Mittwoch, 19. September 2018

Exklusive Weihnachtsaktion

Wir haben nichts zu verschenken – und tun’s trotzdem

Wir verlosen attraktive WerbeplĂ€tze – ohne Risiko fĂŒr Neukunden.

 

Rhein-Neckar, 11. Dezember 2010. (red) Gewerbetreibende, Dienstleister und Freiberufler können aktuell bei uns Werbeleistungen in Höhe von 7.700 Euro gewinnen. Ohne jegliche Verpflichtung. Unsere Aktion richtet sich an alle Neukunden, die vorwĂ€rts denken und realisieren, dass ĂŒberteuerte Print-Werbung der Vergangenheit angehört und Online-Werbung die Zukunft ist. Wir bieten eine hohe Aufmerksamkeit durch eine fundierte und kritische Berichterstattung. DafĂŒr werden wir von unseren Leserinnen und Lesern geschĂ€tzt. Die Aufmerksamkeit erarbeiten wir uns hart mit klassischem Journalismus. Unsere Werbekunden profitieren davon – denn heutzutage muss sich jeder der Kritik der Öffentlichkeit stellen und wo kann man das besser als bei einem konstruktiv-kritischen Online-Medium?

Von Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (46), GrĂŒnder und Chefredakeur der Rheinneckarblogs. Foto: sap

Wir bieten aktuell eine Verlosung an, die sich an Neukunden richtet. Die Regeln sind ganz einfach. Sie schicken uns eine Email, gewinnen mit etwas GlĂŒck einen unserer Preise und profitieren von unserem Werbeumfeld. Sie gehen keinerlei Verpflichtungen ein. (Hier sehen Sie die Werbeleistungen, die Sie gewinnen können und wie Sie an der Verlosung teilnehmen.) Es gibt kein Abo, keine versteckten Kosten. Es gibt kein Risiko fĂŒr Sie. DafĂŒr haben Sie die Möglichkeit, unverbindlich unsere Werbemöglichkeiten zu testen.

Und wenn Sie das interessiert, dann lesen Sie bis zum Ende weiter.

GlaubwĂŒrdigkeit ist Trumpf

Wir bieten dieses „Spiel“ an, weil wir ĂŒberzeugt sind, dass Sie als Gewinner weiter mit „uns spielen wollen“. Wer ist „uns“? Wir sind eine unabhĂ€ngige, journalistische Redaktion, die sich der Information der Öffentlichkeit verschrieben hat. Wir berichten kritisch. Wir informieren aktuell. Wir sind ehrlich.

Das unterscheidet uns in erheblichem Maß von den „etablierten Medien“, die seit Jahren mehr und mehr an GlaubwĂŒrdigkeit verlieren. Am dramatischsten lĂ€sst sich dieser GlaubwĂŒrdigkeitsverlsut bei den Zeitungen erkennen. Die Auflagen sinken und sinken. Die WerbeumsĂ€tze noch drastischer, weil die Preise unverschĂ€mt sind und die „Werbeleistung“ auch nicht im Ansatz erbracht wird. Zudem wird hĂ€ufig tendenziös berichtet.

Im Vergleich zu den Zeitungen, zum Radio und zum Fernsehen sind unsere Blogs, so nennen wir unsere Vor-Ort-Onlinezeitungen, noch relativ klein. Aber im Unterschied zu den anderen Medien verlieren wir keine Reichweite, sondern gewinnen dazu.

Engagierter Journalismus

Wir sind ein kleines Team von rund zehn Journalisten, die mit viel Herzblut und großer Überzeugung fĂŒr die demokratische Aufgabe ihren Job machen. Wir werden von sehr vielen BĂŒgerinnen und BĂŒrgern unterstĂŒtzt, die uns mit Informationen beliefern. Diese Quellen und ihre BedĂŒrfnisse nehmen wir ernst. Ebenso unsere Anzeigenkunden und ihre WĂŒnsche. Dabei halten wir uns allerdings strikt an das Gebot der Trennung von Redaktion und Vermarktung.

