Montag, 20. November 2017

21. bis 27. Oktober 2013

Diese Woche: Tipps und Termine

Rhein-Neckar, Tipps und Termine fĂŒr den 21. bis 27. Oktober 2013. Montags erscheinen unsere Veranstaltungstipps fĂŒr die laufende Woche. Die Redaktion nimmt gerne weitere Termine und Anregungen auf. Die Kontaktmöglichkeiten finden Sie am Ende der Seite.

Mehr Veranstaltungen vor Ort finden Sie ins unseren Kalendern auf allen Blogseiten im MenĂŒ Nachbarschaft im MenĂŒ “Termine”. [Weiterlesen…]

14. bis 20. Oktober 2013

Diese Woche: Tipps und Termine

Rhein-Neckar, Tipps und Termine fĂŒr den 14. bis 20. Oktober 2013. Montags erscheinen unsere Veranstaltungstipps fĂŒr die laufende Woche. Die Redaktion nimmt gerne weitere Termine und Anregungen auf. Die Kontaktmöglichkeiten finden Sie am Ende der Seite.

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27. Mai bis 02. Juni 2013

Diese Woche: Tipps und Termine

Rhein-Neckar, Tipps und Termine fĂŒr den 27. Mai bis 02. Juni 2013. Montags erscheinen unsere Veranstaltungstipps fĂŒr die laufende Woche. Die Redaktion nimmt gerne weitere Termine und Anregungen auf. Die Kontaktmöglichkeiten finden Sie am Ende der Seite.

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15. bis 21. April 2013

Diese Woche: Tipps und Termine

Rhein-Neckar, Tipps und Termine fĂŒr den 15. bis 21. April 2013. Montags erscheinen unsere Veranstaltungstipps fĂŒr die laufende Woche. Die Redaktion nimmt gerne weitere Termine und Anregungen auf. Die Kontaktmöglichkeiten finden Sie am Ende der Seite.

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Lilo Beil und Hubert BĂ€r lesen aus ihren neuen Kriminalromanen.

Mord(s)duett

Ladenburg, 27. Februar 2013. (red/pm) Spannung im Doppelpack: Die Tierkrimi-Autorin Lilo Beil und der Kriminalautor Hubert BĂ€r lesen am Donnerstag, den 07. MĂ€rz in der Stadtbibliothek Ladenburg aus ihren neuen Romanen. Gemeinsame Veranstalter des Abends sind das Kreisarchiv des Rhein-Neckar-Kreises und die Stadtbibliothek Ladenburg.

Information der Stadtbibliothek Ladenburg:

„In ihrem neuen Buch „Mord auf vier Pfoten“ erzĂ€hlt Lilo Beil in 22 tierischen Kurzgeschichten, was alles passieren kann, wenn aus harmlosen Haustieren handelnde „Personen“ werden. [Weiterlesen…]

Gabis Kolumne

Ein PlĂ€doyer fĂŒr das Buch – aus Papier

Ebooks mögen praktisch sein – machen sich aber nicht gut im Bücherregal, meint Gabi.

 

Rhein-Neckar, 22. Oktober 2012. Gabi möchte keine E-Books und keinen E-Book-Reader. Auch wenn die Vorteile überzeugend klingen, möchte sie sich das Buch nicht aus der Hand nehmen lassen, denn sie hat so ihre Gründe.

Ich gebe zu, dass ich mich manchmal gegen Neuerungen wehre, vor allem solche technischer Natur. Als mein Mann schon längst eine Digitalkamera hatte, habe ich noch brav Filme eingelegt und zum Entwickeln gebracht.

Ich gehörte nicht zu den ersten Handybesitzern und habe erst seit knapp einem Jahr ein Smartphone.

Habe ich mich zu den technischen Veränderungen – freiwillig oder auch liebevoll gezwungen – dann schließlich durchgerungen, nutze ich die Möglichkeiten begeistert. Und kann mir eine Leben ohne sie nicht mehr vorstellen.

Was mir aber nicht und NIEMALS ins Haus kommt, ist ein E-Book-Reader! Und dafür habe ich meine Gründe.

Fünf einleuchtende Vorteile und …

Gerade jetzt in der Zeit rund um die Buchmesse werden überall dessen Vorteile angepriesen.

