Mittwoch, 22. November 2017

"Jede Schule ist ein Spezialfall"

Gemeinschaftsschule werden und bleiben

Rhein-Neckar, 08. Oktober 2014. (red/ld) Mindestens 40 Sch├╝ler braucht eine Schule pro Jahrgang, um als Gemeinschaftsschule zugelassen zu werden – also 2 mal 20. Diese Zahlen m├╝ssen sie langfristig nachweisen. Wer darunter liegt, hat keinen Anspruch auf die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule, hat┬áder Verwaltungsgerichtshof Mannheim aktuell entschieden. Kurios: Bestehende┬áGemeinschaftsschulen k├Ânnen deutlich weniger Sch├╝ler pro Jahrgang haben. [Weiterlesen…]

Eltern w├╝nschen sich inklusiven Unterricht, der bisher als Schulversuch l├Ąuft

Nele ist ein Kind wie alle anderen – nur geh├Ârlos

Nele und Linn Sch├╝├čler besuchen die selbe Grundschule in Heddesheim. Ohne ihre Implantate w├Ąre Nele taub.

Nele und Linn Sch├╝├čler besuchen dieselbe Grundschule in Heddesheim. Ohne ihre Implantate w├Ąre Nele (links) aber taub.

Heddesheim/Weinheim/Rhein-Neckar, 16. Oktober 2013. (red/ld) Ihre Taubheit sieht man Ihr nicht an: Sie mag Musik, egal ob laut oder leise. Sie liebt Hip-Hop und Tanzen, Voltigieren und Karate. Nele ist von Geburt an geh├Ârlos. Trotzdem geht die Siebenj├Ąhrige auf dieselbe Schule wie ihre Schwester. Seit drei Jahren haben Eltern beeintr├Ąchtigter Kinder das Recht, ihre Kinder auf eine Regel- und nicht auf die Sonderschule zu schicken. Und das wird sehr gut angenommen – trotz vieler H├╝rden. [Weiterlesen…]

Schulentwicklung noch nicht vom Tisch - komplizierte Lage

Gemeinschaftsschule im Alleingang?

Die Hirschberger B├╝rger wollen keine Gemeinschaftsschule. Heddesheim k├Ânnte sie im Alleingang entwickeln.

Die Hirschberger B├╝rger wollen keine Gemeinschaftsschule. Heddesheim k├Ânnte sie im Alleingang entwickeln.

 

Hirschberg/Heddesheim, 11. Oktober 2013. (red/ld) Theoretisch k├Ânnte Heddesheim im Alleingang eine Gemeinschaftsschule entwickeln. Nach dem „Nein“ beim Hirschberger B├╝rgerentscheid muss der Schulzweckverband Wege finden, wie es mit der Karl-Drais-Werkrealschule weitergeht. Denn die Sch├╝lerzahlen sind r├╝ckl├Ąufig. Das Verh├Ąltnis zwischen den Gemeinden ist angespannt. Ohne Ver├Ąnderung und die Kooperation der Gemeinden ist die weiterf├╝hrende Schule in Gefahr. [Weiterlesen…]

MdL Sckerl (Gr├╝ne) und Kleinb├Âck (SPD) kritisieren neuerliche Verunsicherung durch MdL Wacker (CDU)

Gymnasiale Standards an Gemeinschaftsschulen vorhanden

Hirschberg/Heddesheim/Rhein-Neckar, 10. September 2013. (red/pm) Die beiden Landtagsabgeordneten Uli Sckerl (Gr├╝ne) und Gerhard Kleinb├Âck (SPD) kritisieren Georg Wacker (CDU). Dieser behauptet, dass an den Gemeinschaftsschulen die gymnasialen Standards fehlen. [Weiterlesen…]

Wahlkampf: Ministerpr├Ąsident Winfried Kretschmann "hemds├Ąrmelt" in Schriesheim

„Die Haushaltssanierung wird Sie alle schmerzen“

Winfried Kretschmann in der Mehrzweckhalle Schriesheim.

Landesvater Winfried Kretschmann als Wahlkampf-Unterst├╝tzer in der Mehrzweckhalle Schriesheim.

 

Schriesheim/Rhein-Neckar, 06. September 2013. (red) Bei seinen ├Âffentlichen Auftritten als baden-w├╝rttembergischer Ministerpr├Ąsident schl├╝pft Wilfried Kretschmann allzu gerne in die Rolle des pr├Ąsidialen Landesvaters und vertritt dabei h├Ąufig ├╝berparteiliche Positionen. Der 65-j├Ąhrige Gr├╝nen-Politiker kann auch anders – das stellt er bei seinem Auftritt in Schriesheim unter Beweis. Es ist Wahlkampf und insbesondere der Wahlkreis Heidelberg/Weinheim eine besondere Herausforderung. Wird Dr. Franziska Brantner ihrem Konkurrenten Dr. Karl A. Lamers (CDU) Prozente wegnehmen k├Ânnen? [Weiterlesen…]

„Schon meine Schulzeit war europ├Ąisch gepr├Ągt.“

Franziska Brantner will im September f├╝r B├╝ndnis ’90/Die Gr├╝nen in den Bundestag einziehen. Derzeit pendelt sie als Abgeordnete des Europ├Ąischen Parlaments zwischen Heidelberg, Br├╝ssel und Stra├čburg und zieht ihre kleine Tochter gro├č. Chefredakteur Hardy Prothmann traf sie in Heidelberg.

