Montag, 19. November 2018

Geprothmannt: Schulpolitik muss zukunftsorientiert debattiert werden

Die Ganztagesschule muss kommen – aber sie ist trotzdem ein Problem

Rhein-Neckar, 01. Oktober 2012. (red) Alles sch├Ân und gut. Die Forderung nach einer Ganztagesschule ist richtig, aber trotzdem problematisch. Aktuell wurde im Ladenburger Gemeinderat ├╝ber die Einf├╝hrung der Ganztagesschule an der dortigen Werkrealschule diskutiert – aber die Debatte wird auch in anderen Gemeinden unseres Einzugsgebiet laufen. Und vermutlich St├╝ckwerk bleiben. Weil immer nur kurzfristig geplant wird und niemand den Mut aufbringt, mal zehn oder sogar 20 Jahre nach vorne zu schauen. Oder auch mal zur├╝ck.

Kommentar: Hardy Prothmann

Dieser Beitrag kommt ohne Zahlen aus, weil es nicht um Erbsen z├Ąhlen gehen soll, sondern um einen Aufruf zu einer weitsichtigen Debatte, die leider nicht stattfindet.

Baden-W├╝rttemberg ist unbestritten ein guter Schulstandort. Aber die Zeiten ├Ąndern sich. Mit ihnen die Menschen und die Bedingungen, unter denen sie miteiander leben. Deswegen beginne ich auch mit einem Sprung zur├╝ck.

Ich bin 1966 geboren und bin nach der vierten Klasse in Frankenthal aufs Gymnasium gegangen. Mit ein paar Freunden. Andere Freunde wechselten auf die Reals- oder Hauptschule. F├╝r die Freundschaften war das weitgehend unbedeutend. Um 13:00 Uhr l├Ąutete es, ich war um 14:00 Uhr mit Essen und meist auch mit Hausaufgaben fertig, sp├Ątestens um drei ging es raus: Kicken, Rad fahren, Schwimmen gehen, Bl├Âdsinn machen, Vereinstraining. Mit meinen Freunden und anderen Kindern. Beim Abendessen war ich oft todm├╝de, weil ausgepowert.

Gemeinsamkeit

Mit einigen meiner Freunde bin ich unabh├Ąngig vom Schulabschluss und der sp├Ąteren beruflichen „Laufbahn“ immer noch gut befreundet. Die einen arbeiten als Handwerker, andere in Heilberufen ohne ├ärzte zu sein, es gibt H├Ąndler und Dienstleister unter ihnen. Alles feine Leute, die teils mal richtig ordentlich mehr Geld verdienen als ich. Und die oft um einiges weniger arrogant sind als die, die sich f├╝r die Elite halten.

├ťberhaupt diese ganze leidige Elitendiskussion: Wenn ich einem Kumpel einen franz├Âsischen Text ├╝bersetzt habe oder die Inschriften auf alten Denkm├Ąlern lesen und verstehen konnte, wusste ich, dass ich mehr wei├č als mein Hauptschulfreund. Na und? Daf├╝r konnte der flitzeflink sp├Ąter Ma├če und Winkel berechnen, wusste immer, wo gerade die besten Preise f├╝r was auch immer waren. Das erg├Ąnzt sich bis heute.

Zusammen, statt getrennt

Hardy Prothmann (45) fordert mehr Weitblick bei der Schulpolitik.

Damit bin ich beim Kern der Debatte: Vor meiner Zeit wurden Jungs und M├Ądchen getrennt. Auch zu meiner Zeit wurden wir Kinder getrennt. Gemeinsames Lernen gab es nicht. Aber wir hatten neben der Schule viel Zeit f├╝r Gemeinschaft. Heute werden die Kinder auch getrennt, aber durch die Lebenssituation vieler Eltern brauchen sie eine l├Ąngere Betreuung. Sicher sind auch die Anforderungen in der Schule gestiegen, also auch l├Ąnger Schule.

