Sonntag, 24. Juni 2018

Immer mehr Menschen nutzen die klassischen Medien online

79 Prozent der Deutschen √ľber 14 Jahre online

Frankfurt am Main/Rhein-Neckar, 10. September 2014. (red/ld) Je mobiler internetf√§hige Ger√§te werden, desto h√§ufiger sind die Menschen online. Rund 79 Prozent der B√ľrger/innen √ľber 14 Jahre in Deutschland greifen mittlerweile im Internet auf Daten zu oder kommunizieren dar√ľber miteinander – sei es mit dem fest installierten PCs zuhause oder handlichen Smartphones unterwegs. Dabei wird das Internet vor allem f√ľr Dinge genutzt, die man fr√ľher offline erledigt hat. [Weiterlesen…]

Mediennutzung und Medienkompetenz bei Jugendlichen

Internet ist Leitmedium bei Jugendlichen

Stuttgart/Rhein-Neckar, 20. Juni 2014. (red/ld) Kommunikations- und Unterhaltungsmedium, Informationsquelle oder Statussymbol: Das Internet ist f√ľr Jugendliche das Medium Nummer eins und liegt damit noch vor dem Fernsehen und dem Radio. Weniger nutzen dagegen Printmedien wie Zeitung oder B√ľcher. Das ist das Ergebnis einer Studie des medienp√§dagogischen Forschungsverbunds S√ľdwest. [Weiterlesen…]

Geprothmannt: Die Bundespräsidenten und die Meinungsfrage

Die Medien, die Macht und die Moral

Joachim Gauck soll der 11. Bundespr√§sident werden. Es gibt Kritik an ihm, aber auch Hoffnung. Jeder entscheidet sich selbst √ľber seine Meinung aufgrund von Informationen. Bild: J. Patrick Fischer. BY-SA CC 3.0 Wikipedia

 

Rhein-Neckar, 23. Februar 2012. (red) Neben der Debatte um Wulff und Gauck wird auch eine √ľber die Rolle der Medien gef√ľhrt. Wie viel Macht haben sie? Wie viel Moral? Was d√ľrfen Medien, was nicht? Diese Fragen und das Suchen von Antworten begleiten die Debatte um „den“ Bundespr√§sidenten und das ist gut so. Medien sollen kontrollieren und meinungsf√∂rdernd sein – aber sie m√ľssen auch kontrolliert werden: Man darf sich durch sie eine Meinung bilden und eine Meinung zu ihnen haben.

Von Hardy Prothmann

Was rauschte der Bl√§tterwalt, was wurde nicht alles gepostet – zu Wulff und Gauck? Zum zur√ľckgetretenen 10. und zum designierten 11. Bundespr√§sidenten.

Und parallel zum unw√ľrdigen Verhalten des Vorteilspr√§sidenten Wulff wurde das Verhalten der Medien diskutiert. Gut oder schlecht? M√§chtig oder √ľbersch√§tzt?

Und mit der Entscheidung f√ľr Gauck kam der angebliche „shitstorm“ in den sozialen Netzwerken, falsche oder verf√§lschte Quellen und Zitate bei elektronischen Medien. Behaupten vor allem „traditionelle“ Medien.

Kritik vs. Kritik

Kritik folgte auf Kritik. Aber nicht vorurteilsfrei, sondern verurteilungsfreudig. Meinungsmache vs. „Meinung haben“. Standpunkt vs. Polemik – je nachdem, aus welcher Perspektive man die Debatten √ľber den zur√ľckgetretenen und vermutlich k√ľnftigen Bundespr√§sidenten eben hat, haben kann, haben will.

Hardy Prothmann, verantwortlich f√ľr dieses Blog, tritt f√ľr subjektiv-objektiven Journalismus ein: Seine Meinung auf Basis von Fakten finden und √§u√üern.

Diese Debatten sind sehr erstaunlich: W√§hrend viele B√ľrger die Macht der Meinungsmacher, also der (traditionellen) Medien thematisieren, thematisieren (traditionelle) Medien die √Ąu√üerungen von B√ľrgerinnen und B√ľrgern als unzul√§ssig, unprofessionell und als „shitstorm“.

Und „schuld“ daran ist dieses Internet: Ein Medium ohne zentrale Struktur, ohne Redaktionsschluss, ohne Redaktionslinie, ohne Seilschaften, ohne Parteibuch, ohne jede Abh√§ngigkeit, bis auf die, ob man einen Online-Zugang hat oder nicht.

Informationsfreiheit

Ohne auf Einzelheiten zu Wulff oder Gauck eingehen zu wollen: Jeder hat die M√∂glichkeit, sich ungehindert √ľber das Internet zu informieren und zu kommentieren. Jeder hat die M√∂glichkeit, eine Information, die er hier findet, mit anderen Informationen zu vergleichen.

Und zwar auch unabh√§ngig von √Ėffnungszeiten von Kiosken, Zustellzeiten von Zeitungen, Sendungszeiten von H√∂rfunk oder Fernsehen.

Das Internet erm√∂glicht allen B√ľrgerinnen und B√ľrgern, sich ungehinderter denn je ihre Meinungen zu bilden und ebenso ungehinderter denn je, ihre Meinungen zu √§u√üern. Nicht nur zu √§u√üern, sondern sogar zu verbreiten.

Irritationen

Das irritiert die „Torw√§chter“ (Gatekeeper), die traditionelle Medien lange waren. Die Politiker, die mit traditionellen Medien lange gemeinsame Sache gemacht haben wie auch alle anderen, die „die Medien“ als das genutzt haben, was „die Medien“ aus sich selbst gemacht haben – eine Meinungsverkaufstheke.

Bei den konservativen Medien gabs Schwarzbrot, bei den linken Medien Habssattbrot und bei der Bild gibts seit jeher Brot und Spiele.

Kein anderes Medium beherrscht den Kosmos von Blut und Sperma, Moral und Empörung, Star und gefallener Engel, Teufel und Hoffnungsträger so gut, wie das Springerblatt.

Tiere – Titten – Tote

Die einfache Formel TTT – Tiere, Titten, Tote – zieht seit Jahrzehnten.

Mit der Bild nach oben und dann ab in den Keller: Das Ehepaar Wulff. Bild: Franz Richter, BY-SA CC 3.0, Wikipedia

Die Bild-Zeitung ist ein Drecksblatt, skrupellos und habgierig. Es bemächtigt sich allem und jedem, womit man Aufmerksamkeit erzielen und diese verkaufen kann.

Und jeder, der sich auf die Bild einl√§sst, muss wissen, dass man mit ihr „nach oben f√§hrt, aber auch nach unten“ (Anm. d. Red.: Es gibt einen „Pater noster“ im Axel-Springer-Hochhaus“, der unaufh√∂rlich nach oben und nach unten wandert.)

Aber die Bild-Zeitung ist das professionellste Blatt in ganz Europa. Sie besch√§ftigt sich mit Schmutz und wenn keiner da ist, dann erfindet sie welchen. Die Rechtsabteilung ist gro√ü, Schadensersatz ins Produkt „Bild“ mit einkalkuliert.

Leidmedium Bild

Und die meisten anderen Medien folgen der Bild – die wird im Kanzleramt wie auf der Schicht wie in den Redaktionen zuallerst gelesen.

Hat sie deshalb Macht? Missbraucht sie diese? Sind alle Personen, die in Bild auftauchen nur Opfer?

Keineswegs und ganz klar ja.

Der Skandalbundespräsident Christan Wulff wurde von der Bild nicht gezwungen, sich von einem befreundeten Unternehmer einen Kredit geben zu lassen. Auch nicht, von anderen Unternehmern Vorteile zu erlangen.

Er wurde nicht Home-Stories gezwungen, zu Urlaubsstories und was sonst noch privat alles so interessant am Gl√ľck der Wulffs war.

S√ľndenf√§lle

Die Bild zwingt niemanden ins Bett mit Sekret√§rinnen und Geliebten. Sie veranstaltet keine Drogen- und/oder Prostituiertenparties, sie stiftet nicht zur Steuerflucht an, sie ist nicht verantwortlich f√ľr Gammelfleisch, einen „Wir sind Papst“, f√ľr Korruption und Vorteilsnahme und schon gar nicht f√ľr Mord und Totschlag, der immer gerne genommen wird.

Und die Bild hat die Staatsanwaltschaft Hannover nicht gezwungen, um Aufhebung der Immunität von Wulff zu bitten, um zu Verdachtsmomenten ermitteln zu können.

Die „Macht der Medien“ basiert auf Artikel 5 Grundgesetz:

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.

Die Bild nutzt dieses B√ľrgerrecht gnadenlos aus. Das muss man ihr genauso vorwerfen, wie jedem, der nur „Schei√üe“ loswerden will bei einem Shitstorm im Internet.

Haltung

Jede journalistische Redaktion muss pr√ľfen, welche Linie sie vertreten will, was wichtig und was nicht wichtig ist. Worauf man Wert legt und worauf nicht. Das ist eine Stilfrage – aber auch eine, die √ľber Aufmerksamkeit entscheidet.

Wird Jochim Gauck ein "guter" Bundespr√§sident werden? Dar√ľber darf und sollte man sich seine eigene Meinung bilden. Bild: J. Patrick Fischer. BY-SA CC 3.0 Wikipedia

Die Nutzer dieses Produkts „Meinungsbildung“, haben das Recht und die Pflicht, sich ebenso verantwortlich zu verhalten. Dreck als Dreck zu identifizieren und ihre Macht durch ihre Aufmerksamkeit und was sie daf√ľr „bezahlen“ auszuspielen.

Christian Wulff hat durch sein Verhalten das Amt des Bundespräsidenten beschädigt Рdiese Meinung teilen viele, aber nicht alle.