 

Heidelberg/Rhein-Neckar, 02. April 2013. (red/pro) Die Europaabgeordnete Franziska Brantner hat gute Chancen, im September in den Bundestag gew├Ąhlt zu werden. Sie ist Kandidatin von B├╝ndnis ’90/Die Gr├╝nen im Wahlkreis Heidelberg/Weinheim – ein viel kleinerer Wahlkreis als ihr derzeitiger. In Berlin will sie gegen den Bahnl├Ąrm in Weinheim k├Ąmpfen und f├╝r den Ausbau der erneuerbaren Energien. Auch mit der Eurokrise will sie sich auseinandersetzen und dabei noch viel Pr├Ąsenz in ihren Wahlkreis zeigen. [Weiterlesen…]

Landtagsabgeordnete begegnen Vorw├╝rfen und Ger├╝chten

„Realschulen sind die geborenen Gemeinschaftsschulen“

Lokalpolitiker, Eltern und Lehrer besch├Ąftigt die Ver├Ąnderung der Schullandschaft – nicht nur wie hier beim Infoabend in Hemsbach.

 

Hemsbach/Rhein-Neckar, 03. Dezember 2012. (red/ld) Die Landtagsabgeordneten┬áUli Sckerl (B├╝ndnis ’90/Die Gr├╝nen) und Gerhard Kleinb├Âck (SPD) wollen mit „Ger├╝chten und Spekulationen ├╝ber den Schulentwicklungsprozess aufr├Ąumen“. Der CDU-Abgeordnete Georg Wacker hatte im Vorfeld behauptet, Ministerpr├Ąsident Winfried Kretschmann habe eine „Zerschlagung der Realschulen“ vor. Bei einem Informationsgespr├Ąch im Alten Rathaus stellten sich Sckerl und Kleinb├Âck den Fragen von Gemeinder├Ąten, Lehrern und Eltern, auch aus den umliegenden Gemeinden. Dabei betonten sie, dass die Unterrichtsform der┬á Gemeinschaftsschule in vielen Realschulen bereits Praxis sei.

Von Lydia Dartsch

Die Entwicklung zu einer Gemeinschaftsschule sei freiwillig und z├Âge keine Benachteiligung f├╝r Realschulen nach sich, betonten Sckerl und Kleinb├Âck. Auch fordere der Handwerkstag seit langem l├Ąngeres gemeinsames Lernen. Sie hatten sich durch die ├äu├čerungen des CDU-Abgeordneten Georg Wacker zu diesem Schritt gen├Âtigt gesehen:

Wir haben uns bewusst aus dem Moderationsprozess rausgehalten. Da ist kein Platz f├╝r Parteipolitik.

sagte Sckerl. Wacker hatte auf seiner Internetseite sowie in den Weinheimer Nachrichten verlautbart, die Landesregierung plane die Zerschlagung der Realschulen. Er behauptet weiter, das von der Landesregierung vorangetriebene Modell der Gemeinschaftsschule benachteilige Realsch├╝ler sowie deren┬áEltern und Lehrer. Der Wirtschaft w├╝rde durch dieses Schulmodell der qualifizierte Fachkr├Ąftenachwuchs entzogen.

Das ist eine wissentliche Falschaussage.

emp├Ârte sich Sckerl. Eine Schulreform von oben sei nicht beabsichtigt. Die Gemeinden und B├╝rger sollen selbst entscheiden, ob sie eine Gemeinschaftsschule wollen oder nicht. Sollten sie sich daf├╝r entscheiden, Real- und Hauptschulen beizubehalten, erwachse den Schulen dadurch allerdings keine Nachteile.

Realschulen werden weiterhin gef├Ârdert wie bisher.

Uli Sckerl (links) und Gerhard Kleinb├Âck stellen sich Fragen und weisen „Zerschlagungsvorw├╝rfe“ als absurd zur├╝ck.

versicherte Sckerl. Die Empfehlungen aus dem Hemsbacher Moderationsprozess w├╝rden ernst genommen und soweit wie m├Âglich umgesetzt.

Eine neue Unterrichtsform

Wie soll das funktionieren, wenn Sch├╝ler mit verschiedenen Lernniveaus in einer Klasse unterrichtet werden, ist eine zentrale Frage der Eltern und Lehrer. Seit 2011 w├╝rden daf├╝r Fortbildungen f├╝r Lehrer angeboten, sagt Kleinb├Âck. Dabei lernen sie eine neue Form des Unterrichts, in dem Sch├╝ler entsprechend ihrer individuellen F├Ąhigkeiten gef├Ârdert w├╝rden.

Realschulen erf├╝llen bereits jetzt viele Voraussetzungen, die f├╝r eine Gemeinschaftsschule n├Âtig sind:

Realschulen sind die geborenen Gemeinschaftsschulen.

betonte Kleinb├Âck immer wieder.

Ein Experiment an Kindern sei das, wirft ein Zuh├Ârer in die Diskussion ein. Dem sei nicht so, erkl├Ąren Sckerl und Kleinb├Âck: Die bereits bestehenden Gemeinschaftsschulen h├Ątten diese Art des gemeinsamen Lernens schon vor l├Ąngerem in die Praxis umgesetzt und festgestellt, dass es funktioniere. Deshalb habe man auch keinen Schulversuch mit diesem Modell unternehmen m├╝ssen.

