Sonntag, 23. September 2018

Neujahrsansprache: „Unsere finanzielle Lage ist nicht gut – das bürgerschaftliche Engagement ist eine Stärke.“

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Guten Tag!

Ladenburg, 26. Januar 2011. Anläßlich des Antoniustages 2011 am 23. Januar 2011 im CBG richtete sich Bürgermeister Rainer Ziegler mit einer umfangreichen Neujahrsrede an die Bürgerinnen und Bürger Ladenburgs. Hauptthema sind die Finanzen – denn die sehen nicht gut aus. Wer sich einen Überblick über alle wichtigen Themen der Stadt verschaffen will, sollte sich die Zeit für den Text nehmen. Wir dokumentieren die Schriftfassung – es galt das gesprochene Wort.

Ansprache von Bürgermeister Rainer Ziegler:

„Ein Baum hängt voller Früchte – denke aber nicht, er sei von allein so fruchtbar geworden – man hat rings um ihn gepflügt, heißt ein afrikanisches Sprichwort. Dieses weise Wort übertrage ich auf unsere Stadt so, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, verehrte Gäste:

Ladenburg ist ein Baum voller Früchte, die in den letzten Jahrzehnten gewachsen und gereift sind. Welche Früchte? Schauen Sie auf die vielen Bildungs-, Erholungs- und Freizeiteinrichtungen, die unsere Stadt aufzeigen kann. Und bewerten Sie die guten Lebens- und Arbeitsbedingungen, die unsere Stadt zu bieten hat. Staunen Sie über die Zeugnisse unserer spannungsreichen Geschichte, die wir zeigen können und bewundern Sie ganz einfach die Schönheit unserer Stadt. Das und noch vieles mehr sind die Früchte, die wir ernten dürfen.

Bürgermeister Rainer Ziegler.

Von ganz alleine konnten sie nicht wachsen und reifen, es waren Menschen erforderlich, die den Boden rund um den Baum bearbeitet, ihn fruchtbar gemacht haben, damit der Baum überhaupt Früchte hervorbringen konnte. Und diese Menschen waren da und zwar in großer Zahl, sie haben sich um die Entwicklung des Baumes, also unserer Stadt, gekümmert – darauf können wir stolz sein in Ladenburg. Daneben benötigt ein Baum natürlich auch genügend Wasser – guter Wille und Tatkraft reichen nicht, um Früchte wachsen zu lassen. Nicht mehr so recht poetisch sage ich dazu: Es mussten auch genügend finanzielle Quellen fließen, um unsere heutige Qualitätsvielfalt genießen zu können. Zum Glück gab es in der Vergangenheit diese Quellen mit Fließrichtung auf uns zu in ausreichendem Maß.

Wir konnten also dank der gleichermaßen behutsamen wie intensiven Pflege unserer Stadt in der Vergangenheit schon viele Früchte des sprichwörtlichen Baumes Ladenburg ernten. Lassen Sie uns dieses Pflegen im Zusammenspiel zwischen bürgerschaftlichem Engagement und politischer Verantwortlichkeit auch in Zukunft fortsetzen, also den sprichwörtlichen Boden weiterhin so bereiten, dass wir auch in Zukunft die Früchte unserer Stadt genießen können. Hoffentlich wächst die Ergiebigkeit der zusätzlich so wichtigen Quellen auch wieder auf das Maß, das wir für eine gute Ernte brauchen.

Also ich meine: ein kluger Spruch ist das: Ein Baum hängt voller Früchte – denke aber nicht, er sei von allein so fruchtbar geworden und ich denke, dies sind die richtigen Worte, Sie jetzt und hier im Carl-Benz-Gymnasium zu unserem traditionellen Neujahrsempfang anlässlich des Jahrestages unseres Schutzpatrons Antonius zu begrüßen.

