Sonntag, 19. November 2017

Bürgertag: Informationen zur Finanzlage der Stadt

Print Friendly, PDF & Email

Guten Tag!

Ladenburg, 29. März 2010. Hinterher soll niemand sagen, er hätte es nicht gewusst. Die Stadt kommuniziert offen und transparent ihre Finanzlage – das Interesse am Bürgertag war angesichts eines trockenen Themas gut, aber nicht überwältigend.

Von Hardy Prothmann

Nur gut ein Dutzend BürgerInnen wollten am Bürgertag den Vortrag von Stadtkämmerer Claus Hessenthaler zur Finanzlage der Stadt hören. Im schlimmsten Fall wird die Stadt dieses Jahr zwölf Millionen Euro Schulden machen: „Wir rechnen nicht damit, dass es so dick kommt, aber das weiß vorher niemand“, sagte Hessenthaler, der aber einen insgesamt entspannten Eindruck machte.

Claus Hessenthaler sagte: „Wenn es nicht überraschende Zuflüsse bei der Gewerbesteuer gibt, wird es wichtig sein, dass Opfer gebracht werden.“ Deutlicher kann man nicht ankündigen, dass die derzeitige Einsparrunde die Lage nur leicht mildert: „Auch härte Einschnitte sind nicht ausgeschlossen.“

Erfreulich: Mit 3.600 „Einpendlenn“ kommen immer noch mehr Menschen zur Arbeit nach Ladenburg, als die Stadt verlassen: „Das heißt, wir haben ein attraktives Arbeitsplatzangebot.“

Die Finanzmisere trifft die Stadt dieses Jahr besonders heftig, weil die Einnahmen außerordentlich niedrig sind und die Ausgaben außerordentlich hoch. So muss die Einnahmeseite mit gut 52 Prozent aus den Rücklagen bestritten werden – rund 66 Prozent der Kosten sind gebundene Kosten, das heißt, hier gibt es keine „Spielraum“.

Sollte es in den kommenden Jahren keine Besserung geben, steht die Stadt in zwei bis drei Jahren vor der Wand. Die Rede von „Opfern“ ist kein hohles Geschwätz, sondern bittere Realität.

Das Problem ist die Gewerbesteuer – eine wichtige kommunale Einnahmequelle, die aber für Ladenburg kaum planbar ist, da einige wenige Großunternehmen den größten Teil der Gewerbesteuerzahlungen oder eben auch nicht.

Ab 2015 wird die Ladenburger Finanzverwaltung auf ein „Neues Steuerungsmodell“ umgestellt – vergleichbar mit der betriebswirtschaftlichen Finanzverwaltung in der Wirtschaft. Ob das allerdings eine sofortige Besserung bringt, darf bezweifelt werden – da die Schulden sich damit nicht niedriger Rechnen lassen. Daran lässt Claus Hessenthaler auch keinen Zweifel.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.