Chance, den Schulstandort zu halten

Zudem w├╝rden Gemeinschaftsschulen immer beliebter bei Eltern und jungen Lehrern, die diese neue Unterrichtsform bereits in ihrer Ausbildung gelernt haben.

Viele junge Lehrer bewerben sich direkt bei Schulen in den l├Ąndlichen Gebieten, weil sie l├Ąngst als Gemeinschaftsschule arbeiten.

sagte Kleinb├Âck. Zudem sei dieses Schulmodell gerade in Gemeinden eine Chance, trotz sinkender Sch├╝lerzahlen ihren Schulstandort zu halten und alle Abschl├╝sse der weiterf├╝hrenden Schulen anzubieten.

Wie der Abbau von Lehrerstellen dazu passe, wollte ein Besucher der Runde wissen. Schlie├člich m├╝sse die Betreuung durch die Lehrer doch intensiver werden. Lehrer w├╝rden nicht entlassen, sagte Kleinb├Âck. Jedoch w├╝rden nicht alle in Zukunft frei werdenden Lehrerstellen wieder besetzt. Bei weniger Sch├╝lern brauche man auch weniger Lehrer. Zudem w├╝rden die Lehrerdebutate f├╝r die Gemeinschaftsschulen um sechs Stunden pro Woche aufgestockt, um den gr├Â├čeren Betreuungsaufwand zu stemmen. Davon k├Ânnen die Schulen auch Hilfslehrer und Sozialarbeiter anstellen, so Kleinb├Âck.

Abitur an G9 m├Âglich

Am Ende m├╝sse man ├╝berlegen, was das beste f├╝r die Kinder sei, gab er zu bedenken. So w├╝nschten sich 80 Prozent der Eltern von Gymnasiasten eine R├╝ckkehr zu G9, was in einer Gemeinschaftsschule m├Âglich sei. Zudem seien an der IGMH 40 Prozent der Abiturienten mit einer Hauptschulempfehlung von der Grundschule gekommen.

Das muss uns zu denken geben.

sagte Kleinb├Âck.

Wie es im Schulentwicklungsprozess in Hemsbach weiter geht, wird im M├Ąrz in einer Grundsatzentscheidung beschlossen. Bereits am 19. Dezember tritt die Bildungsplankommission f├╝r Baden-W├╝rttemberg zusammen. Rund 120 Antr├Ąge f├╝r Gemeinschaftsschulen aus dem gesamten Bundesland seien bereits eingegangen. Nun muss gepr├╝ft werden, ob die Standorte die Kriterien daf├╝r erf├╝llen.

Die Debatte ├╝ber die zuk├╝nftigen Schulformen wird ├╝berall im Wahlkreis Weinheim gef├╝hrt – statt Parteipolemik sind pragmatische L├Âsungen angesagt, denn nur das bringt die Schulen und die Kinder weiter.

Info-Abend zur Schulpolitik in Hemsbach

Sckerl und Kleinb├Âck werfen Wacker „Panikmache“ vor

Hemsbach/Weinheim, 29. November 2012. (red/pm) Die beiden Landtagsabgeordneten Uli Sckerl (Bündnis90/Die Grünen) und Gerhard Kleinböck (SPD) werfen ihrem Kollegen Georg Wacker (CDU) Panikmache vor. Dieser schüre mit Behauptungen, dass die Realschulen zerschlagen werden sollte, Ängste. Heute Abend informieren die Landtagsabgeordneten in Hemsbach über ihre Sicht der Dinge.

Information des Wahlkreisbüros Uli Sckerl:

„Die beiden Wahlkreis-Abgeordneten der Stuttgarter Regierungskoalition Uli Sckerl und Gerhard Kleinböck bieten jetzt Informationen über die offizielle Bildungspolitik des Landes an. Auf Einladung der Ortsverbände von Bündnis 90/Die Grünen und der SPD in Hemsbach kommen die beiden Landespolitiker am kommenden Donnerstag, 29.11.2012, zu Informationsgesprächen nach Hemsbach. „Jenseits von Ideologie und parteipolitischen Interessen wollen wir die Inhalte und Ziele der Bildungsreformen erläutern. Wir wollen Eltern, Lehrer, Schüler, Gemeinderäte und alle, die es interessiert, objektiv informieren“, so Sckerl und Kleinböck in einer Einladung. Und weiter heißt es: „Entscheidungen für eine nachhaltige Schulentwicklung in den Bachgemeinden können nicht auf der Basis von Gerüchten und Parteienstreit getroffen werden. Nach den öffentlich bekannt gewordenen Vorwürfen und Spekulationen sehen wir Bedarf die Dinge richtig zu stellen“. Die beiden MdL wollen auch die Sorgen und Bedenken der am Schulprozess Beteiligten erfahren und damit konstruktiv und lösungsorientiert umgehen.

Der Informationsabend beginnt um 20 Uhr im Saal des Alten Rathauses in der Hemsbacher Bachgasse. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind herzlich willkommen.

