Sonntag, 24. September 2017

Sechs NPD-Kundgebungen- vier Gegendemos - keine Zwischenfälle

Engagement gegen Nazis – aber auch Ignoranz und Lethargie

Laut und friedlich demonstrierten die Menschen heute auf der NPD-Wahlkampftour. In Weinheim mussten sie von ihrem angemeldeten Platz weichen.

Laut, aber friedlich demonstrierten die Menschen gegen die NPD auf Wahlkampftour – bis auf Angelbachtal und Rauenberg, wo die Rechtsextremen auf keinen Widerstand durch Gegendemonstranten gestoßen sind. In Weinheim hingegen sogar erreichten sie noch nicht mal den angemeldeten Platz bei der „Reiterin“.

 

Ladenburg/Weinheim/Hemsbach/Rhein-Neckar, 01. September 2013. (red/ld/zef/pro/local4u) Es herrscht Wahlkampf in Deutschland – auch für die rechtsextreme NPD. In sechs Gemeinden des Rhein-Neckar-Kreises hielt die verfassungsfeindliche Partei am Samstag Kundgebungen ab: In Rauenberg, Angelbachtal, Schwetzingen, Ladenburg, Weinheim und Hemsbach. Zwischen 100 und 150 Menschen stellten sich jeweils in Schwetzingen, Ladenburg und Weinheim mit Demonstrationen gegen die rechtsextreme Partei. In Rauenberg, Angelbachtal und Hemsbach waren keine Gegendemonstrationen angemeldet. In Hemsbach kamen trotz „Lethargie“ wenigstens knapp 60 Anwohner und Passanten zu einer spontanen Gegenkundgebung zusammen. [Weiterlesen…]

Stadt und "Wir gegen rechts" wollen Nazis "ignorieren"

Quo vadis Ladenburg?

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Geht es nach Bürgermeister Rainer Ziegler und dem Bündnis „Wir gegen rechts“ soll niemand gegen die NPD demonstrieren, sondern den Auftritt der Rechtsextremen durch „Ignoranz abstrafen“.

 

Ladenburg/Rhein-Neckar, 30. Agust 2013. (red/pro) Bürgermeister Rainer Ziegler und das Bündnis „Wir gegen rechts“ wollen eine für Samstag angekündigte NPD-Veranstaltung auf dem Dr.-Carl-Benz-Platz „ignorieren“. Bürger/innen sollen als „wahre Demokraten“ der Veranstaltung fern bleiben. Diese „entschlossene“ Ignoranz macht fassungslos. Der DGB und andere wollen sich dem nicht anschließen.
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Einsatzleiter appelliert an Kundgebungsteilnehmer

Polizeidirektor Schäfer: „Ich möchte Sie als echte Demokraten erleben.“

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Polizeidirektor Dieter Schäfer setzt auf Deskalation. Foto: Polizei

 

Ladenburg/Rhein-Neckar, 16. August 2013. (red) Unsere Vermutungen über einen großen Polizeieinsatz treffen wahrscheinlich nicht ein. Der Einsatzleiter, Polizeidirektor Dieter Schäfer, ist immer wieder für „Überraschungen“ gut. In einem offenen Brief an die Kundgebungsteilnehmer beider Seiten betont er die Bedeutung der grundgesetzlich geschützten Versammlungsfreiheit. Gleichzeitg wünscht er sich für die Polizei die Rolle des Beobachters und appelliert an die eigene Verantwortung der Teilnehmer. Das Experiment könnte als „Ladenburger Deskalationsmodell“ in die Polizeitaktik eingehen.

Von Hardy Prothmann

Polizeidirektor Dieter Schäfer übernimmt häufig die Einsatzleitung für „Großlagen“. Aufgrund dessen sind wir davon ausgegangen, dass in Ladenburg möglicherweise mehrere hundert Polizisten aufmarschieren würden – doch diese Annahme ist nicht richtig gewesen. [Weiterlesen…]

„Gegen das Vergessen“ heißt auch hinschauen


Guten Tag!