Joachim Gauck wird kein einfacher Bundespräsident werden und ob er geeignet ist, wird die Zukunft zeigen.

Der „shitstorm“ ist gut, denn Herr Gauck wird √ľber- und gepr√ľft. Das ist ein gro√üer Vorteil, denn alles, was er vor der Amts√ľbernahme gesagt hat, kann er nun selbst pr√ľfen, sich eine neue Meinung bilden und dann als Bundespr√§sident daf√ľr einstehen, was er im Amt tut oder sagt.

Meinungsfreiheit

Dar√ľber urteilen werden alle die, die interessieren und sich interessieren – mit der grundgesetzlich garantierten Meinungsfreiheit.

Die Menschen, die Medien und die Moral der daraus resultierenden Gesellschaft.

Faktencheck: RNF zeigte nicht nur einmal Leichenbilder als „Rohmaterial“


Mannheim/Rhein-Neckar, 12. September 2011. (red) Am Freitag haben wir das Rhein-Neckar-Fernsehen kritisiert, weil der-¬†Regionalsender unbearbeitete Aufnahmen von einer Leichenbergung nach einem Unfall auf der A5 im Online-Portal rnf.de ver√∂ffentlicht hat. RNF-Projektleiter Ralph K√ľhnl hat sich umfassend durch Kommentare dazu ge√§u√üert und behauptet, es handle sich um einen Fehler. Unsere Recherche zeigt, dass es wohl kein Fehler war. Die Ver√∂ffentlichung wurde sogar angek√ľndigt. Und es ist kein Einzelfall.

Von Hardy Prothmann

Am Donnerstag hat der Regionalsender Rhein-Neckar-Fernsehen „Rohmaterial“ von fast 12 Minuten L√§nge im Internet ver√∂ffentlicht. Also die Bilder, die ein Kameramann vor Ort nach einem Unfall auf der A5 aufgenommen hat.

In einer Szene, die fast zwei Minuten dauert, sieht man, wie die Bestatter die Leiche eines Unfallopfers in einen Sarg hieven. Der nachrichtliche Aussagegehalt ist gleich Null – kein seri√∂ser Sender w√ľrde eine solche Szene in dieser L√§nge ausstrahlen, wenn √ľberhaupt nur ein „Schnittbild“ von ein paar Sekunden L√§nge.

Wir haben daraufhin einen kritischen Kommentar geschrieben und diesen Vorgang als eine Art Trash-TV bezeichnet Рweil es gegen jeden journalistischen Standard verstößt, unbearbeitetes Material, egal, ob Ton, Text oder (Bewegt-)Bild zu veröffentlichen.

Erhebliche Zweifel an der Glaubw√ľrdigkeit der Darstellung

F√ľr den Sender hat Projektleiter Ralph K√ľhnl den Vorgang umfangreich kommentiert (siehe Kommentare hier am Ende des Artikels) und hat uns wiederum vorgeworfen, wir h√§tten unzureichend journalistisch gearbeitet – eine einfache R√ľckfrage h√§tte die Vermutung entkr√§ftet, dass das Rhein-Neckar-Fernsehen das „rohe“ Material absichtlich ins Netz gestellt h√§tte. Es liege ein Fehler vor. Ein nicht-redaktioneller Mitarbeiter habe eine „Nummer“ vertauscht, dadurch sei das Material ohne Absicht ver√∂ffentlicht worden und zudem nur f√ľr rund 2,5 Stunden sichtbar gewesen.

Wir haben erhebliche Zweifel an dieser Darstellung, denn die von uns recherchierten Fakten ergeben ein anderes Bild.

Rekonstruktion des Ablaufs:

Wir schildern den Ablauf, soweit wir diesen rekonstruieren können:

Am 08. September kommt es gegen 05:00 Uhr auf der A5 zu einem Unfall (siehe Bericht auf unserem Rheinneckarblog.de). Irgendwann sp√§ter treffen Reporter ein. Auch das RNF ist vor Ort und macht Aufnahmen. Der Kameramann kehrt in den Sender nach Mannheim zur√ľck und √ľberspielt die Aufnahmen von der Kamera ins Redaktionssystem.

Am 08. September 2011 „sendet“ RNF eine erste Meldung auf Facebook:

Erste Hinweis auf das "Rohmaterial" auf der Facebook-Seite vom RNF.

Ein knappe Stunde sp√§ter schreibt Ralph K√ľhnl selbst, erkennbar am K√ľrzel ^rk, einen Beitrag, mit dem Hinweis:

„Die Fakten vom Unfall-¬† auf der A5 haben wir bereits auf rnf.de gestellt.“

"Fakten zum Unfall"?

Die „Fakten“ zum Unfall also. Was meint er damit wohl? Hat er nichts von den „ersten Bildern bei rnf.de“ gewusst? Soll man ihm das glauben?

Hatte die Redaktion keine Kenntnis von dem Rohmaterial?

Um 12:46 Uhr schreibt Andreas Etzold, wie K√ľhnl „Projektleiter“ und zudem Jugendschutzbeauftragter (sic!) einen Hinweis auf den „Sendebeitrag“, der in der Abendsendung ausgestrahlt werden soll. Hat auch er √ľbersehen, dass das Rohmaterial online auch f√ľr Kinder und Jugendliche (es ist Ferienzeit) einsehbar ist?

Ralph K√ľhnel kommentiert sp√§ter unseren Bericht, am 10. September 2011 um 00:30 Uhr:

„Das Material, das im obigen Artikel beschrieben ist, stand am Donnerstag Morgen f√ľr ca. zweieinhalb Stunden auf der Startseite von rnf.de. Das h√§tte nicht passieren d√ľrfen.“

Diese Information konnten wir nicht √ľberpr√ľfen. Denn wir erfahren erst am Abend des 08. September 2011 durch einen Hinweis vom „Rohmaterial“, klicken auf den Link und sehen uns das Material an.

Die Bilder sprechen eine deutliche Sprache: Redaktionell unbearbeitetes Material wird uns gezeigt – wir sehen die Leichenszenen, pr√ľfen die Erreichbarkeit und gehen von der Homepage auf das Videoportal bei rnf.de und k√∂nnen den Beitrag dort aufrufen. Wir leeren den Cache unseres Computer und machen den Versuch an einem zweiten Computer – tats√§chlich l√§sst sich der Beitrag hier wie dort abrufen.

Stellt sich eine Recherchefrage wie Herr K√ľhnl das einfordert? Und ob wir gegen 21:00 Uhr abends noch jemandem im Sender erreicht h√§tten, wissen wir nicht. Wir meinen nicht, dass eine „Recherche“ notwendig ist – der Vorgang ist eindeutig, wir stellen diesen dar und ordnen ihn als das ein, was er ist, skandal√∂s. Am 9. September 2011, um 00:21 Uhr geht unser Text online.

Unser Artikel zu den „Leichenbildern“ bei RNF findet immer mehr Interesse

Am folgenden Tag wird unser Beitrag von Bildblog.de verlinkt – die Zugriffe steigen rasant an. Bundesweit lesen medieninteressierte Menschen unseren Artikel. Am Vormittag ist das „Rohmaterial“ immer noch bei rnf.de zu finden, auch am Nachmittag. Wir wundern uns √ľber die Kaltbl√ľtigkeit des Senders. Sp√§ter best√§tigen uns Leserinnen und Leser, dass der Film auch noch am fr√ľhen Freitagabend an diesem 09. September zu sehen war, ein Leser sah ihn auf seinem Handy.

Am 10. September, um 12:02 Uhr kommentiert Herr K√ľhnl: „H√§tten wir, wie uns in dem Hauptartikel vorgeworfen wird, mit dem langen Video einen Effekt erzielen wollen, dann h√§tten wir es entsprechend promoted und es nicht im Video-Portal versteckt. Dann h√§tten wir vielleicht in Hauptsendung ‚ÄúRNF Life-‚ā¨¬Ě in der Moderation gesagt: ‚ÄúWenn Sie mehr spektakul√§re Bilder von dem Unfall bei Heppenheim sehen wollen, dann klicken Sie jetzt ins Video-Portal auf rnf.de. Dort haben wir den gesamten Rohschnitt f√ľr Sie hinterlegt.-‚ā¨¬Ě Das haben wir aber nicht.“

RNF weist Sensationslust zur√ľck

Anscheinend wei√ü Herr K√ľhnl nicht mehr, was er selbst noch vor Fertigstellung des „Sendebeitrags“ in Facebook gepostet hat: „Die Fakten zum Unfall haben wir bereits auf rnf.de gestellt. ^rk“

Herr K√ľhnl erkl√§rt weiter irgendwas von „im Cache-Speicher“ und anderes Zeugs. Tatsache ist, dass wir und alle unsere Kontakte den Film nicht bei youtube oder √ľber Google gesehen haben, sondern direkt √ľber die rnf.de-Seite.

Es entwickelt sich eine lange Debatte mit vielen Kommentaren zu unserem Artikel.

Behauptungen werden aufgestellt

Darin behauptet Ralph K√ľhnl erst einen technischen Fehler, dann soll ein „nicht-redaktioneller Mitarbeiter“ im √úbereifer das „Rohmaterial“ online gestellt haben. Sehr schnell versucht sich Herr K√ľhnl darin, unsere Arbeit zu kritisieren, um vom eigentlichen Thema, dem skandal√∂sen Zur-Schau-Stellung eines Unfalltoten abzulenken.

Auch auf direkten Weg nimmt er Kontakt zu uns auf und teilt uns mit, dass ein Mitarbeiter den Fehler gemacht hat. Die sehr lange email, in der es auch um andere Dinge geht, sollen wir aber „vertraulich“ behandeln.

Wir sichern keine Vertraulichkeit zu, beantworten die email und damit war der Fall f√ľr uns erledigt.