Und sie scheinen auf den ersten Blick auch einleuchtend:

Vorteil 1: Endlose Lesestoffmengen, wenn man in den Urlaub fährt oder täglich mit dem Zug unterwegs ist. Das bedeutet, die Gefahr von Übergebäck beim Fliegen wird minimiert. Doch dann lass ich doch lieber ein paar Schuhe zu Hause und steck noch zwei Bücher in den Koffer.

Aber: Und wenn wir schon von Urlaub sprechen, wo lesen Sie Ihre Bücher? Also ich lese sie am Strand oder am Pool und da ist es bekanntlich sandig und feucht. Sand zwischen den Seiten oder auch ein Sonnenmilchfleck auf dem Umschlag stören mich nicht, da bekommt ein Buch Patina. Ein E-Book sieht das wohl anders.

Und apropos Sonne, es darf kein LED-Bildschirm sein, sonst sieht man bei Sonnenschein grad mal gar nix, das habe zumindest dieser Tage im Radio gehört.

Vorteil 2: Kein Mensch bekommt mit, was man liest.

Vor allem „heiße“ Literatur wie „Shades of Grey“ (meine Kolumne dazu ging wie geschnitten Brot und war zwei Wochen lang jeden Tag der bestgelesenste Artikel 😀 ) sollen erst durch das E-Book erfolgreich geworden sein, da keiner sieht, was man liest, weder beim Kauf an der Kasse noch am Strand oder im Café – eine Portion Erotik quasi inkognito.

Aber: Doch auch dieses Argument verpufft bei mir, da ich keine Scheu habe, erotische Literatur zu kaufen und zu lesen – vor allen Augen.

Vorteil 3: E-Books sind günstiger, vor allem, wenn sie nicht mehr ganz aktuell sind. Viele Downloads gibt es auch kostenlos, darunter große Klassiker der Weltliteratur.

Aber genau die möchte ich nun mal im Regal stehen haben. Auch weils schön aussieht.

Vorteil 4: Man kann die Schriftgröße ändern und braucht demzufolge keine Lesebrille. Zugegeben, dieses Argument muss ich anerkennen. Ab einem bestimmten Alter schlägt die Weitsichtigkeit unweigerlich zu.

Aber da ich von Natur aus kurzsichtig bin, kann das noch eine Zeit dauern.

Vorteil 5: Die „Seiten“ eines E-Books vergilben nicht.

Das hat mich noch nie gestört. Denn schließlich sieht man auch uns das Alter an.

Was ich eindeutig anerkenne, ist der Vorteil der E-Books im Bereich der Sekundärliteratur. Das macht Sinn. Doch überzeugen konnte mich die Liste der Vorteile letztlich nicht, zumal mir auch eine ganz Reihe von Nachteilen einfallen:

… und vier überzeugende Nachteile

Nachteil 1: Ich lese gerne in der Badewanne – stundenlang. Wird mein Buch feucht, dann bekommt es Wellen, mehr passiert nicht. Und ich lese gerne abends im Bett. Kuschel mich mit Decke und Buch ein und finde das sehr gemütlich – ein elektronisches Gerät würde da nur stören.

Nachteil 2: Bin ich zum Beispiel mit dem Zug unterwegs und gerade an der spannendsten Stelle oder kurz vorm Ende geht mein Akku leer – gelitten, mehr lässt sich dazu nicht sagen.

Nachteil 3: Die Haptik und Ästhetik. Ich liebe es Bücher anzufassen, die Seiten umzublättern und mit den Fingern das Papier zu erspüren. Ich sehe gerne meinen Lesefortschritten anhand der wachsenden Seitenzahlen. Ich liebe Buchumschläge und Klappentexte und ich ordne gerne meine Bücher im Regal.

Nachteil 4: Ich verbringe gerne Zeit in Buchläden und Bibliotheken. Ich stöbere, blättere und lese an – und manchmal – psst – auch die letzte Seite. Der E-Book-Store im Internet ist dafür eindeutig kein Ersatz.

Bücher erzählen vom Leben

Bücher erzählen Geschichten, nicht nur in den Seiten, sondern auch durch die Seiten. Ich habe Romane – vor allem Liebesromane, da steht der Name meiner Großmutter drin. Und ich kann mir vorstellen, wie mein Großmutter an einer bestimmten Stelle geseufzt hat. Ich habe an meine Kinder Reclamhefte weiter gegeben, die ich schon von meinen Eltern „geerbt“ habe, in denen in Schönschrift der Mädchenname meiner Mutter geschrieben ist oder in denen mein Vater, die wichtigen Stellen unterstrichen hat.