Ladenburg, 29. Januar 2011. Siebenundreißig Stolpersteine sind verlegt. Als Mahnung, als Erinnerung an die grausame, menschenverachtende Zeit des deutschen Nationalsozialismus, der Millionen Menschen den Tod und den Deutschen Schande gebracht hat. Die Broschüre „Spuren jüdischen Lebens in Ladenburg – Ein Rundgang“ ist ein zusätzliches Dokument, das die Erinnerung an diese fürchterliche Zeit wachhält. Man will nicht vergessen. Das ist gut so. Man muss sich aber auch der Realität stellen. Das ist besser.

Von Hardy Prothmann

Am 16. November 2010 ist hier auf dem ladenburgblog der Text „Hitlerbart und Nazi-Symbole – wie sich ein Teil der CBG-Jugend im Internet auslebt“ erschienen. Dieser Text hat enorme Aufmerksamkeit gefunden und viel Kritik ausgelöst – gegen den Text und gegen mich als Verfasser.

Ich habe allerdings auch sehr viel Zuspruch erfahren. Wie auch immer – bis heute gibt es keine Reaktion von „offizieller Seite“ und das ist mehr als bedauerlich.

Vor allem vor dem Hintergrund des 66. Jahrestags zur Befreiung von Auschwitz und einem offiziellen Festakt, an dem auch das Bündnis „Wir gegen Rechts„, der Bürgermeister und andere Honoratioren sowie rund 80 Bürgerinnen und Bürger der Stadt teilgenommen haben.

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Der 37. Stolperstein für Lilli Frankenthal - 1942 in Auschwitz ermordet.

Deswegen nehme ich aus „aktuellem Anlass“ das Thema nochmals auf – wer sich mit Ladenburg, Geschichte, Journalismus, lokalen Medien, meiner Person und dem Thema auseinandersetzen möchte, wird sicherlich an den folgenden Informationen interessiert sein.

„Meine“ Geschichte mit der deutschen Geschichte

Ich bin 1966, also 21 Jahre nach dem Ende des „Dritten Reichs“ geboren.

Im Alter von vierzehn Jahren, also 1980, habe ich das erste Mal vom wirklichen Ausmaß der nationalsozialistischen Diktatur im Sozialkundeunterricht erfahren. In den folgenden Jahren lernte ich alles, was wir darüber lernen mussten.

Aber irgendwann kamen mir Hitler und das Dritte Reich zu den Ohren raus. Nicht nur einmal habe ich gedacht: „Nicht schon wieder.“ Aber der Lehrplan war gnadenlos.

Vor allem die Schuldfrage quälte mich. Was hatte ich damit zu tun? Ich war und bin nicht schuld an dem, was passiert ist. Zu keiner Zeit meines Lebens. Auch meine Eltern, 1944 und 1947 geboren, sind frei von jeglicher persönlicher Schuld.

Ich finde alles, was damals passiert ist, grausam, verachtenswert, erschütternd.

„Witzfigur“ Hitler?

Und es fällt mir persönlich bis heute schwer zu glauben, dass Adolf Hitler, diese „Witzfigur“, dieser kleine, hässliche Mann mit seinem blöden Bart und seiner ätzenden Stimme solch ein Ver“führer“ gewesen sein soll. Irgendetwas „Komisches“ kann ich an diesem Verbrecher bis heute nicht erkennen.

Und ich wusste, Hitler alleine kann nicht für alles verantwortlich sein. Auch nicht ein paar mehr oder viele mehr. Es waren sehr, sehr viele Deutsche an den Verbrechen beteiligt.

Adolf Hitler, 1933. Quelle: Bundesarchiv, Bild 146-1990-048-29A / CC-BY-SA

Nach der Schule habe ich Germanistik, Politische Wissenschaften und Philosophie in Mannheim studiert. Und nach und nach verstanden, warum wir Schüler mit dem Thema so „verfolgt“ worden sind. Denn der Geist des Nationalsozialismus, des Antisemitismus, der Fremdenfeindlichkeit war und ist unter uns.

Auch in anderen Ländern dieser Welt. Das schmälert aber in keiner Weise die historische Schuld, die die Bundesrepublik Deutschland zu tragen hat. Das Dritte Reich ist ein Erbe, das man nicht verweigern kann.

Schuldfrage

Wer wie ich als junger Mann denkt: „Was hab ich damit zu tun?“, dem muss man ehrlich antworten: „Ersteinmal nichts.“

Und dann muss man aufklären, warum man doch „auch schuldlos“ eine historische Verantwortung trägt, sich zu dieser bekennen sollte und für sich und die Zukunft dafür sorgt, dass dieser Geist, der damals herrschte, keinen Platz mehr in Deutschland haben sollte.