Am folgenden Tag, den 11. September 2011, erhebt Herr K√ľhnl wieder massive Vorw√ľrfe gegen unsere Arbeit. Wir antworten entsprechend.

Rohes Material: Beitr√§ge mit „(no comment)“ sind Originalaufnahmen

Dann surfen wir nochmals auf der Seite von rnf.de, um eine Information zu √ľberpr√ľfen.

Wir trauen unseren Augen nicht. Im Videoportal von rnf.de stehen zwei weitere Beitr√§ge direkt untereinander, wieder ist einer mit „(no comment)“ gekennzeichnet. Der erste Beitrag ist ein Sendebeitrag vom 07. September 2011, wenn auch durch Amateurvideoaufnahmen von schlechter Qualit√§t.

F√ľr jeden Geschmack etwas: Sendebeitrag und "Rohmaterial" stehen untereinander.

Der zweite Film zeigt wiederum in der L√§nge von 01:34 Minuten nichts anderes als Bestatter, die in ein Haus gehen, mit der Leiche wieder herauskommen, diese verfrachten und davonfahren. Man h√∂rt vermutlich den Kameramann, der vermutlich telefoniert, als die Leiche aus dem Haus getragen wird: „Moment, jetzt kommen sie gerade. Ich kann nicht.“

„Moment, jetzt kommen sie gerade. Ich kann nicht.“

Angeblich dient dieses „Rohmaterial“ als Angebot an andere Sender, die dem Rhein-Neckar-Fernsehen die Bilder abkaufen k√∂nnen. Tats√§chlich verwendet das RNF im Beitrag zu dem t√∂dlichen Schusswechsel im Mannheimer Stadtteil Neckarau selbst gerade mal zehn Sekunden. Und auch diese wohl entweder in Ermangelung anderen Bildmaterials oder eben in vollem Bewusstsein, so etwas der √Ėffentlichkeit zeigen zu wollen. Beides ist journalistisch eine Bankrotterkl√§rung.

(Siehe unseren Beitrag dazu hier.)

Klicken Sie auf das Bild, um den Film zu sehen.

Angeblich kann man dieses „Rohmaterial“ nicht sehen – vermutlich, folgt man Herrn K√ľhnl, hat der „nicht-redaktionelle Mitarbeiter“ auch hier eine „Zahl verwechselt“. Eventuell hat sich auch dieser Beitrag in irgendeinem „Cache“ (Zwischenspeicher) verfangen und ist nun in den unendlichen Untiefen des Internet noch erreichbar. Ob Herrn K√ľhnl wohl noch eine andere Erkl√§rung einf√§llt?

F√ľr unseren Geschmack ist das ein wenig viel „angeblich, vermutlich, eventuell“.

„Das versendet sich.“ – Aber nicht mehr in Zeiten des Internet

Fr√ľher, also vor dem Internet, sagten TV- und Radio-Journalisten bei solchen „Fehlern“: „Das versendet sich.“ Man rechnete damit, dass nur wenige Menschen einen Beitrag speichern konnten, am n√§chsten Tag neue Themen das Interesse bestimmten und man somit fein raus war, weil die fehlerbehaftete Arbeit vergessen wurde.

Das Internet bietet aber gute Kontrollm√∂glichkeiten. Und die werden Herrn K√ľhnl und seinen Aussagen nun zum Verh√§ngnis – denn durch unsere Recherche gibt es begr√ľndete Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Behauptungen.

Mal untertellt, dass der Sender diese Beitr√§ge nicht absichtlich ver√∂ffentlicht, dann ist es ein Schlamperladen, dem zu viele Fehler passieren. Tats√§chlich muss man davon ausgehen, dass es absichtlich „passiert“ – wieso sonst w√ľrden die Redakteure „Bilder und Fakten“ anpreisen, bevor der Sendebeitrag fertig ist?

Wir werden den Sender wiederum nicht dazu befragen – wir sparen uns die M√ľhe, denn wir gehen davon aus, dass wir keine vertrauensw√ľrdigen Antworten erhalten.

Die Verwendung der Leichenbilder im Beitrag √ľber die Schie√üerei in Neckarau zeigt, dass der Sender selbst keine Skrupel hat, solches „Material“ zu verwenden und auch im Fernsehen in ungeb√ľhrlicher L√§nge √ľber die absolut notwendige „Dokumentation“ hinaus zu zeigen. Einen Nachrichtenwert haben solche Bilder nicht. In der l√§nge auch keinen dokumentarischen. Sie dienen einzig und allein dazu, die Sensationsgier zu stillen.

Bedauerlich ist, dass das Rhein-Neckar-Fernsehen vermutlich davon ausgeht, dass dessen Zuschauerinnen und Zuschauer solche Bilder sehen wollen.

Was das Rhein-Neckar-Fernsehen vom eigenen Publikum denkt – dar√ľber kann sich jeder selbst seine Meinung bilden.

 

Das Rhein-Neckar-Fernsehen zeigt ungeschnittene Opferbilder und diskreditiert sich damit zum Trash-TV


Fast zwei Minuten lang zeigt das Rhein-Neckar-Fernsehen, wie Bestatter einen Sarg bereitstellen, die Leiche des Opfers hineinwuchten, den Sarg schließen und Rausstehendes reinstopfen. Muss das sein? Quelle: RNF

Mannheim/Heppenheim/Rhein-Neckar, 09. September 2011. (red) Ein schwerer Unfall auf der A5 bei Heppenheim fordert ein Todesopfer. Medien berichten. Die √Ėffentlichkeit will wissen, was passiert. Das Rhein-Neckar-Fernsehen (RNF) zeigt fast zw√∂lf Minuten lang ungeschnittenes Videomaterial – darunter fast zwei Minuten die Leiche, die von Bestattern in einen Sarg gewuchtet wird. Ist das noch „Journalismus“ oder nur noch voyeuristischer Trash? Die Frage muss man nicht stellen – wer so verantwortungslos handelt, hat mit verantwortlichem Journalismus l√§ngst nichts mehr zu tun. Noch nicht einmal der Anschein wird noch gewahrt. Man h√§lt ohne Sinn und Verstand drauf und hofft auf „Quote“.

Ergänzung:

Der RNF-Mitarbeiter Ralph K√ľhnl hat gegen√ľber unserer Redaktion den Vorgang folgenderma√üen erkl√§rt: „Mit dem Einstellen des Rohschnitts ins Netz ist einem nicht-redaktionellen Mitarbeiter der Gaul durchgegangen. Dar√ľber gab es hier im Sender bereits gestern Diskussionen, die sicherlich dazu f√ľhren, dass ein solcher Fall nicht mehr eintritt.“ Weiter hat Herr K√ľhnl erkl√§rt, man habe nach Kenntnis des Fehlers das „Rohmaterial“ um einen ausf√ľhrlichen Text erg√§nzt und damit best√§tigt, dass die Redaktion auch nach Kenntnis der Ver√∂ffentlichung das Rohmaterial nicht sofort gel√∂scht hat. Es bleibt jedem selbst √ľberlassen, welche Meinung man sich aus diesen Informationen bilden mag.
Der Sender hat mittlerweile (wie von uns vorgeschlagen, siehe Kommentar 10. September 2011 um 16:56 Uhr) eine Entschuldigung unter dem Sendebeitrag veröffentlicht.
In den Kommentaren finden Sie weitere Informationen.

Von Hardy Prothmann

Als ich die Bilder vom Unfall auf der A5 vom Donnerstag auf dem Internet-Portal von RNF sehe, bin ich fassungslos. Nicht dar√ľber, dass ich eine Leiche sehe. Mein Beruf bringt es mit sich, dass ich viel Leid sehe, Zerst√∂rung und auch den Tod sehen muss. Hinschauen muss. Auch Polizisten, √Ąrzte, Sanit√§ter, Feuerwehrleute, Gutachter sind damit leider immer wieder konfrontiert.

Aber wir arbeiten professionell, jeder tut, was er tun muss. Und als Journalist berichtet man f√ľr die √Ėffentlichkeit dar√ľber, was passiert ist. Aber als verantwortlicher Journalist achtet man darauf, zwischen dem √∂ffentlichen und dem privaten Interesse zu unterscheiden.

Es ist absolut zul√§ssig, in Bild, Ton oder Schrift √ľber Opfer zu berichten. Es ist aber geboten, dies im Zweifel mit dem geb√ľhrenden Abstand zu tun. Auch wir haben √ľber den Unfall auf der A5 berichtet, bei dem ein Mann ums Leben gekommen ist. Auch auf unseren Bildern sieht man, dass eine Leiche am Boden liegt und von einem Tuch abgedeckt wird. Unser Bilder sind aus der Distanz aufgenommen und dokumentieren den tragischen Unfall, das „Ereignis“.

Die Bewegtbilder, die beim RNF zu sehen sind, zeigen, wie Bestatter einen Sarg herbeitragen und das Opfer versuchen, ihn dahin zu hieven. Das klappt nicht beim ersten Mal. Der Leichnam stößt an den Sarg, die Anstrengung der Bestatter ist deutlich zu sehen. Als es endlich gelingt, die Leiche in den Sarg zu hieven, lässt sich der Deckel nicht schließen. Der Leichensack wird reingestopft. Die Männer transportieren Sarg und Leiche ab.

Man k√∂nnte nun aus Sicht des RNF argumentieren: „Wir zeigen, wie es ist.“ Aber ist das ein Argument? Was ist mit der W√ľrde des Toten? Was mit den Gef√ľhlen der Familie?

