Sonntag, 18. Februar 2018

"Jede Schule ist ein Spezialfall"

Gemeinschaftsschule werden und bleiben

Rhein-Neckar, 08. Oktober 2014. (red/ld) Mindestens 40 SchĂŒler braucht eine Schule pro Jahrgang, um als Gemeinschaftsschule zugelassen zu werden – also 2 mal 20. Diese Zahlen mĂŒssen sie langfristig nachweisen. Wer darunter liegt, hat keinen Anspruch auf die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule, hat der Verwaltungsgerichtshof Mannheim aktuell entschieden. Kurios: Bestehende Gemeinschaftsschulen können deutlich weniger SchĂŒler pro Jahrgang haben. [Weiterlesen…]

Eltern wĂŒnschen sich inklusiven Unterricht, der bisher als Schulversuch lĂ€uft

Nele ist ein Kind wie alle anderen – nur gehörlos

Nele und Linn SchĂŒĂŸler besuchen die selbe Grundschule in Heddesheim. Ohne ihre Implantate wĂ€re Nele taub.

Nele und Linn SchĂŒĂŸler besuchen dieselbe Grundschule in Heddesheim. Ohne ihre Implantate wĂ€re Nele (links) aber taub.

Heddesheim/Weinheim/Rhein-Neckar, 16. Oktober 2013. (red/ld) Ihre Taubheit sieht man Ihr nicht an: Sie mag Musik, egal ob laut oder leise. Sie liebt Hip-Hop und Tanzen, Voltigieren und Karate. Nele ist von Geburt an gehörlos. Trotzdem geht die SiebenjĂ€hrige auf dieselbe Schule wie ihre Schwester. Seit drei Jahren haben Eltern beeintrĂ€chtigter Kinder das Recht, ihre Kinder auf eine Regel- und nicht auf die Sonderschule zu schicken. Und das wird sehr gut angenommen – trotz vieler HĂŒrden. [Weiterlesen…]

Schulentwicklung noch nicht vom Tisch - komplizierte Lage

Gemeinschaftsschule im Alleingang?

Die Hirschberger BĂŒrger wollen keine Gemeinschaftsschule. Heddesheim könnte sie im Alleingang entwickeln.

Die Hirschberger BĂŒrger wollen keine Gemeinschaftsschule. Heddesheim könnte sie im Alleingang entwickeln.

 

Hirschberg/Heddesheim, 11. Oktober 2013. (red/ld) Theoretisch könnte Heddesheim im Alleingang eine Gemeinschaftsschule entwickeln. Nach dem „Nein“ beim Hirschberger BĂŒrgerentscheid muss der Schulzweckverband Wege finden, wie es mit der Karl-Drais-Werkrealschule weitergeht. Denn die SchĂŒlerzahlen sind rĂŒcklĂ€ufig. Das VerhĂ€ltnis zwischen den Gemeinden ist angespannt. Ohne VerĂ€nderung und die Kooperation der Gemeinden ist die weiterfĂŒhrende Schule in Gefahr. [Weiterlesen…]

MdL Sckerl (GrĂŒne) und Kleinböck (SPD) kritisieren neuerliche Verunsicherung durch MdL Wacker (CDU)

Gymnasiale Standards an Gemeinschaftsschulen vorhanden

Hirschberg/Heddesheim/Rhein-Neckar, 10. September 2013. (red/pm) Die beiden Landtagsabgeordneten Uli Sckerl (GrĂŒne) und Gerhard Kleinböck (SPD) kritisieren Georg Wacker (CDU). Dieser behauptet, dass an den Gemeinschaftsschulen die gymnasialen Standards fehlen. [Weiterlesen…]

Wahlkampf: MinisterprÀsident Winfried Kretschmann "hemdsÀrmelt" in Schriesheim

„Die Haushaltssanierung wird Sie alle schmerzen“

Winfried Kretschmann in der Mehrzweckhalle Schriesheim.

Landesvater Winfried Kretschmann als Wahlkampf-UnterstĂŒtzer in der Mehrzweckhalle Schriesheim.

 

Schriesheim/Rhein-Neckar, 06. September 2013. (red) Bei seinen öffentlichen Auftritten als baden-wĂŒrttembergischer MinisterprĂ€sident schlĂŒpft Wilfried Kretschmann allzu gerne in die Rolle des prĂ€sidialen Landesvaters und vertritt dabei hĂ€ufig ĂŒberparteiliche Positionen. Der 65-jĂ€hrige GrĂŒnen-Politiker kann auch anders – das stellt er bei seinem Auftritt in Schriesheim unter Beweis. Es ist Wahlkampf und insbesondere der Wahlkreis Heidelberg/Weinheim eine besondere Herausforderung. Wird Dr. Franziska Brantner ihrem Konkurrenten Dr. Karl A. Lamers (CDU) Prozente wegnehmen können? [Weiterlesen…]

„Schon meine Schulzeit war europĂ€isch geprĂ€gt.“

Franziska Brantner will im September fĂŒr BĂŒndnis ’90/Die GrĂŒnen in den Bundestag einziehen. Derzeit pendelt sie als Abgeordnete des EuropĂ€ischen Parlaments zwischen Heidelberg, BrĂŒssel und Straßburg und zieht ihre kleine Tochter groß. Chefredakteur Hardy Prothmann traf sie in Heidelberg.

