Donnerstag, 20. Juni 2019

Wie die Ladenburger dem Wetter trotzten

Viel Regen und ein Meer aus Schirmen


Ladenburg, 16. September 2013. (red/ms) Schlechtes Wetter kann ein Fest ruinieren. Beim Altstadtfest war das Wetter manchmal richtig miserabel – und trotzdem tat es der guten Stimmung keinen Abbruch. Nur Wenige flĂŒchteten vor dem Regen, ein Großteil holte die Schirme heraus und feierte ungetrĂŒbt weiter. [Weiterlesen…]

Mariettas Kolumne: Der Stolz auf die Schlange ist die Verachtung des Kunden – Urlaub geht anders


Heute keine Schlange und keine 30 Minuten warten.

Von Marietta Herzberger

Wenn der Mensch viel arbeitet, braucht er ab und an ein wenig Urlaub. Die einen zieht es ins KĂŒhle, die anderen an PalmenstrĂ€nde. Meine Freundin Susanne und ich gehören zu den anderen. Spontan entschlossen wir uns zu einem Pauschalurlaub in Zentraltunesien, in der NĂ€he von Monastir.

Von der Sahara…

Faszinierende WĂŒste! RespekteinflĂ¶ĂŸend und fesselnd. Der nötige Ausgleich fĂŒr viele Monate harter Arbeit und Strapazen.
Das Hotel Karawansarei in Douz, am Rande der Sahara, war unser Quartier fĂŒr eine Nacht innerhalb eines Touristen-Pauschal-Ausflugspaketes. Das Etablissement wirkte von Außen eher wie eine Festung und machte seinem Namen alle Ehre. Am nĂ€chsten Morgen wurden wir dann bereits kurz vor 5 Uhr geweckt, um rechtzeitig am Rande der Sahara einzutreffen, wo uns ein Kamelritt ĂŒber SanddĂŒnen in den Sonnenaufgang erwartete. Hierzu wurden wir mit unserem Bus direkt bis an die Beduinenzelte gefahren, um ja nicht zu viel Romantik aufkommen zu lassen.

Nun denn: Rauf auf die Kamele und ab in die WĂŒste. Unbeschreiblich, welche Ruhe dieses weite Land fernab jeglicher Zivilisation ausstrahlt. Die beeindruckende Weite des Landes, der feine Sand, die Beduinen, die sich am Lagerfeuer vor ihren Zelten wĂ€rmten, dies alles ĂŒbte eine unglaubliche Faszination auf uns aus. Daran Ă€nderte auch die Tatsache nicht viel, dass wir diese Idylle mit ca. 80 weiteren Touristen teilen mussten.

Ein kurzweiliger, kaum vierstĂŒndiger Ritt auf den gutmĂŒtigen WĂŒstenschiffen bei mittlerweise gefĂŒhlten 40 Grad im Schatten brachte uns schließlich an einen Kiosk.

Sieht so eine Oase aus?

Ein Kiosk? Mitten in der WĂŒste? Ja, ein Kiosk mitten in der WĂŒste! Egal! Wir alle dĂŒrsteten nach Wasser und einem StĂŒckchen Brot. Der KamelfĂŒhrer hob die Hand und rief etwas unverstĂ€ndliches, woraufhin alle Kamele plötzlich stehenblieben, sich erst nach vorne absenkten, um dann das Hinterteil ebenfalls zu Boden gleiten zu lassen. Susanne kippte fast vornĂŒber, blieb jedoch zum GlĂŒck mit ihrer GĂŒrtelschnalle am Sattelknauf hĂ€ngen.

Kaum waren alle abgestiegen, gab uns der nette Beduine zu verstehen, dass wir uns hintereinander aufstellen sollten, um dem begehrten Nass inmitten der WĂŒste baldig habhaft zu werden. Also standen wir in der Schlange. Wir fĂŒhlten uns wie zu Hause. Es war noch keine halbe Stunde vergangen, da vernahmen wir von weit vorne einen Ruf.