Ich habe Bücher, da markieren Rotweinflecken die durchlesene Nacht und der Sand, der aus den Seiten rieselt, erinnert an einen vergangenen Urlaub. „In den alten Bilderbüchern meiner Tochter finde ich manchmal Krekskrümel oder Schokoladenflecken“, sagte mir kürzlich eine Freundin und wurde ganz melancholisch und ich weiß, was sie meint. Bücher erzählen vom Leben, auch vom eigenen.

Manche Bücher liest man mehrmals, das hinterlässt Spuren, nimmt man sie wieder in die Hand, kann man sich auf Spurensuche begeben. Probieren Sie das mal mit einem E-Book!

gabi

Öffentliches BĂŒcherregal

Stadt bittet um Sorgfalt

Ladenburg, 05. Juli 2012. (red/pm) Die Stadt bittet um einen sorgfĂ€ltigen Umgang mit dem öffentlichen BĂŒcherregal am Domhof – es soll keine „AbfallentsorgungsstĂ€tte“ werden.

Information der Stadt Ladenburg:

„Am Ladenburger Rathaus hat der Arbeitskreis Stadtmarketing in Zusammenarbeit mit der Werkrealschule Unterer Neckar ein „öffentliches BĂŒcherregal“ eingerichtet. Sie können hier BĂŒcher kostenlos mit nach Hause nehmen, neue einstellen oder Titel tauschen. Dies wurde von Anfang an erfreulich gut angenommen. Viele BĂŒrgerinnen und BĂŒrger fĂŒllen durch bestĂ€ndigen BĂŒchertausch das Projekt mit Leben.

FĂŒr das dauerhafte Funktionieren eines solchen Angebots ist jedoch eine unabdingbare Voraussetzung: Neu eingestellte BĂŒcher mĂŒssen noch brauchbar und auch fĂŒr jeden lesbar sein.

Wir bitten Sie deshalb, sich an folgende, eigentlich selbstverstÀndliche Regeln zu halten:

  • Stellen Sie bitte keine zerfledderten oder unvollstĂ€ndige BĂŒcher in das Regal!
  • Wichtig: Falls Sie BĂŒcher in Kartons transportiert haben, nehmen Sie diese bitte auch wieder mit. Bitte lassen Sie keine Kartons mit BĂŒchern vor dem Regal stehen!

Das BĂŒcherregal darf nicht zu einer AbfallentsorgungsstĂ€tte werden.

So können Sie dazu beitragen, dass dieses Angebot auch weiterhin fĂŒr alle BĂŒrgerinnen und BĂŒrger nutzbar bleibt und, wie bisher, gerne angenommen wird.“

Lesetipp: Isenhart – spannender Mittelalterkrimi mitten unter uns


Spannend, nachdenklich, tiefgrĂŒndig: Holger Karsten Schmidts DebĂŒtroman "Isenhart" ist ein Schmöker und ein nachdenkliches Buch. Quelle: KiWi

Rhein-Neckar, 15. September 2011. (red) Heute beginnt der Verkauf von Isenhart (Kiepenheuer&Witsch). Der Autor Holger Karsten Schmidt ist gebĂŒrtiger Hamburger. Die Idee zu seinem Roman ist in Mannheim entstanden. Vor mehr als zwanzig Jahren. Der erfolgreiche Drehbuchautor (Grimme-Preis 2010 fĂŒr „Mörder auf Amrum“) legt einen mitreißenden Schmöker vor, der mehr als nur Unterhaltung ist.

Die Geschichte von Isenhart ist ein spannender und unterhaltsamer Krimi. Aber auch ein sehr nachdenkliches Buch. Der Konflikt zwischen freiem Denken und herrschenden Gewalten durchzieht die Handlung. Es geht um Verstand und Wissen, Liebe und Schmerz, Ehre und Verrat, UnterdrĂŒckung und Befreiung. Es geht um die Freiheit des Denkens und der GefĂŒhle.

Die SchauplĂ€tze der Handlung reichen bis ins (damals sehr) ferne Toledo – die Kerngeschichte allerdings findet im Raum Rhein-Neckar statt. Die Handlung spielt im Mittelalter – doch das ist gar nicht so fern, könnte man meinen.

Von Hardy Prothmann

Ich warte schon seit ĂŒber zwanzig Jahren darauf, endlich den „Isenhart“ erstens lesen und zweitens besprechen zu können. Im Sommerurlaub hatte ich dazu Gelegenheit mit einem „Vorabexemplar“. 816 Seiten, Hardcover, aufwendig gestaltet.