Info: Informationsgespräch zur Bildungspolitik der Landesregierung mit den MdL Uli Sckerl und Gerhard Kleinböck. Donnerstag, 29.11.2012, 20 Uhr, Hemsbach, Altes Rathaus, Bachgasse.“

Ein ├ťberblick

Themenpaket Gemeinschaftsschule

Baden-W├╝rttemberg, 14. M├Ąrz 2012. (red/jh) Die Einf├╝hrung der Gemeinschaftsschule steht in Baden-W├╝rttemberg kurz bevor. Anl├Ąsslich einer Diskussiosveranstaltung der CDU Ladenburg haben wir Ihnen ein Themenpaket zusammengestellt, um Sie umfassend dar├╝ber zu informieren.

Wie soll die Gemeinschaftsschule aussehen? Wer will sie ├╝berhaupt und welche Vor- und Nachteile hat sie? All diese Fragen beantworten wir in einem vierteiligen Themenpaket.

Hintergrundinformationen zur Gemeinschaftsschule und der aktuellen Debatte finden Sie hier.

Wenn Sie interessiert, wie der Stand um Gemeinschaftsschulen in den Nachbarl├Ąndern Rheinland-Pfalz und Hessen ist, dann werfen Sie einen Blick auf den Vergleich der L├Ąnder.

Ebenfalls finden Sie bei uns einen Bericht ├╝ber die Diskussionsrunde der CDU Ladenburg mit verschiedenen Experten zum Thema.

Wie die in vielen Bereichen vorbildliche Integrierte Gesamtschule Mannheim-Herzogenried (IGMH) zur Einf├╝hrung der Gemeinschaftsschule steht, k├Ânnen Sie in dem Interview mit deren Schulleitung nachlesen.

Das Schulsystem in Hessen und Rheinland-Pfalz

Ein Blick ├╝ber die Landesgrenzen

Hessen/Rheinland-Pfalz, 14. M├Ąrz 2012. (red/jh) In Baden-W├╝rttemberg scheint man sich von dem mehrgliedrigen Schulsystem trennen zu wollen und tendiert zu Gemeinschaftsschulen (siehe hier). Und wie sieht es in den angrenzenden Bundesl├Ąndern Hessen und Rheinland-Pfalz aus? Ein kurzer ├ťberblick.

W├Ąhrend im S├╝d-Westen Deutschlands die Gemeinschaftsschule kurz vor dem Start steht, ist sie in Hessen und Rheinland-Pfalz nicht im Gespr├Ąch. Dort findet man eine Gliederung in Haupt- und Realschule sowie in das Gymnasium. In Gesamtschulen ist eine hinausgeschobene Selektion in Klasse 7 m├Âglich.

Keine Gemeinschaftsschulen in Hessen und Rheinland-Pfalz

Beide Bundesl├Ąnder erm├Âglichen es den Schulen, die Haupt- und Realschule zusammenzulegen. Somit bleiben zumindest die Haupt- und Realsch├╝ler bis zu ihren Abschl├╝ssen gemeinsam in einer Klassen. „Regionale Schule“, „Kooperationsklassen“ oder „Verbundsklassen“ nennen sich diese Modelle.

In Hessen wird derweil ├╝ber die sogenannte „Mittelstufenschulen“ diskutiert. Das Verfahren ist ├Ąhnlich wie eben beschrieben. Es gibt gemeinsame Eingangsklassen f├╝r die Haupt- und Realsch├╝ler und ab Klasse 8 kann dann in einem „praxisorientierten Bildungsgang“ der Hauptschulabschluss erreicht werden und im „mittleren Bildungsgang“ der Realschulabschluss.

„Unser Ziel ist, dass alle Jugendlichen einen Schulabschluss erreichen“, schreibt das Hessische Kultusministerium auf ihrer Internetpr├Ąsenz. Ob dies durch die Mittelstufenschule besser gelingt, bleibt auch hier abzuwarten.

Mit der radikalen Schulreform steht Baden-W├╝rttemberg im Dreil├Ąndereck (noch) alleine dar.

Interview mit der Schulleitung der IGMH zur Gemeinschaftsschule

„Wir sind von unserem Konzept ├╝berzeugt“

Stellvertretende Schulleiterin Lore Seifert und Schulleiter Gerhard Diehl.

Mannheim/Baden-W├╝rttemberg, 14. M├Ąrz 2012. (red/jh) Es wird viel und heftig debattiert ├╝ber die Einf├╝hrung von Gemeinschaftsschulen in Baden-W├╝rttemberg. Im April soll das Gesetz, welches die gr├╝n-rote Landesregierung erarbeitet hat, verabschiedet werden. Die Integrierte Gesamtschule Mannheim-Herzogenried (IGMH) setzt das Konzept bereits teilweise um. Die Schulleitung blickt erfreut auf die Entwicklung, h├Ąlt aber zun├Ąchst am eigenen System fest, wie sie uns im Gespr├Ąch mitteilt.

Interview: Julian Heck

Herr Diehl, Sie sind Schulleiter einer von nur drei Gesamtschulen in Baden-W├╝rttemberg. Ist Ihre Schule schon das, was die Landesregierung mit Gemeinschaftsschulen haben m├Âchte?

Diehl: In dieser Form nicht, nein. Bei uns werden nur die Klassen 5 bis 7 gemeinsam unterrichtet und dort gibt in den F├Ąchern Deutsch, Mathematik und Englisch A- und B-Kurse, niemand kann sitzenbleiben. Ab Klasse 8 werden die Kinder dann auf die Haupt- oder Realschule bzw. auf das Gymnasium verteilt. Das ist der Unterschied zur Gemeinschaftsschule. Ansonsten haben wir aber auch noch einiges zu bieten.

