Sonntag, 23. September 2018

Kommandant Harald Lange bestätigt – Ralf Tiemann neuer Stellvertreter

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Guten Tag!

Ladenburg, 26. Januar 2011. Die Wahl der Kommandanten der Ladenburger Freiwilligen Feuerwehr war eine „ausgemachte Sache“ – und doch nicht. Harald Lange stellte sich wieder zur Wahl, sein bisheriger Stellvertreter Josef Karlberger bekannterweise nicht- dafür aber Ralf Tiemann. Die Kandidaten wurden im ersten Wahlgang gewählt – mit Gegenstimmen und Enthaltungen.

Von Hardy Prothmann

Harald Lange wird als „Chef“ für weitere fünf Jahre in seiner vierten Amtszeit bestätigt und der neue Stellvertreter heißt Ralf Tiemann. Josef Karlberger hatte sich als Stellvertreter nach einer Amtsperiode aus „persönlichen Gründen“ nicht mehr zu Wahl gestellt.

Die Wahl der Kommandanten.

Anwesend waren 58 von 76 stimmberechtigten aktiven Feuerwehrleuten. Auf Herrn Lange entfielen 48 Ja-Stimmen, 8 Nein-Stimmen und je eine Enthaltung und eine ungültige Stimme. Herr Tiemann wurde mit 37 Ja-Stimmen, 20 Nein-Stimmen und einer Enthaltung gewählt. Für die „geheime“ Wahl waren eine einfache Mehrheit der anwesenden Wahlberechtigten, also 30 Stimmen (29+1) notwendig. Weder Harald Lange noch Ralf Tiemann hatten einen Gegenkandidaten.

Die Kandidaten und deren Wahl war „ausgemacht“. Bereits im Vorfeld war klar, dass Herr Lange und Herr Tiemann gewählt werden würden. Das ist auch gut so. Denn die Wahl der Kommandanten folgt demokratischen Prinzipien, ist aber keine demokratische Wahl – sonst hätten die Bürger wählen müssen.

Die Feuerwehrleute bestimmen laut Satzung aus ihrer Mitte ihre „Anführer“. Das macht Sinn, denn die Leitung der ehrenamtlichen Feuerwehrleute basiert auf klaren Zuständigkeiten und Abläufen, aber noch viel mehr auf Vertrauen in die Kompetenz der verantwortlichen Fühung. Ohne ein solches Vertrauen, auch Kameradschaft genannt, können die Einsätze der freiwilligen Feuerwehrleute nicht funktionieren.

Von links: Bürgermeister Rainer Ziegler, Kommandant Harald Lange, Stellvertreter Ralf Tiemann, früherer Stellvertreter Josef Karlberger. Bild: ladenburgblog.de

Nach „außen“ wird immer dargestellt, dass bei der Feuerwehr alles in Ordnung ist. Auch deswegen sind Wahlen sehr interessante Ereignisse. Für zehn der 56 „Wähler“ ist nicht alles in Ordnung. Sie haben den alten, neuen Kommandanten nicht gewählt. Und 21 „Wähler“ haben den neuen Stellvertreter ebenfalls nicht gewählt.

Der Kommandant Harald Lange, ein freundlicher Mensch ist eindeutig bestätigt, sein Stellvertreter Ralf Tiemann ist mehrheitlich gewählt worden. Beide kennen sich lange und sind Freunde. Beide sind seit 1976 Mitglieder der Ladenburger Feuerwehr.

Der neue Stellvertreter: Ralf Tiemann.

Ralf Tiemann (47) ist Zugführer, hat drei Kinder im Alter von 9-12 Jahren, zwei Jungs und ein Mädchen. Der Machinenbaumeister arbeitet bei G+H in Ladenburg und ist ein Sohn der Stadt.

Im Gespräch vor der Abstimmung sagt er: „Eigentlich ändert sich nicht viel – die Veranwortung ist größer.“ Er setzt sich nach wie vor für die Grundausbildung der Feuerwehrleute ein, eine wichtige Aufgabe. Und er wird einen Kurs machen müssen, der ihn „zur Leitung einer Feuerwehr“ befähigt. Das ist Vorschrift.