Ich habe zwei Kinder. Der Sohn hat gerade nach dem achtj├Ąhrigen Gymnasium Abitur gemacht, die Tochter besucht die 8. Klasse. Die kennen keine Haupt- und Realsch├╝ler mehr. Nicht wegen Elitegedanken – ich achte drauf, dass sie bewusst bescheiden bleiben -, sondern weil sie keine Zeit haben. Morgens um sechs Uhr aufstehen, Schule bis um 16-17:00 Uhr. Dann noch Hausaufgaben machen, lernen, etwas Sport und etwas Musik. Damit ist der Tag rum. Ab und an treffen sich „beste Freundinnen“ und das ist nat├╝rlich jemand aus der Klasse. Andere Kinder bekommen sie ja nicht zu Gesicht.

Diese Trennung der Kinder f├╝hrt auch irgendwann zu einer Trennung der Gesellschaft. Gymnasiasten wissen nicht wie Realsch├╝ler ticken und die nicht, wie Hauptsch├╝ler so als Menschen sind. Falsche Elitendebatten f├╝hren zu falschen Selbstbildern bei den „Besten“ wie bei denen, die es „halt nicht geschafft haben“. Und vor allem CDU, SPD und FDP hei├čen diese heillosen Debatten auch noch an. Christliche Verbundenheit, soziales Miteinander oder freies F├╝reinander f├Ąllt diesen „politischen Eliten“ nicht mehr ein. Und umgekehrt kriegen die Gr├╝nen Pickel, wenn jemand Elite sagt, obwohl man die ganz sicher ebenso braucht wie den soliden Handwerker.

Der Schultyp der Zukunft, der auch den Gemeinsinn der Menschen st├Ąrkt und der gesellschaftlichen Situation Rechnung tr├Ągt ist die gemeinsame Ganztagsschule. Damit die nachwachsenden Generationen auch f├Ąhig sind, gemeinschaftlich zu denken. Und ├╝bereinander Bescheid wissen. Nat├╝rlich geh├Ârt auch Inklusion dazu.

Und man muss die Sportvereine in die Ver├Ąnderungen ebenso mit einbeziehen wie Musikschulen. Wenn die Ganztags-Werkrealschule kommt, werden die Vereine erneut Kinder und Jugendliche verlieren. Ganz einfach aus dem Grund, dass nicht alle auf ein Mal im Zeitfenster 17:00-19:00 Uhr auf demselben Platz kicken oder diesselbe Halle belegen k├Ânnen.

Alle m├╝ssen zusammenr├╝cken

Fr├╝her ging man nach der Schule in den Sportverein. „Nach der Schule“ ist heute sp├Ąter Nachmittag oder fr├╝her Abend. Also m├╝ssen die Vereine in die Schulen, ebenso die Musikschulen.

Das wird ein gewaltiger Umbau – denn daf├╝r muss vieles neu gedacht werden. Von Geb├Ąuden, ├╝ber Pl├Ątze, ├╝ber Mittel bis hin zur Organisation. In vielen Gemeinden reichen die Hallenkapazit├Ąten nicht mehr aus. Nicht weil die von morgens bis abens belegt sind, sondern weil immer mehr Anspruch auf diesselben Zeitfenster erheben. Wo soll das hinf├╝hren? Dass jeder 10.000-Einwohner Ort vier Hallen und zwei Kunstrasenpl├Ątze hat?

Man muss nicht nur gesellschaftlich die Schulen neu denken, sondern auch wirtschaftlich. Denn bekanntlich fehlt es an Geld zur Unterhaltun und es wird weniger Kinder geben. Ob man sich diesen Luxus, drei Schulsysteme mit entsprechenden Verwaltungen noch wird leisten k├Ânnen, ist heute schon fraglich. Hinzu kommt der Sch├╝lerverkehr, denn die wenigstens laufen nach der Grundschule in eine weiterf├╝hrende Schule.