Irgendwann 1989 oder 1990 hat mir Holger Karsten Schmidt von Isenhart erzÀhlt. Einem Mittelalter-Roman, den er schreiben wollte. Holger hat Isenhart geschrieben. Ab heute ist das Buch im Handel erhÀltlich.

Wir studierten damals Germanistik in Mannheim. In irgendeinem Seminar der MediĂ€vistik stieß Holger auf das Adjektiv „isenhart“. Und dieses kleine Wort hat eine Geschichte in seinem Kopf in Gang gesetzt.

Holger hat schon damals viel geschrieben. Nein, eigentlich hat Holger immer geschrieben. Seit ich ihn kenne und davor – wenn er keine Schreibmaschine oder spĂ€ter einen Computer in der NĂ€he hatte, dann beobachtete er die Menschen und hörte, was sie sagten und ĂŒberlegte, wie man das Erlebte in einer Geschichte dramaturgisch umsetzen könnte.

Viele Geschichten

Um ĂŒber die Runden zu kommen fuhr er Taxi – da trifft man viele Menschen, hört viele Geschichten.

Isenhart ist nicht sein erster Roman, wohl aber der erste veröffentlichte, der den erfolgreichen Drehbuchautor mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem erfolgreichen Buchautor machen wird.

Die spannende Geschichte um Isenhart beginnt mit einem unerhörten Ereignis. Ein Kind wird geboren, verliert die Mutter und stirbt ebenfalls. Ein mysteriöser fremder Mann taucht auf und haucht dem Kind neues Leben ein. Ein weiterer Mann, Walter von Ascisberg, will das Kind töten, schafft es aber nicht und beschließt es Isenhart zu nennen, sofern der schwĂ€chliche SĂ€ugling den Winter ĂŒberleben sollte. Es gibt eine Verbindung zwischen dem Fremden und Ascisberg und Isenhart – der Roman erzĂ€hlt diese Geschichte spannend bis zum Schluss.

Isenhart erweist seinem Namen alle Ehre, nĂ€hrt sich an der Brust einer fremden Frau und wĂ€chst fortan als Sohn eines trunksĂŒchtigen Schmieds auf. Und er findet in der Burg der Laurins einen Freund, den FĂŒrstensohn Konrad. Die Freundschaft der beiden wird immer wieder teils harten PrĂŒfungen unterzogen. Konrad ist adelig, Isenhart ein Knappe, aber viel schlauer als der körperlich ĂŒberlegene und vom Stand dominante Konrad.

PrĂ€zise und wortreich – herzlich und tödlich

Holger Karsten Schmidt portrĂ€tiert die ungleichen Charaktere sehr genau – seine prĂ€zise, wortreiche Sprache reißt den Leser mitten in die Abenteuer, die die beiden erleben. Man fĂŒhlt den Schmerz, die Verzweiflung, die Hoffnung. Verstand und Herz sind im Wettstreit. Der Verstand öffnet den Personen im Buch die Welt, das Herz umarmt sie. Immer, wenn das Herz fehlt, geht es grausam zu. Kalt. Tödlich.

Der erfolgreiche Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt (45) erzĂ€hlt in seinem DebĂŒtroman das Abenteuer von Isenhart wortreich und prĂ€zise - die Spannung lebt in den Figuren und dem, was sie denken. Foto: Ira Zehender

Holger Karsten Schmidt ist mit Isenhart ein Schmöker im besten Sinne gelungen. Der Autor verzettelt sich nicht in verschwurbelten Beschreibungen und epischen Ausbreitungen. Schmidt erzĂ€hlt eine spannende Abenteuergeschichte und treibt sie voran – die Rahmenhandlung ist ein Krimi.

Schmidt forder die Leser heraus

Ein grausiges Verbrechen geschieht – ein Unbekannter schneidet der Schwester von Konrad von Laurin das Herz heraus, nachdem er dem MĂ€dchen zuvor die Brust abgetrennt hat. Dem jungen Isenhart wird brutal und unersetzlich seine erste und fĂŒr lange Zeit einzige Liebe geraubt.

