Freitag, 22. September 2017

In eigener Sache: Wir sagen Danke!

√úber 6.700 Leserinnen und Lesern gefallen unsere Facebook-Seiten

freundeskreis logoRhein-Neckar, 04. November 2013. (red) Mittlerweile verzeichnen wir √ľber 6.700 „Gef√§llt mir“-Angaben unserer Facebook-Seiten durch Leserinnen und Lesern f√ľr die Ortsblogs und das Regionalblog unseres Blognetzwerks. Das gef√§llt uns nat√ľrlich auch sehr und wir sagen: Danke f√ľr die Aufmerksamkeit. [Weiterlesen…]

Wie wird die "sichere" Lernplattform f√ľr den Unterricht genutzt?

Wenn Lehrer und Sch√ľler moodlen

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Ladenburg/Weinheim/Rhein-Neckar, 22. Oktober 2013. (red/ld) Facebook an der Schule ist eigentlich tabu. Der Grund: Datenschutzfragen. Ohnehin nutzen viele Schulen bereits seit Jahren „Moodle“, noch lange bevor das baden-w√ľrttembergische Kultusministerium Facebook und Co. f√ľr die Sch√ľler-Lehrer-Kommunikation verboten und Moodle empfohlen hatte. Doch was kann das System, mit dem Sch√ľler/innen schon fast selbstverst√§ndlich umgehen? [Weiterlesen…]

Anfragen zu den NPD-Demonstrationen

Wenige Fraktionen nehmen Stellung

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Rhein-Neckar/Hemsbach/Ladenburg/Weinheim, 24. September 2013. (red) Vor einigen Wochen haben wir an die Gemeinderatsfraktionen Hemsbach, Ladenburg und Weinheim eine Anfrage gestellt, um zu erfahren, wie die Fraktionen mit den Wahlkundgebungen der NPD umgehen. Wir haben √ľber die Kundgebungen ausf√ľhrlich berichtet. Antworten gibt es bis heute leider nur wenige. [Weiterlesen…]

Die Polizeidirektion Heidelberg nutzt die Social Media jetzt dauerhaft

„Facebook ersetzt keinen Notruf“

Bild: Facebookseite der Polizeidirektion Heidelberg

Bild: Facebookseite der Polizeidirektion Heidelberg

 

Heidelberg/Rhein-Neckar, 10. Mai 2013. (red/ld) Die Facebook-Seite der Polizeidirektion Heidelberg hat sich bew√§hrt. Seit Montag betreut die Pressestelle den Social Media-Auftritt dauerhaft. Im Februar war die Seite gestartet worden, um besondere Polizeieins√§tze wie Fu√üballspiele oder Abschlussfeiern von Sch√ľlern zu begleiten. Die Beamten wollen Facebook ab sofort zur Vorbeugung gegen Straftaten und zur Zeugensuche nutzen. Den Notruf 110 oder die pers√∂nliche Anzeigenerstattung ersetzt die Seite aber nicht. [Weiterlesen…]

Das aussterbende Sch√ľlerVZ wird abgeschaltet

Ausgegruschelt

Rhein-Neckar, 11. April 2013 (red/ms) In den letzten Jahren hat das Sch√ľlerVZ mehr als vier Millionen Mitglieder verloren. Nachdem die Massen zu Facebook abwanderten, sind nur noch 200.000 Benutzer bei der Seite angemeldet. Darunter sind so viele gef√§lschte Profile, dass das Netzwerk von vielen als „FakeVZ“ verspottet wird. Jetzt soll dem ein Ende bereitet werden. Auf der Website verk√ľnden die Betreiber: „Wir machen‚Äôs kurz: Es ist vorbei. sch√ľlerVZ wird am¬†30. April 2013¬†geschlossen. F√ľr immer.

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"Es ist fast unmöglich, keinen Rechtsverstoß zu begehen"

Wann „teilen“ richtig teuer werden kann – Abmahnfalle Facebook

Rhein-Neckar, 12. Januar 2013. (red) Seit Anfang Januar ist eingetreten, was in juristischen Fachkreisen schon l√§nger erwartet worden ist: Ein Nutzer, der auf Facebook ein Foto geteilt hat, wurde abgemahnt. F√ľr ein Foto in Briefmarkengr√∂√üe sollen an Schadensersatz und Rechtsgeb√ľhren insgesamt 1.750 Euro zusammenkommen. Merke: Was einfach und eigentlich eine wichtige Funktion bei Facebook und anderen sozialen Diensten ist, das Teilen von Inhalten, kann schnell zur Kostenfalle werden. Vielen fehlt das Unrechtsbewusstsein – das bewahrt im konkreten Fall aber nicht vor enormen Kosten.

Vorbemerkung: Dieser Artikel ist sehr lang, denn das Thema ist komplex. Sie sollten ihn aber dringend lesen, wenn Sie soziale Dienste wie Facebook nutzen oder nutzen wollen. Und wir berichten nicht nur „theoretisch“, sondern ganz praktisch. Denn auch wir sind in einem Rechtsstreit von der Problematik betroffen, die gerade bundesweit f√ľr Schlagzeilen sorgt.

Das Foto ist lustig, die Tiere sind s√ľ√ü, der Spruch ist klasse, die Nachricht ist wichtig oder interessant – warum auch immer Facebook-Nutzer Inhalte teilen: Sie sollten sehr sorgsam mit der Teilen-Funktion umgehen, denn schon wenige Klicks oder ein „√ľbersehenes“ H√§kchen k√∂nnen tausende Euro Kosten nach sich ziehen. Das ist kein Scherz und auch kein Alarmismus, sondern bittere Realit√§t. Die besonders rigiden Urheberrechte der deuschen Gesetzgebung machen es m√∂glich, dass sich Anw√§lte und Rechteinhaber hierzulande √ľber Abmahnungen eine goldene Nase verdienen k√∂nnen.

Durch die Teilen-Funktion drohen horrende Kosten

Es kommt nicht wesentlich darauf an, wie gro√ü beispielsweise ein geteiltes Foto ist: Wenn die Gegenseite „b√∂sartig“ vorgeht und die rechtlichen Regelungen „brutalstm√∂glich“ umsetzt, drohen horrende Kosten. Das h√§ngt vom Einzelfall ab, von der Zahl der Fotos, ob man diese √∂ffentlich oder nur privat teilt beispielsweise oder ob man gewerblich auf Facebook aktiv ist.

Nach Einschätzung des Berliner Rechtsantwalts Thomas Schwenke, kann man sich auch nur schlecht herausreden, wenn man sich ahnungslos gibt: Sobald ein Bild auf Facebook durch die Vorschaufunktion gepostet worden ist, geht man ein Rechtsrisiko ein:

Die √∂ffentliche Zug√§nglichmachung ist immer ein Versto√ü, wenn einem daf√ľr die Rechte fehlen. Das Problem dabei: Die Menschen haben sich daran gew√∂hnt, Links zu kopieren oder Artikel zu teilen. Lange Zeit ist nichts passiert, es fehlt das Unrechtsbewusstsein. Technisch geht es um die ‚ÄěTeilen‚Äú-Funktion oder das Posten von Links: Der Crawler sucht nach einem Foto, sofern er eins findet, l√§dt er das nach. Wer das so best√§tigt und verwendet, begeht, je nach Rechtelage eine Nutzungsrechtsverletzung.

F√ľr ein einzelnes Foto k√∂nnen mehrere hundert Euro gefordert werden. Dazu Schadensersatzforderungen, Anwaltsgeb√ľhren und Gerichtskosten. Ob die Abmahnung und die geforderten Geldbetr√§ge zul√§ssig sind, ist erstmal egal. Die Forderung wird erhoben und mit gro√üer Wahrscheinlichkeit durch ein Gericht best√§tigt werden.

Klagen kann, wer die Rechte besitzt und einen Verstoß behauptet

Bis hierhin kostet „der Spa√ü“ die Forderung sowie das Honorar und die Gerichtsgeb√ľhr. Will man sich zur Wehr setzen, kommen die eigenen Anwaltskosten und weitere Gerichtsgeb√ľhren hinzu – wer vor Gericht verliert, zahlt alles. Mit etwas Gl√ľck kann man sich vergleichen oder die „Forderung“ dr√ľcken – unterm Strich wird man auf jeden Fall mit erheblichen Kosten zu rechnen haben.

Die Voraussetzung und den Abmahnprozess erklärt Rechtsanwalt Schwenke:

Der Kl√§ger muss die entsprechenden Rechte haben. Und: Es macht einen Unterschied, ob sie privat posten oder gewerblich. Wer privat postet, kann zwar abgemahnt werden, aber da sind die Anwaltsgeb√ľhren auf 100 Euro gedeckelt. Hinzu kommt aber der Schadensersatz. Gewerbliche Poster m√ľssen sich auf saftige Schadensersatzforderungen und entsprechende Anwalts- und Gerichtskosten einstellen.

So sieht es aus, wenn Sie bei Facebook eine Informaton teilen wollen. Bevor Sie posten, sollten Sie genau √ľberlegen, ob Sie nicht besser ein H√§kchen bei „Kein Miniaturbild“ setzen. Wenn doch, haben Sie sich das Foto „zu eigen“ gemacht. Wenn Ihr Facebook-Account auch noch √∂ffentlich ist, kann das eine Abmahnung zur Folge haben.
Nicht durch uns Рaber es gibt genug Anwälte und Rechteinhaber, die hier ein lukratives Abmahngeschäft betreiben.

Die gedeckelten Kosten bei Abmahnungen von Rechtsverletzungen durch „Privatleute“ bieten einen gewissen Schutz: F√ľr die Anw√§lte ist ein solches Verfahren nicht lukrativ – au√üer, sie machen eine Massenabmahnung daraus und verschicken Standardbriefe, in denen nur die Adressen ausgetauscht werden. Man besch√§ftigt ein paar billige Kr√§fte, die die Rechtsverst√∂√üe dokumentieren, die Adressen raussuchen und dann rollt die Abmahnwelle. Man kennt das von den Abmahnwellen beim File-Sharing. Wenn nur ein Bruchteil zahlt, klingelt es auf dem Anwaltskonto und dem des „Mandanten“. Das k√∂nnen zum Beispiel Firmen sein, die Fotosammlungen aufkaufen und damit Rechteinhaber werden. M√∂glicherweise haben die gar kein Interesse, die Fotos zu verkaufen, sondern warten wie die Spinnen im Netz auf ihre Opfer.

Die „Motivation“ f√ľr eine Klage ist egal

Das klingt absurd? Das ist die Realit√§t. Die Rechteinhaber werden nat√ľrlich niemals als Motiv „Gewinnmaximierung durch ein auf Abmahnungen basierendes Gesch√§ftsmodell“ ins Feld f√ľhren, sondern sich als Opfer von Rechtsverletzern darstellen. Und selbst wenn es „Aasgeier“ sind: Die Gesetzgebung gibt ihnen das Recht, die Nutzungsrechtsverletzung zu verfolgen.

Die entscheidende Frage ist also, was man Teilen darf: Ohne Risiko darf man nur Fotos teilen, die „rechtefrei“ sind oder f√ľr die man die Erlaubnis zum Teilen hat. Das Problem: Woher bekommt man die Erlaubnis und woher wei√ü man, was rechtefrei ist und was nicht? Im Alltag ist das kaum zu entscheiden. Fast alle Facebook-Nutzer teilen beispielsweise Artikel von Medien, weil sie ihre Kontakte auf diese Informationen hinweisen wollen. Wird ein Vorschaubild mitgepostet, ist der Rechtsversto√ü begangen. Punkt.

Au√üer, dies wurde ausdr√ľcklich erlaubt. Mal ehrlich? Wann haben Sie vor dem Posten auf der Seite eines Anbieters recherchiert, ob im Impressum oder den Allgemeinen Gesch√§ftsbedingungen das Teilen ausdr√ľcklich erlaubt ist oder nicht? Tatsache ist: Wenn Sie das recherchieren, werden Sie feststellen, dass die allermeisten Anbieter – auch und gerade gro√üe Portale – die Rechtsinhaberschaft eindeutig feststellen. Somit ist jedes Posten von Fotos erstmal rechtlich fragw√ľrdig.

Keine Klage heißt nicht kein Rechtsverstoß

Das trifft zum Beispiel auch zu, wenn Sie unsere Artikel teilen und automatisch erzeugte Vorschaubilder mitposten. Oder wenn Sie Artikel von Zeitungen oder anderen Medien mit Vorschaubild teilen. Von unserer Seite aus m√ľssen Sie nichts bef√ľrchten, wir werden private Nutzer garantiert nicht abmahnen, denn aus unserer Sicht bewerten wir den Nutzen – n√§mlich das Verbreiten unserer Informationen – h√∂her als einen Rechtsversto√ü (zur Sicherheit unserer Leser/innen werden wir das k√ľnftig regeln). Doch wie sieht das bei anderen aus, beispielsweise Zeit Online oder dem SWR? Rechtsanwalt Schwenke:

Hier w√ľrde ich die Gefahr eher als gering einsch√§tzen. Der Tatbestand ist gegeben, aber die Anbieter w√§gen zwischen Schaden und Nutzen ab. Der Nutzen des Teilens wird sicher h√∂her bewertet, insofern w√ľrde ich bei professionellen und gro√üen Anbietern eher kein Problem sehen. Bei Agenturen, Foto-Stock-Anbietern, Fotografen und kleineren Anbietern wird es riskant.

Wie bereits genannt: Es hängt vom Einzelfall ab. Davon gibt es aber täglich Millionen, beispielsweise durch das Teilen von lustigen Fotos, Tierbildern und so weiter. Rechtsanwalt Schwenke:

Die sind theoretisch auch √ľberwiegend betroffen, sofern es alleinige Nutzungsrechte gibt. Wenn Sie Ihren Freundeskreis aber geschlossen halten und nicht-√∂ffentlich posten, ist die Gefahr geringer, au√üer unter Ihren Freunden ist der, der die Rechte h√§lt und Sie verklagt.

Rechtsanwalt Thomas Schwenke rät zur Vorsicht: Im Zweifel besser keine Fotos teilen. Foto: RA Schwenke

 

Sobald öffentlich geteilt wird, steigt die Gefahr von Abmahnungen

Merke: Wer viele Freunde sammelt, die er nicht kennt, erhöht in dieser Hinsicht das Risiko. Wer sich jetzt fragt, wieso das, was man seit langer Zeit macht und was ja alle machen, plötzlich ein Rechtsrisiko sein soll, bekommt die Antwort:

Gesch√ľtzte Fotos zu teilen war schon immer ein Rechtsversto√ü, nur jetzt gab es erst jetzt die erste Abmahnung, die ist durchgegangen und ab sofort muss man damit rechnen, dass hier Agenturen und Anw√§lte Geld verdienen wollen.

Der Fachanwalt Schwenke bestätigt unsere Einschätzung, dass es weniger um Rechtewahrung, als um Kohle machen geht:

Nat√ľrlich wird der Schutz behauptet werden. Ob das allerdings das wahre Motiv ist, d√ľrfte manchmal fragw√ľrdig sein. Man h√∂rt, dass es Agenturen gibt, die gro√üe Bildbest√§nde aufkaufen und eng mit Kanzleien zusammenarbeiten. Mittlerweile gibt es Software, die auch Fotos identifizieren kann und dann scannen solche Firmen Postings, bis sie Treffer haben. Das kann man als verwerflich betrachten ‚Äď rechtlich ist es einwandfrei zul√§ssig und kann ein lukratives Gesch√§ft bedeuten.

Es könnte auch kostenfrei zugehen Рdarauf sollte man nicht hoffen

Und nat√ľrlich muss der Rechteinhaber nicht abmahnen und er muss auch keine Rechnung stellen, eine Aufforderung zur L√∂schung w√§re ein erster kostenfreier Schritt. So verhalten wir uns beispielsweise, wenn wir mit der Ver√∂ffentlichung von Inhalten, die uns geh√∂ren, auf anderen Internetseiten nicht einverstanden sind.