(…) Begrüßung der Gäste

Auch in diesem Jahr gilt es wieder, auf etliche bemerkenswerte Jubiläen zu schauen. Alle kann ich nicht erwähnen, einige will ich aber hervorheben:
Vor 100 Jahren hat Hermann Gropengießer die römische Basilika unter der St. Galluskirche ergraben, vor 90 Jahren beschloss der Gemeinderat den Bau eines Spiel- und Sportplatzes am Wasserturm, was dann durch das Auffüllen der sogenannten Schachtel auch ermöglicht wurde, vor 80 Jahren konnte die erste Aufführung eines Tonfilmes im Ladenburger Lichtspielhaus erlebt werden, 75 Jahr liegt die Entstehung der Weststadt durch Bezug der ersten 10 Siedlungshäuser zurück, die erste Abiturprüfung am Carl-Benz-Progymnasium mit 17 Schülern wurde vor 50 Jahren abgenommen, vor 40 Jahren wurden die neuen Betriebsanlagen der Firma Johann A. Benckiser nach der Umsiedlung von Ludwigshafen nach Ladenburg eingeweiht, ebenfalls vor 40 Jahren wurde die Lobdengauhalle ihrer Bestimmung übergeben, auch vor 40 Jahren wurde der Kaiserkeller und vor 25 Jahren der Ratskeller jeweils nach der Instandsetzung durch unsere Gesangsvereine Liederkranz und Sängereinheit eröffnet, das Römerstadion gibt es seit 30 Jahren, seit 25 Jahren gibt es in Ladenburg einen Wochenmarkt und schließlich wurde vor 20 Jahren das Altenpflegeheim „Haus am Waldpark“ bezogen.

Zwei Jubiläen sind dieses Jahr aber ganz besonders des Feierns würdig. Ein Jubilar mit einem bemerkenswerten Geburtstag hat uns heute mit Jauchzet, lobet von Johann Sebastian Bach musikalisch begrüßt und wird diesen Neujahrsempfang noch weiter umrahmen: Der Evangelische Kirchenchor Ladenburg feiert in diesem Jahr sein 125-jähriges Jubiläum – herzlichen Glückwunsch von uns allen dazu und schon jetzt unseren herzlichen Dank für Ihre musikalischen Darbietungen am heutigen Tag.

Von diesen 125 Jahren hatte eine Frau 32 Jahre lang den Dirigentenstab in der Hand und sie hat den Chor zu einer großartigen Qualität geführt, wie wir bei der Aufführung des Weihnachtsoratoriums vor wenigen Wochen wieder feststellen durften. Sie kennen diese Frau, es ist Gisela Schäffer – herzlichen Dank, liebe Frau Schäffer, für diese wunderbare Schaffenszeit.

Zum Jahreswechsel hat Frau Schäffer den Stab weitergegeben. In der Funktion der Dirigentin werden wir Gisela Schäffer nun nicht mehr erleben, aber zum Glück mit ihrem großen Können weiterhin als Organistin an der Orgel der evangelischen Kirche. Auch ihr Mann, Prof. Hermann Schäffer, wird uns sicherlich treu bleiben, denn er hat den Chor mit seiner Stimme maßgeblich unterstützt und seine Frau an der Orgel mehr als nur vertreten.

Um die Zukunft des Evangelischen Kirchenchores muss uns nicht bange sein. Ein neuer Dirigent ist gefunden – Sie sehen, er hat den Stab schon fest in der Hand. Die Obfrau des Chores, Dorothea Böhm, die über die Geschichte des Chores nachher berichten wird, hat ihn sogar als tollen Fang bezeichnet. Herzlich willkommen, Immanuel Zeh – alles Gute für Sie und den Chor, wir freuen uns auf Ihre weiteren Lieder.

37435 – sagt Ihnen diese Zahl etwas? Vielleicht in der Verknüpfung mit dem Datum 29. Januar 1886? Diese Zahl und dieses Datum haben mit dem weiteren bedeutenden Jubilar dieses Jahres zu tun. Zu diesem Jubilar will ich mich gar nicht in Worte fassen – ich überlasse dies einer Persönlichkeit, die dazu viel berufener ist – Sie müssen sehr aufmerksam sein, um die Stimme zu verstehen – es gibt auch kleine Unterbrechungen: O-Ton Bertha Benz

Sie haben den Jubilar natürlich erkannt. Es handelt sich um das Automobil, das von unserem Ehrenbürger Carl Benz zusammen mit seiner engagierten Frau Bertha, ebenfalls Ehrenbürgerin unserer Stadt, in Mannheim erfunden und danach für die Menschen nutzbar weiterentwickelt worden ist. Am 29. Januar des Jahres 1886 reichte Carl Benz das Patent für seinen Motorwagen ein und mit der Nummer 37435 wurde es durch das kaiserliche Patentamt auch erteilt. Wir sind stolz darauf, dass sich ein großer und wichtiger Teil der Benzgeschichte in unserer Stadt abgespielt hat.

