermeistern und GemeinderĂ€ten der GrĂŒnen).
  25. Man kann sich dahinter verstecken (auch den klĂŒgsten Kopf).
  26. Man kann unter Zugabe von Leim jeden Trabbi damit reparieren (fragen Sie Ossis).
  27. Man kann damit seinen Frust abbauen: Stichwort Wutkrumpeln (macht viel mehr Spaß als WutbĂ€lle).
  28. Man kann die Wutkrumpel seinen Katzen zum Spielen geben (die haben auch Spaß damit).
  29. Man kann die Zeitung im Zug vergessen und hoffen, dass sich jemand anderes drĂŒber freut (Danke an Phil, siehe Kommentare).
  30. Man kann sich aus der Zeitung ein Kleid basteln (Danke an Christian Lindner, Chefredakteur Rhein-Zeitung http://ht.ly/31TTj).
  31. Man kann damit seinen Hund erziehen (politisch vielleicht nicht ganz korrekt – danke an Paul J. Hahn).
  32. Man kann damit seinen BrieftrÀger trainieren (erweiterter Vorschlag auf Arg. 31, Danke an Thomas).
  33. Man kann den Hund die Zeitung zerfetzen lassen und damit andere SchÀden vermeiden (Danke an Thomas).
  34. Man kann daraus Buchstaben fĂŒr Bekenner- und Erpresserschreiben ausschneiden (Danke an Michael Klems).
  35. Man kann sie kĂŒndigen und bei Abo-Neuabschluss ne Kaffeemaschine als PrĂ€mie bekommen.
  36. Man kann sie wunderbar als Unterlage beim GemĂŒseschĂ€len verwenden (Danke an Karen Belghaus).
  37. Man dann sich daraus eine Narrenkappe basteln (besten Dank an Christian Lindner von der Rhein-Zeitung.)
  38. Man kann aus Zeitungen auch BrĂŒcken bauen (Japan). (Danke an Christoph von Gallera)
  39. Man kann Zeitungen als TĂŒrsturzfĂŒllung verwenden (im eigenen Haus gefunden als FĂŒllmaterial aus den 50-er Jahren). (Danke an Christoph von Gallera)
  40. Man kann mit einer Zeitung unterm Arm so tun, als wÀre man gebildet. (Danke an Michi.)
  41. Man kann mit einer Zeitung politisch korrekt Geschenke einpacken. (Dank an Michi.)
  42. Man kann mit einer Zeitung Boxen ausstopfen. (Danke an Michi.)
  43. Zur Not kann man sie auch als Klopapier verwenden. (Danke an Michi.)
  44. Man kann mit einer Zeitung und Kleister hĂŒbsche Lampfenschirme basteln. (Danke an Michi.)
  45. Man kann mit der Zeitung auch „Langeweile“ ĂŒberwinden und zunĂ€chst ein Zimmer damit tapezieren und dann erst alle „A“-Buchstaben, dann alle „B“ usw, einkringeln – vielleicht ein neuer Therapie-Ansatz? (Danke an Marietta)
  46. Man kann die Zeitung als Unterlage verwenden, damit man die Tischdecke nicht verkleckert. (Dank an Giesela S.)
  47. Man kann mit einer Zeitung (politisch korrekt) Geschenke einpacken. (Dank an Torsten S.)

Das sind jede Menge gute GrĂŒnde, die zeigen, wie vielfĂ€ltig Zeitung ist oder sein kann – auch wenn viele sie fĂŒr einfĂ€ltig halten. Ob man sie auch noch lesen kann oder will, ist doch nun wirklich nur ein Grund unter vielen.

Und versuchen Sie mal einen der oben genannten GrĂŒnde mit Ihrem Notebook, Ihrem Handy-  oder dem IPad… (naja, bis auf Grund 22, 40).

Sie sehen – die QualitĂ€t der guten alten Tante Zeitung ist einfach atemberaubend vielfĂ€ltig.

