Donnerstag, 18. Januar 2018

Asylcafé bietet Gelegenheit für Begegnung

Überwältigende Hilfsbereitschaft

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Ladenburg, 26. September 2013. (red/ld) 180 Asylbewerber sind derzeit in der alten Martinsschule untergebracht. Die Zimmer sind voll belegt. Seit dieser Woche erhalten die Kinder ab sechs Jahren Sprachförderung in Kindergärten, in der Dalbergschule und der Werkrealschule Unterer Neckar. Auch die Erwachsenen lernen Deutsch und erhalten viel Unterstützung von der Ladenburger Bevölkerung. Um Begegnungen zwischen den Asylbewerbern und der übrigen Bevölkerung zu erleichtern, findet morgen ab 15:00 Uhr ein Asylcafé in der Martinsschule statt.

Von Lydia Dartsch

Stadträtin und Pfarrerin Petra Erl koordiniert die Arbeitskreise, in denen sich Bürgerinnen und Bürger für die 180 Asylbewerber in der Martinsschule einsetzen. Um sich gegenseitig näher zu bringen, findet morgen ab 15:00 Uhr das „Asylcafé“ in der Martinsschule statt: Die Bewohner servieren Kaffee und Tee. Der Kuchen wird von Spendern bereitgestellt.

Vielleicht können sich dann schon erste Gespräche zwischen den Bewohnern und den Ladenburger Bürgerinnen und Bürgern entwickeln. Denn seit den Sommerferien geben zehn Lehrerinnen und Lehrer täglich Deutschunterricht – auch, wenn die 67 Kinder jetzt in die Schule gehen.

Bettwäsche und Handtücher benötigt

Frau Erl freut sich über das große Engagement der Menschen. In den vergangenen Tagen bekam sie hauptsächlich Spenden, mit denen sich die Asylbewerber auf den kommenden Winter vorbereiten können. Denn viele von ihnen haben nur Sommerkleidung dabei. Darüberhinaus werden noch Bettwäsche und Handtücher benötigt:

Ich finde es überwältigend, welche Hilfsbereitschaft uns von den Ladenburgern entgegen kommt.

Diese beschränkt sich nicht nur auf Sachspenden und Sprachunterricht. Insgesamt gibt es vier Arbeitskreise, die sich für die Ladenburger Asylbewerber einsetzen: Neben dem AK Unterricht gibt es einen, der die Asylbewerbern bei Arztbesuchen begleitet und einen weiteren, der sie bei Behördengängen unterstützt und übersetzt.

Der vierte Arbeitskreis hat die Freizeitgestaltung der Familien zum Thema. Denn Freizeit haben die Menschen in der Martinsschule viel. Als Asylbewerber dürfen sie nicht arbeiten. Daher besteht ihr Tag aus Aufstehen, Essen kochen, essen und schlafen – also viel Langeweile, sagt Frau Erl:

Die Erwachsenen können nichts machen. Aber man braucht auch Abwechslung.

Der Sprachunterricht durch die ehrenamtlichen Lehrer sorgt für ein bisschen davon und für etwas geregelten Tagesablauf. Auch eine Kooperation mit Sportvereinen ist angedacht. Sie umzusetzen sei aber schwierig, sagt die Stadträtin. Die meisten der Asylbewerber können oder wollen nicht in die Vereine eintreten. Eine Mitgliedschaft ist aber erforderlich, um beim Sport auch versichert zu sein. Die Ringer vom ASV haben damit kein Problem – hier gibt es für Kinder eine kostenfreie Probemitgliedschaft.

Für die Kinder gibt es seit dieser Woche deutlich weniger Freizeit. Am Montag war für sie der große Tag, an dem sie in die Schule gehen durften. Je nach Alter wurden sie auf die Dalbergschule (30 Kinder), die Werkrealschule Unterer Neckar (30 Kinder) und die Kindergärten (7 Kinder) aufgeteilt.

20 Wochenstunden Förderunterricht bereitgestellt

Während die anderen Kinder Deutsch- und Mathematikunterricht haben, bekommen die Kinder der Asylbewerber Deutsch-Förderunterricht an 20 Schulstunden in der Woche. Dafür wurde den Schulen extra ein entsprechendes Deputat vom staatlichen Schulamt Mannheim zur Verfügung gestellt. In den Fächern Sport, Musik, Kunst und Werken werden die Kinder zusammen mit den anderen Schülerinnen und Schülern unterrichtet. Nach und nach sollen die Kinder dann in die Klassen integriert werden, sagt Thomas Schneider, Rektor der Werkrealschule Unterer Neckar:

Fächer wie Musik und Sport können auch nonverbal vermittelt werden. Für Fächer wie Mathematik brauchen sie erst eine sprachliche Grundlage, um dem Unterricht folgen zu können.

Doch am 31. Dezember ist es mit dem Leben in Ladenburg vorbei. Dann werden die Schülerinnen und Schüler des Carl-Benz-Gymnasiums an der Martinsschule unterrichtet, während ihre Schule saniert wird. Die Asylbewerber werden dann nach Schwetzingen verlegt, in eine Containersiedlung. Die genaue Unterbringung wird derzeit vom Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis erarbeitet.

Über Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.