Es gibt aber auch Inhalte, die man vermeintlich problemlos teilen kann. Youtube-Videos beispielsweise. Aber leider droht auch hier die Abmahnfalle Рwieder abhängig vom Einzelfall, wie Thomas Schwenke erklärt:

Bei youtube und anderen gro√üen Portalen dieser Art willigt der Einsteller ins Sharen ein ‚Äď er kann also keine Nutzungsrechtsverletzungen geltend machen. Au√üer, er hat Inhalte eingestellt, an denen er keine Reche besitzt, dann kann der Rechteinhaber gegen den Einsteller und gegen alle, die teilen vorgehen. Auch hier sollte man also vorsichtig sein, was man teilt. Nicht erlaubt sind Screenshots aus Filmen ‚Äď dadurch fertigt man ‚ÄěFoto‚Äú-Kopien an. Sofern man die √∂ffentlich macht, ist das eine Nutzungsrechtsverletzung, selbst wenn der Screenshot denselben Inhalt hat wie ein automatisch generiertes Vorschaubild.

Und wie sieht es mit Eltern aus, deren Teenager einen Facebook-Account haben und fleißig alles teilen, was ihnen gefällt?

Die Eltern haften meist nicht, wenn diese ihre Kinder auf den sorgsamen Umgang hingewiesen haben. Hier ist meist der Umfang von Nutzungsrechtsverletzungen und die Art und Weise entscheidend. Ausgeschlossen ist eine Haftbarkeit aber nicht.

Betroffen sind alle, die teilen

Die potenzielle Gefahr betrifft also alle die am meisten, die nicht-privat auf Facebook posten: Gewerbetreibende, Freiberufler, Firmen, Dienstleister, Vereine, Beh√∂rden, Verb√§nde und so weiter. Die √úberlegung, man betreibe ja nur ein kleines Angebot oder verdiene damit nur wenig oder biete als Verein einen Service an, bietet keinen Schutz. Sobald man √Ėffentlichkeit herstellt, kann man in der Falle sitzen. Und zwar unabh√§ngig von Facebook, auch andere soziale Dienste wie Google+ sind betroffen, also jeder Dienst, der Vorschaubilder erzeugt.

Das betrifft uns auch selbst: Wir haben aktuell einen Rechtsstreit, der in Teilen auch Facebook-Vorschaubilder betrifft. Und ganz ehrlich? Das Problem war uns vorher nicht bekannt. Der Umgang mit Rechten geh√∂rt zwar zu unserer t√§glichen Arbeit und wir achten sehr verantwortlich auf ein einwandfreies Verhalten – aber auch wir m√ľssen wie alle immer wieder dazulernen.

F√ľr unsere Leserinnen und Leser werden wir f√ľr das Teilen unserer Inhalte Rechtssicherheit schaffen – soweit wir das k√∂nnen. In den n√§chsten Tagen werden wir einen Passus in unsere Nutzungsbedingungen aufnehmen, der ausdr√ľcklich die Verwendung von Vorschaubildern f√ľr den privaten Gebrauch erlaubt.

Einen 100-prozentigen Schutz gibt es nicht

Tats√§chlich k√∂nnen wir Ihnen ehrlicherweise damit keinen einhundertprozentigen Schutz vor Rechtsverfolgungen bieten, wenn Sie unsere Informationen teilen. Zur Erl√§uterung: Wir verwenden h√§ufig fremdes Bildmaterial, das wir beispielsweise √ľber Pressestellen zur Verf√ľgung gestellt bekommen, sei es √ľber die Gemeindeverwaltungen, das Landratsamt, Ministerien, die Polizei, Hilfsdienste, Feuerwehren, Parteien, Veranstaltungsunternehmen, Theater, Schulen, Vereine oder andere Anbieter, ob „√∂ffentlich“ oder „privatrechtlich“. Wir gehen dabei davon aus, dass der jeweilige Zulieferer √ľber die Nutzungsrechte verf√ľgt und diese an uns weitergibt. Zur Absicherung fragen wir beim ersten Kontakt nach, ob das pauschal so zutrifft und bekommen das entsprechend best√§tigt. Bei Pressestellen setzen wir das voraus.

In der Praxis kann es aber zu Rechtsstreitigkeiten kommen, wenn jemand behauptet, die Nutzungsrechte zu haben. Absurd? Nein, Tatsache und derselbe Fall, den Rechtsanwalt Schwenke am Beispiel von Youtube oben im Text erl√§utert hat. Und die Tatsache, dass es der Presse und anderen Medien erlaubt worden ist, hei√üt noch lange nicht, dass Sie als privater oder gewerblicher Nutzer ebenfalls „Ver√∂ffentlichungsrechte“ haben. Wir wiederum k√∂nnten umgehend den Betrieb einstellen, wenn wir dies tats√§chlich f√ľr jedes Foto pr√ľfen m√ľssten. Der Verwaltungsaufwand w√§re gigantisch. Wir m√ľssen uns also selbst verlassen und k√∂nnen die Gefahr nicht ausschalten.

Genau das ist auch zum Teil Gegenstand eines aktuellen Rechtsstreits, den wir f√ľhren m√ľssen: Eine Person behauptet, die alleinigen Nutzungsrechte f√ľr Fotos zu haben, die von der Pressestelle eines Unternehmens √∂ffentlich als „Presseinformation“ zur Verf√ľgung gestellt worden sind und bis heute als „Presseinformation“ downloadbar sind. Wir haben diese Fotos benutzt und sind daf√ľr abgemahnt worden. Streitwert f√ľr jedes der drei Fotos: 3.000 Euro, also in Summe 9.000 Euro.

Die Gefahr lauert √ľberall

Und obwohl der Hinweis von Rechtsanwalt Thomas Schwenke vermutlich √ľberwiegend zutreffend ist, dass von gro√üen Anbietern eher keine Gefahr droht: In unserem Fall hat die Pressestelle einer Firma eines sehr gro√üen Medienkonzerns hier in der Region diese Fotos zur Verf√ľgung gestellt und die abgebildete Person hat uns wegen der Nutzung abgemahnt. Ob das zul√§ssig ist, m√ľssen wir nun vor Gericht kl√§ren. Bei vollem Prozesskostenrisiko in H√∂he von mehreren tausend Euro. Da dies zur Zeit ein schwebendes Verfahren ist, √§u√üern wir uns aktuell nicht, werden Sie aber informieren, wenn der Prozess abgeschlossen ist.

Um es Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, noch einmal an einem Beispiel zu verdeutlichen: Die Gefahr lauert √ľberall. Beispielsweise bei Ihrem Verein. Der hat ganz korrekt einen Bilderdienst abonniert und bezahlt diesen f√ľr die Nutzung von Fotos. Oder kauft Fotos von einem Sportfotografen zur Verwendung auf der eigenen Website. Soweit ist alles korrekt. Der Verein hat die Nutzungsrechte erworben. Was aber steht im „Kleingedruckten“? Hat der Vorstand das gepr√ľft oder verlassen Sie sich darauf, „dass das alles schon in Ordnung ist“? D√ľrfen Vereinsmitglieder oder andere Personen die Vereinsmeldungen inklusive Vorschaufoto „teilen“? Das kann sein, das kann aber auch nicht sein. Und wenn diese Rechte nicht genehmigt worden sind, begeht jeder, der ein Vorschaubild oder ein anderes teilt, einen potenziellen Rechtsversto√ü, der abmahnf√§hig ist. Wenn Sie dann behaupten, Sie h√§tten das nicht gewusst, hilft Ihnen das im Zweifel erstmal nichts.

Ein anderes aktuelles Beispiel: In den vergangenen Wochen ist das Foto eines vermissten Jugendlichen aus Mannheim in Facebook geteilt worden. Der Junge wurde mittlerweile tot aufgefunden. Mit dem Tod verfallen die Pers√∂nlichkeitsrechte nicht und die Nutzungsrechte erst nach dem Tod des Urhebers, also der Person, die das Foto gemacht hat. Sie halten das f√ľr ein makabres Beispiel? Das interessiert die Gerichtsbarkeit nicht: Wer dieses Foto verwendet hat, k√∂nnte das Pers√∂nlichkeitsrecht der Person verletzt haben. Und ganz sicher liegt ein Urheber- und Nutzungsrechtsversto√ü vor.

Und wenn Sie sich bereits mit der Problematik befasst haben und denken: Google darf doch auch Vorschaubilder anzeigen, dann liegen Sie richtig, aber die Schlussfolgerung, Ihnen w√§re das auch erlaubt, ist falsch. Suchmaschinen verwenden daf√ľr eine technische Funktion ohne die eine Suchmaschine wenig Sinn machen w√ľrde. Rechteinhaber, die das nicht wollen, m√ľssen ihre Inhalte sch√ľtzen und k√∂nnen durch technische Einstellungen eine automatisierte Erfassung verhindern. Sie als „Teiler“ von Inhalten sind aber kein Automat, sondern eine willentlich handelnde Person.

Thomas Schwenke bringt die aktuelle Rechtssituation auf den Punkt:

Es ist fast unmöglich, keinen Rechtsverstoß zu begehen.

Außer, man lässt die Finger von Facebook und anderen Diensten.

Hier ist der Gesetzgeber gefordert, dringend Abhilfe zu schaffen. Sprechen Sie Ihre Abgeordneten an. Teilen Sie unseren Artikel und helfen Sie, das Thema bekannt zu machen. Es betrifft tats√§chlich jeden, der Informationen im Internet teilt – abh√§ngig vom Einzelfall. Und warnen Sie andere vor Rechteinhabern, die darauf aus sind, andere mit teuren Abmahnungen zu √ľberziehen.

Links:

Zeit online: Abmahnung wegen eines Bildchens auf Facebook

hr: Vorsicht bei Facebook-Vorschaubildern

http://rechtsanwalt-schwenke.de

RA Schwenke zum Abmahnfall

Praxistipps von RA Schwenke

Hinweis: Wir werden in Zukunft immer wieder darauf aufmerksam machen, welche Leistung wir Ihnen anbieten. Die Zitate von Rechtsanwalt Schwenke entstammen einem Interview f√ľr das lokaljournalistische Netzwerk istlokal.de. F√ľr dieses Interview wurden inklusive Vorrecherche, Gespr√§ch und Produktion rund f√ľnf Stunden Arbeit aufgewendet. F√ľr diesen Text wurden inklusive Recherche rund acht Stunden Arbeit aufgewendet. Wir bieten unseren Leser/innen diese Leistung kostenfrei an. Wenn Sie unsere Arbeit mit einer freiwilligen Zahlung unterst√ľtzen wollen, weil Sie diese unterst√ľtzen wollen oder selbst Nutzen daraus gezogen haben, sind wir daf√ľr sehr dankbar. Ebenso, wenn Sie uns bei den Kosten f√ľr den Rechtsstreit unterst√ľtzen wollen. Schreiben Sie uns bitte eine email an redaktion (at) rheinneckarblog.de, wir teilen Ihnen dann gerne unsere Bankverbindung mit. Eine Spendenquittung k√∂nnen wir nicht ausstellen.

Exklusive Weihnachtsaktion

Wir haben nichts zu verschenken – und tun’s trotzdem

Wir verlosen attraktive Werbepl√§tze – ohne Risiko f√ľr Neukunden.

 

Rhein-Neckar, 11. Dezember 2010. (red) Gewerbetreibende, Dienstleister und Freiberufler k√∂nnen aktuell bei uns Werbeleistungen in H√∂he von 7.700 Euro gewinnen. Ohne jegliche Verpflichtung. Unsere Aktion richtet sich an alle Neukunden, die vorw√§rts denken und realisieren, dass √ľberteuerte Print-Werbung der Vergangenheit angeh√∂rt und Online-Werbung die Zukunft ist. Wir bieten eine hohe Aufmerksamkeit durch eine fundierte und kritische Berichterstattung. Daf√ľr werden wir von unseren Leserinnen und Lesern gesch√§tzt. Die Aufmerksamkeit erarbeiten wir uns hart mit klassischem Journalismus. Unsere Werbekunden profitieren davon – denn heutzutage muss sich jeder der Kritik der √Ėffentlichkeit stellen und wo kann man das besser als bei einem konstruktiv-kritischen Online-Medium?

Von Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (46), Gr√ľnder und Chefredakeur der Rheinneckarblogs. Foto: sap

Wir bieten aktuell eine Verlosung an, die sich an Neukunden richtet. Die Regeln sind ganz einfach. Sie schicken uns eine Email, gewinnen mit etwas Gl√ľck einen unserer Preise und profitieren von unserem Werbeumfeld. Sie gehen keinerlei Verpflichtungen ein. (Hier sehen Sie die Werbeleistungen, die Sie gewinnen k√∂nnen und wie Sie an der Verlosung teilnehmen.) Es gibt kein Abo, keine versteckten Kosten. Es gibt kein Risiko f√ľr Sie. Daf√ľr haben Sie die M√∂glichkeit, unverbindlich unsere Werbem√∂glichkeiten zu testen.

Und wenn Sie das interessiert, dann lesen Sie bis zum Ende weiter.

Glaubw√ľrdigkeit ist Trumpf

Wir bieten dieses „Spiel“ an, weil wir √ľberzeugt sind, dass Sie als Gewinner weiter mit „uns spielen wollen“. Wer ist „uns“? Wir sind eine unabh√§ngige, journalistische Redaktion, die sich der Information der √Ėffentlichkeit verschrieben hat. Wir berichten kritisch. Wir informieren aktuell. Wir sind ehrlich.

Das unterscheidet uns in erheblichem Ma√ü von den „etablierten Medien“, die seit Jahren mehr und mehr an Glaubw√ľrdigkeit verlieren. Am dramatischsten l√§sst sich dieser Glaubw√ľrdigkeitsverlsut bei den Zeitungen erkennen. Die Auflagen sinken und sinken. Die Werbeums√§tze noch drastischer, weil die Preise unversch√§mt sind und die „Werbeleistung“ auch nicht im Ansatz erbracht wird. Zudem wird h√§ufig tendenzi√∂s berichtet.

Im Vergleich zu den Zeitungen, zum Radio und zum Fernsehen sind unsere Blogs, so nennen wir unsere Vor-Ort-Onlinezeitungen, noch relativ klein. Aber im Unterschied zu den anderen Medien verlieren wir keine Reichweite, sondern gewinnen dazu.

Engagierter Journalismus

Wir sind ein kleines Team von rund zehn Journalisten, die mit viel Herzblut und gro√üer √úberzeugung f√ľr die demokratische Aufgabe ihren Job machen. Wir werden von sehr vielen B√ľgerinnen und B√ľrgern unterst√ľtzt, die uns mit Informationen beliefern. Diese Quellen und ihre Bed√ľrfnisse nehmen wir ernst. Ebenso unsere Anzeigenkunden und ihre W√ľnsche. Dabei halten wir uns allerdings strikt an das Gebot der Trennung von Redaktion und Vermarktung.

Denn wir sind √ľberzeugt davon, dass unsere Anzeigenkunden in erheblichem Ma√ü von dieser Trennung und der damit verbundenen Glaubw√ľrdigkeit profitieren. Selbstverst√§ndlich sind unsere Werbekunden f√ľr uns erste Ansprechpartner: Ob es um Finanzen geht, um Hochzeiten, um Bauangelegenheiten, ums Auto, um Bildung, um Freizeit oder Sport oder Demografie. Unsere Kunden sind Experten, auf die wir gerne in unserer Berichterstattung zur√ľckgreifen – aber trotzdem Quellen wie jede andere auch. Und wenn bei einem Kunden etwas schief l√§uft, werden wir auch hier wie gewohnt kritisch berichten. Daf√ľr gab es schon einige Beispiele und bis auf das Logistikunternehmen Pfenning hat keiner der Kunden¬† uns das bislang √ľbel genommen, was f√ľr die gro√üe Souver√§nit√§t unserer Werbepartner spricht.