„Vollkommen egal“, k√∂nnte man als Hardcore-Dokumentarfilmer sagen: „Wir zeigen, wie es ist.“

Zeigen, was man vor die Linse bekommt. Was sagt dieses Bild aus? Quelle: RNF

Aber auch die h√§rtesten Hardcore-Dokumentarfilmer stellen sich immer die Frage, ob das, was sie zeigen, gezeigt werden „muss“. Was ist der Erkenntnisgewinn? Was tragen die Bilder zur Aufkl√§rung der √Ėffentlichkeit bei? Warum sind sie wichtig? Tragen sie zur F√∂rderung der Meinungsfreiheit bei?

Die Bilder des RNF sind ersch√ľtternd. Sie zeigen, dass der Sender √ľberhaupt keinen Wert auf journalistische Selbstkontrolle legt. Hier wird nur Voyeurismus bedient, irgendwelche redaktionell-journalistische Gedanken oder auch nur ein Rest von Anstand sind auch im Ansatz nicht zu erkennen.

Das ist Trash-TV in Reinkultur Рmit der Kamera auf alles draufhalten, was die Häarchen auf den Armen aufstellen lässt. Klar РRNF ist ein dröger Provinzsender, der eher nicht durch guten, kritischen Journalismus auffällt. Aber mit diesem Film zeigt der Sender eine Verantwortungslosigkeit, die die zuständige Lizenzbehörde auf den Plan rufen muss.

Selbst die Spritze muss groß im Bild erscheinen - warum? Quelle: RNF

Auch Privatsender haben Standards der Berichterstattung zu erf√ľllen und m√ľssen die Lizenz verlieren, wenn sie diese nicht einhalten. Ein Privatsender, der ungeschnittenes Videomaterial √ľber eine menschliche Trag√∂die √ľber zw√∂lf Minuten L√§nge einfach so ins Internet stellt, ist daf√ľr ein Kandidat.

Ob Herr Bert Siegelmann die Gr√∂√üe hat, sich im regul√§ren Programm f√ľr diese Verfehlung zu entschuldigen und daf√ľr zu sorgen, dass der Sender journalistische Standards einzuhalten, darf getrost bezweifelt werden.

Muss man die Arbeit der Bestatter in voller Länge zeigen? Quelle: RNF

Einen sp√§ter zusammen geschnittenen „Beitrag“ spricht der lispelnde Senderchef selbst ein – wieder sind Bilder zu sehen, die man nicht zeigen muss, au√üer, wenn man es „n√∂tig“ hat.

Was das RNF hier zeigt, macht mich fassungslos. Als Mensch. Als Journalist macht es mich w√ľtend, weil diese miese Form von „Journalismus (No comment)“ auch mich und andere Kollegen besch√§digt, die ihren Beruf mit der gebotenen Verantwortung aus√ľben.

Mir geht es wie jedem anst√§ndigen Menschen. F√ľr eine solche „Arbeit“ empfinde ich nur Verachtung – die einzig richtige Reaktion, weil man keine Spur von Achtung bei diesem „Bericht“ des RNF feststellen kann.

Es ist besch√§mend, wie das RNF im Wunsch nach Aufmerksamkeit jegliche Selbstkontrolle verliert. Tats√§chlich habe ich kein Mitleid mit diesen „Kollegen“ – die m√ľssen selbst in den Spiegel schauen und man darf nur hoffen, dass sie bei dem, was sie sehen, eventuell noch eine Spur von Scham empfinden.

In eigener Sache: Reaktionen auf den Beitrag im ARD-Morgenmagazin


Hardy Prothmann ist seit 20 Jahren Journalist und hat f√ľr viele gro√üe Tageszeitungen, Magazine sowie H√∂rfunk und Fernsehen von ARD und ZDF gearbeitet. Seit 2009 berichtet er wieder als Lokaljournalist in Nordbaden. Bildquelle: ARD-Morgenmagazin/SWR

Rhein-Neckar, 02. August 2011. (red) Heute hat das ARD-Morgenmagazin einen Beitrag ausgestrahlt, in dem Hardy Prothmann als verantwortlicher Redakteur f√ľr heddesheimblog.de im Interview zu sehen war. Im Bericht geht es um den Tarifstreit zwischen Gewerkschaften und Verlegern. Gestern wurde in Lampertheim demonstriert. Ein ARD-Team hat uns dazu befragt. Herzlichen Dank f√ľr die (trotz Ferien) bundesweiten Reaktionen per email, Chat oder Telefon. Wir fassen unsere Antworten zusammen.

Beitrag aus dem ARD-Morgenmagazin vom 02. August 2011, nachzuschauen bei tagesschau.de

Warum seid Ihr so kritisch mit der Zeitung?

Weil die Berichterstattung oft ungen√ľgend ist. Die meisten Mitarbeiter haben fr√ľher selbst f√ľr Zeitungen gearbeitet – es tut weh, wenn man sieht, wie das Produkt verkommt. Statt zu lamentieren, haben wir uns entschlossen, selbst eine Redaktion aufzubauen. Und wir stellen uns jeder inhaltlichen Kritik – was man von den Zeitungen leider nicht erwarten kann.

Bedroht das Internet „die Zeitung“?

Nein. Journalistische Angebote im Internet zeigen nur, dass es „Alternativen“ zur Zeitung gibt. „Alternative“ hat dabei nichts mit „gr√ľn“, „links“, „Apo“ oder dergleichen zu tun. Journalistische Internetseiten bewegen sich wie die Zeitungen, das Radio, das Fernsehen auf dem Markt der Aufmerksamkeit √ľber angebotene Informationen.

Die Zeitungen m√ľssen sich wie andere Medien vergleichen lassen. Der Vergleich f√§llt leider immer h√§ufiger nicht gut aus. Teure Abos bei gleichzeitig mangelhaftem Inhalt sind vermutlich kein „Zukunftsmodell“. Deswegen werden alle Lokalzeitungen, die nicht an der Qualit√§t arbeiten, mittel- bis langfristig gro√üe Probleme bekommen. Zeitungen mit guter Qualit√§t haben auch eine Zukunft.

Können Blogs eine Zeitung ersetzen?

Warum nicht? Es geht um zutreffende Informationen, kritische Berichterstattung, einordnende Kommentierung, „Enth√ľllungen“, Unterhaltung. All das k√∂nnen Blogs oder „Internet-Zeitungen“ bieten. Aktueller und umfangreicher als eine aufs Medium Papier begrenzte Zeitung.

Wir empfehlen gerne auch sehr gute Angebote, beispielsweise das DeutschlandRadio, Arte oder 3Sat, um elektronische Medien zu nennen. Das sind ganz hervorragende Angebote. Das Problem: Es sind keine „Lokalmedien“. Wenn man wissen will, was um einen herum „los“ ist, dann braucht man sehr gute Lokalmedien. Zeitungen hatten bis vor kurzem hier ein Monopol – das br√∂kelt zunehmend.

Die meisten neuen journalistischen Internetportale sind noch sehr „jung“ – leisten aber wie das heddesheimblog.de enorm viel f√ľr die Leserinnen und Leser und decken teils schon mehr Themen ab, als in der Zeitung stehen. Da es so gut wie keine „Verfilzung“ gibt und keine m√ľden Monopolstrukturen sind die Angebote meist frischer und meinungsfreudiger. Sie bedienen sich zudem einer Technik, die √ľberall verf√ľgbar und zunehmend „selbstverst√§ndlicher“ auch f√ľr √§ltere Generationen wird. Die junge Generation liest sowieso so gut wie keine Zeitung mehr.

Wie steht es um die objektive Berichterstattung?

Dazu muss man erstmal definieren, was „objektiv“ ist und ob dies erstrebenswert ist. Die Fakten m√ľssen stimmen. Das allein reicht aber nicht, sie m√ľssen interpretiert und eingeordnet werden. Viele Dinge kann man so oder so sehen.

Ein klassisches Beispiel: War Che Guevara ein Terrorist oder ein Freiheitsk√§mpfer? Ein aktuelles Beispiel: Ist Anders Breivik ein „Amokl√§ufer“ oder ein rechtsextremer Terrorist?

Und lokal geht es um Fragen wie: „K√∂nnen oder wollen wir uns das Hallenbad noch leisten?“ „Wie viel Betreuung muss, kann, soll, will eine Gemeinde f√ľr Kinder anbieten?“ Dazu lassen sich Fakten zusammentragen, aber auch sehr viele Meinungen.

Unsere Redaktion bietet bewusst einen „subjektiven“ Journalismus an. Unsere Inhalte werden nicht von Maschinen gemacht, sondern von Menschen, die sind nunmal „Subjekte“ und keine Objekte.

Wir arbeiten mit professionellen, journalistisch-handwerklichen Methoden. Wir hinterfragen kritisch und genau und dokumentieren den gr√∂√üten Teil unserer Quellen – bis auf die, die wir wegen vermuteter Nachteile sch√ľtzen. Unsere Leserinnen und Leser k√∂nnen unsere Informationen √ľberpr√ľfen, wir helfen sogar dabei, weil wir das f√∂rderlich f√ľr die „subjektive“ Meinungsbildung halten.

Objektiv hei√üt f√ľr uns, transparent und ehrlich zu berichten. Die Leserinnen und Leser erweitern das mit Kommentaren und Links. Artikel 5 spricht nicht von einer „objektiven“ Meinungsfreiheit, sondern von der Freiheit, sich auch √∂ffentlich zug√§nglichen Quellen eine Meinung bilden und diese √§u√üern zu d√ľrfen. Daran wirken wir mit.

Sehen Sie eine L√∂sung f√ľr die Zeitungen?

F√ľr die allermeisten leider nicht. Das Produkt Zeitung muss mit einem exklusiven Inhalt √ľberzeugen. Sobald das nicht mehr der Fall ist, wird die Zeitung beliebig und hat keinen Nutzen mehr. Da die Entwicklung seit gut zwei Jahrzehnten negativ ist und das Internet viele neue M√∂glichkeiten bietet, hat die Zeitung nur eine Chance – wenn sie sich auf guten Journalismus, exklusive Inhalte und Respekt vor der Leserschaft besinnt.