Dann wird die Burg der Laurins ĂŒberfallen. Vermeintlich wegen einer rechtsmĂ€ĂŸigen Fehde. Der FĂŒrst Sigimund fĂ€llt im Kampf, seine Frau Mechthild vergiftet sich, viele werden gemeuchelt, Konrad lebensgefĂ€hrlich verletzt. Isenhart rettet den Freund in letzter Sekunde – nachdem auch er einen Gegner erschlagen und einem anderen die Gurgel durchgeschnitten hat. Schmidt fordert die Leser heraus. Man muss viel Ungerechtigkeit ertragen und auf eine glĂŒckliche Wendung hoffen. Die kommt, aber nicht ohne Verluste.

Trotzdem strahlt das Buch eine Hoffnung aus, die man unbedingt lesen möchte. Seite um Seite.

Isenhart ist, obwohl ganz ĂŒberwiegend flĂŒssig und spannend zu lesen, kein einfaches Buch – wer sich auf die Gedanken des Autoren einlĂ€sst, spĂŒrt den existenzialistischen Einfluss des großartigen Philosophen Albert Camus. Nicht umsonst zitiert Schmidt den Dramatiker Victor Hugo am Ende des Romans. Der Autor verbirgt nicht, wer und was ihn beeindruckt. Er lĂ€sst uns Leser teilhaben an seinem Inneren. Und diese Offenheit ist die grĂ¶ĂŸte StĂ€rke dieses Buchs.

Schauder ĂŒber Schauer

Mitunter gibt es sehr eindringlich anmutende Gewaltschilderungen, die aber niemals den Eindruck erwecken, der Autor habe Spaß am Schock. Die erzĂ€hlerischen und dramaturgischen Mittel wĂŒrden einem Drehbuchautor Schmidt jederzeit ausreichen, die Gewaltszenen „auszuschmĂŒcken“. Doch als Romanautor tut er das nie. Er schildert gnadenlos nĂŒchtern, wie brutal „NahkĂ€mpfe“ nun einmal sind, wenn es um Leben und Tod geht und wie lebensbedrohlich aus heutiger Sicht „behandelbare“ Verletzungen im Mittelalter waren.

Wirklich schaudern machen einen dagegen eher die anderen Gewalten, die herrschen – die der Kirche und ihrer nahezu absoluten Macht, das freie Denken zu verbieten. Das ist weitaus brutaler.

Besonders stark ist der Roman in der Schilderung der Zwischenmenschlichkeit, da, wo Ruhm und Ehre eine untergeordnete Rolle spielen. Stand und Schönheit, Reichtum und Macht angesichts der Liebe und der Zuneigung, der Vertrautheit und des gemeinsamen Lebens zurĂŒcktreten mĂŒssen.

Die Geschichte von Isenhart ist die eines Mannes, der neugierig auf die Welt ist und sie ergrĂŒnden will. Nicht einfach möchte, sondern ganz klar will. Immer wieder stĂ¶ĂŸt er an Grenzen, die Kirche und Adel und die damalige Gesellschaft ihm teils schier unĂŒberwindbar anmutend aufwerfen.

Gottesfurcht und Neugier

Holger Karsten Schmidt versteht sein Handwerk. Er ist ein geschickter ErzĂ€hler. Ein Vater-Sohn-Konflikt, die unerfĂŒllte Liebe, die Sehnsucht nach Erkenntnis, die unbekannte Gefahr, die scheinbar ausweglose Situation und die glĂŒckliche FĂŒgung – er bedient die dramatischen Momente des (Er-)Lebens gekonnt und stilsicher.

Wer den Autor kennt, erfĂ€hrt ihn in dem Buch, wer ihn nicht kennt, lernt ihn kennen. So gegensĂ€tzlich Isenhart und Konrad nach Stand, Abstammung und Verstand sind – beide lernen den christlichen Glauben mittels SchlĂ€gen auf die Knöchel. Isenhart verliert spĂ€ter durch ein Urteil des Bischofs zu Spira einen kleinen Finger – eine glimpfliche Strafe angesichts der Tatsache, dass Konrad seine Familie wegen der Habsucht eines Abts verlieren musste.

Beide Protagonisten sind auf eine Art „gottesfĂŒrchtig“, aber auch beseelt – durch Anteilnahme und vor allem durch ihre charakterliche Entwicklung. Einer ihrer schlimmsten Gegenspieler ist die Religion – vor allem die christliche.

