Sonntag, 18. August 2019

Was Jugendschöffen auszeichnet und erwartet

Mit Menschenkenntnis zum Richter werden

Justitia (Maarten van Heemskerck, 1556). Quelle: Wikipedia


Rhein-Neckar, 15. Januar 2013. (red/pm) Deutschland ist derzeit auf der Suche nach Jugendschöffen, die fĂŒr eine fĂŒnfjĂ€hrige Amtszeit ab 2014 die rechte Hand des Richters sind. Im ersten Halbjahr 2013 werden neue Jugendschöffen gewĂ€hlt – bewerben kann man sich bereits jetzt bei den Kommunen des Rhein-Neckar-Kreises.

Von Alina Eisenhardt

Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil…

Dieser Satz ertönt in deutschen Gerichtshöfen, wenn ein Angeklagter sein Urteil erhÀlt. Das Urteil wird nicht allein vom Richter gefÀllt. An seiner Seite stehen Schöffen, die ihm im Namen der Gerechtigkeit helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Schöffen sind laut Duden ehrenamtlich eingesetzte Laien, die zusammen mit dem Richter die Tat des Angeklagten beurteilen und das Maß der Strafe festlegen. “Diese Laienrichter gibt es schon seit Jahrhunderten.”, sagt Robert Gunderlach, Vorsitzender der Deutsche Vereinigung der Schöffinnen und Schöffen des Landesverbandes Baden-WĂŒrttemberg e.V. Er selbst war im Landesgericht Stuttgart von 2000 – 2008 Schöffe.

Jugendschöffen sind spezialisierte Schöffen an einem Jugendgericht. Doch warum braucht man Jugendschöffen, wenn es bereits einen Berufsrichter gibt? Die Aufgabe eines Jugendschöffen ist es, anhand seiner Lebenserfahrung rechtliche ZusammenhĂ€nge erkennen und bewerten zu können. Ein Richter hat zwei Schöffen, die gleichberechtigte Stimmen haben. Das Richterteam (1 Berufsrichter, 2 Schöffen) zieht sich am Schluss der Hauptverhandlung zur Beratung zurĂŒck. Um ein Urteil auszusprechen ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich.

TÜV-Siegel in PĂ€dagogik

Neben den allgemeinen Voraussetzungen wie Selbstbewusstsein und Unparteilichkeit muss ein Schöffe einen Menschen in seinem sozialen Umfeld beurteilen können. Ein hohes Maß an sozialer Kompetenz ist erforderlich. Um die erforderliche Lebenserfahrung und Menschenkenntnis aufbringen zu können, muss ein Schöffe zwischen 25 und 69 Jahre alt sein, wenn er sich fĂŒr das Ehrenamt bewirbt.

Jugendschöffen sollten darĂŒber hinaus Erfahrung in der PĂ€dagogik aufweisen.

Dabei reicht es nicht, Kinder zu haben. Sie sollten in der Jugenderziehung ĂŒber eine professionell Erfahrung verfĂŒgen, wie zum Beispiel Sozialarbeiter und Lehrer sie besitzen. Man braucht sozusagen ein TÜV-Siegel in PĂ€dagogik,

sagt Robert Gunderlach.

“Man muss definitiv in sich gefestigt sein…”

Wer Interesse hat als Jugendschöffe zu arbeiten, der schickt seine Bewerbung an das zustĂ€ndige BĂŒrgermeisteramt. Diese leiten die Bewerbung dann an das Jugendamt weiter. Der Jugendhilfeausschuss des Rhein-Neckar-Kreises schlĂ€gt dabei beim Amtsgericht mindestens doppelt so viele Kandidaten vor, wie an Schöffen benötigt werden.

Probleme mit der Zahl der Bewerber gibt es dabei selten. “Die Zahl der Bewerber ist konstant. Viele Jugendschöffen bewerben sich auch fĂŒr eine zweite Periode. Erst dann mĂŒssen sie fĂŒr eine Periode aussetzen.”, erklĂ€rt Robert Gunderlach.

