Samstag, 18. November 2017

Kretschmann: Ein spannendes Experiment

Online-Fragestunde mit dem Ministerpr├Ąsidenten

Rhein-Neckar/Stuttgart, 12. April 2013. (red/ms) Heute Abend wird der Ministerpr├Ąsident Winfried Kretschmann erstmalig auf der Website www.baden-wuerttemberg.de eine Stunde lang im Live-Stream sprechen. Ab 18.45 Uhr wird man ├╝ber ein Online-Formular Fragen zu den Themen Energiewende, Bildung und Stuttgart 21 stellen k├Ânnen, ab 19.00 Uhr wird Herr Kretschmann antworten. [Weiterlesen…]

Aktuelles zur Diskussion ├╝ber die Einf├╝hrung der Gemeinschaftsschule

Individualit├Ąt vs. Einheitsbrei

Informationen zur Gemeinschaftsschule in Baden-W├╝rttemberg auf den Seiten des Kultusministeriums: http://www.kultusportal-bw.de

Baden-W├╝rttemberg, 14. M├Ąrz 2012. (red/jh) Zum Schuljahr 2012/13 wird es in Baden-W├╝rttemberg landesweit die ersten Gemeinschaftsschulen geben – wenn der Landtag dem Gesetzentwurf der gr├╝n-roten Landesregierung im April zustimmt. Die nicht mehr durchgef├╝hrte fr├╝hzeitige Selektion durch l├Ąngeres gemeinsames Lernen soll sozial gerechter sein und f├╝r bessere Leistungen der Sch├╝ler sorgen, so die Landesregierung. Die Opposition sieht das anders und ist stolz auf das aktuelle Schulsystem im Land.

Von Julian Heck

Sp├Ątestens seitdem sich das Kabinett im Dezember letzten Jahres auf einen Gesetzentwurf zur Einf├╝hrung von Gemeinschaftsschulen in Baden-W├╝rttemberg geeinigt und dieses Papier der ├ľffentlichkeit vorgestellt hat, wird heftig dar├╝ber diskutiert. Die Landesregierung, die seit der letzten Wahl im M├Ąrz 2011 aus den Gr├╝nen und der SPD besteht, ist ├╝berzeugt von der Schulreform, wohingegen insbesondere die CDU dieser sehr kritisch gegen├╝ber steht.

Das neue Konzept und seine Vorteile

Mit der Einf├╝hrung von Gemeinschaftsschulen h├Ątte man in Baden-W├╝rttemberg ein Schulsystem, wie es gegens├Ątzlicher zum momentanen System nicht sein k├Ânnte. Das Konzept der Gemeinschaftsschule sieht vor, von Klasse 5 bis 10 und eventuell sogar schon ab der ersten Klasse gemeinsam unterrichtet zu werden. Eine Gliederung in Haupt-, Real- und Sonderschulen sowie in Gymnasien w├╝rde entfallen. Auch eine Unterteilung in einzelnen F├Ąchern in Kurse mit unterschiedlichem Niveau w├Ąre nicht der Fall.

Stattdessen soll es f├╝r die Sch├╝ler der Gemeinschaftsschule – auch solche mit Behinderung (Stichwort Inklusion) – individuelle F├Ârder- und Lernpl├Ąne geben. Lehrer sollen in Teams zusammenarbeiten und Eltern in regelm├Ą├čigem Kontakt mit diesen stehen. Auf den Gemeinschaftsschulen k├Ânnten alle bisherigen Bildungsabschl├╝sse erreicht werden. Zur Umsetzung w├╝rde das Land entsprechende finanzielle Mittel zur Verf├╝gung stellen, um vor allem die personellen Ressourcen f├╝r eine individuelle F├Ârderung gew├Ąhrleisten zu k├Ânnen.

Zu schnell und zu gr├╝n-rot

Die Opposition ist von der geplanten Schulreform nicht begeistert. Zu schnell seien Starterschulen bestimmt worden, noch bevor der Gesetzentwurf zum Gesetz wird. Ungekl├Ąrte Rahmenbedingungen wie notwendige R├Ąumlichkeiten und die Finanzierung komplettieren f├╝r die CDU das Bild des ├ťberhastens.

Gr├╝n-Rot zieht bildungsideologisches Lieblingskind im Schweinsgalopp durch.

Das war die ├ťberschrift der Pressemitteilung, die der CDU-Landesverband Baden-W├╝rttemberg noch am gleichen Tag ver├Âffentlichte, an dem die Landesregierung den Gesetzentwurf verabschiedet hat. Die Entscheidung sei ├╝berhastet, undurchdacht und nicht nachvollziehbar. Statt ein neues Schulsystem einzuf├╝hren, solle man nach Aussagen der CDU besser das jetzige „erfolgreiche differenzierte Bildungssystem gezielt weiterentwickeln“. Konkrte Vorschl├Ąge, was „gezielt“ bedeutet, macht die CDU allerdings nicht.

