Samstag, 22. September 2018

Was tun gegen die Zerstörungswut?

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Guten Tag!

Ladenburg, 30. April 2010. Die verwüstete Toilettenanlage spricht Bände: Hier tobte die reine Zerstörungswut ohne Sinn und Verstand. Wer tut so etwas? Und was macht man dagegen?

Kommentar: Hardy Prothmann

Nicht nur Bürgermeister Ziegler ist fassungslos und dann wütend, wenn er sieht, was eine dumme Zerstörungswut anrichtet: Die Reparatur der verwüsteten Toilettenanlage wird Tausende von Euro kosten. Wofür? Dafür, dass ein, zwei oder mehr Vollidioten ein paar Minuten „Spaß“ hatten?

Sind es „Vollidioten“? Oder sind Leute, die so etwas tun, „krank im Kopf“?

Oder sind sie vielleicht sogar „Opfer der Gesellschaft“? Arme, missverstandene und zu wenig behütete Jugendliche?

Wer ist schuld? Die Zerstörer, die Eltern, die Gesellschaft? Oder gar die Polizei, weil sie nicht da war? Oder Anwesende auf der Wiese, die nicht eingegriffen haben?

Was tun?

Diese Fragen und noch viele andere stellt man sich nicht nur im Gemeinderat. Was tun gegen diese Zerstörungswut?

Kein „auswärtiges Gesocks“ mehr nach Ladenburg lassen, wie CDU-Gemeinderat Gerhard Seidel folgerte?

Das hilft nur zu 25 Prozent. Drei Ladenburger und ein „Auswärtiger“ haben Platzverbote bekommen. Ladenburger Jugendliche machen in diesem Fall 75 Prozent des Problems aus. Ladenburger Jugendliche waren in diesem Fall das „Gesocks“.

Seidel forderte auch: „Man müsste mal knallhart für zwei Jahre keine Veranstaltungen mehr auf der Festwiese und kein Grillen mehr auf der Neckarwiese erlauben. Die Anständigen werden dafür sorgen, dass das nicht mehr passiert.“

Nicht die Anständigen bestrafen.

Die Anständigen? Die würden dadurch bestraft. Die Anständigen räumen ihren Grillplatz auf und feiern auf der Festwiese schöne Feste.

Es geht um die Chaoten. Hier soll die Polizei mehr gucken, fordert Stadträtin Ilse Schummer (SPD): „Es braucht auch mehr Zivilcourage.“

Die arg unterbesetzte Polizei war in diesem Fall kurz nach der Randale zur Stelle. Mehr kann sie nicht tun oder soll man einen Beamten 24 Stunde vor dem Klo postieren?

Klar, die zivil Couragierten überlegen es sich aber zwei Mal, ob sie im Zweifel das Schicksal der Toilettenanlage teilen wollen.

Es kann sicher etwas getan werden: Angefangen im Elternhaus, über die Schulen, die Betriebe, die Sozialarbeit, Polizeiarbeit und Gerichtsbarkeit.

Wenn erst die Polizei und die Gerichte tätig werden müssen, ist die Toilette oder etwas anderes zerstört. Im schlimmsten Fall sind Menschen zu Schaden gekommen.

Das Problem: Man wird sich an die Folgen der Probleme gewöhnen müssen.

Es ist leider ein gesellschaftliches Problem, an das man sich gewöhnen muss.

Offensichtlich leisten die Elternhäuser nicht mehr die notwendige Erziehungsarbeit, schlecht ausgestattete Schulen und Sozialarbeit können gewisse Jugendliche nicht mehr erreichen. Sonst könnte man hier Druck aufbauen und ein solches Verhalten gesellschaftlich ächten.

Eine solche Ächtung funktioniert aber nur bei Menschen, die noch gewillt sind, an der Gesellschaft teilzunehmen. Chaoten, die Klos zerstören, haben längst jede Achtung vor fremdem Eigentum und allgemeinem Nutzen verloren. Sie verachten sich selbst und deshalb auch alles und jeden anderen.

Man kann nur hoffen, dass sie sich bei ihrer Zerstörungsorgie ordentlich weh getan haben – das ist wahrscheinlich der einzige Gefühlsimpuls, denn solche Leute noch spüren.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.