Bei „etablierten Medien“ ist das erkennbar anders. √úber „gute Kunden“ wird nur Gutes berichtet. Kritik findet nicht statt. Damit besch√§digen „traditionelle“ Medien seit Jahren ihre Glaubw√ľrdigkeit und die ihrer Kunden gleich mit.

Informationsorientierte Leserinnen und Leser

Unser Leserinnen und Leser sind √ľberwiegend zwischen 25 und 50 Jahren alt, sehr interessiert am lokalen Geschehen, an Politik, Gesellschaft und Kultur. Wir erreichen im Gegensatz zu Tageszeitungen auch Leser unter 25 Jahren, die selbstverst√§ndlich elektronische Medien benutzen. Und wir freuen uns, dass immer mehr √ú50-Leser sich aktiv im Netz informieren.

Unsere Nachrichtenangebote machen immer wieder auch √ľberregional Schlagzeilen. Wir bieten Dokumentationen, investigative Stories, hintergr√ľndige Berichte und Service-Informationen f√ľr die Bev√∂lkerung vor Ort. Unser lokaljournalistisches Konzept ist Vorbild f√ľr eine Reihe von anderen Lokalmedien, die in den vergangenen zwei Jahren √ľberall in Deutschland entstanden sind.

Wir finanzieren uns ausschlie√ülich √ľber Werbeeinnahmen. Unsere Kunden sehen wir deshalb als Partner – denn sie unterst√ľtzen und st√ľtzen unsere journalistische Arbeit. Von unserem sehr guten Image profitieren die Partner nat√ľrlich ebenfalls. Wenn Sie sich vorstellen k√∂nnen, Werbepartner bei uns zu werden, freuen wir uns sehr und beraten Sie unverbindlich. Wir bieten mehr als nur die Schaltung von Anzeigen – wir beraten Sie umfassend zu klassischer Image- oder Aktionswerbung und zu Social Media-Kampagnen. Unsere Preise sind fair und passen zu Kleinunternehmern, Dienstleistern bis hin zu gro√üen Firmen aus dem Mittelstand. Unsere renommierten Werbepartner sch√§tzen unser qualitativ hochwertiges Werbeumfeld bereits.

Probieren Sie es einfach aus. ūüôā

Wenn Sie an der Aktion teilnehmen möchten, klicken Sie bitte auf den Link.

Wenn Sie uns direkt erreichen möchten, wählen Sie 0621/ 437 458 30 oder schicken eine email an anzeigen (at) rheinneckarblog.de

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Facebook-Hoax: „Hiermit widerspreche ich…“

Rhein-Neckar, 12. November 2012. (red) Nutzen Sie Facebook? Gut! Glauben Sie alles, was dort veröffentlicht wird? Nicht gut! Aktuell geht wieder ein Gerücht, ein sogenannter „Hoax“ um. Nutzer widersprechen in einer Erklärung darin der Nutzung ihrer Daten. Schön, wenn’s so einfach wäre – ist es aber nicht.

Von Hardy Prothmann

Wir haben auf Facebook über unsere Blogseiten gut 3.000 Facebook-Fans und insgesamt weitere rund 1.000 Freunde. In den vergangenen Tagen sind uns vermehr „Disclaimer“ aufgefallen, in denen manche der Nutzung der in Facebook eingestellten Daten und den zugrunde liegenden AGBs widersprechen.

Um es deutlich zu sagen: Das ist sinnlos und rechtlich nicht haltbar. Man kann sich die Mühe sparen. Und noch mehr die Peinlichkeit, sich nicht auszukennen.

Wer sich bei Facebook anmeldet, willigt in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen ein. Wer das nicht will, muss sich nicht bei Facebook anmelden. Wer individuelle Regelungen will, wird diese nicht erhalten.

Verstand nutzen

Wie immer gilt – nutze Deinen Verstand! Und zwar kritisch. Haben Sie schon mal irgendwo ein Geschäft oder eine Anmeldung machen können, ohne die AGBs zu aktzeptieren? Klar, die könnten sittenwidrig sein – aber das muss man erstmal vor Gericht nach Vertragsabschluss erstreiten und kann nicht sicher sein, ob man Recht bekommt. Ohne diese zunächst anzuerkennen, gibt es keinen Vertrag oder wie bei Facebook – keinen Zugang.

Dass einem die weitgehende Rechteeinräumung an Facebook nicht gefällt, ist das eine. Aber nicht jeden Quatsch im Freundes- und Bekanntenkreis zu verbreiten, ist das andere.

Es gibt zu allen möglichen Themenfeldern solche „Hoax“-Meldungen. Ein Beispiel ist immer wieder der „weiße Bus“, der auch mal grün oder andersfarbig sein kann. Gewarnt wird vor Kinderschändern. Die Meldung ist falsch. Frei erfunden. Ebenso gibt es viele Suchmeldungen, die auch einfach nur falsch sind. Gefolgt von Tierquälerei-Szenen.

Merke: Folge nicht blind und ohne nachzudenken jeder „Information“. Man kann zu den Themen googlen, man kann seine Freude bei Facebook fragen oder erstmal beobachten, bevor man gleich alles teilt.

Immer dann, wenn man sich selbst sehr betroffen fühlt, sollte man besonders kritisch sein – Hoax-Meldungen haben oft einen „alarmistischen“ Charakter oder appellieren an Reflexe: Kinder, Tiere, Skandale, Sex-Themen, Rekord-Meldungen. Immer dann, wenn es besonders außergewöhnlich ist, sollte der Verstand-Filter besonders aktiv werden. Das schützt vor Falschmeldungen und „bösartiger Software“.

Mist vs. sinnvolle Information

Sozialen Medien und dem Internet wird immer vorgeworfen, dass es dort „jede Menge Mist“ gibt. Das stimmt. Den gibt es – neben unglaublich viel mehr nützlichen Informationen. Die zu verbreiten ist sinnvoll. Zum Beispiel unsere Blogs und Facebook-Seiten mit ihren sinnvollen Inhalten weiter zu empfehlen.

Wer uns liest, erfährt immer wieder Neuigkeiten – recherchiert, geprüft, eingeordnet und kommentiert.

Geprothmannt

Eskalierende Berichterstattung

Ein Jugendlicher zerst√∂rt eine Scheibe und die RNZ suggeriert aufgrund einer „Zeugenaussage“, die Polizei sei schuld, weil zu „rabiat“. Gehts noch?

 

Rhein-Neckar/Schriesheim, 15. Oktober 2012. (red/pro) In Schriesheim gab es vor kurzem so etwas wie Chaostage. Rund 250 zum Teil heftig besoffene Jugendliche treffen sich einer „Abrissparty“. Rund 50 eilig herbeieilende Polizisten bekamen die Lage aber in den Griff. Die „Qualit√§tspresse“ sieht das anders. Und pumpt einen 20-j√§hrigen Chaos-Beteiligten zum „Kronzeugen“ auf.

Von Hardy Prothmann

Nein, ich mache jetzt keine Namensanspielungen zum Beitrag von Carsten Blaue in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 09. Oktober 2012 mit der √úberschrift:

Sorgte die Polizei f√ľr eine Eskalation?

Aber ich frage mich sehr wohl, was den RNZ-Journalisten dazu treibt, eine solche √úberschrift zu formulieren und einen Beitrag zu verfassen, der jeden aufmerksamen Leser vollst√§ndig ersch√ľttert zur√ľckl√§sst: Ist dieser Artikel ein Beispiel f√ľr den angeblichen Qualit√§tsjournalismus der Tageszeitungen?

Abriss“birnen“

Zur Sachlage: Am Abend des 05. Oktobers 2012 finden sich in Summe rund 250 Jugendliche in Schriesheim zusammen, um an einer „Abrissparty“ teilzunehmen. Sie rotten sich in Gruppen zusammen, saufen mitgebrachte Alkoholika, werden auff√§llig und die Polizei reagiert. Insgesamt rund 50 Streifenbeamte der Polizeidirektion Heidelberg, unterst√ľtzt durch das Polizeipr√§sidium Mannheim treffen in Schriesheim ein, errichten Kontrollpunkte und versuchen die Lage zu kl√§ren.

Die Mannheimer Beamten kennen sich vor Ort nicht aus – das geht auch vielen Heidelberger Polizisten so. F√ľr einen Einsatzplan bleibt keine Zeit. Der Einsatz kommt √ľberraschend. Und man „jagt keine Verbrecher“, sondern betrunkene Jugendliche, die unter der Woche sicher Mamas und Papas Liebling sind. Brave Kinder im Alkoholausstand.

Chaos-Nacht in Schriesheim

Die Jugendlichen zerdeppern Flaschen auf der Stra√üe (welche, spielt keine Rolle, es h√§tte √ľberall sein k√∂nnen), verm√ľllen den Platz vor einem fr√ľheren Handelsmarkt, demolieren zwei Autos, schlagen die T√ľrscheibe einer Bahn ein, gr√∂hlen, beleidigen und provozieren Beamte.

Die Jugendlichen werden abgeschirmt, begleitet, in kleinen Gruppen in die Bahnen gesetzt. Nach vier bis f√ľnf Stunden ist der Spuk am Freitagabend kurz vor Mitternacht vorbei. Die Lage ist beruhigt.

In der Folge schreibt ein 20-jähriger eine email an die Rhein-Neckar-Zeitung. Die Zeitung nennt den Namen des email-Schreibers, sein Alter und seinen Wohnort. Dass sie dabei gegen jede Grundregel des Quellenschutzes verstößt, ist Redakteur Carsten Blaue scheinst, vollständig egal.

Quellenverbrennung

Guter Journalismus bewahrt „Quellen“ auch vor Selbstschaden. Den hat der junge Mann jetzt. Denn er wird f√ľr einen vermeintlichen „Scoop“ (journalistische Aufdeckung) klasklar missbraucht. Es gibt journalistisch √ľberhaupt keinen Grund, Namen, Alter und Wohnort und „Status“ des Informanten als „Beteiligten“ zu nennen – au√üer die Folgen f√ľr den Informanten sind einem RNZ-Journalisten einfach nur egal. Jeder „Informant“ sollte es sich genau √ľberlegen, ob man dieser Zeitung trauen kann.

Die Rhein-Neckar-Zeitung stellt tats√§chlich wegen der Behauptung eines einzelnen, jungen „Erwachsenen“ den Einsatz der Polizei in Frage. Fragen zu stellen, ist journalistisch absolut legitim. Geradezu notwendig. Aber welche Fragen wurden gestellt?

Jugendliche in Abrisslaune randalieren, die Polizei bekommt die Lage in den Griff und die Zeitungsberichterstattung „eskaliert“.

 

„Blaues Sicht“ – null Recherche

Der junge Mann behauptet, die Polizei sei „rabiat“ gewesen. Hier muss man nachhaken. Was meint das? Hat die Polizei etwa klare Ansagen gemacht? Oder auch ein bisschen „gedr√§ngelt“?

Der junge Mann behauptet laut der Zeitung aber auch, die Polizei sei „gewaltt√§tig“ gewesen. Und sp√§testens hier ist Schluss mit lustig. Gewalt hat Konsequenzen: H√§matome, blaue Augen, Platzwunden, Verletzungen eben.

Sind Verletzungen dokumentiert? Nein. Wurde die Polizei befragt, ob es Festsetzungen gab, Schlagstock- oder Tränengaseinsatze? Nein.

Denn das h√§tte ja „den Aufreger“ zunichte gemacht.

Wurde im Ansatz von Herrn Blaue und der Redaktion √ľber die Lage vor Ort nachgedacht? √úber die Einsatzwirklichkeit der Polizei?

Lächerliche Polizei vs. blödsinnige Meinung

50 Beamte stehen 250 mehr oder weniger alkoholisierten Jugendlichen gegen√ľber, die in „Abrissparty-Laune“ sind. Ohne jegliche Vorbereitung. Glaubt der Journalist tats√§chlich, dass die Polizei so dumm ist und durch falsches Verhalten diesen schon sichtbar aggressiven Mob noch mehr zu reizen?

Die Einsatzwirklichkeit von Polizeibeamten beschreibt der Pressesprecher Harald Kurzer so:

Wir sind teilweise das Gesp√∂tt der Stammtische. F√ľnf Beamte waren n√∂tig, um einen ausrastenden Betrunkenen unter Kontrolle zu bringen – ja, haben die gar nix drauf?

Gute Frage, n√§chste Frage. Sollen die Beamten kn√ľppeln oder gar schie√üen? Um eine ausrastende Person zu „stabilisieren“, braucht es mindestens zwei, eher drei oder sogar f√ľnf Personen. Vor allem, um die Person vor Verletzungen zu bewahren, die sonst umung√§nglich w√§ren. Die Methode „Schlagstock √ľber den Sch√§del ziehen“ wird √ľberwiegend nur noch in Diktaturen angewandt, nur Herr Blaue hat das noch nicht mitbekommen.

Gehts noch?

Konkret vor Ort hie√üe das, die Polizei h√§tte nicht mit 50 Beamten, sondern mit 500 oder besser 750 Beamten vor Ort sein m√ľssen. Wegen einer bl√∂d-besoffenen Abrissparty-Laune, die √ľber Facebook „organisiert“ wurde? Gehts noch? Denkt ein Herr Blaue abgesehen von der Absurdit√§t der Vorstellung auch mal √ľber die Kosten f√ľr den Steuerzahler nach?

Geht Herr Blaue davon aus, dass am Wochenende hunderte von Polizisten in Einsatzbereitschaft sind, um dem feierw√ľtigen Nachwuchs klar zu machen, dass man sich mal eben nicht irgendwo trifft, um zu saufen und was kaputt zu machen? Und wenn dies so w√§re, berichtete die RNZ dann √ľber „Polizeistaatsverh√§ltnisse mitten in Deutschland“?

Bl√∂dsinniger kann man tats√§chlich nicht „berichten“, als die Rhein-Neckar-Zeitung das im Fall der „Schriesheim-Flashmobs“ getan hat. Ohne Recherche, ohne Sinn, ohne Verstand.

Falsches Ticket

Ich f√ľr meinen Teil hoffe, dass die Beamten vor Ort den besoffenen Jugendlichen so deutlich wie m√∂glich klar gemacht haben, dass es niemanden interessiert, ob man in die falsche Bahn gesetzt wird und einmal umsteigen muss, nachdem man sich verabredet hat, sich die Birne aufzuweichen und was kaputt zu machen.

Jeder, der an diesem Freitagabend mit dieser Stimmung nach Schriesheim gefahren ist, war „mit dem falschen Ticket“ unterwegs.

Und die Schriesheimer Bev√∂lkerung kann sehr dankbar sein, dass die Polizei daf√ľr gesorgt hat, dass die Situation vor Ort nicht eskaliert ist und niemand wirklich zu Schaden kam. Den T√ľreinschlager hat man festgestellt, er wird zur Verantwortung gezogen. Wer noch finanziell (Party-Veranstalter oder Facebook-Einlader) f√ľr den Einsatz aufkommen muss, wird noch gepr√ľft. Die Besitzer der demolierten Autos haben hoffentlich eine Vollkasko, sonst bleiben sie vermutlich auf dem Schaden sitzen. Alle anderen Autobesitzer sind der Polizei dankbar.

Die friedliche und k√ľnstlerische Idee des „Flashmobs“ wurde ebenfalls besch√§digt, die vielen tollen M√∂glichkeiten der sozialen Medien ebenso, denn f√ľr Zeitungen ist alles mit Internet sowieso „igitt“.

