Dienstag, 21. August 2018

Familien "gucken in die Röhre"

Der Branich-Tunnel zieht Tausende

Vermutlich ĂŒber 2.000 Besucher guckten „in die Röhre“.

 

Schriesheim/Rhein-Neckar, 15. Oktober 2012. (red/pro) Wirklich offen war der Branich-Tunnel nicht fĂŒr die Bevölkerung. Aber immerhin „einladend“. Das RegierungsprĂ€sidium lud die Bevölkerung ein, sich ĂŒber den Bau und den Fortschritt des ĂŒber 80 Millionen Euro teuren Baus zu informieren.

Neugier ist eine der hervorragendsten Eigenschaften des Menschen – das war schon zur Zeit der Höhlenmenschen so.

Was wÀren die Romantiker oder vorher Goethe ohne die magische Anziehungskraft des Bergbaus? Dem Weg ins Innern der Erde?

Zugegeben, das ist ein wenig arg pathetisch. Trotzdem steht fest, dass vermutlich mehr als 2.000 neugierige GĂ€ste die ersten fĂŒnfzig Meter des Branichtunnels sehen wollten. An StĂ€nden informierten sie sich ĂŒber die Bergbautechnik und halbstĂŒndig wurde ein Film ĂŒber das teuerste Tunnelprojekt nach Stuttgart21 gezeigt – im ĂŒbrigen die teuerste Verkehrsmaßnahme in Nordbaden fĂŒr Jahre.

FĂŒr Familien mit Kindern ein spannender Ausflugstag. FĂŒr berufstĂ€tige Pendler eine Gelegenheit, sich den Bauvorschritt anzuschauen und zu prĂŒfen, ob der rund 1.600 Meter lange Tunnel bis 2015 auf betriebsbereit ist.

Maschinen wie aus Science-Fiction-Filmen.

 

Die Zufahrten stehen mehr oder weniger – sehen konnte man nur die ersten fĂŒnfzig Meter. Das ist verstĂ€ndlich, ist doch der Rest noch „Baustelle“.

Es gibt viele, die sich den Tunnel sehnlichst wĂŒnschen. Die OdenwĂ€lder, die sich nicht mehr ĂŒber die L536 durch Schriesheim quĂ€len mĂŒssen und die Schriesheimer, denen die durch pendelnde OdenwĂ€lder zugemutete Verkehrsbelastung eine Qual ist.

In der FrĂŒhphase der Bauarbeiten gab es viele Beschwerden ĂŒber die GerĂ€uschentwicklung, die aber reduziert werden konnten beziehungsweise durch die fortschreitende Verlegung der Arbeiten weiter in den Tunnel hinein nicht mehr wahrnehmbar sind. Insbesondere ein durchgĂ€ngig laufendes LĂŒftungsgeblĂ€se steht mittlerweile nicht mehr am Tunnelportal, sondern weit im Tunnelinneren.

Der Branich geht voran – drei Jahre wird es noch dauern, bis der Verkehr hier fließen kann. Bis dahin wird allerdings durch eine fehlende Finanzierung der alten CDU-Regierung auch viel Steuergeld verflossen sein. UrsprĂŒnglich sollte der Tunnel rund 60 Millionen Euro kosten. Mittlerweile summiert sich die Baumaßnahme auf ĂŒber 80 Millionen Euro.

Ortsumfahrung Heddesheim in der Warteliste

L 597- neu bleibt im Rennen

Rhein-Neckar/Heddesheim/Ladenburg, 29. Juni 2012. (red/pm) Die Landtagsabgeordneten Hans-Ulrich Sckerl (GrĂŒne) sowie Gerhard Kleinböck (SPD) haben sich zu zwei Straßenbauprojekten im Wahlkreis Weinheim geĂ€ußert – die L 597 samt NeckarbrĂŒcke hat demnach Chancen auf eine Umsetzung in den kommenden Jahren. Die Ortsumgehung Heddesheim nicht vor 2020.