Sicher: Vergessen und vergeben ist gut, kann aber genauso schädlich sein. Vor allem dann, wenn man wegschaut. Und vor allem dann, wenn man wegschaut und untätig bleibt, obwohl man es besser wissen könnte oder andere es besser wissen könnten und einen nicht darüber informieren, was passiert. Angeblich wussten ja auch angeblich viele Deutsche damals nicht, was vor sich ging.

Damals ist damals gewesen, kann man argumentieren. Doch damals reicht bis in die Gegenwart.

Schattige Vorbilder der Vergangenheit

Der 1913 in Mannheim geborene und 2007 verstorbene und bis heute von vielen geachtete frühere baden-württembergische Ministerpräsident Hans Filbinger (CDU) war ein NSDAP-Mitglied und hat mit der Haltung: „Was damals rechtens war, kann heute nicht Unrecht sein“, von ihm als Nazi-Richter erlassene Todesurteile verteidigt und sich durch eine sture und intolerante Haltung bis zu seinem Lebensende „ausgezeichnet“.

Und er hat lange in der Politik gewirkt, Posten besetzt, Politik und Menschen geprägt.

Auch den ehemaligen Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU), der die Rolle Filbingers in einer Trauerrede anlässlich dessen Todes verklärte. Die „Oettinger-Affäre“ hätte fast zum Rücktritt Oettingers geführt. Oettinger nahm seine Äußerung zurück, woraufhin der Zentralrat der Juden in Deutschland die Rücktrittsforderung nicht weiter betrieben hat. Oettinger blieb aber Mitglied des „rechtsnationalen“ Studienzentrums Weikersheim, das Filbinger gegründet hat.

12. April 1945: Foto vom KZ-Außenlager_Boelcke-Kaserne in Nordhausen, in dem über 20 000 Menschen ihr Leben ließen. Foto: T4c. James E Myers

Verschiendene Künstler bilden bis heute ganz selbstverständlich unsere kulturelle Basis. Beispielsweise August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der den Text des „Lieds der Deutschen“ geschrieben hat, dessen dritte Strophe seit 1952 die deutsche Nationalhymne ist. Von Fallersleben hat auch jede Menge Kinderlieder geschrieben, ob „Alle Vöglein sind schon da“ oder „Ein Männlein steht im Walde“.

Und er war politisch, richtete sich gegen Pressezensur, staatliche Willkür und Kleinstaaterei. Eigentlich sind das gute Eigenschaften.

Ist er deshalb ein Vorbild? Nein. Seine Kinderlieder sind harmlos und nett und dürfen sicherlich gesungen werden. Das macht Fallersleben aber nicht zum Vorbild.

Denn von Fallersleben war bekennender Antisemit und Franzosenhasser. Seine Kinderlieder sind das eine. Seine berechtigter Protest das andere.

Seine Gesinnung muss man ablehnen.

Mein Opa war dabei

Als ich Mitte zwanzig war, klärte mich mein Großvater auf, dass er als 16-Jähriger in russischer Kriegsgefangenschaft war, weil er als „Gebirgsjäger“ 14-Jährige zu Soldaten schulen sollte. Und er war ehrlich: „Ich habe an Hitler geglaubt“, sagte er mir und das fiel ihm nicht leicht: „Erst später habe ich verstanden, wie dumm ich war.“

Meine Großmutter kam aus Böhmen, war drei Jahre als junge Frau interniert, weil ihr Vater in der NSDAP war und als sie in Bruchsal ankam, wurde sie von den Leuten dort bespukt. Nicht etwa, weil das keine Nazis gewesen waren, sondern weil man die Flüchtlinge nicht haben wollte. Das Brot und die Chancen waren knapp.

Ich habe lange Jahre später ein Jahr bei meinen Großeltern gelebt, ihnen ging es gut, Brot und leckeres Essen gab es reichlich und sonntags war der „Internationale Frühschoppen“ mit Werner Höfer „Pflicht“. 1987 musste der sehr „renommierte Journalist“ Werner Höfer die Sendung aufgeben, weil ihm nachgeweisen werden konnte, dass er aktiv für die NS-Propaganda tätig war, was er immer bestritten hatte.