 

Heidelberg/Rhein-Neckar, 02. April 2013. (red/pro) Die Europaabgeordnete Franziska Brantner hat gute Chancen, im September in den Bundestag gewĂ€hlt zu werden. Sie ist Kandidatin von BĂŒndnis ’90/Die GrĂŒnen im Wahlkreis Heidelberg/Weinheim – ein viel kleinerer Wahlkreis als ihr derzeitiger. In Berlin will sie gegen den BahnlĂ€rm in Weinheim kĂ€mpfen und fĂŒr den Ausbau der erneuerbaren Energien. Auch mit der Eurokrise will sie sich auseinandersetzen und dabei noch viel PrĂ€senz in ihren Wahlkreis zeigen. [Weiterlesen…]

Landtagsabgeordnete begegnen VorwĂŒrfen und GerĂŒchten

„Realschulen sind die geborenen Gemeinschaftsschulen“

Lokalpolitiker, Eltern und Lehrer beschĂ€ftigt die VerĂ€nderung der Schullandschaft – nicht nur wie hier beim Infoabend in Hemsbach.

 

Hemsbach/Rhein-Neckar, 03. Dezember 2012. (red/ld) Die Landtagsabgeordneten Uli Sckerl (BĂŒndnis ’90/Die GrĂŒnen) und Gerhard Kleinböck (SPD) wollen mit „GerĂŒchten und Spekulationen ĂŒber den Schulentwicklungsprozess aufrĂ€umen“. Der CDU-Abgeordnete Georg Wacker hatte im Vorfeld behauptet, MinisterprĂ€sident Winfried Kretschmann habe eine „Zerschlagung der Realschulen“ vor. Bei einem InformationsgesprĂ€ch im Alten Rathaus stellten sich Sckerl und Kleinböck den Fragen von GemeinderĂ€ten, Lehrern und Eltern, auch aus den umliegenden Gemeinden. Dabei betonten sie, dass die Unterrichtsform der  Gemeinschaftsschule in vielen Realschulen bereits Praxis sei.

Von Lydia Dartsch

Die Entwicklung zu einer Gemeinschaftsschule sei freiwillig und zöge keine Benachteiligung fĂŒr Realschulen nach sich, betonten Sckerl und Kleinböck. Auch fordere der Handwerkstag seit langem lĂ€ngeres gemeinsames Lernen. Sie hatten sich durch die Äußerungen des CDU-Abgeordneten Georg Wacker zu diesem Schritt genötigt gesehen:

Wir haben uns bewusst aus dem Moderationsprozess rausgehalten. Da ist kein Platz fĂŒr Parteipolitik.

sagte Sckerl. Wacker hatte auf seiner Internetseite sowie in den Weinheimer Nachrichten verlautbart, die Landesregierung plane die Zerschlagung der Realschulen. Er behauptet weiter, das von der Landesregierung vorangetriebene Modell der Gemeinschaftsschule benachteilige RealschĂŒler sowie deren Eltern und Lehrer. Der Wirtschaft wĂŒrde durch dieses Schulmodell der qualifizierte FachkrĂ€ftenachwuchs entzogen.

Das ist eine wissentliche Falschaussage.

empörte sich Sckerl. Eine Schulreform von oben sei nicht beabsichtigt. Die Gemeinden und BĂŒrger sollen selbst entscheiden, ob sie eine Gemeinschaftsschule wollen oder nicht. Sollten sie sich dafĂŒr entscheiden, Real- und Hauptschulen beizubehalten, erwachse den Schulen dadurch allerdings keine Nachteile.

Realschulen werden weiterhin gefördert wie bisher.

Uli Sckerl (links) und Gerhard Kleinböck stellen sich Fragen und weisen „ZerschlagungsvorwĂŒrfe“ als absurd zurĂŒck.

versicherte Sckerl. Die Empfehlungen aus dem Hemsbacher Moderationsprozess wĂŒrden ernst genommen und soweit wie möglich umgesetzt.

Eine neue Unterrichtsform

Wie soll das funktionieren, wenn SchĂŒler mit verschiedenen Lernniveaus in einer Klasse unterrichtet werden, ist eine zentrale Frage der Eltern und Lehrer. Seit 2011 wĂŒrden dafĂŒr Fortbildungen fĂŒr Lehrer angeboten, sagt Kleinböck. Dabei lernen sie eine neue Form des Unterrichts, in dem SchĂŒler entsprechend ihrer individuellen FĂ€higkeiten gefördert wĂŒrden.

Realschulen erfĂŒllen bereits jetzt viele Voraussetzungen, die fĂŒr eine Gemeinschaftsschule nötig sind:

Realschulen sind die geborenen Gemeinschaftsschulen.

betonte Kleinböck immer wieder.

Ein Experiment an Kindern sei das, wirft ein Zuhörer in die Diskussion ein. Dem sei nicht so, erklĂ€ren Sckerl und Kleinböck: Die bereits bestehenden Gemeinschaftsschulen hĂ€tten diese Art des gemeinsamen Lernens schon vor lĂ€ngerem in die Praxis umgesetzt und festgestellt, dass es funktioniere. Deshalb habe man auch keinen Schulversuch mit diesem Modell unternehmen mĂŒssen.