Zu exklusiv

Stark kritisiert wird von der CDU die Benachteiligung der anderen Schulformen gegen├╝ber der neuen Gemeinschaftsschule. So soll bei der letzteren die H├Âchstgrenze von Sch├╝lern pro Klasse – der sogenannte Klassenteiler – gesenkt werden. Dies sei nicht gerecht. Die anderen Schulformen d├╝rften nicht hinten dran stehen. Au├čerdem ist f├╝r die individuelle F├Ârderung zus├Ątzliches Personal notwendig, darunter Lehrpersonal und Schulsozialarbeiter. Damit habe die Gemeinschaftsschule eine Exklusivit├Ąt, womit etwa die Haupt- und Realschulen das Nachsehen h├Ątten.

Zu belastend

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begr├╝├čte den Vorschlag der Landesregierung zur Einf├╝hrung von Gemeinschaftsschulen:

Das ist ein historischer Moment f├╝r Baden-W├╝rttemberg.

Trotzdem zeigte sich die GEW entt├Ąuscht dar├╝ber, welche Ressourcen die ersten Gemeinschaftsschulen bekommen und fordert h├Âhere Investitionen. Lehrer seien mit ihrer Stundenzahl ├╝berbelastet und die zus├Ątzlichen zwei Stunden f├╝r jede Gemeinschaftsschulklasse w├╝rden nicht ausreichen. Insgesamt freut sich die GEW jedoch ├╝ber diese Entwicklung und w├╝nscht sich eine schrittweise R├╝ckstufung des differenzierten Schulsystems und die Verbreitung der Gemeinschaftsschule im ganzen Land.

Beschlussfassung im April

Ob der Gesetzentwurf, wie er momentan vorliegt, vom Landtag verabschiedet wird, bleibt abzuwarten. Es ist zwar damit zu rechnen, dass die CDU dagegen stimmen wird. Aufgrund der Mehrheiten ist aber davon auszugehen, dass die ersten 34 „Starterschulen“ im n├Ąchsten Schuljahr an den Start gehen werden.

Gabis Kolumne

Generation G8 oder die verplante Zukunft unserer Kinder

//

 

Guten Tag!

Ladenburg, 17. Mai 2010. Die Reform der gymnasialen Oberstufe ist ein Missgriff, meint Gabi. Ohne dabei zu sehr ins Detail zu gehen, betrachtet unsere Kolumnistin dabei die psychologischen Auswirkungen. Panik macht sich breit. Wer sichs leisten kann, schickt seine Kinder schon heute zur „Sonderqualifikation“, denn es wird eng – vor allem ums Herz.

Meine Kinder haben beide das Pech oder auch Gl├╝ck, je wie man es sieht, zur Generation G8 zu geh├Âren, also Sch├╝lerinnen, die sich mit dem achtj├Ąhrigen Gymnasium herumschlagen m├╝ssen.

2012 gibt es den ersten G8-er Jahrgang – davor waren es G9-er, also Absolventen eines neunj├Ąhrigen Gymnasiums.

Gl├╝ck haben sie insofern, dass sie ein Jahr fr├╝her fertig werden und damit endlich im europ├Ąischen Zeitplan f├╝r die Oberstufe liegen.

Und Pech -ÔéČ┬Ž Na ja, das zu erkl├Ąren, dauert l├Ąnger.

2012 wird es eine gro├če Klopperei um Studien- und Ausbildungspl├Ątze geben.

Ein Sonderfall ist dazu noch der Jahrgang meines Sohnes. Der geh├Ârt n├Ąmlich zu den ersten und zu den doppelten. Und das hei├čt wiederum: 2012 haben wir einen doppelten Jahrgang von G8-ern und G9-ern, die sich fr├Âhlich um Studien- und Ausbildungspl├Ątze kloppen d├╝rfen.

├ťber die bekannten Nachteile des G8 wurde schon viel geschrieben: Schwachsinnig verk├╝rzte Lehrpl├Ąne, Nachmittagsunterricht, kaum Freizeit – also eine typisch deutsche Reform, in der reformiert wurde, ohne richtig dar├╝ber nachzudenken, ob das eigentlich Sinn macht. Hauptsache reformiert.

Und jetzt ist es soweit, der doppelte Jahrgang geht in die Kurstufe, sprich 12. und 13. Klasse. Wer jetzt aufmerksam mitgerechnet hat, sagt Stopp!, eine 13. Klasse kann es ja nicht mehr geben.