Wie sieht es zum Beispiel mit dem Kontakt zu den Eltern aus, der bei den neuen Gemeinschaftsschulen gro├č geschrieben werden soll?

Diehl: Der wird auch bei uns gro├č geschrieben! ├ťber 50 Eltern unterst├╝tzen den Schulbetrieb ehrenamtlich, zum Beispiel durch die Essens- oder Spielger├Ąteausgabe. Wir f├╝hren viele Elterngespr├Ąche durch, die Elternabende sind gut besucht und alle Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler haben ein Sch├╝lerhandbuch, in das die Lehrer positive wie negative Kommentare vermerken, die von den Eltern unterzeichnet und damit gelesen werden. Au├čerdem planen wir in den 5. Klassen den Besuch des Klassenlehrers bei den Eltern zu Hause, um die Familie kennenzulernen und einsch├Ątzen zu k├Ânnen.

Frau Seifert, warum wird Ihre Schule so gut angenommen, sodass Sie j├Ąhrlich sogar die H├Ąlfte aller Aufnahmeantr├Ąge in die 5. Klasse mangels Kapazit├Ąt abweisen m├╝ssen?

Seifert: (lacht) Weil wir einfach gut sind! Und das spricht sich rum! Es existieren viele Kooperationspartner, wir f├╝hren viele Aktionen und Projekte durch und haben ein gutes Unterrichtskonzept. So gibt es beispielsweise in allen rund 65 Klassen Klassenlehrertandems, die eine intensivere Betreuung erm├Âglichen. Die Schulnoten werden in den unteren Klassen durch Verbalbeurteilungen erg├Ąnzt. Ein Feedback zum Leistungsstand erhalten die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler quartalsweise. Und ganz wichtig: Durch G9 gew├Ąhrleisten wir eine Durchl├Ąssigkeit, sodass es auch Hauptsch├╝ler mit guter Leistung bis zum Abitur schaffen k├Ânnen!

Und das ist auch praktisch umsetzbar?

Seifert: Klar! Unsere Zahlen belegen: In den letzten Jahren haben unter allen IGMH-Abiturienten 13,5 Prozent eine Grundschulempfehlung f├╝r die Hauptschule gehabt. 44,6 Prozent wurden f├╝r die Realschule empfohlen. Noch nicht einmal die H├Ąlfte der Abiturienten (41,9 Prozent) hatte demnach eine Gymnasialempfehlung. Diese Zahlen zeigen, wie schlecht die fr├╝hzeitige Selektion in die Dreigliedrigkeit ist. Deshalb sind wir mit der Teilung in Klasse 8 auf dem richtigen Weg, auch, wenn wir das gemeinsame Lernen nicht bis zum Abschluss beibehalten.

Planen Sie, Ihre Schule zeitnah in eine Gemeinschaftsschule umzuwandeln?

Diehl: Nein. Wir sind von unserem Konzept ├╝berzeugt. Wir haben schlie├člich eine lang erarbeitete Daseinsberechtigung. Aber nat├╝rlich geh├Ârt es dazu, dass wir uns weiterentwickeln und das Konzept optimieren. Wir fahren damit bisher sehr gut und glauben, dass wir den richtigen Weg gehen.

Also sind Sie von dem Gemeinschaftsschulkonzept nicht ├╝berzeugt?

Diehl: Das stimmt nicht. Es ist toll zu beobachten, dass endlich Bewegung in das Schulsystem kommt. Dass Schulen vor Ort frei entscheiden k├Ânnen, ob sie Gemeinschaftsschule werden wollen oder nicht, ist gut. Zum l├Ąngeren gemeinsamen Lernen brauche ich nichts mehr zu sagen. Die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler profitieren davon enorm. Jedoch muss auch erw├Ąhnt werden, dass jede Form der individuellen F├Ârderung Ressourcen ben├Âtigt. Wer in einer Klasse mit 25-30 Kindern individuell f├Ârdern m├Âchte, ohne eine Kurseinteilung vorzunehmen, wie sie die Gemeinschaftsschule nicht vorsieht, braucht zus├Ątzliches Personal und Zeit – und damit finanzielle Mittel. Die Lehrer m├╝ssen entlastet werden. Vor allem die Belastung der Klassenlehrer ist sehr aufgebl├Ąht, hat sich durch einen h├Âheren Erziehungsanteil in den letzten Jahren um ein Vielfaches potenziert. Zudem muss die Lehrerausbildung angepasst werden. Das alles findet im Konzept der Gemeinschaftsschule noch zu wenig Beachtung.

W├Ąre die IGMH bald eine Gemeinschaftsschule, wenn Sie genug Zeit und das n├Âtige Personal h├Ątten?

Seifert: Die IGMH bleibt die IGMH. Man muss zudem beachten, dass die Schule k├╝rzlich komplett saniert worden ist und damals, bei der Entwicklung eines Raumkonzeptes, war noch keine Rede von einer Gemeinschaftsschule. Eine Binnendifferenzierung mit Lerngruppen erfordert mehrere kleinere R├Ąumlichkeiten, die wir nicht haben und in n├Ąchster Zeit nicht haben werden. Oder wir m├╝ssten die Sch├╝lerzahl reduzieren, was auch nicht Sinn der Sache ist. Aber wir verfolgen die Entwicklung mit gro├čem Interesse und w├╝nschen uns f├╝r die ersten Gemeinschaftsschulen alles das, was sie brauchen, um eine bestm├Âgliche Bildungsst├Ątte zu sein.

