Montag, 22. Oktober 2018

Will die Agentur Leistungen der Stadt ĂŒber einen Bericht in der RNZ erpressen?

Unverhohlene Drohung – die Demi und ihr Sturm

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Schlammschlacht: Im Sommer sah die Festwiese nach einem Konzert von Xavier Naidoo aus wie ein Acker – jetzt hetzt die RNZ ĂŒber beste Verbindungen zu Demi Promotion gegen Bensheim und setzt Ladenburg unter Druck. Zeit, dass sich der Gemeinderat der Sache annimmt. (Archivbild)

 

Ladenburg/Hirschberg, 27. November 2013. (red) Die Rhein-Neckar-Zeitung hat sich heute Sorgen um die Zukunft des Musiksommers in Ladenburg gemacht. Die Hirschberger Agentur Demi Promotion hat wohl Probleme mit der Finanzierung und sucht die Schuld bei anderen. Doch das ist nur der vordergrĂŒndige Teil der Geschichte. Interessanter sind die HintergrĂŒnde – vor allem die versuchte Erpressung im Mantel einer „Berichterstattung“.

Von Hardy Prothmann

Axel Sturm, Journalist im Nebenerwerb, ist mal wieder ganz dicht dran am Thema. Das ist auch kein Wunder, denn schließlich arbeitet seine Tochter Laura Sturm in der Hirschberger Agentur und er trifft sich auch immer mal wieder mit GeschĂ€ftsfĂŒhrer Dennis Gissel zum geselligen Beisammensein. Man darf also den Kontakt durchaus als „freundschaftlich“ betrachten – im Text liest sich das freilich als offizielle „RNZ-Anfrage“.

Finanzielle Probleme bei Demi

Was man so hört – das war bislang nur ein GerĂŒcht, das sich nun aber durch den exklusiven Bericht bestĂ€tigt – hatte Demi Promotion schon immer finanzielle Probleme mit Musik-Veranstaltungen zumindest in Ladenburg.

Herr Sturm schildert, was die Agentur alles versucht habe, um das zu Ă€ndern. Und lĂ€sst Herrn Gissel beklagen, dass im benachbarten Hessen die Preise „total versaut“ werden, weil dort „selbst höchste Gagenforderungen“ fĂŒr Auftritte beim Hessentag gezahlt wĂŒrden – aus Steuergeldern.

Matthias Schaider, Pressesprecher der Stadt Bensheim, sagt:

Wir haben den Bericht mit großer Überraschung zur Kenntnis genommen – inhaltlich und ĂŒber die Wortwahl sind wir sehr verwundert.

Kurios: Bislang ist nur der Mannheimer KĂŒnstler Xavier Naidoo verpflichtet worden. Welche „Schnittmengen“ im Bericht der RNZ gemeint sein könnten, ist fĂŒr Herrn Schaider ein RĂ€tsel. Über die Preise ist Herrn Schaider nur oberflĂ€chlich informiert, das lĂ€uft ĂŒber die Hessische Staatskanzlei: „Ich weiß aber, dass wir gewisse KĂŒnstler nicht bekommen haben, weil die Forderungen zu hoch waren.“

Die Stadt Bensheim wundert sich auch, woher die RNZ ihre Informationen hat. Herr Sturm hat sich nie mit Herrn Schaider in Verbindung gesetzt, um die Behauptungen von Herrn Gissel gegen zu recherchieren. Das verwundert allerdings niemanden, der die „Berichte“ von Herrn Sturm kennt. Erstaunlich ist, dass die Rhein-Neckar-Zeitung solch einseitige Berichte zulĂ€sst. Vielleicht ist das der Chefreaktion nicht bekannt, vielleicht interessiert man sich auch gar nicht dafĂŒr, vielleicht ist man ja aus GrĂŒnden damit einverstanden.