Chance, den Schulstandort zu halten

Zudem wĂŒrden Gemeinschaftsschulen immer beliebter bei Eltern und jungen Lehrern, die diese neue Unterrichtsform bereits in ihrer Ausbildung gelernt haben.

Viele junge Lehrer bewerben sich direkt bei Schulen in den lÀndlichen Gebieten, weil sie lÀngst als Gemeinschaftsschule arbeiten.

sagte Kleinböck. Zudem sei dieses Schulmodell gerade in Gemeinden eine Chance, trotz sinkender SchĂŒlerzahlen ihren Schulstandort zu halten und alle AbschlĂŒsse der weiterfĂŒhrenden Schulen anzubieten.

Wie der Abbau von Lehrerstellen dazu passe, wollte ein Besucher der Runde wissen. Schließlich mĂŒsse die Betreuung durch die Lehrer doch intensiver werden. Lehrer wĂŒrden nicht entlassen, sagte Kleinböck. Jedoch wĂŒrden nicht alle in Zukunft frei werdenden Lehrerstellen wieder besetzt. Bei weniger SchĂŒlern brauche man auch weniger Lehrer. Zudem wĂŒrden die Lehrerdebutate fĂŒr die Gemeinschaftsschulen um sechs Stunden pro Woche aufgestockt, um den grĂ¶ĂŸeren Betreuungsaufwand zu stemmen. Davon können die Schulen auch Hilfslehrer und Sozialarbeiter anstellen, so Kleinböck.

Abitur an G9 möglich

Am Ende mĂŒsse man ĂŒberlegen, was das beste fĂŒr die Kinder sei, gab er zu bedenken. So wĂŒnschten sich 80 Prozent der Eltern von Gymnasiasten eine RĂŒckkehr zu G9, was in einer Gemeinschaftsschule möglich sei. Zudem seien an der IGMH 40 Prozent der Abiturienten mit einer Hauptschulempfehlung von der Grundschule gekommen.

Das muss uns zu denken geben.

sagte Kleinböck.

Wie es im Schulentwicklungsprozess in Hemsbach weiter geht, wird im MĂ€rz in einer Grundsatzentscheidung beschlossen. Bereits am 19. Dezember tritt die Bildungsplankommission fĂŒr Baden-WĂŒrttemberg zusammen. Rund 120 AntrĂ€ge fĂŒr Gemeinschaftsschulen aus dem gesamten Bundesland seien bereits eingegangen. Nun muss geprĂŒft werden, ob die Standorte die Kriterien dafĂŒr erfĂŒllen.

Die Debatte ĂŒber die zukĂŒnftigen Schulformen wird ĂŒberall im Wahlkreis Weinheim gefĂŒhrt – statt Parteipolemik sind pragmatische Lösungen angesagt, denn nur das bringt die Schulen und die Kinder weiter.

Info-Abend zur Schulpolitik in Hemsbach

Sckerl und Kleinböck werfen Wacker „Panikmache“ vor

Hemsbach/Weinheim, 29. November 2012. (red/pm) Die beiden Landtagsabgeordneten Uli Sckerl (Bündnis90/Die Grünen) und Gerhard Kleinböck (SPD) werfen ihrem Kollegen Georg Wacker (CDU) Panikmache vor. Dieser schüre mit Behauptungen, dass die Realschulen zerschlagen werden sollte, Ängste. Heute Abend informieren die Landtagsabgeordneten in Hemsbach über ihre Sicht der Dinge.

Information des Wahlkreisbüros Uli Sckerl:

„Die beiden Wahlkreis-Abgeordneten der Stuttgarter Regierungskoalition Uli Sckerl und Gerhard Kleinböck bieten jetzt Informationen über die offizielle Bildungspolitik des Landes an. Auf Einladung der Ortsverbände von Bündnis 90/Die Grünen und der SPD in Hemsbach kommen die beiden Landespolitiker am kommenden Donnerstag, 29.11.2012, zu Informationsgesprächen nach Hemsbach. „Jenseits von Ideologie und parteipolitischen Interessen wollen wir die Inhalte und Ziele der Bildungsreformen erläutern. Wir wollen Eltern, Lehrer, Schüler, Gemeinderäte und alle, die es interessiert, objektiv informieren“, so Sckerl und Kleinböck in einer Einladung. Und weiter heißt es: „Entscheidungen für eine nachhaltige Schulentwicklung in den Bachgemeinden können nicht auf der Basis von Gerüchten und Parteienstreit getroffen werden. Nach den öffentlich bekannt gewordenen Vorwürfen und Spekulationen sehen wir Bedarf die Dinge richtig zu stellen“. Die beiden MdL wollen auch die Sorgen und Bedenken der am Schulprozess Beteiligten erfahren und damit konstruktiv und lösungsorientiert umgehen.

Der Informationsabend beginnt um 20 Uhr im Saal des Alten Rathauses in der Hemsbacher Bachgasse. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind herzlich willkommen.

Info: Informationsgespräch zur Bildungspolitik der Landesregierung mit den MdL Uli Sckerl und Gerhard Kleinböck. Donnerstag, 29.11.2012, 20 Uhr, Hemsbach, Altes Rathaus, Bachgasse.“

Ein Überblick

Themenpaket Gemeinschaftsschule

Baden-WĂŒrttemberg, 14. MĂ€rz 2012. (red/jh) Die EinfĂŒhrung der Gemeinschaftsschule steht in Baden-WĂŒrttemberg kurz bevor. AnlĂ€sslich einer Diskussiosveranstaltung der CDU Ladenburg haben wir Ihnen ein Themenpaket zusammengestellt, um Sie umfassend darĂŒber zu informieren.