Das Ehrenamt kann sehr belastend sein:

Es kommt zwar auch auf den Fall und die Persönlichkeit an, aber man muss definitiv in sich gefestigt sein,

so Herr Gunderlach. Immerhin mĂŒsse man auch in schwierigen FĂ€llen, wie einer Vergewaltigung ohne Zeugen, beurteilen können, ob der Vorfall tatsĂ€chlich so geschehen ist. Ihn selbst hĂ€tten viele Wirtschaftsstrafsachen, die tief in das Leben der Menschen blicken ließen, sehr bewegt.

Mit Menschenkenntnis zum Urteil

Als Schöffe bekommt man in der Regel 12 Gerichtstermine pro Jahr zugeteilt. In fĂŒnf Jahren sind das 60 Termine. Diese können nur einige Stunden dauern, aber auch Wochen oder gar Monate.

Wenn man eine Gerichtsverhandlung hat, weiß man erst nicht, worum es geht. Erst vor der Verhandlung klĂ€rt der Richter den Jugendschöffen in einer Kurzform ĂŒber den Fall auf. Vor Gericht erfĂ€hrt man dann genau, worum es geht. “Als Jugendschöffe soll man unvoreingenommen bleiben. Man soll keine Zeit haben, sich auf einen Fall vorzubereiten, sondern seine Alltagserfahrung und seine Menschenkenntnis nutzen. Immerhin ist man kein ausgebildeter Berufsrichter”, erklĂ€rt Robert Gunderlach.

Die Verantwortung, die man als Jugendschöffe eingeht, ist sehr hoch. Man kann im Krankheitsfall nicht einfach aussetzen, oder zurĂŒcktreten, wenn man keine Lust mehr hat. In der Regel kann nur ein Umzug zu einer Entlassung aus dem Amt fĂŒhren. Möchte man das Schöffenamt tatsĂ€chlich niederlegen, entscheidet das Gericht, ob die GrĂŒnde ausreichend sind. Doch in der Regel passiert das nicht. “Immerhin treibt die Bewerber in der Regel ein gewisser Gerechtigkeitssinn an. Sie wollen sichergehen, dass es in den FĂ€llen gerecht zugeht, das sie ein Teil dieser Gerechtigkeit sein können”, so Gunderlach.

Mariettas Kolumne

Von kleinen Zielen und großer Erschöpfung

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Guten Tag!

Rhein-Neckar, 28. Februar 2011. Marietta hat sich fĂŒr’s Neue Jahr vorgenommen, sich kleinere Zielen zu stecken und vor allem Gelassenheit zu ĂŒben. Das wurde auf eine harte Probe gestellt.

Von Marietta Herzberger

Das Neue Jahr ist ja schon einige Zeit alt und ich habe Gabis Ratschlag, sich kleine Ziele zu setzen, bis jetzt erfolgreich umgesetzt.

Und siehe da: Es funktioniert. Ein kleines Ziel seit diesem Jahr ist fĂŒr mich: Gelassenheit ĂŒben. Nur nicht ĂŒber Nichtigkeiten aufregen. Ein weiteres ist, große Ziele in viele kleine aufzuteilen.

Der Weg ist das Ziel.

FrĂŒher sagte ich mir: „Marietta, wenn du die zehn Kilometer nicht in 6 Minuten 30 pro Kilometer lĂ€ufst, bist du ein Loser. Das muss drin sein.“ Das Resultat war stĂ€ndige Frustration.

Heute laufe ich entspannt zwei bis dreimal fĂŒnf Kilometer die Woche oder auch nur einmal drei Kilometer oder gar nicht – wie gesagt – kleine Ziele. Dabei fĂŒhle ich mich gut. Gerade letzte Woche haben mich zwei ĂŒbergewichtige Walker ĂŒberholt. Egal. Der Weg ist das Ziel und falscher Ehrgeiz die Bremse dahin. Der Berg ist hoch.