Denn wir sind ĂŒberzeugt davon, dass unsere Anzeigenkunden in erheblichem Maß von dieser Trennung und der damit verbundenen GlaubwĂŒrdigkeit profitieren. SelbstverstĂ€ndlich sind unsere Werbekunden fĂŒr uns erste Ansprechpartner: Ob es um Finanzen geht, um Hochzeiten, um Bauangelegenheiten, ums Auto, um Bildung, um Freizeit oder Sport oder Demografie. Unsere Kunden sind Experten, auf die wir gerne in unserer Berichterstattung zurĂŒckgreifen – aber trotzdem Quellen wie jede andere auch. Und wenn bei einem Kunden etwas schief lĂ€uft, werden wir auch hier wie gewohnt kritisch berichten. DafĂŒr gab es schon einige Beispiele und bis auf das Logistikunternehmen Pfenning hat keiner der Kunden  uns das bislang ĂŒbel genommen, was fĂŒr die große SouverĂ€nitĂ€t unserer Werbepartner spricht.

Bei „etablierten Medien“ ist das erkennbar anders. Über „gute Kunden“ wird nur Gutes berichtet. Kritik findet nicht statt. Damit beschĂ€digen „traditionelle“ Medien seit Jahren ihre GlaubwĂŒrdigkeit und die ihrer Kunden gleich mit.

Informationsorientierte Leserinnen und Leser

Unser Leserinnen und Leser sind ĂŒberwiegend zwischen 25 und 50 Jahren alt, sehr interessiert am lokalen Geschehen, an Politik, Gesellschaft und Kultur. Wir erreichen im Gegensatz zu Tageszeitungen auch Leser unter 25 Jahren, die selbstverstĂ€ndlich elektronische Medien benutzen. Und wir freuen uns, dass immer mehr Ü50-Leser sich aktiv im Netz informieren.

Unsere Nachrichtenangebote machen immer wieder auch ĂŒberregional Schlagzeilen. Wir bieten Dokumentationen, investigative Stories, hintergrĂŒndige Berichte und Service-Informationen fĂŒr die Bevölkerung vor Ort. Unser lokaljournalistisches Konzept ist Vorbild fĂŒr eine Reihe von anderen Lokalmedien, die in den vergangenen zwei Jahren ĂŒberall in Deutschland entstanden sind.

Wir finanzieren uns ausschließlich ĂŒber Werbeeinnahmen. Unsere Kunden sehen wir deshalb als Partner – denn sie unterstĂŒtzen und stĂŒtzen unsere journalistische Arbeit. Von unserem sehr guten Image profitieren die Partner natĂŒrlich ebenfalls. Wenn Sie sich vorstellen können, Werbepartner bei uns zu werden, freuen wir uns sehr und beraten Sie unverbindlich. Wir bieten mehr als nur die Schaltung von Anzeigen – wir beraten Sie umfassend zu klassischer Image- oder Aktionswerbung und zu Social Media-Kampagnen. Unsere Preise sind fair und passen zu Kleinunternehmern, Dienstleistern bis hin zu großen Firmen aus dem Mittelstand. Unsere renommierten Werbepartner schĂ€tzen unser qualitativ hochwertiges Werbeumfeld bereits.

Probieren Sie es einfach aus. 🙂

Wenn Sie an der Aktion teilnehmen möchten, klicken Sie bitte auf den Link.

Wenn Sie uns direkt erreichen möchten, wÀhlen Sie 0621/ 437 458 30 oder schicken eine email an anzeigen (at) rheinneckarblog.de

Ihr

Altstadt und Verkehr: Die falsche Debatte

„Der letzte wirft den SchlĂŒssel in den Neckar“

Ladenburg, 26. Juni 2012. (red/pro) Rund 90 interessierte BĂŒrgerinnen und BĂŒrger fanden gestern den Weg in den Domhof, um mit BĂŒrgermeister Rainer Ziegler und Interessenvertretern ĂŒber ein Jahr „unechte Einbahnstraße“ zu diskutieren. Das ist die falsche Debatte – denn sie fĂŒhrt zu nichts.

Kommentar: Hardy Prothmann

Es geht nicht um die Frage, ob man eine FußgĂ€ngerzone will, alles wie es vorher war oder die jetzige Lösung der „unechten Einbahnstraße“ fortfĂŒhrt. Es kann nur um die Frage gehen – was aus Ladenburg und seiner historischen Innenstadt werden soll.

Außergewöhnliches Flair

Hardy Prothmann ist Chefredakteur von Ladenburgblog.de und blickt mit Sorge auf die Entwicklungen.