Eskalation vs. gute Polizeiarbeit

Die „Eskalation“ hat im Kopf eines Zeitungsschreibers stattgefunden, der journalistische Standards nicht beherrscht, sondern selbst auf Krawall aus ist. Flankiert von einer Zeitung, die an Standards offensichtlich nicht interessiert ist. Gew√ľrzt mit einer (zeitungsredakteursimmanenten) Panikstimmung gegen√ľber dem Internet. Und der verlorenen Hoffnung, vielleicht irgendeinen bl√∂d-besoffenen Jugendlichen, der eh keine Zeitung liest, f√ľr die Zeitung zu interessieren.

Es k√∂nnte sein, dass die Rhein-Neckar-Zeitung den ein oder anderen Polizisten als Abonnenten verloren hat, der sich solche Berichte „einfach nicht mehr geben muss“.

Dokumentation: Die Berichte in der Rhein-Neckar-Zeitung können Sie hier nachlesen (sofern sie nicht gesperrt werden)

Sorgte die Polizei f√ľr eine Eskalation?

Mit jeder Bahn kamen mehr Jugendliche?

Wie die Rhein-Neckar-Zeitung „politisch berichtet, k√∂nnen Sie hier nachlesen:

Politische „Berichterstattung“ bei der RNZ

 

 

 

 

A-soziale Netzwerke

Fody’s ver√∂ffentlicht problematische Fotos bei Facebook

Unter diesem Albumnamen finden sich rund 200 teils sehr unvorteilhafte Fotos sowie Bilder aus zwei Kirchen, die bestimmt nicht da rein sollten.

Ladenburg/Rhein-Neckar, 09. Juli 2012. (red) Soziale Netzwerke sind modern und nat√ľrlich wollen da viele mitmachen. Das aber will beherrscht sein – sonst passieren schnell Fehler, die das Gegenteil von einem guten Image erzeugen.

Der Ladenburger Gastronomie-Betrieb Fody’s F√§hrhaus hat auf Facebook Fotos von der „Dieter Thomas Kuhn Fan After Show Party“ eingestellt. Ob die fotografierten Personen damit gl√ľcklich sind? Das darf man bezweifeln, weil viele Personen unvorteilhaft oder mit Unmengen leerer Bierflaschen abgebildet werden. Auch Chefs und Arbeitskollegen sind in Facebook unterwegs…

Außerdem hat die Fotos irgendjemand gemacht, der nicht mit einem Fotoapparat umgehen kann Рschlechte Perspektiven, falsche Belichtung, unscharfe Bilder. Eine grottenschlechte Fotostrecke.

Und die Bildergalerie enth√§lt zum Ende Fotos, die nun gar nichts mit der „After Show Party“ zu tun haben. Man sieht dort den Leimener Pfarrer Steffen Gro√ü – ebenfalls teils sehr unvorteilhaft abgebildet. Und Fotos vom 50-j√§hrigen Orgeljubil√§um eines Herrn in St. Ilgen. Mal abgesehen davon, ob sich die Kirchg√§nger in der „DTK-Galerie“ wohl f√ľhlen,¬† sind auch hier die Fotos teils so unvorteilhaft, dass die Personen – sofern sie von der Ver√∂ffentlichung w√ľssten, bestimmt alles andere als „amused“ w√§ren.

Die Fotos sind hier (nicht mehr) zu finden.

Aktualisierung, 17:04 Uhr:

Fody’s hat reagiert und die Fotos der Kirchg√§nger gel√∂scht. Dazu ver√∂ffentlichte der Seiten-Administrator einen Kommentar, aus dem man entnehmen kann, dass er nicht wirklich das Problem verstanden hat:

„Wer hier „merkw√ľrdige“ Fotos entdeckt hatte …. SORRY …. die wurden versehentlich aus einem anderen Account hochgeladen. ūüėČ Hoffentlich haben sich die fr√∂hlichen Betrachter wenigstens am√ľsiert!“

Offener Brief des Jugendgemeinderats

„Kluger Schachzug“

Der Jugendgemeinderat beschr√§nkt seine √∂ffentliche Kommunikation auf Facebook und h√§lt das f√ľr einen "klugen Schachzug" - wir haben einen "strategischen Fehler" erkannt.

 

Ladenburg, 23. Mai 2012. (red/pm) Der Jugendgemeinderat reagiert auf unsere Kritik „Strategischer Fehler“ an der Kommunikationsstrategie mit einem offenen Brief. Wir ver√∂ffentlichen die Stellungnahme selbstverst√§ndlich im Original.

Offener Brief des Jugendgemeinderats:

„Lieber Herr Prothmann!

Wir, die Mitglieder des Jugendgemeinderates (JGR), √ľben eine ehrenamtliche T√§tigkeit aus. Wir tun das gerne, haben uns darum beworben und scheuen keine Arbeit. Generell muss jedoch eine gewisse Verh√§ltnism√§√üigkeit gewahrt werden, damit wir diese Arbeit in unserer knapp bemessenen Freizeit zwischen Schule und Ausbildung tats√§chlich gerne machen. Sie ist meistens vorhanden, nicht aber in diesem Fall:

Angeprangert wird, dass wir keine Website und keinen Blog unterhalten: Und das, f√ľr ein paar Gemeinder√§te und wenige weitere B√ľrger Ladenburgs, die nicht in Facebook vertreten sind, sich aber f√ľr uns interessieren. Denn es sind nur jene, die ein solches Angebot nutzen w√ľrden. Erfahrungsgem√§√ü, reizt es uns Jugendliche dagegen weniger. Viel besser lassen wir uns √ľber unsere t√§glich benutzte Plattform erreichen: per Facebook. Auf der anderen Seite steht viel Arbeit f√ľr das Einarbeiten in das Programm und F√ľllen des Blogs mit Inhalten – wobei die Arbeit f√ľr das Erstellen eines Blogs aufgrund Ihres freundlichen Angebotes ja wegfallen w√ľrde.

Nicht nur, dass die Unverh√§ltnism√§√üigkeit von Arbeit und Nutzung, wie auch die bessere Erreichbarkeit Jugendlicher per Facebook gegen einen Blog sprechen. Dar√ľber hinaus m√ľssen Sie Ihren Anspruch an ein ehrenamtliches Jugend-Gremium, einen einwandfreien Internetauftritt hinzulegen, aufgeben.

Das alles hei√üt trotzdem nicht, dass sich interessierte Gemeinder√§te und B√ľrger nicht auch √ľber uns informieren k√∂nnen, sich mit uns austauschen k√∂nnen, denn auch wir haben ein Interesse daran ‚Äď Ihre gegenteilige Behauptung, der JGR w√ľrde die √Ėffentlichkeit gar nicht erreichen wollen, ist schlicht und einfach falsch: Zum einen war unsere alte Website neben der komplizierteren URL auch unter jgr-ladenburg.de zu erreichen. Zum anderen widerlegt allein die Tatsache, dass wir uns Gedanken um eine Pr√§senz im Internet machten, ihre Behauptung schon im Ansatz.

Au√üerdem sind da unsere √∂ffentlichen Sitzungen. Auch unsere h√§ufigen Auftritte im Gemeinderat sollte es erm√∂glichen, sich auszutauschen. √úberdies stehen unsere Kontaktdaten jederzeit und f√ľr alle zug√§nglich auf ladenburg.de zur Verf√ľgung ‚Äď und wo w√§re ein geeigneterer Ort f√ľr den JGR LADENBURG, als sich unter anderem auf LADENBURG.de zu pr√§sentieren?

Von allem abgesehen, ist es v√∂llig unangebracht, den JGR auf seinen Internetauftritt zu reduzieren: Denn h√§tten Sie Recherche betrieben, w√ľssten Sie wohl, was wir sonst eigentlich so machen.“

Anm. d. Red.: Kritisieren ist nicht gleich „anprangern“. Inhaltlich wiederholen wir unsere Darstellung – wenn man so will, ist auch Facebook eine Art „Blog“. Ob man nun einen Beitrag hier einstellt oder in einem eigenen Blogsystem, ist unterm Strich fast dieselbe Arbeit. Tats√§chlich gibt es aber erhebliche Unterschiede: Daten in einem eigenen Blog geh√∂ren einem auch – Daten, die in Facebook eingegeben werden, geh√∂ren Facebook. Man kann zwischen Blog und Facebook eine automatisierte Ver√∂ffentlichung herstellen, so dass Blogeintr√§ge ohne zus√§tzliche Arbeit auf der Facebook-Seite landen.
Die Behauptung, die Mehrheit der Ladenburger nutze bereits Facebook, ist mit Sicherheit falsch. Vermutlich richtig ist die Annahme, dass ein Gro√üteil der Jugendlichen ab 12/13 Jahren Facebook nutzt. Zur Recherche: Das ist das angesprochene Problem. Wenn man erst recherchieren muss, um die Aktivit√§ten zu verfolgen, ist eine einfache Kommunikation mit der B√ľrgerschaft nicht gegeben.
Noch ein Tipp an den Jugendgemeinderat: Soweit wir gesehen haben, ist die Facebook-Seite √ľber ein Mitglied erstellt worden. Damit ist die Seite im Besitz dieses Mitglieds und nicht des aktuellen oder k√ľnftigen Jugendgemeinderats. Das ist ein typischer Fehler, der bei Vereinen oder anderen Organisationen immer wieder f√ľr erhebliche Schwierigkeiten sorgt. Was, wenn der Besitzer aus welchen Gr√ľnden auch immer nicht mehr erreichbar ist, erreichbar sein will? Daten und Zugriff auf die Seite f√ľr Ver√§nderungen sind dann verloren. Weiter ergibt sich f√ľr den Seiteninhaber eine unter Umst√§nden gravierende rechtliche Stellung: Sollte es, wiederum aus welchen Gr√ľnden auch immer, zu einem Rechtsstreit kommen, sind der Inhaber oder die Rechtsvertreter pers√∂nlich haftbar. Aktuell gibt es einen Prozess, der sich mit der so genannten „Betreiberhaftung“ besch√§ftigt. Ein Facebook-Seiten-Besitzer wurde wegen eines Fremdkommentars auf der Seite abgemahnt. Solche Prozesse werden oft im „fliegenden Gerichtsstand“ ausgetragen, h√§ufig Hamburg oder Berlin. Die Kosten f√ľr solche Verfahren erreichen schnell 5-10.000 Euro. Auch hier halten wir an unserer Einsch√§tzung fest, dass der Jugendgemeinderat schlecht beraten ist. Der Betreiber muss also dringend die Stadt Ladenburg sein – denn die ist rechtlich versichert und hat die Ressourcen f√ľr juristische Auseinandersetzungen.
Eine Anmerkung zum Schluss: Kritik hei√üt nicht, dass man etwas „schlecht“ macht, sondern, dass man sich mit etwas auseinandersetzt – das ist die Wortbedeutung. Unsere Redaktion findet es erstens gut, dass es √ľberhaupt einen Jugendgemeinderat gibt und ist zweitens der Arbeit der Jugendlichen gegen√ľber sehr aufgeschlossen. Unsere kritische Begleitung hat also eine Verbesserung der Kommuniktion im Blick und nicht ein „Anprangern“ des JGR. Aus diesem Grund geben wir auch rechtlich wichtige Hinweise – die Umsetzung obliegt dann den Mitgliedern.

Jugendgemeinderat verzichtet auf √Ėffentlichkeit

Strategischer Fehler

Falches Kommunikationsmittel: Eine Website. Der JGR braucht ein Blog - das gibt es fast umsonst.

 

Ladenburg, 07. Mai 2012. (red) Die Entscheidung des Jugendgemeinderats (JGR), die Website abzuschalten, ist falsch. Klar, argumentiert wird mit zu viel Arbeit bei der Pflege der Homepage. Aber dieses Argument zieht nicht, denn angeblich will man k√ľnftig auf Facebook mehr Beitr√§ge online stellen. Ob hier oder woanders gepostet wird, ist egal. Posten ist posten. Einen Unterschied gibt es: Im Internet ist der Zugang f√ľr alle Menschen zug√§nglich, bei Facebook nur f√ľr Facebook-Nutzer.

Kommentar: Hardy Prothmann

Schade, dass die Jugendlichen schlecht beraten werden oder sich nicht beraten lassen wollen. Das Argument, die Website sei zu teuer und zu kompliziert zu pflegen, gilt nicht. Man kann sich ohne Kosten ein CMS wie WordPress (das auch wir benutzen) aufspielen. Dazu braucht es Serverplatz, den man f√ľr die Belange eines solchen Blogs mit ungef√§hr 2,99 Euro im Monat veranschlagen kann.

Man kann Benutzerrechte einstellen, eine Gruppe von Admins also, Redakteure, Autoren oder nur Abonnenten, die auf das Blog zugreifen können, um dort Veränderungen vorzunehmen. Ob man nun einen Text bei Facebook postet oder auf einem Blog, macht nicht wirklich einen Unterschied. Ebenso ist das Hochladen von Bildern genau dieselbe Arbeit Рnämlich fast keine.

Was Arbeit macht, ist so ein Blog zu konzeptionieren und mit Inhalten, also Artikel regelm√§√üig zu f√ľllen. Daf√ľr muss man nachdenken, fragen und recherchieren und schlie√ülich einen Text verfassen. Man kann hier Termine eintragen – nicht nur die vom JGR, sondern auch von anderen Angeboten f√ľr Jugendliche. Man kann andere Jugendliche einladen, als Gastautoren Texte zu verfassen und so ein „Jugend-Blog“ f√ľr Ladenburg erstellen. Man kann – wenn man will.

Das Argument, auf Facebook seien die meisten Jugendlichen, tr√§gt nur, wenn man ausschlie√ülich Jugendliche interessieren will. Wenn man kein Interesse daran hat, die Eltern und die Ladenburger Bev√∂lkerung – und auch die √ľberwiegend √§lteren Gemeinderatsmitglieder – mit Informationen zu versorgen, dann kann man so argumentieren. Die stellvertretende B√ľrgermeisterin Gudrun Ruster w√ľrde sich interessieren – sie ist aber nicht bei Facebook.

Wenn man sich allerdings eine Website unter einer solchen Adresse einrichtet: http://wp1066576.wp101.webpack.hosteurope.de/lagr/index.php?page=1, dann wollte man schon in der Vergangenheit eher nicht die √Ėffentlichkeit erreichen. Und auch die Aussage, man habe „Angebote“ eingeholt, stimmt nachdenklich: Gibt es tats√§chlich unter Ladenburger Sch√ľlern keine, die technisch ein Blog aufsetzen k√∂nnen? Das w√§re ein Armutszeugnis. Und gibt es keine Jugendliche, die ab und an mal einen Beitrag verfassen? Auch das w√§re ein Armutszeugnis. Wenn dem so ist – wof√ľr braucht es dann einen Jugendgemeinderat?

Und statt Angebote einzuholen, kann man auch Fragen stellen. Wir w√ľrden dem JGR kostenfrei ein Blog aufsetzen und die jungen Leute dar√ľber hinaus konzeptionell beraten. Das Angebot kann der JGR annehmen – wenn er will.

Bis dahin werden Informationen auf der Seite der Stadt Ladenburg eingestellt – na klasse, das klingt selbstbewusst.

 

Der gläserne User

Gastbeitrag: Privatsphäre im Internet

Von Martin Heilmann

Freuen Sie sich √ľber Werbeanzeigen im Internet, die genau auf Sie zugeschnitten sind? Das Ihnen exakt Ihre Lieblingsschuhmarke oder das seit Wochen gesuchte Technikprodukt offeriert wird? Ja? Haben Sie sich jemals gefragt, wie das m√∂glich sein kann?

Das Internet ist nicht intelligent. Es kann nicht wissen, welche Produkte Sie pr√§ferieren. Es gibt aber Programme im Internet, die eines k√∂nnen: Daten √ľber Sie sammeln und diese speichern.

Pers√∂nliche Daten sind lukrative Informationen f√ľr die Werbewirtschaft. Je detaillierter die Angaben, desto besser. Umso zielgerichteter kann der Werbende Sie pers√∂nlich ‚Äúansprechen‚ÄĚ.