Das hat meinen Großvater sehr beschäftigt: „Ich glaube trotzdem, dass es gut war, Dich über diese Sendung an die Politik heranzuführen“, sagte mein Opa. Und er war sehr enttäuscht. Nicht zum ersten Mal in seinem Leben. Ich habe viel von ihm gelernt.

Bagatellisierung von Rechtsextremismus

Anfang der neunziger Jahre habe ich dann nach dem Grundstudium zwei Semester bei Professor Eckhard Jesse studiert, der damals als Privatdozent in Mannheim gastierte. Ein absoluter Extremismus-Experte. Sehr kenntnisreich, argumentativ gewandt. Und ich habe viel gelernt und verstanden. Auch, dass mir Jesse nicht geheuer war. Der hätte gerne gehabt, dass ich „meinen Doktor“ bei ihm mache. Ich wollte nicht.

Mich störte ein gewisser Revisionismus des Nationalsozialismus und die Gleichsetzung von Rechts- und Linksextremismus. Meiner Auffassung nach ist das nicht zulässig. Nur weil beide Strömungen extremistisch sind, sind sie noch lange nicht dasselbe. Ich fühlte mich an den Historikerstreit erinnert, der damals noch ganz „frisch“ war.

Anfang 2001 tauchte Jesse in meiner Aufmerksamkeit wieder auf: Er sollte Gutachter im NPD-Verbotsverfahren werden. Nicht nur der von mir sehr geschätzte Kollege Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung) kritisierte Jesse wegen „Bagatellisierung von Rechtsextremismus„.

Jesse ist zweifellos ein Extremismus-Experte, aber eventuell auch ein „gefährlicher Kopf“, dessen Arbeit nicht nur aus der Forschungssicht gesehen werden darf, sondern gerade auch auf gefährliche Signale geprüft werden muss.

Entschuldungsargumentation

Rechtsradikale und fremdenfeindliche Botschaften verlaufen nicht erst heutzutage unterschwellig. Sie sind häufig nicht sofort als solche erkennbar und werden auch von Personen weitergetragen, die sich vielleicht gar nicht bewusst sind, dass sie mit Rechtsextremismus „Bekanntschaft“ gemacht haben oder gerade machen.

"Lustiger" dummer-Jungen-Streich? Schüler stellt sich mit Hitlerbart bei Facebook dar.

Hat Hitler nicht die Autobahnen gebaut, den Menschen Arbeit und Hoffnung gegeben, die Jugend gefördert? Wer so argumentiert, bereitet einer „Entschuldung“ des Terrors des Dritten Reichs Tür und Tor.

Extremes Gedankengut wird niemals aus der Welt sein. Und es wird nicht harmloser, indem man „Witze“ darüber reißt oder Sätze wie „Nach Frankreich nur auf Ketten“ schreibt.

Damit komme ich auf die „Hitlerbart“-Geschichte zurück.

Wer argumentiert, mit „Witzen“ und „Parodien“ werde der „Umgang“ einfacher, oder: „Das machen doch auch andere, die haben sogar Preise dafür gewonnen“, hat wenig bis nichts verstanden.

Dumme Jungs?

Die „Spielchen“ von Schülern kann man als „dumme Jungs-Streiche“ verharmlosen. Kein Problem. Dumme Jungs haben schon immer dumme Streiche gemacht. Dummheit gehört zur Jugend.

Was die zehn durch die Recherche der Redaktion bekannt gewordenen CBG-Schüler im Internet bei Facebook „getrieben“ haben, hätte auch an jeder anderen Schule in Deutschland passieren können.

Also, was soll’s?

Es ist aber in Ladenburg passiert und das ladenburgblog hat darüber berichtet.

Nicht ohne „Folgen“. In den Tagen nach dem Bericht haben rund 120 Schülerinnen und Schüler, die vorher mit dem Account der Redaktion auf Facebook „befreundet“ waren, diese „Freundschaften“ gekündigt.

Aus „Solidarität“ zu denen, die „betroffen“ waren und die sich sehr aktiv darum bemüht haben, den „Spieß umzudrehen“.

Der Hauptvorwurf: Wir hätten die „harmlose Sache“ hochstilisiert, um mehr Aufmerksamkeit, also mehr Klicks zu erreichen und damit mehr zu „verdienen“. „Auf Kosten“ der Schüler, die gar nichts Böses wollten. Unser Bericht sei geeignet, deren „Existenz“ zu zerstören.