Ladenburg ist eine bislang sehr lebendige Stadt mit einem außergewöhnlichen Flair – dieses besteht aus der Mischung vieler Angebote: Der historischen Altstadt als Attraktion fĂŒr Touristen und AusflĂŒgler, Gastronomie, Einzelhandel, Gewerbe, Dienstleister, aktive Vereine und Festen. Die Menschen kommen gerne nach Ladenburg, bringen Geld in die Stadt, beleben sie und sie nutzen dazu ĂŒberwiegend das Auto.

Eine FußgĂ€ngerzone wĂŒrde der Gastronomie, dem Handel und den Dienstleistern ĂŒberwiegend innerhalb von wenigen Jahren den Garaus machen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Das nĂ€chste Opfer wĂ€re der Tourismus – kein Platz zum Innehalten und sich zu verpflegen, keine Einkaufsmöglichkeiten, keine Souvenirs, heißt keine Touristen und AusflĂŒgler. Gastronomie kaputt, Handel kaputt, heißt Dienstleister kaputt.

Tote Konsequenzen

Gastronomie, Handel, Dienstleister, Touristen weg, heißt in der Konsequenz, dass die Innenstadt tot wĂ€re. Kein Verkehr, kein GeschĂ€ftsbetrieb, keine AuswĂ€rtigen. Ladenburg wĂ€re ein Museum ohne Besucher.

Und ohne jede Verkehrsmaßnahme ist Ladenburg jetzt schon auf diesem Weg – das zeigen die Schließungen der LĂ€den und die abnehmenden Verkehrszahlen – auch ohne jede „unechte Einbahnstraße“.

Und mit jedem Laden, der schließt, wĂ€chst die Gefahr fĂŒr andere, dass es ihnen bald ebenso geht. Denn je geringer das Angebot, desto geringer wird die Nachfrage.

Widerstand ist gefragt

Die Stadt Ladenburg wĂ€re sehr gut beraten, wenn sie sich nicht von sogenannten „Pressure-Groups“ unter Druck setzen lassen wĂŒrde, sondern selbst handelt. Mit einem aktiven und kreativen Stadtmarketing.

Das wĂŒrde Leute wie den Landtagsabgeordneten Gerhard Kleinböck ausschalten, dem ich unterstelle, nur aus wahltaktischen GrĂŒnden immer wieder die Verkehrsdebatte zu fĂŒhren. (Wo war der eigentlich?)

Das wĂŒrde einzelne Mitglieder des Bunds der SelbstĂ€ndingen ausschalten, die vorgeben, die HĂ€ndler zu vertreten und doch nur ihr eigenes SĂŒppchen kochen.

Das wĂŒrde die ausschalten, die eigentlich nur grundsĂ€tzlich nörgeln wollen und vor allem gegen den BĂŒrgermeister.

Alle genannten sind zwar laut und werden gerne von den lokalen Zeitungen fĂŒr Pseudo-Aufreger instrumentalisiert – aber sie sind nur kleine Gruppen, die nicht die Meinung und die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung wiedergeben. Und die alten lokalen Medien sind mit ihrer „Schönschreiberei“ sehr wesentlich fĂŒr viele Probleme verantwortlich.

Lösungswege gegen Ausweglosigkeit

Ein aktives Stadtmarketing wĂŒrde auch diese „Groups“ hören, sich aber nicht unter „Pressure“ bringen lassen. Sondern Konzepte und Lösungen entwickeln, die der Stadt ingesamt dienen. Ein erster Ansatz wĂ€re eine „gescheites Parkleitsystem“. Wer von außen kommt, findet die oft versteckten Parkmöglichkeiten nicht und fĂ€hrt eben in die Innenstadt.

Klagen gegen Feste wie die von Anwohnern des Marktplatzes sind in unserem Rechtsstaat grundsĂ€tzlich möglich. Aber sind sie richtig? Muss man so kompromisslos das Einzelwohl ĂŒber das Gemeinwohl stellen? HĂ€tte hier ein Marketing mit flexiblen Möglichkeiten nicht die Katastrophe (und das ist es) verhindern können? Und ist nicht auch die Verkehrsdebatte eine, die von wenigen ĂŒber viele gefĂŒhrt wird?