Grundinfos sind Namens-, Adressen- und Altersangaben sowie die Telefonnummer und die Emailadresse, die zum Beispiel bei kostenlosen Gewinnspielen angegeben werden. Je h√§ufiger Sie bei Gewinnspielen mitmachen, desto voller d√ľrfte das Spamfach des Emailkontos sein. Das kennt man auch von Payback-Karten und Treueaktionen bei Superm√§rkten, Einkaufszentren und Tankstellen. Dann ist es eben der Briefkasten, der mit Reklameschreiben ‚Äúzugem√ľllt‚ÄĚ wird.

Neben den ‚Äěaktiv‚Äú preisgegebenen Informationen hinterl√§sst ein Internetnutzer beim ‚ÄěSurfen‚Äú ‚Äěpassiv‚Äú Daten. Kleine Programme ‚Äď sogenannte Cookies ‚Äď beobachten und scannen Internetuser. Cookies k√∂nnen sich unter anderem Suchbegriffe und das Nutzerverhalten (‚Äětracking‚Äú) ‚Äěmerken‚Äú.

Cookies von Dritten l√∂schen ‚Äď Einfache Datenschutzeinstellungen

Um dem ‚ÄěTracking‚Äú und ‚ÄěCookies‚Äú das Leben zu erschweren, gibt es Internetbrowser-Einstellungen, die f√ľr etwas mehr Anonymit√§t im Internet sorgen k√∂nnen.

Datenschutz beim Internetbrowser Firefox. U.a. Cookies können gelöscht werden.

Bei Firefox gelangt man √ľber den Men√ľpunkt Extras -> Einstellungen und dann in der Kategorie Datenschutz in den betreffenden Bereich (siehe Bild). Beim Internetexplorer √ľber den Men√ľpunkt Extras -> Interneteinstellungen in der Kategorie Allgemein.

Selbst wann und wie lange man sich auf Internetseiten aufh√§lt, kann nahezu problemlos √ľber diese Programme festgestellt werden. Sich der st√§ndigen Datensammlung im Internet zu entziehen, scheint fast unm√∂glich. √úber die IP-Adresse, die jeder Nutzer beim ‚ÄěSurfen‚Äú als eigene spezifische Internetadresse bzw. Kennung mitschickt, kann das Nutzerverhalten verfeinert und personifiziert werden. Internetseitenbetreiber k√∂nnen dies nutzen und haben es nach kurzer Zeit nicht mehr allzu schwer, Ihnen passende Angebote anzupreisen. (√Ąhnlich verh√§lt es sich √ľbrigens auch bei oben beschriebenen Kundenkarten von Superm√§rkten usw..)

Gibt es im Internet √ľberhaupt eine Privatsph√§re?

Immer mehr Unternehmen tummeln sich im Internet und machen Nutzer zu gläsernen Kunden. Nutzer, die im Internet unterwegs sind, glauben sich dort frei und völlig anonym bewegen zu können. Die wohl bekanntesten Datensammler im Internet sind Unternehmen wie Facebook und Google.

Stellt der ‚Äěunbemerkte‚Äú Lauschangriff im Internet f√ľr uns eine Gefahr dar? Es hat doch etwas f√ľr sich, dass man zum Beispiel bei Onlineshops nicht mehr selbst nach Lieblingsprodukten suchen muss, sondern diese einen f√∂rmlich ‚Äúanspringen‚ÄĚ.

Es ist aber durchaus bedenklich, dass es kaum m√∂glich ist, nachzuvollziehen, wer alles und in welchem Umfang Informationen abgespeichert und dar√ľber hinaus ‚Äď √ľber die Allgemeinen Gesch√§ftsbedingungen mit unserem Einverst√§ndnis ‚Äď an Dritte weitergegeben hat.

Andererseits muss hinterfragt werden, ob man im ‚Äěechten‚Äú Leben allen und jedem preisgibt, wie unter anderem der aktuelle Beziehungsstatus ist, mit wem man wann und wohin Feiern/Essen gegangen ist, oder wer der aktuelle Arbeitgeber ist und wie die fr√ľheren hie√üen?

Zuhauf werden freiwillig derartige Informationen in sozialen Netzwerken preisgegeben. Wenn dazu noch der richtige Wohnsitz samt Anschrift und Altersangabe kund getan werden, d√ľrfte der ‚ÄěInformations-Cocktail‚Äú der Werbeindustrie mehrere Dutzend Euros wert sein.

Aus einem anonymen Internetnutzer kann schnell ein Mann aus Ladenburg werden, √ľber den Facebook wei√ü, dass er 45 Jahre alt ist, verheiratet ist, zwei Kinder hat, zwei Katzen sein Eigen nennt, und und und.

Datensammler m√ľssen nicht ‚Äěalles‚Äú √ľber Sie wissen. Liefern Sie Ihnen pers√∂nliche Daten zumindest nicht ‚Äěfrei Haus‚Äú. Inwieweit von einer Gefahr f√ľr den Internetnutzer gesprochen werden kann, l√§sst sich abschlie√üend nicht kl√§ren. In jedem Fall sind bis heute viele datenschutzrechtlichen Fragen nicht gekl√§rt.

Hinweis der Redaktion:

Dieser Artikel ist von unserem Partner Tegernseer Stimme √ľbernommen, die wie unsere Redaktion auch Mitglied beim lokaljournalistischen Netzwerk istlokal.de ist.

Streikende MM-Zeitungsredakteure: Wer oder was nicht passt, wird gelöscht

Heddesheim/Mannheim/Stuttgart, 03. August 2011. √úberall im L√§ndle streiken Zeitungsredakteure. Durchaus mit unterschiedlichem „Berufs“ethos. W√§hrend die einen unzutreffende Informationen korrigieren, l√∂schen die anderen zutreffende Informationen, die ihnen nicht passen. Was wiederum aber zum Image dieser speziellen „Redakteure“ passt. Wer sich Gedanken macht, ob er wirklich „Solidarit√§t“ mit den streikenden Redakteuren beim Mannheimer Morgen haben kann, sollte wissen, welche Haltung diese „Journalisten“ vertreten. Schade f√ľr die gutgl√§ubigen K√ľnstler wie Xavier Naidoo, die auf die Verlogenheit hereinfallen.

Von Hardy Prothmann

Nochmal zur Erinnerung. Zeitungsredakteure sind im Ausstand, weil Berufseinsteiger nicht mehr mit rund 3.000 Euro Gehalt bei 14 Monatsgeh√§ltern und einer 35-Stunden-Woche beginnen sollen, sondern mit bis zu 25 Prozent weniger. Und andere auf das Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten sollen, was rund f√ľnf Prozent weniger bedeutet.

Ich habe heute gegen 17:30 Uhr zwei Kommentare auf der Facebook-Seite der streikenden MM-Redakteure gepostet:

Auch die ARD hat im Morgenmagazin √ľber den Streik berichtet. http://www.tagesschau.de/multimedia/video/ondemand100_id-video953858.html

Und kurz darauf:

Weitere Hintergr√ľnde zu meiner Haltung hier. http://istlokal-medien.de/heddesheimblog/2011/08/02/in-eigener-sache-reaktionen-auf-den-beitrag-im-ard-morgenmagazin/

Die Kommentare waren nur f√ľr Stunden zu sehen, bis sie getilgt worden sind.

Gegen 19:30 Uhr waren nicht nur die beiden Kommentare verschwunden, sondern scheinbar die komplette Facebook-Seite. Zumindest f√ľr mich, denn ich wurde „geblockt“. Als geblockte Person ist die Seite nicht mehr aufrufbar. Das Zeichen war ein eindeutig. Kommentare von Hardy Prothmann sind auf der Seite der MM-Redakteure offensichtlich nicht erw√ľnscht.

Kommentare gelöscht - Nutzer blockiert. So sieht Meinungsvielfalt und Transparenz in den Augen der streikenden MM-Redakteure aus.

„Gef√§llt mir sehr, toll, unterst√ľtzenswert, super“ als Kommentar bleibt erlaubt.

Die Erkl√§rung ist vermutlich einfach: In den vergangenen zwei Jahren habe ich die Zeitung immer wieder mit Verfehlungen konfrontiert. Der MM an sich ist mir egal, aber ich kritisiere schlechte Recherche, unterschlagene Meldungen oder abgepinselte Pressemitteilungen. Oder thematisiere die st√§ndige Bratwurstberichterstattung, die nichts weiter tut, als mit verschwurbelten Texten √ľber Wetterg√∂tter zu fantasieren. Schlechte Zust√§nde zu kritisieren, sollte eine journalistische Grundtugend sein. Und es darf keine „Bei√ühemmung“ gegen√ľber √§u√üerst schlechtem „Journalismus“ geben.

Das passt nat√ľrlich √ľberhaupt nicht zum Selbstbild, denn immerhin streiken die MM-Redakteure ja f√ľr „Qualit√§tsjournalismus“ (zumindest, was sie darunter verstehen) und f√ľr eine entsprechende Bezahlung.

Die MM-Redakteure behaupten sogar, dass es um die „Zukunft des Qualit√§sjournalismus“ ginge:

Auf der Blogseite liest sich das etwas ehrlicher – da gehts √ľberwiegend ums Geld und ganz zum Schluss ein bisschen um „die Demokratie“. Und angeblich streiken sie auch f√ľr „unsere Leser“.

Um was geht es? Um Demokratie? Eher doch ums Geld.

Tats√§chlich halten die streikenden MM-Redakteure aber „unseren Lesern“ missliebige Informationen vor. Oder warum l√∂schen sie sonst Kommentare, die weder beleidigend noch anst√∂√üig sind? Sondern zus√§tzliche Informationen enthalten, mit den sich Leserinnen und Leser eine eigene Meinung bilden k√∂nnen? Mal abgesehen davon, dass es in beiden verlinkten Informationen gar nicht „direkt“ um die streikenden MM-Redakteure selbst ging und ich im ARD-Interview sogar die Verlegerseite ordentlich kritisiert habe?

Oder darf-¬† nicht Meinung sein, was nicht der Meinung der streikenden MM-Redakteure entspricht? Oder d√ľrfen die keine Stimme haben, die man nicht leiden kann? Ist es das, was diese Redakteure mit „wir streiken f√ľr unsere Leser“ meinen? Unter Transparenz, Meinungsvielfalt? Unter „Kritik“ und streitbarem Journalismus?

MM-Streiker vs. Tagblatt-Streiker

Ganz anders der Umgang bei den Streikenden vom „Schw√§bischen Tagblatt“. Die verlinken von sich aus auf den ARD-Beitrag, allerdings mit einer fehlerhaften Information und nennen mit einen „bloggenden Ex-Redakteur“. Ich korrigiere das h√∂flich und verlinke ebenfalls zwei Texte, die aus Sicht der Zeitungsredakteure sicher nicht „angenehm“ sind.

Die Reaktion ist anständig: Der Kommentar wird frei geschaltet, der Fehler korrigiert. Auch wenn ich nicht weiß, wie die Berichterstattungsqualität des Schwäbischen Tagblatts ist, habe ich zumindest durch diese Verhalten einen positiven Eindruck gewonnen. Das ist das einzig zu erwartende Verhalten.

Die Streikenden beim Schwäbischen Tagblatt haben Kritik zugelassen.

Immerhin: Man k√∂nnte auch annehmen, dass vielleicht nur die MM-Streikenden f√ľr die „L√∂sch-Aktion“ verantwortlich sind, die die Facebook-Seite betreuen. Aber das w√§re nur eine billige Ausrede f√ľr die Gesamt-Bagage.

Wer einen Funken Ehre im Leib hat, was ich bei vielen nicht vermute, m√ľsste sofort auf diese Aktion reagieren und sein Missfallen ausdr√ľcken. Das aber ist doch mehr als unwahrscheinlich. (Ich bin fast sicher, dass sich niemand f√ľr diese „L√∂sch“-Aktion entschuldigt oder sie kritisiert.)

Leider haben die MM-Redakteure im Ausstand noch nicht verstanden, dass sie l√§ngst nicht mehr alleine „Meinungen bilden“, also nicht mehr bestimmen k√∂nnen, √ľber wen und was sie wie informieren oder was sie lieber „unterdr√ľckt“ sehen wollen.

Das Internet macht die Welt transparenter. Und zeigt, wie dumm oder hilflos manche Journalisten, die eigentlich daran mitwirken sollten, reagieren.

Absurd wird es, wenn dieser Haufen das Wort „Qualit√§tsjournalismus“ f√ľhrt. Sie stehen weder f√ľr Qualit√§t noch Journalismus noch f√ľr die Kombination aus beidem.

Ich unterst√ľtze die Forderungen der Verleger kein bisschen – aber im Fall der MM-Streikenden w√§re ich sogar mit der ein oder anderen fristlosen K√ľndigung vollkommen einverstanden.

Es wäre sicher kein allzu großer Verlust.

Denn die MM-Redakteure fordern Solidarität, die sie selbst nicht bereit sind zu geben. Dieser Kommentar wartet immer noch auf Freischaltung.

Solidarität mit dem journalistischen Prekariat, den "Freien"? Nicht bei den streikenden MM-Redakteuren.

P.S.
Das Internet l√§sst sich nicht so einfach kontrollieren, „verehrte Kollegen“, wie ihr das denkt. Und das ist gut so. Schlecht ist: Das habt ihr leider noch nicht verstanden und vermutlich werdet ihr das auch nicht verstehen.

Licht f√ľr Ladenburg: Stadtr√§tin Ruster macht den „Dunkel“-Selbstversuch


Licht f√ľr Ladenburg - in wkw bereits mit 217 Gruppenmitgliedern. Auch auf Facebook wird die Aktion diskutiert.

Guten Tag!

Ladenburg, 19. Juli 2011. (red) Viele Ladenburgerinnen und Ladenburger sind mit der „Licht-aus-Sparpolitik“ der Stadt nicht einverstanden. Sie diskutieren heftig auf den Plattformen „wer-kennt-wen“ und Facebook √ľber ihren √Ąrger und wollen, dass die Stadt nachts wieder beleuchtet wird. Nun macht sich die stellvertretende B√ľrgermeisterin und Stadtr√§tin Gudrun Ruster selbst ein Bild: Nachts um 01:45 Uhr wird sie vom „L√∂wen“ aus die dunkle Altstadt erkunden.

Von Hardy Prothmann

Gudrun Ruster (Freie Wähler) war wie Ingrid Dreier (GLL) gegen den Beschluss, versuchsweise nachts zwischen zwei und vier Uhr die Straßenbeleuchtung abzuschalten.

Der Grund f√ľr die Ma√ünahme: Die Stadt will damit bis Jahresende rund 13.000 Euro einsparen. Der Haushalt der Stadt Ladenburg ist extrem belastet, die Schulden dr√ľcken und selbst „Kleckerles“ soll helfen, die finanzielle Situation zu verbessern.

„Meine Meinung ist, dass Beleuchtung da sein muss, f√ľr Sp√§theimkehrer, junge Leute oder Frauen, die vielleicht jemanden zum Flughafen fahren oder sp√§t aus der Schicht kommen oder fr√ľh zur Arbeit gehen“, sagt Gudrun Ruster.

Am kommenden Freitag, 22. Juli 2011, will sie sich mit einer Kundin selbst ein Bild von der Situation machen: „Wir treffen uns vorm L√∂wen und laufen die Altstadt ab, vor allem die S√ľdstadt und die Weiherg√§rten“, sagt die Gesch√§ftsfrau. „Ich will einfach pers√∂nlich wissen, wie das ist, ob Gesch√§fte noch beleuchtet sind und ob man sicheren Weges unterwegs sein kann oder ob Stolperfallen drohen.“

Mittlerweile hat Frau Ruster auch erfahren, dass die Aktion in Facebook und Wer-kennt-wen gelandet ist und ein Aufruf gemacht wurde, mitzulaufen: „Das habe ich geh√∂rt, wei√ü das aber nicht aus eigener Erfahrung, da diese Sachen nichts f√ľr mich sind. Ich bin da nicht drin. Ich habe auch keinen Aufruf gestartet und wei√ü nicht, wie viele Leute da erscheinen werden.“

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Bei der wkw-Gruppe „LICHT F√úR LADENBURG!!!“ sind schon 217 Mitglieder eingetragen. Dort wird eifrig diskutiert – auch √ľber eine Unterschriftenliste „Licht an“. Au√üerdem werden auf wkw und Facebook Nutzer animiert, mitzulaufen.