GerĂŒchte ĂŒber bevorzugte Behandlung

GerĂŒchteweise hört man, dass die Stadt Ladenburg die Festwiese bislang dem Veranstalter Demi Promotion ohne Pacht ĂŒberlassen habe. Auch die Arbeiten des Bauhaufs, die betrĂ€chtlich seien, soll die Stadt bislang nicht in Rechnung stellen. Die SchĂ€den nach dem letzten Konzert sollen in Rechnung gestellt worden sein – ob voll oder anteilig oder ob ĂŒberhaupt, ist nicht bekannt. BĂŒrgermeister Reiner Ziegler, SPD-Mitglied wie auch Herr Sturm, hĂ€lt sich hier auch gegenĂŒber Anfragen von GemeinderĂ€ten nicht nur bedeckt, sondern reagierte in der Vergangenheit mit heftiger VerĂ€rgerung und erklĂ€rt, dies falle in seinen GeschĂ€ftsbereich. Ebenfalls nicht geklĂ€rt ist, ob Demi sogar den Strom und andere Leistungen bislang umsonst erhalten hat. Fest steht, dass Herr Ziegler ein großer Fan der Musikveranstaltungen ist. Keine umliegende Gemeinde sonst hat was in dieser GrĂ¶ĂŸenordnung zu bieten.

Vielleicht gibt es aktuell trotzdem Signale von Seiten der Stadt auf Druck von CDU-GemeinderĂ€ten, dass diese Leistungen nicht mehr kostenfrei sein können. Ob oder ob nicht ist eine Frage der Perspektive: Die einen sagen, es kann nicht sein, dass man einen privaten Veranstalter – noch dazu aus einem anderen Ort – mit Steuergeldern subventioniert. Vor allem der BĂŒrgermeister argumentiert, dass die Musikveranstalter Teil des Marketings der Stadt seien und insofern die Stadt ein hohes Interesse an der DurchfĂŒhrung und damit auch einen Grund zur „UnterstĂŒtzung“ des klammen Veranstalters habe – allein schon aus ImagegrĂŒnden.

Thema fĂŒr den Gemeinderat

Wie gesagt: Man kann beide Sichtweisen nachvollziehen. Die entscheidenden Probleme hingegen sind die fehlende Transparenz und eine nach unserer Kenntnis fehlende Einbindung des Gemeinderats. Wenn im Gremium der Sachverhalt disktutiert wĂŒrde, mĂŒssten die Bedingungen entschieden werden – vor allem die finanziellen Lasten, die die Stadt im Sinne eines Marketings zu tragen bereit ist. Und damit auch eine Verbindlichkeit gegenĂŒber der BĂŒrgerschaft, dass die Stadt lieber einen Betrag X (manchen schĂ€tzen den auf 20.-40.000 Euro) fĂŒr Musikveranstaltungen ausgibt, als das Geld beispielsweise in die Schulen zu investieren.

Und dass man in Ladenburg auf’s Geld schaut, hat der BĂŒrgermeister schon einmal demonstriert, als die FĂ€hnchen zum Ladenburger Altstadtfest nicht aufgehĂ€ngt worden sind. Eingesparte Kosten: Rund 20.000 Euro. Und dass Gemeinderat und BĂŒrgermeister sehr genau auf die Stimmung der Bevölkerung achten, hat sich auch gezeigt: Nach großer EntrĂŒstung blieb es bei einer einmaligen Einsparung und im folgenden Jahr flatterten die weiß-blauen FĂ€hnchen wieder zum grĂ¶ĂŸten, schönsten und wichtigsten Fest der Stadt – das ĂŒbrigens mit die grĂ¶ĂŸte BĂŒhne fĂŒr Nachwuchs-Bands in der ganzen Region bietet und das kostenlos im Gegensatz zu den happigen Eintrittspreisen, die bei Demi fĂ€llig werden.

Zum Musiksommer sind die Stimmungen in der Stadtgesellschaft sehr zwiespĂ€ltig: Es gibt welche, die finden die Veranstaltungen gut, es gibt welche, denen ist sie egal, aber es gibt sehr viele, die genervt sind, weil die Demi-Veranstaltungen als zu groß empfunden werden – inklusive der hohen Verkehrsbelastung. Und die Ladenburger schauen auch auf’s Geld: „Die Konzertbesucher kommen von außen und ihr Geld bleibt nicht in Ladenburg, sondern geht nach Hirschberg“, ist sicher keine Einzelmeinung.

Da die RNZ nun als SteigbĂŒgelhalter von Demi eine Art „Erpressung“ der Stadt versucht, indem unverhohlen mit dem Ende des Prestigeprojekts „veröffentlicht“ gedroht wird, sollte sich der Gemeinderat wohl zĂŒgig mit der Sache befassen und klĂ€ren, ob eine Agentur, die aus privatwirtschaftlichen GrĂŒnden gegen die Stadt Bensheim mit Worten wie „Preise total versaut“ hetzt, wirklich zu einer ehrenwerten Stadt wie Ladenburg passt.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.