Kann man das GefĂŒhl von wenigen, die „ihre absolute Ruhe haben wollen“ nicht in ein GefĂŒhl von „wir schĂ€tzen es, dass hier was los ist“ wandeln?

„Ladenburg tafelt“ könnte zu einer herausragenden Veranstaltung werden – aber nur, wenn man das endlich professionell statt klĂ€glich organisiert und den Egoisten klar macht, dass sie alleine nichts reißen.

Das Drama des dieses Jahr aus „OrganisationsgrĂŒnden“ ausgefallenen Ballon-Festivals hĂ€tte es nicht gegeben. Das ein solches Ballon-Festival erfolgreich ist, seit die Historie in Ladenburg und die WeiterfĂŒhrung im Mannheimer Luisenpark. In Ladenburg zeigt der Ausfall nur, dass hier dringend Handlungsbedarf besteht.

Ein aktives Marketing könnte vermutlich verhindern, dass Sauf-Parties von Jugendlichen den Ruf der Stadt schĂ€digen. Und im Gegenteil dafĂŒr sorgen, die VorzĂŒge deutlich herauszustellen.

Tot oder lebendig – das ist die Frage

Ein nĂ€chster Ansatz wĂ€re, den GeschĂ€ftsleuten klar zu machen, dass es 5 vor 12 Uhr ist. Wer nur an sich denkt und nicht in einer Gemeinschaft der „gemeinsamen Innenwirtschaft“ wird einer nach dem anderen das Licht ausmachen können mĂŒssen. Der letzte schließt dann die zweitĂ€lteste Stadt Deutschland als totes Museums ab und wirft den SchlĂŒssel in den Neckar.

Dann herrscht Ruhe. Friedhofsruhe.

Mariettas Kolumne: Der Stolz auf die Schlange ist die Verachtung des Kunden – Urlaub geht anders


Heute keine Schlange und keine 30 Minuten warten.

Von Marietta Herzberger

Wenn der Mensch viel arbeitet, braucht er ab und an ein wenig Urlaub. Die einen zieht es ins KĂŒhle, die anderen an PalmenstrĂ€nde. Meine Freundin Susanne und ich gehören zu den anderen. Spontan entschlossen wir uns zu einem Pauschalurlaub in Zentraltunesien, in der NĂ€he von Monastir.

Von der Sahara…

Faszinierende WĂŒste! RespekteinflĂ¶ĂŸend und fesselnd. Der nötige Ausgleich fĂŒr viele Monate harter Arbeit und Strapazen.
Das Hotel Karawansarei in Douz, am Rande der Sahara, war unser Quartier fĂŒr eine Nacht innerhalb eines Touristen-Pauschal-Ausflugspaketes. Das Etablissement wirkte von Außen eher wie eine Festung und machte seinem Namen alle Ehre. Am nĂ€chsten Morgen wurden wir dann bereits kurz vor 5 Uhr geweckt, um rechtzeitig am Rande der Sahara einzutreffen, wo uns ein Kamelritt ĂŒber SanddĂŒnen in den Sonnenaufgang erwartete. Hierzu wurden wir mit unserem Bus direkt bis an die Beduinenzelte gefahren, um ja nicht zu viel Romantik aufkommen zu lassen.

Nun denn: Rauf auf die Kamele und ab in die WĂŒste. Unbeschreiblich, welche Ruhe dieses weite Land fernab jeglicher Zivilisation ausstrahlt. Die beeindruckende Weite des Landes, der feine Sand, die Beduinen, die sich am Lagerfeuer vor ihren Zelten wĂ€rmten, dies alles ĂŒbte eine unglaubliche Faszination auf uns aus. Daran Ă€nderte auch die Tatsache nicht viel, dass wir diese Idylle mit ca. 80 weiteren Touristen teilen mussten.

Ein kurzweiliger, kaum vierstĂŒndiger Ritt auf den gutmĂŒtigen WĂŒstenschiffen bei mittlerweise gefĂŒhlten 40 Grad im Schatten brachte uns schließlich an einen Kiosk.

Sieht so eine Oase aus?