Es gibt auch eine Umfrage, ob die Aktion gut ist oder nicht. Zehn haben mit „Ja“ gestimmt, vier mit „Nein“. Die elfte Stimme ist von uns, weil wir das Ergebnis sehen wollen ūüėČ

Skandal oder Service? Facebook schaltet automatische Gesichtserkennung frei

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Rhein-Neckar, 09. Juni 2011 (red) Facebook geistert als Datenschutz-Problemfall mal wieder durch die Presse. Nicht ganz zu unrecht, aber wie so h√§ufig endlos √ľbertrieben. Was in keiner Zeitungsmeldung steht: Facebook wird von Zeitungen als Bedrohung wahrgenommen – zu recht. Das gr√∂√üte soziale Netzwerk der Welt w√§chst rasant, w√§hrend Zeitungsauflagen schrumpfen. Aktuell wird die automatische Gesichtererkennung kritisiert – Sie erfahren von uns, ob diese problematisch ist und wie Sie diese abschalten k√∂nnen.

Von Hardy Prothmann

Die S√ľddeutsche Zeitung schreibt:
„Facebook setzt Software zum Gesichtsscan ein, um Freunde auf Fotos einfacher zu identifizieren. Das weckt viele √Ąngste… Gesichtserkennung: Kein Wort verst√∂rt Internetnutzer mehr, h√∂rt sich so sehr nach der Komplett√ľberwachung und Demaskierung an.“

Unbelegte Gefahren

Einen Beleg bleibt die Zeitung schuldig. Welche √Ąngste? Bei wem? Vor was? Warum?

Facebook-Nutzer stellen bestimmt keine Bilder in das Netzwerk ein, damit diese nicht gesehen werden. Facebook hei√üt auf deutsch „Gesichtsbuch“ – die Funktion der Gesichtserkennung ist also eher eine folgerichtige Erweiterung der Software.

Die Gesichtsmarkierung ist nicht neu

Schon in der Vergangenheit konnte man auf Fotos Personen markieren und Facebook-Namen zuweisen. Die neue Funktion erm√∂glicht nun eine „automatische“ Zuordnung.

Das kann man nun als Skandal verstehen oder einfach als Service, der in jedem guten Fotoverwaltungsprogramm enthalten ist. Ganz sicher ist es √§rgerlich, dass Facebook diese Funktion einfach eingeschaltet hat ohne die Nutzer zu fragen. Man k√∂nnte sich in der autonomen Verwaltung gest√∂rt f√ľhlen oder aber auch sagen: Hey, netter Service.

Ganz so „unerwartet“ macht Facebook das aber nicht. Die neue Funktion wurde bereits im Dezember 2010 angek√ľndigt. Und ganz so automatisch ist der Ablauf auch nicht – die Sofware „scant“ die Bilder. Findet sie Gesichter, die auf anderen Bildern schon mit einem Namen versehen worden sind, macht Facebook einen Vorschlag, eine Markierung vorzunehmen.

Achten Sie auf Ihre Informationen

Und hier sollten grunds√§tzliche √úberlegungen anfangen, ob die Nutzer das wollen oder nicht. Insbesondere bei Kindern sollten die Eltern darauf achten, dass diese nicht „zu viele“ Informationen preisgeben oder „problematische Bilder“ einstellen.

Erwachsene selbst sind gut beraten, dass sie nur ver√∂ffentlichen, was sie auch vertreten k√∂nnen. Privatpersonen sind gut beraten, wenn sie Kontaktdaten nicht zug√§nglich machen – auch nicht Freunden. Die haben in aller Regel email, Adresse und Telefonnummer. Wenn nicht, k√∂nnen diese Daten per email schnell nachgefragt werden. Dann wei√ü man aber, wer sich daf√ľr interessiert und stellt sie nicht einfach so „√∂ffentlich“.

Klick-klick-klich: Abgeschaltet

Wer die Funktion abschalten will gelangt √ľber „Konto-Privatsph√§ren-Einstellungen“ zum Men√ľ und w√§hlt hier (etwa in der Mitte des Bildschirms) „Benutzerdefinierte Einstellungen“. Im weiten Teil des Folgemen√ľs sehen Sie „Dinge, die andere Personen teilen“ und dort die Option „Freunden Fotos von mir vorschlagen“. W√§hlen Sie hier „Einstellungen“ und sperren Sie die Funktion.

Mit ein paar Klicks ist die Gesichtererkennung gesperrt. Quelle: Facebook

Ansonsten sollten Sie lieber auf Termine achten, die von der Presse fotografiert werden. Denn die in der Zeitung oder im Fernsehen ver√∂ffentlichten Fotos sind nicht nur f√ľr „Freunde“ sichtbar, sondern je nach Auflage und Reichweite f√ľr hunderttausende oder Millionen von Menschen.

Hier haben Sie aber keine „Sperrfunktion“ und keinerlei Kontrolle. √úber diese Gefahren berichten die Zeitungen und Fernsehstationen aber nicht.

Stellen Sie sich vor: Sie werden mit ihrer Liebschaft fotografiert – als Teil einer Gruppe, was presserechtlich erlaubt ist, f√ľr Sie aber im Zweifel f√ľr viel √Ąrger sorgt. Oder Sie sitzen mit dem n√§chten Chef von der Konkurrenz an einem Tisch, um √ľber einen Arbeitswechsel zu sprechen. Oder Sie sind krank gemeldet, gehen f√ľr einen „Kuchen“ auf ein Fest, ihr Chef erkennt sie und feuert sie. Das sind Gefahren, die tats√§chlich existieren.

Im Gegensatz zu Zeitungsberichten √ľber die Facebook-Gesichtererkennung haben wir damit die Fragen beantwortet: Welche √Ąngste? Bei wem? Vor was? Warum?

Der Teufel Facebook

Aus Sicht von Zeitungsverlagen ist die Aufmerksamkeitsmaschine Facebook des Teufels – je mehr Zeit Menschen hier verbringen und sich nicht nur unterhalten, sondern auch informieren (lassen), umso weniger brauchen sie die Zeitung. Allein aus diesem Grund m√ľssen Facebook und andere Dienste „schlecht geredet“ werden. Sie glauben nicht, dass die Zeitungensmacher so denken? Dann suchen Sie mal in n√§chster Zeit Artikel, die beschreiben, was an Facebook & Co. toll und n√ľtzlich ist und warum Sie sich unbedingt mit Facebook besch√§ftigen sollten. Sie werden solche Artikel nicht finden.

√úbrigens: Ich habe die Funktion abgeschaltet. Nicht aus Angst. Sondern aus Prinzip. Ich schalte prinzipiell alle Funktionen ab, die ich nicht brauche oder √ľber die ich noch keine rechte Meinung habe. Und ich gebe nur die Informationen frei, die ich freigeben will. Im Zweifel schalte ich die Freigabe ab.

Das ist wie Autofahren Рauch hier sollte man die grundsätzlichen Funktionen kennen und bedienen können. Sonst lässt man das Auto lieber stehen.

Verkehrsberuhigung: Eine Fußgängerzone wird es nicht geben.


Ladenburg, 17. Mai 2011. Soviel Andrang ist selten im Gemeinderat. Rund 180 B√ľrgerinnen und B√ľrger kamen zur Sondersitzung des Gemeinderats am gestrigen Abend. Zweieinhalb Stunden dauerte die Vorstellung m√∂glicher L√∂sungen, die Debatte und die Anh√∂rung der G√§ste. Am Ende stand kein verbindliches Ergebnis. Nur soviel ist klar: Eine Fu√üg√§ngerzone wird es nicht geben.

Von Hardy Prothmann

W√ľrde man nach einem Applausometer entscheiden, w√§re alles ganz einfach: „Lossen mer doch √§fach alles, wie es is. Bald 35 Johr werd schun diskutiert. Frieher war’s schlimm mit dem Verkehr. Heit hot sich des doch vun selbschd geregelt“, sagte ein √§lterer Herr. Der spontanste und lauteste Applaus des Abends geh√∂rte ihm.

Doch so einfach wird das nicht werden. Eben weil schon so lange diskutiert wird. Und weil die SPD, allen voran Stadtrat Gerhard Kleinb√∂ck (der auch Landtagsabgeordneter ist) das Thema bereits zur Kommunalwahl 2009 und zur Landtagswahl im M√§rz hoch aufgeh√§ngt haben. Und weil die Verwaltung viel Arbeit mit L√∂sungsvorschl√§gen hatte. Und weil der Bund der Selbst√§ndigen sich um „Schadensbegrenzung“ aus seiner Sicht bem√ľht hat. Und weil die Einsicht, dass „es sisch vun selbschd geregelt hot“ vielleicht richtig ist, aber leider ein Manko hat: Es fehlt scheinbar eine Entscheidung.

Volles Haus: Rund 180 B√ľrgerinnen und B√ľrger kamen zur Sondersitzung des Gemeinderats mit dem Thema Verkehrsberuhigung

Die SPD wird unbedingt eine Entscheidung wollen, die irgendeine Ver√§nderung bringt – Hauptsache irgendwas wird entschieden und ver√§ndert und damit vermeintlich das Gesicht gewahrt. Die Gesch√§ftsleute hoffen, dass eine Ver√§nderung nicht √ľber ihr Schicksal entscheidet. Und viele Anwesende hoffen, dass eien Entscheidung nicht das mit sich bringt, was eigentlich keiner will: Die Altstadt als Museum.

B√ľrgermeister Rainer Ziegler hat sich als guter Demokrat gezeigt und die Sitzung mit dem enormen Auditorium souver√§n moderiert. Aber er ist auch SPD-Mitglied und ganz sicher erwarten die Genossen von ihm eine Unterst√ľtzung ihres Anliegens: Es muss sich aus deren Sicht etwas √§ndern. Die SPD hat sich so sehr darauf versteift, dass sie irgendeine √Ąnderung f√ľr ihr Selbstbewusstsein braucht. Dass die Partei landauf, landab mit dieser sturen Haltung keine Punkte macht, ist in der Ladenburger SPD auch noch nicht verstanden worden.

Die Einsicht zur Aussicht fehlt bei manchen.

Leider ist es immer falsch, Entscheidungen zu treffen, blo√ü, weil man sich auf etwas versteift hat. Noch falscher ist es, ein Thema, mit dem man im Wahlkampf Punkten wollte weiterzutreiben. Vor allem, wenn man z√§hlen kann und feststellt, dass man schon wieder deutlich Stimmen verloren hat. Eine gewisse Einsicht w√ľrde hier zu mehr Aussicht verhelfen.

Fest steht: Es gibt viele unterschiedliche Interessen. Die Anwohner wollen mehr Ruhe. Die Eltern mehr Sicherheit f√ľr die Kinder. Der Heimatbund weniger Tische auf dem Marktplatz. Die Spazierg√§nger keine Autos. Die Autofahrer mehr Parkpl√§tze. Die Gewerbetreibenden und Gastronomen keine Einschr√§nkungen f√ľr die Kunden und G√§ste. Der B√ľrgermeister keinen Streit. Die Parteien ihre Profilierung.

Und keiner will ein „Museum“ und keiner eine „tote“ Innenstadt – aber irgendeinen Tod muss man sterben, wenn so viele widerstreitende Positionen aufeinanderprallen.

Umfangreiche Debatte: Das Thema Verkehrsberuhigung erregt die Gem√ľter und forderte B√ľrgermeister Ziegler.

Fakten, Fakten, Fakten.

Zu den Fakten: Die Polizei z√§hlte im Jahr 2010 vierzehn Unf√§lle, davon acht Fahrerfluchten, also Besch√§digungen von ruhendem Verkehr. Der stellvertrende Revierleiter Steffen Hildebrand sieht statistisch deswegen keinen Handlungsbedarf, sondern betont, wie „sicher“ es zugeht. Eltern, die „mehrmals t√§glich beinahe-Unf√§lle“ subjektiv erkennen, wird das nicht √ľberzeugen.

Die Stadt hat eine aktuelle Verkehrsz√§hlung durchgef√ľhrt. Wurden 1995 in der Hauptstra√üe West an einem Tag 2.600 Pkw gez√§hlt, sind es aktuell zwischen 1.700 und 1.800. In der Hauptstra√üe Ost waren es 1995 1.800, aktuell zwischen 1.100 und 1.200 Fahrzeuge. Der R√ľckgang ist √ľberdeutlich. Und das, obwohl es viel mehr Fahrzeuge pro Einwohner gibt. Auch in der Kirchenstra√üe sind es zwischen 400 und 460 – gegen√ľber 800 im Jahr 1995.

Und es sind viele Fahrr√§der unterwegs: Im Westteil der Hauptstra√üe √ľber 1.000, im Ostteil rund 500, in der Kirchenstra√üe rund 600 in 24 Stunden. Doch auch das st√∂rte einen B√ľrger, der „Fahrr√§der“ als gef√§hrlichstes Fahrzeug ausmachte, weil man die nicht h√∂rt.

W√§hrend manche monierten, die Rollator-Rentner k√∂nnten wie M√ľtter mit Kinderwagen nur unter Dauergefahr in die Innenstadt, sagten andere Rentner, dass sie wegen Gehproblemen mit dem Auto in die Innenstadt fahren – aber nie einen Parkplatz finden. Doch der ruhende Verkehr sollte nicht Teil der Debatte sein, was andere wieder als nicht zul√§ssig betrachteten.

Was f√ľr ein Zirkus k√∂nnte man meinen. Tats√§chlich geht es um Meinungen und die darf man haben – egal, ob sie klug oder dumm sind. Und es ist Teil unserer Demokratie, dass das Grundgesetz diese Meinungsfreiheit garantiert.

Was bleibt also √ľbrig von dieser Sondersitzung des Gemeinderats unter einer wirklich sehr hohen B√ľrgerbeteiligung? Das Schlusswort des B√ľrgermeisters, der sich bei allen f√ľr die Teilnahme bedankte, aber darauf verwies, „dass der Gemeinderat sich ein Meinungsbild verschafft hat, was aber sicher nicht repr√§sentativ ist, aber nach einer Beratung zeitnah entscheiden wird“.

Entscheidungsfindung.

Und der B√ľrgermeister hat recht. Eine Versammlung von B√ľrgerinnen und B√ľrgern allein ist noch nicht repr√§sentativ. Aber es waren 180 B√ľrgerinnen und B√ľrger, die aus eigenem Antrieb den Montagabend im Rathaus verbracht und ihre Sicht der Dinge vorgetragen haben. Darunter waren auch viele Gesch√§ftsleute. Und jeder, der etwas vorzutragen hatte, h√§tte kommen k√∂nnen.

Und anhand der Stimmung lie√ü sich bestens ablesen, dass eine Fu√üg√§ngerzone nur von einer Minderheit gew√ľnscht wird. Und dass der Vorschlag eines BdS-Regionalverbandvertreters, doch vielleicht Bodenschweller anzubringen, nur Gel√§chter hervorgerufen hat. Der Mann wirkte insgesamt deplaziert.

Der Bund der Selbst√§ndigen hat sich kompromissbereit gezeigt und erweiterte Zufahrtssperrungen am Wochenende nicht begr√ľ√üt, aber als M√∂glichkeit der Verkehrsberuhigung als noch aktzeptabel signalisiert – auch wenn die Gastronomen davon mehr betroffen sind, als der Handel.