Nat√ľrlich m√ľssen Zeitungen auch die Bed√ľrfnisse ihrer Werbekunden m√∂glichst gut bedienen. Da Zeitungen heute aber wie Konservenfabriken von Betriebswirten ohne journalistischen Ehrgeiz gef√ľhrt werden, ist eine L√∂sung nicht in Sicht. Der Einfluss der Werbewirtschaft auf die redaktionelle Berichterstattung besch√§digt zudem die Glaubw√ľrdigkeit der redaktionellen Inhalte und der werbenden Unternehmen. Ein Verst√§ndnis dieser Wechselwirkungen ist heute leider in Zeitungsh√§usern kaum noch anzutreffen.

Warum argumentieren Sie f√ľr die Kollegen bei der Zeitung?

Aus Solidarit√§t. Das „Angebot“ der Verleger ist sittenwidrig. Die Verlagsh√§user haben √ľber Jahre hinweg Geld gescheffelt. Renditen von √ľber 20 Prozent waren keine Seltenheit. Auf das neue Medium Internet wurde arrogant reagiert und deshalb hat man heute gro√üe Probleme.

Bei vielen Zeitungen gibt es nach wie vor gute Leute und es gibt junge Menschen mit viel Enthusiusmus, die diesen wunderbaren Beruf ergreifen wollen. Wenn man, um sich Renditen zu erhalten, die eigenen Leute kaputt spart, ist das der falsche Weg. Zudem nehmen immer mehr √∂konomische Interessen Einfluss auf die redaktionelle Berichterstattung. Am Beispiel der Fehl- oder Nichtleistungen der Stuttgarter Zeitung in Sachen Stuttgart21 kann man gut erkennen, wie wenig von der „vierten Gewalt“ √ľbrig geblieben ist. H√§ufig sind die Zeitungen nur nur Steigb√ľgelhalter f√ľr Lobbyisten, Interessenverb√§nde, Werbekunden oder die jeweils herrschenden Klassen. Mit kritischer Kontrolle hat das wenig zu tun und das ist sch√§dlich f√ľr die Demokratie.

Nicht jeder Journalist ist ein Revolution√§r und packt seine Sachen, wenn er nicht so berichten darf, wie er sollte. „Wes Brot ich ess, dess Lied ich sing“ gilt auch f√ľr diesen Beruf. In der Verantwortungskette stehen die Verleger, Chefredakteure und Redaktionsleiter ganz vorne.

Eine Demokratie braucht aber eine kritische √Ėffentlichkeit und es ist sicher von Vorteil, wenn viele Leser an die Verlage schreiben und mehr Journalismus fordern. Verleger sind Kaufleute – und wenn die Kunden rebellieren, √ľberlegen die sich sicher sehr genau, wie sie sich besser nicht verhalten sollten.

Warum sind Radio und Fernsehen nicht so sehr betroffen?

Sind sie. Sowohl Radio als auch Fernsehen sind bereits vom Internet umschlungen worden. In einigen Jahren werden viele Menschen ein Ger√§t an der Stelle haben, an der der „Fernseher“ stand. Dar√ľber kann genauso Radio geh√∂rt werden. Das Radio kann aber √ľber sehr einfache Ger√§te √ľberall, vor allem im Auto, als „Nebenbei-Medium“, empfangen werden. Diese Einfachheit wird das Radio als Radio √ľberleben lassen. Das Fernsehen als Inhaltelieferant f√ľrs Internet(fernsehen) bleibt auch erhalten. Ob man Fernsehen auf einem Fernsehger√§t oder einem Computerbild schaut, ist mehr oder weniger dasselbe.

Die Papierzeitung hat aber ein Problem: Es ist teuer, sie herzustellen, man muss sie teuer transportieren und bis sie beim Leser ist, vergeht zu viel Zeit. Zudem ist sie im Umfang begrenzt. Man kann sie schlecht archivieren und schon gar nicht verlinken. Die Zeitung ist ein Einbahnstra√üenmedium. Das sind echte Nachteile, die zu einer deutlichen Reduzierung der Zeitungswelt in der Zukunft f√ľhren werden. Nur wirklich exklusive, sehr gute Inhalte werden das abwenden k√∂nnen.

Können Blogs nur von Journalisten gemacht werden?

Gut gemachte Informationsportale sind irgendwann von selbst „journalistisch“. Nat√ľrlich k√∂nnen auch B√ľrger oder Interessengruppen publizistisch t√§tig werden – es ist aber eine verantwortungsvolle und anstrengende Arbeit und wenn man eine gewisse Aufmerksamkeit erreichen m√∂chte, muss man am Ball bleiben. Es sind zudem sehr viele „rechtliche“ Dinge zu beachten.

Insofern sind hauptberufliche Journalisten, die ihr Handwerk beherrschen, eher in der Lage, ein solches Angebot aufzubauen. Das gilt sowohl f√ľr gro√üe Nachrichtenportale wie f√ľr kleine lokale Angebote. Die Qualit√§t muss √ľberzeugen. Ob die von „Journalisten“ oder „Bloggern“ kommt, ist egal. In Amerika hei√üen Redakteure „editors“, in der Schweiz Redaktoren – das sind Begrifflichkeiten. Die Inhalte sind entscheidend.

Unterst√ľtzen Sie uns, wenn wir etwas √§hnliches planen?

Vielen Dank f√ľr das viele Lob, das wir von vielen bekommen haben, nachdem Sie sich auf unseren Seiten umgesehen haben. Wir helfen gerne, wo wir k√∂nnen, haben nat√ľrlich aber unsere eigene Arbeit zu machen. Fragen kostet nichts ūüėČ .

Weil wir aber davon √ľberzeugt sind, dass sich Kooperationen lohnen, haben wir mit Kollegen das Netzwerk http://istlokal.de gegr√ľndet. Der Verein wird in K√ľrze angemeldet und hat zum Ziel lokal- und regionaljournalistische Internetangebote zu f√∂rdern. Die deutschlandweit rund 50 Mitglieder und Interessenten tauschen sich schon heute zu den Themenfeldern Journalismus, Vermarktung, Technik und Recht auf der Basis von Solidarit√§t aus. Man hilft sich gegenseitig, um das eigene Angebot und das anderer zu verbessern.

Wenn Sie also selbst ein Angebot planen oder als Initiative ein Angebot von jemandem aufbauen lassen wollen, finden Sie hier Ansprechpartner. Wir bieten auch technische, inhaltliche und organisatorische Beratung gegen Honorar an und machen Ihnen gerne ein Angebot.

Einen sch√∂nen Tag w√ľnscht
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Berichte √ľber unsere Blogs finden Sie hier.

Skandal oder Service? Facebook schaltet automatische Gesichtserkennung frei

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Rhein-Neckar, 09. Juni 2011 (red) Facebook geistert als Datenschutz-Problemfall mal wieder durch die Presse. Nicht ganz zu unrecht, aber wie so h√§ufig endlos √ľbertrieben. Was in keiner Zeitungsmeldung steht: Facebook wird von Zeitungen als Bedrohung wahrgenommen – zu recht. Das gr√∂√üte soziale Netzwerk der Welt w√§chst rasant, w√§hrend Zeitungsauflagen schrumpfen. Aktuell wird die automatische Gesichtererkennung kritisiert – Sie erfahren von uns, ob diese problematisch ist und wie Sie diese abschalten k√∂nnen.

Von Hardy Prothmann

Die S√ľddeutsche Zeitung schreibt:
„Facebook setzt Software zum Gesichtsscan ein, um Freunde auf Fotos einfacher zu identifizieren. Das weckt viele √Ąngste… Gesichtserkennung: Kein Wort verst√∂rt Internetnutzer mehr, h√∂rt sich so sehr nach der Komplett√ľberwachung und Demaskierung an.“

Unbelegte Gefahren

Einen Beleg bleibt die Zeitung schuldig. Welche √Ąngste? Bei wem? Vor was? Warum?

Facebook-Nutzer stellen bestimmt keine Bilder in das Netzwerk ein, damit diese nicht gesehen werden. Facebook hei√üt auf deutsch „Gesichtsbuch“ – die Funktion der Gesichtserkennung ist also eher eine folgerichtige Erweiterung der Software.

Die Gesichtsmarkierung ist nicht neu

Schon in der Vergangenheit konnte man auf Fotos Personen markieren und Facebook-Namen zuweisen. Die neue Funktion erm√∂glicht nun eine „automatische“ Zuordnung.

Das kann man nun als Skandal verstehen oder einfach als Service, der in jedem guten Fotoverwaltungsprogramm enthalten ist. Ganz sicher ist es √§rgerlich, dass Facebook diese Funktion einfach eingeschaltet hat ohne die Nutzer zu fragen. Man k√∂nnte sich in der autonomen Verwaltung gest√∂rt f√ľhlen oder aber auch sagen: Hey, netter Service.

Ganz so „unerwartet“ macht Facebook das aber nicht. Die neue Funktion wurde bereits im Dezember 2010 angek√ľndigt. Und ganz so automatisch ist der Ablauf auch nicht – die Sofware „scant“ die Bilder. Findet sie Gesichter, die auf anderen Bildern schon mit einem Namen versehen worden sind, macht Facebook einen Vorschlag, eine Markierung vorzunehmen.

Achten Sie auf Ihre Informationen

Und hier sollten grunds√§tzliche √úberlegungen anfangen, ob die Nutzer das wollen oder nicht. Insbesondere bei Kindern sollten die Eltern darauf achten, dass diese nicht „zu viele“ Informationen preisgeben oder „problematische Bilder“ einstellen.