Ein Kiosk? Mitten in der WĂŒste? Ja, ein Kiosk mitten in der WĂŒste! Egal! Wir alle dĂŒrsteten nach Wasser und einem StĂŒckchen Brot. Der KamelfĂŒhrer hob die Hand und rief etwas unverstĂ€ndliches, woraufhin alle Kamele plötzlich stehenblieben, sich erst nach vorne absenkten, um dann das Hinterteil ebenfalls zu Boden gleiten zu lassen. Susanne kippte fast vornĂŒber, blieb jedoch zum GlĂŒck mit ihrer GĂŒrtelschnalle am Sattelknauf hĂ€ngen.

Kaum waren alle abgestiegen, gab uns der nette Beduine zu verstehen, dass wir uns hintereinander aufstellen sollten, um dem begehrten Nass inmitten der WĂŒste baldig habhaft zu werden. Also standen wir in der Schlange. Wir fĂŒhlten uns wie zu Hause. Es war noch keine halbe Stunde vergangen, da vernahmen wir von weit vorne einen Ruf.

„Seht!“, rief ein verdurstender Mitreisender beglĂŒckt, „Seht nur!“ Mit ausgestrecktem Arm deutete er auf ein aufgestelltes Schild mit der Aufschrift:

…in die DienstleistungswĂŒste

„TRINKEN!“, jubilierten wir und erhoben die HĂ€nde, „ESSEN!“, und etwas unglĂ€ubig, „Badeartikel?“
In diesem Moment brach eine etwas fĂŒlligere Frau vor uns in TrĂ€nen aus. „Ein Pool! Ein POOL!“
TatsĂ€chlich! Kurz nach dem kleinen, weißen, in der Ferne kaum erkennbaren GebĂ€ude, dem „Schwimmbad-Shop“, leuchtete etwas Blaues. Die Verlockung zeriss mich fast. Susanne heulte „Was sollen wir tun?“
„Warten!“, krĂ€chzte ich selbstbeherrscht.

Die gesichtslose Masse am Anfang der Schlange konnte jedoch nicht an sich halten – zu nah war das erfrischende, kĂŒhle Blau des Wassers. Kurzerhand ĂŒberwĂ€ltigten einige von ihnen den KamelfĂŒhrer, der erfolglos versuchte, den Mob in der Schlange zu halten.
„Wollen wir auch in den Pool?“, hauchte Susanne zwischen vertrockneten Lippen hervor.

„Nein“, stöhnte ich, wĂ€hrend ich mir die letzten Schweißtropfen von den Armen leckte. Eines stand fĂŒr mich fest: Egal wie lang diese Schlange sein mochte, ich wĂŒrde aushalten. TRINKEN! ESSEN! Das Kiosk – so weit es auch sein mochte – verkörperte fĂŒr mich die Oase schlechthin. Ich wĂŒrde warten. Warten wĂŒrde ich. Jawoll!

Nach zwei Stunden brach die dicke Frau vor mir zusammen. Ein mitleidiger Mitreisender trat kĂŒhn aus seiner gesicherten Position und zog die GlĂŒckliche bis an den Pool. Dann stĂŒrzte er wieder in die Schlange zurĂŒck. Er musste sich hinten anstellen. Wir hatten eine undurchdringbare Kette gebildet. TRINKEN! ESSEN!

Langsam, sehr langsam ging es vorwĂ€rts. Die gleißende Sonne ließ uns taumeln; an unseren FĂŒĂŸen rasselten die Ketten, die bei jedem Schritt den Sand der WĂŒste aufwirbelten.

Da! Ein Aufschrei! GequĂ€lt blickten wir nach vorne. Von dort kam der Schrei. Vom Ort der Erlösung. Dann noch ein Schrei. Und noch einer. Viele Schreie. Nein, eher GebrĂŒll. WĂŒtendes, verzweifeltes GebrĂŒll einer wĂŒtenden, verzweifelnden Herde. Nervös versuchten wir, einen Blick ins GetĂŒmmel zu erhaschen. Mit einem Male stĂŒrzten alle nach vorne. Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, dass manche versuchten, den KamelfĂŒhrer im Pool zu ersĂ€ufen. Schließlich löste sich die Schlange gĂ€nzlich auf.

Willkommen beim Schwimmbad-Shop in Viernheim.

Eben noch das letzte Glied, standen wir nun direkt vor dem „Schwimmbad-Shop“. Der letzte Schweißtropfen verdampfte zischend in der Luft als wir das lieblos aufgestellte Informationsschild vor den heruntergelassenen Rollladen entzifferten:

„Nur bei schönem Wetter geöffnet. Schönes Wetter ab 60 Grad.“

Entgeistert starrten wir uns an. Dann stĂŒrzten wir in den Pool und halfen, den KamelfĂŒhrer zu ertrĂ€nken!