Auch eine „unechte Einbahnstra√üe“, also Stra√üen, in die man nur aus einer Richtung einbiegen darf, aber die in beide Richtungen befahrbar sind, k√∂nnte man akzeptieren – wenn es nicht anders geht.

Damit schlie√üt sich wieder der Kreis: „Des hot sisch doch vun selbschd geregelt“, steht da wieder im Raum.

Die R√ľcksichtslosigkeit mancher Autofahrer wurde oft kritisiert – aber die l√§sst sich nicht √ľber Schilder regeln. Auch nicht √ľber eine oft geforderte verst√§rkte √úberwachung. Daf√ľr aber mit Aufkl√§rung. Erstaunlich ist, dass die vehementen „Verkehrsberuhiger“ den Einsatz von BdS und Stadt mit keinem Wort gew√ľrdigt haben – kein Lob f√ľr die Anstrengungen. Kein Einverst√§ndnis, dass es wirklich nur verschwindend geringe Unfallzahlen gibt. Kein Verst√§ndnis f√ľr die N√∂te der Kaufleute und Dienstleister, die immerhin f√ľr Arbeit sorgen, die die „sch√∂nen Schaufenster“ anbieten, die Leben in die Stadt ziehen.

Der √§ltere Herr, den ich am Anfang zitiert habe, erz√§hlte dazu folgende Beobachtung: „Wann isch meine Freunde von au√üerhalb Ladeberg zeige, dann h√§nn die misch schun oft gefrogt: Seid wann hebt ihr denn die Fu√üg√§ngerzone? Die denke des wirklisch, weil so wenisch los is. Wann isch Leut treffe will, geh ich zum Parkplatz an der Wallst√§dter Stro√ü – do ist viel los. Wann des hier so weitergeht, ist die Altstadt bald ganz tot.“

Anmerkung:
Wir haben die Sitzung live mitprotokolliert.
Sie können das bei Facebook oder bei Twitter nachlesen.

Unsere Facebook-Seite

Unsere Twitter-Seite

168 Stunden online? – Jugendliche im Internet


Screenshot von YouTube

Screenshot von YouTube

Guten Tag!

Rhein-Neckar, 12. M√§rz 2011. Facebook, Skype, SchuelerVZ – Jugendliche bew√§ltigen einen Gro√üteil ihrer „sozialen Kontakte“ √ľber diese Internet-Dienste. Aber wie sieht das typische Verhalten von Jugendlichen im Internet eigentlich genau aus? Unser Praktikant Paul Maa√ü hat das f√ľr uns dokumentiert. Eine Woche lang – 168 Stunden. Insbesondere Eltern d√ľrften sehr daran interessiert sein, was ihre „Kids“ im Netz so „anstellen“. [Weiterlesen…]

Dokumentation: Streit um Twitter & co – oder die Angst vor der Transparenz und Meinungsfreiheit

Guten Tag!

Heddesheim/Rhein-Neckar, 25. Februar 2011. Der Heddesheimer B√ľrgermeister Michael Kessler, die CDU, die SPD und die FDP haben ein Problem mit dem „Verhalten“ des partei- und fraktionsfreien Gemeinderats Hardy Prothmann. Der Vorwurf: Durch „Twittern“ missachte GR Prothmann den Rat. Der Streit um Twitter & co ist nicht auf Heddesheim begrenzt.

In Heddesheim wurde der partei- und fraktionsfreie Gemeinderat Hardy Prothmann in der Gemeinderatssitzung vom 24. Februar 2011 per Mehrheitsbeschluss von B√ľrgermeister Michael Kessler sowie den CDU-, SPD- und FDP-Fraktionen aus der Sitzung ausgeschlossen und vom B√ľrgermeister des Saales verwiesen.

Der erste genannte Grund: Der Gemeinderat Prothmann habe getwittert und damit den Rat angeblich missachtet. Der zweite genannte Grund: Der Gemeinderat Prothmann habe angeblich den B√ľrgermeister beleidigt.

Gemeinderat Prothmann verwahrte sich gegen beide Unterstellungen und hat noch am selben Abend Beschwerde beim Kommunalrechtsamt eingereicht. Die Beschwerde, weitere Dokumentationen und Berichte zum Thema lesen Sie auf dem heddesheimblog.de.

In Augsburg gab es Ende 2009 Zoff ums Twittern. Erst im Sommer 2010 wurde es wieder erlaubt. Quelle: Augsburger Allgemeine

Der „Streit“ um den „Anstand“ zwischen konservativen B√ľrgermeistern, ihren jeweiligen „Rats-Mehrheiten“ und progressiven Gemeinder√§ten wird landauf, landab gef√ľhrt. Im Kern geht es um die Kontrolle der „Deutungshoheit“. Einzelne Gemeinder√§te oder kleine Fraktionen sollen sich der „Mehrheit“ unterordnen. Meinungsfreiheit ist dabei eher ein gering geachtetes Gut.

Wutentbrannte Reaktion

Am 18. Dezember 2009 berichtet beispielsweise die Augsburger Allgemeine Zeitung unter der √úberschrift: „Debatte um Kommunikationsdienst – √Ąrger um Twitter-Nachrichten aus dem Augsburger Stadtrat“ √ľber den damals 26-j√§hrigen Stadtrat Christian Moravcik (Gr√ľne). Moravcik hatte getwittert und andere Stadtr√§te f√ľhlten sich dadurch angeblich „gest√∂rt“.

Lange Zeit allerdings nicht – es war laut Bericht „seit Monaten bekannt“, dass der junge Mann den Internet-Dienst nutzt. Doch bei einer Sitzung verfolgte eine CSU-Stadtr√§tin am Notebook, was der „Kollege“ denn da so an Nachrichten verbreitet.

Eine Bemerkung √ľber den CSU-Fraktionschef f√ľhrte zum Eklat. Die Augsburger Allgemeine, ebenfalls eher eine konservative Zeitung, berichtete: „Kr√§nzle reagierte wutentbrannt.“

Es folgten monatelange Diskussionen um ein Verbot und schlie√ülich eine „Selbstverpflichtung“, wie Twitter zu benutzen sei. Die Augsburger Allgemeine berichtet am 24. August 2010: „Augsburger Stadtrat: Twittern wieder erlaubt.

Die Th√ľringische „Goethe- und Universit√§tsstadt“ Ilemnau (rund 26.000 Einwohner) ist da weiter. Sie achtet die Meinungfreiheit.

Hier ist Twittern sogar ins Ortsrecht aufgenommen worden.

In Ilmenau ist Twittern per Ortsrecht erlaubt

In der „Gesch√§ftsordnung f√ľr den Stadtrat und die Aussch√ľsse sowie die Ortsteilr√§te der Stadt Ilmenau vom 5. November 2009“ hei√üt es unter Paragraf 3 „√Ėffentlichkeit der Sitzungen“:

„(5) Tonbandaufzeichnungen sowie Filmaufnahmen durch Dritte sind nur mit einstimmiger
Zustimmung des Stadtrates zul√§ssig. Die Zustimmung gilt als erteilt f√ľr Fotoaufnahmen,
wenn sie durch Journalisten vom Presseplatz aus erfolgen.
(6) Elektronische Informationen aus der öffentlichen Sitzung (z. B. Twittern) heraus sind
erlaubt. Dies gilt nicht f√ľr die nicht√∂ffentliche Sitzung. Nur derjenige, der die elektronische
Information in das Internet eingibt, ist f√ľr die Rechtsfolgen der Verbreitung der
elektronischen Kurzinformation verantwortlich.“

Dort darf also die Presse sogar vom Platz aus fotografieren und bei Zustimmung des Stadtrates sogar filmen oder Tonbandaufnahmen machen.

In Weinheim ist die CDU Vorreiter

Im Weinheimer Gemeinderat gibt es ebenfalls Stadträte, die sich sozialer Netzwerke bedienen, darunter mindestens ein Stadtrat der CDU.

Die St√§dte Ladenburg und Weinheim sowie die Gemeinde Hirschberg, √ľber die unsere Redaktion auch berichtet, sind dar√ľber informiert, dass wir vom Pressetisch aus w√§hrend der Sitzung twittern, Eintr√§ge bei Facebook vornehmen und sogar aus der Sitzung heraus nach Beschlussfassung Artikel sofort ver√∂ffentlichen.

Die Gemeinder√§te und B√ľrgermeister dieser Kommunen haben nichts dagegen einzuwenden und verhalten sich in dieser Hinsicht vorbildlich in bezug auf Meinungsfreiheit und Transparenz.

Verboten sind dort wie in vielen Gemeinder√§te Ton-, Film- und Fotoaufnahmen, au√üer, sie werden ausdr√ľcklich gebilligt.

In Heddesheim l√§sst der B√ľrgermeister „observieren“

In Heddesheim hingegen r√ľgte der B√ľrgermeister Michael Kessler den partei- und fraktionsfreien Gemeinderat Hardy Prothmann zum wiederholten Male, „Twittern“ sei eine Missachtung des Gemeinderats.

Hier hat Hardy Prothmann einen von "kooptech" Tweet "retweetet", was man am vorgestellten RT erkennt. "kooptech" ist die renommierte IT-Journalistin Christiane Schulzi-Haddouti. Quelle: twitter.com

Der B√ľrgermeister Kessler l√§sst dazu die Twitter-Aktivit√§t des Gemeindrats Prothmann w√§hrend der Sitzung durch Gemeindebeamte beobachten. Die Arbeitsanweisung scheint klar zu sein. Sobald eine Nachricht auftaucht, in die man aus Sicht der Verwaltung eine „Missachtung“ hineininterpretieren kann, unterbricht der B√ľrgermeister die Sitzung, um eine „Stellungnahme“ vorzunehmen.

Die Frage, inwieweit es sich um eine Missachtung des Gemeinderats durch die Verwaltungsmitarbeiter und den B√ľrgermeisters handelt, wenn diese w√§hrend der Sitzung im Internet Twittermeldungen lesen, ist in der Sitzung vom 24. Febraur 2011 nicht gekl√§rt worden.

Angst vor „Kontrollverlust“

Der Hintergrund f√ľr Auseinandersetzungen in Augsburg, Heddesheim oder anderswo ist sicherlich mit der Angst vor „Kontrollverlust“ zu begr√ľnden.

Obwohl es sich um √∂ffentliche Gemeinderatssitzungen handelt, war man es lange gewohnt, dass sich die Fraktionen und Verwaltungen im Vorfeld der Sitzungen absprechen. Man kann das auch „Hinterzimmerdemokratie“ nennen oder „Gemauschel“ oder wie auch immer.

Die wenigen B√ľrger, die bei solchen Sitzungen anwesend sind, erhalten keine Hintergrundinformationen, erleben keine tats√§chliche Debatte. Die „√Ėffentlichkeit“ wird im Nachgang h√§ufig √ľber Monopolzeitungen informiert. Politikverdrossenheit ist da vorprogrammiert.

Eigene Meinungen und Sichtweisen und eine zeitnahe Verbreitung (ver-)st√∂ren da viele „Traditionalisten“, die sich weder einer kritischen √Ėffentlichkeit und schon gar nicht kritischen Gemeinderatsmitgliedern, die alle demokratisch gew√§hlt wurden, stellen wollen.

Einen sch√∂nen Tag w√ľnscht
Das heddesheimblog

Anmerkung der Reaktion:
Hardy Prothmann ist verantwortlich f√ľr das heddesheimblog und ehrenamtlicher, partei- und fraktionsfreier Gemeinderat in Heddesheim.

„Gegen das Vergessen“ hei√üt auch hinschauen


Guten Tag!

Ladenburg, 29. Januar 2011. Siebenundrei√üig Stolpersteine sind verlegt. Als Mahnung, als Erinnerung an die grausame, menschenverachtende Zeit des deutschen Nationalsozialismus, der Millionen Menschen den Tod und den Deutschen Schande gebracht hat. Die Brosch√ľre ‚ÄěSpuren j√ľdischen Lebens in Ladenburg – Ein Rundgang‚Äú ist ein zus√§tzliches Dokument, das die Erinnerung an diese f√ľrchterliche Zeit wachh√§lt. Man will nicht vergessen. Das ist gut so. Man muss sich aber auch der Realit√§t stellen. Das ist besser.

Von Hardy Prothmann

Am 16. November 2010 ist hier auf dem ladenburgblog der Text „Hitlerbart und Nazi-Symbole – wie sich ein Teil der CBG-Jugend im Internet auslebt“ erschienen. Dieser Text hat enorme Aufmerksamkeit gefunden und viel Kritik ausgel√∂st – gegen den Text und gegen mich als Verfasser.

Ich habe allerdings auch sehr viel Zuspruch erfahren. Wie auch immer – bis heute gibt es keine Reaktion von „offizieller Seite“ und das ist mehr als bedauerlich.

Vor allem vor dem Hintergrund des 66. Jahrestags zur Befreiung von Auschwitz und einem offiziellen Festakt, an dem auch das B√ľndnis „Wir gegen Rechts„, der B√ľrgermeister und andere Honoratioren sowie rund 80 B√ľrgerinnen und B√ľrger der Stadt teilgenommen haben.

stolpersteine-05

Der 37. Stolperstein f√ľr Lilli Frankenthal - 1942 in Auschwitz ermordet.

Deswegen nehme ich aus „aktuellem Anlass“ das Thema nochmals auf – wer sich mit Ladenburg, Geschichte, Journalismus, lokalen Medien, meiner Person und dem Thema auseinandersetzen m√∂chte, wird sicherlich an den folgenden Informationen interessiert sein.

„Meine“ Geschichte mit der deutschen Geschichte

Ich bin 1966, also 21 Jahre nach dem Ende des „Dritten Reichs“ geboren.

Im Alter von vierzehn Jahren, also 1980, habe ich das erste Mal vom wirklichen Ausma√ü der nationalsozialistischen Diktatur im Sozialkundeunterricht erfahren. In den folgenden Jahren lernte ich alles, was wir dar√ľber lernen mussten.

Aber irgendwann kamen mir Hitler und das Dritte Reich zu den Ohren raus. Nicht nur einmal habe ich gedacht: „Nicht schon wieder.“ Aber der Lehrplan war gnadenlos.

Vor allem die Schuldfrage quälte mich. Was hatte ich damit zu tun? Ich war und bin nicht schuld an dem, was passiert ist. Zu keiner Zeit meines Lebens. Auch meine Eltern, 1944 und 1947 geboren, sind frei von jeglicher persönlicher Schuld.

Ich finde alles, was damals passiert ist, grausam, verachtenswert, ersch√ľtternd.

„Witzfigur“ Hitler?

Und es f√§llt mir pers√∂nlich bis heute schwer zu glauben, dass Adolf Hitler, diese „Witzfigur“, dieser kleine, h√§ssliche Mann mit seinem bl√∂den Bart und seiner √§tzenden Stimme solch ein Ver“f√ľhrer“ gewesen sein soll. Irgendetwas „Komisches“ kann ich an diesem Verbrecher bis heute nicht erkennen.

Und ich wusste, Hitler alleine kann nicht f√ľr alles verantwortlich sein. Auch nicht ein paar mehr oder viele mehr. Es waren sehr, sehr viele Deutsche an den Verbrechen beteiligt.

Adolf Hitler, 1933. Quelle: Bundesarchiv, Bild 146-1990-048-29A / CC-BY-SA

Nach der Schule habe ich Germanistik, Politische Wissenschaften und Philosophie in Mannheim studiert. Und nach und nach verstanden, warum wir Sch√ľler mit dem Thema so „verfolgt“ worden sind. Denn der Geist des Nationalsozialismus, des Antisemitismus, der Fremdenfeindlichkeit war und ist unter uns.

Auch in anderen Ländern dieser Welt. Das schmälert aber in keiner Weise die historische Schuld, die die Bundesrepublik Deutschland zu tragen hat. Das Dritte Reich ist ein Erbe, das man nicht verweigern kann.