Wie soll die Gemeinschaftsschule aussehen? Wer will sie ĂŒberhaupt und welche Vor- und Nachteile hat sie? All diese Fragen beantworten wir in einem vierteiligen Themenpaket.

Hintergrundinformationen zur Gemeinschaftsschule und der aktuellen Debatte finden Sie hier.

Wenn Sie interessiert, wie der Stand um Gemeinschaftsschulen in den NachbarlÀndern Rheinland-Pfalz und Hessen ist, dann werfen Sie einen Blick auf den Vergleich der LÀnder.

Ebenfalls finden Sie bei uns einen Bericht ĂŒber die Diskussionsrunde der CDU Ladenburg mit verschiedenen Experten zum Thema.

Wie die in vielen Bereichen vorbildliche Integrierte Gesamtschule Mannheim-Herzogenried (IGMH) zur EinfĂŒhrung der Gemeinschaftsschule steht, können Sie in dem Interview mit deren Schulleitung nachlesen.

Das Schulsystem in Hessen und Rheinland-Pfalz

Ein Blick ĂŒber die Landesgrenzen

Hessen/Rheinland-Pfalz, 14. MĂ€rz 2012. (red/jh) In Baden-WĂŒrttemberg scheint man sich von dem mehrgliedrigen Schulsystem trennen zu wollen und tendiert zu Gemeinschaftsschulen (siehe hier). Und wie sieht es in den angrenzenden BundeslĂ€ndern Hessen und Rheinland-Pfalz aus? Ein kurzer Überblick.

WĂ€hrend im SĂŒd-Westen Deutschlands die Gemeinschaftsschule kurz vor dem Start steht, ist sie in Hessen und Rheinland-Pfalz nicht im GesprĂ€ch. Dort findet man eine Gliederung in Haupt- und Realschule sowie in das Gymnasium. In Gesamtschulen ist eine hinausgeschobene Selektion in Klasse 7 möglich.

Keine Gemeinschaftsschulen in Hessen und Rheinland-Pfalz

Beide BundeslĂ€nder ermöglichen es den Schulen, die Haupt- und Realschule zusammenzulegen. Somit bleiben zumindest die Haupt- und RealschĂŒler bis zu ihren AbschlĂŒssen gemeinsam in einer Klassen. „Regionale Schule“, „Kooperationsklassen“ oder „Verbundsklassen“ nennen sich diese Modelle.

In Hessen wird derweil ĂŒber die sogenannte „Mittelstufenschulen“ diskutiert. Das Verfahren ist Ă€hnlich wie eben beschrieben. Es gibt gemeinsame Eingangsklassen fĂŒr die Haupt- und RealschĂŒler und ab Klasse 8 kann dann in einem „praxisorientierten Bildungsgang“ der Hauptschulabschluss erreicht werden und im „mittleren Bildungsgang“ der Realschulabschluss.

„Unser Ziel ist, dass alle Jugendlichen einen Schulabschluss erreichen“, schreibt das Hessische Kultusministerium auf ihrer InternetprĂ€senz. Ob dies durch die Mittelstufenschule besser gelingt, bleibt auch hier abzuwarten.

Mit der radikalen Schulreform steht Baden-WĂŒrttemberg im DreilĂ€ndereck (noch) alleine dar.

Interview mit der Schulleitung der IGMH zur Gemeinschaftsschule

„Wir sind von unserem Konzept ĂŒberzeugt“

Stellvertretende Schulleiterin Lore Seifert und Schulleiter Gerhard Diehl.

Mannheim/Baden-WĂŒrttemberg, 14. MĂ€rz 2012. (red/jh) Es wird viel und heftig debattiert ĂŒber die EinfĂŒhrung von Gemeinschaftsschulen in Baden-WĂŒrttemberg. Im April soll das Gesetz, welches die grĂŒn-rote Landesregierung erarbeitet hat, verabschiedet werden. Die Integrierte Gesamtschule Mannheim-Herzogenried (IGMH) setzt das Konzept bereits teilweise um. Die Schulleitung blickt erfreut auf die Entwicklung, hĂ€lt aber zunĂ€chst am eigenen System fest, wie sie uns im GesprĂ€ch mitteilt.

Interview: Julian Heck

Herr Diehl, Sie sind Schulleiter einer von nur drei Gesamtschulen in Baden-WĂŒrttemberg. Ist Ihre Schule schon das, was die Landesregierung mit Gemeinschaftsschulen haben möchte?

Diehl: In dieser Form nicht, nein. Bei uns werden nur die Klassen 5 bis 7 gemeinsam unterrichtet und dort gibt in den FĂ€chern Deutsch, Mathematik und Englisch A- und B-Kurse, niemand kann sitzenbleiben. Ab Klasse 8 werden die Kinder dann auf die Haupt- oder Realschule bzw. auf das Gymnasium verteilt. Das ist der Unterschied zur Gemeinschaftsschule. Ansonsten haben wir aber auch noch einiges zu bieten.

