Donnerstag, 24. Oktober 2019

Die „Ladenburger Sandbank“ – Wasserspielplatz fĂŒr große Jungs


Ladenburg, 07. Oktober 2011. (red) Zur Zeit wird der Neckar bei Ladenburg ausgebaggert. Diese Arbeiten dauern voraussichtlich bis Ende des Jahres. Was und warum das genau geschieht, erklÀrt das Schifffahrtsamt in Heidelberg.

Von Tillmann Bross

Wer dieser dieser Tage den Neckar von der Ladenburger BrĂŒcke betrachtet, dem werden zuerst die großen Baggerschiffe auffallen, die im Neckar graben, als wĂ€re es ein Sandkasten und sie Spielzeug. Moment mal!? Im Neckar graben? Wie geht denn das? Und warum ĂŒberhaupt?

„Der Bagger grĂ€bt im Neckar, um die Fahrrinne fĂŒr Transportschiffe auf die optimale Tiefe zu bringen“, sagt Dipl. Ing. Jörg Huber, Leiter der Wasser-und Schifffahrtsverwaltung Heidelberg. Nachdem Messschiffe alle zwei Jahre mit Echolot die Tiefe des Flusses gemessen haben, werden die Daten mit den vorgeschriebenen Maßen der Fahrrinne verglichen.

So kann festgestellt werden, ob sich Sediment abgelagert hat, das heißt, dass die Strömung des Flusses eine Menge Schlamm oder in diesem Fall Kies an diese Stelle transportiert hat, sodass sich eine Art Sandbank bildet. Das war hier der Fall. FĂŒr die Berufsschifffahrt ist das nicht ungefĂ€hrlich und fĂŒr das WSV in Heidelberg teuer, wenn ein Schiff auf dem von der Behörde verwalteten Teil des Neckars beschĂ€digt wird.

Auf Höhe des "Stegs" wird auf dem Neckar bei Ladenburg eine Sandbank weggebaggert. Zum Einsatz kommen sogenannte "Schuten"

Kurz und gut, das Schifffahrtsamt hat beschlossen, die Fahrrinne zu vertiefen. Deswegen befördert der Bagger fleißig den Kies auf sogenannte „Schuten“, Schiffe ohne eigenen Antrieb, also „AnhĂ€nger im Wasserverkehr“, die die Sedimente in Aufbewahrungslager bringen.

Klingt alles ganz einfach. Ist es soweit auch, da ein erschwerender Faktor nicht eingetreten ist: Der Flussgrund ist nicht mit Schadstoffen belastet, die man besonders sorgfĂ€ltig abtransportieren und unschĂ€dlich machen mĂŒsste. Ein Hoch auf den Neckar, dessen Flussbett hier aus Kies besteht. „Der Kies ist sauber“, sagt Herr Huber.

Ladenburg ist kein Einzelfall, auch in Freudenheim wird gebaggert. Die BegrĂŒndung: Der Neckar ist zwar ein Fluss mit wenig Strömung, doch gab es eine kleine Hochwasserwelle, die fĂŒr die „Ladenburger Sandbank“ gesorgt hat.

Da die Wasserbaustelle sich selbstverstĂ€ndlich ĂŒber der Fahrrinne befindet, ist der Wasserverkehr eingeschrĂ€nkt. Schließlich mĂŒssen die Schiffe an dieser Stelle auf viel kleinerem Raum den Fluss befahren und, wer hĂ€tte das gedacht, langsamer fahren.

Das stört natĂŒrlich die Fahrer der Schiffe, und wer kann ihnen da nicht beipflichten? Hat nicht jeder schonmal morgens mit zitterdem Fuß auf dem Gas an der Baustelle auf der Autobahn gewartet und am liebsten seinen Kleinwagen in einen Hubschrauber verwandelt?

Doch es gibt gute Nachichten. Die Baustelle besteht seit Mitte September und wird voraussichtlich gegen Ende des Jahres beendet sein. Wann wird der Bagger denn wieder sein munteres Werk in Ladenburg verrichten?

„Das kommt auf den Fluss an.“ FĂŒr eine Überraschung scheint der Neckar immer gut zu sein.

Anmerkung:
Tillmann Bross (17), ist Gymnasiast (12. Klasse) aus Bad DĂŒrkheim und absolviert zur Zeit ein Kurzpraktikum beim Ladenburgblog.de.

VerkehrszĂ€hlung als „Chaos“-Forschung: Blöde Haltung

Guten Tag!

Rhein-Neckar/Heidelberg, 19. Oktober 2010. Die kilometerlangen Staus heute Morgen sollen der „Allgemeinheit“ dienen und seien „unumgĂ€nglich“ haben unsere Nachfragen bei Ämtern und Polizei ergeben. Ist das so? Sind die Staus „unumgĂ€nglich“? ErhĂ€lt man nur durch das programmierte Chaos „vernĂŒnftige Daten“? Zweifel an der Methode sind angebracht.

Kommentar: Hardy Prothmann

Auf der B 37 und B 3 stand wie an so vielen Tagen der Verkehr. Erfahrene Berufspendler versuchen ihr Verhalten anzupassen, um nicht in den allmorgendlichen Stau zu fahren. Man fĂ€hrt andere Wege und passt seine Zeiten an – oftmals reicht es aber nicht, frĂŒher oder spĂ€ter zu fahren, man muss einfach mehr Zeit einkalkulieren.