W├Ąre eine Gemeinschaftsschule in Ihrer N├Ąhe eine Konkurrenz f├╝r Sie?

Diehl: Definitiv nein. Ganz im Gegenteil: Es ist unserer Ansicht nach sogar unbedingt w├╝nschenswert, wenn eine Gemeinschaftsschule oder eine Schule wie die IGHM in den Mannheimer Raum kommt, um die ganzen Sch├╝ler mit dem Wunsch nach einer Schule wie dieser zu befriedigen. Wir m├╝ssen jedes Jahr rund 230 Sch├╝ler abweisen – wir haben einfach nicht mehr Kapazit├Ąt. Eine Gemeinschaftsschule in unserer N├Ąhe w├╝rde dem Zustand nur gerecht werden.

Ist die Gemeinschaftsschule die Schule der Zukunft?

Seifert: Wahrscheinlich schon. Doch bis dahin muss noch erprobt, daran gefeilt und weiterentwickelt werden. Wenn das Ziel, die individuelle F├Ârderung aller Kinder, erreicht ist, ist es letzten Endes egal, wie die Schulform hei├čt und wer sie politisch durchgesetzt hat! Es w├Ąre zun├Ąchst einmal w├╝nschenswert, dass nicht schlecht ├╝ber diese neue Schulform gesprochen wird und kein schlechtes Image entsteht. Ein guter Start ist f├╝r alle hilfreich!

Zur Person:

Lore Seifert (61) ist seit 2003 stellvertretende Schulleiterin der Integrierten Gesamtschule Mannheim-Herzogenried. Zuvor hat sie schon 28 Jahre an der Schule unterrichtet. Ihre F├Ącher sind Mathematik und Informationstechnische Grundlagen.

Gerhard Diehl (60) ist seit acht Jahren Schulleiter mit dem Unterrichtsfach Deutsch, das er seit 1979 an der IGMH unterrichtet.

Zur Schule

Die Integrierte Gesamtschule Mannheim-Herzogenried ist seit ihrer Gr├╝ndung im Jahr 1973 eine Gesamtschule und hat in diesem Schuljahr etwa 1600 Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler sowie 160 Lehrkr├Ąfte. Zurzeit arbeiten dort 15 Referendare und ein Dutzend st├Ądtisches Personal sowie zwei Schulsozialarbeiter.

Aktuelles zur Diskussion ├╝ber die Einf├╝hrung der Gemeinschaftsschule

Individualit├Ąt vs. Einheitsbrei

Informationen zur Gemeinschaftsschule in Baden-W├╝rttemberg auf den Seiten des Kultusministeriums: http://www.kultusportal-bw.de

Baden-W├╝rttemberg, 14. M├Ąrz 2012. (red/jh) Zum Schuljahr 2012/13 wird es in Baden-W├╝rttemberg landesweit die ersten Gemeinschaftsschulen geben – wenn der Landtag dem Gesetzentwurf der gr├╝n-roten Landesregierung im April zustimmt. Die nicht mehr durchgef├╝hrte fr├╝hzeitige Selektion durch l├Ąngeres gemeinsames Lernen soll sozial gerechter sein und f├╝r bessere Leistungen der Sch├╝ler sorgen, so die Landesregierung. Die Opposition sieht das anders und ist stolz auf das aktuelle Schulsystem im Land.

Von Julian Heck

Sp├Ątestens seitdem sich das Kabinett im Dezember letzten Jahres auf einen Gesetzentwurf zur Einf├╝hrung von Gemeinschaftsschulen in Baden-W├╝rttemberg geeinigt und dieses Papier der ├ľffentlichkeit vorgestellt hat, wird heftig dar├╝ber diskutiert. Die Landesregierung, die seit der letzten Wahl im M├Ąrz 2011 aus den Gr├╝nen und der SPD besteht, ist ├╝berzeugt von der Schulreform, wohingegen insbesondere die CDU dieser sehr kritisch gegen├╝ber steht.

Das neue Konzept und seine Vorteile

Mit der Einf├╝hrung von Gemeinschaftsschulen h├Ątte man in Baden-W├╝rttemberg ein Schulsystem, wie es gegens├Ątzlicher zum momentanen System nicht sein k├Ânnte. Das Konzept der Gemeinschaftsschule sieht vor, von Klasse 5 bis 10 und eventuell sogar schon ab der ersten Klasse gemeinsam unterrichtet zu werden. Eine Gliederung in Haupt-, Real- und Sonderschulen sowie in Gymnasien w├╝rde entfallen. Auch eine Unterteilung in einzelnen F├Ąchern in Kurse mit unterschiedlichem Niveau w├Ąre nicht der Fall.

Stattdessen soll es f├╝r die Sch├╝ler der Gemeinschaftsschule – auch solche mit Behinderung (Stichwort Inklusion) – individuelle F├Ârder- und Lernpl├Ąne geben. Lehrer sollen in Teams zusammenarbeiten und Eltern in regelm├Ą├čigem Kontakt mit diesen stehen. Auf den Gemeinschaftsschulen k├Ânnten alle bisherigen Bildungsabschl├╝sse erreicht werden. Zur Umsetzung w├╝rde das Land entsprechende finanzielle Mittel zur Verf├╝gung stellen, um vor allem die personellen Ressourcen f├╝r eine individuelle F├Ârderung gew├Ąhrleisten zu k├Ânnen.

