Samstag, 18. November 2017

„Kleine Sensation“: Das Ladenburger Richtschwert als Leihstück im Lobdengaumuseum

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Ladenburg, 28. November 2010. Eine neue Ausstellung im früheren Arbeitszimmer des Ehrenbürgers Dr. Berndmark Heukemes wurde am Samstag eröffnet. Durch die Integration des Erkerzimmers ist nun ein Rundgang im zweiten Stock des Lobdengaumuseums möglich. In den nächsten vier Wochen kann dort das „Richtschwert“ des Scharfrichters Johan Nicolaus Ostertag als Leihgabe besichtigt werden.

Von Hardy Prothmann

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Bürgermeister Ziegler zerschneidet Bänder, um die Ausstellung zu eröffnen. An seiner Seite Marianne Schwarz, eine Zeitzeugin des letzten "Ausschellers" Karl-Wilhelm Sauer.

Rund 40 Personen waren zur Eröffnung der Ausstellung ins Lobdengaumuseum gekommen. Bürgermeister Ziegler begrüßte insbesondere die Enkelsöhne des städtischen Ausschellers Karl-Wilhem Sauer, der bis 1956 die Bekanntmachungen der Stadt ausrief und dazu eine Glocke geschwungen hat. Diese und eine noch ältere Glocke sind hier ausgestellt.

Ebenso ein Bild des „ältesten“ bekannten Stadtsiegels aus der Zeit um 1313 bis 1317, das also fast 700 Jahre alt ist. Ebenfalls zu sehen sind zwei Siegel, ein „großes“ Siegel mit bedachtem Tor und darunterliegendem Fallgitter, sowie den dazwischen gekreuzten „Wormser Schlüsseln“.

Siegel, Glocken, Möbel, Bilder, Richtschwert.

Das kleinere Siegel stammt aus der Zeit, als Ladenburg „Oberamtsstadt“ geworden war (siehe Fotos). Im neuen Zimmer sind auch Detaildarstellungen der Ladenburger Künstler Sachse und Geyer zu sehen, sowie von Konrad Seel III, „der fast ein Genie war“, wie Bürgermeister Ziegler den Mann lobte, der es nicht immer ganz einfach in der Stadt hatte.

Dem Museumskurator Horst Hain dankte er in „Abwesenheit“ für seine Verdienste um die Ladenburger Geschichte: „Er ist im Vorruhestand und kann leider nicht anwesend sein.“ Die Geschicke des Museums übernehmen neben Heimatbund und Stadt nun Museumsmitarbeiterin Erika Duske und Stadtarchivar Oliver Gülck.

Die Ausstellung ist eine Erweiterung der „Detailansichten von Ladenburg“ mit Möbeln und anderen Exponanten, beispielsweise einem Ohrensessel der Stifterin Dr. Maria Triebskorn, die dem Ladenburger Heimatbund ein bedeutendes finanzielles Erbe hinterlassen hat.

Ein „besonderes“ Stück ist das Richtschwert des Scharfrichters Johan Nicolaus Ostertag. Dieses wurde von einem Sammler ersteigert, der es dem Lobdengau-Museum zur Ausstellung für gut vier Wochen überlassen hat.

Heimatbund-Vorsitzender Dr. Meinhard Georg holte das Schwert zur Eröffnung aus der Vitrine und präsentierte das doppelschneidige Todeswerkzeug dem Publikum. Herr Georg erläuterte, dass er selbst versucht hatte, das Schwert zu ersteigern, es ihm aber einen Tag zuvor weggeschnappt wurde. Nun sei er mit vielen Anrufen beim derzeitigen Besitzer bemüht, es in den „rechtmäßigen“ Besitz zurückzuholen: „Da bin ich guter Dinge, dass es, bis ich 100 bin, so sein wird.“

Eingraviert ist der Name des Scharfrichters sowie ein Balken. Auf der anderen Seite steht der Spruch (siehe Foto-Gallerie):

„Wann ich Das Schwerdt thu auffheben So wünsche Ich dem Sünder Das Ewige Leeben“.

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Richtschwert als Leihgabe und "kleine Sensation".

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Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.