Erwachsene selbst sind gut beraten, dass sie nur ver√∂ffentlichen, was sie auch vertreten k√∂nnen. Privatpersonen sind gut beraten, wenn sie Kontaktdaten nicht zug√§nglich machen – auch nicht Freunden. Die haben in aller Regel email, Adresse und Telefonnummer. Wenn nicht, k√∂nnen diese Daten per email schnell nachgefragt werden. Dann wei√ü man aber, wer sich daf√ľr interessiert und stellt sie nicht einfach so „√∂ffentlich“.

Klick-klick-klich: Abgeschaltet

Wer die Funktion abschalten will gelangt √ľber „Konto-Privatsph√§ren-Einstellungen“ zum Men√ľ und w√§hlt hier (etwa in der Mitte des Bildschirms) „Benutzerdefinierte Einstellungen“. Im weiten Teil des Folgemen√ľs sehen Sie „Dinge, die andere Personen teilen“ und dort die Option „Freunden Fotos von mir vorschlagen“. W√§hlen Sie hier „Einstellungen“ und sperren Sie die Funktion.

Mit ein paar Klicks ist die Gesichtererkennung gesperrt. Quelle: Facebook

Ansonsten sollten Sie lieber auf Termine achten, die von der Presse fotografiert werden. Denn die in der Zeitung oder im Fernsehen ver√∂ffentlichten Fotos sind nicht nur f√ľr „Freunde“ sichtbar, sondern je nach Auflage und Reichweite f√ľr hunderttausende oder Millionen von Menschen.

Hier haben Sie aber keine „Sperrfunktion“ und keinerlei Kontrolle. √úber diese Gefahren berichten die Zeitungen und Fernsehstationen aber nicht.

Stellen Sie sich vor: Sie werden mit ihrer Liebschaft fotografiert – als Teil einer Gruppe, was presserechtlich erlaubt ist, f√ľr Sie aber im Zweifel f√ľr viel √Ąrger sorgt. Oder Sie sitzen mit dem n√§chten Chef von der Konkurrenz an einem Tisch, um √ľber einen Arbeitswechsel zu sprechen. Oder Sie sind krank gemeldet, gehen f√ľr einen „Kuchen“ auf ein Fest, ihr Chef erkennt sie und feuert sie. Das sind Gefahren, die tats√§chlich existieren.

Im Gegensatz zu Zeitungsberichten √ľber die Facebook-Gesichtererkennung haben wir damit die Fragen beantwortet: Welche √Ąngste? Bei wem? Vor was? Warum?

Der Teufel Facebook

Aus Sicht von Zeitungsverlagen ist die Aufmerksamkeitsmaschine Facebook des Teufels – je mehr Zeit Menschen hier verbringen und sich nicht nur unterhalten, sondern auch informieren (lassen), umso weniger brauchen sie die Zeitung. Allein aus diesem Grund m√ľssen Facebook und andere Dienste „schlecht geredet“ werden. Sie glauben nicht, dass die Zeitungensmacher so denken? Dann suchen Sie mal in n√§chster Zeit Artikel, die beschreiben, was an Facebook & Co. toll und n√ľtzlich ist und warum Sie sich unbedingt mit Facebook besch√§ftigen sollten. Sie werden solche Artikel nicht finden.

√úbrigens: Ich habe die Funktion abgeschaltet. Nicht aus Angst. Sondern aus Prinzip. Ich schalte prinzipiell alle Funktionen ab, die ich nicht brauche oder √ľber die ich noch keine rechte Meinung habe. Und ich gebe nur die Informationen frei, die ich freigeben will. Im Zweifel schalte ich die Freigabe ab.

Das ist wie Autofahren Рauch hier sollte man die grundsätzlichen Funktionen kennen und bedienen können. Sonst lässt man das Auto lieber stehen.

Chaos-Berichterstattung: Verschmolzene Nachrichten

Guten Tag!

Rhein-Neckar/Japan/Welt, 13. M√§rz 2011. (red) Die Erdbeben-Katastrophe hat zuerst Japan ersch√ľttert und enorme Zerst√∂rungen angerichtet. Auf die Naturkatastrophe folgt die technische Katastrophe. Weitere, weltweite „Ersch√ľtterungen“ werden folgen. Politische und wirtschaftliche, eventuell auch gesundheitliche. W√§hrenddessen ist die Berichterstattung √ľber die Katastrophe ein Teil davon.

Von Hardy Prothmann

Die erste Meldung, die ich zur Erdbeben-Katastrophe in Japan wahr genommen habe, sprach von einem starken Beben und mehreren Dutzend Toten.

Ein "Retter" hält einen Jungen", trägt ihn aus der Zone der chaotischen Störung. Der Jung scheint unverletzt, die Kleidung ist sauber, er hat beide Schuhe an, gibt keinen Laut von sich. Ist das glaubhaft, wenn man die Zerstörung im Hintergrund sieht? Oder ist das eine "gestellte" Aufnahme? Die ARD stellt die Frage nicht, sondern zeigt die Bilder und bestätigt damit deren "Echtheit". Quelle: ARD

Jede Hoffnung auf einen „glimpflichen Ausgang“ der Tr√§godie habe ich mittlerweile aufgegeben.

Denn ein paar Stunden sp√§ter sind es schon hundert oder zweihundert Tote und ein „enorm schwereres“ Beben.

Einen Tag sp√§ter ist es das „schwerste, je gemessene“ Beben, dass die japanische Insel seit Beginn der Aufzeichnungen ersch√ľttert hat und es sind „vermutlich“ √ľber 1.000 Tote.

Wiederum Stunden sp√§ter sind es „m√∂glicherweise“ mehr als 10.000 Tote – die K√ľstenstadt Minamisanriku sei „v√∂llig zerst√∂rt“.

Seit das Beben der St√§rke 8,8 auf der Richter-Skala am 11. M√§rz 2011 um 06:45 Uhr unserer Zeit das weit entfernte Japan ersch√ľttert hat, sind noch nicht einmal zwei Tage vergangen.

Die Energie der Katastrophe wird immer unfassbarer.

Und die Nachrichten verdichten sich, schmelzen zusammen. Die Energie der Zerstörung wird immer deutlicher, wenn auch immer noch unfassbar.

Das ausl√∂sende gro√üe Beben ist vorbei, Nachbeben ersch√ľttern das Land.

Und die f√ľrchterlichste Katastrophe l√§uft langsam, aber „sicher“ ab. In Block 1 des Kernkraftwerks Fukushima I droht eine „Kernschmelze“.

Die Kettenreaktion der Nachrichtenschleife wiederholt sich.

Auch andere Reaktoren sollen „Probleme“ haben – die Nachrichtenschleife beginnt von vorne.

Erst hei√üt es, es drohe keine Gefahr. Dann, es g√§be gr√∂√üere Sch√§den, aber alles sei aber unter Kontrolle. Dann werden Schwierigkeiten gemeldet – die sind nat√ľrlich „unvermutet“.

Alles, was nach „echten Schwierigkeiten“ klingen k√∂nnte, wir dementiert.

Alle Nachrichten sind unsicher. Dann wird best√§tigt, dass Fukushima „m√∂glicherweise au√üer Kontrolle“ sei. Dann explodiert was. Was genau, kann niemand ganz genau sagen. Aber die Bev√∂lkerung wird zur „Ruhe“ aufgefordert.

"Kontrolleure" winken Personen durch. Ist das glaubw√ľrdig, wenn einer nach dem anderen "durchgewunken" wird? Quelle: Spiegel online

Dann wird eine Sicherheitszone von zehn Kilometern eingerichtet, später auf 20 Kilometer erweitert.

Dann verdichten sich die Nachrichten, dass eine Kernschmelze bevorstehe oder bereits begonnen habe.

Dann gibt es Meldungen, dass Menschen „in Sicherheit“ gebracht, also vermutlich evakuiert w√ľrden.

200.000 Menschen in Sicherheit?

Dann sind es „vermutlich“ 100.000, dann 110.000 und gegen Mitternacht meldet Spiegel Online: „Japan bringt 200.000 Menschen in Sicherheit.“

Das mag man so gerne glauben: Sicherheit f√ľr die Menschen in den betroffenen Gebieten.

√úberall laufen Videobilder: Menschen werden auf „radioktive Konterminierung“ gepr√ľft und d√ľrfen weggehen, Helfer holen Kinder, Alte und Verletzte aus den feuchten M√ľllw√ľsten, die der Tsunami hinterlassen hat.

Auffanglager werden gezeigt und statt „Durchhalteparolen“ d√ľrfen interviewte Personen sagen, dass sie Angst haben, aber hoffen und es keinen Ausweg gibt.

Tatsache ist:

Seit um 06:45 Uhr unserer Zeit ein gigantisches Erdbeben Japan ersch√ľtterte, wird zun√§chst Japan von einer unglaublichen Katastrophe heimgesucht.

Das Erbeben hat enorme, noch nicht bezifferbare Schäden ausgelöst.

Auf das Erdbeben folgt ein Tsunami mit einer unglaublich zerst√∂rerischen Energie. Aus der sichereren Hubschrauberperspektive aufgenommene Bilder belegen eine nat√ľrliche Zerst√∂rungsgewalt, die bar jeder „Ideologie“ ist, sondern nur physikalischen Gesetzen folgt. Es gibt kein „gut“ oder „schlecht“, sondern nur hohe Wellen mit einem gigantischen Druck, die alles mitrei√üen.

Auf die Naturkatastrophe folgt die technische Katastrophe. Die Infrastruktur des Landes ist besch√§digt. Die K√ľhlsysteme von einigen Atomkraftwerken sind angegriffen und versagen.