Wie sieht es zum Beispiel mit dem Kontakt zu den Eltern aus, der bei den neuen Gemeinschaftsschulen groß geschrieben werden soll?

Diehl: Der wird auch bei uns groß geschrieben! Über 50 Eltern unterstĂŒtzen den Schulbetrieb ehrenamtlich, zum Beispiel durch die Essens- oder SpielgerĂ€teausgabe. Wir fĂŒhren viele ElterngesprĂ€che durch, die Elternabende sind gut besucht und alle SchĂŒlerinnen und SchĂŒler haben ein SchĂŒlerhandbuch, in das die Lehrer positive wie negative Kommentare vermerken, die von den Eltern unterzeichnet und damit gelesen werden. Außerdem planen wir in den 5. Klassen den Besuch des Klassenlehrers bei den Eltern zu Hause, um die Familie kennenzulernen und einschĂ€tzen zu können.

Frau Seifert, warum wird Ihre Schule so gut angenommen, sodass Sie jĂ€hrlich sogar die HĂ€lfte aller AufnahmeantrĂ€ge in die 5. Klasse mangels KapazitĂ€t abweisen mĂŒssen?

Seifert: (lacht) Weil wir einfach gut sind! Und das spricht sich rum! Es existieren viele Kooperationspartner, wir fĂŒhren viele Aktionen und Projekte durch und haben ein gutes Unterrichtskonzept. So gibt es beispielsweise in allen rund 65 Klassen Klassenlehrertandems, die eine intensivere Betreuung ermöglichen. Die Schulnoten werden in den unteren Klassen durch Verbalbeurteilungen ergĂ€nzt. Ein Feedback zum Leistungsstand erhalten die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler quartalsweise. Und ganz wichtig: Durch G9 gewĂ€hrleisten wir eine DurchlĂ€ssigkeit, sodass es auch HauptschĂŒler mit guter Leistung bis zum Abitur schaffen können!

Und das ist auch praktisch umsetzbar?

Seifert: Klar! Unsere Zahlen belegen: In den letzten Jahren haben unter allen IGMH-Abiturienten 13,5 Prozent eine Grundschulempfehlung fĂŒr die Hauptschule gehabt. 44,6 Prozent wurden fĂŒr die Realschule empfohlen. Noch nicht einmal die HĂ€lfte der Abiturienten (41,9 Prozent) hatte demnach eine Gymnasialempfehlung. Diese Zahlen zeigen, wie schlecht die frĂŒhzeitige Selektion in die Dreigliedrigkeit ist. Deshalb sind wir mit der Teilung in Klasse 8 auf dem richtigen Weg, auch, wenn wir das gemeinsame Lernen nicht bis zum Abschluss beibehalten.

Planen Sie, Ihre Schule zeitnah in eine Gemeinschaftsschule umzuwandeln?

Diehl: Nein. Wir sind von unserem Konzept ĂŒberzeugt. Wir haben schließlich eine lang erarbeitete Daseinsberechtigung. Aber natĂŒrlich gehört es dazu, dass wir uns weiterentwickeln und das Konzept optimieren. Wir fahren damit bisher sehr gut und glauben, dass wir den richtigen Weg gehen.

Also sind Sie von dem Gemeinschaftsschulkonzept nicht ĂŒberzeugt?

Diehl: Das stimmt nicht. Es ist toll zu beobachten, dass endlich Bewegung in das Schulsystem kommt. Dass Schulen vor Ort frei entscheiden können, ob sie Gemeinschaftsschule werden wollen oder nicht, ist gut. Zum lĂ€ngeren gemeinsamen Lernen brauche ich nichts mehr zu sagen. Die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler profitieren davon enorm. Jedoch muss auch erwĂ€hnt werden, dass jede Form der individuellen Förderung Ressourcen benötigt. Wer in einer Klasse mit 25-30 Kindern individuell fördern möchte, ohne eine Kurseinteilung vorzunehmen, wie sie die Gemeinschaftsschule nicht vorsieht, braucht zusĂ€tzliches Personal und Zeit – und damit finanzielle Mittel. Die Lehrer mĂŒssen entlastet werden. Vor allem die Belastung der Klassenlehrer ist sehr aufgeblĂ€ht, hat sich durch einen höheren Erziehungsanteil in den letzten Jahren um ein Vielfaches potenziert. Zudem muss die Lehrerausbildung angepasst werden. Das alles findet im Konzept der Gemeinschaftsschule noch zu wenig Beachtung.

WÀre die IGMH bald eine Gemeinschaftsschule, wenn Sie genug Zeit und das nötige Personal hÀtten?

Seifert: Die IGMH bleibt die IGMH. Man muss zudem beachten, dass die Schule kĂŒrzlich komplett saniert worden ist und damals, bei der Entwicklung eines Raumkonzeptes, war noch keine Rede von einer Gemeinschaftsschule. Eine Binnendifferenzierung mit Lerngruppen erfordert mehrere kleinere RĂ€umlichkeiten, die wir nicht haben und in nĂ€chster Zeit nicht haben werden. Oder wir mĂŒssten die SchĂŒlerzahl reduzieren, was auch nicht Sinn der Sache ist. Aber wir verfolgen die Entwicklung mit großem Interesse und wĂŒnschen uns fĂŒr die ersten Gemeinschaftsschulen alles das, was sie brauchen, um eine bestmögliche BildungsstĂ€tte zu sein.

