Sonntag, 19. November 2017

Will die Agentur Leistungen der Stadt ├╝ber einen Bericht in der RNZ erpressen?

Unverhohlene Drohung – die Demi und ihr Sturm

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Schlammschlacht: Im Sommer sah die Festwiese nach einem Konzert von Xavier Naidoo aus wie ein Acker – jetzt hetzt die RNZ ├╝ber beste Verbindungen zu Demi Promotion gegen Bensheim und setzt Ladenburg unter Druck. Zeit, dass sich der Gemeinderat der Sache annimmt. (Archivbild)

 

Ladenburg/Hirschberg, 27. November 2013. (red) Die Rhein-Neckar-Zeitung hat sich heute Sorgen um die Zukunft des Musiksommers in Ladenburg gemacht. Die Hirschberger Agentur Demi Promotion hat wohl Probleme mit der Finanzierung und sucht die Schuld bei anderen. Doch das ist nur der vordergr├╝ndige Teil der Geschichte. Interessanter sind die Hintergr├╝nde – vor allem die versuchte Erpressung im Mantel einer „Berichterstattung“.

Von Hardy Prothmann

Axel Sturm, Journalist im Nebenerwerb, ist mal wieder ganz dicht dran am Thema. Das ist auch kein Wunder, denn schlie├člich arbeitet seine Tochter Laura Sturm in der Hirschberger Agentur und er trifft sich auch immer mal wieder mit Gesch├Ąftsf├╝hrer Dennis Gissel zum geselligen Beisammensein. Man darf also den Kontakt durchaus als „freundschaftlich“ betrachten – im Text liest sich das freilich als offizielle „RNZ-Anfrage“.

Finanzielle Probleme bei Demi

Was man so h├Ârt – das war bislang nur ein Ger├╝cht, das sich nun aber durch den exklusiven Bericht best├Ątigt – hatte Demi Promotion schon immer finanzielle Probleme mit Musik-Veranstaltungen zumindest in Ladenburg.

Herr Sturm schildert, was die Agentur alles versucht habe, um das zu ├Ąndern. Und l├Ąsst Herrn Gissel beklagen, dass im benachbarten Hessen die Preise „total versaut“ werden, weil dort „selbst h├Âchste Gagenforderungen“ f├╝r Auftritte beim Hessentag gezahlt w├╝rden – aus Steuergeldern.

Matthias Schaider, Pressesprecher der Stadt Bensheim, sagt:

Wir haben den Bericht mit gro├čer ├ťberraschung zur Kenntnis genommen – inhaltlich und ├╝ber die Wortwahl sind wir sehr verwundert.

Kurios: Bislang ist nur der Mannheimer K├╝nstler Xavier Naidoo verpflichtet worden. Welche „Schnittmengen“ im Bericht der RNZ gemeint sein k├Ânnten, ist f├╝r Herrn Schaider ein R├Ątsel. ├ťber die Preise ist Herrn Schaider nur oberfl├Ąchlich informiert, das l├Ąuft ├╝ber die Hessische Staatskanzlei: „Ich wei├č aber, dass wir gewisse K├╝nstler nicht bekommen haben, weil die Forderungen zu hoch waren.“

Die Stadt Bensheim wundert sich auch, woher die RNZ ihre Informationen hat. Herr Sturm hat sich nie mit Herrn Schaider in Verbindung gesetzt, um die Behauptungen von Herrn Gissel gegen zu recherchieren. Das verwundert allerdings niemanden, der die „Berichte“ von Herrn Sturm kennt. Erstaunlich ist, dass die Rhein-Neckar-Zeitung solch einseitige Berichte zul├Ąsst. Vielleicht ist das der Chefreaktion nicht bekannt, vielleicht interessiert man sich auch gar nicht daf├╝r, vielleicht ist man ja aus Gr├╝nden damit einverstanden.