„MAMAA!“
VerblĂŒfft löste ich meine verkrampften Finger aus dem schwarzen Schopf des Beduinen.
„Maaaamaaa! Aufwachen!“

Etwas KĂŒhles tropfte zwischen meine SchulterblĂ€tter. Langsam öffnete ich die Augen. Es dauerte nur Bruchteile einer Sekunde, bis ich erkannte, wo ich mich befand. Der vertraute Wildwuchs rund um das ehemalige Kinderbecken des Viernheimer Waldschwimmbades ist nicht gerade eine Augenweide, ĂŒberzeugte mich jedoch glaubhaft, nicht in der WĂŒste verdurstet zu sein.

„Ich hab Hunger“, maulte Ella, meine Tochter, „Darf ich mir ein FleischkĂ€sebrötchen holen?“

„TRINKEN! ESSEN!“, flĂŒsterte ich.
„HĂ€?“
„Hat das Kiosk denn auf?“, fragte ich nicht grundlos. Gerade eben entdeckte ich eine Wolke am Himmel.

Shopping-Erlebnis.

Denn man muss wissen:
Der „Schwimmbad-Shop“ im Viernheimer Waldschwimmbad hat nur bei schönem Wetter in Verbindung mit einer gewissen Anzahl an Schwimmbadbesuchern – welche Anzahl das ist, mag nur dem Kiosk-PĂ€chter bekannt sein – geöffnet. Ist es geöffnet, dann ist es in der Regel brĂŒllend heiß und das Schwimmbad brechend voll. Was den PĂ€chter aber noch lange nicht dazu veranlasst, das zweite Fenster des Kiosk-ÂŽ zu öffnen um dort dann evtl. GetrĂ€nke zu verkaufen. Nein, ein Fenster muss reichen fĂŒr Essen und GetrĂ€nke mit einer Ein-Frau-Besetzung und einigen „Zubereitern“ im Hintergrund.

Stolz auf die Schlange?

Trotz allem scheint der PĂ€chter sehr gewissenhaft zu sein. An schlechten Tagen, so erzĂ€hlt man sich – wobei „schlecht“ durchaus individuell und gefĂŒhlt sein kann – sucht er mehrmals die unmittelbare NĂ€he seines Kiosk auf, schaut gen Himmel, entdeckt eine Wolke, zĂ€hlt die BadegĂ€ste ab und geht wieder.

Sollte der Himmel aufreißen und Scharen Einlass begehren, so öffnet er seine kulinarischen Pforten und bietet FleischkĂ€sebrötchen, Pommes und Currywurst gegen wenig Geld. Soweit, so löblich. Die Schlange nimmt er offenbar stolz zur Kenntnis, zeigt sie doch auf, wie begehrt sein Angebot ist.

Hastig wirft er Stuhl und Tisch vor die gitternen Tore des Bades, so dass jeder hungrige Platz nehmen kann. Diese herzlich lieblos gestaltete Umgebung verleitet so manch hungriges Geschöpf, die ergatterte Mahlzeit direkt auf der Liegewiese zu sich zu nehmen. VerstÀndlich.

Wer sitzt schon gerne an heißen Tagen auf heißem Plastik direkt vor GitterstĂ€ben in unmittelbarer NĂ€he zur Straße, zu Toiletten – auch wenn es praktisch erscheinen mag, so harmonieren die gelegentlich herĂŒberwehenden DĂŒfte nicht wirklich mit dem Aroma von Pommes – und mit Blick auf eingezĂ€unten Wildwuchs?

GemĂŒtlich geht anders.

Nun, es ist vielleicht nicht nur mir ein seit Jahren existierendes RÀtsel, welches wohl nie gelöst werden wird, warum die PÀchter des Viernheimer Schwimmbad-Shops offenbar selbst kein Interesse an einem florienden Kiosk aufbringen wollen oder können. Verzeihen Sie mir meine offenen Worte. Niemand kann hinter die Kulissen schauen und ehrlich gesagt, möchte und muss ich das auch nicht.