WĂ€re eine Gemeinschaftsschule in Ihrer NĂ€he eine Konkurrenz fĂŒr Sie?

Diehl: Definitiv nein. Ganz im Gegenteil: Es ist unserer Ansicht nach sogar unbedingt wĂŒnschenswert, wenn eine Gemeinschaftsschule oder eine Schule wie die IGHM in den Mannheimer Raum kommt, um die ganzen SchĂŒler mit dem Wunsch nach einer Schule wie dieser zu befriedigen. Wir mĂŒssen jedes Jahr rund 230 SchĂŒler abweisen – wir haben einfach nicht mehr KapazitĂ€t. Eine Gemeinschaftsschule in unserer NĂ€he wĂŒrde dem Zustand nur gerecht werden.

Ist die Gemeinschaftsschule die Schule der Zukunft?

Seifert: Wahrscheinlich schon. Doch bis dahin muss noch erprobt, daran gefeilt und weiterentwickelt werden. Wenn das Ziel, die individuelle Förderung aller Kinder, erreicht ist, ist es letzten Endes egal, wie die Schulform heißt und wer sie politisch durchgesetzt hat! Es wĂ€re zunĂ€chst einmal wĂŒnschenswert, dass nicht schlecht ĂŒber diese neue Schulform gesprochen wird und kein schlechtes Image entsteht. Ein guter Start ist fĂŒr alle hilfreich!

Zur Person:

Lore Seifert (61) ist seit 2003 stellvertretende Schulleiterin der Integrierten Gesamtschule Mannheim-Herzogenried. Zuvor hat sie schon 28 Jahre an der Schule unterrichtet. Ihre FĂ€cher sind Mathematik und Informationstechnische Grundlagen.

Gerhard Diehl (60) ist seit acht Jahren Schulleiter mit dem Unterrichtsfach Deutsch, das er seit 1979 an der IGMH unterrichtet.

Zur Schule

Die Integrierte Gesamtschule Mannheim-Herzogenried ist seit ihrer GrĂŒndung im Jahr 1973 eine Gesamtschule und hat in diesem Schuljahr etwa 1600 SchĂŒlerinnen und SchĂŒler sowie 160 LehrkrĂ€fte. Zurzeit arbeiten dort 15 Referendare und ein Dutzend stĂ€dtisches Personal sowie zwei Schulsozialarbeiter.

Aktuelles zur Diskussion ĂŒber die EinfĂŒhrung der Gemeinschaftsschule

IndividualitÀt vs. Einheitsbrei

Informationen zur Gemeinschaftsschule in Baden-WĂŒrttemberg auf den Seiten des Kultusministeriums: http://www.kultusportal-bw.de

Baden-WĂŒrttemberg, 14. MĂ€rz 2012. (red/jh) Zum Schuljahr 2012/13 wird es in Baden-WĂŒrttemberg landesweit die ersten Gemeinschaftsschulen geben – wenn der Landtag dem Gesetzentwurf der grĂŒn-roten Landesregierung im April zustimmt. Die nicht mehr durchgefĂŒhrte frĂŒhzeitige Selektion durch lĂ€ngeres gemeinsames Lernen soll sozial gerechter sein und fĂŒr bessere Leistungen der SchĂŒler sorgen, so die Landesregierung. Die Opposition sieht das anders und ist stolz auf das aktuelle Schulsystem im Land.

Von Julian Heck

SpĂ€testens seitdem sich das Kabinett im Dezember letzten Jahres auf einen Gesetzentwurf zur EinfĂŒhrung von Gemeinschaftsschulen in Baden-WĂŒrttemberg geeinigt und dieses Papier der Öffentlichkeit vorgestellt hat, wird heftig darĂŒber diskutiert. Die Landesregierung, die seit der letzten Wahl im MĂ€rz 2011 aus den GrĂŒnen und der SPD besteht, ist ĂŒberzeugt von der Schulreform, wohingegen insbesondere die CDU dieser sehr kritisch gegenĂŒber steht.

Das neue Konzept und seine Vorteile

Mit der EinfĂŒhrung von Gemeinschaftsschulen hĂ€tte man in Baden-WĂŒrttemberg ein Schulsystem, wie es gegensĂ€tzlicher zum momentanen System nicht sein könnte. Das Konzept der Gemeinschaftsschule sieht vor, von Klasse 5 bis 10 und eventuell sogar schon ab der ersten Klasse gemeinsam unterrichtet zu werden. Eine Gliederung in Haupt-, Real- und Sonderschulen sowie in Gymnasien wĂŒrde entfallen. Auch eine Unterteilung in einzelnen FĂ€chern in Kurse mit unterschiedlichem Niveau wĂ€re nicht der Fall.

Stattdessen soll es fĂŒr die SchĂŒler der Gemeinschaftsschule – auch solche mit Behinderung (Stichwort Inklusion) – individuelle Förder- und LernplĂ€ne geben. Lehrer sollen in Teams zusammenarbeiten und Eltern in regelmĂ€ĂŸigem Kontakt mit diesen stehen. Auf den Gemeinschaftsschulen könnten alle bisherigen BildungsabschlĂŒsse erreicht werden. Zur Umsetzung wĂŒrde das Land entsprechende finanzielle Mittel zur VerfĂŒgung stellen, um vor allem die personellen Ressourcen fĂŒr eine individuelle Förderung gewĂ€hrleisten zu können.