Unglaublich ist auch ihr Beitrag zur VölkerverstĂ€ndigung – den ĂŒberall auf der Welt, in allen Sprachen, mit allen politischen HintergrĂŒnden gelten alle Pro-Argumente ĂŒberall gleich.

Und jetzt kommen Sie und zeigen mir auch nur ein einziges Produkt, ein einziges Kulturgut, das Àhnlich vielfÀltig wie die Zeitung ist.

Sie werden keins finden – die Zeitung ist das Symbol fĂŒr Vielfalt, fĂŒr jedweden Nutzen. Oder?

Jetzt muss sich nur noch eine Zeitung finden, die mutig, humorvoll und selbstironisch genug ist, all diese positiven Eigenschaften zu bewerben.

Mal schauen, wer sich so alles um diese einzigartige Kampagne bewerben wird.

Sollte es so sein wie seit vielen Jahren, kopiert irgendjemand aus dem Internet die Idee sehr erfolgreich und die Zeitungen haben wieder das frustvolle Nachsehen.

Lehnen Sie sich auf, verehrte Zeitungsverleger. Geben Sie Gas. Seien Sie mutig.

Es lohnt sich.

Wenn Sie jetzt denken, dass Sie dafĂŒr nichts zahlen mĂŒssen, sind Sie schief gewickelt.

Gute Ideen haben immer ihren Preis – schlechte Zeitungen nicht.

Fotostrecke: Klassik am Fluss 2010 – Großes Kino in Ladenburg

Guten Tag!

Ladenburg, 05. Juni 2010. Klassik am Fluss 2010 hat sehr eindrucksvoll vorgefĂŒhrt, wie sehr Musik die GefĂŒhle bewegt. Das Deutsche Filmorchester Babelsberg kommt aus der Klassik und bedient alles Genres. Der Star des Abends war Sharon Phillips.

Von Hardy Prothmann

Sharon Phillips - der Star des Abends. Bild: ladenburgblog

Das Deutsche Filmorchester Babelsberg ist eine Klasse fĂŒr sich. Angetreten, um „Klassik am Fluss“ zu prĂ€sentieren, spielt das Orchester unter der Leitung von Dirigent Scott Lawton „Klassik im Fluss“: NĂ€mlich ein Crossover durch viele musikalische Stile – durchaus auch mit „klassischen Elementen“.

Emotionale Reise.

Das Programm „Hollywood meets Classic“ war eine emotionale Reise durch die Filmgeschichte: Von den AnfĂ€ngen, „als die Bilder laufen lernten“ mit Evergreens wie „Der blaue Engel“ ĂŒber die „Crime Time“ mit unvergesslichen Kompositionen wie zu „Der Pate“ von Nino Rota.

Im 3. Teil der musikalischen Reise, die sechs Teile umfasste, wurden „Adventures“ gespielt, Melodien aus „Robin Hood“ und „Mad Max“ oder „Jurassic Park“. Auch diese emotional packend – aber insgesamt der „schwĂ€chste“ Teil der Kompositionen im Vergleich. Danach ging es in die Pause.

Dietmar Wunder: Leiht "Bond"-Daniel Craig seine Stimme und moderiert den Abend. Bild: ladenburgblog

Packend, souverĂ€n, mit vielen Anekdoten aus dem Filmgeschehen und der richtigen Portion Witz, moderierte Dietmar Wunder den Abend. Der Synchronsprecher leiht Daniel Craig, dem aktuellen James Bond, seine Stimme fĂŒr die deutschen Filmfassungen: „Was Sie heute Abend erleben, ist ein wenig wie Disneyland durch die Filmmusik“, sagte Wunder. Das stimmte – der Reigen durch das Wunderland der Filmmusik mit ihrer starken Ausdruckskraft war ein Erlebnis.

Lizenz zum Töten – Sharon Phillips.

Vor allem nach der Pause. Denn jetzt war „James Bond“ dran. Mit „Goldfinger“ oder „Licence to kill“ – hier brillierte „Special Guest“ Sharon Phillips. Überhaupt war sie der Star des Abends. Ihre tolle Stimme und BĂŒhnenprĂ€senz kam beim Publikum sehr gut an.