„Seht!“, rief ein verdurstender Mitreisender beglĂŒckt, „Seht nur!“ Mit ausgestrecktem Arm deutete er auf ein aufgestelltes Schild mit der Aufschrift:

…in die DienstleistungswĂŒste

„TRINKEN!“, jubilierten wir und erhoben die HĂ€nde, „ESSEN!“, und etwas unglĂ€ubig, „Badeartikel?“
In diesem Moment brach eine etwas fĂŒlligere Frau vor uns in TrĂ€nen aus. „Ein Pool! Ein POOL!“
TatsĂ€chlich! Kurz nach dem kleinen, weißen, in der Ferne kaum erkennbaren GebĂ€ude, dem „Schwimmbad-Shop“, leuchtete etwas Blaues. Die Verlockung zeriss mich fast. Susanne heulte „Was sollen wir tun?“
„Warten!“, krĂ€chzte ich selbstbeherrscht.

Die gesichtslose Masse am Anfang der Schlange konnte jedoch nicht an sich halten – zu nah war das erfrischende, kĂŒhle Blau des Wassers. Kurzerhand ĂŒberwĂ€ltigten einige von ihnen den KamelfĂŒhrer, der erfolglos versuchte, den Mob in der Schlange zu halten.
„Wollen wir auch in den Pool?“, hauchte Susanne zwischen vertrockneten Lippen hervor.

„Nein“, stöhnte ich, wĂ€hrend ich mir die letzten Schweißtropfen von den Armen leckte. Eines stand fĂŒr mich fest: Egal wie lang diese Schlange sein mochte, ich wĂŒrde aushalten. TRINKEN! ESSEN! Das Kiosk – so weit es auch sein mochte – verkörperte fĂŒr mich die Oase schlechthin. Ich wĂŒrde warten. Warten wĂŒrde ich. Jawoll!

Nach zwei Stunden brach die dicke Frau vor mir zusammen. Ein mitleidiger Mitreisender trat kĂŒhn aus seiner gesicherten Position und zog die GlĂŒckliche bis an den Pool. Dann stĂŒrzte er wieder in die Schlange zurĂŒck. Er musste sich hinten anstellen. Wir hatten eine undurchdringbare Kette gebildet. TRINKEN! ESSEN!

Langsam, sehr langsam ging es vorwĂ€rts. Die gleißende Sonne ließ uns taumeln; an unseren FĂŒĂŸen rasselten die Ketten, die bei jedem Schritt den Sand der WĂŒste aufwirbelten.

Da! Ein Aufschrei! GequĂ€lt blickten wir nach vorne. Von dort kam der Schrei. Vom Ort der Erlösung. Dann noch ein Schrei. Und noch einer. Viele Schreie. Nein, eher GebrĂŒll. WĂŒtendes, verzweifeltes GebrĂŒll einer wĂŒtenden, verzweifelnden Herde. Nervös versuchten wir, einen Blick ins GetĂŒmmel zu erhaschen. Mit einem Male stĂŒrzten alle nach vorne. Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, dass manche versuchten, den KamelfĂŒhrer im Pool zu ersĂ€ufen. Schließlich löste sich die Schlange gĂ€nzlich auf.

Willkommen beim Schwimmbad-Shop in Viernheim.

Eben noch das letzte Glied, standen wir nun direkt vor dem „Schwimmbad-Shop“. Der letzte Schweißtropfen verdampfte zischend in der Luft als wir das lieblos aufgestellte Informationsschild vor den heruntergelassenen Rollladen entzifferten:

„Nur bei schönem Wetter geöffnet. Schönes Wetter ab 60 Grad.“

Entgeistert starrten wir uns an. Dann stĂŒrzten wir in den Pool und halfen, den KamelfĂŒhrer zu ertrĂ€nken!

„MAMAA!“
VerblĂŒfft löste ich meine verkrampften Finger aus dem schwarzen Schopf des Beduinen.
„Maaaamaaa! Aufwachen!“

Etwas KĂŒhles tropfte zwischen meine SchulterblĂ€tter. Langsam öffnete ich die Augen. Es dauerte nur Bruchteile einer Sekunde, bis ich erkannte, wo ich mich befand. Der vertraute Wildwuchs rund um das ehemalige Kinderbecken des Viernheimer Waldschwimmbades ist nicht gerade eine Augenweide, ĂŒberzeugte mich jedoch glaubhaft, nicht in der WĂŒste verdurstet zu sein.

„Ich hab Hunger“, maulte Ella, meine Tochter, „Darf ich mir ein FleischkĂ€sebrötchen holen?“

„TRINKEN! ESSEN!“, flĂŒsterte ich.
„HĂ€?“
„Hat das Kiosk denn auf?“, fragte ich nicht grundlos. Gerade eben entdeckte ich eine Wolke am Himmel.

Shopping-Erlebnis.