Zu schnell und zu grĂŒn-rot

Die Opposition ist von der geplanten Schulreform nicht begeistert. Zu schnell seien Starterschulen bestimmt worden, noch bevor der Gesetzentwurf zum Gesetz wird. UngeklĂ€rte Rahmenbedingungen wie notwendige RĂ€umlichkeiten und die Finanzierung komplettieren fĂŒr die CDU das Bild des Überhastens.

GrĂŒn-Rot zieht bildungsideologisches Lieblingskind im Schweinsgalopp durch.

Das war die Überschrift der Pressemitteilung, die der CDU-Landesverband Baden-WĂŒrttemberg noch am gleichen Tag veröffentlichte, an dem die Landesregierung den Gesetzentwurf verabschiedet hat. Die Entscheidung sei ĂŒberhastet, undurchdacht und nicht nachvollziehbar. Statt ein neues Schulsystem einzufĂŒhren, solle man nach Aussagen der CDU besser das jetzige „erfolgreiche differenzierte Bildungssystem gezielt weiterentwickeln“. Konkrte VorschlĂ€ge, was „gezielt“ bedeutet, macht die CDU allerdings nicht.

Zu exklusiv

Stark kritisiert wird von der CDU die Benachteiligung der anderen Schulformen gegenĂŒber der neuen Gemeinschaftsschule. So soll bei der letzteren die Höchstgrenze von SchĂŒlern pro Klasse – der sogenannte Klassenteiler – gesenkt werden. Dies sei nicht gerecht. Die anderen Schulformen dĂŒrften nicht hinten dran stehen. Außerdem ist fĂŒr die individuelle Förderung zusĂ€tzliches Personal notwendig, darunter Lehrpersonal und Schulsozialarbeiter. Damit habe die Gemeinschaftsschule eine ExklusivitĂ€t, womit etwa die Haupt- und Realschulen das Nachsehen hĂ€tten.

Zu belastend

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrĂŒĂŸte den Vorschlag der Landesregierung zur EinfĂŒhrung von Gemeinschaftsschulen:

Das ist ein historischer Moment fĂŒr Baden-WĂŒrttemberg.

Trotzdem zeigte sich die GEW enttĂ€uscht darĂŒber, welche Ressourcen die ersten Gemeinschaftsschulen bekommen und fordert höhere Investitionen. Lehrer seien mit ihrer Stundenzahl ĂŒberbelastet und die zusĂ€tzlichen zwei Stunden fĂŒr jede Gemeinschaftsschulklasse wĂŒrden nicht ausreichen. Insgesamt freut sich die GEW jedoch ĂŒber diese Entwicklung und wĂŒnscht sich eine schrittweise RĂŒckstufung des differenzierten Schulsystems und die Verbreitung der Gemeinschaftsschule im ganzen Land.

Beschlussfassung im April

Ob der Gesetzentwurf, wie er momentan vorliegt, vom Landtag verabschiedet wird, bleibt abzuwarten. Es ist zwar damit zu rechnen, dass die CDU dagegen stimmen wird. Aufgrund der Mehrheiten ist aber davon auszugehen, dass die ersten 34 „Starterschulen“ im nĂ€chsten Schuljahr an den Start gehen werden.

Die CDU Ladenburg diskutiert ĂŒber die Gemeinschaftsschule

“Alles ist denkbar, wenn das Produkt stimmt”

Ladenburg, 14. MĂ€rz 2012. (red/jh) Ein SchĂŒler, ein ehemaliger Schulleiter, ein Wirtschaftsvertreter und ein CDU-Landtagsabgeordneter diskutierten am vergangenen Freitag gemeinsam mit zahlreichen Besuchern ĂŒber die Gemeinschaftsschule. Perfekt ist das Konzept hierfĂŒr (noch) nicht – darĂŒber sind sich alle einig.

Von Julian Heck

Im Domhofsaal im Ladenburger Rathaus stehen vorne an je einem Stehtisch MÀnner aller Generationen. Der halbe Saal ist voll. Es geht um das so wichtige Thema Gemeinschaftsschule. Die CDU Ladenburg hat eingeladen. Der ehemalige Schulleiter Heinz Gindner am Carl-Benz-Gymnasium Ladenburg hat auch an der Integrierten Gesamtschule Mannheim-Herzogenried (IGMH) unterrichtet. Seine Erfahrungen spiegeln sich in einem langen Vortrag wieder, den er zu Beginn der öffentlichen Diskussionsrunde hÀlt.

Gemeinschaftsschulen gibt es schon immer

Man mĂŒsse das Rad nicht immer neu erfinden, sondern Bestehendes weiterentwickeln, so Gindner.

Der Porsche ist nur deshalb ein Erfolgsmodell, weil er sich und seinem Stil treu bleibt.

Der PensionÀr bekrÀftigt damit seine vorherige Aussage einer Weiterentwicklung statt Erneuerung, auch das Schulsystem betreffend.

Gemeinschaftsschulen habe es schon immer gegeben – die Grundschulen. Bloß wĂŒrde es nicht weitergefĂŒhrt werden, weil die FĂ€higkeiten der Kinder in dem Alter immer weiter auseinandergingen. Im Raum sind aber keine Grundschullehrerinnen, die diese Aussage bestĂ€tigen könnten.