Was die Hauptsch├╝ler schon mitmachen mussten, Zusammenlegungen, Werkrealschulreform, erneute Zusammenlegung, jetzt Ganztagsschule wird auch auf die anderen Schultypen zukommen. Gymnasien f├╝hren teils wieder die 9-j├Ąhrigen Z├╝ge nach der G8-Reform ein oder bieten beide Z├╝ge an. Die Realschulen haben „Sorge“, dass ihre „Homogenit├Ąt“ durch Hauptsch├╝ler gest├Ârt wird, da der Wegfall der Schulempfehlung nun Kindern die Realschule erlaubt, die sonst auf der Hauptschule gelandet w├Ąren. Und die Hauptschulen, neudeutsch Werkrealschulen, m├╝ssen bangen, ob sie ├╝berleben k├Ânnen.

Man k├Ânnte das Durcheinander auch als „lebendig“ bezeichnen. Tats├Ąchlich wei├č ich aus vielen Gespr├Ąche mit Eltern und Kindern, dass es als chaotisch begriffen wird. Eine „neue Ordnung“ kann nicht mehr Schaden anrichten als das verkorkste Herumexperimentieren der vergangenen Jahre.

Lob f├╝r Netzwerk Berufsfindung

Guten Tag!

Ladenburg, 22. Juni 2010. Das „Netzwerk Berufsfindung“ hat am Nachhaltigkeitskongress Baden-W├╝rttemberg 2010 teilgenommen. Die Sickingen Haupt- und Werkrealschule wurde mit dem „BoriS“, dem Berufswahl-Siegel der Baden-W├╝rttemberg-Stiftung ausgezeichnet.

Information des „Netzwerk Berufsfindung“:

„Der Arbeitskreis der ZukuftswerkStadt vertritt Ladenburg auf dem Nachhaltigkeitskongress 2010 Esslingen/Ladenburg. Am 16. Juni fand im Neckar Forum in Esslingen der Nachhaltigkeitskongress Baden-W├╝rttemberg 2010 statt. Er stand unter dem Motto ÔÇ×Gemeinsam Zukunft gestalten.ÔÇť

Auf Einladung des Landesb├╝ros Ehrenamt des Ministeriums f├╝r Kultus, Jugend und Sport Baden-W├╝rttemberg pr├Ąsentierte das Ladenburger Netzwerk Berufsfindung sein Stufenkonzept zur Berufsvorbereitung. In enger Zusammenarbeit mit der Sickingen Haupt-und Werkrealschule, sowie den Unternehmen in Ladenburg wurden ein Stufenkonzept zur Berufsvorbereitung, sowie die Werbetr├Ąger ÔÇ×Paul und PaulaÔÇť entwickelt und umgesetzt.

Die Arbeitskreismitglieder Dagmar Neu und Dr. Ulrike Karg f├╝hrten intensive Gespr├Ąche, vorrangig mit Interessenten von Schulen und Vertretern von Arbeitsgruppen der Lokalen Agenda 21. Gro├če Beachtung fand hierbei immer wieder ÔÇ×BoriSÔÇť, das Berufswahl-Siegel der Baden-W├╝rttemberg Stiftung. Es wurde der Schule f├╝r ihre hohe Qualit├Ąt in der berufsvorbereitenden Arbeit verliehen.

Mit dem diesj├Ąhrigen Kongress soll vor allem der freiwillige Einsatz der B├╝rgerinnen und B├╝rger Baden-W├╝rttembergs gew├╝rdigt werden, so Ministerpr├Ąsident Stefan Mappus in seinem Gru├čwort. Im Fokus standen deshalb Aktivit├Ąten im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie, des B├╝rgerschaftlichen Engagements, des Ehrenamtes und der Lokalen Agenda 21.

Ein besonderes Augenmerk legte er dabei auf die Jugend: „Wenn wir von Nachhaltigkeit und von Zukunft reden, m├╝ssen wir eine Personengruppe ganz besonders in den Fokus nehmen: Die Jugendlichen und Entscheidungstr├Ąger von morgen“, unterstrich Ministerpr├Ąsident Mappus.“ Erstmals begleitet wurde die Sitzung der Nachhaltigkeitskonferenz von einem Kongress und einer Messe, bei der sich 30 Initiativen aus Baden-W├╝rttemberg im Foyer des Esslinger Neckar Forums pr├Ąsentierten und mit ├╝ber 500 Vertretern aus Politik, Wirtschaft und kommunalen Einrichtungen diskutierten.