Dass es auch anders geht, beweisen das Kiosk des Weinheimer Sees oder insbesondere die Gastronomie im Heddesheimer Schwimmbad. Wie sagte ein Freund neulich? „Horche mol. Kummt mol mit ins Heddesheimer Freibad. Do hoggscht wie in die Karibik uff Longschmebel mit de Fieß im Sond.“ Ja, denke ich mir, leider gibt es dort aber kein FĂŒnzig-Meter-Becken wie im Viernheimer Waldschwimmbad.

Potential ist da – auch um die Ecke.

Potential wĂ€re da. Totes Kapital liegt genĂŒgend herum, Ă€hnlich wie die heruntergefallenen Pommes vor dem Ausgabestand, die man sich umstĂ€ndlich aus den Zehen pulen muss, wenn man auch nur am Kiosk vorbeilĂ€uft – bei schönem Wetter wohlgemerkt.

Vor kurzem war schönes Wetter. Es war warm. Nicht heiß, aber warm. Ein paar Wolken zogen ĂŒber den Himmel. Zusammen mit ein paar MĂ€dchen im Alter meiner Tochter schwammen wir ein paar Runden. Dann hatten die MĂ€dchen Hunger. Der Kiosk war geschlossen, wie so oft. Wenn Sie jetzt sagen, dann soll sich die Frau doch etwas mitnehmen, haben Sie recht.

Aber ist das im Sinne des PĂ€chters? Könnte nicht wenigstens die Grundversorgung – eventuell in Form von Brezeln – gesichert sein? Das wĂ€re doch mal ein Anfang. Wir meinen es nicht böse. Wir wollen doch nur ein bisschen VerlĂ€sslichkeit, gesicherte Öffnungszeiten, nett sitzen und die leckeren FleischkĂ€sebrötchen.

Nun, das „Maximum“ direkt neben dem Schwimmbad ist fußlĂ€ufig in 35 Sekunden zu erreichen. Dort warte ich ca. fĂŒnf Minuten in angenehmer AtmosphĂ€re auf eine Pizza- bekomme noch einen Espresso umsonst, weil ich mich jedes Mal ĂŒber die „ServicewĂŒste Viernheimer Waldschwimmbad-Kiosk“ Ă€rgere – und bin nach ungefĂ€hr 8 Minuten – die Zeit der Bestellaufnahme und Bezahlung mit eingerechnet – wieder auf dem Handtuch bei meinen MĂ€dels.

Da habe ich obendrein auch noch ca. 20 Minuten gespart. Warum? So muss niemand von uns 30 Minuten in der Schlange stehen und im gĂŒnstigsten Fall fĂŒr vier MĂ€dchen je ein FleischkĂ€sebrötchen erstehen. FĂŒr Kaffee oder eine „TĂŒte SĂŒĂŸes“ steht man genauso lange. Vorausgesetzt, es ist geöffnet.

Marietta Herzberger.

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen ĂŒber den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos ĂŒberzogen. Es sind keine „journalistischen“ Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: „Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen“ – Konrad Adenauer. Und: „Wer kĂ€mpft, kann verlieren. Wer nicht kĂ€mpft, hat schon verloren“ – Bertolt Brecht. Wir wĂŒnschen unseren Lesern viel Lesespaß mit ihren Texten!

Eine Odyssee des Ärgers durch die „nĂ€chtliche“ Gastronomie


Guten Tag

Rhein-Neckar, 07. MĂ€rz 2011. Es ist Samstagabend, Gabi und ihr Mann besuchen ein Konzert und wollen danach noch etwas essen gehen – der Beginn einer Odysee des Ärgers, wie Gabi meint. Das kommt davon, wenn man Neues ausprobieren will.

Mein Mann und ich haben vor kurzem ein Konzert besucht und hatten anschließend noch Hunger. Zugegebenermaßen, wir befinden uns in Mittel- und nicht in SĂŒdeuropa und HungergefĂŒhle nach 22 Uhr sind demnach nicht angebracht.

Doch der Konzertveranstalter hatte angekĂŒndigt, ein Restaurant, gleich um die Ecke, sei auf die KonzertgĂ€ste eingestellt. Und schließlich hatten wir Samstagabend.

Eigentlich hatten wir schon eine schöne, uns bekannte Gastronomie (tolles Ambiente, gute Preise, supernetter Service) im Blick, aber dann dachten wir: „Ok, was Neues“, und machten uns schnurstracks auf den Weg.