Liebe und Freundschaft vs. Gott und entzĂŒndete DĂ€rme

Holger Karsten Schmidt, der Anfang zwanzig, zu der Zeit, als ihm Isenhart in den Sinn kam, aus der evangelischen Kirche ausgetreten ist, lĂ€sst keinen Zweifel daran, wie kritisch er der Kirche als selbstherrlicher Verwaltungsinstitution des Glaubens und des daraus resultierenden Lebens gegenĂŒber eingestellt ist. Den Bischof, der stĂ€ndig Probleme mit einem entzĂŒndeten Darm hat, die vermutlich auf „FingerĂŒbungen“ eines Ministranten- mit Dreck unter den NĂ€geln zurĂŒckzufĂŒhren sind, lĂ€sst er dann spĂ€ter auch an einer DarmentzĂŒndung sterben.

Der Roman ist vor dem ekelhaften, bekannt gewordenen Missbrauch von katholischen Geistlichen an Schutzbefohlenen entstanden und thematisiert doch genau diese Vergehen wider die Menschlichkeit. So schlimm das anmutet, ist das große Thema des Buchs aber die UnterdrĂŒckung des Urteilsvermögens. Und der Kampf um die Kraft des eigenen Verstands, der bis heute durch Kirche und „Glauben“ in der Gesellschaft eine so große Rolle einnimmt. Und den Isenhart beharrlich fĂŒhrt, bis er erkennt, dass es nichts besseres auf dieser Welt zu wissen gibt, als Liebe und Freundschaft. Gott spielt dabei keine Rolle mehr.

Auch zum Ende des Buches, als das dramatische Finale durch ein „Gottesurteil“ entschieden wird, muss man sich fragen, was Gott damit zu tun haben soll.

Schmöker und AufklÀrung

Obwohl Isenhart ein spannend zu lesender Schmöker ist, gelingt es Holger Karsten Schmidt seine Faszination fĂŒr die Logik, fĂŒr die Mathematik, die Philosophie und die Lust am Wissen, am Kennenlernen des Unbekannten immer wieder fast beilĂ€ufig einzustreuen. Auch ĂŒber die Sprache, die wir selbstverstĂ€ndlich benutzen und doch oft nicht wissen, warum wir sagen, was wir sagen. Wer nicht weiß, warum man „alles ist in Butter“ sagt, wird ganz nebenbei „aufgeklĂ€rt“.

Man merkt dem Buch eine umfangreiche Recherche an – sehr genau werden viele Details des mittelalterlichen Lebens beschrieben, die teils seltsam, oft lustig, immer interessant und manchmal auch verwunderlich wirken. So mutet der Vollzug einer Hochzeit unter Beisein eines Geistlichen wie eine Live-Sex-Show auf der Reeperbahn an – allerdings ohne jeden Schmuddel. So gesehen war das Mittelalter unserer Zeit um einiges voraus.

Ob Isenhart und Konrad in Norditalien tatsĂ€chlich „FĂ€den aus Teig“ gegessen haben, wird der Autor nicht beweisen können – allerdings kann man nicht mit Sicherheit wissen, ob die Spaghetti nicht doch schon erfunden waren. Das Mittelalter ist wie die Zeit davor eine ĂŒberwiegend mĂŒndlich tradierte Geschichte – viele Geheimnisse werden sich nie auflösen lassen, „Wissen“ wird alle Jahre durch neue Erkenntnisse ebenso neu definiert.

Schicht um Schicht

Isenhart ist kein Historienroman, sondern ein Krimi. Leider muss man kritisch anmerken, dass die Verlagswerbung vom „frĂŒhen Profiler“ im Mittelalter, der einen „Serienmörder“ ĂŒberfĂŒhrt, reichlich zweifelhaft ist.

Isenhart ist kein „Profiler“, sondern einer, der seinen Verstand benutzt und dem oft der Zufall hilft – und mindestens genauso oft das Schicksal ĂŒbel mitspielt. Und der angebliche Serienmörder tötet zwar in Serie – das macht ihn aber noch lange nicht zu einem Serienmörder. Letzlich ist er eine tragische Figur.

Ganz im Gegenteil gelingt es Schmidt das klassischste aller Dramenmotive, das Dilemma, gekonnt zu entwickeln, aufzubauen, Schicht um Schicht zu schĂŒrzen und letztlich ist der Knoten aus vielfĂ€ltigen Verwerfungen des Lebens so dick, dass man ihn nur noch zerschlagen kann – mit Gewalt versteht sich. Als Leser ist man an dieser Stelle so weit, dass man das will und versteht – auch wenn die Folgen fĂŒrchterlich sind. Das Buch zwingt die Leser, Leid und im Mitleid Milde zu erfahren. So gerĂ€t die Kritik am Christentum zur christlichsten aller Handlungen. Ganz sicher schafft Holger Karsten Schmidt diese Entwicklung ohne jede Legitimation durch die Kirche.