Die vorgestellten Konzepte gliederten sich in drei Themengruppen: Klimaschutz, generations├╝bergreifendes Engagement und gemeinsames Lernen. Letzteres hat sich auch das Netzwerk Berufsfindung auf seine Fahne geschrieben. Es sieht seinen Beitrag im Sinne der sozialen Nachhaltigkeit in der Unterst├╝tzung bei der Berufswahl und der Begleitung in den Beruf. Achim Beule, Referent im Ministerium f├╝r Kultus, Jugend und Sport, dazu: ÔÇ×Bildung f├╝r nachhaltige Entwicklung ist ein wesentlicher Faktor f├╝r die Zukunftsf├Ąhigkeit unserer Gesellschaft. Es gilt, dem Einzelnen F├Ąhigkeiten mit auf den Weg zu geben, die es ihm erm├Âglichen, aktiv und eigenverantwortlich die Zukunft mit zu gestalten.ÔÇť

In diesem Sinne hat das Netzwerk Berufsfindung die n├Ąchsten Schritte schon fest im Visier. Mit dem Start der Werkrealschule ÔÇ×Unterer NeckarÔÇť sind eine enge Zusammenarbeit und die weitere Vernetzung mit den Gemeinden Edingen-Neckarhausen und Ilvesheim geplant. Dazu wird als n├Ąchste Ma├čnahme Mitte Juli ein Runder Tisch mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung stattfinden.“

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das ladenburgblog

Jobs for Future mit hohen Besucherzahlen

Guten Tag!

Region Rhein-Neckar/Ladenburg, 25. Februar 2010. Bereits am ersten Tag der dreit├Ągigen Messe f├╝r Arbeit, Aus- und Weiterbildung str├Âmten 11.172 Menschen in die Mannheimer Maimarkthalle (Vorjahr erster Tag: 10.134 Besucher).

Am Vormittag besuchten in erster Linie Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler die Messe – viele erkundeten mit Frageb├Âgen m├Âgliche Berufe zum Beispiel bei Anbietern von gr├╝nen Berufen, Medien und Veranstaltungsberufen, Studieng├Ąngen, von Berufen in der Kirche und im ├Âffentlichen Dienst.

Berufsmesse Jobs for Future. Bild: hirschbergblog

Berufsmesse in Mannheim: Jobs for Future. Bild: ladenburgblog

Die Messe Jobs for Future ist auch am Freitag und Samstag noch von 10 bis 18 Uhr ge├Âffnet, der Eintritt ist frei.

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das ladenburgblog

Leserbrief: Unglaubliche Zust├Ąnde f├╝r Sch├╝ler im ├ľPNV

Guten Tag!

Ladenburg, 15. Februar 2010. Die Redaktion ver├Âffentlicht einen Leserbrief, der eine massive Kritik am Busunternehmen BRN formuliert. Die Darstellungen im Text schildern die Sicht des Verfassers. In der vergangenen Gemeinderatssitzung wies der Verfasser in der Fragezeit f├╝r B├╝rger auf seine Erlebnisse hin und forderte Aufkl├Ąrung beziehungsweise Abhilfe. Das ladenburgblog dokumentiert die schriftliche Schilderung der Kritik am Busbetreiber.

Leserbrief

Erlebnisse bei einer Busfahrt nach Mannheim-Seckenheim

Als Mitglied des Arbeitskreises Netzwerk Berufsfindung der Zukunftswerktadt Ladenburg begleitete ich am 26.01.2010 14 Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler der Klasse 8 der Sickingen Haupt- und Werkrealschule mit ihrem Lehrer auf einem Lerngang zum BIZ Berufs-Informations-Zentrum nach Mannheim.

Es sollte um 12.44 Uhr mit dem Bus an der Haltestelle in der Bahnhofstra├če, gegen├╝ber der Sparkasse Rhein-Neckar-Nord losgehen.

Sch├╝ler, Lehrer und ich waren rechtzeitig an der Haltestelle. Wir warteten geduldig bei -3,5 Grad auf das Eintreffen des Busses, jedoch nichts tat sich.