Dieses Jubiläum – 125 Jahre Automobil – gilt es natürlich angemessen zu feiern. Das tut Baden-Württemberg einen ganzen Automobilsommer lang und da macht Ladenburg als Benzstadt natürlich mit. Als es darum ging, ein zu unserer Stadt passendes Programm für dieses Jubiläumsjahr zusammenzustellen, möglichst mit Wirkung über dieses Jahr hinaus, fanden sich – und das ist das Schöne bei uns in Ladenburg – wieder schnell Menschen an einem runden Tisch zusammen und brachten ihre Kreativität und ihre Tatkraft ein, um unserer Eigenschaft als Benzstadt gerecht zu werden und auch wieder über die Grenzen unserer Stadt auszustrahlen.

Ich will diese Menschen auch gerne nennen, denn sie haben sich hoch motiviert für das Feiern des Automobiljubiläums in unserer Stadt engagiert. Es sind dies: Dr. Ulrike Karg und Joachim Kilburg vom Arbeitskreis Stadtmarketing, Dr. Ulrich Erhardt vom Heimatbund, Susanne Hallenberger von der Daimler und Benz Stiftung, der Kreisarchivar Dr. Jörg Kreutz und der Stadtarchivar Oliver Gülck.

Nicht fehlen in dieser Runde, zu der vom Rathaus Brigitte Stahl und ich selbst gehören, darf natürlich der Kenner der Geschichte des Automobils und der Familie Benz, unser Mitbürger Winfried Seidel mit seinem einzigartigen Automuseum. Was den Namen Benz und die Erfindung des Automobils betrifft, können wir in Ladenburg ja zum Glück aus dem Vollen schöpfen.

Was wird alles geschehen im Rahmen des Jubiläumsjahres in Ladenburg? Zwischen einer Auftaktveranstaltung und einem historischen Fest dürfen wir uns auf Vorträge und Ausstellungen, auf eine Automobilauktion sowie eine -börse, einen Geocache, auf das Pfingsttreffen der Benz-Veteranen, auf spezielle Führungen sozusagen auf den Spuren des Autoerfinders, auf Erzählernachmittage und anderes mehr freuen. Bitte nehmen Sie sich vorn am Stand die Fleyer mit den Highlights zum Automobilsommer in Ladenburg mit und kommen Sie zahlreich zu den einzelnen Veranstaltungen – es lohnt sich.

Im Rückblick auf 2010 und im Ausblick auf 2011 will ich mich angesichts der beiden besonderen Jubiläen, die heute und hier ihren gebührenden Platz haben, an die Worte des englischen Schriftstellers und Satirikers Alexander Pope halten, der gesagt hat: Worte sind wie Laub – wo sie im Übermaß sind, findet man selten Früchte darunter. Diese Worte passen natürlich auch gut zu meinem Motto für den heutigen Antoniusempfang – Sie erinnern sich, da ging es auch schon um die Früchte eines Baumes.

Für Ladenburg war 2010 kein spektakuläres, aber es war doch wieder ein inhaltsreiches Jahr. Auch an uns gingen die Finanz- und Wirtschaftskrise sowie die Auswirkungen steuerlicher Veränderungen nicht vorbei, die uns ein finanzielles Rekorddefizit – in den deutschen Kommunen übrigens insgesamt 11 Milliarden -‚¬ – bescherten. Seit langem waren wir erstmals wieder zur Aufnahme von Krediten in der besorgniserregenden Höhe von 5,3 Mio. -‚¬ gezwungen. Der Schuldenstand des städtischen Haushalts je Einwohner ist damit von bescheidenen 275 -‚¬ zu Beginn des Jahre 2010 auf 710 -‚¬ am Ende des vergangenen Jahres und damit über den Durchschnitt im Kreis und im Land bezogen auf die mit uns vergleichbaren Kommunen gestiegen.