UnlĂ€ngst absolvierte ich meine gemĂŒtliche Runde im „Own-Zone-Bereich“, da lachte mich bei Kilometer FĂŒnf eine aparte GrĂŒnflĂ€che mit zwei ParkbĂ€nken an. Ach, dachte ich, da findest du jetzt einen Moment zu dir selbst, und ließ mich auf einer der beiden BĂ€nke nieder.

Die Schaukel, das KlettergerĂŒst und die Wippe störten mich nicht. Auch nicht die beiden kleinen, gar niedlich anzusehenden Kinder, welche friedlich nebeneinander im Sandkasten spielten. Vier Jahre alt mochten sie sein, vielleicht auch fĂŒnf.

Ein MĂ€dchen, blond gelockt wie ein Engel. Ein Junge, frecher Haarschnitt, kecke Nase, blaue Latzhose und rotes Halstuch. Niedlich! Sie hĂ€uften Sand auf, gruben Löcher, hĂ€uften Sand auf und gruben Löcher. Hach, Kinder! Meine Tochter ist schon so groß.

Das Leben ist einfach und schön.

Ihre MĂŒtter saßen auf der anderen Parkbank nebeneinander, still und im Anblick auf ihre Nachkommenschaft vertieft. Die blonde, dauergewellte, etwas fĂŒlligere Dame gehörte dem Äußeren nach wohl zu dem kleinen Engelchen.

Die rothaarige Mittdreißigerin wahrscheinlich zu dem Jungen. Soweit ich erkennen konnte, hatte sie die Augen geschlossen. Wahrscheinlich war sie vor lauter Entspannung eingenickt. Das Leben ist einfach und schön.

Es war ein Idyll der Ruhe und Entspannung. Genau das brauchte ich jetzt. Der Lauf hatte mich doch etwas erschöpft. Die Sonne kam heraus. Ich schloss meine Augen und döste gelöst vor mich hin.

„Meine Schaufel, du Loch!“ Ich öffnete ein Auge.

„Nein, die rote ist doch meine. Dir ist die gelbe“, sagte der kleine Junge kleinlaut und zeigte auf eine gelbe Schaufel, die einsam im Sand lag.

„Piss dich, du Arsch!“

Ich öffnete das andere Auge. Kamen diese unflÀtigen Worte von dem putzigen MÀdchen?

BlauĂ€ugig, blondgelockt und rosige BĂ€ckchen? Mein Blick erhaschte Unfassbares. Die kleine SĂŒĂŸe hatte sich in eine Furie verwandelt.

HasserfĂŒllt schaute sie den Jungen an; die blonde MĂ€hne hing ihr wirr ins vor Wut gerötete Gesicht, wĂ€hrend sie fleißig dabei war, ihrem Gegenspieler etwas Rotes aus den HĂ€nden zu reißen.

Mit Erfolg. Doch damit war dem noch kein Ende gesetzt. Das Herzchen begann, wild mit der Schaufel auf den Jungen einzudreschen. Der wiederum versuchte erfolglos, sich zu wehren.

Ich lass mich nicht aus der Ruhe bringen.

Wie gesagt, ich war sehr erschöpft und ĂŒbte mich in Gelassenheit. Kinder, dachte ich.

Jaja, die Mama wird das schon regeln und helfend einspringen.

Ich beschloss, mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und senkte meine Lider wieder hinab.

„Naomi“, ertönte es donnerschlaglaut von nebenan, „lass den verdammten Balg in Ruh-ÂŽ.“

Mein Idyll verabschiedete sich und ging schon mal heim.

Die kleine Blonde hatte jedoch nicht die Absicht, aufzuhören. Nun folgte eine etwas massivere, gar dröhnende Aufforderung: “Naomi Schwöbel, hĂ€r soford uff oder isch knall dir Ă€ni!“

Erziehung wird hier ĂŒber Zuruf geregelt.