Weit gefehlt, in diesem Sonderfall, also genau in diesem Jahrgang, ├╝berspringen alle 10-Kl├Ąssler mal kurz die 11. Klasse, um gemeinsam mit den G9-ern nach den Sommerferien in die 12. Klasse zu kommen. Raffiniert, so wird landesweit ein ganzer Jahrgang zu Hochbegabten Sch├╝lerinnen, die mal eben eine Klasse ├╝berspringen.

Gehen wir nun mal positiv davon aus, dass die Schulen es geschafft haben k├Ânnten, beide Jahrg├Ąnge gleich gut auf ihr Abitur vorzubereiten, wird Baden-W├╝rttemberg (auch Bayern) 2012 nun ├╝ber die doppelte Anzahl von Abiturienten verf├╝gen.

Sch├Ân f├╝r die Hochschulen und Betriebe, denn die k├Ânnen sich die Besten aussuchen.

Doppelte Konkurrenz.

Da fragt man sich nat├╝rlich als Eltern, was tun? In Windeseile und mit Druck wurden unsere Kinder durch die Schulzeit gepeitscht, um sich dann sich in unglaublicher, n├Ąmlich doppelter Konkurrenz wieder zu finden.

Ein Rezept f├╝r viele ist sicherlich eine einj├Ąhrige ÔÇ×AuszeitÔÇť, sprich ein Soziales Jahr oder ein Auslandaufenthalt mit ÔÇ×MehrwertÔÇť, also mit Sprachschule, Praktikum, Selbsterfahrung oder ├Ąhnlichem. Denn, das haben wir gelernt, einfach nur so darf diese Generation gar nichts mehr tun.

Waren unsere Kinder schon ab dem Kindergartenalter in ihrer Freizeit verplant, so m├╝ssen sie auch direkt vom Abitur in eine sinnvolle gut planbare Besch├Ąftigung gleiten.

Organisationen, die f├╝r teures Geld unsere Kinder im Ausland bei Jobs, Sprachschulen und Praktika betreuen, sprie├čen nur so aus dem Boden und sind ├Ąu├čerst erfolgreich.

Duale Hochschulen als Karrieregaranten?

Auf der ├ťberholspur im Wettbewerb bei den Studienm├Âglichkeiten sind demnach auch die dualen Hochschulen, die nicht nur ein kurzes Studium, sonder auch gleichzeitig Praxis, Firmenkontakt und wenn m├Âglich ├╝ber das Studium hinaus ein Besch├Ąftigungsverh├Ąltnis zu garantieren versprechen.

Bisher gelingt es mir noch ganz entspannt zu bleiben. Doch im Freundes- und Bekanntenkreis, beginnt die Hektik und Panik auszubrechen: Was passiert mit unserem Kinder nach dem Abitur? Und das ist, wohlgemerkt, 2012.

Durch Sprachaufenthalte in der Schulzeit versuchen einige Eltern, die sich das leisten k├Ânnen, ihren Kindern schon im Vorfeld einen Wettbewerbsvorteil zu erm├Âglichen.

Ein Bekannter, dessen Tochter in der 11. Klasse, also sprich noch G9 ist, rennt schon seit Wochen auf Info-Veranstaltungen von Hochschulen in der Region und auf Berufsinformationsmessen. Man muss sich fr├╝hzeitig k├╝mmern, erkl├Ąrt er mir.

„Sonst hast Du keine Chance mehr…“

Auf einer Party unterhielt ich mich k├╝rzlich mit einer Frau, deren Sohn genau wie meiner nach G8 in zwei Jahren Abitur machen wird. ÔÇ×Wenn Du ein Duales Studium anstrebst, musst Du Dich mit dem Zeugnis von 11/1 bei den Betrieben bewerben, sonst hast Du keine Chance“, erkl├Ąrte sie mir. Ich dachte: Stopp, ich strebe ├╝berhaupt kein Studium mehr an, das habe ich alles hinter mir, mein Zeugnis von 11/1 zeige ich keinem mehr und – ich hab-ÔéČÔäó doch schon einen Job.

Meine Argumente, mein Sohn wei├č doch noch gar nicht, was er nach dem Abi machen m├Âchte und vielleicht soll er erstmal ein Jahr auf Reisen gehen, wurde mit dem Blick, ÔÇ×Du hast ja keine Ahnung und Du wirst schon sehen, was dabei raus kommtÔÇť, abgeschmettert.

Wie schon gesagt, bislang bleibe ich noch ganz entspannt. Aber, wenn ich ehrlich bin, ich wei├č nicht mehr, wie lange.

Denn auch, wenn ich bei dieser Hysterie (noch) nicht mitmache, m├Âchte man ja doch das Beste f├╝r seine Kinder.

Aber ich bezweifle, dass ein so vorgeplanter Weg, wirklich das Beste ist. Oder? Was meinen Sie?