Denn man muss wissen:
Der „Schwimmbad-Shop“ im Viernheimer Waldschwimmbad hat nur bei schönem Wetter in Verbindung mit einer gewissen Anzahl an Schwimmbadbesuchern – welche Anzahl das ist, mag nur dem Kiosk-PĂ€chter bekannt sein – geöffnet. Ist es geöffnet, dann ist es in der Regel brĂŒllend heiß und das Schwimmbad brechend voll. Was den PĂ€chter aber noch lange nicht dazu veranlasst, das zweite Fenster des Kiosk-ÂŽ zu öffnen um dort dann evtl. GetrĂ€nke zu verkaufen. Nein, ein Fenster muss reichen fĂŒr Essen und GetrĂ€nke mit einer Ein-Frau-Besetzung und einigen „Zubereitern“ im Hintergrund.

Stolz auf die Schlange?

Trotz allem scheint der PĂ€chter sehr gewissenhaft zu sein. An schlechten Tagen, so erzĂ€hlt man sich – wobei „schlecht“ durchaus individuell und gefĂŒhlt sein kann – sucht er mehrmals die unmittelbare NĂ€he seines Kiosk auf, schaut gen Himmel, entdeckt eine Wolke, zĂ€hlt die BadegĂ€ste ab und geht wieder.

Sollte der Himmel aufreißen und Scharen Einlass begehren, so öffnet er seine kulinarischen Pforten und bietet FleischkĂ€sebrötchen, Pommes und Currywurst gegen wenig Geld. Soweit, so löblich. Die Schlange nimmt er offenbar stolz zur Kenntnis, zeigt sie doch auf, wie begehrt sein Angebot ist.

Hastig wirft er Stuhl und Tisch vor die gitternen Tore des Bades, so dass jeder hungrige Platz nehmen kann. Diese herzlich lieblos gestaltete Umgebung verleitet so manch hungriges Geschöpf, die ergatterte Mahlzeit direkt auf der Liegewiese zu sich zu nehmen. VerstÀndlich.

Wer sitzt schon gerne an heißen Tagen auf heißem Plastik direkt vor GitterstĂ€ben in unmittelbarer NĂ€he zur Straße, zu Toiletten – auch wenn es praktisch erscheinen mag, so harmonieren die gelegentlich herĂŒberwehenden DĂŒfte nicht wirklich mit dem Aroma von Pommes – und mit Blick auf eingezĂ€unten Wildwuchs?

GemĂŒtlich geht anders.

Nun, es ist vielleicht nicht nur mir ein seit Jahren existierendes RÀtsel, welches wohl nie gelöst werden wird, warum die PÀchter des Viernheimer Schwimmbad-Shops offenbar selbst kein Interesse an einem florienden Kiosk aufbringen wollen oder können. Verzeihen Sie mir meine offenen Worte. Niemand kann hinter die Kulissen schauen und ehrlich gesagt, möchte und muss ich das auch nicht.

Dass es auch anders geht, beweisen das Kiosk des Weinheimer Sees oder insbesondere die Gastronomie im Heddesheimer Schwimmbad. Wie sagte ein Freund neulich? „Horche mol. Kummt mol mit ins Heddesheimer Freibad. Do hoggscht wie in die Karibik uff Longschmebel mit de Fieß im Sond.“ Ja, denke ich mir, leider gibt es dort aber kein FĂŒnzig-Meter-Becken wie im Viernheimer Waldschwimmbad.

Potential ist da – auch um die Ecke.

Potential wĂ€re da. Totes Kapital liegt genĂŒgend herum, Ă€hnlich wie die heruntergefallenen Pommes vor dem Ausgabestand, die man sich umstĂ€ndlich aus den Zehen pulen muss, wenn man auch nur am Kiosk vorbeilĂ€uft – bei schönem Wetter wohlgemerkt.

Vor kurzem war schönes Wetter. Es war warm. Nicht heiß, aber warm. Ein paar Wolken zogen ĂŒber den Himmel. Zusammen mit ein paar MĂ€dchen im Alter meiner Tochter schwammen wir ein paar Runden. Dann hatten die MĂ€dchen Hunger. Der Kiosk war geschlossen, wie so oft. Wenn Sie jetzt sagen, dann soll sich die Frau doch etwas mitnehmen, haben Sie recht.