Offenbar regelt man hier die Erziehung ĂŒber Zuruf. Die Dame dachte nĂ€mlich nicht daran, aufzustehen, lehnte sich zurĂŒck und zĂŒndete sich erst einmal eine Zigarette an.

In diesem Moment wachte wohl ihre Banknachbarin auf, erkannte die prekÀre Situation sofort und eilte zu ihrem Sohn.

Löckchen hieb immer noch auf den Kleinen ein und schrie dabei wiederholt: „Meine Schaufel. Meine Schaufel.“

Die Mutter des Jungen nahm dem kleinen Biest die Schaufel weg und zog ihren Sohn aus der Gefahrenzone. WĂ€hrend sie ihrem Sprössling den Sand aus dem Mund pulte, wandte sie sich halb zu Mutter Schwöbel um und sagte folgende Worte: „Ich glaube nicht, dass es gut ist, wenn mein Lars-Olaf weiterhin mit ihrer Tochter spielt.“

Wie gesagt, ich war sehr erschöpft. Zu erschöpft, um mich zu erheben. Vielleicht aber auch zu neugierig, um zu gehen. Es versprach, interessant zu werden.

Mama Schwöbel wurde verdĂ€chtig rot im Gesicht und stĂŒrzte sich gleich darauf mit Kriegsgeheul auf Lars-Olafs Erziehungsberechtigte. Diese ließ ĂŒberrumpelt die Schaufel fallen und von ihrem Kind ab. Die kleine blonde Bratze saß im Sand und schrie nach ihrer roten Schaufel.

Das war ein Gewusel und Gemenge vor dem Herrn. Irgendwann hatte Engelchen die rote Schaufel wieder und Lars-Olaf saß gefesselt und geknebelt auf der Wippe. Die alte Schwöbel kniete auf der Rothaarigen und war gerade dabei, deren Aufbegehren mit Sand zu ersticken. Sie nahm dazu die gelbe Schaufel. Die rote hatte ja ihre Tochter.

Nun, ich war immer noch sehr erschöpft. Voller Vertrauen auf die Vernunft und Weitsicht erwachsener Menschen, atmete ich tief durch. Der Berg ist hoch. Übe Gelassenheit.

Jemand musste wohl die Polizei gerufen haben. Ich hörte das typische Sirenengeheul. Aber da war ich schon lÀngst zu Hause.

Marietta Herzberger.

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen ĂŒber den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos ĂŒberzogen. Es sind keine „journalistischen“ Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: „Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen“ – Konrad Adenauer. Und: „Wer kĂ€mpft, kann verlieren. Wer nicht kĂ€mpft, hat schon verloren“ – Bertolt Brecht. Wir begrĂŒĂŸen sie herzlich und freuen uns auf die Zusammenarbeit. Wir wĂŒnschen unseren Lesern viel Lesespaß mit ihren Texten!

Kinder in sozialen Netzwerken – 7 Tipps fĂŒr Eltern

Guten Tag!

Ladenburg, den 27. November 2010. Die „Hitlerbart“-Debatte vor einer Woche hat enormes Aufsehen erregt. Manche Eltern sind vielleicht sogar aus „allen Wolken gefallen“. Sie sollten jetzt jedoch nicht panisch handeln. Oftmals stehen Eltern vor dem Problem, dass sie das Medium „Internet“ zwar kennen und nutzen, aber manche Details unbekannt sind. Doch wie sollen Kinder einen verantwortungsbewussten Umgang mit Medien lernen, wenn nicht von ihren Eltern? Wir haben in diesem Beitrag 7 praktische Tipps gesammelt, was Eltern beachten sollten.