Wie man die Rhetorik, „die wollen sich auf Kosten anderer bereichern“ einschätzen will, bleibt jedem selbst überlassen.

Ebenso Gedanken zur „Existenzfrage“ und der Überlegung, was wohl ein Personalchef über jemanden denkt, von dem er ein entsprechendes Bild sieht.

Nach unserem Bericht wurde nach unseren Kenntnissen teils enormer Druck auf Schüler ausgeübt, uns die „Freundschaft“ zu kündigen, denn wer weiter mit „uns befreundet“ sei, sei gegen die betroffenen Personen.

Wer will das schon aushalten müssen, wenn man sich täglich auf dem Schulhof begegnet und zwischen 14 und 18 Jahre alt ist?

Auch diesen „extremen“ Druck kann man beurteilen wie man möchte.

Theorien und Tatsachen

Tatsache ist, dass „Klicks“ überhaupt kein Geld bringen, sondern höchstens Aufmerksamkeit.

In diesem Fall eine, für die die Reaktion einsteht. In vollem Bewusstsein, dass das eher keine gute Argumentation gegenüber Werbekunden ist, weil die Aufmerksamkeit in diesem Fall keine war, die „Spaß macht“, über die „sich alle freuen“ und „alle zufrieden“ sind.

Diese Aufmerksamkeit hat für Unruhe und Stress gesorgt. Ganz erheblich. Diese Aufmerksamkeit war eher schlecht für ein Geschäft.

Die Entscheidung dazu ist bewusst getroffen worden, weil unser redaktioneller Anspruch ist, hinzusehen, aufzuschreiben, was ist und nicht, was man gerne sehen würde und worüber man doch bitte nichts berichten soll.

Wir machen gerne „Geschäft“ – aber wir entscheiden, mit wem und zu welchen Konditionen. Und schon gar nicht zu jedem Preis.

Wer ist „Wir gegen Rechts“?

In diesem Sinne bringen wir auch die Enttäuschung über das Verhalten des Bündnis „Wir gegen Rechts“ zum Ausdruck.

"Wir gegen Rechts" - Seite im Internet. Das Angebot ist nicht aktuell und insgesamt inhaltsleer. Ein Engagement ist nicht zu erkennen. Quelle: Bündnis "Wir gegen Rechts"

Wir haben uns redaktionell im Anschluss an unsere Berichterstattung an diese Organisation gewandt, die aktuell auch zum Gedenktag an die Befreiung von Auschwitz aufgetreten ist.
Wir haben das Bündnis „Wir gegen Rechts“ in einem langen Schreiben, als auch in einem umfangreichen Telefonat um Austausch zum Vorfall gebeten.

Eine Reaktion ist ausgeblieben. Es gab auch keine Antwort, die unserer Bemühung angemessen gewesen wäre.

Wenn man sich die „Arbeit“ von „Wir gegen Rechts“ anschaut, bleibt auch nicht viel außer Enttäuschung.

Das „Bündnis“ ist ein „zahnloser Tiger“ – die Internetseite wenig aktuell, wie auch vermutlich die „Aktionen“. Man tritt hier und da auf, bestätigt sich und andere und tut so als ob und doch eher nichts.

Reaktionen

Wir haben auch Bürgermeister Rainer Ziegler angesprochen, der den Vorfall als Vertreter des „Schulträgers“ uns gegenüber als „Angelegenheit der Schule“ erklärt hat. Das ist korrekt, aber insofern „ungewöhnlich“, als wir Herrn Ziegler in anderen Zusammenhängen als sehr engagiert kennen und achten.

Wir haben auch versucht, mit dem Elternbeirat in Kontakt zu treten, der sich nicht zuständig fühlte.

Das Fazit ist: Man will lieber nichts damit zu tun haben. Das ist ein „zu heißes Eisen“.

Tatsache ist: Der Vorfall hat stattgefunden. Tatsache ist auch, dass es nach unserer Kenntnis keinerlei inhaltliche Auseinandersetzung gegeben hat, um nicht „etwas zu sehen“, was man nicht sehen will. „Wenn man es gut genug ignoriert, geht es bestimmt vorüber“, mag der ein oder andere denken, „weil nicht sein kann, was nicht sein darf.“

Schön für alle, wenn es nur ein „Spuk“ war und die Welt danach wieder „in Ordnung“ ist.