Zu schnell und zu gr├╝n-rot

Die Opposition ist von der geplanten Schulreform nicht begeistert. Zu schnell seien Starterschulen bestimmt worden, noch bevor der Gesetzentwurf zum Gesetz wird. Ungekl├Ąrte Rahmenbedingungen wie notwendige R├Ąumlichkeiten und die Finanzierung komplettieren f├╝r die CDU das Bild des ├ťberhastens.

Gr├╝n-Rot zieht bildungsideologisches Lieblingskind im Schweinsgalopp durch.

Das war die ├ťberschrift der Pressemitteilung, die der CDU-Landesverband Baden-W├╝rttemberg noch am gleichen Tag ver├Âffentlichte, an dem die Landesregierung den Gesetzentwurf verabschiedet hat. Die Entscheidung sei ├╝berhastet, undurchdacht und nicht nachvollziehbar. Statt ein neues Schulsystem einzuf├╝hren, solle man nach Aussagen der CDU besser das jetzige „erfolgreiche differenzierte Bildungssystem gezielt weiterentwickeln“. Konkrte Vorschl├Ąge, was „gezielt“ bedeutet, macht die CDU allerdings nicht.

Zu exklusiv

Stark kritisiert wird von der CDU die Benachteiligung der anderen Schulformen gegen├╝ber der neuen Gemeinschaftsschule. So soll bei der letzteren die H├Âchstgrenze von Sch├╝lern pro Klasse – der sogenannte Klassenteiler – gesenkt werden. Dies sei nicht gerecht. Die anderen Schulformen d├╝rften nicht hinten dran stehen. Au├čerdem ist f├╝r die individuelle F├Ârderung zus├Ątzliches Personal notwendig, darunter Lehrpersonal und Schulsozialarbeiter. Damit habe die Gemeinschaftsschule eine Exklusivit├Ąt, womit etwa die Haupt- und Realschulen das Nachsehen h├Ątten.

Zu belastend

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begr├╝├čte den Vorschlag der Landesregierung zur Einf├╝hrung von Gemeinschaftsschulen:

Das ist ein historischer Moment f├╝r Baden-W├╝rttemberg.

Trotzdem zeigte sich die GEW entt├Ąuscht dar├╝ber, welche Ressourcen die ersten Gemeinschaftsschulen bekommen und fordert h├Âhere Investitionen. Lehrer seien mit ihrer Stundenzahl ├╝berbelastet und die zus├Ątzlichen zwei Stunden f├╝r jede Gemeinschaftsschulklasse w├╝rden nicht ausreichen. Insgesamt freut sich die GEW jedoch ├╝ber diese Entwicklung und w├╝nscht sich eine schrittweise R├╝ckstufung des differenzierten Schulsystems und die Verbreitung der Gemeinschaftsschule im ganzen Land.

Beschlussfassung im April

Ob der Gesetzentwurf, wie er momentan vorliegt, vom Landtag verabschiedet wird, bleibt abzuwarten. Es ist zwar damit zu rechnen, dass die CDU dagegen stimmen wird. Aufgrund der Mehrheiten ist aber davon auszugehen, dass die ersten 34 „Starterschulen“ im n├Ąchsten Schuljahr an den Start gehen werden.

Die CDU Ladenburg diskutiert ├╝ber die Gemeinschaftsschule

ÔÇťAlles ist denkbar, wenn das Produkt stimmtÔÇŁ

Ladenburg, 14. M├Ąrz 2012. (red/jh) Ein Sch├╝ler, ein ehemaliger Schulleiter, ein Wirtschaftsvertreter und ein CDU-Landtagsabgeordneter diskutierten am vergangenen Freitag gemeinsam mit zahlreichen Besuchern ├╝ber die Gemeinschaftsschule. Perfekt ist das Konzept hierf├╝r (noch) nicht – dar├╝ber sind sich alle einig.

Von Julian Heck

Im Domhofsaal im Ladenburger Rathaus stehen vorne an je einem Stehtisch M├Ąnner aller Generationen. Der halbe Saal ist voll. Es geht um das so wichtige Thema Gemeinschaftsschule. Die CDU Ladenburg hat eingeladen. Der ehemalige Schulleiter Heinz Gindner am Carl-Benz-Gymnasium Ladenburg hat auch an der Integrierten Gesamtschule Mannheim-Herzogenried (IGMH) unterrichtet. Seine Erfahrungen spiegeln sich in einem langen Vortrag wieder, den er zu Beginn der ├Âffentlichen Diskussionsrunde h├Ąlt.

Gemeinschaftsschulen gibt es schon immer

Man m├╝sse das Rad nicht immer neu erfinden, sondern Bestehendes weiterentwickeln, so Gindner.

Der Porsche ist nur deshalb ein Erfolgsmodell, weil er sich und seinem Stil treu bleibt.

Der Pension├Ąr bekr├Ąftigt damit seine vorherige Aussage einer Weiterentwicklung statt Erneuerung, auch das Schulsystem betreffend.

Gemeinschaftsschulen habe es schon immer gegeben – die Grundschulen. Blo├č w├╝rde es nicht weitergef├╝hrt werden, weil die F├Ąhigkeiten der Kinder in dem Alter immer weiter auseinandergingen. Im Raum sind aber keine Grundschullehrerinnen, die diese Aussage best├Ątigen k├Ânnten.