Screenshot der Gruppe "Ich mache mich jetzt schick und dann lass ich mich volllaufen"

Haben Sie sich schon mal gefragt, worin der Reiz eines Sozialen Netzwerks liegt? FĂŒr Jugendliche ist es das Normalste auf der Welt. Man kann dort Freunde „sammeln“, auf einer Art „Pinnwand“ Nachrichten und Bilder veröffentlichen und „Gruppen“ beitreten beziehungsweise selbst grĂŒnden. Man „netzwerkt“ eben, tauscht sich aus, stellt sich dar. Das ist ein großer Spaß, der aber immer auch Gefahren birgt, sofern man gewisse Regeln nicht beachtet.

So gibt es bei StudiVZ beispielsweise die Gruppe: „Ich mache mich jetzt schick und dann lass ich mich volllaufen“. Mehr als 7.000 Nutzer sind dieser Gruppe beigetreten.

Besonders pikant: Die VZ-Netzwerke (StudiVZ, SchuelerVZ und MeinVZ) verfĂŒgen nach eigenen Angaben ĂŒber 17 Millionen registrierte Nutzer (Stand: Juli 2010). Davon entfallen mindestens 6 Millionen auf StudiVZ (Stand: April 2010).

Alle StudiVZ-Mitglieder können sehen, wer dieser Gruppe beigetreten ist.

Da das StudiVZ auf Studenten ausgelegt ist, sind die Mitglieder meist volljĂ€hrig und fĂŒr sich selbst verantwortlich. Ob sich jemand „verantwortlich“ verhĂ€lt, wenn er sich einer solchen Gruppe „anschließt“… ist sicher zweifelhaft.

Ähnliche Gruppen finden sich jedoch auch bei Facebook & Co. Manche Gruppenmitglieder sind weit entfernt von einer VolljĂ€hrigkeit. NatĂŒrliche kennt die Medaille auch eine andere, positive Seite. Zu dieser gehören Gruppen wie „Gib AIDS keine Chance“ oder „Demokratie fĂŒr China“. Und es gibt jede Menge Gruppen oder Seiten zu Schulen, Vereinen oder gemeinnĂŒtzigen Organisationen, zu Stars, Musik oder anderen Dingen, fĂŒr die sich Jugendliche ganz zu Recht interessieren.

Wichtige Fragen im Zusammenhang mit dem Internet sind: Droht meinem Kind in einem sozialen Netzwerk eine Gefahr und wie kann ich es schĂŒtzen? Was ist sinnvoll und nĂŒtzlich, was unsinnig und vielleicht sogar schĂ€dlich? Wie kann ich mein Kind dafĂŒr sensibilisieren?

Wie auch im realen Leben ist auch im „virtuellen Raum“ ein Schutz vor Gefahren nicht absolut möglich. Aber man kann mi einfachen Regeln Fehler vermeiden.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen traditionellen Medien und dem Internet besteht beispielsweise in der Art des Mediums. Bei Radio, Fernsehen und Print sind die meisten Menschen nur EmpfĂ€nger. Online sind Sie jedoch hĂ€ufig auch Sender. Sie können also auch selbst Informationen verbreiten an eine wie auch immer geartete Öffentlichkeit, die aus wenigen, aber auch Millionen Menschen bestehen kann.

Weihnachtsmarkt Ladenburg - Eine Facebook Gruppe

Bei allen Angeboten des Webs sind insbesondere Soziale Netzwerke darauf ausgelegt, dass ihre Nutzer Inhalte erstellen. Meist in Form von Kommentaren, Fotos oder Videoaufnahmen. Ganz ĂŒberwiegend sind dies aber „private Informationen“, ĂŒber deren „Veröffentlichung“ man erst nachdenken sollte.

Ein konkretes Beispiel: Sie waren auch mal jung und haben vielleicht bei einer Fete ĂŒber den Durst getrunken. Und dann ist Ihnen etwas peinliches passiert. Kein Problem. Wir alle begehen Fehler. GlĂŒcklicherweise hat sie niemand fotografiert oder gefilmt. Heute sind Kameras allgegenwĂ€rtig, klein und oft unerkannt im Gebrauch.