Wir haben hingeschaut und vielleicht hat unsere Berichterstattung dazu geführt, dass eine ungute Entwicklung gestoppt wurde. Schön, wenn dem so wäre.

Aufgaben

Wir schauen auch weiter hin. Denn das ist unsere journalistisch-gesellschaftliche Aufgabe. Die nehmen wir ernst. Gegen jede Form von Extremismus.

Und ganz besonders freuen wir uns über die rund 60 Leserinnen und Leser, die danach „Freunde“ unseres Facebook-Accounts geworden sind und noch mehr über die, die erst die „Freundschaft“ quittiert und danach wieder aufgenommen haben. 🙂

Denn wir wissen genau, dass man damit einer Haltung Ausdruck gibt. Und dass das nicht immer einfach ist. Nicht in der Schule. Nicht privat. Nicht im Geschäftsleben.

Sich aus möglichst vielen öffentlich zugänglichen Quellen unterrichten zu können, um sich eine Meinung zu bilden und diese zu äußern, ist das nach Artikel 5 GG grundgesetzlich garantierte Recht aller Bürgerinnen und Bürger.

Artikel 5 unserer Verfassung schreibt nicht vor, dass man das tun muss. Aber es gut, richtig und wichtig, wenn man sich das Recht nimmt!

In diesem Sinne

Ihr

P.S.
Im Artikel sind mehrere Links auf wikipedia dokumentiert. Für die Inhalte ist ladenburgblog nicht verantwortlich. Diese Hinweise dienen einem ersten Überblick über häufig im allgemeinen unstrittige Tatsachen. Im Detail kann das aber durchaus „hinterfragenswert“ sein. Wir bitten deshalb darum, solche Verlinkungen als Quelle zu betrachten, die einen Einstieg zur jeweiligen Thematik ermöglicht.

„Wir können aus der Erde keinen Himmel machen, aber jeder von uns kann etwas tun, dass sie nicht zur Hölle wird.“


Guten Tag!

Ladenburg, 29. Januar 2011. Am Donnerstag wurde in Ladenburg der 37. Stolperstein verlegt. Und ebenfalls am Donnerstag wurde die neue Broschüre der Stadt Ladenburg „Spuren jüdischen Lebens in Ladenburg – Ein Rundgang“ der Bevölkerung vorgestellt. Denn der vergangene Donnerstag war ein besonderer Tag, es war der 27. Januar und die Befreiung von Auschwitz hat sich zum 66. Mal gejährt.

Von Sabine Prothmann

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2007 - Künstler Gunter Demnig verlegt in Ladenburg den ersten Stolperstein.

Mit den Stolpersteinen erinnert der Kölner Künstler Gunter Demnig an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Auf seiner Homepage kann man lesen: „Inzwischen liegen Stolpersteine in über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas. Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagt Gunter Demnig. „Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Auf den Steinen steht geschrieben: Hier wohnte… Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch.“

1997 verlegte Demnig die ersten Steine in Berlin: „1997 Erste Verlegung in Berlin-Kreuzberg (nicht genehmigt; später legalisiert)“, heißt es auf seiner Internetseite.

Die ersten 36 Steine wurden in Ladenburg von Mai 2007 bis März 2009 auf Initiative von Ingrid Wagner und mittels Spenden der Bevölkerung und der Unterstützung der Stadtverwaltung Ladenburg verlegt.

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Die Broschüre „Spuren jüdischen Lebens in Ladenburg – Ein Rundgang“ nimmt den Wunsch der Bevölkerung und von Besuchern auf, den Spuren jüdischen Lebens in Ladenburg eigenständig zu folgen.

Sie wurde von dem Historiker Dr. Jürgen Zieher verfasst und zusammengestellt.

Gut 80 Personen waren in den Domhof gekommen, um bei der Präsentation der Broschüre dabei zu sein.

„Wir können aus der Erde keinen Himmel machen, aber jeder von uns kann etwas tun, dass sie nicht zur Hölle wird“, zitierte Bürgermeister Rainer Ziegler eingangs in seiner Ansprache den hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer, Initiator der Frankfurter Auschwitz-Prozesse.