Klar ist: Die zentrale Zufahrt nach Heidelberg von der A 5 aus ist ein Nadelöhr, die Autobahn und die Bundesstraße sind zu „Stoßzeiten“ immer belastet. Eine Verkehrsbefragung soll helfen, das Fahrverhalten der Menschen zu messen und zu verstehen, um daraus SchlĂŒsse zu ziehen und Maßnahmen einzuleiten, die der „Allgemeinheit“ dienen. Das ist begrĂŒĂŸenswert.

Die Haltung und die Argumentation hinter dieser Befragung sind aber selbst Ă€ußerst „fragwĂŒrdig“. Man wolle „unerfĂ€lschte“ Daten heißt es bei den verantwortlichen Ämtern. Das sei zwar bitter fĂŒr die Verkehrsteilnehmer, aber „hinnehmbar“, schließlich befrage man ja nur stichprobenhaft. FĂŒr die Statistik sei es „unerlĂ€sslich“, möglichst „reale“ Situationen zu messen.

Und hier wird es „unscharf“. Denn die statistische Erhebung sorgt selbst fĂŒr eine nicht realistische Situation. Klar, Stau ist oft, fast immer. Aber am heutigen Tag hĂ€tte es vielleicht „laufen“ können – durch die kĂŒnstliche Verengung aber war der Stau „kĂŒnstlich“ vorprogrammiert.

Das wird auch Einfluss auf die Daten haben: Sagen die Befragten tatsĂ€chlich das, was man von ihnen will oder erzĂ€hlen sie aus Wut ĂŒber die „Misshandlung“ irgendwas? Auch das muss eine ordentliche statistische Erhebung einkalkulieren. Und je grĂ¶ĂŸer die Datenbasis, umso besser das Ergebnis. Konkret heißt das: Es mĂŒsste an möglichst vielen unterschiedlichen Tagen zu unterschiedlichen Zeiten gemessen werden. Auch besondere AnlĂ€sse wie Feste, SchlussverkĂ€ufe und alle anderen denkbaren Situationen mĂŒssten gemessen werden, um ein möglichst zutreffendes Ergebnis zu erhalten.

TatsĂ€chlich wurde die Befragung aber aufgrund des selbst geschaffenen Chaos abgebrochen und soll vielleicht heute, vielleicht die nĂ€chsten Tage fortgesetzt werden. Und dann? Erhalten die Forscher dann wirklich „valide Daten“? Ist es notwendig, die Autofahrer unvorbereitet ins Chaos zu schicken, um eine möglichst „realistische“ Verkehrssituation zu haben?

Es kann heutzutage mit diesen Methoden kein unverfĂ€lschtes Ergebnis mehr geben. Innerhalb kĂŒrzester Zeit werden die Verkehrsteilnehmer informiert, ĂŒbers Radio oder Mobiltelefone. Sofort werden tausende von individuellen Entscheidungen getroffen: Fahre ich vielleicht besser so oder so? Breche ich meine Fahrt ab und gehe irgendwo noch was einkaufen und fahre spĂ€ter in die Stadt? FĂŒge ich mich meinem Schicksal?

Angeblich sei diese Meßmethode die „einzig denkbare“. Das sollten die Verkehrsplaner nochmals ĂŒberdenken.

Ganz sicher: Eine umfassende Information der Bevölkerung im Vorfeld einer Befragung wĂŒrde einige Leute dazu bringen, sich auf die Situation einzustellen und ihr Verkehrsverhalten zu verĂ€ndern. Ein Versuch wĂ€re es wert, an die Vernunft und die Teilnahme von allen zu appellieren: „Leute, es wird eine Belastung geben, stellt euch drauf ein und wer kann, fĂ€hrt frĂŒher oder spĂ€ter, sagt uns das aber bitte.“ Auch diese Angaben ließen sich statistisch verwerten und „hochrechnen“.

Die BĂŒrgerInnen hĂ€tten dadurch die Möglichkeit, sich selbst mit einzubringen. Es wĂ€re ein Zeichen, dass man ihnen auch etwas zutraut. Man wĂŒrde sie „mitnehmen“. Beim angeblich „einzig denkbaren“ Weg, den man heute genommen hat, zeigen Ämter und Forscher einfach nur Arroganz und eine Gewissheit: Sie halten uns alle fĂŒr blöd.

Nur blöd, dass dadurch wieder einmal der Unmut wĂ€chst: Über diese blöde Haltung. Denn wer einerseits argumentiert, es gĂ€be keine andere Lösung ein „unverfĂ€lschtes“ Ergebnis zu erhalten und andererseits zugibt, dass man weiß, dass die Menschen sich durch Hörfunk und Mobiltelefone anders verhalten, als wĂŒssten sie nichts von der Maßnahme und man diese Erkenntnis wiederum „herausrechnen“ kann, der muss ich fragen lassen, ob man ein kalkuliertes Anpassungsverhalten durch eine ordentliche Information nicht auch „einrechnen“ könnte.

Geplatzte Termine, entgangene UmsĂ€tze, Frust und Ärger und Chaos, die von der Straße in die Arbeitsstellen mitgenommen werden, ja die werden in dieser Statistik ganz sicher nicht mit „einkalkuliert“, sondern provoziert.