Die Medien transportieren lange vor der m√∂glichweise stattfindenden Kernschmelze Meldungen aus allen Richtungen, die alle nicht „sicher“ sind.

Die Hoffnung ist zu sp√ľren – die Meldungen entwickeln sich schlecht.

Oft ist den Meldungen die Hoffnung anzumerken, dass die Katastrophe nach der Katastrophe ausbleibt.

Aber die Meldungen entwickeln sich schlecht und es wird immer klarer, dass der Tsunami die schlimmste Naturkatastrophe in der „aufgezeichneten“ Geschichte Japans ist, aber die sich ank√ľndigende technische Katastrophe noch „schlimmer“ sein k√∂nnte.

Um das Kernkraftwerk Fukushima wird eine „Sicherheitszone“ eingerichtet, erst zehn Kilometer, dann zwanzig Kilometer.

Ob ARD, ZDF, Spiegel oder andere Nachrichten"quellen" - √ľberall diesselben Bilder derselben Turnhalle, die als Beleg daf√ľr herhalten muss, dass hunderttausende von Menschen evakutiert werden. Quelle: Spiegel online

Angeblich werden 200.000 Menschen „in Sicherheit“ gebracht. Innerhalb von Stunden – wie das „logistisch“ in einem Land m√∂glich ist, dessen Infrastruktur empflindlich gest√∂rt wurde, berichtet kein Medium. Ebensowenig, wie man mal eben innerhalb von Stunden eine Logistik aufbaut, um 200.000 Menschen „aufzufangen“.

Die Medien berichten trotzdem weiter. Meldung um Meldung kommt in die Redaktionen, wird dort „bearbeitet“ und verl√§sst sie wieder – dann und dann sind die Nachrichten auf Sendung, dann und dann m√ľssen Zeitungen gedruckt werden. Immer braucht es die „neueste“ Nachricht, die „letzte Meldung“.

Doch die Zeitverschiebung verst√§rkt das Chaos – Europa ist acht Stunden „hinter“ Japan. Wer sich am Nachmittag oder Abend informieren will, gekommt keine neuen Nachrichten, denn es ist dann Nacht in Japan.

Nachrichten ohne Halbwertzeit.

Und niemals sagt jemand: „Stop – nichts, von dem, was wir berichten, kann irgendjemand √ľberpr√ľfen. Solange das nicht „gecheckt“ ist, gehe ich damit nicht auf Sendung.“ Oder: „Sie sehen hier Bilder, die wir gekauft haben. √úber die Zuverl√§ssigkeit k√∂nnen wir Ihnen keine Auskunft geben, weil wir nicht vor Ort waren.“

Es gibt keine Halbzeitpause und schon gar keine Halbwertzeit f√ľr Nachrichten.

Nach und nach „verdichten“ sich aber die Nachrichten und es wird immer „klarer“, dass alles, was noch Stunden zuvor gemeldet worden ist, keine G√ľltigkeit mehr hat.

Aus Sicht der Medien, vor allem der H√∂rfunk- und Fernsehsender, ist das egal. Je mehr Dramatik, umso besser – damit kann man den „Flow“, also die Nachrichtenkette wunderbar weiterf√ľhren.

Voranschreitendes Ungl√ľck f√ľr Tageszeitungen.

F√ľr die Tageszeitungen, vor allem die lokalen, ist ein solch dramatisch voranschreitendes Ungl√ľck aber eine andauernd zeitversetzte Katastrophe. Was in der Zeitung als Nachricht steht, ist schon l√§ngst „vergl√ľht“ und stimmt aktuell nicht mehr.

Gerade die Lokalzeitungen sind „doppelt getroffen“ – einerseits von dem unglaublichen Ereignis und seiner Geschwindigkeit und andererseits, weil sie keine eigenen Leute vor Ort haben. Korrespondenten leistet sich so gut wie keine Monopolzeitung mehr.

Sie k√∂nnen nur abschreiben, was „die Agenturen“ berichten. Und das nur bis zum Druck des Blattes – jede Korrektur in den Stunden danach findet in der Lokalzeitung nicht mehr statt.

Kollektiver Gau aller „Nachrichtenredaktionen“.

Was es bedeutet, mal eben innerhalb von „Stunden“ 200.000 Menschen dauerhaft zu evakuieren, fragt keiner. Die sind „in Sicherheit gebracht“ und „schlucken Jod-Tabletten“, damit sich kein radioaktives Jog in deren Schilddr√ľse einlagert.

Die Bilder, wo diese „200.000 Menschen“ untergebracht sind, fehlen. Die Frage, wie man das mal eben so innerhalb eines Tages organisiert, auch.

√úber Gro√üveranstaltungen im Heimatland wie Rock-Konzerte wird hingegen √ľber Monate im voraus berichtet, √ľber die Herausforderungen f√ľr den Verkehr, die Polizei, die Rettungskr√§fte, die Veranstalter und die zu erwartende Show – und das bei funktionierender Infrastruktur.

Sehnsucht nach Halt im Chaos, während die Kerne schmelzen.

Darum geht es aber gerade nicht. Es geht um die Sehnsucht, dass irgendjemand wei√ü, was er tut. Es geht um einen „Halt“ im Tsunami der sich √ľberschlagenden Nachrichten.

Im Internet und dann auch im Fernsehen werden eine „Turnhalle“ und ein „Zeltunterstand“ mit Bildern von „Kontrolleuren“ in vermeintlichen Maler-Papieranz√ľgen gezeigt, mit der Bildaussage, das „alles unter Kontrolle“ ist.

Nachrichten im Sog der Kernschmelze.

Sp√§testens dann wird klar, dass eine journalistische Kernschmelze begonnen hat und nichts mehr „unter Kontrolle“ ist. Dass nur noch in Konkurrenz zu anderen um „die besten Bilder“ ein Theater veranstaltet wird, das seinesgleichen sucht.

Ich gehe davon aus, dass die „Nachrichten“ der kommenden Tage eine Katastrophe zeigen, die noch „unglaublicher als unglaublich“ sein wird.

Die Informationen werden ersch√ľtternd sein – f√ľr Weltbilder, f√ľr die Wirtschaft, f√ľr die Politik, f√ľr den Glauben an die „Zukunft“ – zumindest in Japan, aber vermutlich in der ganzen Welt.

√úber die Folgen hat noch niemand berichtet – sie werden ebenfalls „unglaublich“ sein.

Bis man sie glauben muss.

Gebenzte Berichterstattung Рwie der MM seine Leser täuscht


Guten Tag!

Mannheim, 31. Januar 2011. Die seit Tagen andauernde Berichterstattung des Mannheimer Morgens (MM) in Sachen „Benz“ hat gute Gr√ľnde. Erstens gibt es viel Werbung und zweitens versucht die Zeitung verzweifelt, sich als lokalpatriotische Stimme aufzuspielen. Ein ernstzunehmender Journalismus bleibt dabei auf der Strecke.

Von Hardy Prothmann

„Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer“, zitiert der MM-Redakteur Martin Tangl den S√§nger Xavier Naidoo. Das gilt auch f√ľr diesen Artikel, Martin Tangl, Xavier Naidoo und den SWR. Und auch f√ľr die Leserinnen und Leser und Zuschauer des SWR.

Bunte Geschichten

Ich kenne den MM-Redakteur Martin Tangl noch aus meiner Zeit als Student und Freier Mitarbeiter beim Mannheimer Morgen (1991-1994). Er hat sich gerne als erfahrener Journalist dargestellt, aber irgendwie hat er mich schon damals nicht besonders beeindruckt.

Das dauert bis heute an, denn Martin Tangl hat ein „buntes St√ľck“ geschrieben, in dem es sehr „bunt“ zugeht. Vor allem mit den Fakten, dem K√∂nnen und der journalistischen Haltung.

Beispielsweise zur Person „Xavier Naidoo“. Der sei ein „leidenschaftlicher Autofahrer“, schreibt Tangl und dass „Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer“, auch den Autoerfinder Carl Benz meinen k√∂nnte.

Denn Herr Tangl berichtet √ľber einen Film im SWR-Fernsehen, der heute Abend um 18:15 Uhr in der „Landesschau unterwegs“ l√§uft: „Unser Benz! Der Autoerfinder bewegt die Kurpfalz.“ Autor: Eberhard Reu√ü.

Pop-Berichterstattung

Wieso Herr Reu√ü auf die Idee gekommen ist, einen notorischen Schnellfahrer, der √ľber lange Jahre den F√ľhrerschein wegen wiederholter Vergehen abgenommen bekommen hat und wegen Fahrens ohne F√ľhrerschein und Drogenbesitz vor dem Richter gestanden hat, ist klar.

Benz-Titelseite vom MM. Quelle: MM

Herr Reu√ü wollte den Film „aufpeppen“ oder auch „aufpoppen“. Mit dem „zur Zeit wohl bekanntesten Sohn Mannheims“. Und der ist halt ein „leidenschaftlicher Autofahrer“. Diese Verbindung reicht heute im SWR-Fernsehen, um einen Zusammenhang herzustellen.

Herr Reu√ü l√§sst Herrn Naidoo dann mehrmals „Mercedes Benz“ der Rock-Star-Legende Janis Joplin (1943-1970) singen, die auf der √úberholspur des Lebens mit 27 Jahren an einer √úberdosis Heroin gestorben ist. Drei Tage, bevor der Song „Mercedes Benz“ ver√∂ffentlicht wurde: „Oh Lord, won-‚ā¨‚ĄĘt you buy me a Mercedes Benz?“ – „Oh Gott, willst Du mir keinen Mercedes Benz kaufen?“ Die Zeile geht weiter: „My friends all drive Porsches, I must make amends“ – „Meine Freude fahren alle Porsche und ich muss aufholen.“

Der Joplin-Song ist eine massive Kulturkritik am Prestigedenken – dem Gegenteil also, was man mit einem „Mercedes Benz“ oder Porsche oder auch „Farbfernsehen“ verbindet, das damals noch ein Luxus war („So oh lord won’t you buy me a color TV“). F√ľr den SWR ist das nicht wichtig. Schlie√ülich hat Joplin „Mercedes Benz“ gesungen und Herr Naidoo l√§sst sich dazu auch animieren. Und ist man nicht auch „color TV“? Also Luxus? Passt also.