Mit der Broschüre „Spuren jüdischen Lebens in Ladenburg – Ein Rundgang“ sei eine wichtige neue Schrift erschienen, betonte Ziegler.

Wenn Ladenburger Schüler sich um die Stolpersteine kümmern und für deren Säuberung zuständig sind, dann beschäftigen sich die jungen Leute auch mit diesem Teil der Geschichte.

Ingrid Wagner – „Antriebsfeder der Erinnerung“

Das Bündnis „Wir gegen Rechts“ in Ladenburg „hilft uns radikale Tendenzen möglichst im Keim zu ersticken“, so Ziegler. Dabei sei auch die Präsenz der Polizei sehr wichtig. Ingrid Wagner, die Vorsitzende des Arbeitskreises „Jüdische Geschichte Ladenburg“, bezeichnete er als Antriebsfeder der Erinnerung.

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Der 37. Stolperstein für Lilli Frankenthal - 1942 in Auschwitz ermordet.

Ziegler erinnert: Als vor 66 Jahren Auschwitz befreit wurde, trafen die Russen auf Überlebende, die nur noch Haut und Knochen waren. Über eine Million Menschen arbeiteten hier bis zu ihrem Tod, starben an Experimenten oder wurden vergast. Auschwitz stehe deshalb als Synonym des Holocaust und deshalb wurde die Befreiung am 27. Januar 1945 zum Holocaust-Gedenktag erklärt. Holocaust, erinnert Ziegler, kommt aus dem Griechischen und heißt „völlig verbrannt“.

Die Bilder und Erinnerungen führen „uns an die Grenzen dessen heran, was man verstehen und ertragen kann“.

Doch erst wenn man sich den Einzelschicksalen nähere, „können wir begreifen“. Und die Gedenksteine und -tafeln, die Abteilung „Jüdisches Leben in Ladenburg“ im Lobdengau-Museum und die 37 Stolpersteine in der Stadt, verlegt vor Häusern, in denen Juden in Ladenburg lebten, machen dieses Begreifen deutlich.

Geschenke für die Jüdische Abteilung des Lobdengau-Museums

Der Ladenburger Arzt und Gemeinderat Dr. Peter Hilger erzählt von einer Begegnung vor 20 Jahren mit dem ehemaligen jüdischen Mitbürger Alfred Driels, der nach Australien ausgewandert war. In den folgenden Jahren hatte ihm Driels immer wieder einen Besuch in seiner Praxis abgestattet. Bei seinem letzten Besuch überreichte er ihm einen Becher und den Siegel des Ladenburger Synagogenrats und gab ihm den Auftrag, diese Gaben erst dann an das Museum zu geben, wenn das damalige Geschehen nicht mehr vertuscht würde. Hilger meinte, jetzt sei der richtige Zeitpunkt und überreichte somit am Donnerstag symbolisch der Stadt die beiden Geschenke.

Seit Ende der 80er Jahre führen Ingrid Wagner und Dr. Jürgen Zieher durch Orte ehemaligen jüdischen Lebens in Ladenburg. Mit der Broschüre können sich jetzt Ladenburger und Besucher selbständig auf den Weg machen.

Ziegler dankte dem Autor Jürgen Zieher sowie der Sparkasse Rhein-Neckar-Nord, der Volksbank H & G Bank, der VR Bank Rhein-Neckar und der Ladenburger Familie Manfred Sohn für die finanzielle Unterstützung, durch die es möglich wurde dieses Projekt zu verwirklichen.

Der Historiker und Autor der Broschüre, Dr. Jürgen Zieher, hat mit einer Arbeit über das jüdische Leben in Deutschland nach 1945 promoviert. Seit Jahren führt er auf jüdischen Spuren durch Ladenburg. Das 1992 erschienene Buch „Die jüdischen Ladenburger“ war eine Grundlage für seine Recherchen zu der neuen Schrift.

Das Grußwort zu der Broschüre schrieb David Seldner, Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden, das Vorwort kommt von Bürgermeister Rainer Ziegler.

Stolpersteine – ein Mahnen gegen das Vergessen

Die Stolpersteine sollen erinnern und das Vergessen verhindern. „Sie sind ein Element eines dauerhaften Mahnens“, sagt der Autor. Dazu gehören auch die Gedenktafel an der ehemaligen Synagoge und der Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof, wie auch die Abteilung „Jüdisches Leben in Ladenburg“ im Museum.