Schuldfrage

Wer wie ich als junger Mann denkt: „Was hab ich damit zu tun?“, dem muss man ehrlich antworten: „Ersteinmal nichts.“

Und dann muss man aufkl√§ren, warum man doch „auch schuldlos“ eine historische Verantwortung tr√§gt, sich zu dieser bekennen sollte und f√ľr sich und die Zukunft daf√ľr sorgt, dass dieser Geist, der damals herrschte, keinen Platz mehr in Deutschland haben sollte.

Sicher: Vergessen und vergeben ist gut, kann aber genauso sch√§dlich sein. Vor allem dann, wenn man wegschaut. Und vor allem dann, wenn man wegschaut und unt√§tig bleibt, obwohl man es besser wissen k√∂nnte oder andere es besser wissen k√∂nnten und einen nicht dar√ľber informieren, was passiert. Angeblich wussten ja auch angeblich viele Deutsche damals nicht, was vor sich ging.

Damals ist damals gewesen, kann man argumentieren. Doch damals reicht bis in die Gegenwart.

Schattige Vorbilder der Vergangenheit

Der 1913 in Mannheim geborene und 2007 verstorbene und bis heute von vielen geachtete fr√ľhere baden-w√ľrttembergische Ministerpr√§sident Hans Filbinger (CDU) war ein NSDAP-Mitglied und hat mit der Haltung: „Was damals rechtens war, kann heute nicht Unrecht sein‚Äú, von ihm als Nazi-Richter erlassene Todesurteile verteidigt und sich durch eine sture und intolerante Haltung bis zu seinem Lebensende „ausgezeichnet“.

Und er hat lange in der Politik gewirkt, Posten besetzt, Politik und Menschen geprägt.

Auch den ehemaligen Ministerpr√§sidenten G√ľnther Oettinger (CDU), der die Rolle Filbingers in einer Trauerrede anl√§sslich dessen Todes verkl√§rte. Die „Oettinger-Aff√§re“ h√§tte fast zum R√ľcktritt Oettingers gef√ľhrt. Oettinger nahm seine √Ąu√üerung zur√ľck, woraufhin der Zentralrat der Juden in Deutschland die R√ľcktrittsforderung nicht weiter betrieben hat. Oettinger blieb aber Mitglied des „rechtsnationalen“ Studienzentrums Weikersheim, das Filbinger gegr√ľndet hat.

12. April 1945: Foto vom KZ-Au√üenlager_Boelcke-Kaserne in Nordhausen, in dem √ľber 20 000 Menschen ihr Leben lie√üen. Foto: T4c. James E Myers

Verschiendene K√ľnstler bilden bis heute ganz selbstverst√§ndlich unsere kulturelle Basis. Beispielsweise August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der den Text des „Lieds der Deutschen“ geschrieben hat, dessen dritte Strophe seit 1952 die deutsche Nationalhymne ist. Von Fallersleben hat auch jede Menge Kinderlieder geschrieben, ob „Alle V√∂glein sind schon da“ oder „Ein M√§nnlein steht im Walde“.

Und er war politisch, richtete sich gegen Pressezensur, staatliche Willk√ľr und Kleinstaaterei. Eigentlich sind das gute Eigenschaften.

Ist er deshalb ein Vorbild? Nein. Seine Kinderlieder sind harmlos und nett und d√ľrfen sicherlich gesungen werden. Das macht Fallersleben aber nicht zum Vorbild.

Denn von Fallersleben war bekennender Antisemit und Franzosenhasser. Seine Kinderlieder sind das eine. Seine berechtigter Protest das andere.

Seine Gesinnung muss man ablehnen.

Mein Opa war dabei

Als ich Mitte zwanzig war, kl√§rte mich mein Gro√üvater auf, dass er als 16-J√§hriger in russischer Kriegsgefangenschaft war, weil er als „Gebirgsj√§ger“ 14-J√§hrige zu Soldaten schulen sollte. Und er war ehrlich: „Ich habe an Hitler geglaubt“, sagte er mir und das fiel ihm nicht leicht: „Erst sp√§ter habe ich verstanden, wie dumm ich war.“

Meine Gro√ümutter kam aus B√∂hmen, war drei Jahre als junge Frau interniert, weil ihr Vater in der NSDAP war und als sie in Bruchsal ankam, wurde sie von den Leuten dort bespukt. Nicht etwa, weil das keine Nazis gewesen waren, sondern weil man die Fl√ľchtlinge nicht haben wollte. Das Brot und die Chancen waren knapp.

Ich habe lange Jahre sp√§ter ein Jahr bei meinen Gro√üeltern gelebt, ihnen ging es gut, Brot und leckeres Essen gab es reichlich und sonntags war der „Internationale Fr√ľhschoppen“ mit Werner H√∂fer „Pflicht“. 1987 musste der sehr „renommierte Journalist“ Werner H√∂fer die Sendung aufgeben, weil ihm nachgeweisen werden konnte, dass er aktiv f√ľr die NS-Propaganda t√§tig war, was er immer bestritten hatte.

Das hat meinen Gro√üvater sehr besch√§ftigt: „Ich glaube trotzdem, dass es gut war, Dich √ľber diese Sendung an die Politik heranzuf√ľhren“, sagte mein Opa. Und er war sehr entt√§uscht. Nicht zum ersten Mal in seinem Leben. Ich habe viel von ihm gelernt.

Bagatellisierung von Rechtsextremismus

Anfang der neunziger Jahre habe ich dann nach dem Grundstudium zwei Semester bei Professor Eckhard Jesse studiert, der damals als Privatdozent in Mannheim gastierte. Ein absoluter Extremismus-Experte. Sehr kenntnisreich, argumentativ gewandt. Und ich habe viel gelernt und verstanden. Auch, dass mir Jesse nicht geheuer war. Der h√§tte gerne gehabt, dass ich „meinen Doktor“ bei ihm mache. Ich wollte nicht.

Mich st√∂rte ein gewisser Revisionismus des Nationalsozialismus und die Gleichsetzung von Rechts- und Linksextremismus. Meiner Auffassung nach ist das nicht zul√§ssig. Nur weil beide Str√∂mungen extremistisch sind, sind sie noch lange nicht dasselbe. Ich f√ľhlte mich an den Historikerstreit erinnert, der damals noch ganz „frisch“ war.

Anfang 2001 tauchte Jesse in meiner Aufmerksamkeit wieder auf: Er sollte Gutachter im NPD-Verbotsverfahren werden. Nicht nur der von mir sehr gesch√§tzte Kollege Heribert Prantl (S√ľddeutsche Zeitung) kritisierte Jesse wegen „Bagatellisierung von Rechtsextremismus„.

Jesse ist zweifellos ein Extremismus-Experte, aber eventuell auch ein „gef√§hrlicher Kopf“, dessen Arbeit nicht nur aus der Forschungssicht gesehen werden darf, sondern gerade auch auf gef√§hrliche Signale gepr√ľft werden muss.

Entschuldungsargumentation

Rechtsradikale und fremdenfeindliche Botschaften verlaufen nicht erst heutzutage unterschwellig. Sie sind h√§ufig nicht sofort als solche erkennbar und werden auch von Personen weitergetragen, die sich vielleicht gar nicht bewusst sind, dass sie mit Rechtsextremismus „Bekanntschaft“ gemacht haben oder gerade machen.

"Lustiger" dummer-Jungen-Streich? Sch√ľler stellt sich mit Hitlerbart bei Facebook dar.

Hat Hitler nicht die Autobahnen gebaut, den Menschen Arbeit und Hoffnung gegeben, die Jugend gef√∂rdert? Wer so argumentiert, bereitet einer „Entschuldung“ des Terrors des Dritten Reichs T√ľr und Tor.

Extremes Gedankengut wird niemals aus der Welt sein. Und es wird nicht harmloser, indem man „Witze“ dar√ľber rei√üt oder S√§tze wie „Nach Frankreich nur auf Ketten“ schreibt.

Damit komme ich auf die „Hitlerbart“-Geschichte zur√ľck.

Wer argumentiert, mit „Witzen“ und „Parodien“ werde der „Umgang“ einfacher, oder: „Das machen doch auch andere, die haben sogar Preise daf√ľr gewonnen“, hat wenig bis nichts verstanden.

Dumme Jungs?

Die „Spielchen“ von Sch√ľlern kann man als „dumme Jungs-Streiche“ verharmlosen. Kein Problem. Dumme Jungs haben schon immer dumme Streiche gemacht. Dummheit geh√∂rt zur Jugend.

Was die zehn durch die Recherche der Redaktion bekannt gewordenen CBG-Sch√ľler im Internet bei Facebook „getrieben“ haben, h√§tte auch an jeder anderen Schule in Deutschland passieren k√∂nnen.

Also, was soll’s?

Es ist aber in Ladenburg passiert und das ladenburgblog hat dar√ľber berichtet.

Nicht ohne „Folgen“. In den Tagen nach dem Bericht haben rund 120 Sch√ľlerinnen und Sch√ľler, die vorher mit dem Account der Redaktion auf Facebook „befreundet“ waren, diese „Freundschaften“ gek√ľndigt.

Aus „Solidarit√§t“ zu denen, die „betroffen“ waren und die sich sehr aktiv darum bem√ľht haben, den „Spie√ü umzudrehen“.

Der Hauptvorwurf: Wir h√§tten die „harmlose Sache“ hochstilisiert, um mehr Aufmerksamkeit, also mehr Klicks zu erreichen und damit mehr zu „verdienen“. „Auf Kosten“ der Sch√ľler, die gar nichts B√∂ses wollten. Unser Bericht sei geeignet, deren „Existenz“ zu zerst√∂ren.

Wie man die Rhetorik, „die wollen sich auf Kosten anderer bereichern“ einsch√§tzen will, bleibt jedem selbst √ľberlassen.

Ebenso Gedanken zur „Existenzfrage“ und der √úberlegung, was wohl ein Personalchef √ľber jemanden denkt, von dem er ein entsprechendes Bild sieht.

Nach unserem Bericht wurde nach unseren Kenntnissen teils enormer Druck auf Sch√ľler ausge√ľbt, uns die „Freundschaft“ zu k√ľndigen, denn wer weiter mit „uns befreundet“ sei, sei gegen die betroffenen Personen.

Wer will das schon aushalten m√ľssen, wenn man sich t√§glich auf dem Schulhof begegnet und zwischen 14 und 18 Jahre alt ist?

Auch diesen „extremen“ Druck kann man beurteilen wie man m√∂chte.

Theorien und Tatsachen

Tatsache ist, dass „Klicks“ √ľberhaupt kein Geld bringen, sondern h√∂chstens Aufmerksamkeit.

In diesem Fall eine, f√ľr die die Reaktion einsteht. In vollem Bewusstsein, dass das eher keine gute Argumentation gegen√ľber Werbekunden ist, weil die Aufmerksamkeit in diesem Fall keine war, die „Spa√ü macht“, √ľber die „sich alle freuen“ und „alle zufrieden“ sind.

Diese Aufmerksamkeit hat f√ľr Unruhe und Stress gesorgt. Ganz erheblich. Diese Aufmerksamkeit war eher schlecht f√ľr ein Gesch√§ft.

Die Entscheidung dazu ist bewusst getroffen worden, weil unser redaktioneller Anspruch ist, hinzusehen, aufzuschreiben, was ist und nicht, was man gerne sehen w√ľrde und wor√ľber man doch bitte nichts berichten soll.

Wir machen gerne „Gesch√§ft“ – aber wir entscheiden, mit wem und zu welchen Konditionen. Und schon gar nicht zu jedem Preis.

Wer ist „Wir gegen Rechts“?

In diesem Sinne bringen wir auch die Entt√§uschung √ľber das Verhalten des B√ľndnis „Wir gegen Rechts“ zum Ausdruck.

"Wir gegen Rechts" - Seite im Internet. Das Angebot ist nicht aktuell und insgesamt inhaltsleer. Ein Engagement ist nicht zu erkennen. Quelle: B√ľndnis "Wir gegen Rechts"

Wir haben uns redaktionell im Anschluss an unsere Berichterstattung an diese Organisation gewandt, die aktuell auch zum Gedenktag an die Befreiung von Auschwitz aufgetreten ist.
Wir haben das B√ľndnis „Wir gegen Rechts“ in einem langen Schreiben, als auch in einem umfangreichen Telefonat um Austausch zum Vorfall gebeten.

Eine Reaktion ist ausgeblieben. Es gab auch keine Antwort, die unserer Bem√ľhung angemessen gewesen w√§re.

Wenn man sich die „Arbeit“ von „Wir gegen Rechts“ anschaut, bleibt auch nicht viel au√üer Entt√§uschung.

Das „B√ľndnis“ ist ein „zahnloser Tiger“ – die Internetseite wenig aktuell, wie auch vermutlich die „Aktionen“. Man tritt hier und da auf, best√§tigt sich und andere und tut so als ob und doch eher nichts.

Reaktionen

Wir haben auch B√ľrgermeister Rainer Ziegler angesprochen, der den Vorfall als Vertreter des „Schultr√§gers“ uns gegen√ľber als „Angelegenheit der Schule“ erkl√§rt hat. Das ist korrekt, aber insofern „ungew√∂hnlich“, als wir Herrn Ziegler in anderen Zusammenh√§ngen als sehr engagiert kennen und achten.

Wir haben auch versucht, mit dem Elternbeirat in Kontakt zu treten, der sich nicht zust√§ndig f√ľhlte.

Das Fazit ist: Man will lieber nichts damit zu tun haben. Das ist ein „zu hei√ües Eisen“.

Tatsache ist: Der Vorfall hat stattgefunden. Tatsache ist auch, dass es nach unserer Kenntnis keinerlei inhaltliche Auseinandersetzung gegeben hat, um nicht „etwas zu sehen“, was man nicht sehen will. „Wenn man es gut genug ignoriert, geht es bestimmt vor√ľber“, mag der ein oder andere denken, „weil nicht sein kann, was nicht sein darf.“

Sch√∂n f√ľr alle, wenn es nur ein „Spuk“ war und die Welt danach wieder „in Ordnung“ ist.

Wir haben hingeschaut und vielleicht hat unsere Berichterstattung dazu gef√ľhrt, dass eine ungute Entwicklung gestoppt wurde. Sch√∂n, wenn dem so w√§re.

Aufgaben

Wir schauen auch weiter hin. Denn das ist unsere journalistisch-gesellschaftliche Aufgabe. Die nehmen wir ernst. Gegen jede Form von Extremismus.

Und ganz besonders freuen wir uns √ľber die rund 60 Leserinnen und Leser, die danach „Freunde“ unseres Facebook-Accounts geworden sind und noch mehr √ľber die, die erst die „Freundschaft“ quittiert und danach wieder aufgenommen haben. ūüôā

Denn wir wissen genau, dass man damit einer Haltung Ausdruck gibt. Und dass das nicht immer einfach ist. Nicht in der Schule. Nicht privat. Nicht im Geschäftsleben.

Sich aus m√∂glichst vielen √∂ffentlich zug√§nglichen Quellen unterrichten zu k√∂nnen, um sich eine Meinung zu bilden und diese zu √§u√üern, ist das nach Artikel 5 GG grundgesetzlich garantierte Recht aller B√ľrgerinnen und B√ľrger.

Artikel 5 unserer Verfassung schreibt nicht vor, dass man das tun muss. Aber es gut, richtig und wichtig, wenn man sich das Recht nimmt!

In diesem Sinne

Ihr

P.S.
Im Artikel sind mehrere Links auf wikipedia dokumentiert. F√ľr die Inhalte ist ladenburgblog nicht verantwortlich. Diese Hinweise dienen einem ersten √úberblick √ľber h√§ufig im allgemeinen unstrittige Tatsachen. Im Detail kann das aber durchaus „hinterfragenswert“ sein. Wir bitten deshalb darum, solche Verlinkungen als Quelle zu betrachten, die einen Einstieg zur jeweiligen Thematik erm√∂glicht.