Und es macht vielen einen „Heidenspaß“, die „Peinlichkeiten“ von anderen aufzunehmen und flugs ins Internet zu stellen. Das zu kontrollieren, ist sehr schwer. Viele stellen aber auch ganz freiwillig Bilder von Saufgelagen oder Ă€hnlichem ins Internet, weil sie es „lustig“ finden. Dass man damit aber sich selbst und seinen Ruf beschĂ€digen kann – soweit denken viele nicht.

Das Internet ist ein „Massenmedium“ – wer hier Inhalte erzeugt, muss sich das immer wieder klar machen. Mit einer gewissen Skepsis auf vor dem eigenen Handeln, kommt man hier aber auch gut zurecht.

Nachfolgend finden Sie sieben praktische Tipps, die einen sichereren Umgang mit dem Internet möglich machen.

Tipp 1: Medienkompetenz heißt, klug mit Medien umzugehen

Der vielleicht wichtigste Tipp von allen: Sie mĂŒssen die technischen HintergrĂŒnde und Funktionsweisen Sozialer Netzwerke nicht bis ins letzte Detail verstehen, um ihrem Kind eine gewisse Kompetenz zu vermitteln.

Im Prinzip gibt es keinen großen Unterschied zwischen dem realen und dem virtuellen Leben – bis auf einen: Das Internet ist ein riesiges Protokollmedium, ein Archiv, das wenig vergisst und Computer sind eine Art Kopiermaschine.

Was einmal digitalisiert wurde, lĂ€sst sich unbegrenzt kopieren und speichen. Und: Wer eine Information ins Internet stellt, verliert unter UmstĂ€nden sehr schnell die Kontrolle darĂŒber, weil andere diese Information wie auch immer weiternutzen können.

Tipp 2: Vertrauen Sie ihrem Kind

Es ist die Norm, dass zwischen Eltern und Kind ein VertrauensverhÀltnis herrscht. Vermeiden Sie es nach Möglichkeit dieses VertrauensverhÀltnis zu stören. Jeder Mensch besitzt eine Privats- und IntimssphÀre. Auch die eigenen Kinder.

Es gibt Dinge, die ein Kind fĂŒr sich behalten will. Die GrĂŒnde hierfĂŒr können vielfĂ€ltig und aus Sicht eines Erwachsenen manchmal nahezu bedeutungslos sein. Nehmen Sie nach Möglichkeit trotzdem darauf RĂŒcksicht.

Tipp 3: Hören Sie ihrem Kind zu

Wenn ein Kind von der Schule nach Hause kommt, hören wir ihm normalerweise zu. Weil wir selber mal zur Schule gegangen sind. Weil wir aufmerksam sind.

Hören Sie auch zu, wenn ihr Kind am PC war und Ihnen etwas ĂŒber Facebook, SchuelerVZ & Co. erzĂ€hlt?

Kennen Sie keines dieser Netzwerke, wird es natĂŒrlich schwierig dort genutzte Begriffe wie „Pinnwand“, „Gruscheln“ oder „Poke“ in einen Kontext zu setzen. Hören Sie dennoch aktiv zu, fragen Sie nach und lassen Sie sich unbekannte Begriffe erklĂ€ren oder das jeweilige Netzwerk erklĂ€ren. Sie werden schnell merken, ob ihr Kind „verantwortlich“ damit umgeht oder hier ein wenig „Nachhilfe“ braucht.

Tipp 4: Lassen Sie sich auf das Medium ein

Das Internet und soziale Netzwerke sind nicht schlecht oder böse oder gut und hilfreich. Es kommt immer darauf an, was man damit macht und wie man es nutzt.