Das Thema Geld war 2010 leider das unser Handeln beherrschende Thema, die zurückgegangenen Einnahmen bei gleichzeitig weiter wachsenden Aufgaben und steigenden Ausgaben haben den kommunalen Handlungsspielraum deutlich eingeengt. Die Kommunen sind strukturell überlastet – neben den Aufgaben, denen wir uns aus unserer kommunalen Willensbildung heraus stellen, vor allem in der Daseinsvorsorge, wurden und werden wir zu zusätzlichen Aufgaben verpflichtet, wenn ich aktuell nur an die Einführung der Gesplitteten Abwassergebühr denke.

Aber – auch wenn es wirklich kein einfaches Jahr für unsere Stadt war – sollten wir dennoch dankbar sein. Dankbar für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens: Für Gesundheit, auch für gute und gesicherte Lebensbedingungen. Der Blick in die Welt mit ihren Kriegen, mit Terror, mit Hunger und mit dramatischen Naturkatastrophen zeigt, dass wir wirklich dankbar sein müssen, in dieser Region der Erde, in unserem liebenswerten Ladenburg leben zu können. Deshalb haben wir auch 2010 trotz Krise und der ganz schwierigen Haushaltssituation intensiv daran gearbeitet, die Qualitäten unserer Stadt zu erhalten und sogar weiter zu verbessern. Ich danke allen von Herzen, die dazu beigetragen haben, dies zu erreichen.

Nur stichpunktartig will ich besonders wichtiges Geschehen des letzten Jahres skizzieren:
das neue Feuerwehrhaus wurde bezogen,
die Werkrealschule Unterer Neckar, ein Gemeinschaftsprojekt mit den Gemeinden Edingen-Neckarhausen und Ilvesheim hat ihre Arbeit engagiert aufgenommen,
der dringend erforderliche Anbau an die Merian-Realschule wurde begonnen und sieht dieses Jahr mit deutlich verbesserten Lehr- und Lernbedingungen seiner Fertigstellung entgegen,
mit Mitteln des von Bund und Land geschnürten Konjunkturpaketes konnten zahlreiche energetische und begleitende Optimierungen an unseren Schulen und anderen kommunalen Gebäuden in Angriff genommen und zum Teil bereits umgesetzt werden; der Rest folgt dieses Jahr,
wir haben es geschafft, die Altstadtsatzung zu aktualisieren und die Renaturierung der Bachlandschaft im Bereich der Heidelberger Straße fortzusetzen,
ich bin sehr dankbar für den ausgeprägten Sinn für bürgerschaftliche Beteiligung mittels Spenden und Sponsoring; nur so konnten wir den Sandstrand am Neckar erweitern, den Spielplatz am Suebenplatz erneuern und das Corelli-Konzert erleben,
viele weitere Veranstaltungen und Ereignisse haben uns begeistert, darunter sportliche mit den Drachenbooten, den Meisterschaften im Gewichtheben und im Hundesport, musikalische wie Klassik und Pop am Fluss sowie das Frauenchorfestival, die Begegnungen im Rahmen unserer Partnerschaften mit einer Delegation aus Garango zum erlebnisreichen Afrikatag sowie in Paternion zur 25-Jahr-Feier,
beeindruckend waren auch die ökumenischen Kirchentage und vor allem die Veranstaltungen zum Gedenken an die Deportation ehemaliger jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger nach Gurs vor 70 Jahren – ich darf Sie an dieser Stelle auf den 28. Januar, also nächsten Donnerstag, um 19.30 Uhr in den Domhof einladen, wo wir umrahmt von einem musikalischen Programm eine neue Broschüre über die Spuren jüdischen Lebens in Ladenburg vorstellen werden.

Sehr erfreulich war auch im letzten Jahr, dass wir wieder Anerkennung für unser Tun in den zurückliegenden Jahren erfahren haben: Von Entente Florale Deutschland den Preis für Nachhaltigkeit sowie Stadt und Heimatbund gemeinsam den baden-württembergischen Archäologiepreis.