Der Rundgang der Broschüre ist in 16 Stationen aufgeteilt, beginnend auf dem Marktplatz als Ort der Deportation. Er führt über die ehemalige Synagoge zu den Wohnhäusern, in denen 1940 jüdische Ladenburger Bürger gelebt haben, zum Museum und endet schließlich auf dem Jüdischen Friedhof.

Alle 37 Stolpersteine sind aufgeführt. 37 Steine mit Namen und Daten von Menschen. 27 jüdische Einwohner Ladenburg wurden am 22. Oktober 1940 aus Ladenburg deportiert und in das südfranzösische Internierungslager Gurs gebracht. Manche konnten fliehen, manche starben dort, andere wurden nach Auschwitz gebracht, von manchen verlieren sich die Spuren. Der Rundgang ist auch eine Spurensuche.

Der letzte Stolperstein wurde am Donnerstag in der Bahnhofstraße, vor dem heutigen Polizeirevier, dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Hirsch, gesetzt.

„Die Stolpersteine wollen einen Namen aus der Anonymität zurückholen“, sagt Zieher, und sie machen deutlich, neben dem Massenmord in den Vernichtungslagern in Osteuropa begannen die „Gräueltaten unter uns, auch hier in Ladenburg“.

Von den damaligen Käufern der jüdischen Wohnhäuser lebe heute keiner mehr. Die Schuld von damals könne nicht auf heute übertragen werden. Das Prinzip der Sippenhaft dürfe nicht bestehen, so Zieher.

Die Stolpersteine seien auch eine Geste gegenüber den Ermordeten und den Lebenden, diese Menschen nicht zu vergessen.

Jeder habe die Verantwortung, dass sich Grausamkeiten nicht wiederholen. Denn „ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Namen vergessen ist“, wie der Künstler Gunter Demnig gesagt habe.

Der Leser erfährt in der Broschüre von der Geschichte der Menschen, die hier lebten, von ihren Familien, von dem jüdischen Leben in Ladenburg.

Ein Gedicht, das unter die Haut geht

Der Pfarrer Markus Wittig ist Sprecher des Bündnisses „Wir gegen Rechts“, er liest an diesem Abend das „Liebeslied“, ein Gedicht von der jungen jüdischen Autorin Selma Meerbaum-Eisinger vor. Sie starb mit 18 Jahren in dem Arbeitslager Michailowka in der Ukraine.

Das Gedicht gehe unter die Haut, es erzählt von Zärtlichkeit, Jugend und Nähe, aber auch von Vergänglichkeit und Todesahnung. Sie habe 57 Gedichte geschrieben, bittersüß und kraftvoll, voller Hoffnung und voller Verzweiflung.

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Rund 80 Besucher kamen zur Vorstellung der Broschüre: "Spuren jüdischen Lebens in Ladenburg - ein Rundgang".

Es ist ein einzelnes Schicksal. Und dies, so Wittig, ist auch die Stärke der Stolpersteine, da sie auf den einzelnen, auf den individuellen Menschen verweisen.

„Lasst uns das Gedenken bewahren, auch an die einzelnen Menschen, an die individuellen Schicksale und aufpassen, dass diese Menschenverachtung nicht mehr passiert“, mahnt Wittig.

Die Veranstaltung von Schülern der Ladenburger Musikschule musikalisch begleitet: Mit einem Stück von Telemann (Imke Ramminger und Manuel Müller an der Geige, Anna-Katharina Berger am Cello), dem Klezmer-Dance (Imke Ramminger und Manuel Müller Geige und Simon Guckau am Flügel) und dem „Kindertodeslied“ „Veiled Autumn“ des amerikanischen Komponisten Joseph Schwantner, das eindrucksvoll von Manuel Müller am Flügel intoniert wurde.

Info: Die Broschüre ist in zwei Versionen erschien, einmal weniger aufwändig und eher als Heftchen wird sie an Schulen verteilt und ist kostenlos erhältlich. Die buchartige Auflage kann man gegen eine Schutzgebühr in Höhe von fünf Euro in der Stadtinformation und im Buchhandel erwerben. Auch in der städtischen Bibliothek liegt der „Rundgang“ aus.

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