Klar gilt es, die tatsĂ€chlichen Gefahren im Blick zu haben und Kinder vor radikaler Propaganda, Gewaltdarstellungen und Pornographie zu schĂŒtzen. Es gilt aber genauso, die positiven Seiten zu fördern, beispielsweise beim Übergang von der Schule zur Berufsausbildung.

Viele grĂ¶ĂŸere Unternehmen googeln inzwischen die Namen ihrer Bewerber, um sich ein „Bild“ der Kandidaten zu machen -auch in Sozialen Netzwerken wird dabei nachgeschaut. Hier kommt es meist zu einem „ersten Eindruck“ – der kann positiv, aber auch negativ sein. DafĂŒr ist man selbst verantwortlich.

Tipp 5: Verdeutlichen Sie ihrem Kind die „Nicht-AnonymitĂ€t“

Im Netz ist niemand anonym. Zwar kann man falsche Profile anlegen und „Wegwerf“-Mailadressen benutzen. Doch insbesondere in sozialen Netzwerken macht dies keinen Sinn.

Hier ist ein Großteil unter dem echten Namen vertreten.

Machen Sie ihrem Kind klar, dass jede Handlung im Netz auch eine öffentliche Handlung sein kann. Insbesondere bei schwachen Datenschutzeinstellungen. Die Hemmschwelle im Netz etwas zu veröffentlichen ist hĂ€ufig geringer, als im „echten“ Leben.

Tipp 6: Vertrauen ist wichtig, Kontrolle aber auch

Sie wollen wissen was „in diesem Netzwerk da“ los ist.

Äußern Sie diesen Informationswunsch und deuten Sie konkret an, dass sie irgendwann nach „bedenklichen Sachen“ Ausschau halten wollen, aber auch vertrauen, dass ihr Kind „nichts schlimmes“ dort „gemacht“ hat.

Im gĂŒnstigsten Fall wird ihr Kind nun selbstverantwortlich mit einer Bereinigung „bedenklicher Inhalte“ beginnen. Diese Form der Selbstkontrolle und die Aussicht auf externe Kontrolle lassen Kinder verantwortlicher mit dem Internet umgehen.

Tipp 7: Netzwerken Sie selbst

Sie mĂŒssen dafĂŒr nicht unbedingt bei Facebook und Co. ein Profil haben. Tauschen Sie mit anderen Eltern ihre Erfahrungen aus – die positiven wie die negativen.

Anmerkung der Redaktion:

Christian MĂŒhlbauer absolviert ein redaktionelles Praktikum bei uns in der Zeit vom 22. November – 10. Dezember 2010. Herr MĂŒhlbauer studiert an der Fachhochschule Ansbach “Ressortjournalismus.-€

Gabis Kolumne

Nur eine „Klamottenfrage“ oder doch viel mehr?

Guten Tag

Ladenburg, 4. Oktober 2010. Unsere Kolumnistin Gabi fragt sich, wie Kinder sich heutzutage abgrenzen, wenn Eltern oft die gleichen Klamotten tragen und die gleiche Musik hören.

„Hot ma des awwl so?“, fragte mich meine Großtante – (ich weiß weder wie man das schreibt und kann es auch nicht wörtlich ĂŒbersetzen, wusste aber sinngemĂ€ĂŸ, was sie meinte) – als ich ein Teenager war und mich kleidete, wie es gerade angesagt war.

Sie sagte nie, wie schrecklich meine Henna gefĂ€rbten Haare zu dem ĂŒbergroßen grĂŒnen Pullover, den ich heimlich aus der Altkleidersammlung meines Vaters rausgezogen hatte, aussah. Ganz im Gegenteil, als ich ihr meine neuen geschnĂŒrten Stiefel zeigte, schlurfte sie in ihre Kammer und brachte mir schwarze Altdamen-Stiefetten herbei und meinte, die wĂŒrden mir sicherlich passen.

Was junge MĂ€dchen heutzutage tragen

Ihr Verhalten beruhte nicht auf großer modischer Toleranz, nein eher auf Verwunderung, „was die junge MĂ€dchen heutzutage tragen“.