Mein Fazit für 2010 ziehe ich infolgedessen ein weiteres Mal so: Es war ein arbeitsreiches und anstrengendes, aber auch ein spannendes und insgesamt bei allen Hochs und Tiefs ein doch erfolgreiches Jahr.
Traurig ist, dass wir im letzten Jahr sowie auch schon Anfang des neuen Jahres wertvolle Menschen unserer Stadt verloren haben; stellvertretend, ohne die anderen Verstorbenen zu vergessen, will ich nennen: Den langjährigen Kolpingsvorsitzenden und in zahlreichen weiteren Funktionen aktiven Ladenburger Hermann Schreckenberger, Wolfgang Munz, über 47 Jahre aktiver Feuerwehrmann und Gerätewart, Dieter Elbe-Benz – der Name spricht für sich, den großen Künstler Emil G. Maul, den Gerichtspräsidenten Lothar Freund und auch unsere älteste Mitbürgerin Katharina Walz.

Vom Rückblick zum Ausblick auf das noch junge Jahr 2011 und auch hierzu nur die wichtigsten Punkte auf der Agenda:
In der 1. Sitzung des Gemeinderates im neuen Jahr, am 2. Februar, werden wir die Planungen zum barrierefreien und S-Bahn-gerechten Ausbau unserer Bahnsteige vorgestellt bekommen und auch die kalkulierten Kosten dieser so sehnsüchtig erwarteten Maßnahme kennen lernen – nur soviel schon dazu: Auch das wird wieder teurer als auf der Grundlage der 1. Kostenprognose erwartet und das nicht zu knapp. Der Ausbau muss und wird aber kommen – spätestens im Dezember 2015, spät genug, muss die S-Bahn durch Ladenburg fahren und natürlich hier halten.

Sorge bereitet uns der bauliche Zustand unserer kommunalen Gebäude, darunter das Jugendzentrum mit der Pflastermühle sowie dringend sanierungsbedürftige Schulgebäude. Daran arbeiten wir natürlich permanent und das Konjunkturpaket hat uns dabei unterstützt. Dicke Brocken warten aber noch auf uns, stellvertretend nennen muss ich hier natürlich dieses 40 Jahre alte Schulgebäude, in dem wir uns befinden.

Die Sanierung nur des Hauptgebäudes wird gemäß einer fachlich sorgfältig erstellten Prognose etwa 8,5 Mio. -‚¬ verschlingen, die übergangsweise Auslagerung des Schulbetriebs während der Sanierung nochmals nahezu 1 Mio. -‚¬. Wir werden in der gerade in Arbeit befindlichen mittelfristigen Finanzplanung versuchen, Gelder hierfür vorzusehen, wobei die Genehmigungsfähigkeit der jeweiligen Haushalte die Schranke darstellt. Das in diesem Zusammenhang zwangsläufig wieder aufkommende Thema Schuldenentwicklung will ich heute noch ausblenden.

Gestern konnte man anlässlich einer sich über 9 Klassenzimmer erstreckenden Aktion von Schülern, Lehrern und Eltern mit Pinsel und Farbe erleben, wie ernst es der Schulgemeinschaft mit dem Bestreben ist, die Schule auch optisch zu verbessern.

Unsere besondere Aufmerksamkeit schenken müssen wir der Entwicklung der alten Feuerwehrstandorte – die Ausschreibung habe ich vorgestern abgezeichnet – und des Geländes der alten Martinsschule. Wir brauchen gute, zukunftsfähige Lösungen an diesen exponierten und sensiblen Standorten unserer Stadt.

Die derzeit laufenden Bebauungsplanverfahren zur Sicherung des Industriestandorts „Altwasser“ und zur Ausweisung von Wohngebieten im Inneren der Stadt sind furchtbar langwierig und erzeugen neben hohen Kosten auch eine ziemliche Menge Ärger. Aber: Der eingeschlagene Weg ist richtig und deshalb bis zum hoffentlich zeitnahen Ziel fortzusetzen.

Die räumliche Stadtentwicklung, also die Ausweisung eines neuen Wohngebietes vor den Mauern unserer Stadt will angesichts der sich verändernden Bevölkerungszahlen gut überlegt sein. Um unsere gute Infrastruktur halten und auf die vorhandene Nachfrage reagieren zu können, wäre ein maßvolles Wachsen ein überlegenswerter Weg. An dieses Thema müssen wir konkreter `ran, als wir es bisher getan haben.