Ralf Tiemann ist eher ein ruhiger, nachdenklicher Charakter, während sein Freund Harald Lange ein jovialer Hüne ist, der allein durch seine „Körperlichkeit“ dominiert. Der frühere Stellvertreter Josef Karlberger ist einer, der „die Ruhe weg hat“ und sicherlich seinem neuen und alten Kommandanten die Treue hält, wie er den neuen Stellvertreter unterstützen wird.

Die Kameradschaft, Ruhe, Nachdenklichkeit, Dominanz – all das gehört zu den Eigenschaften, die das neue Führungsduo auszeichnen wird. Und das ist gut so.

Nicht gut wäre es, die „Ablehnung“ der Kameraden, die die beiden nicht gewählt haben, nicht ernst zu nehmen. Diese Stimmen zeigen, dass eben nicht alles „eitel Sonnenschein“ ist.

Und das muss nicht einmal „persönlich“ gemeint sein – negative Erfahrungen werden aber den Führungspersonen zugewiesen, wem sonst?

Alles positiv?

Ganz sicher ist die Mitgliedschaft in der Feuerwehr, das Bewusstsein, anderen zu helfen und sich für die Gesellschaft einzubringen, eine sehr positive Erfahrung. Und die Mitglieder der Feuerwehr können zu recht stolz auf ihre Leistung sein. Ihr Ehrenamt bedeutet eine hohe körperliche, zeitliche, persönliche und auch familiäre Belastung.

Feuereinsätze sind selten. Quelle: Feuerwehr Ladenburg.

Doch was ist „negativ“? Was stimmt nicht? Ganz sicher stimmt hier und da die Ausstattung nicht – das müssen die Feuerwehrn überall im Land hinnehmen. Wenn es an Geld fehlt, gibt es keine neuen „Geräte“. Die Feuerwehr Ladenburg hat ein modernes, funktionales Feuerwehrhaus. Aber nicht alles, was darin ist, ist auf demselben Stand.

Mit 76 aktiven Mitgliedern ist die Ladenburger Feuerwehr im Vergleich zu manch anderen gut besetzt. Die Jugendfeuerwehr ist mit 36 Kindern und Jugendlichen im Vergleich sogar sehr gut besetzt. Doch die Belastung der aktiven Mitglieder ist und bleibt trotzdem hoch.

Wer zur Feuerwehr geht, den lockt sicher auch das Abenteuer. Fast alle „Homepages“ zeigen „Brandeinsätze“ mit Bildern von lodernden Flammen, da ist „Action“ geboten. Die Realtität sieht anders aus. Feuereinsätze machen den geringsten Teil aus, die Rettung von Menschen ist auch nicht mehr Hauptaufgabe. Es werden Keller ausgepumpt, Sicherungen vorgenommen, Ölspuren beseitigt. Alles wichtige Einsätze, aber nicht sehr „spektakulär“. Vor allem Unwetter und andere Umwelt-„Einsätze“ wie Hochwasser sind heutzutage bestimmend.

Volles Haus: Zur "2." Jahreshauptversammlung. Die "1." am 11. Januar stand im Zeichen eines Einsatzes. Deswegen wurde die Wahl der Kommandanten ausgesetzt und zwei Wochen später auf die Tagesordnung genommen. Bild: ladenburgblog.de

Die Führung der Feuerwehr muss die freiwilligen Mitglieder trotzdem immer wieder motivieren, alles zu geben. Wenn der „Piepser“ losgeht, werfen die Feuerwehrleute alles hin, kommen zum Feuerwehrhaus und sind bereit für den Einsatz.

Kommandant Harald Lange informierte auf der Hauptversammlung, dass künftig über „Kleineinsätze“ per Signal unterrichtet werde. Das heißt für die Feuerwehrleute, dass sie nicht „Hals über Kopf“ aufbrechen müssen, weil es um Sekunden geht, sondern zügig zum Einsatz kommen sollen, aber „ohne heiße Reifen“: „Bei nicht kritischen Einsätzen spielen fünf Minuten keine große Rolle.“

Innere Kameradschaft und Transparenz.

