Dienstag, 17. Juli 2018

Kretschmann: Ein spannendes Experiment

Online-Fragestunde mit dem Ministerpräsidenten

Rhein-Neckar/Stuttgart, 12. April 2013. (red/ms) Heute Abend wird der Ministerpr√§sident Winfried Kretschmann erstmalig auf der Website www.baden-wuerttemberg.de eine Stunde lang im Live-Stream sprechen. Ab 18.45 Uhr wird man √ľber ein Online-Formular Fragen zu den Themen Energiewende, Bildung und Stuttgart 21 stellen k√∂nnen, ab 19.00 Uhr wird Herr Kretschmann antworten. [Weiterlesen…]

Aktuelles zur Diskussion √ľber die Einf√ľhrung der Gemeinschaftsschule

Individualität vs. Einheitsbrei

Informationen zur Gemeinschaftsschule in Baden-W√ľrttemberg auf den Seiten des Kultusministeriums: http://www.kultusportal-bw.de

Baden-W√ľrttemberg, 14. M√§rz 2012. (red/jh) Zum Schuljahr 2012/13 wird es in Baden-W√ľrttemberg landesweit die ersten Gemeinschaftsschulen geben – wenn der Landtag dem Gesetzentwurf der gr√ľn-roten Landesregierung im April zustimmt. Die nicht mehr durchgef√ľhrte fr√ľhzeitige Selektion durch l√§ngeres gemeinsames Lernen soll sozial gerechter sein und f√ľr bessere Leistungen der Sch√ľler sorgen, so die Landesregierung. Die Opposition sieht das anders und ist stolz auf das aktuelle Schulsystem im Land.

Von Julian Heck

Sp√§testens seitdem sich das Kabinett im Dezember letzten Jahres auf einen Gesetzentwurf zur Einf√ľhrung von Gemeinschaftsschulen in Baden-W√ľrttemberg geeinigt und dieses Papier der √Ėffentlichkeit vorgestellt hat, wird heftig dar√ľber diskutiert. Die Landesregierung, die seit der letzten Wahl im M√§rz 2011 aus den Gr√ľnen und der SPD besteht, ist √ľberzeugt von der Schulreform, wohingegen insbesondere die CDU dieser sehr kritisch gegen√ľber steht.

Das neue Konzept und seine Vorteile

Mit der Einf√ľhrung von Gemeinschaftsschulen h√§tte man in Baden-W√ľrttemberg ein Schulsystem, wie es gegens√§tzlicher zum momentanen System nicht sein k√∂nnte. Das Konzept der Gemeinschaftsschule sieht vor, von Klasse 5 bis 10 und eventuell sogar schon ab der ersten Klasse gemeinsam unterrichtet zu werden. Eine Gliederung in Haupt-, Real- und Sonderschulen sowie in Gymnasien w√ľrde entfallen. Auch eine Unterteilung in einzelnen F√§chern in Kurse mit unterschiedlichem Niveau w√§re nicht der Fall.

Stattdessen soll es f√ľr die Sch√ľler der Gemeinschaftsschule – auch solche mit Behinderung (Stichwort Inklusion) – individuelle F√∂rder- und Lernpl√§ne geben. Lehrer sollen in Teams zusammenarbeiten und Eltern in regelm√§√üigem Kontakt mit diesen stehen. Auf den Gemeinschaftsschulen k√∂nnten alle bisherigen Bildungsabschl√ľsse erreicht werden. Zur Umsetzung w√ľrde das Land entsprechende finanzielle Mittel zur Verf√ľgung stellen, um vor allem die personellen Ressourcen f√ľr eine individuelle F√∂rderung gew√§hrleisten zu k√∂nnen.

Zu schnell und zu gr√ľn-rot

Die Opposition ist von der geplanten Schulreform nicht begeistert. Zu schnell seien Starterschulen bestimmt worden, noch bevor der Gesetzentwurf zum Gesetz wird. Ungekl√§rte Rahmenbedingungen wie notwendige R√§umlichkeiten und die Finanzierung komplettieren f√ľr die CDU das Bild des √úberhastens.

Gr√ľn-Rot zieht bildungsideologisches Lieblingskind im Schweinsgalopp durch.

Das war die √úberschrift der Pressemitteilung, die der CDU-Landesverband Baden-W√ľrttemberg noch am gleichen Tag ver√∂ffentlichte, an dem die Landesregierung den Gesetzentwurf verabschiedet hat. Die Entscheidung sei √ľberhastet, undurchdacht und nicht nachvollziehbar. Statt ein neues Schulsystem einzuf√ľhren, solle man nach Aussagen der CDU besser das jetzige „erfolgreiche differenzierte Bildungssystem gezielt weiterentwickeln“. Konkrte Vorschl√§ge, was „gezielt“ bedeutet, macht die CDU allerdings nicht.