Gindner Ă€ußert starke Kritik an der Auswahl der 34 Starterschulen. Alle ausgewĂ€hlten Schulen haben nur eine kleine SchĂŒleranzahl und kein Gymnasium. Im Prinzip sei es nur ein Namenstausch, mehr nicht.

Individuelle Förderung kostet Geld

Der ehemalige Schulleiter plĂ€diert stattdessen dafĂŒr, einige weitere Gesamtschulen einzurichten, da dort die Schullaufbahnentscheidung hinausgeschoben werde. Im gleichen Atemzug betont er aber auch die hohen Kosten bei dieser Schulart aufgrund der Differenzierungskurse, die mehr Lehrpersonal erfordern.

Seiner Ansicht nach kann die Gemeinschaftsschule bei den momentanen AbschlĂŒssen und dem vorhandenen Niveau wegen der unterschiedlichen LernfĂ€higkeit und -geschwindigkeit keinen Erfolg haben.

Die Werkrealschule – ein Auslaufmodell

Relativ zuversichtlich zeigt sich Julian Albrecht, Vorsitzender des Jugendgemeinderates und SchĂŒler am Carl-Benz-Gymnasium in Ladenburg. Der Ansatz sei auf jeden Fall richtig. Jedoch möchte er, dass die anderen Schulformen unter der EinfĂŒhrung der Gemeinschaftsschule nicht leiden.

Er berichtet von seinem Besuch im Landtag. Ein Abgeordneter habe zu ihm gesagt, die Werkrealschule sei ein Auslaufmodell. „Ist dieser Abschluss also ein Auslaufmodell?“, fragt Julian Albrecht in die Runde. Mit Blick zu Harald Töltl, Leiter des Bereichs Berufsbildung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mannheim, fordert er die Wirtschaft auf, auch gut qualifizierte WerkrealschĂŒler zu nehmen.

Hauptsache das Produkt stimmt

Harald Töltl betrachtet die Diskussion um die EinfĂŒhrung der Gemeinschaftsschule aus zwei Richtungen. Zum einen wĂŒnscht er sich besser qualifizierte Schulabsolventen. Viel zu viel Geld wĂŒrde momentan noch in Übergangssysteme gesteckt, um die zukĂŒnftigen Auszubildenden ausbildungsreif zu ĂŒbernehmen.

Zum Anderen bringt er das auf den Punkt, was wohl viele denken. Letztendlich komme es auf das Produkt an.

Liebe Politik, welche Schulform es werden soll, das dĂŒrft ihr selbst entscheiden. Nur entscheidet euch richtig!

Töltl und auch der Christdemokrat Georg Wacker zitieren Bildungsforscher, die zum Ergebnis kommen, dass es keinen Zusammenhang zwischen UnterrichtsqualitÀt und dem Schulsystem gibt.

Gemeinschaftsschule finanzpolitisch riskant

Die Baden-WĂŒrttembergische CDU lehnt das Konzept der Gemeinschaftsschule strikt ab. Diese Meinung vertritt auch Georg Wacker, der fĂŒr die CDU im Landtag sitzt. Er plĂ€diert dafĂŒr, das bestehende dreigliedrige System weiterzuentwickeln statt eine komplette UmwĂ€lzung vorzunehmen und zĂ€hlt eine Reihe von Nachteilen auf.

Die LehrkrĂ€fte seien mit der HeterogenitĂ€t der SchĂŒlerschaft ĂŒberfordert. Die Umstrukturierung ist nicht von unten nach oben erfolgt, sondern von der Landesregierung auferlegt worden. Die Ungleichbehandlung gegenĂŒber den anderen Schulformen – bezĂŒglich Personal, Klassenteiler und anderem – sei nicht akzeptabel.

Zudem hĂ€lt Wacker das grĂŒn-rote Gemeinschaftsschulkonzept fĂŒr „höchst riskant“. Die nötigen Ressourcen fĂŒr eine individuelle Förderung seien finanziell nicht tragbar.

Georg Wacker ist der Ansicht, es gibt bessere Modelle als das von der Landesregierung vorgeschlagene.

Die IGMH ist wesentlich fortschrittlicher als das Konstrukt Gemeinschaftsschule.

Nur noch Reparaturbetrieb

Die GĂ€ste verfolgten die Stellungsnahmen der Redner – eine hitzige Diskussion kam nicht wirklich zustande – und hielten sich eher zurĂŒck. Ein anderer Blickwinkel erfolgte dann doch durch einen Herren, der fĂŒr sich festellt:

Man ist nur noch ein Reparaturbetrieb, anstatt prĂ€ventiv zu handeln. Was ist mit Werten wie TeamfĂ€higkeit, Ordnung, PĂŒnktlichkeit und anderem?

Was nimmt man an Zuschauer nun aus dieser Veranstaltung mit? Das perfekte Schulsystem scheint es nicht zu geben. Egal, ob etwas Neues eingefĂŒhrt wird oder nicht. Wichtig scheint zu sein, dass stĂ€ndig darĂŒber diskutiert und sich damit auseinandergesetzt wird – denn nur dann ist eine stetige Weiterentwicklung möglich.