Ger├╝chte ├╝ber bevorzugte Behandlung

Ger├╝chteweise h├Ârt man, dass die Stadt Ladenburg die Festwiese bislang dem Veranstalter Demi Promotion ohne Pacht ├╝berlassen habe. Auch die Arbeiten des Bauhaufs, die betr├Ąchtlich seien, soll die Stadt bislang nicht in Rechnung stellen. Die Sch├Ąden nach dem letzten Konzert sollen in Rechnung gestellt worden sein – ob voll oder anteilig oder ob ├╝berhaupt, ist nicht bekannt. B├╝rgermeister Reiner Ziegler, SPD-Mitglied wie auch Herr Sturm, h├Ąlt sich hier auch gegen├╝ber Anfragen von Gemeinder├Ąten nicht nur bedeckt, sondern reagierte in der Vergangenheit mit heftiger Ver├Ąrgerung und erkl├Ąrt, dies falle in seinen Gesch├Ąftsbereich. Ebenfalls nicht gekl├Ąrt ist, ob Demi sogar den Strom und andere Leistungen bislang umsonst erhalten hat. Fest steht, dass Herr Ziegler ein gro├čer Fan der Musikveranstaltungen ist. Keine umliegende Gemeinde sonst hat was in dieser Gr├Â├čenordnung zu bieten.

Vielleicht gibt es aktuell trotzdem Signale von Seiten der Stadt auf Druck von CDU-Gemeinder├Ąten, dass diese Leistungen nicht mehr kostenfrei sein k├Ânnen. Ob oder ob nicht ist eine Frage der Perspektive: Die einen sagen, es kann nicht sein, dass man einen privaten Veranstalter – noch dazu aus einem anderen Ort – mit Steuergeldern subventioniert. Vor allem der B├╝rgermeister argumentiert, dass die Musikveranstalter Teil des Marketings der Stadt seien und insofern die Stadt ein hohes Interesse an der Durchf├╝hrung und damit auch einen Grund zur „Unterst├╝tzung“ des klammen Veranstalters habe – allein schon aus Imagegr├╝nden.

Thema f├╝r den Gemeinderat

Wie gesagt: Man kann beide Sichtweisen nachvollziehen. Die entscheidenden Probleme hingegen sind die fehlende Transparenz und eine nach unserer Kenntnis fehlende Einbindung des Gemeinderats. Wenn im Gremium der Sachverhalt disktutiert w├╝rde, m├╝ssten die Bedingungen entschieden werden – vor allem die finanziellen Lasten, die die Stadt im Sinne eines Marketings zu tragen bereit ist. Und damit auch eine Verbindlichkeit gegen├╝ber der B├╝rgerschaft, dass die Stadt lieber einen Betrag X (manchen sch├Ątzen den auf 20.-40.000 Euro) f├╝r Musikveranstaltungen ausgibt, als das Geld beispielsweise in die Schulen zu investieren.

Und dass man in Ladenburg auf’s Geld schaut, hat der B├╝rgermeister schon einmal demonstriert, als die F├Ąhnchen zum Ladenburger Altstadtfest nicht aufgeh├Ąngt worden sind. Eingesparte Kosten: Rund 20.000 Euro. Und dass Gemeinderat und B├╝rgermeister sehr genau auf die Stimmung der Bev├Âlkerung achten, hat sich auch gezeigt: Nach gro├čer Entr├╝stung blieb es bei einer einmaligen Einsparung und im folgenden Jahr flatterten die wei├č-blauen F├Ąhnchen wieder zum gr├Â├čten, sch├Ânsten und wichtigsten Fest der Stadt – das ├╝brigens mit die gr├Â├čte B├╝hne f├╝r Nachwuchs-Bands in der ganzen Region bietet und das kostenlos im Gegensatz zu den happigen Eintrittspreisen, die bei Demi f├Ąllig werden.

Zum Musiksommer sind die Stimmungen in der Stadtgesellschaft sehr zwiesp├Ąltig: Es gibt welche, die finden die Veranstaltungen gut, es gibt welche, denen ist sie egal, aber es gibt sehr viele, die genervt sind, weil die Demi-Veranstaltungen als zu gro├č empfunden werden – inklusive der hohen Verkehrsbelastung. Und die Ladenburger schauen auch auf’s Geld: „Die Konzertbesucher kommen von au├čen und ihr Geld bleibt nicht in Ladenburg, sondern geht nach Hirschberg“, ist sicher keine Einzelmeinung.

Da die RNZ nun als Steigb├╝gelhalter von Demi eine Art „Erpressung“ der Stadt versucht, indem unverhohlen mit dem Ende des Prestigeprojekts „ver├Âffentlicht“ gedroht wird, sollte sich der Gemeinderat wohl z├╝gig mit der Sache befassen und kl├Ąren, ob eine Agentur, die aus privatwirtschaftlichen Gr├╝nden gegen die Stadt Bensheim mit Worten wie „Preise total versaut“ hetzt, wirklich zu einer ehrenwerten Stadt wie Ladenburg passt.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.