Samstag, 18. November 2017

Mit den Torwächtern unterwegs

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Guten Tag!

Ladenburg, 30. Juni 2010. Am vergangenen Samstag fand die sechste „Mittelalterführung“ des Heimatbunds e.V. sowie der Eheleute Ulrike und Martin Söhn statt. Mit dabei die Torwächter und ein Castellan, eine Schankmagd und ein Spielmann.

Text und Fotos: Horst Pölitz

Mittelalterliche Stadtführung. Bild: lblog/pöl

Rund 50 interessierte Bürger trafen sich um 14:00 Uhr am Wasserturm zur „Mittelalterführung“. Dort wurden sie von den Torwächtern, dem Castellan, einer Schankmagd und Spielmann in mittelalterlicher Kleidung begrüßt.

Als Mittelalter bezeichnet man die Epoche etwa zwischen 500 und 1500 n. Chr. In diese Zeit fielen markante Ereignisse für Ladenburg, beispielsweise die Erhebung zum Bischofssitz des Bistums Worms, sowie die Errichtung der Stadtmauer.

Die beiden Torwächter, Peter Klaus und Klaus Oberhettinger, brachten die Besucher mit ihrem Wissen immer wieder zum Staunen. Klaus ging vertiefend auf das Haus des Scharfrichters ein. Der Scharfrichter durfte innerhalb der Mauern wohnen und war nur für die obere Klasse verantwortlich. Der Henker wohnte außerhalb und war nur für das niedere Volk zuständig.

1622 wurde Ladenburg durch den „Generalissimus“ Mannsfeld eingenommen. Deutlich sind noch die Einschläge der Kanonnenkugeln am Martinstor zu sehen – 60 Geschosse trafen das Tor, bevor es gestürmt wurde.

Interessant waren die Details zum „romanischen Haus“. Weil die Grundsteuer auf die bebaute Fläche erhoben worden war, baute man das Haus in der Höhe breiter, während der Grund schmaler blieb und man so Geld sparte.

Die Torwächter führten Lanzspieße mit sich. Das sind historische Waffen – dafür braucht es eine Sondergenehmigung, weil diese immer noch als Waffen gelten, die man sonst nicht in der Öffentlichkeit mit sich führen darf.

Nach eineinhalb Stunden Führung war die Gruppe zu einem mittelalterlichen Mal im Würzberger Hof eingeladen. Bevor es zu Tisch ging, wurde den Gästen erst mal mit Rosenwasser aus dem Holzuber die Hände gewaschen. Außerdem bekamen sie ein Latztuch umgehängt.
Vom Spielmann Albrecht erfuhr die Gesellschaft die Tischregularien. Getafelt wird nur mit Löffel und Messer. Als Gabel „nimmt die menschlichen fünf Zacken“, so Spielmann Albrecht.

Einige Teilnehmer hatten die Führung schon einmal mitgemacht und clevererweise Gabeln mitgebracht. Spielmann Albrecht spielte den Vorkoster – denn damals war es durchaus nicht unwahrscheinlich, dass eine Mahlzeit nicht wohl bekommt, sondern vergiftet war.

Das deftige Mahl bestand aus drei Gängen. Als Aperitiv gab es Met. Zwischen den einzelnen Gängen sorgte Spielmann Albrecht mit über einen Dutzend zeitgenössicher Instrumente für Unterhaltung.

Der Heimatbund organisiert Stadtführungen auf Anfrage und mit festen Terminen.

Weitere Informationen: Heimatbund Ladenburg

Viel Freude mit den Bildern.

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Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.