Das war bei meinem Vater ganz anders. Die tĂ€glichen Diskussionen ĂŒber meine unordentlichen Haare am Abendbrottisch, sind mir noch gut – und in keiner guten – Erinnerung. Er flippte regelrecht aus, als er sah, dass ich mir ein zweites Ohrloch hatte stechen lassen, auch wenn ich das wochenlang unter meinen „unordentlichen Haaren“ verbergen konnte.

Die alte Lederjacke, ein ErbstĂŒck von meinem Großvater, mein ganzer Stolz, verursachte bei ihm einen Wutausbruch: „Mit so was gehst du nicht in die Schule“, erklĂ€rte er keine Diskussion zulassend.

Mein erster Freund hatte lange Haare, ein absolutes „No-Go“. „Einen Langhaarigen brauchst du nicht mit nach Hause zu bringen“, lautete seine klare Anweisung.

Wie Sie es sich sicher denken können, ich trug die Lederjacke weiterhin und blieb mit meinem Freund ĂŒber ein Jahr zusammen, aber ich tat jetzt alles so, dass er weder das eine noch das andere mitbekam.

Heute bin ich mir sicher, dass er um Beides wusste, aber sich so leichter vormachen konnte, dass ich mich an seine Gebote und Verbote hielt.

Sind wir eine tolerante Generation?

Meine Kinder sind jetzt im Teenageralter. Und wir gehören wahrscheinlich zu der Generation, die sich selbst fĂŒr die toleranteste hĂ€lt.

Tragen wir doch die gleichen Jeans und Tops wie unsere Kinder. Schon jetzt holt sich meine 12jÀhrige Tochter Klamotten aus meinem Kleiderschrank und auch ich habe mir hin und wieder einen Schal oder Modeschmuck von ihr ausgeliehen.

Mein Sohn trug seine Haare eine Zeit lang recht lang und ich war richtig enttĂ€uscht, als er sie abschneiden ließ.

Dennoch gibt es bei uns natĂŒrlich Diskussionen ĂŒber Stylingfragen. So ist die GrĂ¶ĂŸe der Ohrringe, die Farbe und LĂ€nge der NĂ€gel unserer Tochter eine stĂ€ndige Streitfrage. Kreolen, die bis zur Schulter reichen und knallroter Nagellack sind absolut tabu. Und da achtet vor allem mein Mann drauf.

Ich dagegen rege mich ĂŒber zu lange Jeans, deren Hosenbeine durch das Schleifen auf dem Boden ausfranzen besonders auf. Vor allem, wenn mein Sohn mir erklĂ€rt: „Das muss so sein“. Aber alles in allem laufen zumindest diese Diskussionen bei uns ziemlich „gechillt“ ab.

Beliebt bei Teenie-Eltern ist auch die Frage, um das wann und ob von Tatoos oder Piercings. Als sich vor einem Jahr die Tochter einer Freundin eine Blume am Knöchel tĂ€towieren ließ, verkĂŒndete ich, „das wĂŒrde ich nie erlauben“. „Hast du dir schon mal ĂŒberlegt, wie sich unsere Kinder von uns abgrenzen sollen“, entgegnete meine Freundin. „Meine Mutter war noch gekleidet wie eine Mutter und nicht wie die Ă€ltere Schwester, an ihren Kleiderschrank wĂ€re ich nie gegangen. Wir dagegen tragen die gleichen Klamotten und hören die gleiche Musik.“

Das gab mir zu denken und als ich kĂŒrzlich mit meiner Tochter bummeln war und eine diesen Herbst angesagte „Jeggings“ in der Hand hielt, schĂŒttelte meine Tochter nur den Kopf und meinte: „Mama, dafĂŒr bist du dann doch etwas zu alt.“

Da legte ich das KleidungsstĂŒck schnell ins Regal zurĂŒck.

gabi