Zu den wichtigen Aufgaben heute und in der Zukunft gehören, in Umfang und Angebotsarten bedarfsgerechte Wohnformen für die ältere Generation im Auge zu behalten und noch stärker auf eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu achten. Dies bedingt als wichtigen Standortfaktor unserer Stadt ein breites und gutes Bildungsangebot sowie eine am Bedarf der Familie orientierte Kinderbetreuung – auch im Kleinkindalter unter 3 Jahren. Hier stehen wir nach einer aktuellen Erhebung bei einem Versorgungsgrad von 34 %, was dem kommenden Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz entspricht. Den tatsächlichen Bedarf sehe ich jedoch bei 40 bis 45 %. Das Angebot im Stadtgebiet müsste insofern eigentlich erhöht werden, was aber – wie vieles anderes – natürlich zunächst dem Vorbehalt der Finanzierbarkeit unterworfen werden muss.

Unsere finanzielle Lage ist zweifellos nicht gut. Wir müssen sparen und in vertretbarem Umfang Steuern, Gebühren und Entgelte erhöhen, um alles halten zu können, was wir in unserer Stadt schätzen. Aber ich kann bei anhaltender Defizitlage nicht ausschließen, dass wir doch noch über Einschränkungen unserer Angebotsvielfalt entscheiden müssen.

Positiv ist und das gilt für die Vergangenheit, die Gegenwart und auch für die Zukunft: Das bürgerschaftliche Engagement ist eine Stärke unserer Stadt. Viele Einrichtungen und Angebote, die unsere Stadt so lebenswert machen, beruhen auf Initiativen und Aktivitäten der Bürgerinnen und Bürger. Ich danke Ihnen allen deshalb sehr, die Sie ehrenamtlich und bürgerschaftlich eine Aufgabe für die Gemeinschaft übernommen haben. Sie sind ein wichtiger Motor und eine unentbehrliche Stütze unserer Stadt. Wir brauchen Sie alle.

Fortschritt hängt von der Mühe ab, die man sich gibt, besagt ein weiteres weises Wort – ich bin mir sicher, dass wir in unserer Entwicklung weiterhin Fortschritt haben werden, weil wir, die bürgerschaftlich Engagierten wie auch die politisch Verantwortlichen, uns wahrhaftig Mühe geben, eine gute Zukunft für unsere Stadt und damit auch für ihre Menschen zu gestalten.

In diesem Sinne alles Gute Ihnen allen für dieses Jahr – herzlichen Dank.
Nun zurück zum Jubiläum unserer Evangelischen Kirchenchors: Wir hören von ihm als nächsten musikalischen Leckerbissen: Ehre und Preis sei Gott, dem Herrn von Johann Sebastian Bach.

Danach erfahren wir mehr über den Jubilar – die Obfrau des Evangelischen Kirchenchores, Dorothea Böhm, wird versuchen, die 125 Jahre seines Bestehens kompakt an Ihren Augen vorbei und durch Ihre Ohren ziehen zu lassen.

So, gestatten Sie mir abschließend Worte des Dankes: Danke, den Vertretern der Johanniter-Unfallhilfe für den heutigen Beistand, danke an alle Helferinnen und Helfer der Stadtverwaltung für Auf- und Abbau, für den Dienst hinter der Theke oder an anderer Stelle.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, verehrte Gäste, vergessen Sie auch heute nicht, von hier wieder das mitzunehmen, was wir Ihnen – wie jedes Jahr am Antoniustag – druckfrisch ausgelegt haben (hochhalten): Unser Kultur- und Veranstaltungsprogramm für das Jahr 2011.

Zum Schluss erklingt jetzt nochmals der Evangelische Kirchenchor unter der Leitung von Immanuel Zeh mit einem Lied von Arnold von Bruck, das uns vortrefflich auf das weitere Beisammensein mit einem Glas in der Hand einstimmen wird: So trinken wir alle – diesen Wein mit Schalle.

Ich wünsche Ihnen noch gute Gespräche, einen schönen Sonntag und für 2011 nochmals alles Gute.“

Einen schönen Tag wünscht
Das ladenburgblog

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.