Aber ist das im Sinne des PĂ€chters? Könnte nicht wenigstens die Grundversorgung – eventuell in Form von Brezeln – gesichert sein? Das wĂ€re doch mal ein Anfang. Wir meinen es nicht böse. Wir wollen doch nur ein bisschen VerlĂ€sslichkeit, gesicherte Öffnungszeiten, nett sitzen und die leckeren FleischkĂ€sebrötchen.

Nun, das „Maximum“ direkt neben dem Schwimmbad ist fußlĂ€ufig in 35 Sekunden zu erreichen. Dort warte ich ca. fĂŒnf Minuten in angenehmer AtmosphĂ€re auf eine Pizza- bekomme noch einen Espresso umsonst, weil ich mich jedes Mal ĂŒber die „ServicewĂŒste Viernheimer Waldschwimmbad-Kiosk“ Ă€rgere – und bin nach ungefĂ€hr 8 Minuten – die Zeit der Bestellaufnahme und Bezahlung mit eingerechnet – wieder auf dem Handtuch bei meinen MĂ€dels.

Da habe ich obendrein auch noch ca. 20 Minuten gespart. Warum? So muss niemand von uns 30 Minuten in der Schlange stehen und im gĂŒnstigsten Fall fĂŒr vier MĂ€dchen je ein FleischkĂ€sebrötchen erstehen. FĂŒr Kaffee oder eine „TĂŒte SĂŒĂŸes“ steht man genauso lange. Vorausgesetzt, es ist geöffnet.

Marietta Herzberger.

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen ĂŒber den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos ĂŒberzogen. Es sind keine „journalistischen“ Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: „Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen“ – Konrad Adenauer. Und: „Wer kĂ€mpft, kann verlieren. Wer nicht kĂ€mpft, hat schon verloren“ – Bertolt Brecht. Wir wĂŒnschen unseren Lesern viel Lesespaß mit ihren Texten!

Gabis Kolumne

Das Kreuz mit der (gesunden) ErnÀhrung

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Guten Tag!

Ladenburg, 29. MĂ€rz 2010. Mit dem Essen ist das so eine Sache – was schmeckt, ist meistens nicht gesund. Und obwohl es DiĂ€ten an jeder Ecke gibt, gab es noch nie so viele Essgestörte, Übergewichtige und FalschernĂ€hrte, meint Gabi.

Dieser Tage hat im Radio ein Komedian ĂŒber die guten alten Zeiten berichtet, als es bei der Oma noch den fetten Schweinebraten gab, die Torte mit guter Butter gebacken wurde und die Sahne im Kaffee alles andere als „light“ war.

Können Sie sich auch noch dran erinnern?

Gesundes Essen vs. leckeres Essen.

Heute haben wir die ErnĂ€hrungsberatung. Die fĂ€ngt im Kindergarten, nein, eigentlich schon frĂŒher, in der Schwangerschaft an. Unsere Kinder und natĂŒrlich auch wir Eltern lernen von ErnĂ€hrungswissenschaftlern, wie ein gesundes FrĂŒhstĂŒck auszusehen hat: Körnerbrot, Salatblatt, eventuell Gurke und dann gesunde Wurst oder KĂ€se.

Ein No-Go, und da werden Sie mir sicher Recht geben, ist ein Toastbrot mit Nutella oder eine Dampfnudel.

Dummerweise, essen das die meisten Kinder aber richtig gerne. ZusĂ€tzlich wurde uns im Fernsehen von Boris Becker erklĂ€rt, und der war immerhin jahrelang die Nummer Eins auf der Tennisweltrangliste, dass der Schoko-Nuss-Brotaufstrich gesund ist und man bei regelmĂ€ĂŸigem Verzehr damit ganz nach oben kommt.

NatĂŒrlich wissen wir alle, dass man nicht alles glauben darf, was im Fernsehen kommt. Denn es steckt weder in der Milchschnitte die Extraportion Milch, noch in den Fruchtgummis die wichtigen Vitamine – blöd nur, dass diese Dinge unseren Kindern schmecken.

Freude am Essen ist toll – viele haben keine.

Kommen wir jetzt noch mal zurĂŒck zur ErnĂ€hrungsberatung. Nach dieser jahrelangen Beschulung mĂŒsste sich doch der Erfolg zeigen. Doch das Gegenteil ist der Fall, noch nie gab es so viele ĂŒbergewichtige Kinder, noch nie gab es so viele junge Menschen mit Essstörungen.