Die meisten Kinder im Alter von 14 Jahren wohnen in Ilvesheim und besuchen seit Herbst 2009 die Sickingen Haupt- und Werkrealschule, weil die Hauptschule in Ilvesheim f├╝r ihren Jahrgang geschlossen wurde.

Nachdem der Bus auf sich warten lie├č, machten die Kinder ihren Lehrer und mich darauf aufmerksam, dass wir mit ziemlicher Sicherheit mit dem 12.44 Uhr Bus wegen ├ťberf├╝llung nicht mitfahren k├Ânnen und ob das mit dem n├Ąchsten 13.19 h-Bus gelinge, sei ebenfalls zweifelhaft.

Ich hielt das im Stillen f├╝r ├╝bertrieben – aber, ich musste dazulernen!

Inzwischen war es kurz vor 12.55 h und unser Bus war immer noch nicht zu sehen.

Aus Richtung Ilvesheim kommend war inzwischen ein Bus mit gro├čer Richtungsanzeige ÔÇ×LEERFAHRTÔÇť an uns vorbeigefahren und am Benz-Platz in Richtung Schwimmbad abgebogen. Merkw├╝rdig-ÔéČ┬Ž, das Schwimmbad ist doch geschlossen!?

Zwei Minuten vor 13.00 Uhr kam dann endlich unser Bus um die Ecke aus Richtung Wallstadter Stra├če angefahren, – aber, er hielt gar nicht erst an, sondern fuhr einfach ungebremst weiter in Richtung Ilvesheim, denn er war, wie zu erkennen, bereits brechend voll!

Die Sch├╝ler maulten zwar, aber verhielten sich einwandfrei und warteten mit uns zwei Erwachsenen geduldig weiter.

Ein weiterer Bus aus Richtung Ilvesheim kommend mit Richtungsanzeige ÔÇ×LEERFAHRTÔÇť bog wiederum am Benz-Platz in Richtung Schwimmbad ab.

Inzwischen waren noch 4 ├Ąltere Sch├╝lerinnen (etvl. aus Realschule oder Gymnasium) an der Haltestelle angekommen und warteten ebenfalls.

Da, endlich, es war 13.19 Uhr, kam der Bus p├╝nktlich um die Ecke aus Richtung Wallstadter Stra├če und hielt sogar an. Trotz ├ťberf├╝llung!

Zwei Insassen stiegen aus (offenbar musste er deshalb anhalten) aber 20 Personen wollten/mussten rein, obwohl alle Sitzpl├Ątze, die Mittelg├Ąnge und Einstiegsplattform besetzt waren.
Also, jeder presste sich – die Luft anhaltend – engstens an die Mitreisenden, versuchte, irgendeine Stange oder Griff zu Festhalten zu packen.

Es wurde gedr├╝ckt und geschoben und geflucht und geschrieen – aber der Busfahrer konnte endlich die T├╝ren schlie├čen. Und schon gings los!

Offenbar musste er irgendwie Zeit aufholen, denn er gab Gas, so dass der Pulk der Stehenden nach hinten schwankte. Beim Bremsen schwankte er nach vorne und je nach Kurve schwankte der Pulk nach rechts oder links.

Positiv war, es konnte keiner umfallen!

Mir ging durch den Sinn, dass es bei diesem Gedr├Ąnge leicht w├Ąre, mir meinen Geldbeutel aus der Jackentasche zu klauen, – aber, ich beruhigte mich schnell, denn wir standen ja so eng, dass niemand die Arme bewegen konnte.

An einer Haltestelle wollte eine Frau vor mir, die einen Sitzplatz hatte, aussteigen, aber es war wegen der ├ťberf├╝llung nicht m├Âglich. Sie schrie mich zwar an, sie m├╝sse aussteigen, aber – ich konnte sie ja nicht durch mich hindurch gehen lassen.

Also bat ich an der Haltestelle die vor der T├╝r stehenden Sch├╝ler doch auszusteigen, um Platz zum Aussteigen f├╝r diese Frau zu machen. Das taten sie auch ohne murren.

Aber, sie mussten sich gewaltig beeilen, um sich rechtzeitig wieder reinzuquetschen, damit der Busfahrer sie mitnahm und die T├╝ren schlie├čen konnte.