Zu exklusiv

Stark kritisiert wird von der CDU die Benachteiligung der anderen Schulformen gegen√ľber der neuen Gemeinschaftsschule. So soll bei der letzteren die H√∂chstgrenze von Sch√ľlern pro Klasse – der sogenannte Klassenteiler – gesenkt werden. Dies sei nicht gerecht. Die anderen Schulformen d√ľrften nicht hinten dran stehen. Au√üerdem ist f√ľr die individuelle F√∂rderung zus√§tzliches Personal notwendig, darunter Lehrpersonal und Schulsozialarbeiter. Damit habe die Gemeinschaftsschule eine Exklusivit√§t, womit etwa die Haupt- und Realschulen das Nachsehen h√§tten.

Zu belastend

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begr√ľ√üte den Vorschlag der Landesregierung zur Einf√ľhrung von Gemeinschaftsschulen:

Das ist ein historischer Moment f√ľr Baden-W√ľrttemberg.

Trotzdem zeigte sich die GEW entt√§uscht dar√ľber, welche Ressourcen die ersten Gemeinschaftsschulen bekommen und fordert h√∂here Investitionen. Lehrer seien mit ihrer Stundenzahl √ľberbelastet und die zus√§tzlichen zwei Stunden f√ľr jede Gemeinschaftsschulklasse w√ľrden nicht ausreichen. Insgesamt freut sich die GEW jedoch √ľber diese Entwicklung und w√ľnscht sich eine schrittweise R√ľckstufung des differenzierten Schulsystems und die Verbreitung der Gemeinschaftsschule im ganzen Land.

Beschlussfassung im April

Ob der Gesetzentwurf, wie er momentan vorliegt, vom Landtag verabschiedet wird, bleibt abzuwarten. Es ist zwar damit zu rechnen, dass die CDU dagegen stimmen wird. Aufgrund der Mehrheiten ist aber davon auszugehen, dass die ersten 34 „Starterschulen“ im n√§chsten Schuljahr an den Start gehen werden.

Gabis Kolumne

Generation G8 oder die verplante Zukunft unserer Kinder

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Guten Tag!

Ladenburg, 17. Mai 2010. Die Reform der gymnasialen Oberstufe ist ein Missgriff, meint Gabi. Ohne dabei zu sehr ins Detail zu gehen, betrachtet unsere Kolumnistin dabei die psychologischen Auswirkungen. Panik macht sich breit. Wer sichs leisten kann, schickt seine Kinder schon heute zur „Sonderqualifikation“, denn es wird eng – vor allem ums Herz.

Meine Kinder haben beide das Pech oder auch Gl√ľck, je wie man es sieht, zur Generation G8 zu geh√∂ren, also Sch√ľlerinnen, die sich mit dem achtj√§hrigen Gymnasium herumschlagen m√ľssen.

2012 gibt es den ersten G8-er Jahrgang Рdavor waren es G9-er, also Absolventen eines neunjährigen Gymnasiums.

Gl√ľck haben sie insofern, dass sie ein Jahr fr√ľher fertig werden und damit endlich im europ√§ischen Zeitplan f√ľr die Oberstufe liegen.

Und Pech -‚ā¨¬¶ Na ja, das zu erkl√§ren, dauert l√§nger.

2012 wird es eine große Klopperei um Studien- und Ausbildungsplätze geben.

Ein Sonderfall ist dazu noch der Jahrgang meines Sohnes. Der geh√∂rt n√§mlich zu den ersten und zu den doppelten. Und das hei√üt wiederum: 2012 haben wir einen doppelten Jahrgang von G8-ern und G9-ern, die sich fr√∂hlich um Studien- und Ausbildungspl√§tze kloppen d√ľrfen.

√úber die bekannten Nachteile des G8 wurde schon viel geschrieben: Schwachsinnig verk√ľrzte Lehrpl√§ne, Nachmittagsunterricht, kaum Freizeit – also eine typisch deutsche Reform, in der reformiert wurde, ohne richtig dar√ľber nachzudenken, ob das eigentlich Sinn macht. Hauptsache reformiert.

Und jetzt ist es soweit, der doppelte Jahrgang geht in die Kurstufe, sprich 12. und 13. Klasse. Wer jetzt aufmerksam mitgerechnet hat, sagt Stopp!, eine 13. Klasse kann es ja nicht mehr geben.