Meine Kinder bringen regelmĂ€ĂŸig Freunde mit zum Essen. Und das finde ich auch ganz toll.

Dummerweise haben die meisten so ihre Essmacken. Der eine Freund meines Sohnes ist nichts aus Hackfleisch. Der andere ist spezieller, vom HĂŒhnchen ist er nur die BrĂŒste, im Salat mag er keine Zwiebeln, er ist Hackfleisch, aber nicht in der Soße, er ist keinen Fisch, kein Lamm und nur bestimmtes GemĂŒse.

Eine Freundin meines Sohnes ist Vegetarierin. Eine Freundin meiner Tochter isst nur getrennt Gerichte. Also niemals einen Auflauf, kein Fleisch mit Soße, kein gemischtes GemĂŒse. Eine andere isst nichts Überbackenes.

Diese Liste ist noch beliebig erweiterbar.

FĂŒr viele Kinder zu Kochen ist fast nicht mehr möglich.

Kommen gleichzeitig mehrere Freunde, ist das Unternehmen „Kochen“ fast ein Ding des Unmöglichen. Und in solchen Momenten bedauere ich aufrichtig, dass der Spruch „gegessen wird, was auf den Tisch kommt“, in heutiger Zeit keine Bedeutung mehr hat.

Möchte ich es mir einfach machen, gibt es Pizza – die isst komischerweise auch das MĂ€dchen, das Lebensmittel ansonsten nur getrennt zu sich nimmt, ebenso wie die, die nichts Überbackenes mag – oder FischstĂ€bchen – die von dem nicht Fisch essenden Freund meines Sohnes immer begeistert begrĂŒĂŸt werden – oder Chicken Nuggets.

Als aufgeklĂ€rte Mutter weiß ich, dass die Gemeinsamkeit dieser Gerichte ist: Sie sind NICHT gesund!

In der Schule meiner Kinder sorgt ein Caterer fĂŒr ausgewogene ErnĂ€hrung. Doch kaum dĂŒrfen die Kinder das SchulgelĂ€nde verlassen, rennen sie zu McDonald, zur Dönerbude oder zu Subway.

Ist das nun der Erfolg der ErnÀhrungsberatung?

Jetzt mal einen Blick weg von unseren Kindern, betrachten wir uns.

SĂŒndige Gedanken vs. Vernunft.

Ich esse gerne ein gesundes Körnerbrötchen zum FrĂŒhstĂŒck, aber ich liebe es, ein duftendes, warmes Croissant mit „guter“ Butter und Marmelade zu bestreichen.

Obstsalat zum Nachtisch ist echt lecker, aber fĂŒr Pannacotta oder CrÚme Brulée könnte ich sterben.

Kartoffelknödel mit geschmolzener Butter zu einem Sauerbraten mit cremiger Soße, Spaghetti mit KĂ€se-Sahne-Soße, SpĂ€tzle mit Apfelmus, panierte Wiener Schnitzel mit Pommes, Bratkartoffeln mit gebackenem Fisch, Spargel mit Sauce Bernaise, WĂŒrstchen mit Kartoffelsalat – vielleicht ist ja auch ein Gericht dabei, wo Ihnen das Wasser im Munde zusammenlĂ€uft.

Und das passiert sicher nicht bei dem Gedanken an GrĂŒnkernbratling, gedĂŒnstetem Fisch oder GemĂŒse.

Ich weiß, was gesund ist und ich weiß, was mir schmeckt und viele gesunde Gerichte esse ich richtig gerne. Aber bei den ungesunden, habe ich sĂŒndige Gedanken. Wie das ja so immer ist, mit dem UnvernĂŒnftigen und Verbotenen. Es tut meistens nicht gut, aber man kann nicht widerstehen.

Probieren statt diskutieren.

Und damit sind wir beim Maß angelangt. Ich versuche mich und meine Lieben gesund und vernĂŒnftig zu ernĂ€hren. Aber so, wie ich mir ab und an ein zweites Glas Wein erlaube und zeitweise auch beim Essen ĂŒber die StrĂ€nge schlage, gestehe ich das auch meinen Kindern zu.

Ich gebe schon mal das Nutellatoast oder den Schokoriegel mit in die Schule oder gehe mit ihnen Junk Food essen, dafĂŒr mĂŒssen sie aber im Gegenzug auch GemĂŒse, Körnerbrot und Co. akzeptieren.

Nach dem Motto: „PROBIERT wird alles, was auf den Tisch kommt“.