Am Ende bleibt kein Held ĂŒbrig, sondern viele. Und alles haben etwas verloren. Manche davon das wertvollste, was sie haben, ihr Leben.

Trotz aller Widrigkeiten

Es bleibt aber auch etwas ĂŒbrig, das man als zutiefst christlich bezeichnen könnte, wenn man nicht die Abneigung des Autoren gegenĂŒber der Kirche und ihrem unheilvollen Wirken deutlichst vorgefĂŒhrt bekommen hĂ€tte: Die Hoffnung und die Liebe. Vertrauen und Freundschaft. Trotz aller Widrigkeiten des irdischen Lebens.

Mehr soll nicht verraten werden, denn das Buch will gerne gelesen werden.

Nach der LektĂŒre hoffe ich sehr, nicht noch einmal zwanzig Jahre auf den nĂ€chsten Roman warten zu mĂŒssen – Holger hat mir verraten, dass in seinem Kopf mindestens zwei weitere BĂŒcher gerade entstehen. Auf die bin ich mehr als gespannt.

Man darf ebenfalls gespannt sein, wie der renommierte Verlag Kiepenheuer&Witsch seinen neuen Autor und das Buch voranbringen wird. Mittelalterkrimis sind neu fĂŒr den Verlag und sicher ein Experiment. Mit Holger Karsten Schmidt als Autor geht der Verlag sicher kein Risiko ein – mit dem Stoff schon eher. Der ist neu fĂŒr die Leserschaft. Doch nicht umsonst haben sich KiWi und Schmidt getroffen. KiWi hat einen seriösen Autoren unter Vertrag genommen, der weiß, wofĂŒr er steht. Verlag und Autor fordern die Kraft des Denkens heraus und die Lust am Lesen. Eine bessere Kombination ist kaum vorstellbar.

Holger Karsten Schmidt hat aus mittelalterlicher Sicht eine Abenteuerreise hinter sich: Der gebĂŒrtige Hamburger lebt im schwĂ€bischen Asperg.

Zum Autor:
Holger Karsten Schmidt (Jahrgang 1965) ist in Hamburg geboren und aufgewachsen.

1989 hat er in Mannheim Germanistik und Politikwissenschaften studiert, 1992 abgebrochen, um in Ludwigsburg an der Filmakademie Drehbuch zu studieren.
Nach erfolgreichem Abschluss hat er dort ebenfalls unterrichtet. Mit „14 Tage lebenslĂ€nglich“ ist ihm 1996 der Durchbruch gelungen. Seitdem zĂ€hlt er zu den renommiertesten Drehbuchautoren Deutschlands.

Der mehrfach preisgekrönte Autor wurde bereits fĂŒnf Mal fĂŒr den Grimme-Preis nominiert. 2010 hat er ihn fĂŒr „Mörder auf Amrum“ erhalten.

Isenhart erscheint im hochwertigen Hardcover am 15. September 2011 bei Kiepenheuer & Witsch, Köln. Preis: 19,99 Euro. ISBN: 978-3-462-04332-7

Ortskunde:
Isenhart wĂ€chst in der Burg Laurin auf, ziemlich genau da, wo der Autor Holger Karsten Schmidt mit seiner Frau Ira wohnt und lebt: Am Fuße der Festung Hohenasperg.

Walter von Ascisberg (Asperg) lebt in Tuttenhoven, heute bekannter unter dem Namen Dudenhofen, westlich von Speyer, das im Roman Spira heißt.

Das Kloster in Sunnisheim ist Sinsheim. Und Muhlenbrunn ist selbstverstÀndlich was? Sie werden darauf kommen. Bruchsal ist Bruchsal. Weinheim ist Weinheim. Regensburg ist Regensburg. Das unbedeutende Dorf Mannenheim (damals 700 Einwohner) ist heute das Oberzentrum Mannheim. Cannstadt ist die Keimzelle des heutigen Stuttgart.

Helibrunna ist selbstverstĂ€ndlich Heilbronn. Worms und Mainz sind wie geheißen. Und Hammerburg ist der Geburtsort von Holger Karsten Schmidt, nĂ€mlich Hamburg.

Heiligster hingegen ist eine Erfindung von Schmidt, irgendwo in der NĂ€he von Heiligenstein am Rhein – um die Ecke vom Römerberg. Viel Spaß bei der Spurensuche. Es handelt sich um vereinzelt gelegene Höfe.