Wir betraten 15 Minuten vor 22 Uhr das Lokal, erfreuten uns der netten AtmosphĂ€re und der variantenreichen Speisekarte. Wir wĂ€hlten schnell aus und wollten zĂŒgig bestellen – denn, wie gesagt, wir hatten Hunger.

„Entweder Sie nehmen jetzt das oder gar nichts.“

Die Bedienung kam, lĂ€chelte und erklĂ€rte uns, ob der fortgeschrittenen Stunde gĂ€be es nur noch ein Essen, und zwar „Rinderbraten mit Knödel“. Ob es denn nicht auch etwas Leichteres geben wĂŒrde, wollten wir wissen. Etwas, was in der KĂŒche nicht viel Arbeit bereitet? „Nein“, lautete die rigorose Antwort, das sei mit dem Konzertveranstalter so ausgemacht, die KĂŒche habe schließlich ab 22 Uhr geschlossen und „entweder Sie nehmen jetzt das oder gar nichts“, schloss die Kellnerin ihre „freundlichen“ AusfĂŒhrungen.

Es könnte alles so nett sein, wenn da nicht das Problem mit der "Dienstleistung" wÀre. Bild: rheinneckarblog.de

Herzlich willkommen in der DienstleistungswĂŒste Deutschland, dachten wir, und entschieden uns fĂŒr „gar nichts“ und verließen die Restauration.

Gleich ums nĂ€chste Eck, hofften wir, freundlicher empfangen zu werden. Um 22 Uhr betraten wir das nĂ€chste Lokal, vergewisserten uns, dass die KĂŒche bis 22.30 Uhr geöffnet hatte, und bekamen, leicht genervt, von der Bedienung, denn sie habe ja gleich Feierabend, wie sie uns vor- und die Karte auf den Tisch warf. Wir wechselten einen Blick und entschieden uns, der Dame keine Arbeit zu machen und nochmals die StĂ€tte zu wechseln.

Nummer drei und vier unserer Odyssee sind nicht wirklich erwĂ€hnenswert, nur so viel: Bei der dritten Gastronomie gingen wir noch durch die TĂŒr und trafen auf eine „geschlossene“ Stammtischgesellschaft, die uns wortlos anglotzte als seien wir Störenfriede, beim vierten „Restaurant“ hielten uns die Speisekarte mit „KĂŒche bis 22 Uhr“ und gesalzene Preise davon ab einzutreten und unser „GlĂŒck“ in Versuchung zu bringen.

Oder vielleicht doch lieber einen Döner?

Zur Erinnerung – wir hatten Hunger. Mein verzweifelter Vorschlag, eine Dönerbude aufzusuchen oder bei dem amerikanischen SpezialitĂ€tenrestaurant vorbeizuschauen, wurde von meinem Mann ausgebremst – wahrscheinlich ein Fehler, dachte ich.

Noch war nicht aller Tage Abend, auch wenn wir uns schon bald der 23 Uhr-Grenze nÀherten.

„Ich hab-€ℱ da eine Idee“, sagte mein Göttergatte und wir bestiegen das Auto, um eine weitere Location etwas außerhalb aufzusuchen. Dort, da war er sich sicher, wĂŒrden wir bestimmt noch etwas bekommen und gut bedient werden.

Lecker geht anders, freundlich auch.

Ja, dachten wir, als wir das Lokal betraten, hier sind etliche Tische noch besetzt, Essen scheint hier auch um diese Uhrzeit kein Problem zu sein. Eine reichliche Speisekarte wurde uns schnell gereicht und alles war bestellbar.

Keine zehn Minuten spĂ€ter wurde das Essen gebracht. Lieblos knallte uns die Bedienung die Teller hin, aber davon wollten wir uns nicht stören lassen, denn schließlich hatten wir ja Hunger und so schlecht sah das alles auch gar nicht aus.

Wir wurden satt. Mehr kann und will ich dazu nicht sagen.

Lecker geht anders, freundlich auch. HÀtten wir doch nur einen Döner gegessen.

Oder wĂ€ren dahin gegangen, wo wir uns wohlfĂŒhlen – aber wir wollten ja unbedingt „was Neues“ ausprobieren.

gabi