„Eine wunderbare Erfindung von Benz, daf√ľr danke ich ihm“, sagt der Pop-Star nicht nur einmal im SWR-Film. Da Naidoo sonst gerne √ľber „Gott“ singt, und das sehr dankbar, gibt es da sicher aus Sicht von Herrn Reu√ü wieder irgendeine Verbindung.

Propaganda-Rolle

Bei der Premiere des Films am 28. Januar 2011 im Ladenburger Carl-Benz-Museum war Herr Reu√ü jedenfalls m√§chtig stolz. Das konnte man nicht √ľbersehen.

Der Film funktioniert wie eine Propaganda-Rolle. Carl hei√üt nicht Karl Benz, ist der Erfinder des Autos und nicht „der Daimler“, die Kurpfalz ist den Schwaben voraus und ein „Youngtimer-Sammler“ hat viele Kinder und ein Hobby: Mercedes Benz. Der Clou – er arbeitet f√ľr Porsche. Dazu gibt es h√ľbsche Bilder und Werbespots von „Benz“ aus fr√ľheren Zeiten.

Verkauft wird das als „Dokumentation“.

Das muss sich einfach irgendwie alles zusammenf√ľgen und dann wird die Urenkelin von Benz noch mehrfach ins Bild gesetzt und das Carl-Benz-Museum in Ladenburg und dessen Kopf Winfried Seidel.

Der freut sich auch – dabei m√ľsste ihm die Freude angesichts des laschen Filmchens im Kontrast zu seiner harten Museumsarbeit vergehen. Seidel leistet herausragende Arbeit und ist ein akribischer Mensch. Aber nat√ľrlich freut er sich √ľber die Popularit√§t. Das ist auch sein gutes Recht.

Zur√ľck zu Martin Tangl. Den freut nicht die Popularit√§t, sondern der muss eine bunte, sch√∂ne Geschichte schreiben und kommt zum Ende:

„Dass in Mannheim Omnibusse und Lkw-Motoren produziert werden, h√§tte Carl Benz gefallen, wie Jutta Benz erz√§hlt: „Er hat sein Augenmerk aufs Transportwesen gerichtet, Carl Benz wollte Lieferwagen bauen.“ Und bei der Geschwindigkeit seien dem Ur-Gro√üvater 50 km/h genug gewesen. Ob das allerdings Xavier Naidoo gefallen h√§tte? Berichtet er doch, dass ihm einmal wegen zu schnellen Fahrens der F√ľhrerschein abgenommen wurde.“

Die L√ľge

Diese unkritische √úbernahme der Filmbotschaft wird als L√ľge in der Zeitung fortgesetzt: „Berichtet er doch, dass ihm einmal wegen zu schnellen Fahrens der F√ľhrerschein abgenommen wurde.“

Naidoo - Leidenschaft Auto - Hauptsache, alles bunt. Quelle: MM

Herr Tangl stellte sich vor 20 Jahren schon gerne als „erfahrener Journalist“ dar und sollte die Zeit genutzt haben, um „Erfahrungen“ zu sammeln. Eine ist: „Schau ins Archiv, um mindestens zu wissen, was schon berichtet worden ist.“

Am 16. Mai 2009 berichtet der Mannheimer Morgen:

„Naidoo √ľbersteht einen jahrelangen Rechtsstreit mit Pelham, einen dramatischen Drogenprozess und jede Menge F√ľhrerschein-Schlagzeilen. Erst der absolute H√∂hepunkt seiner Popularit√§t, als „Dieser Weg“ zur Hymne des Fu√üball-Sommerm√§rchens 2006 wird, bringt die Schattenseiten des Ruhms ans Licht: Genervt zieht sich der gl√ľhende Lokalpatriot aus der √Ėffentlichkeit und teilweise auch aus Mannheim zur√ľck.“

Am 02. Juni 2007 berichtet der Mannheimer Morgen:

„Die Amtsanwaltschaft Frankfurt best√§tigte gestern, dass gegen den S√§nger ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden ist. Ihm wird vorgeworfen, einen angemieteten Porsche Cayenne an einen Freund weitergegeben zu haben, der selbst keinen F√ľhrerschein besa√ü. Der Mann war im M√§rz 2006 in M√ľnchen von der Polizei erwischt worden. Naidoo h√§tte sich als Halter des Wagens vom Vorhandensein einer Fahrerlaubnis √ľberzeugen m√ľssen, so der Vorwurf. Nun drohe ihm eine Geldstrafe oder bis zu ein Jahr Haft.“

Am 15. August 2006 titelt der Mannheimer Morgen:

„Xavier Naidoos F√ľhrerschein liegt bei den Akten
Zwei Monate Fahrverbot wegen Geschwindigkeits√ľberschreitung / Gibt es eine „Lex Popstar“?“

Am 27. Juli 2006 schreibt der Mannheimer Morgen:

„Popstar Xavier Naidoo (34) soll beim Dr√§ngeln auf der Autobahn in eine Radarfalle gerast sein. Nun k√∂nnte ihm ein erneuter F√ľhrerscheinentzug drohen. Der Mannheimer sei mit seinem Porsche auf der A 5 in Richtung Karlsruhe zu dicht aufgefahren, best√§tigte die Mannheimer Anwaltskanzlei Naidoos gestern entsprechende Medienberichte.“

Bis zum Jahr 2000 lassen sich ausweichlich des Archivs keine Berichte finden, aber im November 2000 schreibt der MM:

„Dass er im Dezember 1999 mit einem Porsche 944 der Mannheimer Polizei ins Netz gegangen war, hatte dem Autonarren schon eine Vorstrafe eingetragen: f√ľnf Monate auf Bew√§hrung. Seinen F√ľhrerschein hat Naidoo seit einer Alkoholfahrt im Jahr 1993 nicht mehr – obwohl er zwischenzeitlich eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung bestanden hat. „Warum haben Sie nicht einfach den F√ľhrerschein wieder gemacht?“, wunderte sich Offermann. „Keine Zeit“, lie√ü ihn der Angeklagte wissen.“ Angeblich sollte Naidoo bis zu 21 Monate Haft drohen, hei√üt es in dem Artikel.

Abhängige Berichterstattung

„Berichtet er doch, dass ihm einmal wegen zu schnellen Fahrens der F√ľhrerschein abgenommen wurde“, √ľbernimmt Martin Tangl die Informationen aus dem SWR-Film. Ohne kritische Pr√ľfung, ohne Recherche, ohne journalistische Verantwortung.

Das ist auch wenig erstaunlich. Die „Benz“-Feier beim Mannheimer Morgen ist durch viel Werbung begleitet. Da wei√ü die Redaktion, wo das Geld herkommt und was sie zu tun hat.

Gemeinhin nennt man das „Hofberichterstattung“. „Man bei√üt die Hand nicht, die eine f√ľttert“, sagen andere.

Herr Martin Tangl muss sich als verantwortlicher Redakteur des Mannheimer Morgens fragen lassen, ob er und seine „unabh√§ngige Zeitung“ mittlerweile auf das Niveau von miserablen Anzeigenbl√§ttern abgestiegen sind.

Dabei geht es nicht um eine „Archiv-Schau“ oder darum, Herrn Naidoo seine Verfehlungen ewig nachzutragen. Der Pop-Star hat einen „harten Weg hinter sich“, seit ein paar Jahren scheint er „sauber“ zu sein und auch ein K√ľnstler hat ein Recht auf Privatleben. Dann l√§sst man das aber auch privat.

Wenn Herr Naidoo aber die √Ėffentlichkeit sucht und das in einem „Umfeld“, mit dem er √ľber lange Jahre „gro√üe Schwierigkeiten“ hatte, muss die √Ėffentlichkeit auch im Kern √ľber „wesentliche Informationen“ informiert werden.

Das unterl√§sst Herr Tangl. Garantiert gegen besseres Wissen. Und wenn ers nicht besser w√ľsste, sollte er den Job sofort aufgeben.

Der SWR-Film bedient das Publikum, das auch zur Premiere erschienen ist. √úberwiegend etwas gesetzter. Man findet den Film „sch√§√§“, trinkt einen Prosecco, „der ist umsonst“ und knabbbert Brezeln, die als „B“ f√ľr „Benz“ gebacken sind. Nachdenken muss man beim „Benz-Film“ nicht.

Sondern bei der „Premiere“ dabei sein, so, als sei das ein wirklich wichtiges Ereignis.

So ist das Fernsehen leider oft.

Nachdenklich muss man allerdings werden, wenn der „Lokalpatriot“, als der sich der Mannheimer Morgen darstellen will, frei von Recherche und Fakten eine Geschichte wider besseren Wissens „nacherz√§hlt“ und dabei journalistisch versagt.

Denn wenn man nachdenkt, wird man wissen, dass sowohl der Film als auch viele der Berichte dazu, nicht wirklich informieren, sondern nur gefallen und verklären wollen.

Werbung will gefallen. Das ist ihr Recht und nicht zu beanstanden.

Journalismus hat eine andere Aufgabe. Und das Versagen von Herrn Reuß und Herrn Tangl ist sehr wohl zu beanstanden.

Denn sie werden dem, was sie vorgeben, in keinster Weise gerecht: Unabhängig, faktentreu und zutreffend zu berichten.