Der Inhalt einer solchen Information ist klar: „Ihr werdet gebraucht, aber ihr könnt entspannter mit Einsätzen umgehen.“ Diese Botschaft dient sicher auch der „inneren Kameradschaft“.

Bürgermeister Rainer Ziegler, der die Wahl leitete, unterstützt durch seine Stellvertreterin Gudrun Ruster, den Stadtrat Uwe Wagenfeld und den Vertreter der „Alters- und Ehrenmannschaft, Stefan Himmler, lobte das alte Kommando, insbesondere Josef Karlberger: „Du warst ein hervorragender Stellvertreter und verkörperst für mich den Charakter eines vorbildlichen Feuerwehrmanns. Ich bedaure, dass Du aufhörst.“

Zu Ralf Tiemann sagte er: „Mit Ihnen hat die Feuerwehr ebenfalls eine sehr gute Wahl getroffen“, und beglückwünschte den neuen Stellvertreter zur Wahl.

Für Ralf Tiemann wird es nicht sein wie früher. Der Zugführer ist nun stellvertretender Kommandant und hat neue, wichtige Aufgaben. Dazu gehört die Motivation der „Kameraden“, immer alles zu geben und Entscheidungen zu treffen.

Ganz sicher wird es in Zukunft neben all der fachlichen Ausbildung, die Herr Tiemann leistet, auch darum gehen, für die Feuerwehr aktiv zu werben und sich auch selbstkritisch in der Öffentlichkeit zu positionieren.

Ralf Tiemann ist zum neuen stellvertretenden Kommandanten gewählt worden. Bild: ladenburgblog.de

Herr Tiemann wird die Aufgabe haben, die, die ihn nicht gewählt haben, davon zu überzeugen, dass er eine gute Wahl als stellvertretender Kommandant ist.

Herr Lange wird zeigen müssen, dass er auch eine vierte Amtszeit mit Elan und Vorbild meistert und wenn er auch noch eine fünfte bestreiten will, dass er für die „Zukunft der Feuerwehr“ steht oder einen geeigneten „Nachwuchs“ aufbaut.

Dass es keine „Gegenkandidaten“ gab, heißt, dass man den beiden schon viel zutraut, aber vielleicht auch, dass es sehr schwierig ist, jemanden zu finden, der bereit ist, diese Aufgaben zu übernehmen.

Sowohl Harald Lange als auch Ralf Tiemann beweisen seit 1976, dass sie Feuerwehrleute mit Herzblut sind, sonst wären sie nicht so lange dabei und würden sich nicht so herausragend engagieren.

Trotzdem bleibt das Problem der Motivation und dem kritischen Umgang mit den „Zuständen“ bei der Feuerwehr.

Das ist keine Kritik an der Ladenburger Feuerwehr – es ist eine „kritische“ Beobachtung, die alle Feuerwehren in der Umgebung und darüber hinaus angeht. Die Anforderungen rechtlicher und organisatorischer Art sind immens gewachsen. Die Verantworung ebenso. Und die Belastung umso mehr.

Zukunft der Feuerwehr(en).

Die Zukunft der freiwilligen Feuerwehren wird davon abhängen, eine ordentliche Kultur der – auch öffentlichen – Kritik aufzubauen, diese zu managen und transparent offen zu legen.

Das Engagement der Feuerwehrmitglieder ist enorm. Es ist bewundernswert und verdient den Respekt aller Bürgerinnen und Bürger. Aber nicht, weil behauptet wird, dass alles „gut“ sei, sondern weil nachvollziehbar daran gearbeit wird, die Feuerwehren zukunftssicher zu machen. Die Ladenburger Feuerwehr ist auf einem guten Weg – der aber gegangen werden muss.

Dazu gehören auch „Streicheleinheiten“. Kommandant Harald Lange lobte zum Ende der Veranstaltung einen „zivilen“ Einsatz: „Was ihr beim Feuerwehrball geleistet habt, war außerordentlich. Am nächsten Morgen war der Einsatz gegen 10:00 Uhr beendet, dafür danke ich euch.“

Kommende Woche muss die Wahl der Kommandanten am 02. Februar 2011 durch den Gemeinderat bestätigt werden.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.