Gindner ├Ąu├čert starke Kritik an der Auswahl der 34 Starterschulen. Alle ausgew├Ąhlten Schulen haben nur eine kleine Sch├╝leranzahl und kein Gymnasium. Im Prinzip sei es nur ein Namenstausch, mehr nicht.

Individuelle F├Ârderung kostet Geld

Der ehemalige Schulleiter pl├Ądiert stattdessen daf├╝r, einige weitere Gesamtschulen einzurichten, da dort die Schullaufbahnentscheidung hinausgeschoben werde. Im gleichen Atemzug betont er aber auch die hohen Kosten bei dieser Schulart aufgrund der Differenzierungskurse, die mehr Lehrpersonal erfordern.

Seiner Ansicht nach kann die Gemeinschaftsschule bei den momentanen Abschl├╝ssen und dem vorhandenen Niveau wegen der unterschiedlichen Lernf├Ąhigkeit und -geschwindigkeit keinen Erfolg haben.

Die Werkrealschule – ein Auslaufmodell

Relativ zuversichtlich zeigt sich Julian Albrecht, Vorsitzender des Jugendgemeinderates und Sch├╝ler am Carl-Benz-Gymnasium in Ladenburg. Der Ansatz sei auf jeden Fall richtig. Jedoch m├Âchte er, dass die anderen Schulformen unter der Einf├╝hrung der Gemeinschaftsschule nicht leiden.

Er berichtet von seinem Besuch im Landtag. Ein Abgeordneter habe zu ihm gesagt, die Werkrealschule sei ein Auslaufmodell. „Ist dieser Abschluss also ein Auslaufmodell?“, fragt Julian Albrecht in die Runde. Mit Blick zu Harald T├Âltl, Leiter des Bereichs Berufsbildung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mannheim, fordert er die Wirtschaft auf, auch gut qualifizierte Werkrealsch├╝ler zu nehmen.

Hauptsache das Produkt stimmt

Harald T├Âltl betrachtet die Diskussion um die Einf├╝hrung der Gemeinschaftsschule aus zwei Richtungen. Zum einen w├╝nscht er sich besser qualifizierte Schulabsolventen. Viel zu viel Geld w├╝rde momentan noch in ├ťbergangssysteme gesteckt, um die zuk├╝nftigen Auszubildenden ausbildungsreif zu ├╝bernehmen.

Zum Anderen bringt er das auf den Punkt, was wohl viele denken. Letztendlich komme es auf das Produkt an.

Liebe Politik, welche Schulform es werden soll, das d├╝rft ihr selbst entscheiden. Nur entscheidet euch richtig!

T├Âltl und auch der Christdemokrat Georg Wacker zitieren Bildungsforscher, die zum Ergebnis kommen, dass es keinen Zusammenhang zwischen Unterrichtsqualit├Ąt und dem Schulsystem gibt.

Gemeinschaftsschule finanzpolitisch riskant

Die Baden-W├╝rttembergische CDU lehnt das Konzept der Gemeinschaftsschule strikt ab. Diese Meinung vertritt auch Georg Wacker, der f├╝r die CDU im Landtag sitzt. Er pl├Ądiert daf├╝r, das bestehende dreigliedrige System weiterzuentwickeln statt eine komplette Umw├Ąlzung vorzunehmen und z├Ąhlt eine Reihe von Nachteilen auf.

Die Lehrkr├Ąfte seien mit der Heterogenit├Ąt der Sch├╝lerschaft ├╝berfordert. Die Umstrukturierung ist nicht von unten nach oben erfolgt, sondern von der Landesregierung auferlegt worden. Die Ungleichbehandlung gegen├╝ber den anderen Schulformen – bez├╝glich Personal, Klassenteiler und anderem – sei nicht akzeptabel.

Zudem h├Ąlt Wacker das gr├╝n-rote Gemeinschaftsschulkonzept f├╝r „h├Âchst riskant“. Die n├Âtigen Ressourcen f├╝r eine individuelle F├Ârderung seien finanziell nicht tragbar.

Georg Wacker ist der Ansicht, es gibt bessere Modelle als das von der Landesregierung vorgeschlagene.

Die IGMH ist wesentlich fortschrittlicher als das Konstrukt Gemeinschaftsschule.

Nur noch Reparaturbetrieb

Die G├Ąste verfolgten die Stellungsnahmen der Redner – eine hitzige Diskussion kam nicht wirklich zustande – und hielten sich eher zur├╝ck. Ein anderer Blickwinkel erfolgte dann doch durch einen Herren, der f├╝r sich festellt:

Man ist nur noch ein Reparaturbetrieb, anstatt pr├Ąventiv zu handeln. Was ist mit Werten wie Teamf├Ąhigkeit, Ordnung, P├╝nktlichkeit und anderem?

Was nimmt man an Zuschauer nun aus dieser Veranstaltung mit? Das perfekte Schulsystem scheint es nicht zu geben. Egal, ob etwas Neues eingef├╝hrt wird oder nicht. Wichtig scheint zu sein, dass st├Ąndig dar├╝ber diskutiert und sich damit auseinandergesetzt wird – denn nur dann ist eine stetige Weiterentwicklung m├Âglich.