Dank Scott Lawton. Der Chefdirigent der „Babelsberger“ fĂŒhrt das Orchester erfrischend klassisch souverĂ€n, aber doch mit vielen anderen Lieben zu Jazz oder Rock. In der strengen Welt der Klassik dĂŒrfen Bassisten sonst nicht solch raffinierte Basslinien spielen oder Trompeter die Seele aus dem Horn blasen, wie bei einem Filmmusikorchester, dass den Auftrag hat, die Emotionen des Massenpublikums zu bearbeiten.

Wenn es ganz groß oder eng im Herz werden soll, kommen die Streicher zum Einsatz, die eine tolle Vorstellung geliefert haben. Der Blick in die Gesichter der GĂ€ste zeigte die Ergriffenheit – gerade bei den „Crime-Stories“, vor allem aber bei „Bond“ und natĂŒrlich bei den „Love Songs“.

Scott Lawton und sein Orchester bedienen Emotionen.

Scott Lawton gefĂ€llt als Dirigent ungemein, weil er konsequent fĂŒhrt, aber seiner Begeisterung fĂŒr gewisse StĂŒcke sichtbaren Lauf lĂ€sst. Dann fĂ€ngt er an zu tanzen oder zu „headbangen“ – er geht auf in den StĂŒcken und fordert dasselbe von seinem Orchester, dass konzentriert, cool und wild mitmacht.

Mit Einbruch der Dunkelheit steigt die Stimmung ĂŒber Licht- und Showeffekte. Bild: ladenburgblog

Sicher hat der Einbruch der Dunkelheit und die dann einsetzende Video- und Lightshow die zweite HĂ€lfte des Konzerts zum besseren Teil des Abends gemacht – weil es audiovisuell zuging. Die Einspieler berĂŒhmter Filmszenen bedienten auch die Augen. Dietmar Wunder outete sich als Fan von „Indi“, Indiana Jones, der in echt Harrison Ford heißt. Kenntnisreich und liebevoll moderierte er die Filmgeschichte und ihre Entwicklung aber auch, indem er die „Bourne-Trilogie“ oder „Mission Impossible“ als FortfĂŒhrung der „Bond“-Filme einordnete. Damit hatte der Abend nicht nur etwas Unterhaltendes, sondern diente auch der „Fortbildung“.

Aufgeregter Ziegler.

Insgesamt also ein aufregender, schöner Abend. Auch BĂŒrgermeister Rainer Ziegler war ein wenig die „Aufregung“ anzumerken, als er auf die BĂŒhne kam, um die GĂ€ste vor und auf der BĂŒhne zu begrĂŒĂŸen.

Der Abend hat ihm enorm Spaß gemacht – das merkte man ihm an. Er wĂŒnscht sich noch viele solcher Abende – damit hat er Recht. Die Festwiese, der Neckar, die Altstadt, das Programm sind ein Alleinstellungsmerkmal. Das macht Ladenburg besonders.

Ziegler lobte auch den Veranstalter DeMi Promotion. Ganz sicher hat er damit auch Recht – die Organisation war vorbildlich und trĂ€gt wesentlich zum Gelingen von Großveranstaltungen enorm bei.

Das Feuerwerk zum Ende des Abends war beeindruckend. Allerdings fand es „hinter den BĂ€umen“ statt. Der Großteil der rund 1.600 Zuschauer konnte nur einen eingeschrĂ€nkten Eindruck genießen, da die meisten Feuerwerkskörper aus Sicht der Zuschauer hinter den großen Pappeln explodierten.

Das Konzert war ein Feuerwerk der Emotionen –
braucht es dann noch ein Feuerwerk?

Sicher war das Feuerwerk beeindruckend – ob es sein muss? DarĂŒber darf man mit guten Argumenten streiten.

Das Feuerwerk der Emotionen und toller Musik hatten die „Babelsberger“ unter Leitung von Scott Lawton schon besorgt – Sharon Phillips sowieso.

Wir dokumentieren den Abend mit unserer Fotostrecke. Die Bilder sind chronologisch geordnet.

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