Endlich in Seckenheim angekommen, stiegen wir aus, um mit der Stra├čenbahn weiterzufahren. Tief Luft holen, war wichtig!

Die R├╝ckfahrt von Seckenheim nach Ladenburg – nach 16.00 h – verlief ├╝brigens mangels ÔÇ×Fahrgast-MasseÔÇť erfreulicherweise im Sitzen. Allerdings waren etliche Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler von der Stra├čenbahn-Haltestelle Seckenheim zu Fu├č nach Ilvesheim gehen.)

Die Sch├╝ler sagten zu ihrem Lehrer und mir ÔÇ× -ÔéČ┬Ž.jetzt haben Sie einmal gesehen, was wir jeden Tag morgens und mittags mitmachen m├╝ssen -ÔéČ┬ŽÔÇť

Meine Frage, ob das morgens auf der Fahrt nach Ladenburg nicht doch besser sei, beantworteten sie mit ÔÇ×..da ist es genau so-ÔéČ┬ŽÔÇť

Und ihr Lehrer erz├Ąhlte mir, dass mehrfach Kinder zu sp├Ąt zum Unterricht kommen, weil der Bus ├╝berf├╝llt oder erheblich zu sp├Ąt war.

Wenn mir irgendwer vorher erz├Ąhlt h├Ątte, was ich auf dieser Busfahrt dann selbst erlebt habe – ich h├Ątte ihm nie und nimmer geglaubt!

Aber – ich habe es selbst erlebt, am 26.01.2010.

Das, was sich der Betreiber des ├ľffentlichen Personen-Nahverkehrs hier leistet, ist menschenverachtend! Wo bleibt eigentlich die Verantwortung f├╝r W├╝rde und die Sicherheit unserer Kinder?

W├╝rden Tiere auf ├Ąhnliche Weise transportiert, w├Ąren die Stra├čen von protestierenden ÔÇ×Tiersch├╝tzernÔÇť blockiert. Die Polizei w├╝rde den Fahrer verhaften, dem Fahrzeughalter w├╝rde die Transport-Lizenz entzogen und die Presse, Funk und Fernsehen w├Ąren voll mit dicken Schlagzeilen und gro├čen Berichten ├╝ber die Ungeheuerlichkeiten mit der man mit Tieren umgeht.

Aber, im von mir pers├Ânlich erlebten Fall geht es um Menschen, um Sch├╝ler, um Kinde – und da regt sich niemand auf, – das wird einfach so hingenommen!

Unfassbar! In welcher Welt leben wir eigentlich??

Diese Erlebnisse habe ich Herrn B├╝rgermeister Ziegler und den Fraktionsvorsitzenden der im Gemeinderat Ladenburgs vertretenen Parteien am 28.01.2010 schriftlich mitgeteilt und gebeten, sich dieses Problems anzunehmen und dringend f├╝r Abhilfe zu sorgen.

Am 03.02.2010 erhielt ich von Herrn B├╝rgermeister Ziegler (er war vorher gesch├Ąftlich vereist) eine mail-Antwort.

Er teilte mir mit, dass er von den aktuellen Problemen Kenntnis hat und in K├╝rze mit dem Verkehrsunternehmen ein Gespr├Ąch zur Verbesserung dieser Situation f├╝hren wolle.

Er informierte mich, dass zum 01.01.2010 das Busverkehrsunternehmen von RNV zu BRN gewechselt hat, wodurch offenbar zus├Ątzliche Startschwierigkeiten auftreten.

Au├čerdem meinte er, dass die geschilderten Probleme auch schneebedingt seien, da nahezu alle fahrradfahrenden Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler auf den ├ľPNV umsteigen.

Meine Antworten dazu habe ich w├Ąhrend der Fragestunde in der ├ľffentlichen Gemeinderatssitzung am 03.02.2010 gesagt und erneut auf die Dringlichkeit hingewiesen.

Klaus Ehry

Anmerkung der Redaktion: Leserbriefe geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Der Verfasser ist f├╝r den Inhalt verantwortlich.