Information von MdL Sckerl/MdL Kleinböck:

„Trotz des von CDU und FDP ĂŒbernommenen riesigen Schuldenbergs will die grĂŒn-rote Landesregierung in den kommenden Jahren 380 Millionen Euro in den Neu- und Ausbau  von Landesstraßen investieren“, sagte Uli Sckerl, Parlamentarischer GeschĂ€ftsfĂŒhrer der GrĂŒnen-Fraktion anlĂ€sslich eines am Freitag vom Verkehrsministerium in Stuttgart veröffentlichten PrioritĂ€tenkatalogs. Damit soll der Generalverkehrsplan (GVP) des Landes von 2010 fortgeschrieben werden. Der Entwurf trifft auch Aussagen zu Straßenprojekten im Wahlkreis Weinheim und im nördlichen Rhein-Neckar-Kreis.

„Die L 597-neu inklusive der geplanten NeckarbrĂŒcke bei Ladenburg bleibt im Rennen“, sagte der SPD-Abgeordnete Gerhard Kleinböck. “Damit bleiben alle Chancen zu ihrer Realisierung gewahrt“.

Nicht im vorderen Dringlichkeitsbereich landete die Ortsumfahrung in Heddesheim. „Es gibt sehr viele Projekte im Land, deren Planungs- und Realisierungsstand weiter ist und die aufgrund objektiver Kriterien zuerst zum Zuge kommen sollen“, sagte Uli Sckerl dazu. Das mĂŒsse man einfach zur Kenntnis nehmen. Man habe seitens grĂŒn-rot immer darauf hingewiesen, dass eine Realisierung der Ortsumfahrung vor 2020 unrealistisch sei.

Gerhard Kleinböck ergĂ€nzte, dass auch die L 597 noch in der Warteschleife sei. „Die Maßnahmen des GVP beginnen erst 2015, bis dahin können wir nur dringende Sanierungsarbeiten an bestehenden Landesstraßen finanzieren“, sagte er. Die L 597 befinde sich in einem Extra-Katalog von vier teuren Großprojekten mit einem Gesamtvolumen von rund 140 Millonen Euro. Dort rangiere die Straße aufgrund ihres weit fortgeschrittenen Planungsstandes auf dem ersten Rang. Es komme in den nĂ€chsten Jahren nun darauf an, zur Finanzierung ein Extraprogramm des Landes zu entwickeln.

Uli Sckerl verdeutlichte, dass fĂŒr den Generalverkehrsplan insgesamt 734 Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen von 2,496 Milliarden Euro angemeldet worden seien. „Das Land muss eine HaushaltslĂŒcke von 2,5 Milliarden Euro schließen. Wie sollen wir diesen Betrag zusĂ€tzlich fĂŒr Straßen aufbringen? Das ist völlig ausgeschlossen. Deshalb geht es nur mit strengen Kriterien und nach PrioritĂ€ten“, sagte er. Der Haushalt gebe nicht mehr als 38 Millionen pro Jahr her, man lege sich jetzt auf einen Maßnahmenkatalog fĂŒr 10 Jahre fest.

Sckerl und Kleinböck erlĂ€uterten dann das Verfahren zur Fortschreibung des GVP. In diesem wĂŒrden alle noch nicht realisierten Maßnahmen aus dem Planungsstand von 1995 und alle neu angemeldeten Maßnahmen zusammengefĂŒhrt und einer grĂŒndlichen Priorisierung unterzogen. DafĂŒr habe das Verkehrsministerium mit Hilfe von externem Sachverstand 10 Kriterien entwickelt.

Der Vorschlag gehe nun an den Landtag und anschließend in die Verbandsanhörung. „Er ist nicht in Stein gemeißelt. Da reden jetzt u.a. die kommunalen LandesverbĂ€nde mit. Auf deren Sachverstand legen wir großen Wert“, fĂŒhrte Kleinböck aus. 

Uli Sckerl machte abschließend deutlich, dass das Land sich bereits mit ĂŒber 80 Millionen Euro beim Bau de Branichtunnels in Schriesheim engagiere. „Der Tunnel ist das mit Abstand teuerste Straßenprojekt des Landes. Es ist nur natĂŒrlich, dass ebenso dringende Projekte in anderen Landesteilen nun erst einmal zum Zuge kommen. Wir können nicht verlangen, dass der ganze Kuchen bei uns verspeist wird“, sagte er.“