Weit gefehlt, in diesem Sonderfall, also genau in diesem Jahrgang, √ľberspringen alle 10-Kl√§ssler mal kurz die 11. Klasse, um gemeinsam mit den G9-ern nach den Sommerferien in die 12. Klasse zu kommen. Raffiniert, so wird landesweit ein ganzer Jahrgang zu Hochbegabten Sch√ľlerinnen, die mal eben eine Klasse √ľberspringen.

Gehen wir nun mal positiv davon aus, dass die Schulen es geschafft haben k√∂nnten, beide Jahrg√§nge gleich gut auf ihr Abitur vorzubereiten, wird Baden-W√ľrttemberg (auch Bayern) 2012 nun √ľber die doppelte Anzahl von Abiturienten verf√ľgen.

Sch√∂n f√ľr die Hochschulen und Betriebe, denn die k√∂nnen sich die Besten aussuchen.

Doppelte Konkurrenz.

Da fragt man sich nat√ľrlich als Eltern, was tun? In Windeseile und mit Druck wurden unsere Kinder durch die Schulzeit gepeitscht, um sich dann sich in unglaublicher, n√§mlich doppelter Konkurrenz wieder zu finden.

Ein Rezept f√ľr viele ist sicherlich eine einj√§hrige ‚ÄěAuszeit‚Äú, sprich ein Soziales Jahr oder ein Auslandaufenthalt mit ‚ÄěMehrwert‚Äú, also mit Sprachschule, Praktikum, Selbsterfahrung oder √§hnlichem. Denn, das haben wir gelernt, einfach nur so darf diese Generation gar nichts mehr tun.

Waren unsere Kinder schon ab dem Kindergartenalter in ihrer Freizeit verplant, so m√ľssen sie auch direkt vom Abitur in eine sinnvolle gut planbare Besch√§ftigung gleiten.

Organisationen, die f√ľr teures Geld unsere Kinder im Ausland bei Jobs, Sprachschulen und Praktika betreuen, sprie√üen nur so aus dem Boden und sind √§u√üerst erfolgreich.

Duale Hochschulen als Karrieregaranten?

Auf der √úberholspur im Wettbewerb bei den Studienm√∂glichkeiten sind demnach auch die dualen Hochschulen, die nicht nur ein kurzes Studium, sonder auch gleichzeitig Praxis, Firmenkontakt und wenn m√∂glich √ľber das Studium hinaus ein Besch√§ftigungsverh√§ltnis zu garantieren versprechen.

Bisher gelingt es mir noch ganz entspannt zu bleiben. Doch im Freundes- und Bekanntenkreis, beginnt die Hektik und Panik auszubrechen: Was passiert mit unserem Kinder nach dem Abitur? Und das ist, wohlgemerkt, 2012.

Durch Sprachaufenthalte in der Schulzeit versuchen einige Eltern, die sich das leisten können, ihren Kindern schon im Vorfeld einen Wettbewerbsvorteil zu ermöglichen.

Ein Bekannter, dessen Tochter in der 11. Klasse, also sprich noch G9 ist, rennt schon seit Wochen auf Info-Veranstaltungen von Hochschulen in der Region und auf Berufsinformationsmessen. Man muss sich fr√ľhzeitig k√ľmmern, erkl√§rt er mir.

„Sonst hast Du keine Chance mehr…“

Auf einer Party unterhielt ich mich k√ľrzlich mit einer Frau, deren Sohn genau wie meiner nach G8 in zwei Jahren Abitur machen wird. ‚ÄěWenn Du ein Duales Studium anstrebst, musst Du Dich mit dem Zeugnis von 11/1 bei den Betrieben bewerben, sonst hast Du keine Chance“, erkl√§rte sie mir. Ich dachte: Stopp, ich strebe √ľberhaupt kein Studium mehr an, das habe ich alles hinter mir, mein Zeugnis von 11/1 zeige ich keinem mehr und – ich hab-‚ā¨‚ĄĘ doch schon einen Job.

Meine Argumente, mein Sohn wei√ü doch noch gar nicht, was er nach dem Abi machen m√∂chte und vielleicht soll er erstmal ein Jahr auf Reisen gehen, wurde mit dem Blick, ‚ÄěDu hast ja keine Ahnung und Du wirst schon sehen, was dabei raus kommt‚Äú, abgeschmettert.

Wie schon gesagt, bislang bleibe ich noch ganz entspannt. Aber, wenn ich ehrlich bin, ich weiß nicht mehr, wie lange.

Denn auch, wenn ich bei dieser Hysterie (noch) nicht mitmache, m√∂chte man ja doch das Beste f√ľr seine Kinder.

Aber ich bezweifle, dass ein so vorgeplanter Weg, wirklich das Beste ist. Oder? Was meinen Sie?