Transparenz:
Holger Karsten Schmidt und Hardy Prothmann sind seit ĂŒber zwanzig Jahren Freunde im Geiste. WĂ€hrend des Studiums gab es intensive Kontakte, danach sah man sich „regelmĂ€ĂŸig“ alle paar Jahre, telefonierte ab und an und blieb in Kontakt – das letzte persönliche Treffen liegt gut acht Jahre zurĂŒck.

GlĂŒckwunsch! Unsere Autorin Marietta gewinnt Platz 3 beim poetryweb.de :-)


GlĂŒckwunsch! Unsere Autorin Marietta Herzberger hat den dritten Platz beim poetryweb-Wettbewerb gewonnen 🙂

Guten Tag!

Weinheim/Rhein-Neckar, 27. Juli 2011. (red) Seit Januar 2011 ist sie „an Bord“ und schreibt regelmĂ€ĂŸig ihre Kolumne fĂŒr unsere Blogs : Marietta Herzberger aus Weinheim. Mit ihrem Text „Nicht ohne meine Hypophyse“, den sie im Februar beim Wettbewerb „poetryweb.de“ eingereicht hat, hat sie aktuell den dritten Platz gemacht. In der Jury sitzt unter anderem „Chako“ Christian Habekost.

Große Überraschung in der Redaktion: ZufĂ€llig haben wir am Abend entdeckt, dass unsere Kolumnistin Marietta Herzberger den dritten Platz beim poetryweb.de-Wettbewerb, der „Community fĂŒr junge, moderne Literatur“ gewonnen hat. (Hier geht es zur Facebook-Seite von poetryweb.de)

Gute besetzte Jury (von oben): Christiane GĂŒth, Christian Habekost, Christoph HĂŒnermann, Usch Kiausch. Quelle: poetryweb.de

Herzlichen GlĂŒckwunsch!

Manchmal gibt es unglaubliche ZufĂ€lle. Der Text „Nicht ohne meine Hypophyse“ liegt uns schon einige Zeit vor. Wir wussten nichts davon, dass Marietta diesen bei einem Wettbewerb eingereicht hat.

Montags ist unser Kolumnentag. Am Montag, den 25. Juli 2011, haben wir kurz nach Mitternacht redigierten Text unter der Überschrift: „Entschuldige, Schatz, du weißt doch, meine Hypophyse!“ veröffentlicht.

Und um 10:32 Uhr veröffentlicht poetryweb.de die Gewinner des jungen Literatur-Wettbewerbs – darunter Marietta Herzberger mit ihrem Text in der Kategorie „Innovation“. Gestern Abend stoßen wir ĂŒber Facebook auf die gute Nachricht.

Die Jury ist gut besetzt: Die Autorin Christiane GĂŒth, der Sprachwissenschaftler und Kabarettist Dr. Christian „Chako Habekost“, der Verlagsmanager Christoph HĂŒnermann und die Kulturjournalistin Usch Kiausch haben die eingereichten BeitrĂ€ge gesichtet und gewertet.

Die GewinnerbeitrÀge werden in einem Buch veröffentlicht und auf der Frankfurter Buchmesse prÀmiert.

Die Gewinner des jungen Literaturportals, denen wir allesamt herzlich gratulieren, heißen wie folgt:

Innovation

1. Gedicht Nr. 2 ĂŒber Marie – Stefan MĂŒller
2. Kantinentisch – Michael MĂŒller
3. Nicht ohne meine Hypophyse – Mari Etta

Kurzgeschichte

1. Ziel erreicht – Manuel Zerwas
2. Absurdes – Lina W.
3. Aufwachen um Kopf und Kragen – B.Z.

Lyrik

1. Der Humoris-Tisch – Liz Murphy
2. Bob Dylan – Kai Kraus
3. Konjunktivus permanens – Andreas Hecke

Einen schönen Tag wĂŒnschen Dir alle Mitarbeiter der Redaktion!

Anmerkung der Redaktion:
Alle Texte von Marietta Herzberger (die fĂŒr uns aktuell ĂŒber ihre Rauchentwöhnung schreibt) finden Sie, indem Sie bei der Suche rechts „Marietta“ eingeben. Ebenfalls in der rechten Spalte finden Sie unter „Kategorien-Mariettas Kolumne“ ihre Kolumnen sowie die Texte der anderen Autoren.